4. April 2020

Der Wunsch, in einem Hühnerhof zu leben

Franz Hohler: Der Wunsch, in einem Hühnerhof
zu leben, Sumus, Feldmeilen, 1977
Der Verfasser erzählt von täglichen Gegebenheiten, die alle auf ihre Art ein Eigenleben führen. Seine «Kameralinse» wagt sich an den Menschen heran, indem sie in die Häuser schaut, in denen er wohnt, und auf die Strassen und Plätze, über die er geht. Beharrlich schreibt sich Franz Hohler an die Dinge heran, so nahe oft, dass Wirkliches zu Unwirklichem, Alltägliches zu Geheimnisvollem wird.

Wer bereit ist, wieder wach zu werden für unsere Welt, wer bereit ist zu lachen, der wird dieses Buch nicht so schnell aus der Hand legen und später immer wieder darin blättern. (Klappentext)

3. April 2020

Hin- und Hergeschichten

Franz Hohler + Jürg Schubiger: Hin- und
Hergeschichten, Fischer, Frankfurt/Main,
1989
Zwei befreundete Schriftsteller, die beide die Kunst beherrschen, das Alltägliche als komisch oder erschreckend und das Aussergewöhnliche als ganz selbstverständlich erscheinen zu lassen, haben sich zum Vergnügen des Lesers ein Spiel ausgedacht: Dem einen fällt etwas ein, eine Episode, ein Erlebnis, der andere nimmt das Stichwort auf und antwortet mit einer eigenen Geschichte. Entstanden ist ein Buch voller Komik, das mit seinem beständigen Wechsel skurriler bis makabrer oder ins Absurde kippender Alltagsbilder höchst amüsant unterhält. (Klappentext)

2. April 2020

Fragen an andere

Franz Hohler: Fragen an andere, Zytglogge,
Bern, 1973
Antwort auf 6 nicht gestellte Fragen*

1. Die Interviews in diesem Büchlein wurden zwischen 1969 und 1972 gemacht.

2. Sie entstanden aus meinem Wunsch, von Leuten, die mich interessierten, etwas zu erfahren.

3. Ausser Mani Matter habe ich alle Gesprächspartner vor dem Interview nicht oder nur flüchtig gekannt, was sich als Vorteil erwies.

4. Bei der Transkription vom Tonband hielt ich es für richtig, den Sprechrhythmus der Befragten beizubehalten, also auch Konstruktionswechsel und -fehler nicht zu eliminieren.

5. Nicht unbedingt.

6. Alle Interviews sind ursprünglich für Radiosendungen gemacht worden, und nicht für eine schriftliche Form. Dies sollte man bei der Beurteilung der Aussagen bedenken; auch empfiehlt sich ein Blick auf das Datum des Interviews. Peter Handke ist inzwischen vom Grazer Gericht schuldig gesprochen worden und Hannes Wader ist jetzt berühmt, aber die Fahrprüfung haben sie beide noch nicht gemacht. Franz Hohler, März 1973

* vgl. Ernst Jandl, sprechblasen, S. 71


(Klappentext)

1. April 2020

Wo?

Franz Hohler: Wo? Fischer, Frankfurt/
Main, 1983
«Wo?», lautet knapp der Titel dieses Bandes, und die Antwort wäre «überall und nirgends!» Der Autor beschreibt sich, ohne sich interessant zu machen, seine Familie, die Geburt seines Kindes, sein Haus, seine Arbeit, seine Reisen in die nähere Umgebung, nach Frankfurt und nach Amerika, eine Demonstration, eine Bundesfeier und den langsamen Tod einer Wespe in einer Limonadenflasche. Mit seinen kurzen Prosastücken knüpft Franz Hohler an eine Tradition an, die ihren Abschluss mit Namen wie Peter Altenberg, Kurt Tucholsky, Alfred Polgar und Roda Roda in den Zwanziger Jahren fand. (Inhaltsangabe im Buch)

31. März 2020

Der Rand von Ostermundigen

Franz Hohler: Der Rand von Ostermundigen,
Luchterhand, Darmstadt + Neuwied, 1975
Elf Geschichten, über das Telefon am Rand von Ostermundigen und drei verschwundene Dachdecker, über das Strafporto für eine Ansichtskarte aus der Mongolei und das pelzige Haustier, dessen wahre Natur erst allmählich zum Vorschein kommt, über die Geschwulst am Arm eines Asienreisenen und die innere Stimme, über ein Kind, Freunde, ein Mädchen am Strassenrand, einen Kauz und zwei Fotografieren. (Klappentext)

30. März 2020

111 einseitige Geschichten

Franz Hohler: 111 einseitige Geschichten,
Luchterhand, Darmstadt + Neuwied, 1983
Franz Hohler liebt kurze Geschichten. Also hat er Erzählungen von Franz Kafka bis zu John Lennon gesammelt und Kollegen aufgefordert, neue zu schreiben. Keine von ihnen ist länger als eine Seite. Einseitig ist aber nicht nur der Umfang, einseitig ist auch, wovon sie berichten. Ohne Umstände erfassen sie, worum es geht, Pointen werden nicht erst langwierig aufgebaut. Bei dieser Prosa im Kleinformat sind viele bekannte Autoren neu zu entdecken. Obwohl nur einige Geschichten von Franz Hohler selber stammen, trägt diese Sammlung doch unverkennbar seine Handschrift. (Klappenext)

29. März 2020

Der Mann auf der Insel

Franz Hohler: Der Mann auf der Insel,
Luchterhand, Hamburg, 1993
Hohlers Stoffe stammen immer aus seiner unmittelbaren Umgebung. Die Sorglosigkeit vieler seiner Zeitgenossen vermag er nicht zu teilen, für ihn steckt das Normale voller Gefahren. Dieser Reichtum an Phantasie fehlt zum Beispiel dem Mann auf der Insel, dem erst im Angesicht seines eigenen Todes der Gedanke kommt, ober er nicht für die Rettung seiner Insel etwas hätte tun können. Und auch die Reiseberichte aus Guatemala, aus Berlin nach der Öffnung der Mauer oder von einem ganz und gar unauffälligen Tag in Bremen zeigen Hohlers Blick für kleine und grosse Katastrophen. (Inhaltsangabe im Buch)

28. März 2020

Kismet

Jakob Arjouni: Kismet, Diogenes, Zürich,
2001
Kismet beginnt mit einem Freundschaftsdienst und endet mit einem so blutigen Frankfurter Bandenkrieg, wie ihn keine deutsche Grossstadt zuvor erlebt hat. Kayankaya ermittelt – nicht nach einem Mörder, sondern nach der Identität zweier Opfer. Und er gerät in den Bann einer geheimnisvollen Frau, die er in einem Videofilm gesehen hat. Eine Geschichte von Kriegsgewinnlern und organisiertem Verbrechen, vom Unsinn des Nationalismus und vom Wahnsinn des Jugoslawienkriegs, von Heimat im besten wie im schlechtesten Sinne.  (Klappentext)

«Hat alles, was einen harten Kriminalroman ausmacht – und noch ein bisschen mehr. Schnelle Sätze, die wie Schüsse aus der Hüfte kommen, sind Arjounis Stärke.» Peter Köhler/Der Tagesspiegel, Berlin • «Hier ist endlich ein Autor, der spürt, dass man sich nicht länger um das herumdrücken darf, was man gern die ‹grossen Themen› nennt. Hier geniesst man den Ton, der die Geradlinigkeit, Schnoddrigkeit und den Rhythmus des Krimis in die hohe Literatur hinübergerettet hat.» Florian Illies/Frankfurter Allgemeine Zeitung • «Der Autor gibt seinen Figuren eine Dynamik, die auf den Leser wie ein Sog wirkt. Es ist unmöglich, das Buch vor der letzten Seite wegzulegen.» Katrin Bäumler/Münchner Merkur • «Der Mann kann so erzählen, dass es kein Entkommen gibt.» Barbara Dobrick/Norddeutscher Rundfunk, Hamburg

27. März 2020

Stationen

Peter Meier: Stationen: Zytglogge, Bern,
1977
«Sein Leben war Arbeit», wir kennen den Abdankungssatz, eine Abdankung, die sowohl einen Einzelnen wie die Gesellschaft betrifft. «Sein Leben war Arbeit», das ist das grosse Lob, mit dem eine grosse Verlegenheit zugedeckt wird, ein nachträgliches Auf-die-Schulter und Auf-die-Leiche jener Klopfen, denen man in erster Linie die Arbeit überliess und die man daher mit zwingender Logik Arbeiter nennt. Als brauchbares Klischee ist dieses «Leben als Arbeit» aber nicht im luftleeren Raum entstanden, sondern unter bestimmten konkreten Bedingungen, auch wenn es im Sinne jedes Klischees liegt, gerade die Wirklichkeit zu vertuschen, die es aufzuzeigen behauptet. Welche Realität hinter einem solchen Klischee steht, was da an Hoffnungen und Nöten, an Erwartungen und Wandlungen gelebt wird, zeigt Peter Meier in seinem Buch «Stationen».

Der Tod des Vaters, eine Grundsituation persönlicher Erfahrung, dient als Ausgangspunkt einer reflektierenden Bilanz; autobiographisches Material wird in eindringenden und bedrängenden Szenen evoziert, aber die Erinnerungsstücke und Momentaufnahmen laufen nicht auf eine persönliche Bereinigung hinaus. Es wird eine Figur entworfen, die in ihrer Entwicklung vom links-orientierten Arbeiter zum Verteidiger der erkämpften Kleinbürgerlichkeit exemplarischen Charakter hat, genau wie auf der Gegenseite mit dem Sohn repräsentativ ein Intellektueller steht, der auch seine Art von Aufstieg gemacht hat.

Peter Meier, politischer Journalist und literarischer Redaktor, entwirft die Figur des Vaters in einer sachlich-zurücknehmenden Sprache, weder interpretierend noch stilisierend; nicht literarische Gestaltung steht im Vordergrund, sondern dargestellte Information. So wird dieser «Abschied vom Vater» ein Zeugnis menschlicher Möglichkeit, zu der ebenso Nähe wie Fremd-Sein gehören; das Buch entsprang einer zutiefst betroffenen Absicht, ohne voreiliges Verständnis verstehen zu wollen.
(Klappentext von Hugo Loetscher)

26. März 2020

DAS Handbuch zu den Landeskarten der Schweiz

Martin Gurtner: Karten lesen, Verlag
Schweizer Alpenclub, Bern, 1995
Ein Lehr- und Lernbuch für Alpinisten und Wanderer, für Pfadfinder und Velofahrer, für Techniker und Militärs – kurz: Für alle, die in der Schweiz unterwegs sind und ihren Weg mit Hilfe der Landeskarten sicher ans Ziel finden wollen. Ein praktisches Handbuch mit Hintergrundinformationen über Geschichte und Herstellung der offiziellen Schweizer Karten, mit Hinweisen zum Selbsstudium und Detailinformationen für Lehrer und Kursleiter. (Klappentext)

25. März 2020

Kelten-Blues

Paul Lascaux: Kelten-Blues, Orte, Zürich,
1998
An der Uferböschung in den Aareschlaufen unterhalb von Bern liegt ein toter Mann im Gestrüpp: Anselm Schwarz, Spitalbuchhalter und Hobby-Gärtner, auf schauerliche Art durch eine uralte rostige Fuchsfalle ums Leben gekommen. Kommissar Schmidt von der Berner Kriminalpolizei ist nicht der einzige, der sich für den Fall interessiert. Da ist seine ehemalige Mitarbeiterin Ariane Beer; und andere tauchen auf, deren Schicksal auf mysteriöse Weise verknüpft scheint mit den Schrebergärten im Thormemätteli und mit den Göttern der Kelten, die vor Jahrtausenden in jenen Flussschlaufen ihre Siedlungen hatten. Kurz, Paul Lascaux' Krimi mischt das heutige Bern mit Spuren ferner Vergangenheit, lebendige Charakterschilderungen mit einer vertrackten Kriminalstory. (Klappentext)

BE: Stadt Bern

24. März 2020

Ich empöre mich, Herr Bischof!

Irma Büchler: Ich empöre mich, Herr
Bischof, Zytglogge, Bern 1987
Wie Irma Büchler als Konvertitin und als «treue Tochter Roms» die für sie neue uralte Institution erlebt und erlitten hat, schildert sie in packender Art. Beide Landeskirchen und ihre männlichen Vertreter erscheinen dabei in einem ungewohnten Lichte. Als tiefgläubige Katholikin erhoffte sie sich in ihrer Kirche nach dem 2. Vatikanischen Konzil die Gleichberechtigung. Doch unter dem jetzigen Papst scheint jede echte Erneuerung unmöglich. Der vorliegende Erfahrungsbericht, der weder theologisch spekulativ noch frömmlerisch ist, zeigt den frustrierenden Weg einer jungen Frau durch die Institution Kirche und lässt erkennen, warum sie letztlich den Enthusiasmus und die Freude am persönlichen Einsatz für diese Gemeinschaft einbüsste. Die Lektüre ist eine Ermunterung für all jene Frauen, die aufgrund ähnlicher Erfahrungen mutlos aus dieser Kirche weggeschlichen sind. Die ehemals kirchentreue Gläubige hat sich zur unbequemen Rebellin gewandelt, die in ihrer Glaubensüberzeugung NEBEN der Kirche verharrt und durch ihre Haltung klare Zeichen setzt. (Klappentext)

Moors Fazit: Das Buch ist 1987 erschienen, gelesen habe ich es erst 2020. Und was hat sich in all den 33 Jahren in dieser «allein seelig machenden Kirche» in Sachen Frauen getan? Nichts! Der Papst gibt sich immer noch als unfehlbar, der Klerus versteckt sich weiterhin hinter seinem patriarchalen Gehabe. Die Kirchenaustritte nehmen laufend zu, ebenso die seit den 1980er-Jahren endlich in die Öffentlichkeit getragenen sexuellen Übergriffe eben dieses Klerus' gegenüber Kindern und Jugendlichen. Als Aussenstehender hoffe ich, dass das Treiben dieser weltweit tätigen Institution endlich ein vernünftiges Mass annimmt, insbesondere, was die Menschlichkeit und die konsequente Gleichberechtigung der Frau anbetrifft. Eine Päpstin ist längst überfällig!

Irma Büchler, geb. 1943 in Luzern, Handelsdiplom, längere Sprachaufenthalte im Ausland, Schule für Sozialarbeit. Mehrere Jahre im Sozialdienst für Patienten an Spitälern. Einige Zeit als Katechetin an der Oberstufe und als engagierte Frau in der Pfarrei tätig. Später war sie als selbständige Unternehmerin in der Immobilienverwaltung.

23. März 2020

Die Schweiz unter Tag

Jost auf der Maur: Die Schweiz unter Tag,
Echtzeit, 2017
Schatzkammern, Wasserkraftwerke, Hightechlabors, Spitäler, Verkehrstunnel, der Bundesratsbunker und geheime Kavernen: Die unterirdische Schweiz ist strahlend und kurios. Jost Auf der Maur hat sich in diese Unterwelt begeben, von der viele eine Ahnung haben, aber kaum jemand Genaues weiss. Sein Bericht deckt auf und reisst mit. Ein Service-Teil gibt Auskunft über Führungen und Besichtigungen. Das erste Buch über das weite Land unter der Schweiz. (Klappentext)

Moors Fazit: Jost auf der Maur entführt uns in die dunkle Seiten Helvetiens Berge und Hügel. Es ist eine Art Schweiz 2.0, die, was die meisten der militärischen Anlagen anbelangen, während Jahrzehnten der Geheimhaltung unterlag. Für Armee und Zivilschutz wurden – dem eidgenössischen Angstwahn sei es gedankt – zig Milliarden Steuerfranken buchstäblich verlocht. Das Buch zeigt schonungslos auf, welche absurden Verteidigungs- und Rettungszenarien die Strategen dem Kalten Krieg entgegenhielten. Vom Bundesratsbunker bei Amsteg ist da die Rede oder von den unglaublichen Festungsanlagen um Sargans. Und der Gipfel der Verpulverung öffentlicher Gelder: Die für 20.000 Menschen konzipierte Zivilschutzanlage im Sonnenberg bei Luzern. Atombomensicher und ausgerüstet mit allem Drum und Dran. Doch das Überlebens-Gadget war eine einzige Fehlplanung und scheiterte nur schon daran, «dass drei der vier atombombensicheren, 1,5 Meter starken und je 350 Tonnen schweren Tore sich nicht in nützlicher Frist schliessen liessen. Das vierte Tor versagte den Dienst ganz».

Jost auf der Maur hat für die Recherche zu diesem hervorragend geschriebenen Buch Tage in Stollen, Tunnels, Zivilschutzanlagen, Bunkern und Kavernen verbracht. Er berichtet von dem weit verzweigten Netz unterirdischer Kraftwerkanlagen an der Grimsel; erzählt, wie es zum längsten, nie benutzten Eisenbahntunnel der Schweiz gekommen ist, dem sogenannten Bedrettofenster mit einer beachtlichen Länge von über 5500 m; nimmt uns mit in einen Versuchsstollen im Seeztal oder katapultiert uns zurück ins 19. Jahrhundert, in die Barackendörfer an den Portalen des Gotthard- Eisenbahntunnels, des Grenchenberg- oder Hauenstein-Basistunnels.

Mich hat die Lektüre staunend und wütend zurückgelassen. Staunend, weil der Autor es in gekonnter Manier verstanden hat, einen repräsentativen Überblick über die Tiefen unserer Berge und Hügel zu geben. Wütend, weil mir einmal mehr bewusst geworden ist, wie unser Staat mit angeblichen Bedrohungen umgegangen ist und hierbei in erster Linie die Bauwirtschaft in einem ungeahnten Ausmass mit öffentlichen Geldern gefördert hat. Kommt hinzu, dass viele der militärischen und zivilschützerischen Anlagen, selbst auf eine kurze Dauer, wenig bis nichts getaugt hätten. Zur Rechenschaft für diese verschwendeten Milliarden ist nie jemand gezogen worden. Die Profiteure waren und sind, nebst der Bauwirtschaft, Firmen, die alte Bunkeranlagen zum Schnäppchenpreis gekauft haben und nun – fern jeglicher Justiz – Gold und andere Wertsachen von Menschen aus aller Welt (ob von Schurken, Banditen, Potentaten, Diktatoren, Drogenschiebern etc. sei dahingestellt) für gutes Geld und von jeglichen physikalischen Einflüssen garantiert sicher, lagern. Mit anderen Worten: Es ist durchaus möglich, dass der einst «böse Russe», vor dem man sich 50 Jahre lang gefürchtet und sich die ganze Reduit-Herrlichkeit etwas hat kosten lassen, dass dieser Russe nun sein Gold, oder was auch immer, in der Schweiz anonym, diskret und ... atombomensicher verwahren lässt.

22. März 2020

Skandinavien selbst erleben

Joachim Fischer: Skandinavien, Syro, Göttingen,
1981
Dieses Buch versucht, mit einer neuen Konzeption die ausgetretenen Pfade der üblichen Reiseführer zu verlassen. Eine klare Gliederung nach Grossregionen, viele Karten und Symbole sollen Ihnen helfen, Informationen schnell und übersichtlich zu finden.

Märchen aus dem Literaturschatz der skandinavischen Länder fangen die Mentalität der Menschen ein. Kurze Essays vermitteln Hintergrundinformationen über Geschichte, Natur und Gesellschaft. Die Streckenbeschreibungen, die die jeweiligen Kapitel abschliessen, schlagen Reiserouten in den einzelnen Ländern vor. Viele Hinweise führen zu Fabriken, die Sie besichtigen können, andere nennen Kunsthandwerkstätten, in denen Sie wertvolle Handarbeiten kaufen können. Eigene Symbole verweisen auf traditionelle Veranstaltungen, Festivals und Sehenswürdigkeiten, die auch Kindern Freude bereiten können.

Dieser Führer wendet sich an alle, die den Ländern und ihren Menschen begegnen möchten, die bereit sind, einen Urlaub zu erleben und für die eine Reise mehr bedeutet, als Sehenswürdigkeiten an den Wegen des Massentourismus abzuhaken. (Klappentext)

21. März 2020

Zeitlupe – Zytlupe

Klaus Schädelin: Zeitlupe – Zytlupe, Edition
Francke im Cosmos Verlag, Muri, 1986
Klaus Schädelin, der Autor von «Mein Name ist Eugen», nimmt unsere Zeit unter die Lupe: Das Buch enthält alle seine Satiren, und zwar nicht nur in Mundart, wie er sie in der Sendereihe «Zytlupe» von Radio DRS vorgetragen hat, sondern, übersetzt von ihm selbst, auch in Schriftdeutsch. (Klappentext)

Klaus Schädelin wurde am 17. September 1918 an der Herrengasse in Bern geboren. Sein Vater war Albert Schädelin, Theologieprofessor und Pfarrer am Berner Münster. Nach der Matura 1938 studierte Schädelin Theologie an den Universitäten Bern und Basel. Nach dem Studienabschluss wirkte er von 1945 bis 1947 als Vikar in Attiswil, von 1947 bis 1949 als Pfarrer in Hünibach und anschliessend während neun Jahren als Pfarrer an der Petruskirche in Bern. 1955 erschien sein bekanntestes Werk, das Jugendbuch «Mein Name ist Eugen», das 2004 unter dem gleichen Titel verfilmt wurde. Von Roman Riklin wurde es als Musical «Mein Name ist Eugen» verarbeitet. 1958 wurde Schädelin als Vertreter des neu gegründeten Jungen Berns (seit 1997 Grüne Freie Liste) in den Berner Gemeinderat (Stadtregierung) gewählt. Dort leitete er die Fürsorge- und Gesundheitsdirektion, zeitweise auch die Polizei- und die Tiefbaudirektion. Von 1962 bis 1970 sass er zudem im bernischen Grossen Rat. 1973 trat er nach einem Herzinfarkt aus dem Gemeinderat zurück und ging in Pension. Gemeinsam mit René Gardi bereiste er 1960 Syrien, woraus das Buch «Wenn Sie nach Syrien gehen» entstand. Im November 1968 gehörte er zu den Mitbegründern der Schweizerischen Gefangenengewerkschaft. 1973 war er Gründungsmitglied der Stiftung Terra Vecchia und ihr erster Präsident. Von 1983 bis 1985 wirkte er für die Satiresendung «Zytlupe» des Schweizer Radios DRS1 als zeitkritischer Autor und Moderator. Klaus Schädelin verstarb am 13. Dezember 1987 und wurde auf dem Berner Bremgartenfriedhof begraben.

20. März 2020

Buchantiquariat im neuen Gewand

Mein Online-Buchantiquariat hat ein neues Gesicht und einen neuen Standort. Die Bücher aus den Bereichen Belletristik, Kriminalromane, Wanderliteratur, Lebensgeschichten, Berner Mundartliteratur und Diverse sind nun Bestandteil der Verlagswebsite der Edition Wanderwerk. Viel Spass beim Schmökern!


Lisi

Alexander Heimann: Lisi, Edition Erpf,
Bern, 1980
Lisi – das ist ein Mädchen voller Geheimnisse. Mit einer nicht weniger geheimnisvollen roten Sporttasche. Das ist ein Prokurist, der Familie, Firma und Feiertage satt hat. Das sind zwei auf einer turbulenten Flucht. Das ist ein Krimi, oder ein Thriller oder auch eine Liebesgeschichte. Lisi – das ist ein gefährliches Buch, faszinierend von der ersten bis zur letzten Seite. Das ist der erste Roman von Alexander Heimann. Und voll von Leben. (Klappentext)

19. März 2020

Naturdenkmäler im Kanton Bern

Hans Itten: Naturdenkmäler im Kanton Bern,
Verlag Paul Haupt, Bern, 1970
Durch Beschluss des Europarates ist das Jahr 1970 zum Naturschutzjahr erklärt worden. Der Ministerrat hat die Regierungen der Mitgliedstaaten gebeten, für die Durchführung in ihrem Lande besorgt zu sein.

Der Bundesrat ist dieser Anregung nachgekommen. Er wandte sich zunächst an den Schweizerischen Bund für Naturschutz und ersuchte ferner die Kantonsregierungen, die nötigen Schritte in die Wege zu leiten.


Der bernische Regierungsrat unterstützt die Bestrebungen des europäischen Naturschutzjahrs und nimmt mit Befriedigung davon Kenntnis, dass sich der Naturschutzverband des Kantons Bern in Zusammenarbeit mit andern Organisationen für die gute Sache einsetzt und eine Ausstellung sowie Vorträge veranstalten wird. Der Staat leistet seinen besondern Beitrag mit der Herausgabe des vorliegenden Führers zu den Naturdenkmälern im Kanton Bern. Es freut uns besonders, dass es dem ersten und langjährigen Präsidenten der kantonalen Naturschutzkommission und nachmaligen Beauftragten für Naturschutzfragen, Dr. h. c. Hans Itten, möglich war, diesen Führer zu schreiben. Er stellt damit als rüstiger Achtziger einen schönen Teil seiner verdienstvollen Lebensarbeit zusammenfassend dar.


Der Regierungsrat hofft, dass dieses Taschenbuch gute Aufnahme finde, und dass mit der Kenntnis der Naturdenkmäler auch das allgemeine Verantwortungsbewusstsein gegenüber Natur und Landschaft wachse. Das Naturschutzjahr 1970 soll nicht nur Worte, sondern auch Taten zeitigen. Ein würdiger Auftakt in diesem Sinne war die grosse Aktion «Schütze Wald und Wasser», die im Herbst 1969 in unserem Kanton durchgeführt worden ist. Allen grossen und kleinen Helfern gebührt herzlicher Dank. Der Erfolg war grossartig – und beschämend zugleich: Grossartig, welche ungeheure Menge von Abfällen in fleissiger Arbeit gesammelt wurde – und beschämend, dass eine solche Menge überhaupt vorhanden war. Schönstes Ergebnis der Aktion wird sein, wenn weitherum das Gewissen geweckt und der Wille gestärkt worden ist, zu Natur und Landschaft Sorge zu tragen. Bern, den 15. Januar 1970 Fritz Moser, Regierungspräsident
(Vorwort)

Moors Fazit: Ich bin seit dem 22. März 1984 im Besitze dieses Büchleins, das mir in all den Jahren immer wieder wertvolle Hinweise gegeben hat. Das Vorwort habe ich bestimmt auch einmal gelesen und veröffentliche es hier sehr gerne, da es 50 Jahre nach Erscheinen aufzeigt, was damals offenbar und in erster Linie unter «Naturschutz» verstanden wurde. Klar doch, sind Naturdenkmäler auch heute noch schützenswert und die Verunreinigung von Wäldern, Seen und Flüssen durch achtlos weggeworfenen Abfall nach wie vor ein leidiges Thema. Letzteres nennt sich inzwischen «Littering», und was damals nicht ansatzweise ein öffentliches Thema war, prägt heute die weltweite Diskussion: Der durch den Menschen verursachte Klimawandel und seine zunehmend sichtbaren, gravierenden Folgen für Mensch und Umwelt. Und ja, für die ewiggestrigen Politiker und deren Gefolgsleute aus jenen Reihen, aus der auch Fritz Moser stammte, wird es vielleicht weitere 50 Jahre dauern, bis sich die aktuelle Realität in deren Gehirnwindungen festgesetzt hat. Ob es sich dann noch lohnt, irgendwelche Massnahmen zu ergreifen, wage ich zu bezweifeln.

Fritz Moser (1908–1985) studierte in Bern Jus und eröffnete danach in Thun eine Praxis als Notar. Er war Verwalter der Ersparniskasse Wangen an der Aare und dort auch Gemeinderat. Von 1946 bis 1958 war er Berner Grossrat und Fraktionspräsident der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (später Schweizerische Volkspartei). 1958 wurde er Regierungsrat (1958 bis 1960 Justizdirektor, 1960 bis 1974 Finanz- und Kirchendirektor). Ab 1974 arbeitete er als Kantonalbankpräsident. Zudem war er Vorstandsmitglied der Berner Musikgesellschaft, Präsident der Stiftung Schloss Landshut, Präsident des Kunstmuseums Bern und Verwaltungsratspräsident der Berner Kraftwerke AG. Während seiner Amtszeit als Regierungsrat realisierte Moser das Finanzhaushaltsgesetz und eine Steuerreform.

18. März 2020

Commissario Brunettis erster Fall

Donna Leon: Venezianisches Finale,
Diogenes, Zürich, 1993
Skandal in Venedigs Opernhaus «La Fenice»: In der Pause vor dem letzten Akt der «Traviata» wird der deutsche Stardirigent Helmut Wellauer tot aufgefunden. In seiner Garderobe riecht es unverkennbar nach Bittermandel – Zyankali. Ein großer Verlust für die Musikwelt und ein heikler Fall für Commissario Guido Brunetti. Dessen Ermittlungen bringen Dinge an den Tag, wonach einige Leute allen Grund gehabt hätten, den Maestro unter die Erde zu bringen. Der Commissario entdeckt nach und nach einen wahren Teufelskreis aus Ressentiments, Verworfenheit und Rache. Sein Empfinden für Recht und Unrecht wird auf eine harte Probe gestellt.

Mit ihrem ersten Kriminalroman zeichnet Donna Leon ein intimes Portrait Venedigs und stellt mit Guido Brunetti einen absolut unwiderstehlichen Detektiv vor. (Klappentext)

Moors Fazit: Nicht nur Brunettis erster Fall, auch Moors erster Brunetti. Interessanter Plot mit einem Blick hinter die Opernwelt und deren fragile Akteure. Angereichert ist die Geschichte mit Nadelstichen und Seitenhieben, die italienische Seele und Bürokratie betreffend. Weitere 20 Brunettis harren in meinem Büchergestell der Lektüre …

I: Venedig (Hauptschauplatz), Padua

17. März 2020

Agnes

Peter Stamm: Agnes, Fischer, Frankfurt/Main,
1998
Im überheizten Lesesaal der Public Library in Chicago wechseln sie die ersten Blicke, bei einem Kaffee die ersten Worte. Eines Tages fordert Agnes ihn auf, ein Porträt über sie zu schreiben, sie will wissen, was er von ihr hält. Schnell zeigt sich, dass Bilder und Wirklichkeit sich nicht entsprechen – und dass die Phantasie immer mehr Macht über ihre Liebesbeziehung erhält. (Inhaltsangabe im Buch)

USA: Chicago und Umgebung, New York

16. März 2020

Feuerwasser

Paul Lascaux: Feuerwasser, Gmeiner,
Messkirch, 2009
Im idyllischen Justistal im Berner Oberland prallen Gegensätze aufeinander: Die Eidgenössischen Kraftwerke planen dort den größten Stausee der Schweiz, ein einflussreicher Dorfbewohner möchte an gleicher Stelle einen riesigen, voralpinen Fun-Park errichten. Dann werden innerhalb kurzer Zeit die Verantwortlichen beider Projekte auf grausame Weise ermordet.

Die Berner Polizei steht zunächst vor einem Rätsel, ebenso wie das agile Detektivduo Heinrich Müller und Nicole Himmel. Doch dann kommen die Ermittlungen ins Rollen: Müller & Co- stossen auf geheimnisvolle Militärgebirgsfestungen aus dem Zweiten Weltkrieg, degustieren Wasser und Eau de Vie und begegnen Alpenbewohnern, die mehr wissen, als sie zugeben wollen ...
(Klappentext)

BE: Bern, Sigriswil, Justistal, Seefeld, Obere Zettenalp NE: Môtiers, Poëta Raisse

15. März 2020

In Trubschachen

E.Y. Meyer: In Trubschachen, Suhrkamp,
Frankfurt/Main,
Als E. Y. Meyers erstes Buch, der Erzählband «Ein Reisender in Sachen Umsturz», erschien, sprach man von einer literarischen Überraschung. Werner Weber überschrieb seine Besprechung in der Neuen Zürcher Zeitung «Einer im Kommen». Peter Meier hob im Tages-Anzeiger diese Geschichten hervor: «Dass sie uns zu fesseln vermögen ... liegt an der rigorosen, so imponierenden wie irritierenden Erzählweise ...» Und Dieter Bammann sah in der Weltwoche in diesen Texten sogar Hinweise auf eine neue Schweizer Prosa: «Sicher ist das die literarischste, die artifiziellste Prosa, die ein Schweizer seit langem geschrieben hat ... aber gibt es das: Kafka im Emmental?»

«In Trubschachen» ist die Erzählung einer Veränderung der vertrauten Lebensverhältnisse. Um die Jahreswende etwa könnte man verreisen, zum Beispiel ins Emmental, nach Trubschachen. Während der Fahrt würde man auf die im «Paris Match» abgedruckte Geschichte des Herzogs von Windsor – des ehemaligen englischen Königs, der aus Neigung zu einer Bürgerlichen auf das Königsamt verzichtet hat – aufmerksam werden. Im «Hirschen» quartiert man sich gewissenhaft ein und bemüht sich wegen der Arbeit, die man hier voranzutreiben gedenkt, um ein regelmässiges Leben. Man lernt den Ort und seine nähere Umgebung kennen. Die reichhaltigen Mahlzeiten werden zu den einzigen Richtzeiten im Tagesablauf. Man schläft viel, liest in Biographien des Immanuel Kant; die eigene Arbeit zögert man immer weiter hinaus.


Auf längeren Spaziergängen nimmt die Beobachtungsgabe zu: Das Zeitgefühl verändert sich, Bekanntes wirkt fremd. In seiner «Emmentaler Rede» erzählt der Lehrer über die geographischen und historischen Verhältnisse dieser Region; über die Leinen- und Nahrungsmittelindustrie, aber auch über Fälle von Tierquälerei, Inzucht und Mord. Todesahnungen werden bedrohlich. Am historischen Beispiel, dem Leben und der Philosophie Kants, und am aktuellen Erleben eines zwischen den grossen Städten gelegenen Durchgangstales werden die Bedingungen, unter denen Leben verläuft, offensichtlich. Die grosse «Rede von der Pflicht» handelt deshalb auch vom falschen Leben, von den «menschenfeindlichen Lebensbedingungen».
(Klappentext)

BE: Trubschachen und Umgebung



14. März 2020

Wanderweg Gottardo

Kilian T. Elsasser: Wanderweg Gottardo,
AT Verlag, Baden, 2007
Zum Jubilaum «125 Jahre Gotthardbahn» wurde zwischen Erstfeld und Bıasca ein Bahnwanderweg geschaffen, der an gut 50 Meisterwerken der Technik vorbeiführt. Dieser Führer begleitet Sie auf Ihrer Wanderung entlang der spektakulärsten Abschnitte der Gotthardlinie von Göschenen bis Erstfeld und von Airolo nach Biasca und vermittelt
Ihnen wertvolles Hıntergrundwissen. Neben den beeindruckenden Bauwerken der Ingenieurskunst lassen sich entlang dem Bahnwanderweg auch Sehenswürdigkeiten wie die barocke Kirche von Wassen, typische Urner Bauernhäuser, das Museum Hans Josephson in Giornico oder das NEAT-Besucherzentrum in Pollegio entdecken. Der Wanderführer zum Bahnwanderweg Gottardo – mit allen praktischen Informationen, Kartenausschnitten und viel Hintergrundwissen. (Klappentext)

13. März 2020

Der Mann mit der Trompete

Margrit Fankhauser: Der Mann mit der
Trompete, Berchtold Haller Verlag,
Bern, 2003
In der vorliegenden Erzählung geschieht ein Mord. Eine Kriminalgeschichte also? Nein. Ganz abgesehen davon, dass heutzutage ein einziger Mord dazu nicht ausreicht, fehlen auch die sonstigen Kennzeichen eines echten Krimers: Keine internationale Bande wird geschnappt, kein Rauschgiftring zerschlagen, kein grosser Boss der Gerechtigkeit übergeben: Kurz, jeder erfahrene Thrillerleser wird verachtungsvoll den Kopf schütteln.

Wenn Sie aber, liebe Leserin/lieber Leser, Ihre werte Aufmerksamkeit den Verwirrungen des menschlichen Herzens zuwenden mögen, wenn es Ihnen nicht zu gering ist, auf jene alltägliche Wirklichkeit zu achten, über deren Untiefen wir nur zu gerne hinwegsehen, so werden Sie wohl auch die Begebnisse nicht verachten, die dem ehrsamen Jakob G., zweiter Kassier im Büro Berna und Co. sowie geschätzter Trompeter bei der Heilsarmee, während seiner kürzlichen Freitage zustiessen.
(Klappentext)

12. März 2020

Das Tagebuch der Anne Frank

Anne Frank: Tagebuch, Fischer Taschenbuch,
Frankfurt/Main, 1986
Anne Frank, am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren, emigriert 1933 mit ihren Eltern nach Amsterdam. Nachdem die deutsche Wehrmacht 1940 die Niederlande überfallen und besetzt hat, versteckt sich Anne Franks Familie gemeinsam mit vier anderen in einem Hinterhaus der Firma von Otto Frank. Ihrem Tagebuch vertraut die dreizehnjährige Anne während dieser Zeit ihre Gefühle und Gedanken an, beschreibt ihren Alltag im Versteck und die erdrückende Angst vor der Entdeckung. Das Tagebuch endet am 1. August 1944: Die jüdischen Bewohner des Hinterhauses werden denunziert und drei Tage später verhaftet, die Familie Frank wird nach Auschwitz deportiert und dort getrennt. Anne Frank und ihre Schwester Margot sterben sieben Monate später im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Am 6. Januar 1945 stirbt ihre Mutter Edith in Auschwitz. Otto Frank, der Vater von Anne und Margot, ist der einzige Überlebende aus dem Hinterhaus. Nach dem Krieg erhält er die Tagebücher seiner Tochter und publiziert 1947 erstmals Auszüge daraus.

Die vorliegende Ausgabe ist die einzige vom Anne Frank Fonds in Basel autorisierte Fassung des Tagebuchs, von dem es eine erste und eine zweite, spätere Version gibt, die beide von Anne Frank selbst stammen. Sie hatte das von ihr über mehr als zwei Jahre geführte Tagebuch zu einem späteren Zeitpunkt überarbeitet, weil die erste Fassung ihren schriftstellerischen Ansprüchen nicht mehr genügte.

Diese Ausgabe enthält den von Anne Frank überarbeiteten Tagebuchtext samt den unverändert aus der ersten Fassung übernommenen Teilen, ohne jene Auslassungen, die Annes Vater Otto Frank aus Diskretion vorgenommen hatte. Mirjam Pressler hat dafür eine neue, dem ungekünstelten Stil des Originals adäquate Übersetzung erarbeitet. Dieser vollständige Text, dessen Authentizität seit der kompletten Wiedergabe aller Werkfassungen in der kritischen Ausgabe der «Tagebücher der Anne Frank» (S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1988) unbestritten ist, vermittelt ein eindrucksvolles Bild von Anne Franks Gefühls- und Gedankenwelt und nicht zuletzt von ihren Fortschritten als Schriftstellerin.

«… werde ich jemals Journalistin und Schriftstellerin werden? Ich hoffe es, ich hoffe es so sehr! Mit Schreiben kann ich alles ausdrücken, meine Gedanken, meine Ideale und meine Phantasien.» (Anne Frank, 5. April 1944)

Überblick über die Versionen der Tagebücher: Anne Frank hat zwei fragmentarische Tagebuchversionen hinterlassen: Version a und Version b Version a ist der ursprüngliche Tagebuchtext von Anne Frank. Version b ist Anne Franks unvollendete Bearbeitung der Tagebuch-Texte, mit der sie eine etwaige Publikation vorbereitet hat. Version b wurde 1986 erstmals publiziert. Seit kurzem wird dieses Fragment als Romanentwurf bezeichnet. Version c war die erste Fassung des Tagebuchs, die Otto Frank nach dem Krieg 1947 veröffentlichte.

Otto Frank, der seine gesamte Familie verloren hatte, bereinigte den Text von Stellen, die für ihn das Andenken an seine Familie schmälerten. Die Version c ist seit 1990 nicht mehr lieferbar. Version d ist die so genannte Leseausgabe der Tagebücher, die vom Anne Frank Fonds autorisiert wurde und die Versionen a und b in eine Fassung überführt, so dass die Tagebuchtexte ungekürzt zur Verfügung stehen. Diese Version hat die Version c abgelöst und ist seit 1991 die weltweit verbindliche Grundlage für die Übersetzungen des Tagebuchs in über 80 Sprachen, in über 100 Ländern. Alle Versionen der Tagebücher - ausser der Version c – sind in verschiedenen Ausgaben in der Übersetzung von Mirjam Pressler im S. Fischer Verlag erschienen.

NL: Amsterdam

11. März 2020

Vor dem Gewitter

Albert-Louis Chappuis: Vor dem Gewitter,
Mon Village, Vulliens, 1973
Wer unfähig ist, jemand etwas Böses
zuzufügen, hat Mühe zu glauben,dass
ihm so etwas zustossen könnte …

Begehrlichkeit, Neid und Geiz sind schwere Charakterfehler. Ein damit behafteter Mensch lässt sich wohl zum Äussersten hinreissen. In einem unserer Dörfer gelüstet es den begüterten Gemeindepräsidenten nach dem mit Hypotheken überlasteten Heimwesen eines Grossrates. Nach Meinung des Gemeindepräsidenten hängt das Leben dieses «Heimets» nur noch an einem Faden, weil sein Besitzer, der Grossrat, ein besserer Politiker ist denn ein Bauer.

Mag diese Meinung auch von einigen geteilt werden, so doch nicht von der Mehrheit jener, die den im Grossrat sitzenden Politiker besser kennen. Wie wird es nun der Gemeindepräsident anstellen, um sein Vorhaben zu verwirklichen? Welche Schliche wird er anwenden, wenn er das Gefühl bekommt, das Heimwesen könnte ihm entgehen? Im Menschen halten sich Gut und Böse die Waage, aber gerade das Böse wird den Gemeindepräsidenten zu Handlungen treiben, die seine Begierde stillen sollen.

Und trotzdem – nicht Hass, Neid oder Habgier sind es, die in dieser Erzählung siegen. Es ist vor allem und über allem die Liebe. Einmal die Liebe zwischen zwei Menschen, zwischen dem Sohn des Grossrates und der Tochter des Gemeindepräsidenten. Dann aber auch die Liebe, weIche der rechtschaffene Grossrat dem Sachverhalt entgegenbringt, den er verteidigt. Nein, selbst wenn die Gewalt manchmal die Oberhand gewinnt, zahlt sie sich nicht aus.

A.-L. Chappuis liefert hiefür einen lebendigen Beweis in diesem seinem 10. Roman, einer leidenschaftlichen, ehrlichen, manchmal ungeschminkten Erzählung, die man in einem Zug liest.
(Klappentext)

10. März 2020

Wanderer, kommst du in den Yukon, nach AIaska, …

Elmar Engel, Roland KIemle: Abenteuer-
Almanach Yukon-Alaska, Umschau Verlag,
Frankfurt/Main, 1980
– Bedenke, dass die Wildnis, die du suchst, nicht gleich am Airport von Whitehorse oder Anchorage beginnt; bedenke ferner, dass diese Städte zu den teuersten Nordamerikas gehören (allerdings ist Fairbanks seit dem Bau der Pipeline noch teurer!).

– Vergiss nicht, dass die Alt-Eingesessenen in einem riesig-grossen Land wohnen, dass die gewaltigen Ausmasse auch eine gewisse Grosszügigkeit in der Denkweise erfordern, um ihr gerecht zu werden. Mit deutschem Perfektionismus, das sei gesagt, kommst du in jenen Regionen nicht allzu weit.

In diesem Zusammenhang sei eine Anekdote zum besten gegeben: Ein Cheechako, der sich die Haare schneiden liess und die Zehn-Dollar-Rechnung präsentiert bekam, wehrte sich wie folgt: «Hör mal Buddy, du glaubst wohl, mit mir könntest du das machen; hältst mich wohl für'n bloody Greenhorn – zehn Bucks für einen lausigen Haarschnitt …!» Überlegte der Figaro eine Weile und antwortete: «Erst war ich mir nicht sicher, aber jetzt weiss ich's, dass du ein Cheechako bist!»

Das bedeutet nun nicht, dass man mit Dollarscheinen nur so um sich werfen sollte, wie der Reiche Onkel aus Amerika nach dem Krieg in Old Germany!

Wanderer, kommst du in den Yukon, nach Alaska …

– Bedenke, dass die Eingeborenen in jenen Landstrichen – die rund 40.000 Eskimos, 30.000 Indianer und 7.000 Aleuten – kein Freiwild für deine Kamera, deine aufdringliche Neugierde sind. Manche reagieren ausgesprochen sauer, wenn du mit gezückter Kamera auf sie zugehst. Oder möchtest du selber dein Leben als wanderndes Panoptikum fristen? Also: Takt, Geduld, und nochmals Takt, ein Lächeln, wenn die Worte fehlen – oder ein kleines Geschenk;

– dass, wenn ein Eskimo dich zu seiner «Barabara» einlädt (was selten vorkommt), damit nicht seine Frau, Grossmutter, Tochter gemeint ist, sondern sein Haus;

– dass ein «Kuspuk» ein Frauenparka ist, während «Muktuk» zu den Delikatessen dieser Menschen gehört, die auch für weisse, vorurteilslose Gaumen eine akzeptable, sogar erfreuliche Spezialität sein kann. Es handelt sich da um kross-geröstete Walschwarte, während Eiscreme à la Eskimo nicht unbedingt unseren Geschmacksnerven vertraut ist: Diese Gaumenfreude für Inuit wird aus Beerenmus, gut abgestandenem, sprich: ranzigem Seehundsöl und frischgefallenem Schnee geschlagen;

– vergiss nicht, den Jugendherbergsausweis mitzunehmen; in Ketchikan, Juneau, Norne, ebenso in Whitehorse, Dawson City und Haines Junction gibt es preisgünstige Unterkünfte dieser Art;

– dass du im Hohen Norden bist, wo «Grünzeug» teuer ist (ein Apfel bis zu 50 Cent!), dafür der Sprit aber immer noch vergleichsweise billig (in Alaska: eine Gallone ca. $3 im Sommer 1982);

Bedenke …

– dass der Yukon einmal berühmt für die freizügigsten Alkoholgesetze im ganzen puritanischen Kanada war, dies aber seit 1979 geändert ist! Auch hier ist jetzt «Alkoholgenuss in der Öffentlichkeit» untersagt!

– dass der Yukon aber trotz dieser Änderung weiterhin das einzige legale Spielcasino des Landes in seinen Grenzen beherbergt: «Diamond Tooth Gertie's» in Dawson;

– dass aber «Dawson nicht Disneyland ist» – sondern noch lebendige, liebevoll am Leben erhaltene Geschichte, genau wie Skagway – wie zumindest alle Alaskaner und Yukoner versichern;

Wanderer, kommst du nach Alaska, in den Yukon …

– dann erinnere dich zu guter Letzt daran, dass du nicht der Geschichte oder gar der Städte wegen gekommen bist, sondern um echte, ursprüngliche Wildnis zu erleben.

Und davon gibt's – noch – genug. Gegenüber den Elchen sind die Einwohner immer noch in der Minderzahl …
(Einleitung zum Buch)

Es war dies eines der wenigen damals erhältlichen Bücher, auf die ich mich 1988 auf mein Yukon-Alaska-Abenteuer vorbereiten konnte.

9. März 2020

Ein Sommer mit Wölfen

Farley Mowat: Ein Sommer mit Wölfen,
Rowohlt, Reinbek, 1963
Eines der amüsantesten Naturbücher, das jemals geschrieben wurde Im arktischen Kanada, war man sich sicher den Schuldigen gefunden zu haben: Nur die Wölfe konnten für das Abnehmen der Rentierherden in der Tundra verantwortlich sein. Der Biologe Farley Mowat wird in die Weiten des kanadischen Nordens geschickt, um Beweise für das verheerende Treiben des «gefährlichsten Feindes des Menschen» zu sammeln. Dort angekommen stellt er fest, dass sein Forschungsobjekt weit davon entfernt ist, ein Mörder zu sein. Ganz im Gegenteil: Die Wölfe werden seine besten Freunde. (Klappentext)

8. März 2020

Homo faber

Max Frisch: Homo faber, Suhrkamp,
Frankfurt/Main, 1957
Der für die UNESCO tätige 50-jährige Ingenieur Walter Faber muss als Insasse eines Flugzeugs in der mexikanischen Wüste notlanden. Dort schliesst er Bekanntschaft mit dem Düsseldorfer Herbert Hencke, der sich als Bruder seines ehemaligen Freundes Joachim entpuppt. Er erfährt, dass Joachim seine ehemalige Geliebte Hanna geheiratet hat, die seinerzeit ein Kind von Faber erwartete. Sie hatte sich von ihm getrennt und war zu einer Abtreibung bereit.

Faber beschliesst seine Reiseroute zu ändern, um Herbert auf der Suche nach seinem in Guatemala verschollenen Bruder zu helfen. Schliesslich finden sie ihn erhängt in seiner Hütte im Urwald. Ziemlich überstürzt bucht Faber, zurückgekehrt nach New York, eine Schiffsreise nach Europa. An Deck trifft er auf die junge Sabeth, eine Yale-Studentin. Das Mädchen weckt Jugenderinnerungen und der Ingenieur verliebt sich in sie. Gemeinsam reisen sie durch Frankreich, Italien und Griechenland, wo Sabeth ihre Mutter besuchen will. Auf der Fahrt stellt sich heraus, dass die junge Frau Fabers Tochter ist. Sabeth selbst hält nach wie vor Joachim für ihren Vater und Faber ist gerne bereit, ihr zu glauben. Die inzestuöse Liebesgeschichte endet dramatisch, als Sabeth am Strand von einer Schlange gebissen wird, von dem ihr zu Hilfe eilenden Faber zurückweicht und einen Hang hinabstürzt. Rasch wird gegen den Schlangenbiss ein Gegengift verabreicht, doch Sabeth stirbt am Tag darauf an den Folgen einer Schädelfraktur. Faber hatte es versäumt, die Ärzte auf den Sturz hinzuweisen. Nach dem Tod der gemeinsamen Tochter beschliesst Faber, seinen Beruf aufzugeben und zu Hanna nach Athen zu ziehen. Als er wegen ständiger gesundheitlicher Probleme schliesslich eine Klinik aufsucht, bekommt er die Diagnose «Magenkrebs» und steht seinem eigenen Tod gegenüber.

7. März 2020

Neu im Buchantiquariat



Weitere neue Titel in meinem im Wachsen begriffenen Buchantiquariat.

Kindergeschichten

Peter Bichsel: Kindergeschichten,
Luchterhand, Neuwied + Berlin, 1969
Die Geschichten, die Peter Bichsel hier vorlegt, sind Kindergeschichten. Sie beginnen mit Sätzen wie: «Erfinder ist ein Beruf, den man nicht lernen kann; deshalb ist er selten», oder: «Ich habe die Geschichte von einem Mann, der Geschichten erzählt», und: «Von Onkel Jodok weiss ich gar nichts, ausser dass er der Onkel des Grossvaters war.»

Sieben Kindergeschichten. Die Titel lauten: Die Erde ist rund. Ein Tisch ist ein Tisch. Amerika gibt es nicht. Der Erfinder. Der Mann mit dem Gedächtnis. Jodok lässt grüssen. Der Mann, der nichts mehr wissen wollte.


Das ist (nach «Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen» und «Die Jahreszeiten») Peter Bichsels drittes Buch. Es erzählt von dem Mann, der weiss, aber nicht glaubt, dass die Erde rund ist, und es ausprobieren muss; von den Leuten, die, um die Zeit zu erleben, Eisenbahn fahren; von dem Erfinder, der heute noch lebt und Ruhe braucht; es erzählt von dem König von Spanien, und von Amerika, und es macht uns bekannt mit dem Mann, der die Welt verändert, indem er die Dinge anders nennt, mit Onkel Jodok und mit dem Grossvater, der leider, leider kein Lügner war, sowie mit dem Mann, der dann doch Chinesisch konnte.

Sie sind wie die einfachsten Dinge, Peter Bichsels Kindergeschichten, selbstverständlich zu benutzen, zu lesen, leicht zu verstehen, in dem Masse vollkommen, als sie keine sichtbaren Spannungen aufweisen zwischen Angestrebtem und Eingelöstem, zwischen Sprachversuch und Sprachresultat.

Sie sind auch schwer wie die einfachsten Dinge, Bichsels sieben kleine  «Kindergeschichten», schwer, nicht preisgeben. Kindern gefallen sie. Für Kinder ist wirklich, was richtig erzählt wird. Und richtig erzählt sind Bichsels Kindergeschichten: Das spüren auch Erwachsene. Richtig erzählt: Das gilt für alle sieben Erzählungen, und – es mag übertrieben tönen – das gilt gleichermassen von jeder kleinsten Beschreibung in jeder Erzählung. Der Leser möge nachprüfen: Was liesse sich verrücken, ändern, in andere Bahnen leiten, mit mehr oder weniger Nachdruck behandeln, ohne dass einzelne Geschichten aus dem Gleichgewicht gerieten? In Lesebüchern sollen Kinder Deutsch lernen, sollen Kinder lernen, was Sprache ist, anhand der einfachsten Dinge, sollen Kinder lernen, wie schwer, wie tief, wie reich Sprache ist, anhand der einfachsten Dinge. Hier wäre ein solches Lesebuch. Man könnte es von der ersten Klasse an brauchen.
(Christoph Kuhn im Tages Anzeiger, Zürich)

Selten gibt es in neuerer Prosa etwas, das so subtil, kritisch-modern und human in einem ist.
(Dieter Lattmann im Bayerischen Rundfunk)

Sieben Geschichten für Kinder und Erwachsene, von jener Simplizität, die der doppelte Boden braucht, ... die beiden besten («Ein Tisch ist ein Tisch» und «Jodok lässt grüssen») bis in das letzte Zeichen hinein vollkommen in ihrer Balance von Wort, Geschichte, Sinn, und insgesamt das beste, was Peter Bichsel bisher geschrieben hat.
(Petra Kipphoff in Die Zeit)

6. März 2020

Irisches Tagebuch

Heinrich Böll: Irisches Tagebuch, dtv,
München, 1961
Heinrich Böll stattet mit diesen Aufzeichnungen den Dank ab an eine Landschaft und ihre Menschen, denen er sich wahlverwandtschaftlich verbunden fühlt. Die «Stuttgarter Zeitung» schreibt über das «Irische Tagebuch»: «Das Geheimnis dieses Buches, des liebenswertesten Buches von Heinrich Böll, ist, dass kaum ein Wort über die verzwickte Ökonomie und die noch verzwicktere Geschichte dieses kleinen Staates gesagt wird und dass dennoch das ganze Irland in diesem Tagebuch eingefangen zu sein scheint.» (Inhaltsangabe im Buch)

5. März 2020

Die Asche meiner Mutter

Frank McCourt: Die Asche meiner Mutter,
btb, München, 1998
«Natürlich hatte ich eine unglückliche Kindheit; eine glückliche lohnt sich ja kaum. Schlimmer als die normale unglückliche Kindheit ist die unglückliche irische Kindheit, und noch schlimmer ist die unglückliche irische katholische Kindheit.» Frank McCourts Erinnerungen an seine Jugend in den 30er- und 40er-Jahren gehören zum Schrecklichsten und zugleich Schönsten, was je über Irland und die Besonderheiten der irischen Seele geschrieben worden ist: Eine Geschichte zwischen tiefstem Elend und höchster Lebenslust, so komisch wie tragisch, erzählt mit unglaublichem Humor und Sprachwitz – und jedes Wort davon ist wahr. (Klappentext)

Frank McCourt wurde 1930 in Brooklyn in New York als Kind irischer Einwanderer geboren, wuchs in Limerick in Irland auf und kehrte 1949 nach Amerika zurück. Dreissig Jahre lang hat er an New Yorker High Schools unterrichtet. Für sein erstes Buch, «Die Asche meiner Mutter», 1996 erschienen, erhielt er den Pulitzerpreis, den National Book Critics Circle Award und den L.A. Times Book Award. Frank McCourt verstarb im Juli 2009.

4. März 2020

Münsingen im Oberaargau

Friedrich Glauser: Schlumpf Erwin Mord,
Unionsverlag, Zürich, 2015
Ich liebe sie, diese handlichen Taschenbuchausgaben im verkleinerten Postkartenformat. Entdeckt habe ich diese Aufmachung vor ein paar Jahren im Fischer Taschenbuchverlag, der mittlerweile eine stattliche Backlist führt. Aber auch andere Verlage bieten diese wanderrucksacktauglichen Bände an. Zum 40-Jahr-Jubiläum hat sich heuer der Zürcher Unionsverlag die Herausgabe einer Sonderedition im genannten Format vorgenommen. Dabei habe ich mir den Schweizer Krimi-Klassiker schlechthin gekauft: Schlumpf Erwin Mord. Zuerst dachte ich, es handle sich um ein bislang unveröffentlichtes Werk Friedrich Glausers, lernte dann im Nachwort von Walter Obschlager, dass ich den damals als Wachtmeister Studer bekannt gewordene Roman erstanden habe.

Der 1935 fertiggestellte Krimi liest sich auch heute noch so, als wäre er 2015 geschrieben und zeitlich in den Dreissigerjahren angesiedelt worden. Glauser schreibt und beschreibt Land und Leute aus dem Bernbiet so real und realistisch, dass ich mir nicht vorstellen kann, die 1939, kurz vor dem Ausbruch des Weltkriegs erstellte Verfilmung mit Heinrich Gretler anzuschauen. Wachtmeister Studer und die restlichen Protagonisten auf Zürichdeutsch? Nach eingehender Lektüre von Schlumpf Erwin Mord, ein Ding der Unmöglichkeit. Henu, die Schweiz von damals hat den Streifen sehr wohl goutiert. Gretler war die cineastische Inkarnation Studers per se, Dialekt hin oder her.

Anderer Titel mit demselben Inhalt wie
«Schlumpf Erwin Mord». Diese Ausgabe
stammt aus dem Diogenes Verlag in
Zürich, 1989
Der Mord im Gerzensteiner Wald, wo der Handelsreisende Witschi erschossen aufgefunden worden ist, scheint ein Routinefall zu sein: Der Verdächtige, ein Vorbestrafter, der im übrigen ein Liebesverhältnis mit der Tochter des Ermordeten hat, sitzt bereits in Untersuchungshaft auf dem Schloss Thun. Sein Versuch, sich in der Zelle zu erhängen, wird von Studer, Fahnder der Berner Kantonspolizei, im letzten Moment vereitelt. Was als Schuldbekenntnis ausgelegt werden könnte, wird für Studer zum Ausgangspunkt für seinen Kampf um Schlumpf, von dessen Unschuld er überzeugt ist. In der Folge entpuppen sich bekannte und einflussreiche Dorfgrössen als nicht über alle Zweifel erhabene Gestalten, womit Glauser ein derart brisantes Thema aufgegriffen hatte, dass der Filmdreh auf mehrere Zürcher Gemeinden hat verteilt werden müssen. Es entstand eine Art kriminelles Seldwyla, ein gekünstelter Mix aus ländlichen Dorfkulissen, damit kein konkreter Ort mit den von Glauser geschaffenen Problemthemen in Verbindung gebracht werden konnte.

Selbst Glauser hat bei der Verortung von Gerzenstein einen kleinen Kunstgriff angewendet. Beim Ort handelt es sich um Münsingen im Aaretal, das der Autor von seinen Aufenthalten in der psychiatrischen Klinik bestens kannte. Um irgendwelche Verdächtigungen aus dem Weg zu räumen, siedelte Glauser Gerzenstein im Oberaargau an, was ein wenig sonderbar anmuten mag, denn die Szenen mit dem Untersuchungsrichter spielen sich jeweils im Schloss Thun ab. Dem geografisch kundigen Leser versetzt diese schriftstellerische Freiheit einen leichten Wirklichkeitsdämpfer. Aber so ist Fiktion nun mal.

PS. Die Lektüre hat mir zudem drei schöne Begriffe näher gebracht: kautelen, rigolen und ondulieren.

BE: Schloss Thun, Oberaargau, Münsingen, Inselspital Bern

3. März 2020

Vom Spazieren

Henry David Thoreau: Vom Spazieren,
Diogenes, Zürich, 2001. Das Original
erschien 1862 unter dem Titel: «Walking»
Der Streifzug durch die Natur als Lebensmodell: Für Thoreau stellt das tägliche Unterwegssein in der Natur eine Notwendigkeit dar, real wie auch übertragen – Spazieren durch die wilde Natur als Versuch, zum Lebendigsten vorzudringen. (Klappentext)

Henry David Thoreau, geboren 1817 in Concord, Massachusetts, hat seine Heimatstadt nur für einen zweijährigen Studienaufenthalt am Harvard College verlassen. Eine Zeitlang war er Privatsekretär Ralph Waldo Emersons. 1845 bezog er eine selbstgebaute Blockhütte am Walden-See, in der er zwei Jahre zurückgezogen lebte. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Landvermesser und engagierte sich bis zu seinem Tod gegen die Sklaverei. Thoreau starb 1862 an Tuberkulose.

Artikel über Henry David Thoreau in der NZZ.

2. März 2020

Mys Thun

Werner Gutmann: Mys Thun, Schaer,
Thun, 1985
Die Zeit, die ein halbes Jahrhundert zurückliegt, wird an kleinen Begebenheiten wieder lebendig, nicht nur für jene, die dabei waren, sondern auch für die Jungen, denen eine vergangene Zeit nähergebracht wird. Knud Jacobsen hat einige treffsichere Zeichnungen beigesteuert. (Berner Oberländer)

Die Lektüre dieses Büchleins hat mich im Nun um fünfzig Jahre verjüngt! Jeder waschechte Thuner muss dieses Bändchen gelesen haben. Sie werden öfters schmunzeln, manchmal laut lachen und vielleicht ab und zu eine Träne vergiessen. (Aus einem Leserbrief im Thuner Tagblatt)

BE: Thun, Stockhorn, Beatenberg, Stadttheater Bern TI: Tessin ZH: Stadt Zürich, Zoo Zürich

Werner Gutmann (*1914 in Thun, † 2002 in Münsingen) Banklehre, dann Tätigkeit als Bankkaufmann, von 1948 bis zur Pensionierung 1979 Prokurist der Nationalbank in Bern. Ab 1971 wirkte Gutmann nebenberuflich als Schriftsteller. Er verfasste mehrere Bühnenstücke in Berner Mundart, meist für das Berner Heimatschutz-Theater, die von dessen Ensemble in den jeweiligen Spielstätten des Heimatschutztheaters uraufgeführt wurden. Die Stücke setzten sich mit moralischen Fragen der Zeit auseinander. Gutmann schrieb auch Märchenspiele für Kinder und Jugendliche, mit Musik von Harri Rodmann. Des weiteren verfasste Gutman Kurzprosa und Mundarterzählungen und arbeitete bei kabarettistischen Sendungen von Radio Beromünster mit. Seit 1945 entstanden zudem zahlreiche Hörspiele für die Studios Bern und Zürich.

1. März 2020

Neu im Buchantiquariat


Ab sofort neu in meinem kleinen, feinen Buchantiquariat! Bild anklicken zum Vergrössern.

Die Kunst des klugen Handelns

Rolf Dobelli: Die Kunst des klugen Handelns,
Hanser, München, 2012
Unzählige Leser begeistern sich für Rolf Dobellis gescheite Texte über unsere häufigsten Denkfehler. Doch wer Dobellis Ratschläge zum klaren Denken beherzigt, ist noch lange nicht aus dem Schneider, denn auf dem Weg vom Denken zum Handeln lauern weitere Fallstricke. Glücklicherweise kann man die umgehen – wenn man weiss, wie. Genau das verrät «Die Kunst des klugen Handelns»: In 52 Kapiteln zeigt Dobelli, warum es sich lohnt, Türen zu schliessen und auf Optionen zu verzichten, warum Informationsüberfluss zu unklugem Handeln anstiftet, warum Geld stets in emotionale Kleider gehüllt ist und wir es darum oft unbedacht ausgeben. Rolf Dobelli gibt Ihnen das nötige Rüstzeug: Schlagen Sie nicht jeden Irrweg ein, nur weil andere ihn gehen. Lernen Sie aus den Fehlern, die andere freundlicherweise für Sie machen. Denken Sie klar und handeln Sie klug! (Klappentext)