29. Januar 2013

Der Astronaut aus dem Onsernonetal

Der kleine Ort Gresso im Tessiner Onsernonetal liegt in erhöhter Lage, wie die meisten solcher Dörfer auf der Alpensüdseite, an den Hang geklebt, die Häuser eng aneinander gebaut, als müssten sie sich gegenseitig erwärmen. Maren Heyne hat dem auf 999 Metern über Meer gelegenen Flecken einen Text-Bildband gewidmet. Das 1991 im Berner Zytglogge Verlag erschienene Buch portätiert verstorbene und lebende Bewohner, erzählt vom kargen Leben in den vergangenen Jahrhunderten, von Auswanderern, schrägen Vögeln, Familienzwisten, dem Wandel der Zeit. Der Tessiner Schriftsteller Giovanni Orelli begleitet die Reportage mit eigenwilligen Kurztexten. Sie verleihen dem Œuvre eine subtil-herbe Note. Gresso darf als eines der abgelegensten Dörfer des Südkantons bezeichnet werden, fern jeglicher Tourismushektik. Wem Locarno zu betriebsam und die Sahara zu einsam ist, dürfte in Gresso auf seine Kosten kommen, vorausgesetzt, er weiss mit der Steilheit der Bergwege etwas anzufangen.

Alpe Bassa, 800 Höhenmeter über Gresso (TI) im Onsernonetal

Im besagten Buch liess mich auf Seite 132 eine kleine Randbemerkung aufhorchen. Heyne erwähnt darin einen gewissen Walter «Wally» Schirra, dessen Vorfahren aus dem Onsernonetal – genauer: aus Loco – stammten. Schirra erlangte in Raumfahrtkreisen und darüber hinaus eine nicht unzweifelhafte Berühmtheit. Einerseits war «Wally» der erste Astronaut, der in den drei Raumfahrtprogrammen Mercury, Gemini und Apollo den Weltraum besuchte. Andererseits war er auch Kampfpilot und flog für die US-Marine unter anderem Einsätze im Koreakrieg. Ob der am 3. Mai 2007 im Alter von 84 Jahren verstorbene Mann mit Tessiner Wurzeln seine zerklüftete Heimat je einmal besucht hat, ist nicht bekannt. Im Grunde gibt es jedoch kaum einen grösseren Gegensatz zwischen dem einst ärmlichen Milieu des Onsernone und den Weltraumspaziergängen des Walter Schirra.

Walter «Wally» Schirra, Enkel von Emigranten aus dem Onsernonetal. Foto: Courtesy by NASA

27. Januar 2013

Der Schneeschuh-Trail mit Jöoh-Effekt

Im Berner Jura haben die Touristiker des Ski- und Langlaufgebietes von Les Savagnières einen Schneeschuhpfad geschaffen, der nicht nur durch pittoreskes Gelände führt, sondern auch über ein raffiniertes Markierungssystem verfügt. Dieses besteht aus runden und in leuchtendem Orange bemalten Sperrholzscheiben. Mittels Schnur werden die Rondellen an Bäumen aufgehängt. Und nun der Clou: An jedem Holzteller ist ein kleines Glöcklein befestigt, welches ab Windstärke drei leise bimmelt.

Sympathische Handgestricktheit im
Berner Jura: Schneeschuh-Trail-Rondelle
mit Glöckchen.

Optisch-akustische Touristenlenkung heisst dies im Fachjargon. Doch die sympathische Idee hat einen Haken. Das rauhe Winterklima des Faltenjuras überzieht die Glöcklein nicht selten mit einer Eisschicht, was dem akustischen Ansatz einen unwillkommenen Dämpfer versetzt. Aber vielleicht erfindet ja ein kluger Kopf das beheizbare Glöckchen.

Jööh-Idee mit Fehlfunktion. Macht nichts,
Hauptsache herzig.

21. Januar 2013

Meine Heillandschaft

Das Appenzellerland ist nebst dem Tessin, dem Jura und dem Emmental meine zweite Heimat. Das zwischen Bodensee und Alpstein eingeklemmte und verhügelte Ambiente hat es mir seit Anbeginn meiner Wanderkarriere angetan. Daher reise ich immer wieder gerne in diese Gegend mit ihren Hunderten von Einzelhöfen und Dutzenden von unverhofft auftauchenden Beizen.

Auf meinem letzten Gang zog ich durch das Appenzeller Vorderland von Trogen über Heiden nach St. Margrethen. Und ich pflichte Peter Eggenberger bei, wenn er in seinem Roman «Tod eines Wunderheilers» das Appenzeller Hügelkonglomerat als Heillandschaft tituliert. Bei Schnee steigert sich das optische Heil gar zu einem Sehrausch, wie nachfolgende Bilder ansatzweise verdeutlichen.

Trogen (AR)

Zelg bei Tanne (AR)

Büelen (AI)

Rütegg (AI)

Strich (AR)

Rank beim Torfnest (AI)

Über dem Najenried (AI)

Bei Blatten über dem Najenried (AI)

Birkenfeld (AR)

18. Januar 2013

Ciao Jakob

Da lese ich praktisch keine ausländischen Belletristiker, entdecke aber vor kurzem den deutschen Autor Jakob Arjouni («Arschuni»), lese seinen Kriminalroman «Kismet» und bin derart angetan, dass ich sogleich «Mehr Bier» nachkaufe. Und nun ist Arjouni in der Nacht auf den 17. Januar im Alter von 48 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Ich bin erschüttert und werde die restlichen Arjounis post mortem lesen. Ciao and rest in peace!

Bereits zwei Tage nach Arjounis Tod
sah ich in der Berner Bahnhofbuchhandlung
von Thalia dieses Schaufenster

13. Januar 2013

Das Technikgebäude



Gesamterneuerung Bahnhof Burgistein: Am Standort der ehemaligen Landi entsteht das Technikgebäude.

10. Januar 2013

Posaunenengel und Pouletflügeli

Winterwanderung
Wasen–Oberwald–Huttwil

Die Emme ist zwar weit, doch das Emmental nah. Hautnah sogar. Wer vom Fusse des Napfs vor die Tore des Oberaargaus geht, erlebt eine Wanderung vom Nabel der Schraubenzieherwelt bis zur psychedelischen Reizbarkeit unserer Sinne.


Wasen–Huttwil (BE): die Route
Am Dorfeingang Wasens, an der Bushaltestelle Bahnhof, ist auszusteigen. Gegenüber das unübersehbare Fabrikgebäude der Firma PB Swisstools. Von hier stammen unter anderem die Schraubenzieher mit den weltberühmten roten Griffen. Das Werk beschäftigt 140 Mitarbeitende, und stellt monatlich 700 000 Stück her.  Nebst Schraubenziehern stellt PB Swisstools eine ganze Palette anderer Werkzeuge her, so auch für den medizinischen Bedarf. Das Sortiment umfasst insgesamt 2200 verschiedene Artikel. 66 % der Ware wird ins Ausland exportiert. Die Firma ist in 41 Ländern, hauptsächlich in Europa, Asien und Amerika, vertreten. 1878 als Schmiede gegründet, übernahm 1916 ein gewisser Paul Baumann (PB) den Betrieb und entwickelte das heute in vierter Generation erfolgreich operierende Unternehmen stetig weiter. An der Spitze des grössten Arbeitgebers der Region steht mit Eva Jaisli eine Frau.

Firmengebäude von PB Swisstools in Wasen (BE)

Der gelbe Richtungszeiger gegenüber des Firmengebäudes weist bereits den Weg Richtung Oberwald/Schaber. Auf der Nordseite der Schraubenzieherfabrik über die Grüene und auf einem Strässchen weiter in einen enger werdenden Graben hinein, die markierte Route an jener Stelle verlassend, wo sie links zum Bächlein runter führt. Auf besagtem Strässchen weiter bergan, die Abzweigung zum Battenberg ignonierend, in zwei schattigen Kehren zum Hof mit dem speziellen Namen Zwei. Auf einer Art Hochplateau mit sich weitender Aussicht zum Hof Underbärhege mit prächtigem Bauernhaus. Auf breitem Bergrücken zum nächsten Anwesen, Oberbärhege. Bei der Scheuneneinfahrt den Weg rechts wählen und nun steiler zum Waldrand hoch, diesem entlang, ein erster links abzweigender Weg ignorierend und etwas weiter oben in steiles Waldgelände eintauchen. Nach einer kurzen Traverse wird der Grat betreten, welcher Wasen von Wyssachen trennt. Bärhegenchnübeli nennt sich die Stelle. Prächtige Aussicht Richtung Nordosten.

Underbärhege

Underbärhege

Zwischen Under- und Oberbärhege

Blick vom Schaber Nordostwärts ins Huttwiler Hügelland

Nun wieder auf markiertem Weg in leichtem Ab nordwestwärts zum Schaber, wo er sich am Waldrand (Sitzbänke, Orientierungskarte) gabelt. Rechts in den Wald und in zehn Minuten auf angenehmem Forstweg zum Restaurant Oberwald.

Restaurant Oberwald

Die Ründemalereien des Restaurants Oberwald

Die Gaststube des Restaurants Oberwald

Das um 1750 erbaute Gebäude weist in der sogenannten Ründe und an der Stirnseite wunderbare Malereien auf. Diese zeigen biblische Szenen wie den Verkauf Josephs, den Sündenfall, oder ein paar Posaunenengel. Aber auch Landschaften und Rokoko-Ornamente sind auszumachen. Die kleine Gaststube – die bescheidene Menükarte empfiehlt unter anderem «Heissi Würstli usem Chuchirouch» sowie Pouletflügeli – ist von einer Heimeligkeit beseelt, der man am liebsten längere Zeit im denkmalgeschützten Gebäude huldigen möchte. Doch bis Huttwil sind es noch knapp zwei Stunden, obschon der Wegweiser von weniger spricht.
Nach etwa fünf Minuten zweigt die markierte Route links in den Oberwald ab. In sanftem Gefälle hinunter zur Längweid mit seinen zwei Höfen. Auf schmalem Strässchen stets auf etwa gleicher Höhe bleibend bis zur Kreuzung, wo der ausgeschilderte Weg als Fussweg durch eine Wiese führt (Punkt 754). Da der spätere Abschnitt dieser Route ein Stück weit auf der gefährlichen Hauptstrasse verläuft, hier eine etwas längere aber bedeutend sichere Variante.

Im Oberwald

Ab besagtem Punkt auf einem Fahrsträssen links bis zur markanten Linkskurve. Hier in nordwestlicher Richtung über eine Wiese, später dem Waldrand entlang zum Hof Dantsch absteigen, wo auf dem Strässchen zum Weiler Schweinbrunnen weitergegangen wird. Dort rechts an einem weiteren Hof vorbei, leicht aufsteigend zum Baumgarten, linkerhand stets die Hochspannungsleitung im Visier. Bei der Weid (auf Karte nicht vermerkt) wird der offizielle Wanderweg wieder erreicht. Auf diesem nun unter der Stromleitung durch und auf leicht übersehbarem Wiesenpfad zum Hof Acher. Den Huttwilwald kurz durchqueren, über die breite Haupstrasse hinunter an die Wissachen, welche auf einem Holzsteg überschritten wird. Gegenanstieg zum Weiler Schwarzenbach und über ein offenes Feld zur Kantonsstrasse Sumiswald–Huttwil. Auf dem Trottoir in wenigen Minuten zum Bahnhof Huttwil, wo es sich lohnt, die eigenartige Unterführung mit dem Namen «Huttutunnu» zu begehen. Der 1999 von Huttwiler Schulklassen bemalte Tunnel bewirkt beim Durchlaufen spezielle, optische Effekte. Vor psychedelischen Grenzerfahrungen sei daher an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt.

Am Weg zum Hof Dantsch

Schottisches Hochlandrind beim Hof Schweinbrunnen

Der «Huttutunnu» im Bahnhof Huttwil

Charakter: Einfache Wanderung auf guten Wegen. Nicht durchgehend markiert. Distanz: 12.0 km Aufstieg: 330 m Abstieg: 440 m Dauer: 3½ Std. Karten: 1148 Sumiswald, 234T Willisau Einkehren: Wirtschaft Oberwald, Telefon 062 966 15 19, Ruhetag Mo, Di Hin: mit der Bahn bis Sumiswald-Grünen, weiter mit Bus bis Wasen, Bahnhof Zurück: mit der Bahn ab Huttwil.

7. Januar 2013

Tschü Long Suan

Das China-Restaurant de l'Ours in Cortébert (BE)

Gerne komme ich noch einmal auf das Restaurant de l'Ours in Cortébert (BE) zurück. Vergangene Woche kam ich hier vorbei und rätselte über den zusätzlich auf Chinesisch angeschriebenen Bären. Weitergeholfen hat mir tags darauf ein Informatiker aus meinem beruflichen Umfeld. Der chinesisch-stämmige Mann ist zwar des Kantonesischen mächtig, konnte die drei  Schriftzeichen aber auch nicht entziffern. Er machte mit seinem iPhone indes einen Screenshot meines Blogs und sandte das Bild seiner in China aufgewachsenen Frau. Das nachfolgende Telefongespräch brachte dann die Lösung.
  1. Die Schriftzeichen stammen aus dem nordchinesischen Mandarin, der Muttersprache der Frau des Informatikers.
  2. Wörtlich übersetzt bedeuten sie «Gasthof für ehrenwerte Leute».
  3. Das Zeichen in der Mitte symbolisiert den Drachen. In der chinesischen  Mythologie ist der Drache  ein Wesen von hohem Ansehen.
  4. In romanischen Buchstaben schreibt sich das Ganze «Ju Long Xuan».
  5. «Long» bedeutet Drache. (Merke: Bestelle in einem chinesischen Restaurant nie einen Long-Drink!)
  6. Ausgesprochen wird das alles als «Tschü Long Suan».
Ende der ersten Lektion.

Die Speisekarte des Restaurant ist zum Glück auf Französisch gehalten. Auf dem weissen Zettel stand noch das Neujahrsmenü. Als Salat wurde – nomen est omen – «une salade chinoise» serviert. Und dann achte man auf die unterschiedliche chinesische Typografie im Vergleich zum obersten Bild!

6. Januar 2013

Sürprise aus dem Frigo

Der Traum, der aus der Kühle kam

Vergangenen Samstag war die 13. Etappe der Aargau-Umschreitung. Es ging von Mellikon nach Leibstadt. Alles haarscharf dem Rhein entlang. Was ich mir im Vorfeld als monotonen Hatscher ausmalte, entwickelte sich zum Happening, bei dem sich eine Überraschung an die andere reihte. Den Anfang machte bereits der Kühlschrank. Beim Zusammenstellen des Marschproviantes entdeckte ich bei fünf Grad Celsius einen Käse, auf dessen Verpackung «Aargauer Traum» stand. Ich zögerte keine Sekunde und packte ihn ein. Wie er mir schmeckte und was sich sonst alles am Rhein abgespielt hat, ist im gesonderten Blog nachzulesen.

4. Januar 2013

Das Häftli des Fotografen

Wie im Post vom 2. Januar versprochen, nachfolgend sieben iPhone-Fotos vom Häftli, dem alten Aarelauf zwischen Meienried und Büren an der Aare.







3. Januar 2013

Courtelary schmeichelhaft

Ich werde immer wieder gefragt, was denn dieses P. nach meinem Vornamen soll. Nun, es steht für Pierre und so steht es auch in meinem Pass. René Pierre Moor. Weshalb verwendet er denn dieses P. überhaupt, mögen sich die Leser und selbstverständlich auch die Leserinnen fragen. Der Grund liegt bei einem Namensvetter, der sich ebefalls schreibenderweise durchs Leben schlägt. Ich mit, er ohne P. Es gilt also, Verwechslungen vorzubeugen und die Einmaligkeit unserer beiden Existenzen zu verdeutlichen.

Mit Freude las ich daher am Berchtoldstag im Bern-Jurassischen Coutelary den schmeichelhaften Brückennamen «Pont de Pierre». Die Wanderung führte mich von Corgémont über besagtes Courtelary nach Tramelan. Eine zugegebenermassen etwas sonderbare Route, doch sie hatte es in sich! Schneite es auf den ersten Kilometern noch, so zeigte sich später die Sonne. Der Talgrund des Vallon de St-Imier war ausgeapert, an schattigen Stellen lauerten arschglatte Wege und Strassen, auf der besonnten Seite spritzte beim Gehen der Morast bis in die Kniekehlen. Im Restaurant de l'Ours in Cortébert ist chinesische Küche angesagt. Die Chinesen als Retter der vom Aussterben bedrohten Dorfbeizen, dachte ich, nachdem mir auf der Anreise in Sonceboz-Sombeval das chinesisch-thailändische Bahnhofbuffet aufgefallen war. Dieses hatte ich vor Jahren, nach einer happigen 20-Kilometer-Schneeschuhtour, komplett verrammelt vorgefunden.

Einstige Mühle von Corgémont (BE) beim Zusammenfluss des Mühlebachs in die Suze.
 
Der Westen produziert in China, die Chinesen wirten im Westen. Das Restaurant de l'Ours in Cortébert. Kann das jemand lesen? Ich erkenne beim Schriftzeichen rechts zwei sitzende Kinder auf einer Stange. Kindergarten?

Das schmeichelt dem René P.: In Courtelary haben Brücken schöne Namen.

Im Talgrund schon fast Frühling, auf der Montagne du Droit lauert der Winter.

Spuren des nassen Winters oberhalb Courtelary.

War der erste Teil der Wanderung eher flach, so änderte sich die Topographie ab Courtelary drastisch. Ich stieg auf einer sogenannten «Charrière» – einem Karrweg – die Steilflanke der Montagne du Droit hoch. Die Szenerie wechselte innerhalb einer guten halben Stunde von Vorfrühling über Spätherbst, Vorwinter zu Hochwinter. Auf der Montagne angelangt, erwarteten mich 40 Zentimeter Schnee, hart beinelnde Langläufer und ein Jura-Ambiente zum Verlieben. Doch damit nicht genug. Der vom Regen durchnässte Schnee war über Nacht zur steinharten Masse geworden. Bis Tramelan zelebrierte ich die Leichtigkeit des Schneewanderers auf gefrorenem Grund. Gibt es für Wanderfanatiker im soeben lancierten Schrittlerjahr einen passenderen Einstand als diesen?

Auf den «Vieilles Charrières» – vermutlich dem alten Bergweg – zur Bise de Cortébert.

Die Bise de Cortébert auf der Montagne du Droit ist ganzjährig bewohnt und bietet eine Einkehrmöglichkeit.

Winterwandern, eine gute halbe Stunde vom Vorfrühling entfernt. Bei der Bise de Cortébert.

Das kann nur der Jura! Bei der Bise de Cortébert.

Auf dem Abstieg von der Bise de Cortébert nach Tramelan (BE)

Hübsches, altes Bahnhofgebäude der Chemins de Fer du Jura in Tramelan.

2. Januar 2013

Ich war ein Häftlimacher

Im Beitrag vom 26. Dezember schrieb ich über eine aus gesundheitlichen Gründen nicht durchgeführte Wanderung. Nun, vergangenen Montag holte ich Biel-Büren an der Aare nach. Hierbei folgte ich bis Meienried der orografisch linken Seite des Nidau-Büren-Kanals, einem Produkt der Juragewässerkorrektionen. Der zweite Abschnitt galt dem Lauf der alten Aare. Dieser umfliesst das sogenannte Häftli, dessen Name sich in der Schlaufenform begründet. Der Lauf der mäandernden alten Aare gleicht einem «Häftlig», also einer Öse. Ösen und Häkchen wurden verwendet, um ein Gewand unauffällliger als mit den groben Knöpfen zu verschliessen.

Entgegen der landläufigen Meinung, am Jurasüdfuss herrsche winters monatelange Hochnebelstarre, fand ich ein durchwegs besonntes Ambiente vor. Blöd nur, dass nach dem Burn-out des Kamera-Akkus auch der Reserve-Akku ausgebrannt war. Dies musste vermutlich aus statistischen Gründen so sein, denn einmal pro Jahr widerfährt mir dieser Lapsus. 2012 fehlte er bislang, doch am letzten Tag des Jahres schlug er unerbittlich zu. Also durfte mein iPhone in die Bresche springen. Die Bilder gibts am 4. Januar in diesem Blog.

Zurück zu den Juragewässerkorrektionen, den eigentlichen Auslösern dieser Wanderung. Nachfolgend drei Karten, welche die Situation zwischen Nidau und Büren vor und nach den Landschaftseingriffen dokumentieren.

Dufourkarte 1:100'000 um 1850. Die Zihl mäanderte vor der Korrektion von Nidau nach Meienried, wo sie sich mit der von Aarberg her kommenden Aare vereinigte. Von Meienried bis Büren führte die Aare in weiten Bögen durch die Ebene, dem sogenannten Häftli.

Die Situation nach den zwei Korrektionen zeigt ein völlig anderes Bild: Die Zihl ist in den Nidau-Büren-Kanal gezwängt worden, das Häftli wird vom Kanal durchbrochen. Die alte Aare zwischen Aarberg und Büren ist zum schmalen Bach geworden, weil bei Aarberg das Wasser via Hagneck-Kanal zum Grossteil in den Bielersee abgeleitet wird. Bemerkenswert auch die Siedlungsentwicklung. Zwischen der Karte ganz oben und dieser Ansicht, liegen nur 150 Jahre!
 
Zum direkten Vergleich sind beide Karten oben übereinandergelegt worden. Deutlich zu erkennen ist die Umgestaltung des Zihl- bzw. Aarelaufs.