31. Dezember 2014

Rückblende

Das zu Ende gehende Jahr beinhaltete nicht nur einen der miserabelsten Sommer seit langem, es brachte aus persönlicher Optik ein paar bemerkenswerte Gegebenheiten, die ich gerne in einer kurzen Rückblende in Erinnerung rufe.
  • Anfang Januar hätte ich für die Schweizer Familie im Hölloch auf Reportage gehen sollen, doch die Wassersituation im Innern der Höhle war wegen des fehlenden Schnees heikel. Die Expedition mit Biwakübernachtung fand dann in der zweiten Februarhälfte statt. Hierbei holte ich mir einen Bluterguss unter dem linken, grossen Zehennagel. Dieser fiel dann gar ab und brauchte über acht Monate, bis er gänzlich nachgewachsen war. In dieser Zeitspanne entsteht sonst ein ganzer Mensch, dachte ich, als ich den Nagel zum erstenmal wieder schneiden konnte. Die 12-seitige Reportage erschien Anfang September und stellte gleich noch – mit Ausnahme der St. Beatus Höhlen – sämtliche Schauhöhlen der Schweiz vor.
  • Ende September, an einem schönen Wochenende, ging ich vom Klausenpass zur Claridenhütte. Den Abend verbrachte ich am Hüttentisch mit einem Fotomodell aus Madagaskar. Die zierliche Frau, mit einem Schweizer Banker verheiratet, geht ab und zu ins Gelände, was mich nicht wenig verblüffte. Meine nachträglichen Recherchen führten mich im Web tatsächlich zu besagtem Fotomodell, das übrigens einen Vornamen trägt, der weltweit einmalig ist und aus Datenschutzgründen hier nicht verraten sei.
  • Eine der schönsten Wanderungen führte mich in zwei Tagen von Göschenen zur Salbithütte und über die Bänderlücke hinunter nach Wassen. Zwischen der Lücke und dem Gross See führte die Route durch die wohl beeindruckendste Gletscherschlifflandschaft der Schweiz.
  • Fünf Tage später ging ich von der Glattalphütte durch den Karst des Silberengebiets via Pragelpass hinunter in die Richisau. Im Bus nach Glarus erkannte ich einen Asiaten, den ich bereits in der Salbithütte gesehen hatte. Ich sprach ihn an. Er entpuppte sich als 16-jähriger Austauschstudent aus Hongkong, der mit dem Hüttenwart der Salbithütte und dessen Familie soeben von einer Vrenelisgärtli-Besteigung zurück kam. Weil der Hüttenwart Tage zuvor nicht anwesend war, lernte ich ihn und seine Entourage doch noch kennen. Wir trennten uns erst am Bahnhof von Zürich. Zufälle gibt's. Den jungen Hongkong-Chinesen sprach ich kurz auf die aktuelle Protestwelle in seiner Heimat an. Er zuckte bloss mit den Schultern.
  • Ende Oktober gab meine Brille den Geist auf. Titangestell hin oder her: Der linke Bügel brach entzwei und eine neue Brille mit Korrekturgläsern musste her. Bis alles beim Optiker eintraf, hatte ich mich mit der Nahgleitsichtbrille zu begnügen. Meine Sehschärfe lag nun in einem Brennweitenbereich von 40 bis 120 cm. Das hielt mich nicht davon ab, mit meinem Wandergrüppchen «Rumpel und die Stilzchen» eine  knapp achtstündige Wanderung im Hinterland von Einsiedeln zu absolvieren. Endlich sah ich die Karte scharf, ebenso die Fotos auf dem Kameramonitor. Und dank der Dioptriekorrektur  am Sucher sah ich wenigstens während dem Fotografieren die weitere Umgebung comme-il-faut.
  • Ein anderer Defekt betraf im Sommer die Sohlen meiner Wanderschuhe. Mein Schuhmacher stufte die Angelegenheit als irreparabel ein, weshalb ich flugs neue Treter kaufen ging. Und weil ich wegen den Regentagen keine Zeit zum Einlaufen der Schuhe hatte, wagte ich mich bei eitel Sonnenschein an die Besteigung des Brienzer Rothorns. Den Siebenstünder, beinhaltend Auf- und Abstieg von/bis Sörenberg, überstand ich ohne jegliche Blessur. Ich nenne es das Wunder vom Rothorn.
  • Die defekten Wanderschuhe reparierte ich dann selber mit UHU-Leim aus der Migros. Nach der Reparatur legte ich bis heute knapp 90 Kilometer zurück. Die 3 Franken 80 für den Leim betrachte ich als amortisiert.
  • Ärgerlich war die Episode vom 2. August: Für eine Wanderreportage fuhr ich nach Eglisau, um von dort eine grosse Runde im Rafzerfeld zu drehen. Dumm nur, dass ich die Kamera zu Hause vergessen hatte. Ich knipste daher die Fotos mit dem Telefon und ging dann zwei Wochen später noch einmal hin. Die Hotspots fuhr ich nun mit dem Postauto an und brachte tolle Bilder zurück. Freuden und Leiden eines Journalisten …
  • Auf meinen Streifzügen in der Zentralschweiz machte ich auch ein paar Neuentdeckungen. So bestieg ich an einem der wenigen Schönwettertage den Schwalmis. Tolle Aussicht dort oben, wow! Dann drehte ich auf dem Wirzweli eine lange Runde. Das Filetstück hierbei war der Arvigrat. Ich kürte ihn kurzerhand zu meinem Lieblingsgrat. Besonders angetan war ich auch vom Aufstieg zur Albert-Heim-Hütte am Furkapass. Was der Gletscher hier mit dem Granit angerichtet hat, ist grosse Klasse. Beeindruckt war ich auch vom Wildheuerpfad am Fusse des Rophaien. Alle Achtung vor den Berglern, welche die steilen Planggen mit der Sense zu traktieren wissen.
  • Eine wunderschöne Tour war auch die Umrundung des Goldinger Tals, im St. Galler Oberland. Ich hatte die Route bereits geplant, als mich Thomas Widmer mit der kommenden Wanderung seines Fähnleins Fieselschweif bediente. Und ich machte grosse Augen, dass Wandergenosse Widmer wie ich in Goldingen starten wollte. Ja, er und seine Leute beabsichtigten, sogar mit demselben Bus an den Ausgangspunkt anzurücken. Im Gegensatz zu den wanderpäpstlichen Plänen, ging ich das Goldinger Tal im Uhrzeigersinn an. Wir rechneten aus, dass wir uns auf der Chrüzegg eigentlich wieder sehen müssten. Und so war es auch. Auf der sonnenbeschienenen Wirtshausterrasse half ich mit, Thomas' Pommes frites zu tilgen. Die dritte Begegnung kam leider nicht zustande. Ich verpasste in Goldingen das Postauto mit der Widmer'schen Fracht um lediglich zehn Minuten und fror mir stattdessen während 50 Minuten beinahe meinen Abortkunden ab.
  • Und, ich hätte es kaum für möglich gehalten, mir gelang die Fortsetzung meines Projektes Die Koordinate! Vor ein paar Tagen ging ich entlang der Koordinate 574 von Porrentruy nach St-Brais. Was war dies für ein Auf und Ab! 1640 Höhenmeter im Aufstieg standen 1100 Abstiegshöhenmetern gegenüber. Knappe acht Stunden war ich gehend unterwegs, durchstieg drei Schluchten im Weglosmodus, wuselte durch bewaldete Südhänge, ebenfalls ohne jeglichen Pfad. In der Höhe war es warm wie selten im Dezember, am Doubs unten lag dichter Reif. Wer im Jura quer geht, hat mit einem Dauerproblem zu kämpfen: den Stacheldrahtzäunen. Wie viele ich letztlich überkletterte oder durchkroch, ist mir nicht bekannt. Immerhin schaffte ich an einer dieser Stellen ein Selfie.
Der Schrittler wünscht all seinen Leserinnen und Lesern ein 2015 im Aufrechtgang!

30. Dezember 2014

«Strütte»: das Korrigendum

Heute Morgen schrieb ich, dass das zürichdeutsche Wort «strütte» eine regionale Form für «striite» sei. Das war ein Fehler. Blogleser Erwin aus dem Zürcher Unterland mailte mir ein Korrigendum mitsamt Erläuterung, die ich mit bestem Dank nach Züri Nord hier gerne wiedergebe:

Das altmodische Verb «strütte» (Substantiv: «es Gstrütt») ist nicht etwa eine zürichdeutsche Variante für streiten. Es bedeutet nämlich «sich eilfertig bemühen, hastig oder übereilt etwas tun». Damit ist es eigentlich ein Synonym von «jufle» und ironischerweise beinahe eines für das «moderne», heute allgegenwärtige «stressen, gestresst sein, Stress haben»!

Züridütsch

Das Bänkli steit i dr Nöchi vo Rüti im Züri Oberland. Gseh hanis nid säuber, das Foto isch mer vo dr Blogläsere Monika zuegmeilet worde. Bim Läse vom Sprüchli hani es nöis Wort glehrt: «strütte». Mir hie z Bärn würde säge «stritte» u bis jetz hani gmeint, z Züri usse säg me däm «striite». Aber offebar isch Züridütsch nid eifach Züridütsch. «Strütte» isch dr bescht Bewiis derfür.

29. Dezember 2014

Tod in den Wolken

Agatha Christie, Tod in den Wolken,
Fischer Taschenbibliothek, 2012,
vergriffen
In der Luft über dem Ärmelkanal wird es selbst Hercule Poirot leicht etwas mulmig. Doch für Madame Giselle ist die Flugreise sogar tödlich. Die bekannte Geldverleiherin wird ermordet in ihrem Sitz gefunden. Ist sie wirklich von einem mit Schlangengift vergifteten Pfeil getroffen worden? Oder wurde sie nicht doch einfach von der Wespe gestochen, die kurz zuvor in der Kabine umherflog und die Passagiere belästigte? Und wer von den elf Passagieren und den beiden Flugbegleitern hatte ein Motiv, die schwerreiche Dame umzubringen? Hercule Poirot muss mit seinen kleinen grauen Zellen ergründen, wer nur verdächtig und wer wirklich der Täter ist. (Inhaltsangabe im Buch)

F: Paris (u.a. Rue Juliette, Rue St-Honoré, Boulevard des Capucines, Flughafen Le Bourget), Le Pinet GB: London, Fluhafen Croydon* (London)

*Von 1920 bis 1959 lag im Stadtgebiet Croydon der Croydon Airport, der Hauptflughafen von London, der durch den Flughafen London-Heathrow und den Flughafen London-Gatwick ersetzt wurde.

28. Dezember 2014

Santa Claus reloaded

Endlich vorbei, dieser Hype, dieses Getue um den Samichlaus, der Karikatur seiner selbst. Dieser hat sein Outfit tatsächlich einem Karikaturisten aus dem vorletzten Jahrhundert zu verdanken. Ein Amerikaner namens Thomas Nast zeichnete den Weihnachtsmann anno 1863 erstmals für ein Magazin. Als Grundlage, so wird vermutet, könnte Nast ein Gedicht von Clement C. Moore gedient haben. Dieser beschrieb den Nikolaus 40 Jahre zuvor als rundlichen, lustigen Elfen mit kugeligem Bauch, ganz in Fell gekleidet, rosigen Bäckchen, einer Nase wie eine Kirsche und einem langen, weissen Bart.

Hier nun drei Bilder als eine Art Abgesang über die zu Ende gehende Phase. Die erste Foto wurde mir von Blogleserin M. zugespielt. Sie, die Foto, beweist, dass man den Bartli – ist's gar ein Taliban? – nicht wirlich ernst nehmen kann. Die restlichen Aufnahmen stammen aus dem zürcherischen Buchs.




27. Dezember 2014

Biber biss, Hund nicht

Eine Wanderung am Stephanstag zu Verwandten hat bei mir Tradition. Diesmal ging ich von Pfungen nach Henggart (ZH). Vier Stunden benötigte ich hierfür, inklusive Besteigung des 28 Meter hohen Irchelturms. Beeindruckt haben mich unter anderem die frischen Biberfrassspuren an der Töss und was das Bisschen Schnee auf dem Irchel oben hinzuzaubern vermochte. Weniger Freude hatte ich an jenem königspudelartigen Pudel, der mich kurz vor Dättlikon unvermittelt attackierte, zwei Zentimeter vor meinem Unterarm sein Gebiss jedoch wieder einfuhr und abdrehte. Frauchen meinte auf meinen Einwurf, ich würde solches Gebaren nicht gerade lieben, nichts. Weder zu mir noch zum Pudelverschnitt. Spannend war das Wetter: Kaum hatte es begonnen zu schneien, hörte es wieder auf, ehe es wieder von neuem zu flöckeln begann, um sogleich wieder abzubrechen, um dann kurzerhand einen weiteren Anlauf zu nehmen etc.

Aktiver Biber an der Töss bei Pfungen (ZH). Dabei bin ich immer wieder erstaunt, …

… wie das Tier den Baum jeweils in die richtige Richtung – zum Wasser hin – zu fällen weiss.

Ein Hauch von Winter auf dem Plateau des Irchel (680 m ü.M.)

26. Dezember 2014

Kalifornischer Sommer

Colin Fletcher, Kalifornischer Sommer,
Diana Verlag, München und Zürich,
2001, vergriffen
In einer schlaflosen Nacht weiss Colin Fletcher plötzlich, dass er Kalifornien durchwandern will, ausbrechen will, um dem Stress und der Monotonie des Stadtlebens in San Francisco zu entkommen. Zwei Jahre zuvor ist er nach langen, unsteten Jahren in Afrika und Kanada nach Kalifornien gekommen. Jetzt will er dieses Land entdecken. Kaum einen Monat später, am 8. März 1958, setzt ihn ein Freund an der Grenze zwischen Kalifornien und Mexiko ab. Fletcher wendet sich nach Norden und vor ihm liegen über 1600 Kilometer Wüsten und Berge. Sechs Monate wird seine Expedition durch die westamerikanische Wildnis dauern. Er wandert unter der sengenden Sonne des Death Valley, über die eisige Spitze des White Mountain und entlang der wilden Ufer des Lake Tahoe. Fletchers grandiose erste Reise ist nicht nur Abenteuer und Begegnung mit der Natur und den Menschen, sondern auch wertvolles Zeitdokument und Mahnung zur Erhaltung der Natur. (Klappentext)

Colin Fletcher, 1922 in Wales geboren, wuchs in England auf; im Zweiten Weltkrieg war er bei den Royal Marines, danach Farmer in Kenia, Strassenbauarbeiter im damaligen Rhodesien, später Goldsucher in Kanada; 1964 durchquerte er als erster Mensch überhaupt den Grand Canyon der Länge nach und beschrieb seine Erfahrungen in dem später in diesem Blog noch vorzustellenden Buch Wanderer durch die Zeit; noch mit 68 Jahren unternahm er eine über 2700 Kilomter lange Soloexpedition von der Quelle des Colorado bis zu seiner Mündung. Fletcher starb am 12. Juni 2007 im kalifornischen Monterey an den Spätfolgen eines Unfalls. 2001 wurde er während einer Wanderung von einem 4-WD-Auto angefahren und erlitt erhebliche Kopfverletzungen.

25. Dezember 2014

Des Bergsteigers Los

Das frustrierende am Bergsteigen ist, dass es nach Erreichen des Gipfels nur noch abwärts geht.

23. Dezember 2014

Drive thru in Frauenfeld


Die Thurgauer mögen's offenbar lieber funktional als ästhetisch. Dieser Verrichtungs-Container steht in Bahnhofnähe in Frauenfeld.

22. Dezember 2014

Gleis 4

Franz Hohler, Gleis 4, btb, München,
2015. Die Erstausgabe erschien 2013 im
Luchterhand Verlag, München
Eigentlich will Isabelle nur für ein paar unbeschwerte Tage in den Urlaub nach Italien fliegen. Doch dann bricht der ältere Herr, der ihr am Bahnhof zum Flughafen freundlicherweise den Koffer zu den Gleisen hinaufträgt, plötzlich tot zusammen. An Urlaub ist daraufhin für Isabelle nicht mehr zu denken. Denn nicht nur fühlt sie sich unschuldig schuldig an dem Tod des Unbekannten, sondern sie möchte auch unbedingt herausfinden, wer der Verstorbene gewesen ist. Und damit gerät sie in eine ebenso ungeheuerliche wie geheimnisvolle Geschichte, die ihr gewohntes Leben völlig durcheinander rüttelt. (Inhaltsangabe im Buch)

NE: Cortaillod, Bahnhof Neuchâtel SZ: Rigi Kulm, Grosser Mythen ZH: Bahnhof Oerlikon, Friedhof Nordheim Oerlikon, Oerlikon, Stadt Zürich (Grossmünster, Lindenhofplatz, Museum Rietberg, Hauptbahnhof), Stadtverwaltung Uster, Volketswil, Jugendstrafanstalt Uitikon

Franz Hohler sollte mehr Romane schreiben – hätte mehr Romane schreiben sollen!

21. Dezember 2014

Kabine des Schreckens


Eine Kandidatin für den gestern erwähnten WC-Lehrpfad, Rubrik: Lieber hinter dem Busch pinkeln als in dieser Kabine des Schreckens. Sie steht übrigens an der Tramhaltestelle Arlesheim Dorf (BL)

20. Dezember 2014

Stiller Ort, heimeliger Ort


Liebe Touristiker, ein Themenweg, den es noch zu bewerkstelligen gäbe: der WC-Lehrpfad. Die Romooser im Kanton Luzern machen es im Studenwald vor, wie das aussehen könnte.

19. Dezember 2014

Die Hintergründe im Vordergrund

Andreas Haller, Zu Fuss von Bologna
nach Assisi, Wiesenburg Verlag,
Schweinfurt, 2008
Der deutsche Historiker Andreas Haller hat den Weg von Bologna nach Assisi unter die Füsse genommen. Zwanzig Tage dauerte die Reise durch die Emilia-Romagna, Umbrien und die Toskana. Mit mehr oder weniger genauen Karten, mal auf leidlich oder gar nicht markierten Abschnitten, dann wieder auf beliebten Trampelpfaden durchschritt der im wahrsten Sinne des Wortes geschichtlich bewanderte Autor ein äusserst spannendes
Stück Italiens. Im Gegensatz zu den meisten Wanderreiseberichten rückt Haller dabei das tägliche Gehprozedere dezent in den Hintergrund, um dafür den oft historisch bedingten  Hintergründen mehr Raum zu geben. So erfährt der Leser eine unglaubliche Menge an Kirchen-, Kunst- und Kulturgeschichtlichem.

Es liegt in der Natur des angepeilten Wanderzieles Assisi, dass des öfteren die Rede vom Heiligen Franz von Assisi ist. Aber nicht nur: Geschichten und Anekdoten über Päpste, Krieger, Kämpfer, Sonderlinge und andere einflussreiche Gestalten prägen den Bericht. Als Garnitur sozusagen, lässt der Autor eigene Erlebnisse während seines dreiwöchigen Unternehmens einfliessen, ohne sich selber, und das macht die Lektüre wohltuend angenehm, zu stark ins Rampenlicht zu rücken. «Es geht mir nicht ums Abenteuer. Es geht mir darum, am Leben teilzuhaben. Mitzumachen anstatt zuzuschauen. Dann ergeben sich die Abenteuer von selbst», beschreibt der Autor sein Credo. Haller liefert im zweiten Teil eine recht umfangreiche Routenbeschreibung nach, damit Sofareisende gleich selber ihre Stiefel schnüren und sich auf den Weg machen können. «Wandern ist im Grunde eine denkbar einfache Sache», ermutigt Andreas Haller seine Leserschaft.

So ausführlich der Blick hinter die Kulissen der durchwanderten Landschaft auch ist, so kärglich fällt die zu Beginn des Buches abgedruckte Routenkarte aus. Verlag und Autor befinden sich hier indes in bester Gesellschaft, weshalb hier und jetzt ein für alle Mal dazu aufgerufen wird, bei Reiseliteratur mit besseren Übersichtskarten aufzuwarten, damit beim Lesen die geografische Orientierung nicht dauernd verloren geht. Ein paar Notenzehntel Abzüge muss sich das Buch zudem punkto Bilder gefallen lassen, getreu der alten Weisheit, das gute Schreiberlinge selten gute Fotografen abgeben. Was die Bildauswahl anbetrifft, würden überdies Fotos von den im Text erwähnten Gebäuden, inbesondere die ausführlich beschriebenen Sakralbauten, gut anstehen.

Fazit: Dem Werbetext zum Buch, «ob Naturliebhaber, Kunstfreund oder Pilger: Der Weg von Bologna nach Assisi lässt keinen kalt», ist jedenfalls ohne Widerrede beizupflichten. Hallers Œuvre ist sodann bei weitem mehr als ein wohl bekömmlicher Appetizer.

18. Dezember 2014

War’s Mord auf der Meldegg?

Jon Durschei, War’s Mord auf der Meldegg?
orte Verlag, Zürich,1992
Wieder verschlägts den Disentiser Pater Ambrosius ins Appenzellische, diesmal ins Vorderland. Hoch über dem Bodensee und dem weitgehend verbauten St.Galler Rheintal geschieht Schlimmes; und die schöne Landschaft kann Eifersucht, Existenzangst und Verzweiflung nicht ausgleichen. Der Pater gerät in diesen Strudel; und, ob er will oder nicht, er muss ihn entwirren. (Klappentext)

AR: Meldegg, Leuchen, Walzenhausen AI: Kloster Grimmenstein, Oberegg SG: Rheineck, Büriswilen BE: Stadt Bern ZH: Stadt Zürich GR: Disentis

Am 25. November 2014 erreichte mich eine E-Mail vom orte Verlag. Das Verlegerpaar Werner Bucher und Irene Bosshart informieren darin, wie die Zukunft des Verlags aussieht:

Auf den 1. Januar 2015 übernimmt der Appenzeller Verlag den orte Verlag. Mit dem Verkauf trifft der orte Verlag eine nachhaltige Nachfolgeregelung, die Marke orte – vor allem bekannt für Lyrik, Krimis und die Literaturzeitschrift – bleibt bestehen und wird unter dem Dach des Appenzeller Verlags weiterentwickelt.

Die Literaturzeitschrift orte und der orte Verlag wurden 1974 von Werner Bucher in Zürich gegründet. 1989 zog Werner Bucher zusammen mit seiner Frau Irene Bosshart Bucher nach Zelg-Wolfhalden AR, wo sie im «Kreuz» Verlag und Wirtschaft betrieben. 2006 erfüllten sie sich den Traum einer eigenen Liegenschaft in der «Rütegg» und verlegten Verlag und Wirtschaft nach Oberegg AI. Der orte Verlag brachte in den 40 Jahren seines Bestehens über 150 Bücher heraus und publizierte 180 Nummern der orte Literaturzeitschrift. Der 76jährige Werner Bucher hatte mit dem langjährigen orte-Mitarbeiter Virgilio Masciadri den idealen Nachfolger gefunden. Der Übergang der Verlagsgeschäfte an Virgilio Masciadri konnte allerdings nicht abgeschlossen werden, da Virgilio Masciadri  im Mai 2014 50jährig einem Krebsleiden erlag.


Wir vom orte-Verlag freuen uns, nach dem schwerwiegenden Verlust von Virgilio Masciadri für den Verlag doch eine gute Zukunft gesichert und in Marcel Steiner einen sehr kompetenten Nachfolger gefunden zu haben.


Auch ich bin froh, dass für den sympathischen Verlag eine Nachfolgelösung gefunden werden konnte. Mit Spannung erwarte ich, wie sich das Verlagsprogramm entwickeln wird. 

17. Dezember 2014

Lägeren-Katzen

Gestern berichtete ich über meine Lägeren-Wanderung. Hierbei entdeckte ich nicht nur sonderbaren Strassen- und Wegnamen, ich begegnete auch mehreren Katzen. Drei Prachtsexemplare fürwahr.



16. Dezember 2014

Wiedersehen mit CA 1860

Vergangene Woche stattete ich dem Lägeren-Grat ein pedestrisches Besüchlein ab. Vom zürcherischen Buchs startend gewann ich die Hochwacht, von wo sich das Panorama besonders umfassend ausnahm. Kurz vor dem Burghorn stiess ich auf einen alten Bekannten: den Stein, der die Kantonsgrenze Aargau/Zürich markiert. Ihm begegnete ich bereits im November 2012 anlässlich meiner Umrundung des Kantons Aargau. Der Stein trägt die Inschrift CA 1860, also «Canton Aargau» und das Jahr der Grenzsteinsetzung. Gerne erinnerte ich mich an diese spezielle Etappe von Oetwil an der Limmat nach Niederweningen. Und bei dieser Gelegenheit weise ich ebenso gerne auf den Vorrat meines Wanderlesebuchs «Aargau rundum» hin, der in meinen Verlagsregalen ergeben auf Käuferinnen und Käufer wartet. (Es weihnachtet ja wieder einmal brutal.)

CA 1860 auf dem Lägeren-Grat, gesehen vom Kanton Zürich.


Und nun noch ein paar Eindrücke besonderer Art. Der Landstrich am Südfuss der Lägeren scheint offenbar ein Faible für schräge Weg- und Strassennamen zu haben.





11. Dezember 2014

Zu Fuss von Dresden nach Dublin

Jan Balster, Zu Fuss von Dresden
nach Dublin, Verlag am Park, Berlin,
2006
3100 Kilometer legte Jan Balster zurück – auf Schusters Rappen. Vom Ufer der Elbe bis an den Atlantik, quer durch Westeuropa via Schweiz, Frankreich, Grossbritannien und Irland. Das Besondere war nicht nur die Art des Reisens, sondern auch die Umstände: Balster hatte kein Geld in der Tasche.

Sein lebendiger, anschaulicher Bericht über eine ungewöhnliche Entdeckunstour ist mehr als nur Mitteilung über ein Abenteuer. Es ist auch eine Einladung mal über den deutschen Tellerrand zu schauen. Der Sachse Balster ermuntert und ermutigt, aus dem alltäglichen Trott auszubrechen. Dazu bedarf es keines gefüllten Kontos, sondern nur etwas Mut, Freunde finden sich schliesslich überall, die einem weiterhelfen. (Klappentext)

10. Dezember 2014

Der Blick vom Pilatus


Die im vergangenen Jahr in den WCs der SBB-Doppelstockwagen des Fernverkehrs angebrachten Landschaftsfolien ermöglichen den einmaligen Blick vom Pilatus zum Matthorn (im Vordergrund) und den dahinter gelegenen Obwaldner Alpen. Die WC-Schüssel befindet sich geografisch an jener Stelle, die auf der Karte als Chilchsteine bezeichnet ist.

9. Dezember 2014

Vom Recherchieren


Auf Arlesheimer Gemeindeboden verläuft eine von den Wanderwegen beider Basel ausgeschilderte Route, die den Namen Elsa Heierli Weg trägt. Als ich kürzlich vor Ort war, fragte ich mich, wer diese Elsa Heierli ist. Das weltweite Web wusste für einmal keine Antwort. Ja, die Suche ergab sogar null Treffer. Kein Telefonbucheintrag, keine Rangliste aus der Sparte Volksläufe, keine Buchautorin oder renommierte Frauenrechtlerin, kein Arlesheimer Urgestein. Nichts.

Also schrieb ich die Gemeindeverwaltung von Arlesheim an und fragte nach. Doch hier ist Frau Heierli auch kein Begriff, und ich wurde an einen Kenner der Ortsgeschichte verwiesen. Er wisse es zwar auch nicht, werde der Sache aber nachgehen, antwortete er prompt. Gleichzeitig mailte ich die Wanderwege beider Basel an. Die müssten eigentlich Bescheid wissen, dachte ich. Dem war dann auch so. Und auch der Arlesheimer Chronist wurde in der Zwischenzeit fündig. Die Basler Wanderwege liessen mir gar die Broschüre zu ihrem 50-Jahr-Jubiläum von 1988 zukommen.

Die Dienstfertigkeit der Nordwestschweizer hat mich ausserordentlich gefreut und mir, ohne dass es meine Informanten wussten, die termingerechte Abgabe meiner nächsten Tierwelt-Wanderkolumne ermöglicht, die noch heuer erscheinen wird. Dort ist dann auch nachzulesen, wer Elsa Heierli war.

8. Dezember 2014

Nach dem Hamburger ist vor dem Hamburger


Kaum hatte ich dieses Foto geschossen, kam die Mc Clean-Frau wild gestikulierend hinter dem Tresen hervor, akustisch begleitet von einem «Nononono!». – Sisisisisi!

7. Dezember 2014

Auf dem Schwil

Judith Galblum Pex, Der Israel Trail,
Brunnen Verlag, Basel, 2009
Schafft es ein in die Jahre gekommenes Ehepaar, das zwar gerne wandert, seit seinen Hippie-Tagen jedoch nie mehr mit schweren Rucksäcken unterwegs war, den 940 km langen Israel Trail abzuwandern? Diese Frage stellten sich John und Judith Galblum Pex, ehe sie sich auf den sogenannten Schwil begaben. 42 Tage dauerte das Trekking durch Israel, angefangen im Süden an der ägyptischen Grenze und beendet an der Grenze zum Libanon im Norden.

Judith Galblum Pex verfasste über die Begehung des hierzulande kaum bekannten Fernwanderweges einen Erlebnisbericht. Dieser beginnt mit der Geburt des Traums dieser Wanderung und dem Jahr der Vorbereitung auf das Unternehmen. Die Autorin, eine messianische Jüdin, erzählt in der Folge über die körperliche und spirituellen Herausforderungen sowie die immer mal wieder auf die Probe gestellte Beziehung zu ihrem Mann.

Obschon die beiden seit mehr als 30 Jahren in Israel leben und das Land auf etlichen Reisen erkundet haben, entdecken sie ihre Heimat fortlaufend neu, gerade weil der Weg auch durch unbewohnte und weniger spektakuläre Gegenden führt. Doch auch vor arabischen Städten und Dörfern macht der Schwil nicht Halt, führt zudem durch Tel Aviv – Israels grösste Stadt – und vorbei an jüdischen, islamischen, drusischen und christlichen Heiligtümern.

Als Leser nehme ich teil an den Entdeckungen der zwei Herbergsbesitzer in Elat und begleite sie durch Wüsten, Wälder, Oasen, vorbei an Quellen, über Hügel und Felder. Ich begegne dem vielgesichtigen Volk Israel: orthodoxen Juden, Soldaten, Beduinen, Studenten und vielen mehr. Mit fortschreitender Lektüre erhalte ich eine Innenansicht Israels, der jüdischen Kultur und seiner Geschichte, aber auch über Botanik, Fauna, Geografie, Politik und die hebräische Sprache. Und gemäss der Autorin soll das Buch auch Ansporn sein, zu einem neuen Weg aufzubrechen oder ganz einfach einen Traum zu träumen.

6. Dezember 2014

Baselbieter Trilogie III


Die Basellandschaftliche Kantonalbank feiert heuer ihr 150-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Anlass hat die Bank 150 Sitzbänke gestiftet. Diese tragen eine Jahrzahl vom Gründungsdatum 1864 bis zum Jubiläumsjahr 2014. Die abgebildete Bank steht in der Räggersmatt auf Arlesheimer Gemeindegebiet. Auf der Plakette an der Sitzlehne steht:

Für Stadtbewohner war Arlesheim in den 50er-Jahren ziemlich weit weg. Aber es gab ein Tram, und wenn man als Kind Gelegenheit hatte, mit den dunkelgelben Wagen, deren Getriebe so befremdlich röhrte, aus der Stadt zu fahren, kam man ennet der Birs bald einmal an Industrie vorbei, an «Brown Boveri», an einem Tramdepot und zur Wendeschlaufe, die schon auf Solothurner Boden lag. Aber die Geheimnisse des Dorfes, den historischen Kern, den Dom mit prachtvollen Fresken und reichem Stuck, die liebliche Ermitage (1785 als Landschaftsgarten durch Freiherr Franz Carl von Andlau und Balbina von Staal angelegt), das Schloss Birseck, die 1356 zerfallene Burg Reichenstein – all dies gab es erst danach und zu Fuss: eine geheimnisvolle, eigene zauberhafte Welt jenseits des BEB-Trams mit drei Kantonswappen an Stelle einer Liniennummer. «Arlese» wird längst von einem topmodernen Tram bedient. Doch sein Zauber ist geblieben.

5. Dezember 2014

Baselbieter Trilogie II


Die Basellandschaftliche Kantonalbank feiert heuer ihr 150-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Anlass hat die Bank 150 Sitzbänke gestiftet. Diese tragen eine Jahrzahl vom Gründungsdatum 1864 bis zum Jubiläumsjahr 2014. Die abgebildete Bank steht im Röserental auf Liestaler Gemeindegebiet. Auf der Plakette an der Sitzlehne steht:

Liestal ist in jedem Kulturführer gut dokumentiert. Was es jedoch auf dem «Gestadeck», ausserhalb des altehrwürdigen «Törli» in den Jahren der Trennungswirren 1830/33 so alles gab, lässt aufhorchen: eine Kaserne mit Exerzier-, Lager-, Turn- und Richtplatz, eine Gerberei, Wirtschaften und Mühlen, im Jahre 1837 sogar einen Botanischen Garten für die hiesigen Schulen.

Zudem eine Druckerei! Die Stadt Basel hatte bereits ein Organ, um das Transportieren ihrer Meinungen in die Öffentlichkeit zu realisieren: die «Basler Zeitung». Dem hatte das Baselbiet nichts entgegenzusetzen. 1832 richtete man im regierungsgebäude jedoch eine Druckerei ein, die im gleichen Jahre auf den Gestadeck gezügelt wurde. Hier entstand dann die erste Baselbieter Zeitung: «Der Unerschrockene Rauracher». redaktor war Benedikt Banga, Major Wilhelm Honegger besorgte den Druck; beides Vollblutrevoluzzer zur selben Zeit. 

4. Dezember 2014

Baselbieter Trilogie I


Die Basellandschaftliche Kantonalbank feiert heuer ihr 150-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Anlass hat die Bank 150 Sitzbänke gestiftet. Diese tragen eine Jahrzahl vom Gründungsdatum 1864 bis zum Jubiläumsjahr 2014. Die abgebildete Bank steht in der Räggersmatt auf Arlesheimer Gemeindegebiet. Auf der Plakette an der Sitzlehne steht:

Das Wahrzeichen Arlesheims ist sein Dom: ein grossartiges Gotteshaus, das einen ganz starken Eindruck vom Bedürfnis der Menschen vermittelt, der Grösse Gottes mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln der Baukunst Ausdruck zu verleihen.

Aber die Baumeister, welche die Kirche im Jahr 1681 fertigstellten, hatten wohl ein bisschen zu schnell gearbeitet, und so wurde nach nur 80 Jahren eine umfassende Restaurierung nötig. Dabei erhielt der ursprünglich strenge und schlichte Barockbau sein eindrucksvolles Rokoko-Aussehen. Er wurde verlängert, erhielt eine Gruft unter dem Chor, und die Fassade wurde verstärkt und formlich verschönert. Für die Deckengemälde und das Altarfresko, Portale und Chorgestühl wurden die besten Handwerker und Künstler beigezogen. Der berühmte Strassburger Orgelbaumeister Johann Andreas Silbermann vollendete 1759 die Orgel.

3. Dezember 2014

Durch die Nagelfluhmauer


Das Toggenburg ist geologisch geprägt durch die Molasse. Die sonderbare Verquickung von Kies, Calcium, Quarz und dergleichen, ergibt ein völlig anderes Landschaftsgefühl als es beispielweise bei Granit oder Kalk der Fall ist. Und Nagelfluh ist praktisch für nichts zu gebrauchen. Auf dem Wolzengrat, am Fusse des Speer, dem mit 1950,5 m höchsten Nagelfluhberg der Schweiz, haben die Älpler aus dem Bröselkonglomerat eine Tugend gemacht und ihre Trockensteinmauern damit errichtet. Noch hat das Vieh die saftigen Weiden nicht erreicht, weshalb der Durchgang ohne Verrenkungen seitens des Wanderers passiert werden kann.

2. Dezember 2014

Das andere Amerika

Peter Jenkins, Das andere Amerika,
Frederking & Thaler, München, 1989
Ein junger Amerikaner, der Anfang der 70er Jahre sein Land zu Fuss kennenlernen will, muss bei seinen Landsleuten als Verrückter und bei der Polizei als Verdächtiger gelten. Peter Jenkins lässt sich jedoch nicht beirren. Zusammen mit seinem Hund Cooper macht er sich auf zu einer 3000-Kilometer-Tour, die ihn von Buffalo im Staat New York bis zum Golf von Mexiko führt. Dabei lernt er nicht nur die unterschiedlichsten Menschen und Landschaften seiner Heimat kennen, sondern auch sich selbst. Ein mitreissender Bericht, der das «andere Amerika» aufzeigt, fernab von allen Klischeevorstellungen und Vorurteilen. (Klappentext)