31. Dezember 2019

Wanderungen 2019

Alle Routen 2019 im Überblick. Mit 101 Wanderungen ein überaus ergiebiges Jahr!

Mättiwil – Hasli – Mühlethurnen • 9,6 km
St. Gallen Haggen – Stein – Urnäsch • 14,9 km • Fotos
Murzelen – Wohlen – Bümpliz Nord • 9,5 km • Fotos
Altstätten SG – Bannriet – Altstätten SG • 15,2 km
Teufen – Gräslikon – Henggart • 13,5 km • Fotos
St. Gallen HB – Brückenweg – St. Gallen HB • 14,6 km • Fotos
Eclépens – Etagnières – Châlet-à-Gobet • 22,5 km • Fotos
Murzelen – Oberruntigen – Kallnach • 15,6 km • Fotos
Eggiwil – Grosshorben – Eggiwil • 18,4 km • Fotos
Bürglen – Haldi – Altdorf • 12,9 km • Fotos
Gurnigel Wasserscheide – Sangernboden – Zollhaus • 14,5 km • Fotos
Ferreyres – Canal d'Entreroches – Corcelles-sur-Chavornay • 20,3 km • Fotos
Gossau (SG) – Niederglatt – Bischofszell • 20,1 km • Fotos
Elgg – Neubrunn – Dussnang • 18,4 km • Fotos
Heimberg (Lädeli) – Brenzikofen – Kiesen • 9,4 km • Fotos
St. Pelagiberg – Hudelmoos – Amriswil • 10,3 km • Fotos
Gossau – Tannenberg – St. Pelagiberg • 17,3 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #13 • 7,3 km • Fotos
Cossonay-Penthalaz – Cuarnens – La Sarraz • 21,0 km • Fotos
Marena – Spin – Maggia • 6,9 km • Fotos 
Rifugio Alpe di Masnee – Maiasco – Marena • 8,7 km • Fotos
Brione – Scimarmòta – Rifugio Alpe Masnee • 6,4 km • Fotos
Ochsenstall – Forbach • 20,3 km • Fotos
Sandkopf (Zuflucht) – Ochsenstall • 22,2 km • Fotos
Littweger Höhe – Sandkopf (Zuflucht) • 18,2 km • Fotos
Kreuzberghütte (Hausach) – Littweger Höhe • 21,8 km • Fotos
Blindenhäusle – Kreuzberghütte (Hausach) • 22,1 km • Fotos
Hohwald (Kaltenherberg) – Blindenhäusle • 20,8 km • Fotos
Titisee – Hohwald (Kaltenherberg) • 21,9 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #12 • 7,3 km • Fotos
Burgdorf – Bickingen – Wynigen • 9,3 km
Thun Martinstrasse – Uetendorf #11 • 7,5 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #10 • 8,3 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #9 • 6,5 km • Fotos
Saas (FL) – Kulm – Triesen • 14,4 km • Fotos
Steg (FL) – Riethötta – Sass • 14,2 km • Fotos
Gurnigel Wasserscheide – Walalp – Erlenbach • 18,1 km
Kotnecker – Spicher – Schwägalppass • 10,2 km • Fotos
Schönengrund – Unterchapf – Kotnecker • 11,9 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #8 • 8,0 km • Fotos
Schaner Alp – Malbun – Buchs (SG) • 13,4 km
Trübbach – Kurhaus Alvier – Schaner Alp • 8,6 km • Fotos
Pas de Cheville – Solalex – Gryon • 9,9 km
Ardon – Derborence – Pas de Cheville • 18,9 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #7 • 7,4 km • Fotos
Malanseralp – Heidelpass – Weisstannen • 9,6 km • Fotos
Vättis – St. Martin – Malanseralp • 13,6 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #6 • 7,6 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #5 • 8,4 km • Fotos
Bad Ragaz – Bad Pfäfers – Bad Ragaz • 12,6 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #4 • 6,8 km • Fotos
Grosse Scheidegg – First – Grindelwald • 12,6 km • Fotos
Dietfurt – Alplisattel – Wattwil • 16,7 km
Bière – St-Oyens – St-George – Bière • 23,7 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #3 • 6,1 km • Fotos
Rietwis – Fuchsacker – Schönengrund • 17,1 km
Sumiswald – Schwarzenegg – Zollbrück • 10,7 km • Fotos
Riein – Pitasch – Peiden Bogn • 12,7 km • Fotos
Rueun – Ilanz – Riein • 13,6 km • Fotos
Eggiwil – Blapbach – Trubschachen • 11,9 km • Fotos
Busswil – Grossaffoltern – Dieterswil • 13,2 km • Fotos
Schüpfen – Wiler – Worben • 18,1 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #2 • 8,8 km • Fotos
L'Isle – Cottens (VD) – Morges • 19,0 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #1 • 7,1 km • Fotos
Montpreveyres – Villars-Mendraz – Bercher • 20,5 km
Thun Bahnhof – Rabenfluh – Thun Bahnhof • 8,5 km • Thun total
Münchenbuchsee – Jetzikofen – Hinterkappelen • 15,3 km • Fotos
Lucens – Hermenches – Mézières • 20,7 km • Fotos
Fey – Donjon des Brigands – Lucens • 21,4 km • Fotos
Thun Bahnhof – Obere Wart – Thun Bahnhof • 7,8 km
Horgen – Sihlbrugg – Edlibach • 13,9 km • Fotos
Eigerplatz – Thun Bahnhof • 7,8 km • Fotos
Wil – Chranzebärg – Kirchberg • 15,0 km • Fotos
Lerchenfeld – Thun Bahnhof • 8.5 km • Thun totalCity Ticket Thun
Frick – Effingen – Thalheim • 20,0 km • Fotos
Steffisburg Flühli – Thun Bahnhof • 4,2 km • City Ticket Thun
Le Bois Blanchard – Chêne-Bourg – Troinex • 17,8 km
Hermance – Foncenex – Le Bois Blanchard • 15,5 km
Gwatt Deltapark – Thun Bahnhof • 4,8 km • City Ticket Thun
Weinfelden – Napoleonturm – Ermatingen • 18,6 km
Locarno – Contra – Tenero • 10,4 km
San Nazzaro – Magadino – Gudo • 15,2 km
Giumaglio – Maggia – Gordevio • 9,1 km
Intragna – Verscio – Locarno • 11,6 km
Orbe – Romainmôtier – L'Isle • 22,2 km • Fotos
Trübbach – Rechtes Rheinufer – Haag • 19,4 km • Fotos
Wabern – Dählhölzli – Belpmoos • 8,8 km • Fotos
Allmendingen RAZ – Thun Bahnhof • 4,0 km • City Ticket Thun
Rüthi (SG) – Ruggeller Riet – Haag • 16,3 km • Fotos
Staffelbach – Schmidrued – Beinwil am See • 19,3 km • Fotos
Yvonand – Nuvilly – Granges-Marnand • 23,1 km • Fotos
Grandcour – Cugy – Granges-Marnand • 22,0 km • Fotos
Morges – Lussy-sur-Morges – Allamand • 15,0 km • Fotos
Erlenbach – Witikon – Stettbach • 17,0 km • Fotos
Yverdon – Valeyres-sous-Rances – Orbe • 21,2 km • Fotos
Seelisberg – Bauen – Flüelen • 15,2 km • Fotos
Eggiwil – Chapf – Signau • 14,8 km • Fotos
Riethüsli – Sturzenegg – Gossau • 13,1 km • Fotos
Arvigo – Castaneda – Cama • 13,0 km • Fotos
Nennigkofen – Leuzigen – Rüti b. Büren • 13,8 km • Fotos

30. Dezember 2019

Schpiik you Englisch?

Nora la Roche, Peter Hürzeler: Schpiik you
Englisch? Edition Erpf, Bern, 1982
«Schpiik you Englisch? Yes, good? Dann sträuben sich Ihnen bei dieser ‹Blödelei à l'anglaise› sicher die Haare zu Berge. Denn top-englisch klingt diese Frage ja nicht. Auch die von Peter Hürzeler cartoonistisch nachempfundenen Sprüche in diesem Büchlein sind nicht ganz (schul-)stubenrein. Oder doch? Nehmen sie unseren John  Bull doch einmal buchstäblich beim Wort. Er speakt nämlich englischer als englisch – und somit richtig falsch …» (Aus dem Vorwort)

Ein paar Beispiele gefällig? Bitte sehr!

In the shortness lies the spice.

You mean I have not all cups in the closet? Far missed, far missed!

Holy strawbag! Make not always a twenty-after-eight-snout!

The eveningly homeway in the pushtime makes me noodlefinished.

Play not the offended liversausage!

29. Dezember 2019

Tod nach Redaktionsschluss

Käthi Mühlemann: Tod nach Redaktions-
schluss, orte, Zürich, 1989
Käthi Mühlemanns erster Kriminalroman bringt dem Leser die Welt einer Lokalzeitung mit Witz und Ironie nahe. Oder besser: Die Autorin holt den Mief, die biedere und doch beklemmende Atmosphäre, die abgestandene Langeweile mühleos in ihre Sprache hinein. Es gelingt ihr, hinter der Fassade der täglich ausgetauschten Banalitäten das ständige Lauern von Ressentiments, Hass und Intrigen spürbar zu machen, die fast unmerklich, aber folgerichtig zum Verbrechen führen. Da braucht es keinen Fahnder, keinen Superdetektiv. Die Sprache allein entlarvt, dass ungelebtes Leben sich immer rächt und Opfer fordert. (Klappentext)

TG: Region Arbon – Romanshorn

28. Dezember 2019

Der Hund starb, was er nicht überlebte

Arno Renggli: Der Hund starb – was er nicht
überlebte,
Wörterseh, Gockhausen, 2015
Es gibt eine Art von Komik, die nur spontan und unfreiwillig entsteht. Und dann gibt es Formulierungen, auf die nur junge Menschen kommen können. Beides vereint der «Klub der jungen Dichter», ein Schreibwettbewerb für Schüler vom 5. bis 9. Schuljahr, den die «Neue Luzerner Zeitung» und ihre Regionalausgaben seit 1994 jedes Jahr ausschreiben. Bis heute sind dabei über 100 000 Texte entstanden, etwa tausend von ihnen, die besten, wurden in der Zeitung publiziert, erschienen teilweise sogar in Buchform oder als vertonte Fassungen im Schweizer Radio. Jedes Jahr war die Jury aufs Neue ob der Qualität der Texte erstaunt. Ebenso grosse Freude bereiteten zugegebenermassen aber auch die vielen unfreiwilligen Highlights. Und so sammelt die Redaktion seit 1995 neben den besten Geschichten auch die buntesten Stilblüten. Die witzigsten finden sich im nun vorliegenden Buch. Beste Unterhaltung für jedermann, die uns die Tücken und Nuancen der deutschen Sprache anschaulich vor Augen führt. Lachanfälle und unverhoffte Lerneffekte sind garantiert. (Klappentext)

Moors Fazit: Es ist einzig und alleine meiner Vernunft zu verdanken, dass ich bei dieser Lektüre vor Lachen nicht gestorben bin, habe ich doch im jeweils richtigen Moment das Buch zur Seite gelegt, um mir eine mehrstündige Erholung zu gönnen. Die hier wiedergegebenen Stilblüten sind eine echte Kampfansage an jedes Antidepressivum.

27. Dezember 2019

Natur

Ralph Waldo Emerson: Natur, Diogenes,
Zürich, 1982
Die 1836 erschienenen Überlegungen sind, neben den Schriften von Emersons Schüler Henry David Thoreau, bis heute der bedeutendste amerikanische Beitrag über das Verhältnis des Menschen zur Natur. Fast alle Emersons waren Prediger, und so wurde Ralph Waldo Emerson, geboren am 25.5.1803 in Boston, auch einer. Doch der Tod seiner jungen Frau Ellen Louisa Tucker und eine gleichzeitige Lebenskrise liessen in ihm die Erkenntnis reifen: «Wer ein Mensch sein will, der muss Nonkonformist sein.» 1834 liess er sich im Städtchen Concord nieder und schrieb dort, inspiriert durch einsame Waldspaziergänge, seine Essays nieder, die ihn zu einem der bekanntesten Naturphilosophen Amerikas machten. Er starb 1882 in Concord, das durch ihn zu einem geistigen Zentrum der USA geworden war. (Klappentext)

26. Dezember 2019

Altern wie ein Gentleman

Sven Kuntze: Altern wie ein Gentleman,
btb, München, 2012
Alt sein kann vieles bedeuten, und was da genau auf einen zukommt, weiss niemand im Voraus. Sicher ist nur: Alt werden wir alle. Und viele von uns fürchten sich davor. Mit dem Eintritt in den Ruhestand begann für den renommierten Journalisten und Fernsehmoderator Sven Kuntze ein neuer Lebensabschnitt. Geistreich und mit feiner Ironie erzählt er von seinen Plänen für die Zeit nach der Karriere – und wie er sie allesamt über den Haufen warf. Mit Humor schildert er die neue Lebensphase, die für ihn vor allem eins bedeutet: einen spannenden wie erfüllenden Neuanfang. Ein Erfahrungsbericht von einem, der auszog, um in Würde zu altern – mit Stil und Achtsamkeit, mit Gelassenheit und Tatendrang, eben wie ein Gentleman. (Inhaltsangabe zum Buch)

Moors Fazit: Die Lektüre hat mich nicht vom Hocker gehauen. Mag sein, dass ich noch zu jung bin oder das Wandern mir derartige Gedankenspiele grösstenteils abnimmt. Böse Zungen mögen nun behaupten, dass wer nie ein Gentleman war, auch nicht wie ein Gentleman wird altern können. Gentleman hin oder her, ich werde es so oder so als gentle wanderer versuchen.

25. Dezember 2019

Der weisse Neger Wumbaba

Axel Hacke + Michael Sowa: Der weisse Neger
Wumbaba,
Kunstmann, München, 2004
«Seit ich das erste Mal darüber schrieb, wie sehr Menschen Liedtexte falsch verstehen – wie etwa in eines Lesers Ohren Matthias Claudius' Zeile ‹der weiße Nebel wunderbar› zu ‹der weiße Neger Wumbaba› wurde und so eine unvergessliche, radikal poetische Traumgestalt entstand, deren Schöpfung Claudius selbst wohl nicht möglich war – erreichte mich eine solche Flut von Leserbriefen, gefüllt mit Beispielen für falsch verstandene Liedtexte, dass ich nun der Meinung bin: Im Grunde versteht kaum ein Mensch je einen Liedtext richtig, ja Liedtexte sind überhaupt nur dazu da, falsch verstanden zu werden. Aufgabe eines Liedtexters ist es, den Menschen Material zu liefern, damit ihre Phantasie wirken kann ...» (Klappentext)

Moors Fazit: Nichts für schwache Blasen!

24. Dezember 2019

777 bodenlose Gedanken

Rolf Dobelli: Turbulenzen, Diogenes,
Zürich, 2007
Tatort: ein Mann in einem Flugzeug auf dem Weg über den Atlantik. Bevor der alte Kontinent ihn wiederhat, Nachdenken über sich, über Gott und die Welt. Überraschendes, Hintergründiges, Absurdes, Alltägliches, Gedankenblitze – Formulierungen, die sich wie Haken festsetzen und zum Weiterdenken und -dichten anregen. (Klappentext)

Moors Fazit: Dobellis Gedankengänge sind genial.

23. Dezember 2019

Haarig, haarig – nichts als haarig

Das thurgauische Amriswil gibt sich nicht nur anglo-frankophil, die beiden Haarschneider
sind sogar Namensvettern des Schrittlers!

Wer durch Städte und Dörfer wandert, gerät unweigerlich und immer wieder an Frisörsalons vorbei. Ich registriere dann jeweils die mehr oder weniger originellen Namen dieser Etablissements. Nachfolgend eine ziemlich repräsentative Liste, die sich im Laufe der Jahre ergeben hat. Auslöser dieses Beitrags war mein Gang durch das Thurgauer Städtchen Amriswil, wo sich an der Bahnhofstrasse der Coiffeur René und der Hairstylist Pierre befinden. Der eine praktiziert in der Nummer 13, der andere unweit davon im Haus 17. Und weil diese zwei Frisöre meinen Erst- und Zweitnamen verkörpern – und dies erst noch im eher unfranzösischen Thurgau –, begann die Idee zu köcheln, den Haarschneidern in diesem Land ein für allemal ein Denkmal zu setzen.

11-11 Haimburger, 2B for Hair, 4Haareszeiten, A Touch of Glamour, Absolut Hair, Aerosol, Afro 2000, Animakarma, Art of Hairsoul, Barbara, Beat for Hair, beau.tox, Biohair Naturfrisör, Blickfang, Bliggfang, Blond, Blow, Capelli Diavolo, Capogiro, Changes, Chic, Chrigi, Chung, Coiffeteria, Croswi, Cut & Sirup, Cuttingpoint, Das Haar, Diamond Hair, Die Frisurenmacher, Dolce Vita, Dreamcut, Easy Hair, Euforia, Faces, Fantasy, Favorit, Figaro, Flamingo, Friesenwiese, Frizerie, Glücklich, Gwafför, Haar und mehr, Haarakzent, Haar-Atelier, Haarbar, Haarbracadabra, Haarchitekten, Haar-Egge, Haarem, Haarerei, Haareschööön, Haareszeiten, Haarfenster, Haargalerie, Haargenau, Haargeneration, Haarige Zeiten, Haarissimo, Haarklar, Haarkonzept, Haarladen, Haarlekin, Häärli Schön, Haarmania, Haarmonie, Haaroase, Haarometer, Haarpalast, Haarraum, Haarscharf, Haarschelm, Haarscheum, Haarschmiede, Haarschneiderei, Haarschnittstelle, Haarschopf, Haar-Schopf, Haarsträubend, Haarstube, Haarsturm, Haar-Tempel, Haar-Theater, Haartist, Haarträff, Haartraum, Haar-Werk, Haarwerkstatt, Haarzauber, Hair Care, Hair Castle, Hair meets Art, Hair on Top, Hair Solutions, Hair to Go, Hair we go, Hairbox, Hairclub, Haircraft, Hairein, Hairforce, Hairinn, Hairlights, Hairline, Hair's Angels, Hairtouch, Hairvorragend, Hairxpress, Hairy Tales, Hairzbluet, Hairzog, Hammer Haar, Harrock, Hauptsache, Hauptsache Haar, Head Case, Headquarters, Heroes & Flames, Hinz & Kunst, Hörlischnyder, JoJo, Kaiserschnitt, King, Kopfsalat, Kopfstand, Kopfwerk, K-Pony, Le Bigoudi, Let's Cut, Liebevoll, Lockeria, Lord, Mad Hair, Malibu, Manhattan, Mèche, Megafön, Memo Men, Miracolo, New Line, Nordstern, O20 Hair Planet, Opus, Papillon, Passage, Perfettamente, Phänomen, Plan B, Point, Positiv Coiff, Präzis, Provocateur, Pythagoras, Querschnett, Querschnitt Frisurkultur, Salon Afrodita, Salon d'Or, Salon Elegance, Schitt-Art, Schnitt und Form, Schnittfit, Schnittpunkt, Schnittpunkt, Schnittpunkt, Schnittstelle, Schnittstelle, Schnittstube, Schnittvergnügen, Schnittwerk, Sensation, Sfax, Shampoo, Simply You, Spieglein Spieglein, Stilbruch, Strubelpeter, Susy's Hairloft, Taj Mahaar, The Crime Edge, Timetunnel, Topas, Triangolo, Über kurz oder lang, Uptown, Vérène, Verwandelbar, Voila, Vorhair Nachhair, Wave, Winthairthur, Wox, Zem goldige Schärli

22. Dezember 2019

Zidane und ich

Philippe Dubath: Zidane und ich, Bilger,
Zürich, 2004
«Mit ‹Zidane und ich› hat der am Genfersee lebende Schriftsteller, Fotograf und Journalist Philippe Dubath das wohl schönste Fussballbuch dieser Saison geschrieben.»
NDR, Holger Schlodder

«Selten ist der Fall, in dem Fußball und Literatur in eins fallen. Hier haben wir einen, der ein Glücksfall ist.» Alain Claude Sulzer, Rheinischer Merkur

«So manche Frau an der Seite eines Fußballverrückten wird möglicherweise nach der Lektüre dieses Buches endlich, wenn auch nicht unbedingt komplett verstehen, aber zumindest nachvollziehen können, warum Männer Bälle lieben. Fußbälle lieben. Und den Fußball im Allgemeinen. Ein Buch so wichtig wie die Abseitsregel für das Spiel: Unverzichtbar!» Kölsch Live Forum des FC

«Ich habe ein schmales Buch gelesen und war eine Stunde lang auf sanfte, erhellende Weise glücklich. Dabei handelt es von Sport, einem mir sonst sternenfernen Thema. Und noch dazu von Fussball. (Sie haben mich, als ich es mit 10 Jahren eine kurze Zeit versuchte, meist ins Tor gestellt, weil ich meiner Mannschaft sogar als Verteidiger eher abträglich war.). Aber diese Geschichte von Philippe Dubath hat mir unversehens begreiflich gemacht, was die jüngeren und älteren Knaben rund um den einen Ball erleben können. 


Ein Fünfzigjähriger versucht, die Wärme zu erklären, die ihm das Zusammenspiel mit andern ein Leben lang gab. ‹Wenn du den Ball einem anderen zuspielst, ist dieser andere für dich jemand. Eine Person. Du hast ihn gesehen, du beobachtest ihn, er ist sofort mit dir verbunden und ein Gespräch entspinnt sich von Fuss zu Fuss.› Ja, eine Männerwelt, um Freundschaftlichkeit ohne viele Worte. Aber dieses Lebensspiel rühmt einer, der es nie zum Siegertyp schaffte, bei den entscheidenden Spielen von der Ersatzbank zusieht, dennoch dabei bleibt. 


Geschrieben ist das als ‹Brief eines Fussballspielers an seine Frau›, in einer schlichten, aber wohltuend wortgenauen Sprache. Gefühlvoll, aber nie in der Nähe von Kitsch. Mit herben Passagen, wo es um die Angst eines Kindes, die Scham der Erwachsenen geht, und um die kurzen Glücke des Sohnes mit seinem Vater. Der seltene Ton von Erfahrungen, die einer dankbar weitergibt.» Ekkehard Faude, im Buchmarkt 


«Der ‹Petit Prince› unter den Fussballbüchern.»

21. Dezember 2019

Hunkeler und die goldene Hand

Hansjörg Schneider: Hunkeler und die
goldene Hand, Ammann, Zürich, 2008
Der neue Hunkeler beginnt damit, dass Kommissär Hunkeler im Aussenbecken des Solbades Marina in Rheinfelden liegt und Rückenbeschwerden kuriert. Er sieht einen seltsamen Taucher vorbeitreiben. Es ist die Leiche eines alten, schwulen Kunsthändlers aus Basel. Da Rheinfelden zum Aargau gehört, ermittelt die Aargauer Kantonspolizei. Sie verhaftet einen Strichjungen, der ebenfalls im Marina gebadet hat. Der Fall scheint gelöst.

Doch Hunkeler glaubt das nicht. Da er krank geschrieben ist, hält er sich vorerst zurück. In den folgenden Tagen werden aus verschiedenen Museen der Umgebung Kunstwerke gestohlen, und im Rheinfelder Bahnhof fliegt ein Schliessfach in die Luft. Hunkeler fährt an die Tatorte, fragt sich durch, ermittelt. Er findet eine Spur, die zur sagenumwobenen, goldenen Hand Rudolfs von Rheinfelden führt, die von Kunsträubern in Sachsen-Anhalt gestohlen und nach Basel gebracht worden ist, um hier an einen Kunsthändler verkauft zu werden. Es gibt aber auch andere Leute, die sich für die goldene Hand interessieren … (Klappentext)

AG: Rheinfelden, Zofingen BL: Farnsburg, Buuser Egg BS: Stadt Basel LU: Hitzkirch D: Todtnauberg, Stübenwasen, Wiesental, Aftersteg, Dossenbach, Nordschwaben F: Mülhausen, Jettingen, Hundsbachtal, Sundgau, Franken, Helfrantzkirch

20. Dezember 2019

Tango criminal

Cristina Achermann: Tango criminal, orte,
Zürich, 1993
Viktor, einer wie Sie und ich, wenn auch ein wenig beleibt und ziemlich faul, trifft eines gewöhnlichen Abends im Zürcher Vergnügungsviertel auf eine tote Frau. Makaber, werden Sie denken. In unsern Zeiten ist dies freilich der Alptraum vieler eigener Nachtgänge. Wie immer, die Stadt mit ihren geldsüchtigen Herren und unternehmungslustigen Frauen liegt irgendwo in Krimilandia, und die Gebräuche und Verhaltensmuster dieses Landes werden von der Autorin sorgfältig gepflegt. Was also darf der Leser. die Leserin erwarten? Der von den Unbilden des Alltags geplagte Held, selber ein Krimiversessener, wird unversehens vom Leser zum literarischen Objekt und lässt sich auf detektivische und andere Abenteuer ein, etwa auf jenes der Liebe. Die Tote tanzte Tango, und etwas von der tickenden Traurigkeit dieses Tanzes wird viele Gestalten dieser Erzählung begleiten, deren Lebenshoffnungen wie alte Schallackplatten längst verstaubt sind. (Klappentext)

Moors Fazit: Der mit Abstand schlechteste Krimi, den ich aus dem Hause orte bislang gelesen habe.

19. Dezember 2019

Am Schattenberg

Otto Zumoberhaus: Am Schattenberg,
Rotpunktverlag, Zürich, 2009
«Im blauen Dunst der Toscanistumpen und Tabakpfeifen hockten die Männer an den Tischen, mampften Käse und Roggenbrot oder sogen an ihren Stumpen. Die jüngeren standen mit Glas und Schpys in der Hand zusammen, liessen sich vom Kirchenvogt aus der Zinnkanne Wein nachgiessen und redeten, kauend und sürpfelnd, immer lauter durcheinander. Als aber Christen den Saal betrat, ebbte das Gerede ab und ging in unverständliches Gemurmel über. Schliesslich machte sich betretenes Schweigen breit.»

Familienepos, Sittenroman, erzählte Zeitgeschichte: All dies vereint das Romandebüt des Walliser Autors Otto Zumoberhaus. Am Anfang dieser Geschichte eines Bergdorfs steht eine Sünde, die den jungen Christian Zenthelen und seine Frau auf eine harte Probe stellt und die Menschen am Schattenberg nachhaltig aufwühlt. Aber Christian, von den Leuten «der Rotbart-Chrischti» genannt, wehrt sich gegen die Schicksalsschläge, die falsche Frömmigkeit der Dorfgemeinschaft und die mächtige Patrizierfamilie. Beharrlich geht er seinen Weg und sorgt für den Weiterbestand seines Namens. Doch nicht nur das Archaische, sondern auch die Moderne setzt der Familie zu. Und so ist dieser Generationenroman ebenfalls eine Geschichte über Industrialisierung, Migration, Krieg, Eisenbahnbau und das Bröckeln alter Mächte. Während der Autor den Bogen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in unsere Gegenwart spannt, spürt er den Verschränkungen von grosser und kleiner Geschichte nach. Denn im Mikrokosmos des Schattenbergs und seiner theaterverrückten Leute widerspiegelt sich immer auch das Weltgeschehen.
(Klappentext)

VS: Gegend um Raron, Turtig, Bürchen, Eischoll, Unterbäch (Hauptschauplatz); Visp, Sion, Martigny, Gletsch, Brig, Salgesch F: Paris, Cannes GB: London I: Rom

18. Dezember 2019

Der Teufelstrommler

Paul Lascaux: Der Teufelstrommler, Orte,
Zürich, 1990
Nach «Arbeit am Skelett» wartet der seit vielen Jahren in Bern lebende Paul Lascaux* mit seinem zweiten Kriminalroman auf. Und wiederum agieren seine Figuren in der Bundesstadt der Schweiz, wird mit wenigen Worten deren Schönheit und deren Mief beschworen. Drei merkwürdige Todesfälle gilt es innerhalb von drei Wochen zu registrieren: Ein stadtbekannter, mit der Wirtschaft verfilzter Politiker, ein Bahnzollbeamter und ein Mädchen aus der Punk- und Rauschgiftszene sterben unverhofft. Und in den Büros der Stadtpolizei geht es heiss zu und her. Die Öffentlichkeit und die Presse wollen Ergebnisse sehen; doch die Ermittlungen treten an Ort. In der Subkultur hingegen brodelt es. Die Freunde des toten Mädchens recherchieren auf eigene, ungewöhnliche Art, unterstützt von einer interessanten, verbitterten Frau. Und diese, eine ehemalige Polizeibeamtin, hält plötzlich mehr Fäden in der Hand, als ihr lieb ist. Bern verliert seine sprichwörtliche Ruhe! (Klappentext)*Alias Paul Ott

BE: Stadt Bern

17. Dezember 2019

Fucking Friends

Roland Heer: Fucking Friends, Bilgerverlag,
Zürich, 2010
Fucking Friends, der provokante Debütroman des Extrembergsteigers und Lyrikers Roland Heer, wirft einen schonungslos offenen Blick in die Welt der Online-Singlebörsen, Sex-Sites und Internet-Kontaktplattformen. Ein kompromisslos offenes und einzigartiges Zeitdokument.  Sprachmächtig zeichnet der Autor in der Figur des 43-jährigen Comiczeichners Greg Bold jenen Typus Mensch, der süchtig nach Grenzerfahrungen den Bezug zur realen Welt verliert. Dem Wiedererwachen nach dem Tod von Frau und Kind bei einem Flugzeugabsturz folgt der lange Fall durch alle gesellschaftlichen, sozialen und moralischen Raster. Die sexuellen Verheissungen der Cyberwelt erweisen sich als Tor in einen elektronischen Darkroom, aus dem es kein Entrinnen gibt.

«Von da an ging es abwärts, schneller, viel schneller als erwartet. Blankeis statt Schutt. Die Weisse Spinne voll auf Speed, aus dem Wasserfallkamin kam ein Grölen, die Rampe dröhnte, beim Todesbiwak riss es mir die Flügel ab, beim Hinterstoisser-Quergang meine Beine, der Zerschrundene Pfeiler köpfte mich. Lichtgeschwindigkeit, dachte ich, schwarzes Licht - und jetzt platzen, bitte, doch der Aufprall wollte nicht kommen.»

Gregor Bold, 43, passionierter Extrembergsteiger, verliert durch einen Flugzeugabsturz Frau und Kind – zum Zeitpunkt des Unglücks ist er auf einer Expedition im Himalaya. Nach seiner Rückkehr zieht er sich zurück, er hadert mit Gott und der Welt, verfällt physisch und psychisch und findet sich in einer psychiatrischen Klinik wieder. 


Zurück im Leben, aber mehr oder weniger beziehungsunfähig, entdeckt Gregor das Internet als Partner-Plattform: Einloggen ist der Ausgang des Singles aus seiner selbstverschuldeten Einsamkeit. Er gerät rasch in den Strudel eines immer intensiver werdenden Kontakt-Knüpfens, trifft Frauen bald schon im Dutzend, er lebt im Versuch, möglichst nichts auszulassen: exzessiv, obsessiv und immer verzweifelter.
Via Internet lernt Gregor auch Heike kennen: sie ist hübsch, anzüglich und verkommen. Heike und Gregor verlieren jegliche Scham voreinander und vor sich selber. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Dynamik aus Verletzung, Sex und Gewalt, welche sie gegenseitig in Gang setzen, ins Katastrophale eskaliert.
(Inhaltsangabe zum Buch)

AG: Aarau GL: Chly Kärpf, Fanenstock SZ: Bockmattli UR: Salbitschijen VS: Matterhorn ZH: Stadt Zürich, Schlieren A: Feldkirch D: Dresden Diverse: Himalaja, Mutzagh Ata, Serifos, La Gomera, Stromboli

16. Dezember 2019

Das Wüste lebt

Susy Schmid: Das Wüste lebt, Cosmos,
Muri b. Bern, 2007
Eine halbe Stunde hinter Tinerhir duftet es nach Speck und Sauerkraut. Beatrice Gebhardt liegt tot im Zelt und Evi Gygax kocht zum Trost für alle Berner Platte. Evi, die vor drei Jahren in der Kirche ihres Heimatorts Hölibach über eine Leiche gestürchelt ist (nachzulesen im Roman «Himmelskönigin»), ist jetzt als Köchin für eine Schweizer Reisegruppe in der Sahara unterwegs. Wer hat Evis Lieblingsküchenmesser als Mordwaffe missbraucht? Nicole mit ihren pathologischen Wutanfällen? Adrian mit seinem Hang zu weiblicher Unterwäsche? Claire, die beim Lügnerjass Eicheln seelenruhig als Rosen deklariert? June, die Engländerin, die auf Rätoromanisch flucht? Das Ehepaar Schmal, das auf einen Platz zur Rechten Gottes spekuliert? Oder Marc, die bartstopplige Augenweide von einem Mann, der die Gruppe mit dem Lastwagen durch die marokkanische Wüste karrt? (Klappentext)

MA: Marokko

15. Dezember 2019

Der Mensch erscheint im Holozän

Max Frisch: Der Mensch erscheint im
Holozän,
Suhrkamp, Frankfurt/Main,
1979
Der Mensch erscheint im Holozän beginnt denkbar unspektakulär: Ein einsamer Witwer in seinem Tessiner Berghaus, und draussn will es nicht aufhören zu regnen. Dann wird der 74-jährige Herr Geiser durch einen Erdrutsch von der Umwelt abgeschnitten, die Naturgewalt konfrontiert ihn mit seiner eigenen Bedeutungslosigkeit. Auf sich gestellt, versucht er seinem Dasein einen Sinn zu geben, indem er unzählige Notizen und Lexikonausschnitte sammelt und damit die Wände tapeziert. Doch der schleichenden Erosion – nicht nur in der Natur, sondern auch in seinem Kopf – hat er nichts entgegenzusetzen. Draussen stürzen die Mauern ein, drinnen erleidet Herr Geiser einen Schlaganfall: Augenlid und Mundwinkel sind fortan gelähmt, er verliert immer mehr den Verstand und brät seine Katze im Kamin. Und während das versehrte Bergdorf schliesslich wieder aufgebaut wird, ist sein persönlicher Verfall unumkehrbar. Mit Herrn Geiser hat Max Frisch die deutschsprachige Literatur um einen Sonderling bereichert. Seine Erzählung hat der Autor rückblickend als sein «vollkommenstes» Werk bezeichnet. (www.getabstract.com)

TI: Onsernonetal, Passo della Garina

14. Dezember 2019

Das schwarze Eisen

Christian Haller: Das schwarze Eisen,
Luchterhand, München, 2004
Als einen schweren und imposanten Mann hat der Enkel seinen Grossvater kennengelernt, als eine beeindruckend schweigsame Person, die niemals das Haus verliess, ohne zuvor einen Filzhut aufzusetzen und einen Stock in die Hand zu nehmen. Schweigsam, das erfährt der Enkel später, war der Grossvater immer gewesen, ein Mann, der ohne viele Worte zu verlieren seine Familie und am liebsten die ganze Schweiz wie geschmolzenes Eisen geformt hätte. Tatsächlich stammte dieser Mann aus ärmlichsten Verhältnissen. Mit nicht mehr als einem Glas eingeweckter Pflaumen als Proviant schickten ihn die Eltern in die Lehre. Unter dem Prägestock der Fremdenlegion schwor er sich dann, es den gelackten Herren zu zeigen. Als ein Niemand kehrt er zurück, aber mit dem festen Willen, aus Wasserkraft Strom zu gewinnen und mit dem Strom Eisen für Werkzeuge, Maschinen und Waffen zu erzeugen und die Schweiz in eine sauber arbeitende Maschine umzubauen.

Christian Haller hat die Geschichte eines Mannes geschrieben, der zu einer der prägenden Gestalten seines Landes wurde: Ein Schweizer Unternehmer, für den nur Härte zählte und die Fähigkeit, sich durchzusetzen, und der am Ende seines Lebens eingeholt wird von der Erinnerung an seine «einfache» Herkunft und erleben muss, wie sein Traum vom Aufstieg der Familie zerbricht. (Klappentext)

AG: Laufenburg, Aarau BL: Pratteln BS: Stadt Basel GR: Sils-Maria F: Elsass

13. Dezember 2019

Justiz

Friedrich Dürrenmatt: Justiz, Diogenes,
Zürich, 1985
Ein Zürcher Kantonsrat erschiesst in einem überfüllten, von Politikern, Wirtschaftskoryphäen und Künstlern besuchten Restaurant der Stadt vor aller Augen einen Germanisten, Professor an der Universität, lässt, zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt, im Gefängnis einen jungen, mittellosen Rechtsanwalt zu sich kommen und erteilt diesem den Auftrag, seinen Fall unter der Annahme neu zu untersuchen, er sei nicht der Mörder gewesen. Der junge Anwalt, der den scheinbar sinnlosen Auftrag annimmt, erkennt zu spät, in welche Falle ihn die Justiz geraten lässt, weil er sie mit der Gerechtigkeit verwechselt. (Klappentext)

ZH: Stadt Zürich, Flughafen Kloten, Strafanstalt Regensdorf

12. Dezember 2019

Die Pendler/Anpassungsversuche

Peter J. Betts: Die Pendler/Anpassungs-
versuche, Zytglogge, Bern, 1975/1978
Die Pendler
«Peter J. Betts hat, vom Zufälligen abstrahierend, das Typische Eigenartige der zu rasch  entstandenen Siedlungen im Umkreis der Städte und die charakteristischen Daseinsformen ihrer Bewohner herausgearbeitet. Er hat sein Beobachtungsmatngsintensiver Bildhaftigkeit komponiert, verschiedene Bewusstseinsebenen dabei über- und ineinanderschiebend, so dass dem Leser immer schärfere, auch immer unbehaglichere Durchblicke geöffnet werden in Existenzen, die kennzeichnend sind für unsere Zeit.» (Kritik «Der Bund» auf Umschlagklappe)

Anpassungsversuche
«Hier wird das innere Zerriebenwerden eines Kindes bzw. Heranwachsenden zwischen den Gegensätzen zweier grundverschiedener Vorbilder zur Darstellung gebracht: Da ist der Vater, der Grosswildjäger, der dem Kleinen den Revolver zum Abknallen der Vögel in die Hand drückt. Da folgt, als er sieben ist, die Verweichlichung durch die Pflegeeltern, eine scheinbare Geborgenheit, die ihn Umstellung, die ihn Anpassung lehrt.» (Kritik «Wiener Zeitung» auf Umschlagklappe)

BE: Jegenstorf, Huttwil und Umgebung

11. Dezember 2019

Unter dem Kissen

Sabine Reber: Unter dem Kissen, Cosmos,
Muri b. Bern, 2006
«So also ist es, wenn man seine Lieben verlässt», dämmert es der Ich-Erzählerin in «Whiteout», wenn sie, den Rucksack geschultert, zum Bahnhof Bern marschiert. Liebe lässt sich weder planen noch berechnen. Wie Schneeblinde sucht sie uns heim, schenkt uns eine Stunde oder sieben Jahre und geht im gleissenden Nichts wieder unter. 

Auf dem Jungfraujoch verliebt sich eine Schweizerin in einen Touristen und sucht mit ihm in einer Eishöhle «Die Wärme des Eises». Una in «Das Mädchen und das Licht» würde ihren ungehobelten Trinker von Mann am liebsten gegen den hübschen Studenten in der irischen Nationalbibliothek tauschen. «Lieber H.» ist an einen Musiker gerichtet, den eine Frau auf der Flucht vor sich selbst um Zuwendung bittet.


Von der Liebe und ihren Schwierigkeiten handeln die elf Erzählungen. Auch wenn die Liebe zwi-chen Vater und Sohn («Vatertag») oder Mutter und Tochter («Engel») gemeint ist oder wenn sich Familiengeschichten zum Krimi («Schneit es in Brasilien?») beziehungsweise zum Lehrstück in Sachen Terrorismus («Pegasus in Omagh») weiten. Aber nicht immer hat der Pessimismus das letzte Wort. Ebenso überzeugend sind die Texte, wenn, wie in der kulinarisch-erotischen Pariser Soirée «Biologiestunden» oder in der elementar-lustvollen Altersliebe «Unter dem Kissen», eine für Schweizer Verhältnisse erstaunlich offene, unprätentiöse, frisch-fröhliche Sinnlichkeit die Oberhand behält.
(Klappentext)

BE: Jungfraubahn, Jungfraujoch, Stadt Bern, Lenk


10. Dezember 2019

Mit Nik National über Stock und Stein – 4

Nik Hartmann: Über Stock und Stein 4, Fona,
Lenzburg, 2012
In den Geschichten vor und hinter der Kamera, die Nik Hartmann und seine treue Wandergefährtin Jabba miteinander erlebt haben, ist die «weise» Hündin der Nation noch einmal ganz präsent.

Auf ihrer Reise entdecken die beiden, wie vielfältig und abwechslungsreich die Landschaft der Schweiz ist. Entlang der Wanderroute trifft Nik auf interessante Menschen und lernt regionale Eigenheiten kennen. Prominente Wandergäste begleiten ihn ein Stück weit und zeigen ihm das Besondere ihrer Heimat.
(Klappentext)

9. Dezember 2019

Der andere Weg

Otto Zinniker: Der andere Weg, Schweizer Druck-
und Verlagshaus, Zürich, 1955
Otto Zinniker lebt in Biel, der Grenzstadt zwischen Deutsch- und Welchschweizertum, und die Vitalität dieser beiden ineinanderfliessenden Elemente, verbunden mit einem tiefen und echten Naturgefühl, das ihn im Ungebändigten der Berge immer wieder bleibende Werte finden lässt, befruchtet den innerlich aufgeschlossenen Schriftsteller und regt ihn zu stets neuem Schaffen an.

Im «Anderen Weg» lässt Zinniker einen Ingenieur erzählen, der am Bau der grossartigsten aller Alpenstrassen, am Sustenpass, mitarbeitet, wobei sich die schöpferische Kraft und Phantasie glücklich mit der Wirklichkeit dieses Strassenbaus verbindet, zu dem sich der Autor von massgeblicher Seite die notwendigen Unterlagen verschafft hat. Doch hier wird nicht nur eine neue Verbindung zwischen zwei Tälern geschaffen, nein, der Held geht einen ungleich schwereren Pfad, in dem er die Wirnisse seines Lebens durchschreitet, bis er sich in tiefster Not auffängt und schliesslich den einen Weg findet, der ihn zum inneren Glück des wahrhaften und einfachen Daseins führt.

Zinniker erzählt uns die Geschichte eines Menschen unserer Zeit und dringt dabei zur Erkenntnis vor, dass das Leben eines jeden von uns nach strenger Gesetzmässigkeit und innerer Notwendigkeit verläuft. Diese Gesetzmässigkeit entwickelt er am Schicksal des Menschen Martin Schoch, für den dieses Wissen auch in der grössten Bedrängnis Trost bedeutet. Und darin liegt der Sinn dieses Romans, der den Leser reich beschenkt. (Klappentext)

BE: Biel, Berner Jura, Bielersee, Twann, Gadmental, Sustenpass, Gadmen, Guttannen, Meiringen, Fussreise: Meiringen–Brünig–Luzern–Entlebuch–Bern–Biel, Himmelrank am Sustenpass, Sanetschpass, Gsteig LU: Fussreise: Meiringen–Brünig–Luzern–Entlebuch–Bern–Biel OW: Fussreise: Meiringen–Brünig–Luzern–Entlebuch–Bern–Biel USA: Manitoba

8. Dezember 2019

Rätselhafter Tod in Zähringen

Handruedi Gehring: Rätselhafter Tod in
Zähringen,
Orte, Zürich, 2001
Nachdem der Psychoanalytiker Josef Weingart durch den Biss einer Schlange im Spital stirbt, muss Marlis Merz den Fall untersuchen. War es ein Unfall? Oder ein Selbstmord? Hatten Dritte die Hand im Spiel? Der Krimi beginnt wie eine klassische Detektivstory im Geiste Sherlock Holmes'. Doch nicht allein, weil die sensible Kommissarin das Opfer gekannt hat, bedrücken ihre Ermittlungen sie; ebenso werden diese zu einem Abstieg in Vergessenes und Verdrängtes der eigenen Vergangenheit. Sie muss erkennen, dass Unheimliches gerade dort lauern kann, wo man Zuflucht sucht, etwa am Stammtisch mit alten Freunden. Was sich hier zuträgt in den verwinkelten Gassen der Zähringer Altstadt, im Seeland und in den Bündner Bergern, wird keine Leserin, kein Leser so bald vergessen. (Klappentext)

BE: Stadt Bern BS: Stadt Basel FR: Murten, Estavayer-le-Lac GE: Puplinge, Cara b. Puplinge, Stadt Genf GR: Poschiavo, Val da Camp JU: Lucelle NE: Neuenburgersee VD: Bière, Grandvaux, Rivaz, Neuenburgersee F: Evian-les-Bains I: Mailand


7. Dezember 2019

Der Zug

Georges Simenon: Der Zug, Diogenes,
Zürich, 1986
Marcel Féron lebt als glücklicher Gatte und Familienvater, bis der Einmarsch der Deutschen ihn aus den französischen Ardennen nach Süden fliehen lässt. Während seine schwangere Frau und seine kleine Tochter erster Klasse reisen dürfen, wird Marcel zusammen mit anderen «Gesunden» in einen der Viehwagen verfrachtet, die unterwegs vom Rest des Zuges abgehängt werden. In seinem Wagen befindet sich auch die schöne Anna, die im letzten Augenblick aus dem Gefängnis von Namur zu ihnen gestossen ist. (Klappentext)

Der Roman wurde 1973 mit Romy Schneider und Jean-Louis Trintignant in den Hauptrollen verfilmt.

6. Dezember 2019

Franz oder Warum Antilopen nebeneinander laufen

Christoph Simon: Franz oder Warum Antilopen
nebeneinander laufen
, Bilgerverlag, Zürich, 2001
In der Hauptrolle: Franz, der ewig bekiffte Gymnasiast, der die Oberstufe lieber bis zum Umfallen wiederholt, als - Gott bewahre - erwachsen zu werden und sich der fürchterlich komplizierten Welt da draussen zu stellen. Mit im Gepäck sein Dachs MC, der ideale beste Freund. In den Nebenrollen: Franz' Kumpel Rambo Riedel, der unvergleichliche und dezent alkoholabhängige Hausmeister Eryilmaz, die Ex-DDR-Lehrerin Doro Apfel - ach, und dann ist da natürlich noch Venezuela, das Mädchen aus der Nachbarschaft, heissblütig, militant und andauerndes Thema aller Tag- und Nachtträume von Franz.

AR: Urnäsch BE: Thun (namentlich Lerchenfeld, Gymnasium Schadau, Regionalspital, Schorenfriedhof, Lauitor, Bushaltestelle Kaserne, Schwäbis, Waisenhausplatz, Bälliz, Burgstrasse, Obermattweg, Bahnhof, Rathausplatz), Oberhofen, Gürbetal, Weissenbach i.S. Müntschemier, Stadt Bern BE/NE/FR/VD: Neuenburgersee  SG: Rorschach, Buchs 

5. Dezember 2019

Mit Nik National über Stock und Stein – 3

Nik Hartmann: Über Stock und Stein 3, Fona,
Lenzburg, 2011
Nik Hartmanns drittes Bild-Tagebuch verrät, was Hund und Mann hinter den Kulissen erleben und was den begegnungsfreudigen Naturburschen bewegt, während die Kamera läuft. Hartmann kann eindeutig genauso gut schreiben wie reden. Am allerbesten aber kann er den Lesern die Augen öffnen für eine erlebenswerte, wunderschöne Schweiz jenseits aller Klischees. Diesmal wandern Nik und Jabba von Appenzell auf die Dufourspitze. Noch nie haben sie so viele Zuschauer vor den Bildschirm gelockt. Die Wanderung des unzertrennlichen Paars und die Geschichten, die ihnen ihre unbekannten und prominenten Weggefährten unterwegs anvertrauen, bewegen die Zuschauer. Oft spielt auch das Schicksal seine Rolle. Ein Stück Schweizer Alltag aus der etwas anderen Perspektive, das Lust macht auf eigene Entdeckungen – und sei es einfach bei der Lektüre dieses erfrischenden Buches!

Nik Hartmann ist ein echter Zuger. Nach ein paar Semestern Jusstudium wurde er Radiomoderator bei Radio24. Seit 1999 ist er einer der Charakter-Moderatoren bei DRS3 und entdeckt für die Sendung «SF bi de Lüt» seit 2007 die Schweiz, unter anderem in der Sendung «Über Stock und Stein». Er lebt mit Jabba, Carla und drei Kindern am Zugersee. Jabba wurde am Fusse des Gubels in der Nähe von Menzingen (ZG) 1999 geworfen. Vater unbekannt – mit grosser Wahrscheinlichkeit ein räudiger Berner Sennenhund. Die Mutter eine lautstarke, kleine Appenzellerin. Die braune Mischlingshündin wandert gern, mag Wurst, Knochen genauso gern wie Äpfel und Sellerie und passt dank ihrer Fellfarbe besten zu jedem Parkettbelag. Jabba ist Single und lebt seit 12 Jahren bei Nik und seiner Familie.

4. Dezember 2019

1197 Tage in DDR-Haft

Matthias Bath: 1197 Tage als Fluchthelfer
in DDR-Haft, Verlag Haus am Checkpoint
Charlie, Berlin, 1987
Im April 1976 versucht der West-Berliner Student Matthias Bath, Ostdeutschen zur Flucht aus der DDR zu verhelfen. Das Fluchthilfeunternehmen scheitert, Matthias Bath wird verhaftet und in die Untersuchungshaft nach Berlin-Hohenschönhausen gebracht. Dort bleibt er mehrere Monate, bis es zum Prozess kommt. Nach 40 Monaten in DDR-Haft wird Bath im Zuge einer Austauschaktion freigelassen. Matthias Baths Hafterlebnisse, aufgeschrieben nach seiner Freilassung aus der DDR-Haft 1979, sind der seltene Bericht eines Menschen aus Westdeutschland, der in den DDR-Strafvollzug geriet. Der Autor schildert die Umstände seiner Verhaftung, Verurteilung und Inhaftierung und bescheibt präzise die Vorgehensweisen der Vernehmer und Vollzugsbeamten. Der Bericht vermittelt zugleich einen Einblick in den Häftlingsalltag, den Zusammenhalt und das Misstrauen zwischen den Gefangenen, die täglichen Schikanen, das Hin- und Hergerissensein zwischen Hoffnung und Verzweiflung. (Klappentext)

3. Dezember 2019

Der Salzpfad

Raynor Winn: Der Salzpfad, Dumont,
Ostfildern, 2019
Raynor und Moth, seit 32 Jahren ein Paar, verlieren durch zwei Schicksalsschläge in kürzester Zeit beinahe alle. Sie geben ihre Farm in Wales auf und machen sich, nur mit dem Allernötigsten ausgerüstet, auf den Weg zu einer rund 1000 Kilometer langen Wanderung auf dem längsten und wildesten Küstenweg Englands, dem South West Coast Path. Von Sommerset über Devon und vornwall nach Dorset, mit einem Budget von nur 50 Euro pro Woche. Bei ihrem Abenteuer, das als spontane – in den Augen ihrer Kinder komplett verrückte – Idee begann, finden sie ungeahnten Reichtum an den überraschendsten Orten; in der morgendlichen Tasse Tee vor dem Zelt, in der Stille der kleinsten Kirche Englands in Culbone, im wilden Heidekraut am Wegesrand, im Flug eines Wanderfalken, beim Schwimmen im Mondlicht und im Salz der Küstenluft, das ihnen zum vertrauten Begleiter wird. Und schliesslich finden sie sogar ein neues Zuhause, dort, wo sie es am wenigsten erwartet hätten. (Klappentext)

Moors Fazit: Die unzertrennlichen Raynor und Moth beweisen nach ihrem doppelten Schicksalsschlag, wie eine Weitwanderung zwei Menschen moralisch, materiell und gesundheitlich über Wasser halten kann. Und wie sich ihre Situation, obdachlos zu sein, buchstäblich im letzten Moment und innert kürzerster Zeit änderte, passt ins Ensemble dieser spannend erzählten Geschichte. 

2. Dezember 2019

Notlandung im Entlebuch

Dominik Brun: Notlandung im Entlebuch,
Benziger, Zürich, 1982
Johannes Schöpfer, Bundesbeamter in Bern, vorsichtig, zuverlässig, etwas gelangweilt, und Hugo Emmenegger, Student, spontan, offen und unbekümmert: Bei der Notlandung eines Militärhelikopters im Entlebuch begegnen sie einander. Eine Begenung, die Unruhe in Schöpfers Leben bringt. Durch Hugo lernt er die unheile Welt der Bauern im Entlebuch kennen, deren Alltag von industriellen Fertigungsmethoden und Erwerbssinn bestimmt wird: Geflügelbatterien, Ferkel und Kälber auf engstem Raun, ein der Natur völlig entfremdetes Leben.

Ein Heimatroman», der nicht in der Heimat gelesen wird, ein Schelmenroman mit ernstem Hintergrund, voller Ironie, Wortwitz und überraschenden Einfällen. (Klappentext)

BE: Stadt Bern GL/SG: Walensee LU: Entlebuch (Dorf), Lustenberg, Rengg

1. Dezember 2019

Svizzero!

Niklaus Bolt: Svizzero!, Friedrich Reinhardt,
Basel, 1913
In diese spannende Erzählung ist das kühne Werk der Jungfraubahn verflochten. Ein kantiger, eigensinniger Junge aus dem Berner Oberland, angezogen durch den rauen Zauber der Arbeit in Fels und Eis des Eigerjochs, gesellt sich zu den italienischen Tunnelarbeitern der Jungfraubahn als fast einziger Schweizer. Er erdulet Hohn und Krankheit, kämpft ritterlich die Verbitterung gegen seine italienischen Kameraden nieder und arbeitet sich zum Vorarbeiter herauf. Etwas von dieser Art ist kaum je geschrieben worden: Alles ist Tat, alle Personen sind Kraftmenschen. (Basler Nachrichten)

Dieses berühmteste Jugendbuch von Niklaus Bolt hat von seiner Frische im Laufe der Jahre nichts eingebüsst, ebensowenig von seiner meisterlichen Darstellung und Vielseitigkeit. Auf dem Büchertisch der Jugend sollte dieses Werk der Tat nicht fehlen. (Neue Helvetische Gesellschaft)

BE: Interlaken, Jungfraubahn, Kleine Scheidegg, Lauterbrunnen, Wengen, Wengernalp, Unterseen SZ: Muotathal, Schwyz TI: Chiasso UR: Altdorf

30. November 2019

Lob der guten Buchhandlung

Mark Forsyth: Lob der guten Buchhandlung,
S. Fischer, Frankfurt/Main, 2015
Was gibt es Schöneres, als unverhofft auf die grosse Liebe zu stossen? Oder auf ungeahnte Lesefreuden?

Über das grosse Glück, das zu finden, wonach man nicht gesucht hat, schreibt Mark Forsyth in seinem charmanten und witzigen Essay, der zugleich eine Liebeserklärung an die gute Buchhandlung ist. Denn nur dort kann man zufällig genau das Buch entdecken, von dem man noch gar nicht wusse, wie sehr man es lieben wird. (Klappentext)

Moors Fazit: 20 vergnüglich-philosophische Leseminuten, die ich hiermit gerne weiterempfehle.

29. November 2019

Liebe in Deutschland

Doris Dörrie: Love in Germany, Diogenes,
Zürich, 1992, (vergriffen)
Liebe, mehr Liebe, noch mehr Liebe! Doris Dörrie geht das Thema dokumentarisch an. Dreizehn Fotos und dreizehn Gespräche über heisse Themen wie Eifersucht, Vertrauen, Fremdgehen, Partnersuche, Nähe, Freiräume glück, Wut, Illusionen und Phantasien … ein Buch zum Lachen und zum Weinen, aber auch ein Buch, in dem man sich wiedererkennen kann. (Klappentext)

Moors Fazit: Das Beruhigende an dieser Lektüre ist, dass es anderen Menschen ebenso geht, wie einem selbst. Was heisst anderen Menschen? Allen Menschen! (Vermutlich.)

28. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 119

Der Weg von einem Tal ins andere, über die Höhen von Grächen, soll reich sein an den schönsten Aussichten und besonders dem Botaniker eine reiche Ausbeute liefern. Es müsste auch für den Mineralogen sehr belohnend sein, auf der Höhe dieses Grates so weit als möglich gegen den Rosa vorzudringen, um da, auf einem der höchsten Durchschnittsprofile der Hauptstreichungslinie der Alpen, ihre Formationen zu untersuchen. Überhaupt bieten alle die nächsten, zugänglichen Umgebungen des Rosagebirges, dem Mineralogen, als Sammler im Kleinen, und dem geognostischen Beobachter im Grossen, eine unerschöpfliche Quelle zu den reichhaltigsten Nachforschungen dar, deren genaueren Resultate sowohl für die Oryktognosie[1], als für die Geognosie[2], wichtige Beiträge und Erweiterungen liefern würden.

Die in vier Tagen gemachte Rückreise von Visp über Leuk, die Gemmi usw. nach Zürich, geschah so schnell und flüchtig, und berührte überdies meistens so allgemein bekannte Gegenden, dass ihre Beschreibung hier weggelassen wird.

[1] Veralteter Begriff für die Mineralogie.
[2] Vorgängerbegriff der Geologie.
Ende des Berichts

27. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 118

Wenn man von den erwähnten sechs überstiegenen Höhen die beiden, der Zentralkette oder dem Hauptgebirgsrücken angehörenden zwei Scheidecken des Moro und Matterhorns abrechnet, so liegen die vier übrigen alle auf der Südseite der Zentralkette und laufen gleichsam strahlenförmig von ihrem höchsten Mittelpunkt, dem Rosagebirge, aus und teilen sich, weiter südlich, in eine Menge kleinere Äste und Zweige, die sich dann endlich in die Ebenen der Lombardei verlieren. Herr von Saussure führt in seiner nicht ganz ringsherum gemachten Tour um dieses Gebirge fünf Gebirgsketten an, die er nur auf der Südseite desselben, also die Höhen der Zentralkette nicht dazu gezählt, habe übersteigen müssen. Die Ursache davon ist, weil er nicht den kleinstmöglichen Zirkel beschrieben, sondern sich mehrere Stunden weiter von dem Mittelpunkt entfernt hat. Auf diese Weise war für ihn diejenige Kette, die wir mittels des Turlopasses zwischen Macugnaga und Alagna auf einmal überstiegen, schon in zwei Äste zerteilt. Auf der Nordseite der Zentralkette läuft ein einziger Gebirgsgrat vom Rosagebirge aus, der aber so hoch und gar nicht in die Länge fortsetzend ist, dass man ihn in kürzerer Zeit umgeht als übersteigt. Es ist jener schon mehr erwähnte Grat, welcher das Niklaustal von dem Saastal trennt und bei Stalden ausläuft. Seine ganze Länge beträgt höchstens sechs Stunden, und die obere, gegen den Rosa hin gelegene Hälfte, ist wegen Höhe, Steilheit und vergletscherter Beschaffenheit, beinahe ganz unzugänglich. Näher gegen Stalden hin aber senkt er sich beträchtlich und trägt auf seinem Rücken schöne Weiden, so wie auch das Dorf Grechen (Grächen), berühmt als Geburtsort des grossen Thomas Platter[1], der hier zuerst Ziegenhirt gewesen war und nachher, als einer der berühmtesten Professoren zur Zeit der Reformation, in Basel einen ausserordentlichen Wirkungskreis hatte.

[1] Thomas Platter wurde 1499 (oder später) in Grächen geboren. Nach einer strengen Kindheit als Ziegenhirt begab sich Platter 12-jährig mit einem Verwandten auf Wanderschaft, u.a. nach Sachsen und Schlesien, und besuchte 1517 in Schlettstadt (Elsass) eine Schule. An der Zürcher Fraumünsterschule lernte er bei Myconius Latein und Griechisch und liess sich zum Seiler ausbilden. Dort traf er Huldrych Zwingli und trat zur Reformation über. Später war Platter in Basel Seilergeselle und Lehrer, nahm 1529 am 1. Kappelerkrieg teil und wirkte als Lehrer in Visp sowie als Arztgehilfe in Pruntrut. 1531 liess er sich erneut in Basel nieder. Er gründete eine eigene Druckerei, in der er u.a. Johannes Calvins «Christianae religionis Institutio» (1536) druckte, arbeitete als Lehrer, war 1544-78 Rektor der Lateinschule auf Burg und betrieb daneben eine Kostgeberei (Pension) für 40 Schüler. Für seinen Sohn Felix verfasste Platter 1572 in kürzester Zeit seine Lebensbeschreibung, voll Sinn für Spannungsmomente und kernigen Ausdruck, die als eine der bedeutendsten Autobiografien des 16. Jh. gilt. Platter starb am 26.1.1582 in Basel.
Fortsetzung folgt

26. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 117

Den 28. Juli früh stiegen wir im engen, bewaldeten Talgrund weiter abwärts und kamen in zwei Stunden nach Stalden, dem Vereinigungspunkt des Saaser- und Nikolaitals, von wo diese vereinten Täler den Namen des Visptals annehmen und sich durch dieses zwei Stunden weiter unten, mit dem Haupttal der Rhone vereinigen. Somit war nun der ganze Zirkel um den mächtigen Gebirgsstock des Rosa herum in sechs Tagen geschlossen, und diese nächstmögliche Tour, um die an Umfang grösste Masse des Alpengebirges, erfordert demnach einen Kreis von sechzig Stunden Weges auf den rauesten, mühsamsten, mit Gefahr verbundenen Fels- und Gletscherpfaden, wobei man sechs hohe Gebirgsrücken übersteigen muss, von denen der niedrigste, der Colle Bettaforca über achttausend Fuss und der höchste, der Matterhornpass oder Matterberg (Col du Montcervin)[1] über zehntausend Fuss absolute Höhe hat.

Es wäre freilich beim Zusammentreffen der günstigsten Umstände nicht nötig gewesen, von der Höhe der Cimes Blanches noch in das Tournenchetal nach Breuil hinunterzusteigen; denn wenn es uns von dort aus gelungen wäre, über den Gletscher zu kommen, so hätten wir die ganze Tour um einen Tag früher, freilich nur mit Ersparung von fünf bis sechs Stunden Umweg, vollendet; aber die Ersteigung der Cimes Blanches wäre dessen ungeachtet unvermeidlich gewesen, und da die damalige Beschaffenheit des Gletscherpasses von hier aus, auch bei der günstigsten Witterung, mit den grössten Gefahren verbunden ist, so nehme ich an, es sei einstweilen für jeden, der nicht sein Leben aufs Spiel setzen will, bei dieser Tour notwendig, nach Breuil hinunterzusteigen und von dort aus den Gletscher auf weniger gefährlichem Pfad und mit zuverlässigen Führern zu passieren.

[1] Heute Theodulpass.
Fortsetzung folgt

25. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 116

Da das enge und tiefe Zermatttal gegen Nordost geöffnet ist, so geniesst es nur in den höchsten Sommermonaten einigen anhaltenden Sonnenschein, im Winter aber an den meisten Stellen gar keinen. Dem Dorf Zermatt wird schon im Herbst nachmittags die Sonne entzogen durch den zwei bis drei Stunden langen Schatten des Matterhorns. An den steilen Talhängen wächst nicht überall mehr Holz; sie sind an vielen Stellen ganz kahl, teils wegen der Verheerungen der Lawinen, teils wegen unvorsichtigen Wegschlagens des Holzes. Von Fruchtbäumen ist im ganzen Tal keine Spur, wenigstens bis weit über St. Niklaus herab. Auch sieht man in diesem grossen, rauen Tal nicht den zehnten Teil der Sommerfrüchtepflanzungen, wie in seinem höchsten Nebental von Saas. Der Weg führt immer am rechtseitigen Talhang hin, bis eine Viertelstunde oberhalb St. Niklaus, wo er sich auf die linke Seite hinüberzieht, auf der auch dieses Hauptdorf liegt, dessen Umfang aber nicht gross ist, und in dem es der wohlgebauten Häuser nur wenige gibt.
Fortsetzung folgt

24. November 2019

Das Café am Rande der Welt

John Strelecky: Das Café am Rande der Welt,
dtv, München, 2007
Ein kleines Café mitten im Nirgendwo wird zum Wendepunkt im Leben von John, einem Werbemanager, der stets in Eile ist. Eigentlich will er nur kurz Rast machen, doch dann entdeckt er auf der Speisekarte neben dem Menü des Tages drei Fragen:

– Warum bist du hier?
– Hast du Angst vor dem Tod?
– Führst du ein erfülltes Leben?

Wie seltsam – doch einmal neugierig geworden, will John mithilfe des Kochs, der Bedienung Casey und eines Gastes dieses Geheimnis ergründen.

Moors Fazit: Endlich ein Buch, das sich auf eine spielerische Art mit der Sinnfrage des persönlichen Lebens auseinandersetzt. Kein philosophisch trockenes Gebrabble, keine hochkomplizierten Sätze, kein psychologisches Herumgetue sondern eine einfach verständliche, handfeste und wirkungsvolle Lektüre.

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 115

Dieses Zermatt- und Niklaustal ist auf beiden Seiten von den höchsten Gebirgen begrenzt, deren oberste vergletscherte Höhen aber vom Talgrund aus nicht sichtbar sind, weil die höchsten Talhänge zu nahe und zu steil sich emporheben, und, wie gewöhnlich bei diesen regelmässig eingeschnittenen, tiefen Tälern, über der Holzregion eine Verflachung der Talhänge zu beiden Seiten stattfindet, deren immer schwächer werdende Vegetationsbedeckung sich allmählich an die steilen, kahlen, dann bald mit ewigem Schnee und Eis bedeckten Felswände hinan zieht. Die näheren Erklärungen der Ursachen dieser häufig in den Alpen anzutreffenden Talform werde ich später, bei der Beschreibung des Kalfeusertales (Calfeiesntal), aus der Bildung der Täler durch Verwitterung und Auswaschung, etwas weitläufiger zu entwickeln suchen.
Fortsetzung folgt

23. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 114

Das ganze, vier Stunden lange Tal von Zermatt bis St. Niklaus ist ziemlich eng, so dass die weitesten Stellen des Talgrundes keine Viertelstunde breit sind. Diese Beschaffenheit, die ganz mit der Bildung der Täler durch Auswaschungen in Verbindung steht, rührt daher, weil sich in dieser ganzen Strecke kein beträchtliches Seitental gegen den Talgrund herabzieht. Man kann, und dies gibt vielen Aufschluss über die Talbildungen, als Grundsatz aufstellen, dass jedes gerade verlaufende Gebirgstal, in welches sich kein Nebental ausmündet, und dessen beide Flanken mit starker Vegetation, also mit Waldungen, bekleidet sind, auch gleichförmig eng und tief eingeschnitten ist; dass hingegen allemal der Mündung eines Talzweiges gegenüber eine, im Verhältnis zu der Grösse dieses letzteren stehende Erweiterung des Talgrundes sich zeigen wird. Auch werden die Talhänge zurückweichen und der Talgrund sich erweitern und verflachen, wo erstere seit Langem her nur mit schwacher Vegetation, z.B. Rasen oder noch mehr, wo sie gar nicht bedeckt sind, sondern ganz nackt und kahl den Einflüssen der wegfressenden Verwitterung blossgestellt liegen.
Fortsetzung folgt

22. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 113

Eine kleine Stunde unterhalb von Randa kommt man durch das Dörfchen Herberig (Herbriggen), wo man allenfalls beim Herrn Pfarrer ein Nachtlager findet. Da aber das Äussere nicht sehr einladend war, legten wir, ungeachtet der Müdigkeit und eingetretener Dämmerung, noch die starke Wegstunde bis in das Hauptdorf des Tals, nach St. Niklaus, zurück und fanden da ebenfalls bei dem Herrn Pfarrer ein gutes Nachtquartier. Auf dieser letzten Strecke Weges rollte der hoch und trüb angeschwollene Vispachstrom (Mattervispa), in seinem reissend schnellen Lauf, mit donnerndem Getöse, sehr grosse Felsblöcke mit sich fort und drohte an mehreren Stellen, seine Ufer zu verschlingen. Man kann sich, ohne Augenzeuge gewesen zu sein, keinen Begriff machen von der Gewalt eines solchen dicktrüben Stromes mit so starkem Fall, dessen Masse, wegen der darin aufgelösten Erd- und Steinarten vielleicht die doppelte Schwere des klaren Wassers hat. Nach kurzer Betrachtung der auswühlenden und den härtesten Fels allmählich durchfressenden Wirkung solcher Ströme, überzeugt man sich besser, als nach langer Durchlesung ganzer Bände voll der sonderbarsten Hypothesen über Berg- und Talbildungen, dass auf dem ganz natürlichen Weg eben dieser, noch täglich stattfindenden Auswaschungen während vieler Jahrtausenden das grösste Tal gebildet worden sein kann. Und wenn die Talbildung auf solche Art einleuchtend erwiesen ist, so sind die Berge, als Überreste dieser Wirkungen, von selbst stehen geblieben, ohne dass man sie erst noch, gleich dem steinernen Gast, aus der Tiefe des Erdbodens oder gar des Meeres herauf sich erheben lassen muss. Auch die zahlreichen, überall den grossen Alpentälern, aus denen ihr Ursprung nachzuweisen ist, gegenüberliegenden Alpenfelsblöcke kamen, auf ganz natürlichem und begreiflichem Weg an ihre jetzigen Stellen. Man denke sich bei ihrer Hinflutung vor Jahrtausenden die zwischenliegenden Täler noch nicht so tief wie jetzt ausgewaschen und nehme den leicht erweislichen Satz an, dass zu jener Zeit weit grössere und nicht in so viele tausend Rinnen, wie jetzt, zerteilte und dadurch in ihrer Kraft geschwächte, sondern einzelne wenige, aber desto kräftigere Ströme, von den hohen Alpen gegen die weit niedrigeren Rücken des Jura hin sich gestürzt haben: Wie, und es hätte ihnen, bei einer durch Schlamm und Sand doppelt schweren Masse der Flüssigkeit und einem ausserordentlich starken Fall, nicht ein Leichtes sein müssen, den nur noch um einen Drittel schwereren Felsblock an die Stelle hin zu bewegen, an der wir ihn nur so lange als ein Rätsel anstaunen, bis wir uns durch eigene Anschauung von denjenigen Kräften der Natur überzeugt haben, die allein im Stande sind, solche Rätsel auf ganz einfache und klar einleuchtende Art zu lösen!
Fortsetzung folgt

Mit Nik National über Stock und Stein – 2

Nik Hartmann: Über Stock und Stein 2, Fona,
Lenzburg, 2010
Und weiter geht's! - Diesmal von Nordwest nach Südost. Nik Hartmann und Hündin Jabba pilgern durch die Schweizer Alltagsgegenden. Das Schöne daran ist, dass sie durch die Augen des kommunikationsfreudigen Radio- und Fernsehmannes ihren Reiz enthüllen, den man normalerweise gestresst oder gedanklich abwesend kaum wahrnimmt. Nik Hartmanns Tagebuch-Kommentare kommen gewohnt leichtfüssig, scharfzüngig und witzig daher. Ungewohnt ist immer wieder der Tiefgang des genauen Beobachters, die Poesie des emotional bewegten, staunenden Medienmachers. Einmal mehr: Entdeckenswert! Mit Wanderrouten, Kartenausschnitten, Adressen und Schweizer Kochrezepten. (Klappentext)

21. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 112

Oberhalb und unterhalb dieses Dorfes Randa hatten wir mit Mühe und Gefahr einige hoch angeschwollene Gletscherwasser, die von der rechten Talseite herunterstürzten, zu passieren. Sie waren durch einen warmen Gewitterregen der letzten Nacht so angewachsen, dass sie alle Stege und Brücken fortgerissen und den Weg beinahe ganz unbrauchbar gemacht hatten. Wir mussten daher auf einzelnen hinübergelegten Latten balancierend diese reissenden Ströme passieren und kamen auf diese Weise glücklich über drei derselben.
Fortsetzung folgt

20. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 111

In einer Stunde kommt man durch das kleine Dörfchen Tesch (Täsch), und von da in einer kleinen Stunde nach Randa, auf einer anmutigen, grünen Erweiterung und Erhöhung des Talgrundes gelegen. Hier war es, wo 1820[1] um Weihnachten vom gegenüberliegenden, steilen Gebirgsabhang herunter eine Gletschermasse stürzte, welche ungeachtet des dazwischenliegenden breiten Talgrundes und der erhöhten Lage des Dorfes, dennoch zwanzig Häuser desselben zu Grunde richtete, teils durch den verursachten, gewaltigen Luftdruck, teils aber auch durch wirkliche Verschüttung von hinübergeschleuderten Eis- und Felsmassen. Die Ursache zu diesem Sturz bestand wahrscheinlich darin, dass vom äusserst hoch und steil gegenüberliegenden Gletscher des Weisshorns ein Teil seiner felsigen Unterlage sich losriss und mitsamt der darauf ruhenden Eismasse plötzlich ins Tal herabstürzte. Nach den Aussagen mehrerer, über diese Begebenheit befragten Augenzeugen soll, vom Dorf aus betrachtet, die Stelle am Gletscher, welche diese für das Tal so verderbliche Masse herab geschleudert hat, für das Auge nur kaum bemerkbar gewesen sein. Daraus kann man sich einen Begriff machen von der unglaublichen Höhe dieser drohenden Fels- und Eistürme.

[1] Hier irrt der Autor, der Gletscherabbruch fand am 27.12.1819 statt und zerstörte 113 Gebäude und tötete 2 Menschen.
Fortsetzung folgt

19. November 2019

Kein Schritt umsonst

Philipp Fuge: Kein Schritt umsonst, Books on Demand,
Norderstedt, 2018
Zu Fuss von Berlin zum Nordkap, 3325 km in 150 Tagen. Anfangs ist das nur eine spinnerte Idee, aber sie lässt Philipp Fuge nicht mehr los. Ohne so recht an sich zu glauben, fängt er an zu planen und zu organisieren – Auszeit auf der Arbeit, nächtelanges Brüten über Landkarten, das Reisebudget zusammensparen und vieles mehr. Am 13. März 2016 ist es endlich so weit. Bei frostigem Vorfrühlingswetter bricht er auf, mit 25 kg auf dem Rücken. Schon kurz hinter Berlin kommen die ersten Zweifel – Kälte, Hunger, Erschöpfung, Einsamkeit. Doch Schritt für Schritt wird er sich seiner Sache sicherer. Ob Sonne, Regen, Sturm, Nebel, Hagel oder Gewitter, Morgen für Morgen schultert er den Rucksack und geht weiter zum nächsten Schlafplatz – meistens das eigene Zelt, hin und wieder ein Unterstand oder eine kleine Hütte, selten mal ein Hostel und in klaren Nächten direkt unterm Sternenhimmel. Ein Leben nur mit dem Allernötigsten und ganz langsam. Oft ist er selbst erstaunt, dass ihm nichts fehlt. Im Gegenteil, er fühlt sich unendlich reich. Er nimmt uns mit auf eine Reise voller farbenprächtiger Sonnenuntergänge, tiefblauer Seen, rauschender Wälder, karger Hochebenen und schroffer Gebirgslandschaft. Er kraxelt über Blockfelder, schlägt sich mit Heerscharen von Mücken herum, überquert eiskalte Flüsse und wandert durch tiefen Schnee. Mit jedem Tag fühlt er sich draussen in der Natur ein bisschen mehr zu Hause. Er schildert sein demütiges Staunen angesichts der Herrlichkeit der Schöpfung. Doch er schwärmt nicht nur, er kritisiert auch – sich selbst und uns alle für unseren energiehungrigen, profitorientierten und zerstörerischen Lebensstil, mit dem wir uns und künftigen Generationen ein Überleben auf diesem Planeten immer schwerer machen. Wiederholt kommt er auf die vielfältigen und verworrenen Probleme unserer Zeit zu sprechen, nicht schulmeisterlich, sondern selbst ratlos. Aber eines hat er gelernt auf seiner Reise: Nicht den Mut verlieren, denn jeder Schritt zählt! (Inhaltsangabe zum Buch)

Moors Fazit: Philipp Fuges Bericht lässt einem vom ersten bis zum letzten Satz nicht mehr los. So unermüdlich wie Fuge die unglaublich lange Strecke von 3325 Kilometern bewältigt hat, so unermüdlich schreibt er über jeden Tag seines Abenteuers. Die bildhafte Sprache des 35-jährigen Arztes aus Berlin kommt ohne grosse Effekthascherei aus. Und genau dies macht den Text stark. Fuge ist kein Mann der lauten Worte, dennoch hat er einiges zu sagen, das uns zum Nachdenken und Handeln anregen sollte, ja muss. Seine jeweils kurzen Einschübe über das Wesen und Wirken des Menschen auf unserem Planeten sind glaubhaft und nachvollziehbar. Hier ist einer Zugange, der es ernst meint und auch danach handelt. Hinzu kommt die wirklich phänomenale Leistung, lückenloss zu Fuss – die Fährfahrt nach Schweden ausgenommen – und mit allem, was ein campender Nordlandwanderer zum Leben und Überleben benötigt, von Berlin durch ganz Schweden, einen kleinen Teil Finnlands und die schier endlose Weite von Norwegens Norden zu gehen. Chapeau! Und was mir ganz am Ende seiner Wanderung besonders gut gefallen hat: Der Mann war sich nicht zu schade, nebst dem «falschen» Nordkap auch noch das echte zu erwandern: die Landzunge mit dem zungenbrechenden Namen Knivskjelloden.