28. November 2014

Im Schatten der chinesischen Mauer

William Lindesay, Zu Fuss durch die
Wüste Gobi zum Gelben Meer,
Frederking & Thaler, München, 2001
William Lindesay hat einen Traum – China entlang der Grossen Mauer zu Fuss zu durchqueren – ein fast unmögliches Unterfangen. Das Abenteuer beginnt in der Wüste Gobi – 2500 km liegen noch vor ihm. Lindesay durchquert Regionen, die 1986/87 noch verboten waren, er trotzt mörderischen Klimaschwankungen, Hunger und Durst ebenso wie der unerbittlichen Bürokratie des Staates. Immer wieder wird er von den Behörden nach Beijing zurückgeschickt, aber immer wieder helfen ihm seine ungeheure Willensstärke und die Gastfreundschaft der Einheimischen, seine Reise fortzusetzen. Eines Tages trifft er seine grosse Liebe und spätere Frau – Wu Qi. Endlich, nach zwei Jahren, erreicht er erschöpft aber glücklich sein Ziel am Gelben Meer. (Klappentext)

26. November 2014

Das kann dem Fuchs gestohlen bleiben

Dieses Exemplar ist mir von Blogleserin Marianne zugespielt worden. Jaja, es steht im Umland von Endingen (AG). Ob Reinecke so blöd sein wird und sich überraschen lässt? Die Touristiker werden es einmal mehr wissen.

25. November 2014

Unfreiwillig-philosophisch


Dieses Weidetor in der Nähe von Leukerbad (VS) mutet ärmlich und künstlerisch zugleich an. Ärmlich, weil der eigentliche Nutzen nicht ganz ohne Zweifel scheint, wobei die Frage im Raum steht, ob sich selbst an diesem Objekt die Spätfolgen der damaligen Gemeindepleite manifestieren. Als Kunst mag es verstanden werden, wegen der Symbolik des sich schlängelnden Pfads in einem vorgegebenem Rahmen. Die Schräglage möge hierbei zu weiteren philosophischen Gedankengängen anregen. Pikant auch, dass die Einrichtung im Moment der Aufnahme gar keinen Sinn macht, da der Weidezaun noch gar nicht gespannt und daher bereits ein kurzer Umgehungspfad entstanden ist. Diesen gäbe es indes nicht, würde das Weidetor dort stehen, wo es in der weidelosen Zeit im Prinzip hingehört: neben den Durchgang.

24. November 2014

Rezepte gegen den Winterblues

Heinz Staffelbach, Wandern und Geniessen
im Winter,
AT-Verlag, Baden, 2009
Die sanften Wintertourismustrends schlagen sich langsam aber sicher auch in der Wanderführerliteratur nieder. Wintertourenratgeber fallen zwar nicht wie Schneesterne vom Himmel, die markante Zunahme an publizierten Titeln ist indes nicht zu übersehen. So auch Heinz Staffelbachs «Wandern und Geniessen im Winter».

In gewohnt qualitativ hochstehender Manier präsentiert der umtriebige Autor in 30 Kapiteln insgesamt 20 Menüs für «erlebnisreiche Tage im Schnee». Der von Staffelbach bisher bekannte, ausgewogene Mix aus mitunter hervorragenden Fotografien und unterhaltsam-informativen Texten kommt auch im vorliegenden Band zur Anwendung. Auffallend viele Vorschläge betreffen das Bündnerland. Aber auch das restliche Voralpen- und Alpengebiet ist würdig vertreten. Dem Jura, dem eigentlichen Schneeschuh-Eldorado, wurden bloss zwei Kapitel zugestanden. Sind es die eher spärlich vorhandenen Winterwanderrouten, der manchmal fehlende Schnee oder das dünnere Netz an Unterkunftsmöglichkeiten, die den Ausschlag gaben? Gerade die Unterkünfte in Form von einfachen bis luxuriösen Berggasthäusern sind zentrales Element in diesem grossformatigen Glustigmacher für Komfortwanderer. Der Serviceteil beinhaltet jeweils mehrere, ausführlich beschriebene Übernachtungsperlen. Schliesslich will man nach genussvoll absolvierter Tour seine müden Glieder in würdigem Ambiente lagern.

Die beschriebenen Winterwanderrouten führen in der Regel über markierte und speziell präparierte Wege. Etwas irritierend sind die oftmals parallel zu diesen Wegen verlaufenden Schneeschuhrouten, welche dann meist eine Fortsetzung in «wilderem» Gelände finden: mal auf einen Gipfel, mal auf einen Grat oder über eine Schlaufe wieder zurück zum Ausgangsort der Tour. Diese Routen sind mehrheitlich nicht markiert und erfordern daher Kenntnisse der Orientierungs- und Lawinenkunde. Aus technischer Sicht weisen die Vorschläge leichte bis mittlere, selten anspruchsvolle Schwierigkeiten auf. Für die Planung sehr hilfreich sind die Übersichtskarten, welche nebst allen notwendigen Informationen auch die zu meidenden Wildschutzgebiete beinhalten.

22. November 2014

800 km für Buxtehude

Genialer Musikus und ausdauernder
Fussgänger: Johann Sebastian Bach,
gemalt von Elias Gottlob Hausmann, 1748
Johann Sebastian Bach war nicht nur ein Ausnahmetalent, er wollte selbstverständlich von den Grossen seiner Zeit lernen, auch wenn dies zur damaligen Zeit bedeutete, weite Strecken zu Fuss zurücklegen zu müssen. Hier ein paar pedestrische Husarenstücke des Genius:
  • Bach war 14, als er zum ersten Mal die rund 300 Kilometer von seinem Zuhause in Ohrdruf nach Lüneburg lief, da er ein Stipendium an der Michaelisschule bekommen hatte und nun in deren Chor mitsingen durfte.
  • In den Sommerferien seines ersten Schuljahres lief Bach die rund 100 Kilometer von Lüneburg nach Hamburg, weil er den Organisten Johann Adam Reinken hören wollte.
  • Später machte er mehrere Rundreisen von jeweils 150 Kilometern von Lüneburg nach Celle, um das Hoforchester des Herzogs Georg Willhelm zu hören.
  • Sein längster Marsch waren die 800 Kilometer von Arnstadt nach Lübeck an der Nordsee im Winter 1705/06, da er dort den berühmten Organisten Dietrich Buxtehude hören wollte. Seine genaue Reiseroute ist nicht überliefert, aber man geht davon aus, dass Bach über Gotha, Mühlhausen, Northeim, Seesen, Braunschweig, Lüneburg und die vielbenutzte Salzstrasse nach Lübeck gekommen ist.
(Quelle: Stephen Barnett, Deutschland für die Hosentasche, Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt/Main, 2013)

21. November 2014

Café de Préty

Barbara Traber: Café de Préty,
orte Verlag, Oberegg, 2000
Im ersten Krimi der Berner Autorin Barbara Traber geht es um die Freundschaft zwischen zwei Frauen, um Liebe und Tod und vor allem um Gerechtigkeit. Mit gekonnter Präzision wird das Ambiente im Historischen Museum von Bern beschrieben, die Landschaften, die Menschen und Cafés der Bresse bourguignonne, das Bücherstädtchen Cuisery. Schlimm aber: Die Freundin von Regula bleibt über Wochen und Monate hin verschwunden. Was ist ihr passiert? Ist sie mit einem neuen Mann untergetaucht? Regula kann es nicht glauben. Sie recherchiert, radelt im Regen, im Nebel, bei schönem Wetter vorbei an Teichen, Schlössern und entlang von Flüssen. Wird der Fall je gelöst?

BE: Stadt Bern F: Préty (Bresse)

20. November 2014

Das Kombiportal von Montfaucon

Weidedurchgänge sind für den Wanderer elementar. Ohne die Tore, Drehkreuze, Schranken und Gitter würde der Gang über Wiesen und Alpen zur Qual. Weil die Vielfalt und Originalität an Durchlässen keine Grenzen kennt, starte ich hiermit unter dem Label «Durchgänge» eine neue Bilderserie.



Solche und ähnliche Durchgänge finden sich in den Freibergen nicht selten. Die Konstruktion rechts lässt sich auch von Bikern und Reitern öffnen, ohne dass diese absteigen müssen. Als Wanderer muss man sich freilich daran gewöhnen, die Querverbindung oben nach unten zu drücken, damit sich die Verriegelung löst und das «Portail» geöffnet werden kann. Gesehen zwischen Montfaucon und St-Brais (JU).

19. November 2014

Alpenspaziergang

Karl Lukan, Alpenspaziergang,
Bruckmann Verlag, München, 1988,
vergriffen
Höchst originell feierte das Wiener Bergsteigerpaar Fritzi und Karl Lukan den Beginn des wohlverdienten Ruhestandes: mit einem «Spaziergang» vom Wiener Stadtrand quer durch die gesamten Alpen bis nach Nizza. Mit Schlafsack und Kocher im Rucksack, ohne genauen Zeitplan, oft tagelang auf Höhenwegen durch einsames, unberührtes Bergland dahinziehend.

Johann Gottfried Seume, der Spaziergänger nach Syrakus, war das grosse Vorbild für diese Wanderung. Nicht die bezwungenen Kilometer oder Höhenmeter waren das Wichtigste, sondern das Erlebnis des Unterwegsseins, das Erkunden des Pfades, die Anpassung an die Wetter- und Wegverhältnisse, das Wiedersehen mit berühmten Bergen wie Drei Zinnen, Matterhorn und Montblanc, die Begegnungen mit Menschen am Weg, die Abstecher zu geheimnisvollen vorgeschichtlichen Kultstätten – und wie es ist, wenn man am Morgen noch nicht weiss, wo man am Abend schlafen wird.

Mit Humor und innerer Ruhe erzählt der bekannte Bergsteiger und Schriftsteller Karl Lukan von den fröhlichen und den weniger angenehmen Ereignissen auf dieser grossen Fahrt. Fotos von unterwegs und Zeichnungen machen seinen Bericht anschaulich, und wer ihn nachvollziehen will, findet im Anhang eine Zusammenfassung des Tourenverlaufs und eine Übersichtskarte. (Klappentext)

Über das Leben Karl Lukans (1923–2014) und sein Werk gibt dieser Artikel Auskunft.

18. November 2014

Und wieder eines von Monika



«So ein Bänkli würde mir auch gefallen … Heute gesehen oberhalb Stein SG», meint Blogleserin Monika, die mir vor ein paar Tagen das Bild zukommen liess.

17. November 2014

Mit dem Rucksack um die Schweiz

Ferdi Afflerbach, Mit dem Rucksack um die Schweiz,
Verlag am Dorenbach, Binningen, 1985, vergriffen
Zu Fuss, mit Rucksack, Skizzenblock und Fotokistlein ist der Basler Grafiker Ferdi Afflerbach losgezogen und hat während 80 Tagen das getan, was viele sich seit Jahren erträumen: Hinaus aus der Stadt und weg vom Verkehr, über Berge Pässe und durch Täler wandern, da und dort sich hinsetzen, ausschnaufen, Bergluft atmen, lugen, zeichnen – und geniessen.

Es ist ein Buch der Anti-Rekorde. Weder von Erstbesteigungen noch von waghalsigen Klettereien ist die Rede. Jeder Mensch mit zwei gesunden Beinen kann diese Wanderung nachvollziehen – sogar in kürzerer Zeit. Ein informativer, reich bebilderter und manchmal angriffiger Bericht mit über 50 Reiseskizzen, enbensovielen Fotos und 39 lückenlosen Routenplänen. (Umschlagtext)

Mehr über Ferdi Afflerbach (1922–2005) im Personenlexikon des Kantons Baselland.

16. November 2014

Filmriss

Mitra Devi, Filmriss, 2009, Appenzeller
Verlag, Herisau. 2012 als Taschenbuch
im Unionsverlag, Zürich, erschienen.
Zürich, drei Tage vor Heiligabend. Die neunjährigen Zwillinge Lukas und Lorena werden aus ihrem Elternhaus am Zürichberg entführt. Verzweifelt wenden sich die Eltern an die Privatdetektivin Nora Tabani. Zur selben Zeit irrt ein junger Mann ohne Gedächtnis durch die Stadt. Als er nach und nach zu sich kommt, ahnt er Schreckliches: Ist er einer der Kidnapper? Während­dessen ermitteln Nora Tabani und ihr Partner Jan Berger auf Hochtouren. Warum lügt die Mutter der Zwillinge? Hat der leibliche Vater seine Kinder entführen lassen? Was verschweigt das Kindermädchen? Und was hat der seltsame junge Mann mit der Erinnerungslücke mit dem Fall zu tun? Da geschieht in einem Kinosaal ein Mord. Die Lage spitzt sich zu. (Klappentext)

Ein Krimi für Erwachsene, geschrieben in der Sprache eines Jugendromans. Klischiertes Drogenmilieu, stümperhaftes Kriminalistentum, diletantische Ganoven – alles garniert mit stereotypen Dialogen – führen zu einem entsetzlich banalen Happyend. Der Geschichte fehlt  einiges an Verve für einen ausgefeilten Kriminalroman, dabei war er 2009 für den Zürcher Krimipreis nominiert …

ZH: Stadt Zürich, Bahnhof Zürich-Stadelhofen, Zürichberg, Uster, Haftanstalt Murwies, Aathal, Pfäffikersee, Wetzikon, Sulzbach

15. November 2014

Bruder Kemal

Jakob Arjouni, Bruder Kemal, Diogenes,
Zürich, 2012
Auch der letzte Kayankaya-Krimi des leider allzufrüh von uns gegangenen Jakob Arjouni besticht durch eine genial konstruierte Geschichte, den karikiert wiedergegebenen Literaturbetrieb und die köstlichen Schilderungen des Frankfurter Zwielichtmilleus. Zum Inhalt:

Die Bankierstochter Valerie de Chavannes bestellt Kayankaya in ihre Villa im Frankfurter Diplomatenviertel und beauftragt ihn, ihre verschwundene sechzehnjährige Tochter Marieke zu finden. Wahrscheinlich ist sie mit einem älteren Mann zusammen, der sich als Künstler ausgibt. Ein einfacher Fall, meint Kayankaya: ein abenteuerlustiges Upperclass-Mädchen, das es sich und ihren Eltern zeigen will. Und noch ein einfacher Fall: Der Maier-Verlag glaubt, seinen Autor Malik Rashid auf der Buchmesse vor Angriffen religiöser Fanatiker schützen zu müssen. Rashid hat einen Roman geschrieben, in dem es unter anderem um den Umgang mit Homosexualität in einem arabischen Land geht. Kayankaya soll für drei Tage Rashids Leibwächter sein. Doch zusammen führen die zwei Fälle zu Mord, Vergewaltigung und Entführung. Und Kayankaya gerät in den Verdacht, gegen entsprechende Entlohnung ein Auftragskiller zu sein. Dabei will er eigentlich nur eines: mit seiner langjährigen Freundin Deborah ein ruhiges, entspanntes Leben führen. (Website des Verlags)

D: Frankfurt, namentlich: Zeppelinallee, Gutleutstrasse, Schifferstrasse, Bockenheimer Warte, Fussballplatz am Brentanobad, Buchmesse, Grünbergpark

14. November 2014

28, 2004, 2500

Thomas Bauer, 2500 Kilometer zu Fuss
durch Europa, Wiesenburg Verlag,
Schweinfurt, 200
Das Publizieren von Berichten über selbst erlebte Pilgerei auf dem Jakobsweg reisst nicht ab. Im Schatten von Hape Kerkelings Bestseller ist 2006 das Buch von Thomas Bauer erschienen. Der 28-jährige Bauer wanderte 2004 von Konstanz am Bodensee bis nach Santiago de Compostela und von dort gar bis ans «Ende der Welt», dem sogenannten Finisterre an der galizischen Westküste. Dabei legte der Jüngling in 69 Tagen gerade mal 2500 Kilometer zurück.

Das vorliegende Buch unterscheidet sich leider kaum von anderen Jakobswegberichten. Auch hier stehen die unterwegs gemachten Bekanntschaften im Vordergrund. Bauer repetiert ebenfalls die meisten Legenden und Sagen, die einem auf dem Weg zwangsläufig begegnen bzw. in den Pilgerführern aufgeführt sind. Über andere kulturelle Hintergründe erfährt man herzlich wenig. Einzig die gedanklichen Einsprengsel geben ein paar neue Aspekte her. Damit hat es sich dann aber auch.

Zu guter Letzt sei noch auf ein paar sachliche Ungereimtheiten hingewiesen, die den Schweizer Abschnitt betreffen (abgesehen davon, das dem Autor gerade mal 22 Seiten reichen, um die 400 Kilometer abzuhandeln). Also: Über Flüeli-Ranft, den zweitwichtigsten Wallfahrtsort der Schweiz, vermeldet Bauer: «Über Stans und das Touristennest Flüeli-Ranft schlage ich mich bis Sachseln durch.» Mehr gibt es offenbar nicht zu sagen. Kein Wunder, denn die Tagesetappe verlief von Einsiedeln bis nach Stans. Da bleibt keine Zeit, sich mit helvetischem Pilgertum auseinander zu setzen. Weitere Beispiele: Den Thuner Stadtteil Gwatt («ein Name wie ein Schluckauf») bezeichnet Bauer als «Dörfchen». Meinte er vielleicht Einigen? Umso erstaunlicher ist dann die Bezeichnung «Städtchen» für das Dörfchen Montpreveyres in der Nähe von Lausanne. Den Vogel schiesst der Schwabe dann aber beim Verlassen der Schweiz ab. Hier schreibt er: «Von nun an wird die Wegführung leichter, und die Abzweigungen werden besser beschriftet sein.» Da fragt man sich, wie Thomas Bauer bloss durch unser Land gegangen ist. Mit Scheuklappen etwa? Und natürlich stellt sich die Frage, ob der Rest des Berichtes ebenfalls von derartigen Ungereimtheiten strotzt, wie der hier erwähnte. Wir wollen es nicht hoffen.

7. November 2014

Das Opfer

Fritz H. Dinkelmann, Das Opfer,
Suhrkamp, Frankfurt/Main, 1985.
1987 erschien der Roman als
Lizenzausgabe bei Ex Libris, Zürich.
Aktuell ist das Buch im Angebot des
Lenos Verlags, Basel
Ein Abend, eine Nacht. Föhn. Christa Dahinden, eine junge Frau, wartet vergeblich auf ihren Mann. Dahinden kommt nicht nach Hause. Er ist tot.

Was ihr zwei Herren am nächsten Tag eher behutsam als Sachverhalt eröffnen, wird von einer Boulevardzeitung schon in den Schlagzeilen gemeldet: «Prominentenanwalt brutal ermordet! Mit zerschmettertem Schädel tot aufgefunden wurde gestern der prominente Solothurner Rechtsanwalt Dahinden (34). Die Leiche lag im Flussbett der Emme in Derendingen (SO).»


Christa Dahinden lebt weiter. Sie erinnert sich, nimmt die Spurensuche auf, forscht nach Antworten.
(Inhaltsangabe auf der Website des Lenos Verlags)


SO: Derendingen, Halten, Hersiwil, Kriegstetten, Lommiswil, Solothurn BE: Stadt Bern VS: Varen

6. November 2014

Bahnhof Burgistein 3.0

Das ist er nun also, der vergangene Woche offiziell eingeweihte Bahnhof von Burgistein im oberen Gürbetal. Wobei: Bahnhof ist etwas hoch gegriffen, vielmehr ist es eine zweigleisige S-Bahn-Station an der Linie Bern–Belp–Thun. Der 25 Millionen Franken teure Neubau entspricht nun den eidgenössischen Vorgaben für behindertengerechte Bauten. Die Perronanlagen werden dereinst das Verkehren langer Züge ermöglichen. Die neue Anlage stellt im Vergleich zu den zwei Vorgängerbahnhöfen einen Quantensprung betreffend Benutzerfreundlichkeit dar. Einziger Wermutstropfen ist der fehlende beheizte Wartesaal.

In Erwartung des 05.50-Uhr-Zuges am 1. November 2014. Blick Richtung Seftigen.

Wo einst die Laderampe des Güterschuppens war, befindet sich nun die Treppe zur Unterführung. Am rechten Bildrand die vier Ahornbäume, die den grosszügig gestalteten Vorplatz zieren.


Lediglich 20 Meter vom Fotografenstandort des Bildes oben entfernt, weiden die Kühe. Trotz der modernen Bahnhaltestelle dominiert in Burgistein weiterhin (und glücklicherweise) der ländliche Charme. Im Hintergrund links das Gspaltenhorn und der Niesen.

5. November 2014

Gebrauchsanleitung für die Wildheit

Rolf Platen, Thomas Ruck, Val Grande – Wege in die Einsamkeit,
Wiedemann Verlag, Münsingen, (Deutschland), 2009
Das war bemerkenswert: Der deutschsprachige Buchmarkt hat erst vor wenigen Jahren ein Gebiet entdeckt, das sich nur wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, vom Lago Maggiore bis hin zur Valle Vigezzo erstreckt: das Val Grande. Nach dem 2008 im Zürcher Rotpunktverlag erschienenen Wanderführer von Bernhard Herold Thelesklaf, legte 2009 der süddeutsche Wiedemann Verlag mit einem Text-Bildband im Breitformat nach.

Die Autoren, Rolf Platen und Thomas Ruck, bringen aus inhaltlicher Sicht zwar
keine neuen Fakten auf den Tisch, die zahlreichen stimmungsvollen, mitunter
grossformatigen Fotos erzeugen indes ohne Umschweife das vielzitierte Fernweh nach grandiosen, ursprünglichen Landschaften; Fernweh nach einer Gegend mit äusserst bewegter Vergangenheit – und einer Gegenwart, die im mitteleuropäischen Raum seinesgleichen sucht.

1969 wurde die letzte Alp im vielarmigen Talgebilde aufgegeben. Seither holt sich die Natur das in Jahrhunderten von Menschenhand mühsam abgetrotzte Kulturland zurück. Bald schon machten Begriffe wie «ultimo paradiso » oder «wilderness» die Runde. Von einem «letzten Paradies» zu sprechen scheint etwas gar hoch gegriffen, und «Wildnis» trifft, wie die Autoren in der Einleitung richtigerweise vermerken, den Nagel ebenfalls nicht ganz auf den. Da passt der Term «Wildheit» schon besser. Denn trotz der natürlichen Rückeroberung ist die Zivilisation nicht ganz aus den meist schwer zugänglichen Winkeln verschwunden. Im Gegenteil. Nach der Schaffung eines Nationalparks anno 1992 reifte die Erkenntnis, dass eine sich selbst überlassene Natur für die Erhaltung der Artenvielfalt in erheblicher Weise abträglich ist. Daher sind vermehrt Bestrebungen in Gang gekommen, eine Weg- und Hütteninfrastruktur aufrecht zu erhalten und sukzessive in moderatem Masse auszubauen, was das Val Grande in der Zwischenzeit zu einem veritablen, wenn auch anspruchsvollen Wandergebiet gemacht hat. Zudem werden einige Alpen wieder bestossen.

Über solche und viele weitere Themen berichten die zwei Autoren im ersten Teil des Buches. Ein zweiter Abschnitt beinhaltet 11 verschiedene Wanderungen in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, ohne jedoch den Ansprüchen eines Wanderführers gerecht werden zu wollen. Ein eher bescheidener Informationsteil rundet das gefällige Werk ab.

Wer sich bloss ein wenig mit dem Val Grande auseinandersetzt, stösst unweigerlich auf dessen bewegte Geschichte. Daher gibt es auch im Buch kaum eine Seite ohne Reminiszenzen an vergangene Jahre: «Und der Gedanke daran, was hier passiert sein könnte, lässt uns nicht mehr los, begleitet uns. Wie ein Rätsel, das gelöst werden will. Je mehr man sich damit befasst, umso neugieriger wird man. Und das ist mit eine der grossen Faszinationen, die vom Val Grande ausgehen». Dem Zitat von Rolf Platen ist nichts mehr beizufügen.

3. November 2014

Liebe nach dem ersten Satz

Roger Willemsen, Die Enden der Welt,
S. Fischer, Frankfurt/Main, 2010
Auf fünf Erdteilen war Roger Willemsen unterwegs, um seine ganz persönlichen Enden der Welt zu finden. Manchmal waren es die grossen geographischen: das Kap in Südafrika, Patagonien, der Himalaja, die Südsee, der Nordpol. Manchmal waren es aber auch ganz einzigartige, individuelle Endpunkte: ein Bordellflur in Bombay, ein Bett in Minsk, ein Fresko des Jüngsten Gerichts in Orvieto, eine Behörde im Kongo. Immer aber geht es in diesen grandiosen literarischen Reisebildern auch um ein Enden in anderem Sinn: um ein Ende der Liebe und des Begehrens, der Illusionen, der Ordnung und Verständigung. Um das Ende des Lebens – und um den Neubeginn. (Klappentext)

Roger Willemsen betreibt mit seinen Schilderungen ganz grosses Reisekino. Als feiner Beobachter hechelt er nicht einfach den Must-have-seen-Attraktionen nach, vielmehr interessieren ihn Geschichten von Eingeborenen, Ausgewanderten, Losern und Mitreisenden. Und letztlich gibt er nicht wenig von seiner Person preis, in einer unverblümten Art, die die Balance zwischen Seelenstriptease und Vagheit beherrscht. Bei all dem befeuert Willemsen seine Erlebnisse mit einer Sprache, in die der Lesende sich vom ersten Satz an mühelos zu verlieben im Stande ist:  

Ich kam in die Stadt und suchte die Glücklichen, jene, die wegstreben. Sie haben keinen Ort, dachte ich, oder sind an der Erde nicht richtig befestigt. Jedenfalls sind sie nie nur da, wo sie sind, und die Ferne liegt ihnen schon auf den Schultern, noch ehe sie aufgebrochen sind, «rastlose Menschen» werden sie von denen genannt, die es nicht sind. Dabei leben sie eher sesshaft im Aufbruch. Damals wohnte ich auf dem Dorf, und in der Stadt suchte ich beides: Heimweh und Fernweh. (Beginn des 1. Kapitels)

Inhalt
Die Eifel: Aufbruch – Der Himalaya: Highway im Nebel – Minsk: Der Fremde im Bett – Timbuktu: Der Junge und die Wüste – Borneo: Die Strasse ins Nichts – Tonga: Tabu und Verhängnis – Chiang Mai: Opium – Kamtschatka: Asche und Magma – Mandalay: Ein Traum vom Meer – Bombay: Das Orakel – Patagonien: Der verbotene Ort – Kinshasa: Aus einem Krieg – Hongkong: Das leere Postfach – Indonesien: Unter Toten – Gibraltar: Das Nonplusultra – Senegal: Die Tür ohne Wiederkehr – Der Nordpol: Einkehr … 

2. November 2014

Meine erste Medieninformation

Als ich mich 1991 an den Aufbau meines damaligen Trekkingunternehmens Alpentrek machte, war ich auch für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. In meinem Textarchiv ist mir heute die erste Medieninformation in die Hände gelangt, die ich damals per maschinengeschriebenen Brief an mehrere Tageszeitungen sandte. Und weil zu Beginn der 90er-Jahre das Schneeschuhwandern buchstäblich in den Kinderschneeschuhen steckte, fand ich es wichtig, die Öffentlichkeit über das älteste Fortbewegungsmittel auf Schnee zu informieren. Ganz bescheiden setzte ich Adresse und Telefonnummer meiner Firma unter den Text, in der Hoffnung, ein paar neue Kunden zu gewinnen. Der Bund druckte am 6. Januar 1992 eine gekürzte Fassung meiner Mitteilung ab. Und weil der Winter heuer bereits angeklopft hat, zitiere ich gerne den beinahe 22 Jahre alten Text.

Der Schneeschuh – alte Tradition in neuer Zeit
Wer heutzutage auf Schneeschuhen unterwegs ist, stösst immer wieder auf Leute mit staunenden und fragenden Gesichtern. Was  für viele aussieht wie ein Tennisschläger oder Teppichklopfer, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Schneeschuh. Und dass dieses Gerät auch hierzulande immer beliebter wird, kommt nicht von ungefähr. Schneearme Winter, überfüllte Skipisten, stark frequentierte Langlaufloipen und Skitourengipfel lassen den Wunsch nach einer anderen Fortbewegungsart im Schnee aufkommen. Einmal mehr befinden sich die Wurzeln dieses neuen Freizeitvergnügens in Nordamerika.

Lange Vergangenheit
Über das Alter des Schneeschuhs sind keine verlässlichen Angaben vorhanden. Man vermutet jedoch den Ursprung um 4000 vor Christus in Zentralasien, von wo aus die Besiedlung der nördlichen Hemispähre nur dank dieser bahnbrechenden Erfindung möglich war. Beim Gehen mit Schneeschuhen wird nämlich das Körpergewicht auf eine grössere Fläche verteilt, was ein tieferes Einsinken im Schnee verhindert. Somit können im Winter auch längere Distanzen zu Fuss zurückgelegt werden.
Interessanterweise bildete früher die Beringstrasse die Grenze für die weitere Verbreitung des Schneeschuhs in Asien, welcher sich nach den Völkerwanderungen weitgehend in Nordamerika etablierte. In Sibirien und Skandinavien setzte sich dann der Ski durch. Meister im Herstellen von Schneeschuhen waren einst die Athabaska Indianer. Selbst die weissen Pioniere machten sich vom 17. bis zum 19. Jahrhundert den Schneeschuh zu Nutzen. Die Eskimos hingegen kamen weitgehend ohne ihn aus, da sie meistens in Gebieten unterwegs waren, wo harter Schnee oder gar Eis keine derartigen Hilfsmittel erforderten.

Der Ski und seine Folgen
Mit der Einwanderungswelle der Skandinavier in Nordamerika im 19. Jahrhundert wurde dort auch der gleitfähige Ski bekannt. Nach und nach verdrängte er den Schneeschuh, der mittlerweile zum Wintersportgerät avanciert war. Indianer, Trapper, Jäger, die Armee und ein paar, oft in Klubs organisierte Freizeitläufer benutzten den Schuh jedoch weiter, da er im unwegsamen Gelände nach wie vor unübertreffliche Dienste leistete. So geriet der Schneeschuh nie ganz in Vergessenheit. Wegen der Diversifizierung des Wintersportbereiches in den letzten Jahren, schaffte das Gerät auch den Sprung über den Atlantik. So wird es bei uns nicht nur zum Winterwandern benützt, auch Snowboarder schätzen es als Aufstieghilfe, oder athletisch Orientierte bestreiten damit Schneeschuhrennen. Mittlerweile besteht auch eine bescheidene Auswahl an Organisatoren von Kursen und Touren auf Schneeschuhen.

Eines meiner allerersten Fotos vom Schneeschuhlaufen. Dieses legte ich als Papierbild dem Medienbericht bei. Die Aufnahme entstand am 1.12.1991 im Sparenmoos (BE). Im Hintergrund die Spillgerten. Zu dieser Zeit gab es im Sparenmoos praktisch keine Schneeschuhläufer.

Vielfalt an Modellen
Es haben sich im Laufe der Zeit viele verschiedene Typen entwickelt. So unterscheidet man hauptsächlich zwischen vier Grundformen: Bearpaw, Michigan, Alaskan und Ojibwa. Je nach Terrain und Schneebeschaffenheit wählt man das eine oder andere Modell. Die Grösse des Schuhs hängt vom eigenen Körpergewicht und nicht zuletzt von der zu tragenden Last ab. Verwendete man früher zur Herstellung vor allem Eschenholz und Leder, so benützt man heute eine ganze Reihe unterschiedlicher Materialien. Als leicht, robust und wartungsfrei haben sich Alurahmen mit Neopren- oder Polyuretanbespannung erwiesen. Zur Befestigung der Wanderschuhe dienen Bindungen aus Leder oder Neopren. Um einen optimalen Bewegungsablauf beim Gehen zu gewährleisten, müssen die Bindungen das Abheben der Ferse vom Schneeschuh ermöglichen.

Faszinierendes Naturerlebnis
Eigentlich kann der Schneeschuh in jedem Gelände eingesetzt werden. Am besten eignen sich jedoch flachere Gebiete, wie zum Beispiel der Jura oder, bei genügend Schnee, das Mittelland. Weil man sich nicht, wie zu anderen Jahreszeiten, an Wege halten muss, eröffnen sich einem neue Möglichkeiten im Erleben einer Landschaft und deren Natur. In allen Regionen ist es jedoch unerlässlich, die Ruhe des Wildes zu respektieren. Für das Schneeschuhlaufen gelten demnach dieselben Rück- und Vorsichtsmassnahmen wie beim Tourenskifahren.
Um eine tief verschneite Winterlandschaft auf Schneeschuhen geniessen zu können, sind geherisch keine technischen Kenntnisse notwendig. Etwas Gleichgewichtssinn und die Freude am Wandern reichen aus, um auf Indianerart den Schnee zu durchwaten. Je nach Schneeverhältnissen kann eine Tour aber schon in die Beine «fahren», was Neulinge immer wieder bestätigen.

1. November 2014

Das Wasserzeichen

Hansjörg Schneider:
Das Wasserzeichen, Diogenes,
Zürich, 2013, ursprünglich 1997
im Amman Verlag erschienen
Ende der dreissiger Jahre kommt in einem Schweizer Dorf ein Junge zur Welt, der an seinem Hals eine kiemenartige Öffnung aufweist. Sie wird zu einer schmerzhaften Wunde, wenn sie austrocknet, regelmässig muss er sie wässern. So findet man den kleinen Moses Binswanger häufiger in den Bächen und Tümpeln der Umgebung als in seinem Elternhaus, bei der liebevollen, aber unglücklichen Mutter und dem groben Vater, dem der eigene Sohn mit seinem ›Wasserzeichen‹ nicht geheuer ist. Ins Wasser zieht sich Moses auch zurück, wenn er es unter den Menschen nicht mehr aushält, die ihm mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination begegnen. Fasziniert von seiner Wunde zeigen sich vor allem die Frauen. Denn alle Frauen, das weiss Moses, sind im Grunde Wasserwesen. Doch er muss erfahren, dass die Liebe ein gefährlicher Strudel ist, der die Liebenden in die Tiefe zu reißen droht – ist Moses Binswanger ein Mörder, eine Gefahr für die Öffentlichkeit? (Klappentext)

AG: Zofingen, Bottenstein, Altacherbach, Mühlebach, Wiggerfeld, Wigger, Gymnasium Aarau, Aarau, Mündung Wigger-Aare, Waage in Aarburg, Knabenanstalt Aarburg, Uerkheim, Banwald bei Zofingen, Rütihof oberhalb von Gränichen, Hochwacht oberhalb von Safenwil, Bänkerjoch BL: Schafmatt bei Oltingen BS: Stadt Basel, Psychiatrische Klinik Friedmatt, Riehen (Weiher am Aubach)

Hansjörg Schneiders autobiografisch gefärbter Roman Das Wasserzeichen spielt zur Hauptsache in Zofingen und Umgebung. Die Verortung der Geschichte ist derart einfach und klar, dass ich mich veranlasst fühle, den Schauplätzen demnächst zu Fuss nachzugehen. Als Wanderung drängt sich die Route von Brittnau nach Aarburg auf.