26. Februar 2019

Das City Ticket zu Fuss

Auf Plan klicken, um die volle Grösse zu sehen.



Heute starte ich mein neustes Wanderprojekt: «City Ticket Thun». 17 Buslinien der City Ticket-Zone. 17 Wanderungen von der perifersten Haltestelle zurück an den Bahnhof, vorbei an insgesamt 115 zu fotografierenden Haltestellen, die da lauten:

Allmendhof
Allmendingen RAZ
Allmendingen, Dorf
Allmendingen Längmatt
Alte Bernstrasse
Arena Thun
Asterweg
Bälliz
Berntor
Bodmerstrasse
Bösbach
Brauerei
Bubenbergstrasse
Buchegg
Burgerallee
Burgergut
Deltapark
Dufourkaserne
Dürrenast
Eigerplatz
Engerain
Erlen
Feldheimstrasse
Flühli
Forstweg
Freienhof
Freiestrasse
Goldiwil Schweidweg
Guisanplatz
Gwatt Camping
Gwatt Deltapark
Haldeneggweg
Hännisweg
Hauptkaserne
Hilterfingen Kirche
Hilterfingen Post
Hofstetten
Hohmad
Hünibach Chartreuse
Hünibach Eichbühl
Hünibach Seematte
Jungfraustrasse
Kirche
KKThun
Kleine Allmend
Klosestrasse
Länggasse
Lauitor
Lerchenfeld
Marktgasse
Martinstrasse
Mattenstrasse
Militärstrasse
Moos
Neufeld
Oberes Flühli
Oberhofen Dorf
Pfaffenbühl
Pfarrhausweg
Platz
Postbrücke
Progymatte
RAZ
Rebgässli
Reitweg/Expo
S+W
Scherzligen/Schadau
Schiessstand
Schönau Krematorium
Schorendörfli
Schorenfriedhof
Schorenstrasse
Schule Bernstrasse
Schulstrasse
Schwandenbad
Seeblick
Seepark
Seewinkel
Sonnenfeld
Spital
Stationsstrasse
Steffisburg Emberg
Steffisburg Engerain
Steffisburg Flühli
Steffisburg Fuchsloch
Steffisburg Kirche
Steffisburg Platz
Steffisburg Dorf
Steffisburg Glockenthalerhof
Steffisburg Schwäbis
Sternenplatz
Strandbad
Strättligenplatz
Sustenstrasse
Talacker
Tellstrasse
Thun Bächimatt
Thun Bahnhof
Thun Berntor
Thun Rösslimatte
Thun Sternenplatz
Thun Wartboden
Thun Zollhaus
Thunerhof
Waisenhausstrasse
Waldeck
Wendeplatz
Westquartier
Wichterheer
Zentrum Oberland
Zeughaus
Ziegelei
Ziegeleistrasse
Zulgbrücke

Göttibachweg


14. Februar 2019

13. Februar 2019

Vom Armenhaus zum Sehnsuchtskanton

René P. Moor (Herausgeber): Alpensüdseiten – Reiseberichte aus dem Tessin, Edition Wanderwerk, 2019


Wer träumt nördlich der Alpen in der Winterzeit nicht ab und zu vom Süden? Und weshalb ist dies so? Was lockt uns immer wieder in die Gefilde jenseits des Gotthards? Dass dieses Brennen für das Mediterrane in der Schweiz nicht erst im 20. Jahrhundert aufkam, dokumentiert mein neustes Werk, das soeben erschienen ist. Alpensüdseiten heisst es und vereint Berichte von Tessin-Reisenden der letzten drei Jahrhundert. Das Buch verdeutlicht auf beeindruckende Art, dass das Land zwischen Airolo und Chiasso einst arg untendurch musste – wirtschaftlich und politisch.

Das Buch ist ab sofort in der Edition Wanderwerk erhältlich.

Hagacherweg


12. Februar 2019

Der Mord an Beat Gyger

Franziska Streun: Mordfall Gyger, Zytglogge,
Oberhofen, 2013
Auf dem Budenplatz wurde Beat Gyger zuletzt gesehen. Es war Pfingstsamstag, 9. Juni 1973, in Thun. Am nächsten Morgen fanden zwei Reiterinnen den Leichnam des 14-Jährigen. Im Lindenbachgraben bei Mamishaus in der Nähe von Schwarzenburg. Sein gewaltsamer Tod bewegte die Menschen und tut es heute noch. Der Fall beschäftigte schweizweit die Medien. In der Fernsehserie «Aktenzeichen XY ungelöst» wurde noch gut ein Jahr später nach den Tätern gesucht. War es eine Abrechnung wegen eines Mofadiebstahls? Wollten Pädosexuelle dem Jüngling eine Lektion erteilen? Wurden Ermittlungen in die Irre geführt? War der Fluch der Zigeunerin schuld? Wurde ein Skandal grösseren Ausmasses vertuscht? «Mordfall Gyger» nimmt die Leserinnen und Leser 40 Jahre später auf eine Spurensuche im ungeklärten Tötungsdelikt mit. Sie führt von Thun übers Eriz bis nach Basel und bringt Mysteriöses und längst Vergessenes zutage. (Klappentext)

Die Thuner Journalistin Franziska Streun lässt den Rebell im Wechsel zwischen Realität und Fiktion anhand seiner Originalkorrespondenz und eines fiktiven, intimen Tagebuches aufleben. Die Lektüre hinterlässt bei mir einen schalen Nachgeschmack und viele offene Fragen, was die Ermittlungen der Kriminalpolizei betrifft. Sehr bedauerlich ist auch, dass der Autorin der Zugang zu den Akten «aus rechtlichen Gründen» verweigert worden ist. Bernhard Gyger, der Bruder von Beat meint dazu im Buch:

«Mich ärgert, dass der Datenschutz in den letzten Jahren in der Schweiz zu einem Täterschutz mutiert ist. Die Angst, einen Unschuldigen zu verdächtigen und Formfehler zu machen, ist grösser als der Drang, die Wahrheit zu suchen und Täter zu finden. Zudem sterben im Fall des ungeklärten Mordes an meinem Bruder mit jedem Jahr mehr Betroffene, Mitwisser und Täter.»

Haldenweg


11. Februar 2019

Hallerstrasse

Johannes Haller wurde 1487 in Wil (SG) geboren. Während seines Studiums in Erfurt lernte er unter anderem Martin Luther kennen. 1509 kehrte Haller in die Schweiz zurück und wurde zum Priester geweiht. 1510 Helfer in Schwyz, anschliessend Lesemeister im Kloster Interlaken, Helfer in Zweisimmen, Pfarrer in Scherzligen (Thun) und 1520 in Amsoldingen. Wegen seiner Neigung zur Reformation wurde er vertrieben, worauf er 1527 Helfer in Zollikon und 1528 Pfarrer in Bülach war. Als engagierter Vertreter der zwinglianischen Reformation verhandelte Haller erfolgreich mit den Täufern in Bülach, nahm an den Disputationen mit Balthasar Hubmaier in Zürich und 1528 an der Berner Disputation teil. Johannes Haller fiel am 11.10.1531 in der Schlacht von Kappel am Albis.

10. Februar 2019

Bergfest

Werner Schmidli: Bergfest, Cosmos,
Muri, 2004
Wie konnten sie es ihm heimzahlen? Diesem adrett angezogenen Mann, den sie nun um Kopfeslänge überragten, den sie einst gefürchtet und gehasst hatten und mit dem sie nun einen kumpelhaften Händedruck wechselten. Ein leichter Stoss hätte genügt, wacklig wie die Holzbrüstung war. Er war ihr Mathematik- und Sportlehrer gewesen, das würden sie nie vergessen können. «Willst du eine mit der Linken oder mit der Rechten?» Dann hatte er zugeschlagen. «Macht die Kerze und grätscht die Beine!» Dann hatte er ihnen in die Turnhosen geguckt. Doch jetzt gingen sie zu einem Tisch: Fünf erwachsene Männer, die sich unterhalten und vergnügen wollten in reiner Luft auf 2436 Meter Höhe im monotonen Gesang der Wildbäche unter einem wolkenlosen Himmel. Der Wirt servierte Urner Bergkäse, dazu Holzofenbrot. Schauplatz des Fests ist das Hotel auf der Furkapasshöhe. Im Vestibül gibts ausgestopfte Tiere: Bergdohlen, Adler und Gämse, in den Zimmern Wasserkrüge mit Waschschüsseln, Nachttöpfe, Betten mit dicken Duvets und gestickten Leintüchern, der Speisesaal sieht aus wie in einem Fernsehfilm von Rosamunde Pilcher. (Klappentext)

UR: Andermatt, Furkapass, Hotel Furkablick, Schöllenenschlucht, Urserental

6. Februar 2019

Flattermann

Hansjörg Schneider: Flattermann,
Ammann, Zürich, 1995. 2011 neu
aufgelegt bei Diogenes, Zürich
Basel, die Stadt am Rheinknie, die Chemie-Metropole, ist wiederum Schauplatz eines Romans um den aus «Silberkiesel» bekanntgewordenen Kriminalkommissär Peter Hunkeler.

Es ist Sommer, Ferienzeit, Peter Hunkeler verbringt seinen Urlaub zu Hause. Täglich begibt er sich ins Rheinbad St. Johann, geniesst es, dass die Basler sich an den Stränden der Welt wie Hering an Hering bräunen und die Stadt den Einzelgängern überlassen haben. In dieser sommerlichen Stimmung gibt sie den Zurückgebliebenen ihre Poesie preis und offenbart einen friedlichen Charme, der in der üblichen Hektik des Alltags verlorengeht.

Da, Hunkeler nimmt aus den Augenwinkeln wahr, dass von der nahen Johanniterbrücke ein Mann in den Rhein springt. Flatternd stürzt er ins Wasser, einer, der den Tod sucht und doch am Leben bleiben will. Hunkeler, wie gebannt, unfähig, sich zu bewegen, verfolgt mit dem Blick das treibende, auf- und abtauchende Bündel. Weiter stromab wird es vom Matrosen eines Frachtkahns aus dem Wasser gezogen. Hunkeler sieht die Leiche, offensichtlich ein Selbstmord. Doch war es tatsächlich einer? Hunkeler zweifelt, ihn interessiert das Schicksal dieses Menschen, und so geht er den Spuren des Flattermanns nach.

Hansjörg Schneider evoziert mit seinem stimmungsvollen Erzählen die sommerliche Atmosphäre seiner Stadt, er entführt den Leser in das Leben seines Flattermanns und öffnet ein Panoptikum des Gewöhnlichen, das uns nicht mehr loslässt. (Klappentext)

BS: Stadt Basel SO: Bärschwil F: Elsass (Sundgau)

3. Februar 2019

Die Liszt-Schülerin aus Valeyres-sous-Rances

Montcherand, Sergey, Valeyres-sous-Rances, Mathod, Suscévaz: Sollten dir diese Ortsnamen nichts sagen, liebe Leserin, lieber Leser, ist dies kein Grund zur Unruhe. Die Waadtländer Geografie gehört nun mal nicht zur Allgemeinbildung der Deutschschweizer. Dass nun wenigstens mir diese fünf Dörfer seit gestern ein Begriff sind, habe ich der Besessenheit zu verdanken, sämtliche Gemeinden der Schweiz zu durchstreifen.

Ich ging von Yverdon nach Orbe. Der Nebel waberte über die abgeernteten Felder. Ein seltsamer Geruch von faulendem Gemüse machte sich breit. Die Sichtweite betrug lediglich ein paar hundert Meter. In leicht höheren Lagen stapfte ich durch nassen Schnee. Haargenau in der Streckenhälfte, ich hatte 10,6 km hinter mir, tauchte am Dorfrand von Valeyres-sous-Rances ein Schlösschen auf. Eines jener Sorte, die im Waadtland in Hülle und Fülle anzutreffen sind.

An der Schlösschenmauer hing eine Tafel, die auf eine gewisse Valérie de Gasparin-Boissier hinwies. Die Frau lebte von 1813–1894 in Genf, Paris und eben diesem Valeyres-sous-Rances. Ab dem 15. Lebensjahr nahm sie bei Franz Liszt in Paris Klavierstunden, musste jedoch nach zwei Jahren einsehen, dass ihre Stärken im Schreiben lagen.

Valérie de Gasparin (1813-1894)


Nach dem Tod ihrer Mutter 1836 beteiligte sich de Gasparin an der Westschweizer Erweckungsbewegung und heiratete 1837 den französischen Grafen Agénor Étienne de Gasparin. Im Laufe ihres Lebens verfasste die engagierte Frau mehr als 80 literarische und publizistische Werke, vor allem zu religiösen Themen. Ein zentrales Anliegen war ihr die Unauflöslichkeit der Ehe nach den Geboten des Christentums. Gemeinsam mit ihrem Gatten lebte sie ab 1847 in Valeyres-sous-Rances und beteiligte sich an dem Aufbau des Internationalen Roten Kreuzes von Henry Dunant.

Ab 1859 kämpfte sie im Namen der persönlichen Freiheit gegen das Diakonissenwesen, dem sie katholisierende Tendenzen vorwarf, und 1859 gründete sie mit ihrem Mann in Lausanne die École normale de gardes-malades, die erste nichtkirchliche Schule für freie Krankenpflegerinnen, aus der die heutige Klinik und Schule La Source entstanden ist. Weitere Ziele ihrer polemischen Kritik waren die Sklaverei im Allgemeinen, die Korruption im Staat und die französische Kriegspartei.

So neblig und garstig die äusseren Bedingungen dieser Wanderung durch die waadtländische Provinz waren, umso lehrreicher empfand ich die bescheidene Plakette am Eingang zum Schlösschen von Valeyres-sous-Rances. Die Bilder zu dieser Wanderung gibt es hier.

1. Februar 2019

Tellereisen

Walther Kauer: Tellereisen, Benziger,
Zürich, 1979. 2002 neu aufgelegt im
Lenos Verlag, Basel
Tellereisen: Eine mörderische Raubtierfalle, aus der sich das gefangene Tier nur befreien kann, wenn es sich die eigene Pfote abfrisst. Walther Kauers gleichnamiger Roman erzählt die Geschichte des Journalisten und Schriftstellers Martial, den es ins Bergell verschlagen hat. Im Auftrag des Rundfunks recherchiert er in einheimischen Archiven über die Historie des Bündner Tals zur Zeit des Dreissigjährigen Kriegs. Von den Einheimischen als Fremdling angefeindet und unter den Nachwirkungen einer unglücklichen Beziehung leidend, stürzt er sich mit Verbissenheit in die Arbeit. Er stösst dabei auf die Geschichte einer Gruppe von Aufständischen, die, einst bewundert, als Geächtete enden. Als Ketzer angeklagt und verurteilt aufgrund von Schuldgeständnissen, die unter brutalster Folter erzwungen wurden, werden sie schliesslich hingerichtet.

Fasziniert vom Schicksal der Aussenseiter, gerät Martial zunehmend in den Bann der Vergangenheit. Auch der Mythos über einen dreibeinigen Wolf, der sich aus einem Tellereisen befreien konnte, lässt ihn nicht mehr los. Martial nimmt die Sage in seinen Report auf, sieht er doch in ihr ein Symbol für seine Situation. Gleichzeitig sondert er sich mehr und mehr von der Dorfgemeinde ab, bis er schliesslich selbst zum einsamen Wolf wird – gefangen in der eigenen Geschichte.
(Inhaltsangabe zum Buch)

GR: Bergell