13. Mai 2020

Pfannenstiel

Albin Zollinger: Pfannenstiel, Ex Libris,
Zürich, 1983
1954, als dem Werk Albin Zollingers erstmals eine Dissertation gewidmet wurde, konnte man lesen: «In seinen vier Gedichtsammlungen breitet Zollinger vor uns seine Kostbarkeiten aus, und in seiner stark autobiographisch durchsetzten Prosa enthüllt er uns die Problematik seines Lebens.» – Wie wir heute wissen, bestand die Problematik unter anderem auch darin, dass Zollinger darunter litt, als formbewusster Lyriker, nicht aber als politisch engagierter Prosaist ernstgenommen zu werden. Wer Zollingers im erwähnten Sinne «problematischstes» Buch, den Künstlerroman «Pfannenstiel», heute unvoreingenommen liest, wird erkennen, dass nicht der Dichter, sondern seine Kritiker irrten.

Alle Achtung vor Zollingers Lyrik, aber diese unverkennbar autobiographische Erzählung von dem Künstler, der an der Liebe leidet und an der Verständnislosigkeit seiner Umwelt fast zugrunde geht, dann aber doch seinen Mann stellt, als das Land in Gefahr ist – diese Erzählung macht einen von Seite zu Seite stärker betroffen und überzeugt in ihrer ehrlich-poetischen Attitüde auch da, wo sie nicht zu hehrer Vollkommenheit ausgereift ist!

Die Neuausgabe, die erstmals auch Passagen enthält, die 1940 aus politischen Gründen gestrichen werden mussten, zeigt im übrigen das leidenschaftliche, aber weitsichtige Engagement Zollingers besonders deutlich auf. Doch nicht nur indirekt, auch direkt dokumentiert dieses Buch die Kriegsstimmung von 1938/39 in einzigartiger Weise. So liest man es als das Vermächtnis eines Dichters, dessen Leben in eine böse Zeit fiel. (Klappentext)

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