31. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 31

Erst nachdem wir eine Viertelstunde weit dem Gletscherrand nachgegangen waren, erschien wieder, mehrere hundert Fuss tief rechts zu unseren Füssen, die Fortsetzung des Talgrundes. Sie bestand in einem nicht unbeträchtlichen See, dem sogenannten Saasersee, dessen Gewässer unter einem Eisgewölbe hindurch ihren Abfluss haben. Aber nicht sein ganzes, wohl eine halbe Stunde langes und eine Viertelstunde breites Becken ist mit Wasser angefüllt, sondern nur die untere Hälfte desselben. Die obere Hälfte dagegen liegt voll weisslich grauem Sand- und Steingeröll, welches teils von den nahen, kahlen Anhöhen hergeschwemmt, teils vom Gletschereis hergetragen ist, und wovon höchstwahrscheinlich mit der Zeit das ganze Seebecken wird angefüllt werden. Die obere Einfassung dieses Seebeckens wird wie die untere, von einem Gletscherarm gebildet, der aber jetzt gerade bedeutend im Abnehmen begriffen war und sich an die linke Talseite zurückzog. Ganz unrichtig ist in allen Landkarten der Weg neben diesem See vorbei auf der Westseite desselben hinführend verzeichnet, wo doch wegen der gewaltigen Gletscherarme, die auf dieser Seite bis in den Grund des Tals herabstarren, niemals ein Weg möglich gewesen wäre; während hingegen auf der Ostseite des Sees, bis weit über die Distelalp hinaus, kein Gletscher dem Tal sich nähert. Die anstehende Gebirgsart östlich neben dem Saasersee ist nördlich ein gesenkter Gneis mit Granaten; es liegen aber auch grosse Massen von Serpentin herum, die wahrscheinlich mächtige Lager im Gneis oder auch eine besondere Auflagerung auf demselben bilden.
Fortsetzung folgt

30. August 2019

Vom Glück des Wanderns

Albert Kitzler: Vom Glück des Wanderns,
Droemer, München, 2019
Wandern ist die beliebteste Freizeitaktivität in Deutschland, Österreich und der Schweiz – einer der erfolgreichsten deutschen Philosophie-Coaches verknüpft diese Liebe zur Natur erstmals mit dem Trend-Thema Sinnsuche und Philosophie.

Wandern bedeutet: Dem Alltag entfliehen, Abstand gewinnen, Natur erleben, Seele und Körper stärken und damit die Gesundheit fördern. Doch Wandern ist mehr als das, sagt der Philosoph Albert Kitzler. Wandern ist ein Spiegelbild des Lebens – es geht ums Aufbrechen und Loslassen, und Anstiege und Abstiege, um Durststrecken und das erhebende Gefühl, ein Ziel zu erreichen. Damit besitzt das Wandern eine natürliche Verbindung zur Philosophie.


«Wenn wir wandern und uns den eigenen Gedanken hingeben, beginnen wir, über uns selbst nachzudenken, über unsere Lebenssituation, unser Verhältnis zu anderen Menschen, über Dinge, die uns belasten oder viel Freude bereiten. Das ist der Anfang aller Philosophie», sagt Albert Kitzler, der das Wandern jeder anderen Freizeit-Beschäftigung vorzieht.


Albert Kitzler verbindet in diesem Sachbuch die Sehnsucht nach Natur mit der Suche nach dem Sinn des Lebens ebenso unterhaltsam wie anregend. Er lädt ein zum Nachdenken über das Wandern und das Leben und erschließt dabei die stille Kraft, die beidem innewohnt – und natürlich kommen dabei jede Menge Philosophen aus allen Epochen der Geistesgeschichte zu Wort.
(Inhaltsangabe zum Buch)

Moors Fazit: Wäre das Wandern so kompliziert wie die Philosophie, ich hätte mich längst dem Dolce far niente hingegeben.

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 30

Am 23. Juli, früh vor Tagesanbruch, wurden wir von unserem Heulager aufgeweckt, durch den Lärm vorüberziehender Herden und Hirten, die von Saas aus nach der obersten, gegen den Montemoro hin gelegenen Alp Distel, sich begaben. Sobald der Tag angebrochen war, machten wir uns auf denselben Weg und erreichten, an der rechten Seite talaufwärts wandernd, in drei Viertelstunden die Stelle, wo von der linken Talwand herunter ein mächtiger Gletscherarm[1] ganz in das Tal herab sich senkt, dasselbe mehrere hundert Fuss tief ausfüllt, und quer hindurch als ein mächtiger Eisdamm versperrt. Diese Eismasse ist besonders seit den letzten paar Jahren und jetzt noch, nämlich von 1819 bis 1822, so stark im Anwachsen, dass sie die Fortsetzung des ziemlich breiten, im Tal verlaufenden Weges tief unter sich vergraben hat. Ein zweiter, in Folge dessen dann höher an dem Gletscherrand herumgeführter Weg hatte das gleiche Schicksal. So sahen wir drei bis vier solche, von den letzten Jahren herrührende Wege, welche sich tief unter die Gletschermasse verlieren, und erst vor nur noch wenigen Tagen hatten die Talbewohner statt des letztjährigen, wieder von dem Eis verschlungenen Weges, einen neuen hergestellt, um nur ihr Vieh wieder auf die Alpen treiben zu können. Von diesem, besonders in den letzten warmen Jahren stattgefundenen, ausserordentlichen Anwachsen gewisser Gletscherausflüsse oder Arme und von den Ursachen dieser Erscheinung wird bei einem anderen Anlass, in der Folge dieser Reise, etwas ausführlicher die Rede sein.

[1] Die Rede ist vom Allalingletscher.
Fortsetzung folgt

29. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 29

Aus dem Hintergrund dieses Tals führen mehrere hohe Gebirgspässe nach verschiedenen Seiten. Von Saas aus geht man, über den rechtsseitigen Talhang hin ansteigend, nach dem Hospiz am Simplon. Neben dem Montemoro, auf der östlichen Seite, vorbei führt, über einen ungefährlichen Gletscher, ein Pass[1] nach dem Antronatal und durch dieses nach Domodossola. Durch das früher erwähnte Feetal soll ein Pass über sehr hohe Fels- und Eisgräte nach Zermatt hinüber führen, der aber nicht mehr gebraucht wird, weil es mit weniger Mühe und Gefahr verbunden ist, durch das Saastal hinab und das Niklaustal hinauf, nach Zermatt zu kommen. An den ziemlich neugierigen Bewohnern von Saas war uns auffallend, dass sie uns durchaus nicht für Schweizer, sondern für Handelsleute aus Gressoney, einem jenseits des Monterosa liegenden Dorf im Piemont, halten wollten, da wir mit diesen Handelsleuten, ihrer Versicherung nach, in Sprache, Kleidung und feinen Manieren, grosse Ähnlichkeit haben. Wir sprachen nämlich meistens gut Deutsch untereinander; und da aus Gressoney, wo man noch Deutsch spricht, wirklich einige Handelsleute in Deutschen Städten angesiedelt sind, die jährlich ihre Heimat, durch dieses oder das Zermatttal gehend besuchen, so lässt sich der Schluss dieser guten Leute leicht erklären.

[1] Antronapass oder Passo di Saas (2837 m). Vom Furggengletscher, den man damals noch zu traversieren hatte, ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts praktisch nichts mehr vorhanden.
Fortsetzung folgt

28. August 2019

Zu Fuss als Ehepaar nach Jerusalem

Hanspeter + Annemarie Obrist: Zu Fuss als
Ehepaar nach Jerusalem,
obrist-impulse,
Arlesheim, 2013
Annemarie und Hanspeter Obrist, damals beide 45 Jahre alt, starteten im August 2010 mit Zelt und Rucksack in Basel. Nach dem Gotthardpass ging es weiter Richtung Italien, Kroatien, bis Albanien, über Griechenland, die Türkei und Zypern nach Israel. Fast elf Monate waren sie unterwegs und erreichten ihr Ziel, den Ölberg in Jerusalem, im Juli 2011. Die Autoren schildern eindrücklich ihre Erfahrungen und Begegnungen auf dem Weg nach Jerusalem, berichten von Strapazen und Führungen, von Ängsten und Freuden.

Moors Fazit: Wer sich für lange Pilgerwanderungen und biblisch bedeutsame Orte entlang der Route interessiert, liegt mit diesem Bericht richtig. Einzig das Thema Israel und Palästina ist für meinen Geschmack zu einseitig behandelt worden. Schade hat die christliche Sichtweise der Autoren nicht mehr Worte für die «andere Seite übrig», denn es gäbe einiges darüber zu schreiben.

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 28

Im breiten, flachen Talgrund von Saas findet man Geschiebe und Bruchstücke verschiedener schöner und seltener Felsarten, namentlich eines sehr festen, weissen, dichten Feldspatgesteins, Jade, das viel sogenannten Smaragdit von apfel- und zeisiggrüner Farbe eingesprengt enthält; eine Felsart, welche neulich den Namen Gabbro erhalten hat. Merkwürdig ist es, dass diese schöne Felsart, die ich vergebens als anstehend suchte, ungeachtet ihrer ausserordentlichen Festigkeit, die kaum erlaubt, ein rechtes Stück davon abzuschlagen, doch nur als sehr stark abgerundete Geschiebe von ein bis zehn Kubikfuss Grösse sich findet; und zwar hier, ganz nahe am Kamm der Zentralalpenkette, wo diese Geschiebe nicht vier Stunden weit gerollt sein können. Diese Erscheinung führte mich zuerst auf den Gedanken, ob dies nicht etwa nur noch einzelne Überreste einer zertrümmerten, gar nicht mehr anstehend zu findenden Felsart sein möchten? Aber diese, nicht ganz wahrscheinliche Vermutung aufzustellen, ist einerseits das umliegende Gebirge noch viel zu wenig untersucht, und andererseits lässt sich mit mehr Wahrscheinlichkeit schliessen, dass diese Gabbrogeschiebe, ursprünglich im zwei Stunden weiter oben am Saasersee anstehenden Serpentingebirge in Nestern und eingelagerten Verhärtungen vorkommen, wo sie, in Folge der angeführten Lagerstätte, schon ursprünglich eine mehr und minder abgerundete Form haben. Eine andere, auch in Geschieben hier sich findende Felsart besteht in einem grünen, dichten Feldspatgestein, das porphyrartig mit eingesprengtem Granat und Glimmer vermengt ist und dessen anstehenden Fundort ich auch nicht entdecken konnte. Neben diesen fanden sich noch andere, schöne Hornblende-Gesteinsarten, und zuhinterst im bewohnten Teil des Tals bei Zurmeiggern ist ein sehr schwer zerspringbarer Gneis anstehend, der viel talkigen Glimmer enthält.
Fortsetzung folgt

27. August 2019

Der Sandmaler

Henning Mankell: Der Sandmaler, Zsolnay,
Wien, 2017
Stefan und Elisabeth treffen sich auf dem Flug nach Afrika kurz nach dem Abitur wieder. Gegen Ende der Schulzeit hatten sie eine flüchtige Beziehung. Während Stefan das Strandleben geniesst, will Elisabeth das fremde Land in Afrika verstehen. Sie freundet sich mit einem Lehrer an, der ihr die historischen Hintergründe erklärt, und der einheimische Guide Ndou führt sie durch die ärmsten Viertel. Elisabeth lernt, die Welt und ihr eigenes Leben mit anderen Augen zu sehen. Bereits in Mankells erstem Afrika-Roman sind seine späteren grossen Themen versammelt: die Schönheit der Natur, die Überlebenskunst der Einheimischen, die Gedankenlosigkeit der weißen Touristen und die Nachwirkungen des Kolonialismus. (Klappentext)

Moors Fazit: Dieser Roman erschien 1972, sieben Jahre nach der Unabhängigkeit Gambias von Grossbritannien. Dass die Geschichte 45 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung wieder neu verlegt wurde, mag ein weiteres Zeugnis dafür sein, wie wenig sich bis heute das afrikanisch-europäische Verhältnis verändert hat. Leider geht in heutiger Zeit der geschichtliche Hintergrund zu oft vergessen, weshalb es derart viele Afrikaner in den Norden zieht. Und Millionen weiterer Afrikaner hätten Gründe genug, nach Europa oder Nordamerika zu flüchten, um ihrer Misere zu entfliehen, die wir letztlich dem kolonialistischen Gebaren gewisser westlicher Staaten und dem daraus resultierenden Machtgehabe Afrikanischer Potentaten zu verdanken haben. Henning Mankell schafft es, in seiner einfachen und dennoch literarisch treffenden Sprache darzustellen, mit welcher Arroganz die westliche Welt indigenen Völkern anderer Kontinente mitunter begegnet.

S: Landskrona, Stockholm, Limhamn DK: Kastrup b. Kopenhagen E: Teneriffa Gambia: Banjul und Umgebung

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 27

Der Vetter unseres Wirtes, Franz Zurbrücken, ein kräftiger Mann von 56 Jahren, war uns, als mit diesem bekannt, empfohlen, und nach einem kurzen, befriedigenden Examen, warben wir denselben mit 25 Batzen täglicher Besoldung und freier Verpflegung auf so lange, bis wir glaubten, ihn gebrauchen zu können. Er sprach auch das piemontesische Patois, was uns nicht unwichtig war. Nachdem wir uns mit dem nötigen Mundvorrat für die morgige, acht bis zehn Stunden lange Reise über den Montemoro versehen hatten, begaben wir uns noch anderthalb Stunden weit talaufwärts in das oberste Sommerdörfchen Zermeiggern, wo wir auf dem Heuboden eines gastfreundlichen Bauern, Peter Joseph Imseng, übernachteten.
Fortsetzung folgt

26. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 26

Beim sogenannten Castellan oder Gemeindeammann Zurbrücken wurden wir ordentlich bewirtet und, was uns noch wichtiger war, wegen eines von jetzt an uns unentbehrlichen Führers beraten; denn diese sind hier so leicht nicht zu finden, wie man glauben sollte. Einige wenige nämlich, die sich von selbst nur zu gerne aufdringen wollen, sind meistens Müssiggänger und ehemalige Schmuggler von zweideutigem, oft sehr heuchlerischem Charakter, mit denen man grosse Gefahr laufen könnte und vor denen man sich sorgfältig hüten muss. Auch unter den übrigen aber fand sich kein einziger Mann im ganzen Tal, der, wie wir wünschten, die ganze Tour um den Monterosa herum und über den Matterhornpass ins Wallis zurück gekannt hätte. Selbst die ersten Führer und Träger kannten von dieser Tour nichts weiter als den Montemoropass nach Macugnaga und denjenigen über den Turlo nach Alagna.
Fortsetzung folgt

25. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 25

Gegen Saas hin, sobald der starke Holzwuchs abnimmt, erweitert sich das Tal bedeutend; die Fruchtbäume sind ganz verschwunden, die Waldbäume seltener geworden, und man befindet sich in einem hohen Alpental, das mit schönen Wiesen und wenigen Sommerfrüchten bedeckt ist. Unterhalb Saas, an dem linksseitigen Talhang, bemerkt man den ersten, beinahe in den Talgrund herabstarrenden Gletscherarm, der seinen Namen von dem, unterhalb desselben liegenden kleinen Dörfchen Bider(matten) trägt. Etwas weiter oberhalb dieser Stelle, nahe neben dem Dorf Saas, öffnet sich an der linken Talseite ein Nebental, Fee genannt, von dem man aber von Saas aus nichts weiter sieht, als den grossen Kranz von Gletschern, die seinen Hintergrund einschliessen. In diesem hohen Feetal soll der vierte Teil der Bevölkerung der Talgemeinde von Saas Sommer und Winter hindurch leben.

24. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 24

Beinahe noch mehr als die mühevolle Bepflanzung, ist die künstliche Bewässerung dieser von Natur kahlen und dürren Gebirgshänge zu bewundern. Zu diesem Zweck nämlich sind Wasserleitungen angelegt, die viele Stunden weit reichen und das hoch im Tal gefasste, trübe Wasser des Talstroms in fast horizontaler Lage an beiden Abhängen hinleiten. Sie sind mit grosser Mühe durch Felsen, Schutthalden, in tief eingeschnittene Schluchten hinein und wieder heraus, öfters auch über Abgründe hin, in hölzernen, auf Gerüsten ruhenden Leitungen sehr erfinderisch und doch einfach fortgeführt, so dass sie nach mehreren Stunden des Weges, zwischen sich und dem stark fallenden Talstrom einen Abhang von tausend bis zweitausend Fuss senkrechter Höhe zu bewässern und zu befruchten im Stande sind. Ohne diese vortreffliche Einrichtung könnte die Gegend gar nicht so bevölkert und bebaut sein. Man kann sich aber leicht denken, wie mühevoll und kostspielig der Unterhalt dieser Leitungen sein muss; da sie nur zu oft der verheerenden Wirkung der Wassergüsse, Bergschlipfe, Lawinen und dergleichen mehr ausgesetzt sind, so dass oft grosse Strecken davon fortgerissen und vernichtet werden, die als erstes Geschäft alle Frühjahre von der ganzen Talbewohnerschaft wieder hergestellt werden müssen, ehe irgendein anderes Geschäft des Landbaus beginnen darf. In Betracht all dieser mühevollen Anlagen und Bepflanzungen kann man nicht anders, als mit Achtung und Bewunderung der Bewohner diese Gegenden zu durchwandern; besonders wenn man noch bedenkt, dass diese Anstrengungen alle geschehen, nur um in den langen Wintern, wo sie oft mehrere Monate nacheinander eingeschneit und in ihre Häuser verbannt sind, ihr kümmerliches Leben zu fristen.[1]

[1] Veranlasst durch diese Wasserleitungen, in der Landessprache Kengel genannt, die man nirgends so zahlreich und so vollkommen, wie in den grossen Seitentälern des Wallis findet, muss ich, auf spätere Erfahrungen gegründet, jeden Reisenden davor warnen, solche nicht etwa, wie es zuweilen zur Abkürzung des Weges von Führern oder Wegweisern beliebt wird, als Fussweg zu gebrauchen; denn dieses sind die halsbrechendsten Steige, die man sich denken kann.

23. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 23

Auf dem ganzen, vier Stunden langen Weg von Stalden bis Saas, trifft man kein Dorf an, wohl aber einzelne Häusergruppen mit Kapellen. Eine solche Gruppe liegt anderthalb Stunden oberhalb Stalden und heisst zur Schmidten (Zer Schmieden/Eisten). In gleicher Entfernung weiter aufwärts, am rechtsseitigen Talhang, liegt eine ähnliche, im Ballen (Saas-Balen) genannt. Ungeachtet der rauen, felsigen, äusserst steilen Beschaffenheit der beidseitigen Talhänge sind sie doch überall, wo keine Waldung ist und nur wenig Erde die Felsen deckt, mit ausserordentlichem Fleiss bebaut. Ja man erblickt zuweilen im Talgrund einzelne grosse, von den Höhen heruntergerollte Felsstücke, deren Oberfläche mühsam mit Erde und Schlamm aus dem nahen Talstrom belegt worden ist, um auch das geringste Plätzchen zur Bepflanzung zu gewinnen, und bis hoch in die Gebirge hinauf bemerkt man eine Menge, mehr hängender als liegender Plätze, die mit Korn, Gerste, Erdäpfeln und Fruchtbäumen bepflanzt sind.
Fortsetzung folgt

22. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 22

Bald nachdem man diese Brücke passiert hat, bei einigen kleinen Scheunen, kommt eine Stelle, wo man leicht einen falschen Weg einschlägt, wie es auch uns begegnete; obschon uns ein wohlmeinender Mann in Stalden darauf aufmerksam gemacht hatte. Er bezeichnete uns nämlich die verirrliche Stelle als bei der Steinbrugg, (Steinbrücke) sich befindend, was wir aber missverstanden, als ob er gesagt hätte: bei dem Steinbruch. So eilten wir denn auf schönem breitem Irrweg eine halbe Stunde steil hinan, immer vergebens den Steinbruch suchend, bis wir hoch am Berghang bemerkten, dass wir immer mehr gegen das Niklaustal hinkamen und in einem einzeln stehenden Haus nachfragend endlich erfuhren, dass wir ganz irre gegangen seien und wieder bis an die tief unter uns liegende steinerne Brücke zurückkehren müssen, um dort den hinter jenen kleinen Scheunen sich verbergenden Saumweg nach Saas aufzusuchen, in welchem man dann freilich, wenn man ihn gefunden hat, nicht mehr irre gehen kann. Dieser Weg führt an dem steilen, linksseitigen Talhang, durch lichte Lärchenwälder nur wenig ansteigend, talaufwärts, indem man meistens den tief in den engen Talgrund eingeschnittenen Strom mehrere hundert Fuss tief unter sich hat.
Fortsetzung folgt

21. August 2019

Nacktwanderer über dem Ofenloch

Letzten Sonntag war es also soweit: Auf dem Südwestgrat des Spicher kam mir, hoch über dem Ofenloch und somit dem Quellgebiet des schönen Necker, ein Nacktwanderer entgegen. Mein erster Gedanke: Nacktwandern ist doch per Gesetz verboten, zumindest im Innerrhodischen. Okay, ich war auf Ausserrhoder Territorium unterwegs. Aber hey, haben die Ausserrhödler in dieser Frage nicht auch nachgezogen?



Zu Hause googelte ich nach und fand im ausserrhodischen Strafrechtsgesetz den Artikel 19 über «Unanständiges Benehmen: Wer sich in angetrunkenem oder berauschtem Zustand öffentlich ungebührlich aufführt, wer in anderer Weise öffentlich Sitte und Anstand grob verletzt, wird mit Busse bestraft.»

Was nun? Liegt hier über den senkrechten Flühen einer Rinderalp ein Strafatbestand vor oder nicht? Grundsätzlich ja, wie in einem Bundesgerichtsurteil vom 17.11.2011 zu entnehmen ist. Damals ging es um einen Nacktwanderer, der in der Nähe von Herisau an einer Familie mit Kindern vorbeikam, weshalb die Mutter in der Folge Strafanzeige erstattete. Das Kantonsgericht AR hiess die Anzeige gut und legte dem Blüttler eine Busse von 100 Franken auf. Schliesslich zog er mit dem Urteil weiter nach Lausanne, wo er unterlag.

Egal wie dieses Urteil ausgefallen wäre, ich bin der Meinung, derartige Leute, die sich in der Öffentlichkeit auf diese Art und Weise produzieren, sind schlicht und ergreifend Egoisten. Und ich bin beileibe nicht prüde.

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 21

Der Saumweg nach beiden Tälern von Saas und Zermatt trennt sich im Dorf Stalden selbst; nicht so der Talstrom, der sich erst eine Viertelstunde höher am Weg nach Saas in seine zwei Hauptarme teilt. Hier ist ein schöner Standpunkt, auf welchem bei günstiger Witterung jeder Reisende, so wie wir, gerne einige Augenblicke verweilen wird, und wo ein geschickter Zeichner seine Mappe mit einem Bild, das einzig in seiner Art ist, bereichern kann. Eine grosse, kühn gesprengte, steinerne Brücke, die einer Simplonstrasse Ehre machen würde, führt über den, in schauerlicher Tiefe schäumend durch die Felsen sich drängenden Strom des grossen Niklaus- und Zermatttals, der sich in wildem Sturz ganz nahe unterhalb der Brücke, mit dem weiss schäumenden Strom des Saasertals vereinigt. Diese Vereinigung zweier der grössten und wildesten Gletscherströme in grausiger Tiefe, zwischen senkrechten Felswänden, von dem mehrere hundert Fuss darüber schwebenden Brückengewölbe herab anzusehen, ist ein erhabenes Schauspiel von vereinigten Natur- und Kunstseltenheiten, das jeden Wanderer mit Bewunderung erfüllen muss, und dessen Wirkung durch die magische Beleuchtung der, bis in die Tiefe des Schlundes hinab scheinenden Mittagssonne, wie sie uns gerade in dem günstigsten Momente zuteil wurde, noch erhöht wird.
Fortsetzung folgt

20. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 20

Beim schön gelegenen, grossen Dorf Stalden, teilt sich dieses Tal in zwei grosse Hauptarme, wovon der eine westlich gegen die Gletscher des Monterosa und Matterhorns ansteigt, und in seinem unteren Teil den Namen Niklaus- oder Nicolaital, im oberen dagegen den Namen Matter- oder Zermatttal führt. Der andere Hauptarm steigt unter dem Namen Saastal südlich gegen den Montemoro an. Durch beide Täler führen über die genannten vergletscherten Gebirge, die höchsten Alpenpässe nach Italien und Piemont, mit denen uns bekannt zu machen ein Hauptzweck unserer Reise war. Wir wünschten zu diesem Ende, durch das Saastal über den Montemoro hin, so nahe als möglich um den Monterosa herum, und über den Matterhorn- oder Mont-Cervin-Pass durch das Zermatt- und Niklaustal wieder zurückzukommen. Ich kann nicht verhehlen, dass wir uns diesen, von wenigen Reisenden vollkommen ausgeführten, und von keinem anders als in einzelnen Bruchstücken beschriebenen Tour viel leichter und kleiner vorgestellt hatten, als wir ihn wirklich fanden und möchte deswegen niemandem dazu raten, dem nur sechs Tage, wie uns dafür zugemessen sind. Und auch ohne in der Zeit beschränkt zu sein, bedarf man dafür der günstigsten, wärmsten Sommerwitterung, grosser Gewandtheit im Bergsteigen, sehr kundiger und zuverlässiger Führer, und eines, mit spärlicher Alpenkost sich begnügenden Magens.
Fortsetzung folgt

19. August 2019

Das Faulhorn und die Damen

Neulich ist mir eine Tourismusbroschüre aus dem Jahre 1902 in die Hände gefallen. Das Büchelchen widmet sich der Gegend Schynige Platte – Faulhorn – Rosenlaui und ist in zweierlei Hinsicht von Interesse: 1. Der einleitende Text widerspiegelt den touristisch-gesellschaftlichen Geist von damals. 2. zeigen die nachfolgenden Bilder die damalige Situation sowie die Druckqualität von Fotos von vor beinahe 120 Jahren.


«Nicht die Tatsache, dass dicht unter dem Gipfel des Faulhorns sich eine der höchsten menschlichen Wohnungen Europas befindet, verleiht dieser Bergspitze ihre Bedeutung; vielmehr begründet sich ihr Ruhm auf die grandiose Aussicht, welche sich dem Besteiger oben, auf der höchsten Zinne, 2683 Meter über Meer, bietet. Dieselbe umfasst sozusagen die ganze Schweiz von den glänzenden Firnhäuptern der Berner Alpen nordwärts. Dabei ist die Wanderung nach dieser Aussichtswarte von  Interlaken oder Grindelwald aus, samt der Rückreise, in einem Tag ausführbar. Damen empfiehlt es sich freilich, die Fusstour in zwei Tagen auszuführen, um so mehr, als eine Nacht und ein Morgen auf dem Faulhorn (Hotel) die grossartigsten Naturschauspiele, wie Sonnenuntergang und -aufgang, Alpenglühen etc. zu bieten vermögen.
 
Ich habe diese Bergwanderung schon in Begleitung von einem Dutzend amerikanischer Damen gemacht, ohne diese allzu sehr zu übermüden. Ihr Dank für die erlebten Genüsse kannte keine Grenzen. Damen sollten die Tour immerhin nur unter Mitbenutzung der Schynige Platte-Zahnradbahn unternehmen. Von deren Kulmstation führt ein prächtiger Alpweg an den wechselvollsten Szenerien vorüber nach dem Faulhorngipfel. Auf diesem Weg entwickeln sich bei immer neuen Überraschungen die Bilder der nachfolgenden Blätter Schlag auf Schlag. Der Abstieg kann sowohl nach Grindelwald als auch nach Rosenlaui, oder aber nach der Bahnstation Schynige Platte zurück ausgeführt werden.»

Hermann Hartmann


Das Gumihorn bei der Schynigen Platte
Schynige Platte

Schönenbühl mit Wetterhorn und Schreckhorn

Schafgatter – Felspassage am Faulhornweg

Laucherhorn mit den Karrenfeldern an der Heimenegg

Winteregg mit Winterfreuden im Hochsommer

Eiger, Mönch, Jungfrau am Abend auf dem Faulhornweg

Faulegg mit Schreck- und Finsteraarhorn

Faulhorn von Süden

Hotel Faulhorn auf dem Gipfel des Faulhorns (2681 m)

Schreck- und Finsteraarhorn vom Hotelfenster aus gesehen

Blick vom Faulhorn nach Osten

Simelihorn – Schlittelpartie im August

Am Bachalpsee

Am Bachalpsee – Holztransport nach dem Faulhorn-Hotel

Schreckhorn vom Abstieg zur Grossen Scheidegg
Grosse Scheidegg
Schwarzwaldalp mit Wetterhorn

Weissbachschlucht in der Rosenlaui

Rosenlaui mit Well- und Wetterhorn

Auf dem Abstieg nach Grindelwald mit dem Wetterhorn

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 19

Eine halbe Stunde oberhalb Visp bemerkt man, ziemlich hoch an dem steilen, kahlen, linksseitigen Talhang einen bedeutenden Steinbruch, in einem weichen Talkschiefer, der dem Topfstein ähnlich ist, und woraus grosse und kleine, sehr feuerbeständige Ofen- und Feuerherdplatten gewonnen und im grössten Teil des Wallis herum verbraucht werden. Man findet in einigen Häusern solche Öfen aus einem und auch aus mehreren Stücken bestehend, die mehrere hundert Jahre alt sind. Die vorherrschende Gebirgsart des südlich ansteigenden, bis zum Dorf Stalden zwei Stunden langen Vispertals, ist ein ziemlich verworrenes, meistens südlich eingesenktes Schiefergebirge, dessen Hauptmasse aus kalkartigem Glimmerschiefer besteht, mit vielen eingeschlossenen, grösseren und kleineren Lagen, Nestern und Gängen von Kalkstein und Quarz. Die beidseitigen, steilen Talhänge sind mit Trümmern und Schutt dieser Schieferarten bedeckt. Auf halbem Weg nach Stalden führt eine solide, gesprengte, steinerne Brücke an den linksseitigen Talhang hinüber.
Fortsetzung folgt

18. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 18

Eine Stunde weiter talabwärts führte uns ein schlechter Weg auf einer noch schlechteren, hölzernen Brücke wieder an das linksseitige Rhoneufer hinüber, wo wir im schön gelegenen Dorf Visp ein ordentliches Nachtlager fanden. Dieses grosse Dorf liegt am Auslauf des Vispertals, aus dessen entfernten Hintergründen man hier die weissen Kuppen des Monterosa hervorglänzen sieht, und dessen reissender Talstrom, die Vispa, der hier schon bedeutend grossen Rhone beinahe gleichkommt.

Am folgenden Morgen traten wir den Weg nach diesem Tal an, der in einer Saumstrasse besteht, und stiegen zuerst in dem terrassenförmig gebauten Flecken selbst und nachher in seiner mit Weinreben, schönen Wiesen und Obstpflanzungen geschmückten Umgebung auf der rechten Talseite hinan. Es dauert gar nicht lange, so verengt sich das Tal und lässt in seinem Grund nur noch Raum für den verheerenden Strom, der sein rechtsseitiges, mit Weinreben bepflanztes Ufer immer mehr zu unterwaschen droht, wenn sein Lauf nicht geregelt wird.
Fortsetzung folgt

17. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 17

Eine Stunde unterhalb von Brig, bei Gamsen, wandten wir uns rechts von der Hauptstrasse ab über eine hölzerne Brücke ans rechte Ufer der Rhone, um im Vorbeigehen das Brigerbad zu besuchen, welches wir, nach langem, vergeblichem Aufsuchen, endlich wider Erwarten in einer sumpfigen Gegend, an dem kahlen, von Felsstürzen bedrohten, rechtseitigen Talhang angelehnt, in zerfallenem Zustand fanden. Der schmale Fussweg dahin geht an einigen Stellen zwischen senkrecht ansteigenden Felsen zur Rechten und der Rhone zur Linken durch und stand jetzt gerade unter Wasser, so dass wir mühsam über die Felsen hinwegkriechen mussten, um nicht im trüben Wasser zu waten. Das Badewasser selbst, das an Temperatur und Geschmack demjenigen des Leukerbades ähnlich ist, liegt gespannt in einer natürlichen Felsenkluft, die, gleich einem Bergwerksstollen horizontal, nur wenig abwärts, in die Felswand hineinläuft, und wo ein Mensch gerade Raum genug hat, um in das jederzeit bereitstehende Bad, so weit es ihm beliebt, unter die Felsen hineinzuspazieren. Schon beim Eingang ist das Wasser von starker Badewärme, und je tiefer man unter die Felsen eindringt, desto wärmer wird es, und soll noch tiefer hinein in der Kluft wirklich brennend heiss sein. Nur ärmere Leute kommen her, entkleiden sich vor der Kluft und kriechen hinein, bis wo es dunkel ist. Wohlhabendere lassen sich das Wasser in eine nahe Hütte und in da befindliche Badekasten tragen, und wenn es erkaltet ist, mit warmem wieder auffrischen. Dieses Bad soll für mehrere Krankheiten sehr wohltätig sein und aus den umliegenden Ortschaften häufig besucht werden.
Fortsetzung folgt

16. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 16

Bei der Kirche von Naters vorüberwandernd, hörten wir die laut schallende Stimme eines Predigers, und da die Mittagssonne heftig brannte, so waren wir doppelt geneigt, unter der kühlen Vorhalle des grossen geschmackvollen Tempels einige Augenblicke horchend auszuruhen. Aber was für sonderbare Lehren mussten wir da vernehmen! Ein gewaltig grosser, wohlgenährter Priester von mittlerem Alter, der in grossen Schritten und unter drohenden Gebärden vor der Sakristei hin und her schritt, lehrte, gut Deutsch sprechend, mit donnernder Stimme seine zahlreichen, halb zitternden Zuhörer: Dass die Hölle und das Fegfeuer mit allen ihren einzeln auf gezählten, recht sinnlich ausgemalten Qualen, wie Heulen, Zähneklaffen und dergleichen mehr, der Anfang, und für die meisten Menschen auch die Fortsetzung sei, von dem uns bevorstehenden ewigen Leben, und dass, weil alle Menschen Sünder seien, auch alle ohne Gnade dieses schreckliche Gericht zu erwarten haben. Von tröstenden Worten für die weniger Strafbaren, oder von liebreichen Ermahnungen war keine Rede, und das tobende Wesen dauerte so bis zum Schluss der Predigt. Ohne Zweifel gehörte dieser Religionslehrer zu der damals neu aufblühenden Schar der Jesuiten, welche ebenso, wie dieser, statt Licht und Wahrheit, überall nur höllische Finsternis verbreiten, ohne zu bedenken, dass nur zu häufig sie selbst unter der Kutte den Satan im natürlichsten Bild darstellen. Mit innigem Bedauern verliessen wir diese, geistiger und moralisch-religiöser Menschenbildung geweihte Stätte, wo die herrliche Lehre Jesu von einem seiner unwürdigen Stellvertreter, so schrecklich verunstaltet wurde.
Fortsetzung folgt

15. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 15

Durch das ganze Oberwallis, bis gegen Brig hinunter, hatte es bis auf jetzt nur einen Saumweg gegeben; nun aber wird an einer fahrbaren Strasse gearbeitet, die an einzelnen Stellen bis nach Lax hinauf fertig ist. Beim Dorf Mörel, anderthalb Stunden unter Lax, fängt der bis dahin meistens enge Talgrund an, sich bedeutend zu erweitern, und wird zwei Stunden tiefer hinab, über Naters nach Brig, immer noch breiter; eine Veränderung, welche den Ausmündungen der grossen Seitentäler von Fiesch, Aletsch und Binn mit ihren gewaltigen Gletscherwassern, zuzuschreiben ist. Nahe unterhalb der Brücke über den Aletschstrom findet man blendend weissen Gips neben der Strasse anstehend.
Fortsetzung folgt

14. August 2019

Vom Arktisreisenden zum Menschenretter

Walter Bauer: Die langen Reisen, 332 S.,
Kindler Verlag, München, 1956
«Die langen Reisen» hat der deutsch-kanadische Autor Walter Bauer seine Biografie über den Arktisforscher, Meereszoologen, Hochkommissar für Flüchtlinge und Friedensnobelpreisträger Fridtjof Nansen (1861–1930) benannt. Ich habe das Buch soeben zu Ende gelesen und war einmal mehr beeindruckt über das Leben und Wirken Fridtjof Nansens. Von seiner ersten Fahrt ins arktische Meer ist die Rede und wie nachhaltig ihn diese beeindruckt hat. Bald darauf folgte 1888 die legendäre Durchquerung Gröndlands auf Schneeschuhen (Skis). Es war die erste, die je von Menschen vollbracht wurde.

Einen grossen Stellenwert nimmt in Bauers Buch die dreijährige Polarexpedition (1893-96) ein, mit der Nansen in einem im Eis eingekeilten Schiff den Nordpol «überqueren» wollte. Der unerschrockene Norweger wollte damit aufzeigen, dass das Polareis der Meeresdrift unterworfen und es lediglich eine Frage der Zeit sei, bis seine «Fram» über den Pol drifte. Nansens Theorie schien anfänglich zu funktionieren, doch mit der Zeit ergaben die Positionsmessungen, dass sich die «Fram» wieder südwärts, also vom Pol weg bewegt. Was tun?

Nansen entschloss sich nach Rücksprache mit den Expeditionsteilnehmern, den Nordpol, zusammen mit einem weiteren Gefährten, sowie mit Schlittenhunden und Kajaks zu erreichen. Doch auch dieser Versuch misslang. Die beiden Forschungsreisenden suchten sich unter unglaublichen Strapazen und Entbehrungen einen Weg durch die endlose Eiswüste, überwinterten in einer kleinen Hütte an der Küste von Franz-Josef-Land und stiessen im Frühjahr weiter südlich auf die Mitglieder einer englischen Expedition, deren Versorgungsschiff sie schliesslich nach Spitzbergen brachte, von wo die Reise zurück nach Norwegen ging. Und die «Fram» und seine Crew? Das eigens für diese Expedition gebaute Schiff schaffte den Weg aus dem Polareis ebenfalls und gelangte fast gleichzeitig mit Nansen und seinem Begleiter im Herbst 1896 nach Norwegen. In einem zweibändigen Werk mit dem Titel «In Nacht und Eis» beschreibt Nansen das drei Jahre dauernde Abenteuer, das trotz Misserfolg glücklicherweise keine Menschenleben forderte.
Fridtjof Nansen im Alter von 36 Jahren
Dennoch wurde Nansen in ganz Norwegen wie ein Nationalheld gefeiert. Als sich in dieser Epoche auf politischer Ebene die Situation zwischen Norwegen und Schweden zuspitzte, wurde von norwegischer Seite nach einer Persönlichkeit gesucht, die in der Lage war, die Unabhängigkeit gegenüber dem dominanten Schweden, zur Sprache zu bringen und nach einer Lösung zu suchen. Schnell kam der Name Fridtjof Nansens ins Spiel. Der politisch und religiös unabhängige Forscher wurde aufgrund seiner risikofreudigen und dennoch besonnenen Art als der geeignete Diplomat angesehen. Nansen war gewillt, die Aufgabe anzugehen und brachte sie schliesslich mit Erfolg zu Ende: Norwegen erlangte, wenn auch unter gewissen Bedingungen, die Unabhängigkeit Schwedens.

Eine weitere grosse Reise, die Walter Bauer beschreibt, ist jene nach Sibirien, welche Nansen die Augen für das wirtschaftliche Potenzial dieses riesigen Landes öffnete. Aus dieser Reise resultierte das Buch «Sibirien, ein Zukunftsland». Die Gegenwart Sibiriens, ja ganz Russlands zeigte sich dann alles andere als zukunftsträchtig. Hungersnöte, der 1. Weltkrieg und die Revolution trugen zu unermesslichem Leid bei. Hinzu kamen Hundertausende von Flüchtlingen. Für den noch jungen internationale Völkerbund – Vorläufer der heutigen UNO – musste dringend etwas geschehen. Und auch in dieser Situation erinnerten sich die führenden Kräfte an den erfahrenen Nansen. Dieser wollte jedoch vorerst nichts von einem Mandat als Hoher Kommissar für
Armenische Briefmarke von 1996 mit Nansen und
der «Fram» im Hintergrund
Flüchtlinge wissen. Ein Insistieren von Seiten des Völkerbundes brachte indes den Umschwung: Nansen sagte zu und begann zu wirken. Und wie! Unzählige Reisen führten den Menschenfreund in all die Krisengebiete im Osten und Südosten Europas. Nansen organisierte Geld, Lebensmittel, Flüchtlingstransporte, medizinische Hilfe. Er setzte sich unermüdlich dafür ein, dass das Leid nicht noch grösser wurde, als es schon war. Er verhandelte sowohl mit den Russen als auch mit den USA, die dem russischen Volk mit Getreidelieferungen unter die Arme griffen. Nansen intervenierte aber auch in Armenien, als die Türken drauf und dran waren, ein halbes Volk auszurotten. Mitunter als Folge seiner Bemühungen entstand schliesslich der armenische Staat. Die Armenier haben den Einsatz Fridtjof Nansens bis zum heutigen Tag nicht vergessen.

Nansen als Hoher Kommissar für Flüchtlinge des internationalen Völkerbundes
Die Liste jener Taten und Erfindungen (Nansen-Schlitten, Nansen-Pass etc.), die der 1922 zum Friedensnobelpreisträger Ernannte vollbracht hat, könnte mühelos weitergeführt werden. An dieser Stelle sei daher die Lektüre des antiquarisch gut erhältlichen Buches von Walter Bauer all jenen empfohlen, die sich für arktische Expeditionsgeschichte, skandinavische Politik und das internationale Flüchtlingswesen in den ersten zwei Jahrzehnten der 20. Jahrhunderts interessieren. Letzteres Thema ist deshalb besonders spannend, weil es zur aktuellen Flüchtlingssituation unglaubliche Parallelen gibt. Es scheint, als hätte sich in dieser Frage in 100 Jahren Menschheits- und Politgeschichte nicht viel verändert.

In diesem Zusammenhang weise ich gerne auf eine Publikation von Fridtjof Nansen in der Edition Wanderwerk hin: «Im Eise begraben / Abenteuerlust» nennt sie sich und kann hier bestellt werden.

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 14

Ein paar Stunden unterhalb Münster öffnet sich beim schön gelegenen Dorf Fiesch das Fieschertal, aus dessen vergletschertem Hintergrund der grosse Fiescherbach als gräulich-weiss getrübtes Gletscherwasser an Grösse der Rhone gleich, hervorströmt.

In diesem ganzen oberen Teil des grossen Rhonetals trifft man keinen Obstbaum an. Erst eine halbe Stunde unterhalb Fiesch, bei Lax, gedeihen die ersten Kirschbäume, und je weiter abwärts, desto mehr auch andere Obstarten.

Die anstehende Gebirgsart ist hier nicht mehr, wie höher oben, Gneis und Granit, sondern ein steiles, südlich eingesenktes Schiefergebirge, dessen Hauptbestandteil meistens Talk ist, jedoch abwechselnd dem Kiesel-, Ton-, Kalk- und Glimmerschiefer sich nähert und das überhaupt viel Verwitterbarkeit und Ähnlichkeit mit den Übergangsgebirgen zeigt; daher auch die Rhone, in Verbindung freilich mit noch anderen Ursachen, sich hier plötzlich so viel enger und tiefer eingeschnitten und den Talgrund so ganz verändert hat.
Fortsetzung folgt

13. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 13

Der Menschenschlag in diesem obersten Teil des Haupttals vom Wallis ist viel kräftiger und schöner, auch herrscht mehr Frohsinn hier, als in den unteren Teilen dieses Landes. In Münster fanden wir bei einem Herrn von Riedmatten ein recht ordentliches, von den in dem Wallis sonst gewöhnlichen Unreinigkeiten ganz freies Nachtlager.

Sonntags, den 21. Juli wanderten wir weiter abwärts im zuest noch nur begraseten, tiefer hinab aber bewaldeten Talgrund, in dem sich die Rhone immer tiefer einschneidet und wo die steilen, bewaldeten Talhänge oft so nahe gegeneinander stehen, dass an vielen Stellen der Talstrom in eine enge, tiefe, finstere Schlucht sich verliert und der Pfad hoch darüber weg am steilen Abhang hinläuft. Zahlreiche kleine Dörfchen, sowie einzelne Hütten und Ställe liegen im oberen Teil dieses Tals auf beiden Seiten zerstreut, und der rechtseitige Talhang oder die sogenannte Sommerseite ist mit Sommerfrüchten ziemlich weit hinauf bepflanzt; währenddem man an der linken oder Schattenseite wenige oder keine dergleichen sieht, weil da der Schnee mehrere Wochen später abschmilzt. Diese späten Sommerpflanzungen, meist in Roggen und Gerste bestehend, können erst mit Ende Mai und Anfang Juni bestellt werden.
Fortsetzung folgt

12. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 12

Der Abendspaziergang in dem stillen, grünen, weiten Alpental von Obergesteln nach Münster, zwei kleine Stunden weit, war sehr angenehm. Man durchwandert die beiden Dörfchen Ulrichen und Geschinen und hat zu seiner Linken die junge, still und bescheiden dahinfliessende Rhone. Auch dieses grosse Alpental hat die merkwürdige Eigentümlichkeit beinahe aller Hochalpentäler, dass es in seinem obersten Hintergrund oder in der Region der höchsten Viehweiden und der kahlen Felsen, zwischen der Gletscher- und der Waldregion, einen viel grösseren und flacheren Talgrund hat, als weiter unten in der Waldregion selbst, wo meist der Talgrund in einen engen und tiefen Schlund sich zusammenzieht. Diese auffallende Beschaffenheit der Hintergründe von beinahe allen Hochalpentälern, mit Rücksicht auf ihre Vegetationsbekleidung kann, wie ich in einer späteren Reisebeschreibung zeigen werde, zu wichtigen Aufschlüssen über die Talbildung führen und sollte von den Gebirgsforschern mehr, als es bis dahin geschehen ist, berücksichtigt werden.
Fortsetzung folgt

11. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 11

Über den bekannten, kahlen Rücken des Grimselpasses fortwandernd, glaubte ich an einigen Stellen jene merkwürdige Schichtung der Felsarten wahrzunehmen, welche der verewigte, grosse Gebirgsforscher Escher von der Linth zuerst am Gotthardgebirge entdeckt hatte, und nach welcher die Schichten am nördlichen Abhang gegen Süden, auf der Höhe selbst aber senkrecht und am südlichen Abhang gegen Norden eingesenkt sind, so dass das Durchschnittsprofil eine fächerförmige oder gewölbsteinartige Gestalt erhält.
Fortsetzung folgt

10. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 10

Eine sonderbare Erscheinung ist, dass in den Alpenseen der Grimsel keine Fische vorkommen, da doch andere, noch höher gelegene, wie z.B. der Oberalpsee am Gotthard, die schmackhaftesten Forellen in Menge nähren. Es können, wie mir scheint, mehrere verschiedene Ursachen hier zusammenwirken. Zu den hauptsächlichsten mögen gehören: Die Beschaffenheit der Zu- und Abflüsse, die je nach der Grösse ihrer Wasserfälle dem Zug der Fische dienlich, oder aber nachteilig sind, ja ihn geradezu und völlig hindern können; ferner kann die Natur der umgebenden Felsarten, deren grössere oder geringere Verwitterungsfähigkeit so höchst verschiedene Beschaffenheiten der Erdoberfläche und ihrer Ernährungskräfte erzeugt, ebenfalls grossen Einfluss haben; am meisten aber, glaube ich, kommt es darauf an, ob die Alpenseen mit Viehweiden, oder auch nur sonst mit Vegetation zunächst umgeben seien oder nicht, und ob nicht wenigstens Zuflüsse aus der Ferne aus solchen, mit Vegetation umgebenen oder von ihr entblössten Gegenden kommen. Im ersteren Fall müssen die Zuflüsse weit mehr Nahrungsstoffe den Seen zur Erhaltung ihrer Fische bringen, als bei ganz kahlen, von aller Vegetation entblössten Umgebung, wie diejenigen der Grimselseen sind. Dass aber die Fische in den hohen Alpenseen oft stark von Hunger gequält sind, mag neben anderem der Umstand beweisen, dass, anstatt wie gewöhnlich die Forelle schüchtern beim Anblick des Vorübergehenden wegflieht, man sie zuweilen an den Ufern der Alpenseen dem Wanderer nachschwimmen sieht, gleich als wollte sie etwas Nahrung von ihm erbetteln.
Fortsetzung folgt

9. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 9

Die in dieser kahlen Einöde so manchem Wanderer unentbehrliche, allen aber willkommene Herberge, zum Spittel genannt, nahe der Höhe, am nördlichen Abhang des Grimselpasses, wurde eben bedeutend vergrössert. Auch die Bildung der Wirtsleute hat seit meiner ersten Durchreise vor zehn Jahren grosse Fortschritte gemacht. Damals sprach der Wirt oder der sogenannte Spitteler nur sein rohes, unverständliches Oberhasli-Deutsch; jetzt hingegen sind Töchter da, die im Welschland gebildet, Französisch, Italienisch und auch reines Deutsch sprechen, was für manchen Fremden sehr angenehm sein muss; besonders da man oft, von rauer Witterung überrascht, genötigt wird, längere Zeit an diesem Zufluchtsort zu verweilen. Möchte nur die Einfalt und Originalität der Sitten und Gebräuche, welche früher in so passendem Einklang mit der Umgebung hier herrschend gewesen waren, durch die jetzige Verfeinerung nicht ganz verdrängt werden!

Fortsetzung folgt

Hunkeler und die Augen des Ödipus

Hansjörg Schneider: Hunkeler und die
Augen des Ödipus,
Diogenes, Zürich, 2010
Wo steckt der Theaterdirektor Bernhard Vetter? Sein Hausboot ist herrenlos beim Stauwehr von Märkt aufgefunden worden, von ihm selbst fehlt jede Spur. Und das wenige Tage nachdem eine Inszenierung von König Ödipus in Basel die Gemüter erhitzt hat. Kommissär Peter Hunkeler steht sechs Wochen vor der Pensionierung. Aber ist er bereit, von der Bühne abzutreten? Mit gemischten Gefühlen taucht er ein ins Theatermilieu, zu dem er als junger Mann selbst gehört hat.

BS: Stadt Basel F: Elsass (Sundgau) D: Märkt

8. August 2019

Ich hatte keine andere Wahl

Seit Jahren habe ich den Plan gehegt, von Ardon auf der orografisch rechten Seite der Lizerne nach Derborence und von dort über den Pas de Cheville ins Waadtland zu wandern. Am vergangenen Wochenende war es soweit: Mit Biwakausrüstung und Proviant für zwei Tage machte ich mich um 8 Uhr in der Früh am Bahnhof von Ardon auf den Weg. Nach 15 Minuten hätte im Ortszentrum der Aufstieg beginnen sollen, doch eine Notiz am Wegweiser machte meinen Plan zunichte. «Accès impossible!» stand da unmissverständlich. Weil ich mich auf keine Experimente einlassen wollte, blieb mir nichts Anderes übrig, als den Zustieg auf der gegenüberliegenden Talseite ins Auge zu fassen.

Der Frustwegweiser von Ardon.

Also suchte ich mir den passabelsten Weg durch die Rebberge, um möglichst direkt zur Kapelle St-Bernard an der Strasse nach Derborence zu gelangen. Alleine der Aufstieg durch den Wald, ehe ich die Kapelle erreichte, war der halbe Umweg wert und machte meine Enttäuschung bereits vergessen.

Einmal auf der Strasse, begann der abenteuerliche Teil. Von 1951–67 in die brutale Steilflanke, bestehend aus Wald, Runden und lotrechten Felsfluchten gehauen, gleicht die schmale Fahrbahn einer jener Kamikaze-Strecken, die wir von den Anden oder dem Himalaja kennen. Überall lauerte Steinschlaggefahr, links ging lauerte hinter der niedrigen Leitplanke das Bodenlose. Kurve reihte sich an Kurve. Im Minutentakt fuhren Autos und Motorräder von hinten auf mich zu. Alle wollten sie hoch zum Naturspektakel Derborence. Und ich war der einzige Fussgänger.

Man mag mich einmal mehr für verrückt erklären, dafür habe ich aber diese Wahnsinnsstrasse 1:1 er- und überlebt und dabei in aller Ruhe die umwerfende Aussicht auf die andere Talseite mit ihren faszinierenden Felsbergen betrachten können. Den ersten Spaziergängern und Wanderern bin ich dann unterhalb des Lac de Derborence begegnet. Und ja, das vom legendären Bergsturz geschaffene Ambiente ist in der Tat sehenswert. Das Davor und das Danach freilich auch. Hier ein paar Fotos vom ersten Tag der Wanderung von Ardon über den Pas de Cheville nach Gryon.

In Motelon mündet jene Route ein, die ich hätte begehen wollen. Die Gegenprobe auf die Information in Ardon geht auf.

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 8

Am 20. Juli widmeten wir im Vorbeigehen bei Handeck der Betrachtung des schönen Wasserfalls der Aare ein Stündchen. Die drei ganz verschiedenen Standpunkte, auf welchen man denselben von unten, von der Mitte und von oben bewundert, sind erst kürzlich zugangbarer gemacht worden. Man befindet sich hier ganz im Urgebirge, welches stellenweise, schon ein bis zwei Stunden unterhalb Guttannen, aus dem darüber hingelagerten Übergangsgebirge hervorbricht und sich abwechselnd wieder darunter verbirgt. Dieses Urgebirge besteht grösstenteils aus Granit, der als Massengebirge ansteht und wenig regelmässige Schichtung, sondern mehr zufällige Zerklüftung zeigt. Ausgezeichnet schöne, grosse und dichte Massen bildet der Granit eine Stunde oberhalb Handeck, bei der sogenannten hehlen (schlüpfrig-glatten) Platte, von vielen auch Höllenplatte genannt, wo er sich in kahlen, mehr und minder stark geneigten Flächen bis in den Schlund der schäumenden Aare hinabsenkt. Wenn an diesen Stellen das über den Felsen hinfliessende Wasser gefriert, was oft in hellen Sommernächten geschieht, so sind sie gefährlich zu passieren. Man findet daher auf diesen schiefen Granitflächen viele mit dem Meissel ausgearbeitete Tritte, die besonders für das Fortkommen der Saumpferde unentbehrlich sind. Diejenigen Mineralogen, welche behaupten, der wahre charakteristische Granit, als Massengebirge anstehend, sei in der Alpenkette eine Seltenheit, scheinen diese und noch manche andere Stelle seines häufigen Vorkommens nicht zu kennen.
Fortsetzung folgt

7. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 7

Am folgenden Morgen stiegen wir in drei starken Stunden auf die Höhe des Jochpasses und genossen da eine schöne Aussicht auf die nahe liegenden, ganz unbewölkten eisigen Höhen des Titlis und seine hohe westliche Fortsetzung, die Wendenstöcke, nebst den bedeutenden, von ihnen herabhängenden Gletschern. Durch die nördlich liegende Öffnung des Engelberger Tals erkannten wir in blauer Ferne den Uetliberg bei Zürich und die Kette der Lägeren. Die überstiegenen Felsarten sind grauer und schwärzlicher Kalkstein, der zuweilen ganz schiefrige Textur annimmt und an vielen Stellen in eine Art Tonschiefer übergeht. Zwischen dem kleinen Jochsee und dem eine Stunde tiefer gegen das Gental liegenden, grössern Engstlensee fand ich einen schönen, roten, tonigen Kalkschiefer anstehend, der sich in ganz dünne Blätter spalten lässt, und so viel Zähigkeit besitzt, dass die dünnsten Schiefer mit der Spitze des Hammers durchlöchert werden können, ohne zu spalten. Beim Herabsteigen durch das Gental begegneten wir ganzen Scharen festlich gekleideter Talbewohner aus Oberhasli, von allen Altern und beiderlei Geschlechts, welche sich zu einem am folgenden Tag stattfindenden Hirtenfest auf die Engstlenalp begaben. Einige der grössten und kräftigsten Jünglinge gaben uns im Vorbeigehen, zu einem kleinen Preis, einige Schwingübungen zum Besten, wobei wir weniger die Kunst und Gewandtheit, als den schönen kräftigen Körperbau zu bewundern Ursache hatten. Nahe bei der Vereinigung des Talauslaufes mit dem Aaretal wandten wir uns im schmutzigen Dörfchen Wyler links, dem rechtseitigen Abhang des Aaretals nach, hinauf nach der Grimselstrasse und übernachteten in Guttannen.

Fortsetzung folgt

Die Steinflut

Franz Hohler: Die Steinflut, Luchterhand,
München, 1998
Am 9. September 1881 in einem kleinen Dorf hoch oben in den Schweizer Bergen: Die kleine Katharina wird zusammen mit ihrem jüngeren Bruder zu den Grosseltern geschickt. Dort sollen beide die nächsten Tage verbringen, bis die Mutter ihr sechstes Kind zur Welt gebracht hat. Doch es kündigt sich noch ein anderes Ereignis an. Von einem Hang sind einige Felsbrocken ins Tal hinabgestürzt und der ganze Berghang könnte sich lösen und das Dorf unter sich begraben. Daran möchte niemand glauben, am allerwenigsten die Arbeiter im Schieferbruch, die mit ihren Händen ganze Familien ernähren. Aber der Berg führt in Franz Hohlers hochgelobter, in der Tradition der besten Schweizer Literatur stehenden Novelle sein Eigenleben. (Klappentext)

GL: Elm und Umgebung

6. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 6

Von Buochs führt der nächste Fussweg ins Engelbergertal, am westlichen Fuss des Buochserhorns hin, über die schönen, mit fetten Wiesen und Obstbäumen bekleideten Anhöhen von Birke und Waltersberg. In Engelberg besuchten wir den geschickten Herrn Müller, der die Gefälligkeit hatte, uns mehrere von ihm verfertigte schöne Basreliefs zu zeigen, unter denen sich eines vom Gotthardgebirge mit seiner Umgebung, das in besonders grossem Massstab ausgeführt war, vorzüglich auszeichnete. Um bei der schönen Witterung an diesem Tag noch einen Vorsprung für die morgige Tagesreise zu gewinnen, und die Pracht des Sonnenuntergangs auf der Höhe, anstatt im Tal zu geniessen, hätten wir die Abendstunden gerne noch dazu benutzt, uns in eine der obersten Alphütten diesseits des Jochpasses zu begeben. Allein Herr Müller versicherte, die oberen Alphütten seien noch nicht besetzt, und riet uns, im Dorf zu übernachten. Mit Bedauern sahen wir am folgenden Tag, dass wir zu Gunsten des Dorfwirtes falsch unterrichtet waren, indem die obere Trübseealp, mit Vorwissen der Dorfbewohner Engelbergs, schon lange besetzt war.
Fortsetzung folgt

5. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 5

Die Seefahrt von Weggis nach Buochs geht zwischen den sogenannten Nasen durch, welches zwei, einander gegenüberliegende, in den See vorspringende Felszungen sind, die aus südlich eingesenktem Alpenkalk bestehen. Wenn man die beiden, hier zunächst sich berührenden, wahrscheinlich aber in ihrem Alter sehr weit voneinander entfernten, Felsgebilde der Rigi-Nagelfluh nördlich und des Alpenkalks südlich, in Verbindung miteinander betrachtet, und an beiden beinahe die gleiche südliche Schichtensenkung bemerkt, so sollte man, wenn diese Schichtung in die Höhe und Tiefe sich fortsetzend gedacht wird, glauben, den unbezweifelten Schluss daraus ziehen zu können, der Alpenkalk müsse der Nagelfluh aufgelagert und daher jünger sein als diese, und doch ist erwiesen, dass gerade das Gegenteil der Fall ist. Ein Beweis, wie sehr man sich in Acht nehmen müsse, aus ähnlichen Schichtenstellungen, wie die oben angeführte, voreilige Schlüsse zu ziehen.
Fortsetzung folgt

Spätholz

Walther Kauer: Spätholz, Benziger, Zürich,
1976
Zu allem entschlossen, wartet der 70jährige Tessiner Bauer Rocco Canonica in der Küche seines Bergbauernhofs auf die Gemeindearbeiter. Um sieben Uhr werden sie kommen und das Gerichtsurteil vollstrecken: Der grosse alte Nussbaum vor dem Haus – Roccos Lebensbaum – soll gefällt werden, da er einem reichen zugezogenen Villenbesitzer den Blick auf den See versperrt.

Während Rocco sein Gewehr reinigt, erinnert er sich an Stationen seines Lebens: an die harte Arbeit auf dem kleinen Bauernhof seiner Kindheit, den Waldbrand, dem seine Eltern zum Opfer fielen, die Jahre mit seiner Frau Teresa, den Wegzug seiner beiden Söhne, die verheerenden Veränderungen im Tal, die die alten Strukturen zerstörten.
(Inhaltsangabe zum Buch)

TI: Verzascatal

4. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 4

In der Kühle des kommenden Morgens machten wir den angenehmen, anderthalbstündigen Spaziergang von Küssnacht nach Weggis über Greppen am westlichen Fusse des Rigi hin. Auf diesem Weg sieht man viele Granit- und Gneisblöcke, deren ursprüngliche Lagerstätte in den Gebirgsstöcken des Gotthards und Crispalts zu finden ist. Diese grosse Ablagerung von Urgebirgstrümmern auf dem sekundären und tertiären Gebirge ist umso merkwürdiger, da sich dieselbe nördlich über die Hohle Gasse und besonders über die Höhe des Chiemen hinaus, nach Buonas und Cham hin, so bedeutend vermehrt, dass an einigen Stellen auf der Höhe des Chiemen der ganze Boden damit bedeckt ist. Die gewaltige Flut, welche einst diese Urgebirgstrümmer bis hierher und noch viele Stunden weiter, nämlich durch die Täler der Reuss und Repisch herab bis an das, den Alpen zwanzig bis dreissig Stunden weit gegenüberliegende Juragebirge hingeführt hat, muss sich an diesem westlichen Vorsprung des Rigiberges sehr hoch aufgestaut haben; denn man findet noch Granitblöcke an der halben Höhe des Rigi, auf dem Seeboden, wohin man von Küssnacht andertalb Stunden steil anzusteigen hat. Dieser Umstand, in Verbindung mit der Tatsache, dass die Trümmerablagerung gerade nördlich, also auf der, den Hochalpen ganz abgekehrten Seite des Rigi am häufigsten ist, scheinen mir zu beweisen, dass bei jener Trümmerflut dieser westliche Vorsprung des Rigi die Wirkung eines grossen Stromspornes gehabt habe, auf deren Vorderseite bekanntlich die Aufstauung der Gewässer am stärksten, und auf deren Rückseite die Ablagerung der Stromgeschiebe am häufigsten ist. Für diese Ansicht scheint auch die dortige Tiefe des Seebeckens zu sprechen, wenn man bedenkt, dass bei oder neben den Stromspornen die Auswaschung der Strombeete am tiefsten ist. Man betrachte nur aus diesem Gesichtspunkt, als ausgewaschenes Strombeet, vom Rigikulm herab, den Vierwaldstättersee: Wie sehr verjüngt sich da nicht sein Bild, und wie weit kleiner noch würde es von einem bedeutend höheren Standpunkt herab erscheinen! Man denke sich dabei eine von den höchsten Alpen daher sich wälzende, mit den Felstrümmern derselben beladene Flut, die bis an die halbe Höhe des Rigi hinauf einst reichte, wie die Spuren beweisen! Erscheinen dann, als Auswaschungen betrachtet, die Tiefen des Vierwaldstättersees im Vergleich mit dieser Flut etwa weit unverhältnismässiger, als die Tiefe zum Beispiel der Auswaschung unter dem Rheinfall im Vergleich mit dem Rheinstrom selbst? Man wird einwenden, der Rheinstrom habe längere Zeit gehabt, an seiner Vertiefung zu arbeiten, als jene vorüberziehende Trümmerflut. Dies ist aber eine Behauptung, der man, obgleich mit ebenso unsicheren Beweisen, doch mit ebenso viel Fug und Recht eine ganz entgegengesetzte gegenüberstellen kann. Allerdings sind die Alpenblöcke auf sehr kurzem Weg und geschwind an ihre jetzigen Stellen gekommen, sonst wären sie nicht so frisch und scharfkantig, wie man sie meistens antrifft; aber diese Blöcke sind auch nur die letzten Zeugen der allerjüngsten von jenen grossen Fluten, die sich so oft wiederholend über unseren Erdball und über einzelne Teile desselben müssen hergewälzt haben. Wie ungleich andauernder und länger müssen jene älteren, zermalmenden Fluten hin und her gewogt haben, aus deren mechanischer Auflösung nachher, bei eingetretenem ruhigerem Zustand, unsere neueren, regelmässig geschichteten, tertiären Nagelfluh- und Sandsteingebilde sich niedergeschlagen haben! Schon jene vielen, älteren Fluten können zu den problematischen Vertiefungen der Alpenseen, die im älteren Gebirge liegen, mit beigetragen haben.
Fortsetzung folgt

3. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 3

Den 17. Juli nachmittags reisten wir miteinander von Zürich ab, ein jeder mit seinem Tornister bepackt, wozu sich bei mir noch der bergmännische Fäustel und Eisen gesellte. Acht Stunden Weg wurden noch zurückgelegt, über die sogenannte Horgerecke nach Zug, Immensee bis Küssnacht. Auf der Horgerecke, an dem bekannten Standpunkt, eine Viertelstunde oberhalb des Dorfes Horgen, wo man den grössten Teil der lachenden Ufer des Zürichsees übersieht, welche gerade von der Abendsonne herrlich beleuchtet waren, verweilten wir einige Augenblicke im Genuss dieses entzückenden Schauspiels. Zu gleicher Zeit kamen von Zug her zwei grosse Kutschen voll Fremde angefahren, die an der nämlichen Stelle Halt machten und ausstiegen. Es waren meistens Frauenzimmer von edlem und gebildetem Ansehen, von denen die einen Französisch, die andern Italienisch sprachen. Unter den mannigfachen Äusserungen ihres Entzückens über diese reizende Aussicht fiel uns besonders das einstimmige Urteil der Italienerinnen auf, welche bemerkten, dass sie in der schönen Umgebung des Comersees keinen Standpunkt kennen, der ihnen so wohl gefalle, wie dieser.
Fortsetzung folgt

Die Waise

Urbain Olivier: Die Waise, Verlag Mon Village,
Vulliens, 1977
«Die Waise» ist nicht ein moderner Roman, handelt er doch im verflossenen Jahrhundert. Zu jener Zeit sprach man noch nicht von Autobahnen. Anstelle der heutigen Düsenflugzeuge war die Kutsche das schnellste Verkehrsmittel, das Reisende und Post von einer Region zur andern brachte.

In der Hast und Betriebsamkeit unserer Tage ist es schwer, sich die idyllische Gemächtlichkeit von Anno dazumal vorzustellen. Gerade hierin liegt aber der Haptvorzug des Werkes «Die Waise».Die hervorstechende Eigenschaft des Buches liegt im Zauber, mit dem es uns mit einem Schlag in jene vergangene Zeit zurückversetzt. Es wurde damals von einem Schriftsteller verfasst, der die Bauern kannte. Er schildert uns ihren Charakter, ihre Eigenheiten, ihre Gedankenwelt und Lebenshaltung mit unübertrefflicher Genauigkeit.

Wenn uns «Die Waise» das Bild einer vergangenen Epoche vor Augen führt, so ist es doch vor allem ein fesselnder Roman, der den Leser von Anfang bis zum SChluss in Atem hält. Wenn diese Erzählung den Vorzug hat, uns unversehens in die Hälfte des letzten Jahrhunderts zu versetzen und uns zugleich von Anfang bis Ende wahrhaft fesselt, wobei die prächtigen Bilder von Burnand den Text bereichern, dann sagt man nicht zuviel, wenn man behauptet, dass dieses schöne Buch den Leser hinreissen wird. (Klappentext)

VD: La Côte

Urbain Olivier wurde am 3.6.1810 in Eysins (VD) geboren und verstarb am 25.2.1888 in Givrins (VD). Er war der Sohn des Jean-Michel-Louis, Bauer, und der Marianne-Madeleine. Olivier absolvierte das Progymnasium in Nyon, danach Mitarbeit auf dem elterlichen Hof. 1831 wurde Olivier für die militärische Intervention der Tagsatzung während der Basler Trennungswirren aufgeboten und hielt seine Eindrücke in einem Tagebuch fest. 1832 war er Notariatsangestellter, 1838 Gemeindepräsident von Eysins, 1839-61 Domänenverwalter der Familie de Saint-Georges in Changins und Duillier. 1842 liess sich Olivier in Givrins nieder, wo seine Frau ein kleines Gut geerbt hatte. Während des Sonderbundskriegs 1847 entstand sein zweites Tagebuch. 1854-87 erschienen 35 Romane und Erzählungen (ab 1857 im Verlag von Georges-Victor Bridel), in denen Olivier Land und Leute beschrieb. Sein religiöses Denken war von der Erweckungsbewegung (Réveil) geprägt. Dank dem Zuspruch eines breiten Publikums konnte Olivier ab 1861, wenn auch bescheiden, von der Schriftstellerei leben.

2. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 2

1. Kapitel
Reise von Zürich nach dem Monterosa und damit verbundener vollständiger Tour um diesen mächtigen Gebirgsstock

In dem ausgezeichnet warmen und für Alpenreisen besonders günstigen Sommer 1822, konnte ich meiner grossen Liebhaberei für solche Reisen höchstens vierzehn Tage widmen; und da ich ohnehin gerne einen kurzen Besuch im Leukerbad gemacht hätte, so neigte sich meine Reiselust nach den, nicht gar weit davon entfernten, mir ganz unbekannten Umgebungen des Monterosa, in der Absicht, diesen wenn auch nicht völlig höchsten, doch grössten Gebirgskoloss in Europa, in möglichst naher Begrenzung zu umgehen. Da man etwas schwierige Bergreisen, besonders in Gegenden, die wenig besucht und fast unbekannt sind, nicht gerne alleine unternimmt, so war mir viel an einem rüstigen Reisegefährten gelegen, den ich auch bald das Vergnügen hatte zu finden, in der Person des Herrn L., eines ebenso unermüdlichen Fussgängers wie gefühlvollen Bewunderers der erhabenen Gebirgsnatur.

Fortsetzung folgt

1. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 1

Hans Caspar Hirzel wurde am 16. Januar 1792 in Zürich als Sohn des Landschreibers Heinrich und der Juliane Escher, Tochter des legendären Hans Conrad Escher von der Linth, geboren. Hirzel liess sich zum Hammerschmied ausbilden und besuchte die Berg-Akademie im sächsischen Freiberg, wo er die kriegerischen Ereignisse von 1813 miterlebte. Hirzel war Eigentümer des Drahtzuges und der Kupferschmiede (früher Kupferhammer genannt) am Hegibach und lehrte Mineralogie am Technischen Institut von Zürich, dem Vorläufer der Industrieschule. Er betrieb aber auch Landwirtschaft. Von 1826–39 war Hirzel Grossrat des Standes Zürich, von 1828–30 Stadtrat, 1831 sowie von 1835–39 Regierungsrat des Kantons Zürich. Er begleitete seinen Schwiegervater nicht selten auf dessen Exkursionen in die Alpen.

Im Jahre 1829 erschien bei Orell, Füssli und Compagnie in Zürich ein Buch mit dem Titel: Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz und ihrer nächsten Umgebungen. Verfasst hatte es eben dieser Hans Caspar Hirzel. Es ist in zwei ausführliche Kapitel gegliedert und beinhaltet 1. die Reise von Zürich nach dem Monterosa und damit verbundener vollständiger Tour um diesen mächtigen Gebirgsstock und 2. die kurze Reise im September 1823 nach einigen Gebirgsstöcken der Kantone Schwyz und Glarus, namentlich auf den Rädertenstock, den Kärpfstock (Kärpf) und das Glarner Faulhorn (Bös Fulen) oder den Schwyzer Griseltstock (Grisset).

Hirzels Bericht ist in verschiedener Hinsicht von Interesse, beschreitet der damals noch junge Mann doch Wege und Pfade, die in dieser Zeit vom Tourismus weitgehend unberührt waren. Zudem beschreibt er Land und Leute auf unkomplizierte Art und Weise, geht auf Begegnungen mit Einheimischen ein und schildert mitunter Landschaften, die er heute kaum wiedererkennen würde. Gründe genug, mich wieder einmal bloggenderweise einem historischen Reisebericht zu widmen, der das bildende Wandern und den frühen Alpinismus vortrefflich verschränkt.

Fortsetzung folgt!

Offizielle Mitteilung

Der 1. August 2019 hätte mein Abreisetag in den Schwarzwald sein sollen, von wo ich die kommenden zwei Monate Richtung Hamburg hätte wandern wollen. Doch daraus wird nun leider nichts. Die hauptberufliche Arbeitsbelastung ist derzeit so gross, dass ein achtwöchiges Fernbleiben vom Büro wenig Sinn macht. Ich bin jedoch zuversichtlich, mein Projekt «Nordetter – zu Fuss vom Berner Oberland ans wahre Nordkapp» zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen zu können.