25. Oktober 2020

Abseitsfalle

Walther Kauer: Abseitsfalle: Benziger,
Zürich/Köln, 1977
Abseitsfalle: der Roman eines Fussballstars, der mit vierunddreissig am Ende ist, am Ende seiner Karriere, aber auch körperlich und psychisch am Ende. Der Aufstieg aus dem Arbeitermilieu zu Geld und Ansehen hat sich als Täuschung erwiesen.

Walther Kauer erzählt seinen Roman auf zwei Ebenen. Da ist die Zeit zwischen Karfreitag und Ostermontag: das Trainingslager in einem abgelegenen Hotel; das Vorbereitungsspiel gegen einen zweitklassigen Club, während dem sich unversehens die Spannungen innerhalb der Mannschaft entladen; der Cupfinal, bei dem Jörg Meister nach einem groben Foul vom Platz verwiesen wird.

Eingeblendet sind Jörgs Erinnerungen: an die Kindheit im Arbeiterviertel, eine geborgene Kindheit, eingebettet in die Solidarität der Bewohner eines Viertels, aber auch eine Kindheit, gefährdet durch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Erinnerungen an die Lehrzeit in der Uhrenfabrik, an die ersten Spiele im Arbeitersportverein, an die Entdeckung durch den Präsidenten eines angesehenen Fussballclubs, den Abbruch der Lehre, den vermeintlichen Aufstieg zum Fussballprofi.

Abseitsfalle ist ein zupackendes Buch, ist die Kritik am Sport als Geschäft, dessen Stars aufgebaut und rücksichtslos ins Vergessen gestossen werden, sobald sie verbraucht sind. Doch Kauer beherrscht auch die leisen Zwischentöne, das liebevoll ausgebreitete erzählerische Detail. Und vor allem: Kauer erweist sich auch in seinem vierten Roman als Schriftsteller, dessen Engagement ernst zu nehmen ist.
(Klappentext)

BE: Bern und Umgebung, Wankdorf, Kemmeribodenbad

Dieses Buch gibt es im Antiquariat der Edition Wanderwerk zu kaufen (Rubrik «Belletristik»)

24. Oktober 2020

Der Koch

Martin Suter: Der Koch, Diogenes,
Zürich, 2010
Maravan, 33, tamilischer Asylbewerber, arbeitet als Hilfskraft in einem Zürcher Sternelokal, tief unter seinem Niveau. Denn Maravan ist ein begnadeter, leidenschaftlicher Koch. In Sri Lanka hatte ihn seine Großtante in die Kochkunst eingeweiht, nicht zuletzt in die Geheimnisse der aphrodisischen Küche. Als er gefeuert wird, ermutigt ihn seine Kollegin Andrea zu einem Deal der besonderen Art: einem gemeinsamen Catering für Liebesmenüs.

Anfangs kochen sie für Paare, die eine Sexualtherapeutin vermittelt. Doch der Erfolg von Love Food spricht sich herum, und eine viel zahlungskräftigere Klientel bekundet Interesse: Männer aus Politik und Wirtschaft – und deren Grauzonen. Maravan hat Sorge, das Geschäft könne «unanständig» werden. Und das wird es. Doch er benötigt das Geld dringend, um seine Familie in Sri Lanka am Leben zu erhalten.
(Klappentext)

GR: St. Moritz, Maloja ZH: Stadt Zürich CL: Sri Lanka

Dieses Buch gibt es im Buchantiquariat der Edition Wanderwerk zu kaufen (Rubrik «Belletristik).

23. Oktober 2020

Gastlosen

Walther Kauer: Gastlosen, Fischer,
Münsingen, 1986
In «Gastlosen spielen ein Lied und damit zwei Personen eine Rolle, die wohl jedem Schweizer ein Begriff sind: das «Vreneli ab em Guggisbärg» und dessen Liebhaber «Simes Hansjoggeli ännet em Bärg». Dieser Stoff dient Kauer aber bestimmt nicht zu einem Heimatroman. Vielmehr sucht er wieder den Menschen und sein geschichtliches Schicksal vor dem Hintergrund eines vielleicht sogar gedankenlos gesungenen Liebesliedes. Welche gesellschaftlichen Verhältnisse haben denn die beiden gehindert, zusammenzukommen?

Kauer findet die überraschende Erklärung. Eine ebenso spannende Rahmengeschichte bildet die literarische Klammer des Werkes: Fabian Kessler, ein Schriftsteller, hat sich mit seiner Familie in ein Dorf zurückgezogen. Dieses lebt scheinbar ruhig dahin. Plötzlich fallen dem Schriftsteller seltsame Ereignisse und seltsame Menschen auf: ein alter Vagabund, hinter dessen trottelhaftem Benehmen mehr steckt; saubere Behördenmitglieder , die Ihren Vorteil zu nutzen wissen; eine Witwe in mittleren Jahren, die sich in einen Ausländer verliebt, der den Erben der Witwe im Wege steht. Und dann der Freitod der Witwe in einem Wohnblock, was erst nach einigen Wochen entdeckt wird.

Dazwischen die Geschichte vom Vreneli, die den Schriftsteller nicht loslässt. Sein Entschluss, aus diesem Stoff mit seinem Freund einen Film zu machen, seine Recherchen – alles das verwebt sich zu einem dichten Netz, in dessen Maschen sich der Schriftsteller beinahe verfängt.

Den brisanten Stoff hat Walther Kauer zu einem brillanten Buch verarbeitet. In diesem fehlen – wie immer bei Kauer – weder die feinen Zwischentöne noch der zuweilen handfest-derbe Humor. Besonders aber kommt in diesem Werk die Liebe des Autors zu seinem Bernerland zum Ausdruck.
(Klappentext)

BE: Schwarzenburgerland FR: Murten

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

22. Oktober 2020

Der Alchimist

Paulo Coelho: Der Alchimist, Diogenes,
Zürich, 1996
Santiago, ein andalusischer Hirte, hat einen wiederkehrenden Traum: Am Fuß der Pyramiden liege ein Schatz für ihn bereit. Soll er das Vertraute für möglichen Reichtum aufgeben? War er nicht zufrieden mit seiner bescheidenen Existenz? Santiago ist mutig genug, seinen Traum nicht einfach beiseite zu wischen. Er wagt sich hinaus und begibt sich auf eine Reise, die ihn nicht nur von den Souks in Tanger über Palmen und Oasen bis nach Ägypten führt, er findet in der Stille der Wüste auch immer mehr zu sich selbst und erkennt, was das Leben für Schätze bereithält, die nicht einmal mit Gold aufzuwiegen sind. Verschleierte Frauen und sich bekriegende Berber säumen seinen Weg, vor allem aber Menschen, die ihn ermuntern, die Geheimnisse der Welt zu erkunden: eine Zigeunerin, ein alter Mann, und nicht zuletzt der weise Alchimist. Und er erfährt die Liebe in ihrer schönsten Form. Fatima und der Alchimist helfen ihm, bis zu tiefstem innerem Glück und völligem Einklang mit der Welt und den Menschen vorzudringen. (Klappentext)

E: Andalusien, Tarifa Afrika: Tanger, Sahara, Pyramiden von Gizeh

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»). 

21. Oktober 2020

Schlüsselstellen

Christine Kopp: Schlüsselstellen, Eigenverlag,
2009
«Sind wir in den Bergen unterwegs, leben wir oft im Hier und Jetzt – entsprechend tiefe Spuren hinterlassen sie in unseren Köpfen und Seelen. Die stärksten Erinnerungen bleiben uns von den Schlüsselstellen. Manchmal handelt es sich dabei tatsächlich um die härtesten Knacknüsse eines Anstiegs, manchmal ‹nur› um Anekdoten und Episoden, die wir dort oben erleben.

Die Schlüsselstellen in diesem Buch sind solche kleinen Geschichten aus den Bergen; sie sind es, die wir in den Rucksack packen und mit nach Hause nehmen.» Klappentext

20. Oktober 2020

Die Albulabahn

Diverse Autoren: Die Albulabahn, Pospischil, Wien,
1980
Der Gedanke einer Albulabahn wurde in erster Linie in Konkurrenz zum erwähnten Projekt einer Scalettabahn verfolgt. Ziel einer Albulabahn war die Schaffung einer möglichst direkten und leistungsfähigen Verbindung zwischen dem Engadin und der Kantonshauptstadt Chur. Nach langem Hin und Her zwischen Linienvarianten mit Maximalsteigungen von nur 25‰ bis zu einer solchen von 45‰ entschied man sich für ein Projekt des Churer Oberingenieurs Moser mit Maximalsteigungen bis 35‰. Das an sich günstige Projekt mit Maximalsteigungen von 25‰ stiess auf harte Kritik, da dort alle Stationen weit abseits der Ortschaften zu stehen gekommen wären. Nachdem erst später in die Diskussion gebrachte Projekte zum Bau einer Julierbahn ebenfalls ausmanövriert waren, entschloss man sich am 27. November 1897 endgültig zum Bau einer Albulabahn gemäss Projekt Moser. (Aus der Einleitung)


Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Eisenbahn»). 

19. Oktober 2020

Die Ybbstalbahn

Diverse Autoren: Die Ybbstalbahn, Pospischil,
Wien, 1989
Schon um das Jahr 1870 befaßte man sich mit dem Plan. das obere Ybbstal von Waidhofen aus flußaufwärts bis nach Lunz am See und dann dem Lauf des Bodingbaches folgend über den Pfaffensattel nach Kienberg·Gaming mittels einer Bahn zu erschließen. Besonders die Eröffnung der Kronprinz-Rudolf-Bahn (die Verbindung von Amstetten nach Kastenreith) und der damit verbundene Anschluß von Waidhofen an der Ybbs an das Bahnnetz im November 1872 trugen wesentlich zur Popularisierung dieser Idee bei. Allerdings wurde der große Börsenkrach des Jahres 1873 auch diesem Bahnprojekt zum Verhängnis.

Erst nach der Fertigstellung der Bahnlinie der Niederösterreichischen Südwestbahn von Pöchlarn nach Kienberg-Gaming im Oktober 1877 entsann man sich wieder dieses alten Vorhabens. doch es sollte noch weitere fünf Jahre dauern. bis die Zeit reif war für die Gründung des Ybbstalbahn-Comitees im Jahr 1882, dessen Obmann der Landtags- und Reichsrathsabgeordnete Gottfried Jax wurde. der sich in späterer Folge noch vehement für den Bahnbau einsetzen sollte und den man sicherlich als den Vater der Ybbstalbahn bezeichnen kann.

Die erste Tat dieses neugegründeten Comitees war eine Petition an den Reichsrat. in der man unter Zugrundelegung des wirtschaftlichen Niederganges dieser einst blühenden Gegend den Bau einer Bahnverbindung dringendst urgierte. Das gesamte Ybbstal und dessen nähere Umgebung. das auch unter dem Namen «Eisenwurzen» bekannt ist, wies schon im 16. Jahrhundert eine blühende Eisenverarbeitung auf. Das Eisenerz wurde vom nahen Erzberg bezogen. 1808 betrieben. noch 63 Meister ihre Hammerwerke, 1885 waren es 40. von denen aber viele nur mehr drei oder vier Arbeiter beschäftigen konnten. Die meisten von ihnen führten dies auf eine fehlende Bahnverbindung zurück und blickten neidvoll ins Traisen-, Gölsen- oder Triestingtal, nachdem die 1877 und 1878 vollendeten Strecken der Südwestbahn (St. Pölten–Leobersdorf und Traisen–Schrambach) nicht unwesentlich zur wirtschaftlichen Blüte dieser Täler beigetragen hatten. Man erblickte in der Eingliederung dieser ehemals reichen Gegend in das bestehende und noch immer wachsende Eisenbahnnetz die einzige Chance, den weiteren Niedergang dieser Region aufzuhalten.
(Beginn der Einleitung)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Eisenbahn»). 

18. Oktober 2020

Die Zillertalbahn

Diverse Autoren: Die Zillertalbahn, Pospischil,
Wien, 1978
Von den heute in Österreich noch bestehen den Schmalspurbahnen ist wohl die Zillertalbahn die, die im In- und Ausland am bekanntesten ist. Das nimmt auch nicht Wunder, fährt sie doch durch ein Tal, das seit jeher als ideales Urlaubsgebiet auch von unseren Nachbarn geschätzt wird, und sie hat sich lange den Charakter einer «lieblichen kleinen Eisenbahn» bewahrt.

Das Zillertal, ein breites, nach Süden gerichtetes Seitental des Inntales nimmt seinen Ausgang bei Strass, wo das Rofangebirge an der Nordseite des Inntales einen eindrucksvollen Riegel bildet. Die Hänge der 2000 Meter hohen Berge, die das Zillertal imWesten und Osten begrenzen, werden bis in große Höhen landwirtschaftlich genutzt. Die «Hörndlbauern» auf den höher gelegenen Höfen wie auch die im Tal pflanzen Grünfutter und auch Kukuruz für ihr Vieh. So dehnen sich im Tal die Wiesen, und die Berghänge geben mit ihrem Wechsel von Wald und Almwiesen ein gutes Beispiel österreichischer Kulturlandschaft.

Der im grossen und ganzen ebene Talboden, der bis Mayrhofen nur um etwa 100 Meter ansteigt, wird durch Schwemmkegel der in den Ziller mündenden Seitenbäche gegliedert. Diese Bäche führen Mengen an Gestein mit sich, das sie im Laufe der Zeit zu hohen Halden im Tal ablagerten. Heute sind diese Bäche verbaut und kanalisiert, ihr Geschiebe ist aber nach wie vor beträchtlich, weshalb ihre Betten laufend ausgebaggert werden müssen. Auf den Geschiebekegeln entstanden die Ortschaften, und da man beim Bahnbau die Trasse nahe an die Dörfer heranführte, findet man stets in der Nähe der Bahnhöfe starke Steigungen mit anschliessenden Gefällen. Besonders ausgeprägt ist diese Situation bei Schlitters, Fügen, Uderns, Ried und Aschau.

Nähert man sich Mayrhofen, dem Endpunkt des Zillertales, so hat die Landschaft das zu bieten, was man sich landläufig unter Tiroler Bergwelt vorstellt. Viele schneebedeckte Gipfel dominieren hier den Talschluss, der eigentlich gar keiner ist, sondern vielmehr die Vereinigung der Seitentäler, «Gründe» genannt, zum Zillertal. Der Zillergrund,, Stillupgrund, Zemmgrund und das Tuxer Tal führen weiter in die Fels- und Eiswelt der Dreitausender ,der Zillertaler Alpen. In dieser Region liegen auch die Usrpünge der Bäche, ein Umstand, der ihnen starke Wasserführung sichert und daher, die Anlage von Speicherkraftwerken nahelegt.
(Beginn der Einleitung)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Eisenbahn»). 

17. Oktober 2020

Schwindelfrei ist nur der Tod

Jörg Maurer: Schwindelfrei ist nur der Tod,
Fischer, Frankfurt/Main, 2016
Kult-Kommissar Jennerwein im Höhenflug: Der achte Alpenkrimi von Bestseller-Autor Jörg Maurer steigt zu den Gipfeln auf. Hoch über dem idyllisch gelegenen Kurort schwebt ein wunderschöner Heissluftballon. Doch ganz plötzlich ist er verschwunden. Vom Winde verweht? Abgestürzt? Oder explodiert? Kommissar Jennerwein und sein Team ermitteln auf windigen Gipfeln und bei aufgeblasenen Lokalprominenten. Doch Jennerwein wirkt bei der Spurensuche nach Unfall oder Mord merkwürdig unkonzentriert, geradezu abgelenkt. Seit langem besucht er heimlich einen mysteriösen Unbekannten im Gefängnis. Was mag der verbrochen haben? Und warum sucht Jennerwein den Rat des Bestatterehepaars a.D. Grasegger? Da taucht der Unbekannte auf einmal im Kurort auf, und Jennerweins gesamte Existenz droht wie ein Ballon zu zerplatzen ... «Schwindelfrei ist nur der Tod» zeigt eine ganz neue Seite des Kult-Kommissars Hubertus Jennerwein – und Jörg Maurer auf der Höhe seiner Krimikunst. (Inhaltsangabe zum Buch)

D: Garmisch-Partenkirchen und Umgebung (Hauptschauplatz), München

16. Oktober 2020

Neuseeland

Diverse Autoren: Neuseeland, Hoffman &
Campe, Hamburg, undatiert
Der Grosse Bär steht auf dem Kopf; der Mond nimmt anders herum ab und zu als bei uns; die Sonne steht im Norden am höchsten, und die Architekten legen Balkons und Terrassen auf die Nordseite, um das Sonnenbad zu verlängern: eine verkehrte Welt?

Nein, nur jene am Wendekreis des Steinbocks. In unserem Falle: Neuseeland. Zwei Inseln, bis vor 200 Jahren noch ungestörte Heimat der Maoris. Etwa 30 Flugstunden von Europa entfernt, ungefähr 6000 Kilometer Küste, umspült von der Tasman-See und dem Pazifischen Ozean.

Ein Traumziel für die meisten Europäer. Die Sonne scheint im Durchschnitt 2000 Stunden im Jahr, es grünt auch im Winter. Die beiden Inseln sind ein Europa en miniature. Von Island bis Italien ist alles vertreten: heisse Quellen und ewiges Eis, weisse Sandstrände und wüstenartige Landstriche, fruchtbare Ebenen und alpine Gebirge.

Die Lebensweise der Neuseeländer, überwiegend Nachkommen von Siedlern aus England, ist unübersehbar britisch. Die Umgangsformen sind leger, Hektik kennt man nicht, weder auf dem Land noch in den Städten. Slums sucht man vergebens. Und kaum einer von 100 Neuseeländern ist ohne Arbeit.

Ein moderner Staat – immerhin kommen hier auf 1000 Einwohner mehr Autos als in der Bundesrepublik Deutschland – ohne Luftverschmutzung und mit reinem, unverseuchtem Wasser. Ein Traumland also? Nur leider liegt es für uns am Ende der Welt.
(Vorwort)

15. Oktober 2020

Suche nach dem Andern

Emil Zopfi: Suche nach dem Andern,
Benziger, Zürich/Köln, 1982
Ernst Zwahlen, hochqualifizierter Techniker an der Lichtsatzanlage einer Zeitung, weigert sich, dazu beizutragen, dass Menschen durch Rationalisierungsmassnahmen ihren Arbeitsplatz verlieren. Er gibt seine Stelle auf, verlässt seine Frau, fährt nach Turin. Er sucht. Nach Lisa, die er in Zürich gekannt hat, nach Arbeit, Wohnung, nach einem anderen Leben. Nach den Gründen, die zur Entfremdung zwischen ihm und seiner Frau geführt haben. Nach sich selber.

ZH: Stadt Zürich I: Turin (Hauptschauplatz)

14. Oktober 2020

Himmelskönigin

Susy Schmid: Himmelskönigin, Cosmos,
Muri b. Bern, 2003
Bisher war der typische Ermittler im Schweizer Kriminalroman um die sechzig Jahre alt, männlich und Berner. Jetzt kommt Evi Gygax: Die 28-jährige Aargauerin hat mit Ermittlungen rein gar nichts am Hut, bis sie in der Kirche ihres Heimatortes einen alten Bekannten sterbend auffindet. Eben gerade von einer langen Reise zurückgekehrt, hat Evi plötzlich ganz andere Probleme, als sich im «Land der blank geputzten Ortsschilder und der gepflegten Geranien» wieder zurechtzufinden: Wer hat den Pfarrer ermordet? Ws genau soll Evi der Polizei erzählen? Und warum dürfen runde Frauen in der Öffentlichkeit keine Vermicelles essen? (Klappentext)

AG: Baden, Eigenamt, Gebenstorf, Geissberg bei Villigen

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Kriminalromane»).

13. Oktober 2020

Ich und das Dorf

Walter Matthias Diggelmann: Ich und das
Dorf, Verlag Volk und Welt, Berlin, 1974
«Alle in meinen Aufzeichnungen vorkommenden Personen sind erfunden … Wichtig ist zu wissen, dass jede Person sich aus mindestens neun verschiedenen möglicherweise lebenden Personen zusammensetzt. Auch der Erzähler ist nicht ICH. ICH möchte vielleicht ICH sein.»

Auch DAS DORF ist nicht irgendein Fleckchen am Südhang der Alpen nahe der schweizerisch-italienischen Grenze, sondern die Summe alles Dörflichen in dieser paradiesischen Gegend. Wie auch immer: Es geht recht lebendig zu bei der Kneipenwirtin Tina. Ihre kleine Gaststube ist das Herz des Ortes, hier treffen sich Bewohner und Besucher, hier reden sie mit- und übereinander bei Grappa und starkem einheimischen Roten. Hierher zieht es berühmte Künstler, den legendären Bankräuber Pino Patocchi und Menschen wie Violetta, die, ihrer Abenteuer müde, ins Dorf zurückgekehrt sind. Auch die Schmuggler sind bei Tina zu Hause. Chichi Ponti mit seinem tragisch-komischen Lebenslauf ist einer von ihnen. Alle in diesem Dorf haben ihre Geschichte, und mit jeder wird die Struktur des Ortes durchschaubarer, sondern sich kleine von großen Gaunern, kauzige Außenseiter von Ernsthaften. Am Ende entsteht DAS DORF, in dem der Geschichtenerzähler nicht ICH werden kann.
(Klappentext)

TI: Brusino-Arsizio

12. Oktober 2020

Die 13 Liebhaber der Jeannette Jobert

John Frédéric Vuilleumier: Die dreizehn
LIebhaber der Jeannette Jobert, Büchergilde
Gutenberg, Zürich, 1943
John Frédéric Vuilleumier (1.12.1893–23.8.1976) wurde als Sohn eines Industriellen aus dem heutigen Kanton Jura geboren; die Mutter stammte aus Basel. Nach dem Besuch der Oberrealschule in Basel absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten in Basel, Genf, Berlin und Zürich. 1918 promovierte er an der Universität Basel zum Doktor der Rechte. Da er es ablehnte, eine herkömmliche Juristenkarriere einzuschlagen, volontierte er zunächst an einer Basler Strafvollzugsanstalt. 1919 ging er in die Vereinigten Staaten, wo er studienhalber ein Jahr lang freiwillig als Strafgefangener in den Zuchthäusern von Portsmouth (New Hampshire) und Auburn (New York) verbrachte. Anschliessend durchquerte er die Vereinigten Staaten als Abenteurer bis nach Kalifornien und wieder zurück nach New York. Danach reiste er zu der karibischen Insel Trinidad, in deren Urwäldern er sich einige Monate lang aufhielt. Nach seiner Rückkehr nach Europa lebte er ab 1931 in Paris, unterbrochen von weiteren Reisen und einem Aufenthalt in der Schweiz.

Vuilleumier verfasste Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Hörspiele. Während seine frühen Werke von seinem justizkritischen Engagement und der Sympathie für die Opfer eines repressiven Strafvollzugs geprägt sind, schrieb Vuilleumier später in betont sinnenfroher Weise über Themen aus der Schweizer Provinz, insbesondere des (Berner) Jura, wo er während des Zweiten Weltkriegs in Renan, dem hintersten Dorf des Vallon de St-Imier, lebte.

Es erstaunt deshalb nicht, dass der Autor einige seiner Romane in dieser einst von der Uhrenindustrie und heute noch von der Landwirtschaft geprägten Gegend ansiedelte. So auch die vorliegende Geschichte «Die dreizehn Liebhaber der Jeannette Jobert», die kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges spielt. Hierbei beschreibt Vuilleumier einerseits das harte Leben in dem von Wäldern und steilen Flanken umgebenen Tal. Er schaut den Menschen tief in die Seele, schreibt von Fehden und zerstrittenen Familien, von Neid und Missgunst, von den armen Teufeln in einem ausserhalb des Dorfes gelegenen Heim. Und mittendrin ist die frivole Jeannette Jobert, eine arbeitsame Magd, die keine Scheu vor den Männern zeigt. Diese wiederum sind von der leiblichen Freigiebigkeit der jungen Frau sehr angetan.

Es kommt, wie es kommen muss, wenn ein Weibsbild innert kurzer Zeit dreizehn flüchtige Liebhaber ihr eigen nennt: Jeannette wird schwanger. Nun wird sie deswegen nicht etwa ausgestossen, ganz im Gegenteil! Dennoch bleibt die Frage nach dem leiblichen Vater. Drei der neun scheiden aus, da sie kürzlich gestorben sind (Mord inklusive), der vierte käme zwar in Frage, hat aber bereits das Weite gesucht. Der Gemeindepräsident ist es, dessen Sohn auch zum Vaterschaftskreis gehört, dem die zündende Methode zu Ohren kommt, wie sich der Zeuger ermitteln lässt: mittels Ermittlung der Blutgruppe. Und so fährt eines schönen Frühlingstages ein mit neun Männern, der Mutter mitsamt Bébé und dem Gemeindepräsidenten bestückter Kutschenwagen in feierlicher Laune ins Spital von Biel. Doch weil Blutproben noch lange keiner DNA-Bestimmung gleichkommen, muss die Reisegesellschaft ohne zählbares Ergebnis die Rückreise ins hinterste St. Immertal antreten … Wie die Geschichte endet, sei hier freilich nicht verraten.

BE: Oberes Vallon de St-Imier, Renan, St-Imier, Biel, angrenzende Freiberge

Widmung des Autors auf dem Schmutztitel des besagten Buches.

11. Oktober 2020

Pizzo Cengalo reloaded

Bin am Durchforsten meiner Bibliothek. Da fällt mir das 1979 erschienene Büchlein «Unsere Landeskarten» aus dem Verlag des Schweizer Alpen-Club in die Hände. Das Cover zeigt einen in zweierlei Hinsicht bemerkenswerten Kartenausschnitt:

  1.  Wird ein kleines Stück Italien abgebildet. Man fragt sich, weshalb, geht es doch um die Landeskarten der Schweiz.
  2.  Steht im Zentrum des Ausschnitts ausgerechnet der Pizzo Cengalo, also jener Berg, von dem im Val Bondasca (Bergell) am 23. August 2017 3 Millionen Kubikmeter Fels abbrachen, die 8 Menschen unter sich begruben und verheerende Schäden anrichteten.

Habe dann nachgeschaut, ob ich weitere Bücher mit Kartenausschnitten von Bergen auf dem Cover besitze. Negativer Befund.


 

10. Oktober 2020

In fremden Gärten

Peter Stamm: In fremden Gärten, S. Fischer,
Frankfurt/Main, 2013
«In fremden Gärten» ist eine Sammlung von Erzählungen, jede für sich ein Buch, so dicht, brillant und nuancenreich hat sie Peter Stamm erzählt, der nach seinen grossen Erfolgen – «Agnes», «Sieben Jahre» und «Seerücken» – mit Raymond Chandler und Richard Ford verglichen wird.

Die Helden kommen aus den unterschiedlichsten Orten. Sie leben zu zweit, allein, haben eine Familie und Kinder – oder auch nicht. Manche sind jung, andere alt. Alle sind sie irgendwohin unterwegs, alle scheinen sie auf etwas zu warten. Auf einen Zug oder auf ein Schiff, auf eine Geste der Liebe oder einfach auf das Ende, wie die kranken Reisenden auf dem Weg nach Lourdes. Lebensgeschichten, die man nicht missen möchte.
(Inhaltsangabe im Buch)

In seinen Momentaufnahmen des Lebens erweist sich Peter Stamm als ein Meister des Unspektakulären, als ein Virtuose der kurzen erzählerischen Form. Frankfurter Rundschau

Moors Fazit: Von Peter Stamm lässt sich schreibtechnisch vieles lernen.

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»). 

9. Oktober 2020

Grenzfälle

Diverse Autoren: Grenzfälle, Gmeiner,
Messkirch, 2006
Das Grenzland zwischen Hegau und Bodensee ist ein gefährliches Pflaster. Das zumindest behaupten die 13 schriftstellerisch tätigen «Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter» der «SOKO Criminale Singen». Und sie haben recht! Denn was den Leser ihrer Geschichten erwartet, ist ebenso spannend wie furchterregend: Wenn z.B. das «Poppele», der Schutzgeist der Singener Fasnet, wieder zum Leben erwacht … wenn in Konstanz der Kampf um einen Parkplatz tödlich endet … wenn der gefrorene Bodensee zur Todesfalle für die verhasste Schwiegermutter wird … wenn sich eine gewiefte Nonne im Hegau auf Verbrecherjagd begibt … oder wenn auf der Insel Mainau im Schmetterlingshaus eine mörderische Hitze herrscht! (Klappentext)

8. Oktober 2020

Mani Matters Sudelhefte

Mani Matter: Mani Matters Sudelhefte,
Benziger, Zürich/Köln, 1974
Mani Matter (1936 bis 1972) ist durch seine Berner Chansons, die er auf unverwechselbare und brillante Art vorzutragen wusste, berühmt geworden. Seine Textbücher «Us emene lääre Gygechaschte» (Aus einem leeren Geigenkasten) und «Warum syt dir so truurig?» (Warum sind Sie so traurig?) haben hohe Auflagen erzielt und wurden auch durch Schallplatten verbreitet.

Mani Matter ist 1972 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Sein Nachlass hat gezeigt, dass seine literarische Begabung weit über die Chansons hinausgegangen ist.

In dem vorliegenden Band sind Aufzeichnungen aus seinen Notizheften zu verschiedensten Themen zusammengefasst. Sie geben Zeugnis von seinen weitreichenden literarischen, politischen und künstlerischen Interessen, aus denen auch seine Chansons herausgewachsen sind.

Die Aufzeichnungen wurden von Urs Frauchiger, Dieter Fringeli, Franz Hohler, Peter Lehner, Joy Matter, Fritz Widmer, Helen Zupinger-Matter ausgewählt und zusammengestellt.
(Klappentext)

7. Oktober 2020

Hunde von Riga

Henning Mankell: Hunde von Riga, dtv,
München, 2000
Kurt Wallander sass in seinem Zimmer im Polizeipräsidium in Ystad und gähnte. In diesem Moment kam Martinsson ins Zimmer: «Vor ein paar Minuten haben wir einen merkwürdigen Anruf erhalten», begann er, «er kam aus einer Telefonzelle. Ein Mann behauptet, dass bald irgendwo hier an der Küste ein Rettungsboot mit zwei toten Männern an Land treiben würde. Er meldete sich nicht mit Namen und sagte auch nicht, wer die Toten sind. Dann legte er auf. «Die Obduktion ergab sehr schnell, dass es sich bei den Toten möglicherweise um Russen handelte. «Wenn du den Zynismus entschuldigst», sagte Mörth, «die beiden Männer waren vermutlich froh, als sie jemand erschossen hat. Sie wurden nämlich nach allen Regeln der Kunst gefoltert, bevor sie starben.» Um halb acht setzte Wallander sich ins Auto und fuhr nach Hause. Der Wind hatte nachgelassen, und es war plötzlich kälter geworden. (Inhaltsangabe im Buch)

S: Ystad, Küstenregion von Schonen, Malmö, Stockholm LV: Riga und Umgebung

6. Oktober 2020

Feldbahnen in Deutschland

Dierk Lawrenz: Feldbahnen in Deutschland, Franck'sche
Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 1982
Unter den Feldbahnen verstand und versteht man die «schmalspurigen Bahnen des nichtöffentlichen Verkehrs», also all die kleinen Waldbahnen, Landwirtschaftsbahnen, Bahnen in Bergwerken, Ziegeleien, Torfwerken, in Fabriken und auf Grossbaustellen, schliesslich auch die militärischen Bahnen auf den Schlachtfeldern und die Trümmerbahnen der Städte. Sie wurden immer dort eingesetzt, wo der Pferdewagen überfordert war und wo sich eine «richtige» Eisenbahn nicht rentiert hätte.

Diese liebenswerten «eisernen Arbeitspferde» werden im vorliegenden Werk eingehend vorgestellt: Von reichhaltigen Illustrationen begleitet werden zunächst die geschichtliche Entwicklung der Feldbahnen sowie die einzelnen Einsatzgebiete in Fabrik, Wald und Flur geschildert.

Hieran schliesst sich ein Katalogteil an, der alle bedeutsamen Lokomotivtypen sowie die wichtigsten Wagenbauarten mit Fotografien, Skizzen und Daten vorstellt. Auch die heute noch vorhandenen Feldbahnen und die Feldbahn-Museen der Bundesrepublik sind enthalten.

Das Buch ist daher nicht nur ein grundlegendes Nachlagewerk zu einem bisher in der Literatur sehr vernachlässigten Fachgebiet, sondern zugleich ein Reiseführer für den Eisenbahnfreund zu mancherlei unbekannten Raritäten.
(Klappentext)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Eisenbahn»).

5. Oktober 2020

Dampf-Impressionen

Heinz Sigg: Dampf-Impressionen: Orell Füssli, Zürich,
1982
Dies ist das Buch eines Poeten, der genau betrachtet und Stimmungen aufnimmt. Für diesen Menschen ist eine Dampflokomotive nicht nur eine technische Meisterleistung; sondern gehört zum Ganzen der Landschaft. aus der sie auftaucht und in die sie sich wieder verliert.

Heinz Sigg, selber Heizer und Lokführer auf Museumszügen, ist dem noch lebenden Dampf im Westen und Osten unseres Kontinents auf der Spur. Sei es in Spanien, in Polen oder in der DDR: Fast immer sind es «letzte» Linien, nicht selten sogar Maschinen, die im offiziellen Fahrplan gar nicht mehr im Einsatz sind.

Die Texte zu den Bildern sind bewusst kurz gehalten, sie treten hinter das Optische zurück. Mit einigen behutsam und genau gesetzten Worten versucht der Autor den Eindruck für den Betrachter zu verstärken und stimmungsmässig zu bereichern. Die Aufnahmen haben Dokumentcharakter. Jedes Bild steht für ein Erlebnis.

Siggs «Dampfimpressionen» ist ein Buch über das, geheimnisvolle Leben und Vorübergehen der schönsten, der menschlichsten Maschine, die der Mensch je geschaffen hat.
(Klappentext)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Eisenbahn»).

4. Oktober 2020

Chinas Dampfzüge

Heinz Sigg: Chinas Dampfzüge, Wiese Verlag, Basel,
1989
Wie reisen die Menschen in ihren Dampfzügen? Welche Stimmung herrscht auf den Bahnhöfen, an den kleinen, abgelegenen Stationen und in den Zügen, die auf der heutigen Seidenstrasse zu den Minderheiten am Rande der Wüste Takla Makan fahren? Wie erwacht der Morgen auf den Waldstrecken der Mandschurei? Dort, wo bei –20°C und weniger die Dampfwolken noch in der Luft schweben, wenn der Zug schon längst vorbeigefahren ist. Hier steigen auch die Holzfäller mit Axt und Säge in den Schmalspurzug, um mit ihm in die schier unendlichen Wälder von Chinas Nordosten zu fahren.

Eine gleichfalls faszinierende Welt sind die Werkhallen von Datongs Dampflokomotivenfabrik. Denn Chinas Dampflokomotiven sind Geschichte, Kultur und Teil der Faszination des sich öffnenden Landes. Fernab vom Pauschaltourismus dieser Tage hat Heinz Sigg die Menschen Chinas auf ihren Zügen im Nordosten begleitet. Man lernt sehen und reisen in diesem Buch voll schöner Bilder, die der Autor feinfühlig beschreibt.
(Klappentext)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Eisenbahn»).

3. Oktober 2020

Klassentreffen

Ulrich Knellwolf: Klassentreffen, Arche,
Zürich/Hamburg, 1995
Es ist der erste Montag im Juni. Wie jedes Jahr treffen sie sich im Gasthaus zur Krone im schweizerischen Trogen. Jene alten Herren, die 1933 an der Kantonsschule die Matura gemacht haben. Diesmal aber sind sie nur zu dritt. Frischknecht, der ehemalige Rüstungsexperte, Rothpletz, der Basler Kunsthistoriker, und der Zürcher Chirurg Meyer. Die anderen sind tot, krank oder – ja,oder …

Am besten schweigt man über Philipp Lützelschwab, den Ingenieur, der aus Bewunderung für die technischen Errungenschaften der Deutschen, 1939, nach Kriegsausbruch, desertiert und zu den Nazis übergelaufen ist. Auch wenn der Fall verjährt ist: Mit einem Vaterlandsverräter will man nichts zu tun haben.

Doch nun soll er unterwegs sein. Von Südamerika zurück in seine alte Heimat. Und bei näherem Hinsehen ist die eigene Weste gar nicht so weiss, wie man bisher gemeint hat … Wieder ist er brisant und spannend, der neue Kriminalroman des Zürcher Pfarrers und Autors von «Roma Termini» und «Tod in Sils Maria».
(Klappentext)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Kriminalromane»).

2. Oktober 2020

Das Regenorchester

Hansjörg Schertenleib: Das Regen-
orchester, Aufbau, Berlin, 2008
Irland sollte für einen Schweizer Schriftsteller zu einem Fluchtpunkt werden, zu dem Ort, an dem seine Frau und er ihre Liebe lebten. Nun sitzt er betrogen und voller Zweifel in seinem Haus und versucht mit Selbstironie über die Runden zu kommen. Da begegnet ihm Niamh, eine sechzigjährige Irin, die ihn zu sich einlädt, um ihn zum Chronisten ihres Lebens zu machen.

Niamh reisst ihn aus seiner Trauer und führt ihm die Wunder des alten, untergegangenen Irland vor Augen. Mit betörend schönen Worten nimmt sie ihn mit auf die Reise zurück zu ihrer vielköpfigen Familie, zu ihrer deutschen Freundin, ihrer traurigen, verlorenen Liebe – und sie zeigt ihm eine andere Seite der Musik, die Musik des Regens, die man nur in Irland hören kann. Bald wird er zu ihrer Vertrauten und kann sich auf ihr letztes großes Geheimnis einlassen, das ihm nicht nur alles abverlangt, sondern ihm auch einen Weg in die Zukunft weist.

Voller Poesie und mit nie gezeigter Sprachkunst erzählt Hansjörg Schertenleib eine unerhörte Geschichte: die Begegnung zweier scheinbar Verlorener, die mit Humor und durch die Macht der Worte ihr Leben zurückgewinnen.
(Klappentext)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

1. Oktober 2020

Lorenz Saladin

Annemarie Schwarzenbach: Lorenz Saladin,
Lenos, Basel, 2013
Lorenz Saladin. Ein Leben für die Berge, 1938 erstmals erschienen, ist die Biographie des seither in Vergessenheit geratenen Abenteurers und Expeditionsbergsteigers. Saladin stammte aus Nuglar im solothurnischen Schwarzbubenland, war von Jugend an von den Bergen fasziniert, bereiste nach dem Militärdienst im Ersten Weltkrieg die USA und Südamerika und nahm an erfolgreichen Expeditionen in den Kaukasus, ins Pamirgebirge und den Tienschan in Kirgistan teil. Nach der Besteigung des Khan Tengri in Zentralasien mit einer russischen Expedition verstarb er 1936 an den Folgen seiner Erfrierungen.

Annemarie Schwarzenbach schildert das Leben und die Expeditionen Saladins mit grosser Sachkenntnis, Einfühlungsvermögen und Bewunderung für seinen Mut und Unternehmungsgeist.

Die Biographie wird durch zahlreiche Fotos von Lorenz Saladin sowie einen Essay von Robert Steiner und Emil Zopfi ergänzt. Steiner hat den Khan Tengri selbst mehrmals bestiegen und ist Saladins Spuren vor Ort gefolgt. Er recherchierte in russischen Quellen und stiess dabei auf dramatische und bisher unbekannte Fakten. Emil Zopfi, Schriftsteller und passionierter Bergsteiger, hat in Schweizer Archiven und bei Saladins Nachkommen weitere Details zu dessen Schicksal und zur literarischen Bearbeitung durch Annemarie Schwarzenbach gefunden.
(Website des Verlags)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Lebensgeschichten»).

30. September 2020

Die vertauschte Angst

Gertrud Schneller: Die vertauschte Angst,
Thomas Verlag, 1953
Der dritte Roman der jungen Zürcher Schriftstellerin (Verfasserin der viel gelesenen Romane «. .. und ich lernte lieben» und «Keiner ist ohne Fehl») schildert in einer bis ans Ende spannenden Handlung die Sorgen und Nöte eines einfachen Mannes und einer einfachen Frau, die in ihrer schlichten Art für ihre Ehe, ihre Kinder und ihre Existenz kämpfen.

Eines Tages wird Walter Oswald, ein an der Welt und an Gott zweifeInder Mensch, durch. Den plötzlichen Verlust . seiner guten Stelle, von der für den modernen Menschen so charakteristischen Zukunftsangst befallen, die seine Lebensfreude lähmt und die bisherige Harmonie seiner Ehe gefährdet.

Diese Angst, durch die. Geburt des dritten Sohnes und die neuerliche finanzielle Belastung noch mehr gesteigert, treibt Walter Oswald, der im Grunde genommen ein guter, gerechter und anständiger Mensch ist, in den Bannkreis einer oberflächlichen und nur auf äusseren Erfolg eingestellten Frau; von der er sich dank seiner innern Sauberkeit wieder befreien kann. Auf der verzweifelten Suche nach Arbeit und Brot lässt sich Walter Oswald zu, einer asozialen Tat hinreißen, die ihn zwar von der materiellen Not befreit, aber dafür mit einer neuen Angst vor dem Gesetz und vor der ständig mahnenden Stimme des Gewissens belastet.

Die Autorin schildert mit hinreissender Lebendigkeit, wie Walter Oswald an der Seite seiner ahnungslosen Frau Anna; die durch ihren tiefen Glauben an. Gott die Schwierigkeiten des Lehens tapfer zu tragen weiss, seine Schuld zu verbergen sucht, bis er endlich, durch die innere Stimme des Gewissens getrieben, wieder den rechten Weg findet.
(Klappentext)

29. September 2020

Herbstanfang im Wintermodus

Fünf Tage nach dem astronomischen Ende des Sommers ist ab 1400 Meter über Meer der Winter eingekehrt. Kommt nach der Fünf-Tage-Woche nun auch der Fünf-Tage-Herbst? Wir wollen es nicht hoffen und erfreuen uns trotzdem an den Eindrücken meiner vorgestrigen Wanderung von der Wasserscheide auf dem Gurnigel hinüber und hinab nach Hirschhorn.

Schweizer Geschichten

Urs Widmer: Schweizer Geschichten,
Diogenes, Zürich, 1977
Der Erzähler schwebt mit einer dicken Frau und einem Piloten im Ballon über das Land der Eidgenossen und landet da und dort in verschiedenen Kantonen. Er erzählt vom schweizerischen Familienleben, von den Gasthäusern, von Originalen und Streckenwärtern, Skitouristen und Liebespaaren. (Klappentext)

«Mit kritisch-distanziertem Blick verdichtet Widmer in seinen Kantons-Bildern Geschehnisse und Stimmungen, die sowohl skurril, phantastisch und versponnen sind als auch realitäts-, vor allem, wie man zugeben muss, mentalitätsnah.» Der Bund, Bern

«Urs Widmer: eine Art Schweizer Richard Brautigan.» Times Literary Supplement

«Aberwitziges Panorama eidgenössischer Perversionen, und eine sehr poetische Liebeserklärung an eine – allerdings utopische – Schweiz.» Zitty, Berlin

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

28. September 2020

Festland

Markus Werner: Festland, dtv, München,
1998
«Uns trennten Welten und doch nur fünfzehn Tramminuten.» Sie leben in Zürich, doch Vater und Tochter haben keinen Kontakt. Erst als sich beide an einem Wendepunkt befinden, gehen sie aufeinander zu: der «Bürobiedermann» Kaspar Steinbach und die nichtehelich geborene Julia, die soeben ihr Studium abgeschlossen hat. Was sie mit ihrem fremden Vater erlebt und von ihm zu hören bekommt – unter anderem die Geschichte ihrer Entstehung –, ist für die junge Frau so abenteuerlich und verwirrend, daß sie es aufschreiben muß ... «Das Dokument einer Irritation ... ein kleines Juwel von kaum 140 Seiten Länge, eine Lebensmelodie ohne einen falschen Ton.» Lutz Hagestedt im Rheinischen Merkur

LU: Stadt Luzern I: Orta San Giùlio, Ortasee, Florenz A: Wien Dom Rep: Santo Domingo

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

27. September 2020

Schachmatt

Otto Steiger: Schachmatt, Pendo, Zürich,
1996
Kommissar Borel und Detektiv Farner erhalten den Besuch von Herrn Rohrer, dem Inhaber einer Transportfirma in Greifensee. Man schicke ihm Drohbriefe, berichtet er, man wolle ihn ermorden. Die beiden lesen einen der Briefe, aber ihre Erfahrung in derlei Dingen zeigt ihnen, dass es sich nicht um einen echten Drohbrief, sondern bloss um einen schlechten Scherz handelt.

Wenige Tage später ruft Frau Rohrer an. Ihr Mann sei gestern Nacht ermordet worden. Kommissar Borel und Detektiv Farner fahren nach Greifensee. Rohrer liegt tot auf seinem Bett. Erschossen. Eine Waffe lag nicht da, sagt die Hausangestellte, die den Toten zuerst gesehen hat. Die erste kurze Untersuchung von Borel und Farner zeigt, dass einiges auf den Verfasser der Drohbriefe deutet. Anderes allerdings bleibt unklar und verwirrend. Wieso hat Rohrer am Vortag viel Geld aus der Firmenkasse genommen, ist aber nicht nach Evian gefahren, wie er es beabsichtigte?

Und wo war Rohrers Hund, der sonst immer bellte, wenn jemand durch den Garten auf das Haus zukam? Borel und Farner ahnen, dass ihnen noch harte Arbeit bevorsteht, um diesen merkwürdigen Fall aufzuklären. Wenn es ihnen überhaupt gelingt, ihn je aufzuklären.
(Klappentext)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Kriminalromane»).

26. September 2020

Das Sargbukett

Peter Zeindler: Das Sargbukett, Arche,
Zürich, 1992
Hamburger Friedhöfe, eine zwielichtige Trauergesellschaft, Gedenkstunden in einem Nobelhotel und im Mittelpunkt: Sophie, charmant und couragiert, an die siebzig, zierlicher als Miss Marple, aber nicht weniger forsch.

An diesem Tag hat Eugen, Sophies zunehmend verwirrter, aber millionenschwerer Gatte, wieder einmal nicht nach Hause gefunden. So macht sich Sophie auf die Suche, im Kostüm, auf hochhackigen Lackschuhen, die gummibesohlten Ersatzschuhe für alle Fälle in der Tasche.

Im Cafe Überseebrücke am Hafen trifft sie ihren Mann nicht mehr, macht statt dessen die Bekanntschaft eines jungen Studenten in Motorradkluft – und einen mysteriösen Fund: Eugen hat ein Sargbukett aus Nelken liegengelassen. Den . feuerroten Helm auf die silbernen Löckchen gestülpt, den engen Rock geschürzt, nimmt Sophie mit Stephan, – ihrem «silbernen Ritter», auf dessen majestätischer Harley Davidson die Spur des Sargbuketts auf ...

Peter Zeindler, vierfacher Krimipreisträger, hat einen neuen, amüsanten und; spannenden Kriminalroman geschrieben
. (Klappentext)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Kriminalromane»).

25. September 2020

Brot und Steine

Otto Locher: Brot und Steine: Locher-
Verlag, Konolfingen, 1977
Bethli warnt vor dem Vorhaben. Ihr Mann Fritz ist uneinsichtig, ehrgeizig und erliegt dem Geldwahn. Nicht einen Millimeter weicht der Selbstbewusste von seinen Plänen ab. Es kommt zur Katastrophe. Bethli wird vorerst Kreuzträgerin, hält es aber mit der Zeit nicht mehr aus und gibt die Scheidung ein. Die Nachbarin Christine stützt ihre Freundin. Sie hatte ein Ziel: Ehe und Hof müssen gerettet werden.

Eines Tages meldet sich der frühere Theologiestudent, der an seiner Liebe gescheitert war und nun als namenloser Wanderer mit seinem Bücherkarren von Haus zu Haus zieht. Er will mit seinen Büchern den Mitmenschen zu guter Literatur verhelfen. So kommt er auch auf diesen Unglückshof. Das Elend bedrückt ihn. Seit langem hat er sich zum Ziel gesetzt, den oft mürrischen und unglücklichen Menschen Botschaften der Freude und des Glücks zu bringen.

– Was ging nun nach dem Besuch des Namenlosen auf dem Grundguthof vor? 

– Wie lösten sich die Spannungen zwischen Bethli und Fritz?
– Brachte der Wanderer eine Wendung? (Klappentext)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

24. September 2020

Von Ajax bis Xerox

Andreas Lötscher: Von Ajax bis Xerox,
Artemis & Winkler, 1992, Zürich
Aspirin, Coca-Cola, Nylon oder Tempo – wer verbindet mit diesen Begriffen nicht ganz klare Vorstellungen? Sie sind fast zu Synonymen der entsprechenden Produktegattungen geworden, und dennoch handelt es sich eigentlich um schlichte Produktebezeichnungen. Wohl zum Leidwesen ihrer Produzenten machen nicht alle Produktenamen derart erfolgreich Karriere.

Dennoch: Markenartikel und ihre Namen spielen in unserer Konsumgesellschaft eine wichtige Rolle, begleiten unser Leben in Fernsehen und Kino, in Zeitungsanzeigen und auf Leuchtreklamen als sichtbarer, allgegenwärtiger Ausdruck des Kampfes um Marktanteile, den ihre Hersteller austragen. Der Name ist dabei ein ebenso einfaches wie wirksames Mittel der Unterscheidung, ein «Signal im Supermarkt» (Adolf Wirz), ohne das wir ratlos vor vollen Regalen stünden; ohne Produktenamen gäbe es den vielgelobten Markenartikel gar nicht.

Das Lexikon der Produktenamen vermittelt Einblicke in die seltsame Welt von rund 1500 Warennamen – vom Medikament bis zum Auto, vom Schuh bis zum Parfüm. Die sprachlich-semantischen Hintergründe können vieles verraten: sie können Aufschluss geben über Zusammensetzung und Wirkungsweise eines Produkts, sie können aber auch illustrieren, welche Hoffnungen geweckt oder befriedigt werden sollen, oder sie können auch aus purer Spielerei entstanden sein. Hier werden nicht in erster Linie die Marktstrategien der «geheimen Verführer» aufgedeckt als vielmehr ihre nicht minder spannenden Formen der Ausnützung sprachlicher Möglichkeiten von Ajax bis Xerox.
(Klappentext)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Diverse»).

23. September 2020

Die Eisentreppe

Georges Simenon: Die Eisentreppe,
Diogenes, Zürich, 1988
Seit einiger Zeit schon verspürt Étienne Lomel heftige Magenschmerzen, die er sich nicht erklären kann. Lomel hat Angst, und diese Angst steht in engem Zusammenhang mit seiner Frau Louise, unter deren Pantoffel er steht und von der er seit seiner Heirat auch finanziell abhängig ist.

Es ist Louises zweite Ehe, und zu Lebzeiten ihres ersten Mannes war Lomel ihr Geliebter gewesen. Schon damals hatte Lomel Angst vor Louises Leidenschaft, den Liebesschwüren, die sie ihm entriss. Nie dürfe er sie verlassen, und eines Tages werde er sie heiraten. Louises Mann starb, «abgemagert bis auf die Knochen und kaum schwerer als ein zehnjähriges Kind», will die Concierge wissen. Lomel wollen diese Worte nicht mehr aus dem Sinn. (Klappentext)

F: Paris

22. September 2020

Blaui Blueme

Ernst Burren: Blaui Blueme, Cosmos, Muri b.
Bern, 2006
Seit über dreissig Jahren schreibt Ernst Burren Mundartgeschichten, die viel präziser als manche Lebensgeschichte, die zwischen Buchdeckel gepresst wird, Einblicke in unseren Alltag geben. In seinen oft beklemmenden, durch ihre poetische Genauigkeit aber auch befreienden Alltagsbildern liegt die Sprache wie eine dünne Haut über der Angst, Einsamkeit und Liebesnot der Menschen. Die dreissig neuen Geschichten beginnen bei einem, der seiner Frau partout keine Blumen heimbringen will, blaue schon gar nicht, und enden bei einem, der sich im Altersheim noch zweimal verliebt. (Klappentext)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Berner Mundartliteratur»).

21. September 2020

Patriarchen

Alex Capus: Patriarchen, Knaus, München,
2006
Am 12. Dezember 1886 notiert Julius Maggi, Betreiber einer Mühle und seit Jahren mit Experimenten für gesunde Fertigkost befasst, das Rezept für ein Bouillon-Extrakt. Dieses Rezept blieb bis heute unverändert, ist streng geheim und wurde als Maggi-Würze weltberühmt. Alex Capus folgt Julius Maggi von den Anfängen als unermüdlich arbeitender Unternehmer bis zu seinem kurzen Lebensabend in den Armen einer schönen Pariserin. Er erzählt, wie aus dem Frankfurter Heinrich Nestlé der Schweizer Henri Nestlé wurde, und was ein paar schicke Pariser Damenstiefelchen, die Carl Franz Bally 1850 seiner Frau von einer Geschäftsreise mitbrachte, mit dem Bau der weltweit grössten Schuhfabrik zu tun haben. Der Bankier Johann Jacob Leu, der Uhrmacher Antoine Le Coultre, Heilmittelhersteller Fritz Hoffmann-La Roche oder der Chocolatier Rudolf Lindt – sie alle waren ungestüm, hartnäckig und weltoffen. Sie hatten einen Instinkt für Veränderungen, verschrieben ihr Leben einer Idee und liessen sich weder von Zweifel noch Misserfolg aufhalten. Gemeinsam war ihnen die Abneigung gegen jede Art von Grenzen, seien es familiäre, gesellschaftliche oder politische.

Alex Capus erweist sich auch in diesen feingeschliffenen, pointierten Lebensgeschichten als glänzender Erzähler. Er schildert hintersinnig, humorvoll, anschaulich, changiert gekonnt zwischen persönlichen und gesellschaftlichen Bedingungen, unternehmerischen und menschlichen Abenteuern. Es entsteht das Panorama einer Epoche, in der Freiheit, Neugier und Mut über Unfreiheit, Denkverbot und Kleinmut triumphierten. (Klappentext)

20. September 2020

Schottland

Diverse Autoren: Merian – Schottland,
Hoffmann & Campe, Hamburg, Heft 4/XXXII
Das alte Wappen des Königreichs Schottland mit den bedeutungsvollen Initialen J R S, Jacobus Rex Scotiae, wurde zur «Antiquität», seit im Jahre 1707 Schottlands Eigenstaatlichkeit im Vereinigten Königreich Grossbritannien unterging. Doch der Traum von Unabhängigkeit bewegt noch immer viele Schotten – und nicht allein in den Fussball- und Rugby-Stadien.

Nüchtern und romantisch, ein Land mit zwei Seelen, so sieht Allan Massie seine Heimat, die unter einem ständigwechselnden Himmel spektakuläre Landschaften, aber auch mächtige Industrien und Supertechnik aufzuweisen hat. Seine Gesamtschau reflektiert zugleich schottische Wesensart.

Ein Croft ist ein Stück Ackerland, bis zu 30 Hektar gross. Und der darauf wirtschaftet, ist ein Crofter. Ein Kleinbauer also, der ein mühsames Leben führt, meilenweit entfernt von aller Schottenrockromantik: Und doch, die Crofter sind die echten Hochländer.

«Der schwarze Regen wird alles verzehren» prophezeite Brahan der Seher im 1. Jahrhundert. Ob er die Ölfunde in der Nordsee gemeint hat, die dem Land zwar Arbeitsplätze, aber auch etliche Probleme beschert haben?

Great Houses nennt man die Schlösser und feudalen Landsitze, in denen sich das künstlerische Ingenium des Landes am sichtbarsten manifestierte: eine Architektur von hohem, europäischem Rang. Heute erfordern sie hohe Aufwendungen. Fast alle sind deshalb – gegen gutes Geld – zu besichtigen.

The Queen's Highland Servant namens John Brown ist aus dem Leben von Queen Victoria nicht wegzudenken. «Beloved friend» nannte sie ihn auf seinem Grabstein. Aber gerade weil dieser schlichte Hochländer «der einzige war, der der Königin widersprechen konnte», wurde über ihn getuschelt. Wie sah die Wahrheit aus?

Der Laird vom Hügel des heiligen Zweigs – so müsste man den Namen eines schottischen Lairds (Lords) aus der Gegend von Perth übersetzen. Unter den Exzentrikern und Individualisten seines Standes nimmt er zweifellos einen ersten Rang ein. Roland HilI besuchte ihn auf seinem Familiensitz.

Scapa Flow ist für Briten wie Deutsche ein geschichtsträchtiger Name: Als am 21. Juni 1919 die einstige kaiserliche deutsche Flotte sich hier selbst versenkte, glitten innerhalb weniger Stunden 67 Kriegschiffe mit über einer halben Million Tonnen Wasserverdrängung auf den Grund der Bucht. Zwanzig Jahre später folgte ihnen die «Royal Oak».
(Kommentiertes Inhaltsverzeichnis anstelle eines Vorworts)

19. September 2020

Pestalozzis Berg

Lukas Hartmann: Pestalozzis Berg,
Ex Libris, Zürich, 1980
Lukas Hartmann, 1944 in Bern geboren, schildert lediglich eine kurze Episode aus Pestalozzis Leben: seinen sechswöchigen Kuraufenthalt im damals berühmten Gurnigelbad. Pestalozzi sucht dort Zuflucht, nachdem das Waisenhaus in Stans, das er geleitet hat, in ein Militärlazarett umgewandelt worden ist. Er wandert, in tiefen Depressionen, durchs sommerliche Gebirge und erinnert sich bruchstückweise an die Stanser Monate. Dieses Erinnern ist zunächst chaotisch; Bilder tauchen ungeordnet auf, verschwinden. Anna, die zänkische, ewig unzufriedene Frau, und Jacques, der epileptische Sohn, spielen hinein; Kindheitsszenen laufen nebenher; die Gestalt des Mädchens Kathrin zeichnet sich ab. Allmählich verdrängen präzise Gegenwarts-Wahrnehmungen die monologischen Erinnerungsfetzen.

Die Konfrontation mit den Badegästen macht klar, dass Pestalozzi sich dem Bürgertum nicht mehr zugehörig fühlt; von den Armen aber, von der ausgebeuteten Klasse, trennt ihn, allein durch seine Herkunft, eine unüberbrückbare Kluft. Er sitzt gleichsam zwischen Stuhl und Bank, heimat- und wurzellos: Der Willensentscheid, mit dem er sich den Armen zugesellen will, führt ihn letztlich in die Einsamkeit. Sein Verhältnis zur helvetischen Revolution, die er enthusiastisch begrüsst hat, ist gebrochen. Mit klarem Blick erkennt er, dass es dem Bürgertum nicht um Gerechtigkeit ging, sondern darum, sich die Privilegien des Adels zu verschaffen; an der Lage des untersten Standes hat sich wenig oder nichts geändert. Dennoch gelingt es ihm, seine Depression zu meistern; er zimmert sich eine neue Hoffnung zurecht: die Hoffnung darauf. dass ganzheitliche, alle sinnlichen und geistigen Fähigkeiten umfassende Bildung die Menschheit zunächst von innen her, dann auch in den politischen Strukturen zu revolutionieren vermöchte.
(Klappentext)

BE: Gantrischgebiet, Gurnigelbar NW: Stans