31. Dezember 2015

Bedienungsanleitung für 2016



Liebe Blogleserin, lieber Blogleser. Für das kommende Jahr wünsche ich Ihnen alles Gute! Machen Sie es doch wie der Baum links. Seien Sie wild und stark, tragen Sie vom Frühling an ein schönes Kleid und lassen Sie sich durch die unermessliche Natur befruchten, auf dass Sie in der zweiten Jahreshälfte prächtig Früchte tragen. Sollten Sie sich zwischenzeitlich wie der Baum rechts vorkommen (das kann vorkommen), dann wenden Sie den Blick zum Baum links und lassen sich nicht unterkriegen.

Und äh ... Wandern hilft meist auch.

30. Dezember 2015

Schon wieder ein Bänkli-Notfall

Am 17. Dezember habe ich über das Häufchen Elend von einem Bänkli in der Nähe von Bowil berichtet. Ähnliches gibt es nun aus Thun zu vermelden. Das tatterige Gestell befindet sich am Wanderweg Rabenfluh–Göttibach, unterhalb der Goldiwilstrasse. Auf dass jemand zu Hilfe eilen möge!


29. Dezember 2015

Pfui und Hui

Ich kam beinahe gleichzeitig mit den ersten Sonnenstrahlen in Crans-Montana an. Belächelte ich in Siders unten die Leuchtschrift Express in der Standseilbahn, so musste ich am Ende der Fahrt anerkennend feststellen, dass der Wagen in einem Höllentempo den gewundenen Schienenstrang hochgerattert war, ohne einmal an einer der zahlreichen Haltestellen zu stoppen. In Montana war ich das erste und bislang einzige Mal Anfang Sommer 1986, als wir hier vom Wildstrubel kommend die Tour beendeten. Ich hatte also noch eine Netzwerk-Rechnung offen und verpasste dem Ort eine pedestrische Fortsetzung.

Ich hatte die Route nach Leuk so geplant, dass ich möglichst schnell aus dem Ferienhaus-Gürtel mit seinen schrecklichen Appartementkästen raus kam. Gleich neben der Bergstation der Standseilbahn erregte das Restaurant Bellavista Istanbul meine Heiterkeit. Nieder mit den Alpen, freie Sicht auf den Bosporus! Willkommen im kafkaesken Kabarett auf 1470 Meter über Normalnull. Willkommen in einem Ort der einst nicht mehr war als ein bescheidenes Maiensäss!

Ist heute nicht Sonntag?, fragte ich mich eine Viertelstunde später, als ich zwei Müllmänner einen riesigen Abfallsack mittels Kran im Müllauto entleeren sah. Es war Sonntag! Höchste Zeit, mich aus dieser verstörenden Gegend zu entfernen. Über zum Teil alte Verbindungswege stieg ich ab nach Randogne, einem einst kleinen Bergdorf, das in den letzten Jahren eine stattliche Zahl an Ferienhäusern erhalten hat. Im noch tiefer gelegenen Mollens sah es nicht anders aus, und ich war froh, der Agglomeration von Siders endgültig den Rücken kehren zu können. Was dann folgte, war das ziemliche Gegenteil des bislang Gesehenen. Ein Fussweg durch märchenhaft anmutenden Föhrenwald.

Schöne Ferien 1: In Montana (VS) schreckt die Müllabfuhr vor dem Sonntag nicht zurück.

Schöne Ferien 2: Die Agglomeration von Siders überzeugt mit Wohnblöcken in Chaletform.

Schöne Ferien 3: Damit dem Städter das Wohngefühl nicht abhanden kommt (und den Investoren nicht die Rendite). Grosses Lob an den Architekten, die Silhouetten der Hochhäuser von Aminona bilden die Form der darüber gelegenen Trubelstock-Massivs gekonnt ab.


Ich arbeitete mich bis zum Maiensäss von Cordona vor, überschritt dabei den Bergbach La Raspille, der weiter unten die Sprachgrenze bildet. Die Dezembersonne hatte in der Zwischenzeit eine unverschämte Wärme entwickelt. Auf 1200 Metern über Meer kam mir eine Joggerin entgegen, bekleidet mit einem Spaghettiträger-Leibchen. Ein Blick an die Südhänge zeugte vom bislang schneearmen und viel zu warmen Winter. Die braunen Hänge reichten bis über die 2000 Meter-Marke.

Das Weinbaudorf Varen erreichte ich über einen langen Abstieg, vorerst auf einer schnurgeraden Alpstrasse, hernach auf einem wiederum traumhaft schönen Pfad durch zunehmend lockeren Föhrenwald. Im Hintergrund zeigten sich die Gipfel des Simplongebietes. Wenigstens sie trugen Schneekappen und vermittelten einen Hauch von Winter. Von Varen führte mich die Route durch die ausgedehnten Rebberge hinüber nach Leuk, das sich in den letzten Sonnenstrahlen räkelte, derweil der Bahnhof im Talboden bereits im Schatten lag. Ein paar bildliche Eindrücke dieser insgesamt nachahmenswerten Wanderung gibt es auf meiner Fotoseite.

28. Dezember 2015

Auf der Fährte des Teufels

Tim Butcher: Auf der Fährte des Teufels, Malik
Piper, München, 2014
Selbstherrliche Diktatoren, gnadenlose Machtkämpfe, drohende Bürgerkriege: Als junger Kriegsreporter berichtete Tim Butcher über die verheerenden Zustände in Sierra Leone und Liberia. Zehn Jahre später kehrt er zurück in die von archaischen Ritualen und Rohstoffkonflikten gezeichneten Staaten und lotet aus, ob es einen Ausweg aus der Spirale von Armut und Gewalt geben kann. Er legt 300 Kilometer auf Dschungelpfaden zurück, von Freetown bis nach Monrovia, einer Route, die 75 Jahre vor ihm der britische Schriftsteller Graham Greene bereist hat, und begibt sich damit auf einen lebensgefährlichen Fussmarsch mit ungewissem Ausgang. (Inhaltsangabe zum Buch)

Eine beeindruckende Reportage mit vielen Hintergrundinformationen über die Geschichte der bereisten Länder und das Leben von Kriegsberichterstattern. Lesenswert!

Tim Butcher, Jahrgang 1967, ist seit 1990 Journalist beim englischen »Daily Telegraph«. Er arbeitete für die Zeitung als Kriegsberichtserstatter, u. a. in Basra und Sarajewo, und war einige Jahre Afrikakorrespondent mit Sitz in Johannesburg. Inzwischen lebt er als freier Autor mit seiner Frau und zwei Kindern in Kapstadt. »Blood River«, Butchers erstes Buch, erhielt einen der wichtigsten britischen Publikumspreise (Richard & Judy Book Club) und wurde über Nacht zum Bestseller.

25. Dezember 2015

Der Berggeher

Wieland Elfferding: Der Berggeher,
Österreichischer Jagd- und
Fischerei-Verlag, Wien, 2011
Bergführer machten hundert Jahre lang den Menschen Gipfel und Grate zugänglich, die sie allein nicht erreicht hätten. Das Jahrhundert des klassischen Alpinismus ist vorüber. Mit ihm geht eine ganze Kultur des Gehens und eine Haltung zur Landschaft unter. An die Stelle der Bergführerschaft ist heute das Rundum-Entertainment am Berg getreten. Die Helden des alltäglichen Alpinismus treten hinter den Stars des Extremen und des ultimativen Outdoorkicks in den Schatten der Geschichte zurück. Ersteren wird in der biografischen Erzählung «Der Berggeher» ein Denkmal gesetzt. (Inhaltsangabe zum Buch)

Der Autor, Jahrgang 1950, lebt als Lehrer und Publizist in Berlin und Bayern. Er ist regelmässig auf einsamen Routen in den Bergen unterwegs. Diese Leidenschaft teilt er mit seiner Frau Anke Bünz-Elfferding, mit der er das Buch «Die Alpen-Sherpas. Geschichten vom Hüttentragen im oberen Iseltal» verfasste.

24. Dezember 2015

Sommer-Weihnacht

Es grünt zwar nicht besonders, dafür blüht es umso mehr. Sommerliche Weihnachten!

5. Dezember 2015 am Bachtel (ZH)

20. Dezember 2015 in Burgistein (BE)

21. Dezember 2015 in Thun (BE)

22. Dezember 2015

Weniger Jäger und keine Touristen

Vergangenen Samstag knöpfte ich mir die Tourismus-Metropole Interlaken vor. Ich beinelte von Därligen während einer Stunde im Schatten zum Bahnhof von Interlaken West, wo ich einen 150-Grad-Schlenker vollführte und gegen die Heimwehfluh zog. Oben angelangt, stellte ich fest, dass ich bislang keinem Touristen begegnet bin, stattdessen hielt ich eine halbe Stunde nach Wanderstart mit einem älteren Jäger einen Schwatz. Der Mann beklagte sich über die schwindende Zahl an Nachwuchsweidmännern, obschon heute die praktischen Anforderungen weit weniger streng seien, als zu Zeiten seiner Jagdausbildung. Ich erfuhr zudem, dass der Hirschbestand im Gebiet über dem rechten Thunerseeufer in den vergangenen Jahren massiv zugenommen hat. Alleine im Justistal soll es angeblich 140 Hirsche geben. Ich versuchte mir vorzustellen, wie sich das Geröhre der Tiere während der Brunftzeit in diesem kleinen Tal anhören muss. Schauerlich …

Winterpause und tote Hose auf der Heimwehfluh. Dafür hatte ich die Aussichtsterrasse für mich alleine.


Zurück zur Heimwehfluh, wo ich einen erquickenden Blick über den Thunersee, die Stadt und im Osten an die schneelosen Hänge des Brienzergrates hatte. Ich zog weiter auf mitunter lauschigen Pfaden über den Grossen Rugen und stieg anschliessend nach Wilderswil ab, das sich bereits dem Schatten ergeben hatte. Hier beeindruckten die zum Teil 400 Jahre alten Holzhäuser. Als Letztes visierte ich den Kleinen Rugen an, den ich ebenfalls auf einem schön angelegten Steig bestieg und noch einmal den Thunersee mit dem Niesen als majestätische Kulisse im Hintergrund überblickte. Auf der nun schattigen Nordseite stieg ich ab, kam an dem verlassen wirkenden Freilichttheater der Tell-Spiele vorbei und trabte an den Interlakener Ostbahnhof, wo ich nach 3½ Stunden Wanderzeit den ersten Touristen begegnete. Eine kleine Bildstrecke möge meine Eindrücke verdeutlichen.

21. Dezember 2015

Einstiegsdroge im besten Sinne

Ursula Bauer, Jürg Frischknecht: Solothurn
Olten Aarau,
Rotpunktverlag, Zürich, 2015
Das unermüdliche Wander- und Autoren-Gespann, Ursula Bauer und Jürg Frischknecht, hat wieder zugeschlagen. Ihr neustes Werk klingt auf den ersten Blick unspektakulär: «Solothurn Olten Aarau». Der Untertitel hebt indes die Aufmerksamkeit: «Zwischen Aare und Jura: Wandern, wo die Schweiz entstand». Was bereits auf dem Buchumschlag die Neugierde weckt, entpuppt sich auf den folgenden 300 Seiten als (einmal mehr) grandiose Verschränkung gekonnt erzählter Historie und unzähliger Wander-Appetizers.

Nebst allgemein bekannten Fakten über die drei Städte am Jura-Südfuss, erschliessen uns die Autoren etliche Geheimnisse und besuchenswerte Orte. Der Leser erfährt nicht nur, wie die Entstehung der (modernen) Schweiz vonstatten ging, er erhält unter anderem auch Einblicke in die Eisenbahngeschichte Oltens, die Stadtgeschichte Solothurns oder über die zwei aus Deutschland zugewanderten Herren Meyer und Zschokke. Wie immer sind die Inhalte formidabel recherchiert und süffig geschrieben. Dabei beschränkt sich das Buch nicht nur auf Stadtrundgänge. Den Auftakt bildet eine mehrtägige Wanderung von Aarberg, vorerst der Alten Aare entlang ins Häftli bei Büren und hernach der Aare folgend bis zum Schinznach Bad. Pedestrische Unternehmungen im Jura, dem gebirgigen Hinterland der Städte, bereichern das Werk ebenso wie die abschliessende Jura-Höhenwanderung von Aarau via Wasserflue–Saalhöhe–Geissflue–Belchenflue–Roggen–Balmberg–Weissenstein–Grenchenberg nach Grenchen. Nebst zahlreichen Fotos besticht der Band durch viele historische Abbildungen sowie drei Foto-Essays.

Mit dieser Städte-Trilogie ist den Autoren ein liebevolles und aufschlussreiches Werk geglückt, das hoffentlich viele Liebhaber finden wird. Der Warnung im Vorwort kann der Rezensent nur beipflichten: «Wandern zwischen Aare und Jura, zwischen Ancien Régime und demokratischem Aufbruch kann süchtig machen.» Und wer nun noch ein Weihnachtsgeschenk für seinen wandernden oder geschichtlich interessierten Nächsten sucht: le voilà!

20. Dezember 2015

Fundstücke und ein Nachtrag

Es war am nass-kalten 2. Januar 1998. Wir gingen zu Viert mit Schneeschuhen vom freiburgischen Plasselb über die Erhebung La Patta zum Schwarzsee. Immer schön der deutsch-französischen Sprachgrenze entlang. Kurz vor Erreichen des Kulminationspunktes La Patta lag auf dem Weg ein Paar rote, kaum gebrauchte Handschuhe der Marke The North Face in genau meiner Grösse. Ich packte sie ein, und während mittlerweile knapp 18 Jahren leisten sie mir im Winter regelmässig gute Dienste.

Nun, vor einer Woche hing am Wegrand kurz vor dem Chuderhüsi bei Röthenbach im Emmental eine braune Wintermütze. Ich schaute genauer hin, sah, dass es sich um ein Produkt von The North Face handelte und spedierte dieses ohne zu zögern in den Rucksack. Nun ist also meine Winterbekleidung für Kopf und Hand markentechnisch komplett. Über das farbliche Zusammenspiel liesse sich indes diskutieren.


Und hier noch eine Ergänzung zum Blog von gestern. Leserin Marianne lieferte prompt ein paar weitere Synonyme für die Bezeichnung des Monats Januar: Hartmonat, Schneemonat, Eismonat, Eismond, Wintermonat, Wolfsmonat, Lassmonat und natürlich Jänner oder Jenner.

19. Dezember 2015

Hartung, Spörkel, Lenzing

Wer sich mit älterem Schriftentum beschäftigt, stösst immer mal wieder auf alte Monatsnamen. Schön, was unsere Altvordern einst kreiert und im Wortschatz mitgetragen haben: 

Januar: Hartung
Februar: Hornung, Spörkel, Narrenmonat, Schmelzmonat, Taumonat
März: Lenzing, Lenzmond, Fohlenmonat, Schnepfenmonat, Frühlingsmonat, Knospenmonat, Gartenmonat
April: Grünmonat, Ostermonat, Ostermond, Gauchmonat, Launing, Wandelmonat
Mai: Weidemonat, Weidemond, Wonnemond
Juni: Brachet, Brachmonat, Brachmond, Sommermond, Rosenmonat, Hundsmonat
Juli: Heuert, Heumonat, Heumond, Heuert, Bärenmonat, Honigmonat
August: Erntemonat, Ernting, Erntung, Ährenmonat, Sichelmond, Fliegenmonat
September: Herbstmonat, Herbstmond, Scheiding, Holzmonat
Oktober: Gilbhard, Weinmonat, Dachsmond
November: Nebelmonat, Nebelung, Windmonat (Karl der Große), Wintermonat, Reifmonat, Martinsmonat, Blutmonat, Schlachtmonat
Dezember: Christmond, Julmond, Heilmond

Weitere Adaptionen nehme ich gerne und jederzeit entgegen.

18. Dezember 2015

Mean Feat

John Waite: Mean Feat, Oxford Illustrated
Press, Yeovil, 1985
When John Waite set out on his 3000 mile journey through Portugal, Spain, France, Switzerland and Italy, het set himself no time limit. That the walk would test him to his physical and mental limits, he was aware, and this proved to be so as he struggled under the fierce heat of the exposed Spanish Plains, gasped for breath up the icy mountain passes of Switzerland, and had to cope with long periods of being on his own.

But the walk had many rewards too; not only the beauty and splendour of the countryside he was journeying through and the freedom of living rough for so long, but also the companionship of the people he met along the way. The fact that most of these were shepherds and farm-workers, often the last generation of their family to be working the land, adds to their interest; the resulting intimate portraits being a recurring delight in the book.

Also of particular interest is the time he spent in the remote French village of Mas Bas where he paused to live and work awhile. The detailed study of the people and their life is fascinating. Mean Feat is an exceptionally fine first book from a writer whose eye for detail effortlessly involves the reader in whatever he is doing or experiencing, so that after 3000 miles, we, like he, are satiated and have to stop.

John Waite was born in Brazil and educated at Eton College and Cambridge University. He taught in Sussex before buying a one-way ticket to Mexico where he travelled and taught English. From there he set off on a ten-month overland journey to Bolivia, and a year later on the walk through South-Western Europe.

17. Dezember 2015

Zämegchruttet



Diese bemitleidenswerte Bank steht in einem Wald südlich von Bowil, an der Wanderroute zum Chuderhüsi. War's ein Vandalenakt oder das Alter des Bänklis, das den desolaten Zustand bewirkt hat? Egal. Lieber Ortsverein Bowil (falls es dich noch gibt), stelle doch eine neue Bank hin, oder entferne dieses Schreckgespenst, bitte. Es macht ke Gattig!

15. Dezember 2015

Damit wasche ich meine Hände

Moor zu heissen ist nicht immer lustig. Vor allem in Kindheitstagen waren Hänseleien an der Tagesordnung. In der Jugend kam der Spruch auf, den ich heute ab und zu noch zu hören bekomme: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Ich habe Schillers Dichtung ein wenig anders interpretiert: Der Mohr mag seine Schuldigkeit getan haben, der Moor hingegen geht und geht und geht.

Henu, es gibt von Zeit zu Zeit die schöne Kehrseite der Medaille, wie ich kürzlich mit Freude erfahren durfte. Eines meiner Wandergspänli schickte mir dieses aparte und äusserst wohlriechende Stück Seife zu. Besten Dank, liebe Schenkerin! Ich werde meine Hände zwar nicht in Unschuld waschen, aber immerhin im Moorgeist. Auch nicht schlecht.


14. Dezember 2015

Der Wanderlift vom Netschbu

Kurze Wanderung gestern im Emmental. Von der Zimmertsei bei Eggiwil via Chapf und Chuderhüsi nach Bowil. Den Aufstieg zum Chapf absolvierte ich mit dem ersten und einzigen Wanderlift der Schweiz, wie dieses Bild in der Nähe vom Netschbu (Netschbühl) bezeugt.


12. Dezember 2015

Der Teufel von Mailand

Martin Suter: Der Teufel von Mailand,
Diogenes, Zürich, 2006
Sonias Sinne spielen verrückt: Sie sieht auf einmal Geräusche, schmeckt Formen oder fühlt Farben. Ein Aufenthalt in den Bergen soll ihr Gemüt beruhigen, doch das Gegenteil tritt ein: Im Spannungsfeld von archaischer Bergwelt und urbaner Wellness, bedrohlichem Jahrhundertregen und moderner Telekommunikation beginnt ihre überreizte Wahrnehmung erst recht zu blühen – oder gerät die Wirklichkeit aus den Fugen? (Klappentext)

GR: Guarda, Bahnhof Chur, Landwasserviadukt, Bahnhof Samedan

11. Dezember 2015

Wort der Woche

Zwei-Grad-Celsius-Ziel.
Gehört auf Radio SRF, heute Morgen, aus der Kehle von Frau Bundesrätin Doris Leuthard nach einer langen Verhandlungsnacht am Klimagipfel von Paris, wo die Weltgemeinschaft krampfhaft versucht, den angerichteten Schaden in den Griff zu bekommen. Den Teilnehmern dieser Übung wünsche ich einen guten Heimflug!

Die Mutmacherin

Pia Brodmann: Zu Fuss nach Santiago de
Compostela
, Spalentor Verlag, Basel, 2002
ursprünglich im Verlag Warmisbach erschienen
Mit 56 Jahren beschloss Pia Brodmann, allein von ihrem Wohnort Ettingen bei Basel nach Santiago de Compostela in Spanien zu wandern und marschierte am 9. Juni 2001 einfach los. Zu Fuss absolvierte sie die über 2'000 km lange Strecke der ehemaligen Pilgerroute, den so genannten Jakobsweg. Auf ihrer langen Wanderung hat Pia Brodmann viele Menschen und Orte kennengelernt, Merkwürdiges, Schönes, Schmutziges, Herzliches und – vor allem – sich selber.

In diesem Buch hat sie ihre Erlebnisse in Wort und Bild festgehalten. Sie macht damit auch anderen Wanderern Mut, das Erlebnis Jakobsweg selbst einmal zu wagen. (Inhaltsangabe zum Buch auf der Website des Spalentor Verlags).

Und das schreibt die Autorin auf ihrer Website über ihr Buch: «Dies ist die Geschichte meiner Reise auf dem Jakobsweg: bodenständig und spirituell zugleich. Ich habe als 56-jährige zu Fuss und allein eine Reise unternommen, die mich von der Haustüre in Ettingen (nähe Basel) durch Frankreich und Spanien nach Santiago de Compostela geführt hat.

Es war auch eine Reise in mein Inneres, um zu mir selber und an die eigenen Grenzen zu kommen. Auf meiner langen Wanderung habe ich viel erlebt. Zu den Begegnungen mit Menschen, Tieren und Pflanzen kamen die überraschenden Begegnungen mit Tarotkarten. Sie waren sozusagen meine inneren Wegzeichen. Weit über zweitausend Kilometer bin ich in einer Art Meditation Schritt für Schritt vorwärts gegangen und kam durch Krisen zur Erkenntnis, dass der Weg wirklich das Ziel ist. Nach meiner Rückkehr habe ich mein Reisetagebuch ins Reine geschrieben und das vorliegende Buch ist entstanden. Es ist weder esotherisch, noch Reiseführer und auch kein religiöses Handbuch. Aber es ist meine Geschichte; bodenständig und spirituell zugleich. Mit diesem Buch möchte ich den Menschen Mut machen, ihre Sehnsüchte zu verwirklichen. Der erste Schritt ist der schwerste ... nachher geht es fast von allein ...»

10. Dezember 2015

Ein Test bahnt sich an und etwas Nasologie

Ich gebe es zu. Es war ein Spontankauf bei Aldi. Schuhspikes für Schnee und Eis. Ich kaufte sie nicht des vermutlich unbeabsichtigten Reimes wegen, nein, derartige Spikes wollte ich schon lange einmal ausprobieren. Nun bin ich gespannt, was die 6 Franken und 99 Rappen teuren (billigen) Teile Wert sind. Immerhin ziert das Siegel des TÜV Rheinland die Verpackung, ebenso das Label Geprüfte Sicherheit. Was bloss noch fehlt, ist der Schnee, und der scheint noch etwas auf sich warten zu lassen. Dran bleiben!

Weil hier etwas Platz zum Schreiben bleibt, noch dies: Auf der letzten Wanderung beklagte jemand seine triefende Nase. Ich hielt dagegen und sagte, dass triefende Nasen eine bestimmte Aufgabe erfüllen würden, das Ungemach also keines sei, sondern so von der Natur gewollt. Der als lästig empfundene Umstand ist nämlich nichts Geringeres als ein Schutzmechanismus. Die Nase filtert und erwärmt die angesogene Atemluft. Gleichzeitig ist das Organ der Kälte meistens schutzlos ausgesetzt. Nasale Sensorzellen melden dem Gehirn die niedrige Temperatur, woraufhin warmes Blut in die Nasenmuscheln strömt. Diese schwellen an und erwärmen die eingeatmete Luft. Die Nase bildet verstärkt Sekret, um die Schleimhäute feucht zu halten und Schmutzpartikel und Krankheitserreger abzutransportieren. Normalerweise fliesst das Nasensekret im Innern des Riechorgans ab, doch bei vermehrter Produktion und geschwollenen Nasenmuscheln beginnt die Nase zu laufen. Die als lästig empfundene Triefnase schützt also die Atemwege vor Infekten. Aha!

9. Dezember 2015

Neulich in 8340


Hinwil (ZH). Wie wär's mit einem Raclette in der Sauna, einem
Glacenfestival im Iglu oder Spaghetti Bolognese im Schlafsack, Früchtekuchen
im Schlachthof, Kaviar im Lernschwimmbecken oder Gänseleber in der
Abwasserreinigungsanlage?

8. Dezember 2015

Das neue Wandern

Manuel Andrack: Das neue Wandern,
Berlin Verlag, Berlin, 2011
Seit Manuel Andrack in seinen erfolgreichen Büchern über das neue Wandern aufklärt, ist das Laufen durch Wälder und Mittelgebirge nicht mehr spießig. Aber was ist eigentlich die perfekte Wanderung? Der Weg, der alle Sinne anregt und uns fit und gesund hält? Der Anblick einer lieblichen Landschaft oder doch eher die Einkehr ins Wirtshaus? Wandern ist kein Überraschungsei, denn die Promena do logen erforschen es ebenso akribisch wie andere das Genom. Mediziner empfehlen es sehr – wenn es in Massen geschieht. Doch daran halten sich längst nicht alle: Es gibt Extremwanderer, die 75 Kilometer in 24 Stunden gehen. Bis auf diese Ausnahme war Manuel Andrack aber auf «normalen Wegen» unterwegs, immer auf der Suche nach dem Glück der perfekten Wanderung. In diesem Buch verrät er uns, wie wir es finden. (Inhaltsangabe im Buch)

Manuel Andrack, geboren 1965 in Köln. Von 1995 bis 2008 Redaktionsleiter bei der Harald Schmidt Show und Schmidt & Pocher. Gekrönt wurde diese Tätigkeit durch den Deutschen Fernsehpreis 2001 und 2003. Seit 2004 publiziert er Bücher zum Thema Wandern, 1. FC Köln, Punk Rock und Ahnenforschung. Er ist Autor unter anderem für DIE ZEIT und den Stern wie auch Autor und Moderator beim Saarländischen Rundfunk.

7. Dezember 2015

Der unheimliche Jogger

Jahre hat es gedauert, bis es endlich zur Besteigung jenes Hügels gekommen ist, den ich schon unzählige Male aus allen Himmelsrichtungen betrachtet habe. Die Rede ist vom 1115 Meter hohen Bachtel im Zürcher Oberland. Für den vergangenen Samstag schlug ich meinem frisch geborenen Wanderclub, ausgehend von Hinwil, eine knapp 20 Kilometer lange Route vor, die nebst dem Gipfel auch den Besuch des ominösen Bachtelspalts vorsah. Erfolgte der Aufstieg über den Nordgrat auf beinahe menschenleeren Wegen, erwartete uns auf dem Bachtel eine skurrile Mischung aus Cervelat brätelnden Familien, fusskranken Autotouristen, Normalspaziergängern und Mountainbikern. Den Vogel schoss indes ein Jogger ab, der den ewigen Umgang zu haben schien. Kaum war er hinter einer Wegbiegung verschwunden, tauchte er wenig später an derselben Stelle wieder auf, um nach einige Minuten wieder an uns vorbei rennend aus dem Blickfeld zu entschwinden usw., usf.  Getoppt wurde der wirre Dauerläufer allerdings von einem Einradfahrer, der die Bachtelstrasse hoch balancierend angewankt kam. Wer nun meinte, der stramme Mann trage sein Gefährt des steilen Gefälles wegen zurück ins Tal, sah sich eines besseren belehrt. Den Atem anhaltend, schauten wir dem Monozyklist zu, wie er sich wagemutig auf die wackelige Abfahrt machte.



Gerne erwähne ich an dieser Stelle, dass wir die Wanderung bei perfektem Wetter mit ebensolcher Fernsicht ausführten, währenddem das zu unseren Füssen liegende Mittelland von hartnäckigem Nebel bedeckt blieb. Als der 0815-Ausflüglerstrom eine  Viertelstunde nach dem Bachtel versiegte, konzentrierten wir uns auf den Bachtelspalt, eine geologische Besonderheit im Nagelfluh-Ambiente, der wir mit viel Begeisterung huldigten. Nicht ohne einen gewissen Stolz schaffte ich es, mich durch den nadelörartigen Durchschlupf zu zwängen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass mein Ränzlein noch keine bedrohlichen Dimensionen angenommen hat.

Nichts für Vollschlanke: der Bachtelspalt (ZH)

5. Dezember 2015

Lila, lila

Martin Suter: Lila, Lila, Diogenes,
Zürich, 2004
So rein wie die Liebesgeschichte, die er als Manuskript in einem alten Nachttisch findet, sind auch Davids Gefühle für Marie. Und er möchte ihre Liebe, um jeden Preis. Dafür muss er ein anderer werden als der, der er ist. David schlüpft in eine Identität, die ihm buchstäblich über den Kopf wächst. (Klappentext)

ZH: Stadt Zürich

3. Dezember 2015

Zwanzig Minuten und dann dies


Glücklich schätzen darf sich, wer während der Mittagspause an einem See seine Füsse für einige Momente vertreten kann. Gestern war mir dieser Augenblick gegönnt. In wenigen Schritten gelangte ich im Thuner Ortsteil Dürrenast auf dem Uferweg an den spiegelglatten Thunersee. Ich zückte die Kamera (nein, nicht das Smartphone!) und versuchte, das betörende Dezemberlicht auf den Sensor zu bannen. Nach zwanzig Minuten musste ich leider abbrechen. Die Pflicht der täglichen Büroarbeit rief. Abends dann das Resultat. Noch einmal liess ich mir die Szenerie bildlich vor Augen führen, wählte, beinahe mechanisch schon, ein paar gelungene Motive aus, bearbeitete sie und stellte die Beute auf meine Fotoseite. Ein kleiner Foto-Essay war geboren.

2. Dezember 2015

Münsingen im Oberaargau

Friedrich Glauser: Schlumpf Erwin Mord,
Unionsverlag, Zürich, 2015
Ich liebe sie, diese handlichen Taschenbuchausgaben im verkleinerten Postkartenformat. Entdeckt habe ich diese Aufmachung vor ein paar Jahren im Fischer Taschenbuchverlag, der mittlerweile eine stattliche Backlist führt. Aber auch andere Verlage bieten diese wanderrucksacktauglichen Bände an. Zum 40-Jahr-Jubiläum hat sich heuer der Zürcher Unionsverlag die Herausgabe einer Sonderedition im genannten Format vorgenommen. Dabei habe ich mir den Schweizer Krimi-Klassiker schlechthin gekauft: Schlumpf Erwin Mord. Zuerst dachte ich, es handle sich um ein bislang unveröffentlichtes Werk Friedrich Glausers, lernte dann im Nachwort von Walter Obschlager, dass ich den damals als Wachtmeister Studer bekannt gewordene Roman erstanden habe.

Der 1935 fertiggestellte Krimi liest sich auch heute noch so, als wäre er 2015 geschrieben und zeitlich in den Dreissigerjahren angesiedelt worden. Glauser schreibt und beschreibt Land und Leute aus dem Bernbiet so real und realistisch, dass ich mir nicht vorstellen kann, die 1939, kurz vor dem Ausbruch des Weltkriegs erstellte Verfilmung mit Heinrich Gretler anzuschauen. Wachtmeister Studer und die restlichen Protagonisten auf Zürichdeutsch? Nach eingehender Lektüre von Schlumpf Erwin Mord, ein Ding der Unmöglichkeit. Henu, die Schweiz von damals hat den Streifen sehr wohl goutiert. Gretler war die cineastische Inkarnation Studers per se, Dialekt hin oder her.

Der Mord im Gerzensteiner Wald, wo der Handelsreisende Witschi erschossen aufgefunden worden ist, scheint ein Routinefall zu sein: Der Verdächtige, ein Vorbestrafter, der im übrigen ein Liebesverhältnis mit der Tochter des Ermordeten hat, sitzt bereits in Untersuchungshaft auf dem Schloss Thun. Sein Versuch, sich in der Zelle zu erhängen, wird von Studer, Fahnder der Berner Kantonspolizei, im letzten Moment vereitelt. Was als Schuldbekenntnis ausgelegt werden könnte, wird für Studer zum Ausgangspunkt für seinen Kampf um Schlumpf, von dessen Unschuld er überzeugt ist. In der Folge entpuppen sich bekannte und einflussreiche Dorfgrössen als nicht über alle Zweifel erhabene Gestalten, womit Glauser ein derart brisantes Thema aufgegriffen hatte, dass der Filmdreh auf mehrere Zürcher Gemeinden hat verteilt werden müssen. Es entstand eine Art kriminelles Seldwyla, ein gekünstelter Mix aus ländlichen Dorfkulissen, damit kein konkreter Ort mit den von Glauser geschaffenen Problemthemen in Verbindung gebracht werden konnte.

Selbst Glauser hat bei der Verortung von Gerzenstein einen kleinen Kunstgriff angewendet. Beim Ort handelt es sich um Münsingen im Aaretal, das der Autor von seinen Aufenthalten in der psychiatrischen Klinik bestens kannte. Um irgendwelche Verdächtigungen aus dem Weg zu räumen, siedelte Glauser Gerzenstein im Oberaargau an, was ein wenig sonderbar anmuten mag, denn die Szenen mit dem Untersuchungsrichter spielen sich jeweils im Schloss Thun ab. Dem geografisch kundigen Leser versetzt diese schriftstellerische Freiheit einen leichten Wirklichkeitsdämpfer. Aber so ist Fiktion nun mal.

PS. Die Lektüre hat mir zudem drei schöne Begriffe näher gebracht: kautelen, rigolen und ondulieren.

BE: Schloss Thun, Oberaargau, Münsingen, Inselspital Bern

30. November 2015

Oh Emmental, du Winterparadies!

Wir erinnern uns: Noch vor 14 Tagen stiegen wir in die Höhe, eingekleidet mit T-Shirt, eingeschmiert mit Sonnencreme. Die Skiliftbetreiber sangen bereits ihr alljährliches Klagelied: Zu warm, zu warm, bald sind wir arm. Und nun ist alles anders. Auf 1000 Meter lagen am Samstag zwischen 30 und 50 cm Schnee. So zumindest im oberen Emmental, wo es mich zu meinem Start in die Winterwandersaison hinzog. Und ich wurde reichlich belohnt, auf meinem Gang von Eggiwil via Schangnau ins Innereriz. Der Schneefall musste zuvor so intensiv gewesen sein, dass selbst die Nebensträsschen nicht schwarz geräumt waren. Wandern auf schneebedecktem Asphalt, ein Hochgenuss!

Besonders beeindruckend war die Einkerbung beim Sorbach hinter Eggiwil und der anschliessende Weg hoch über dem Schopfgraben durch märchenhaft anmutenden Wald. Einmal mehr war ich erstaunt über die Abgeschiedenheit der Bauernhöfe, die sich bei derartigen Witterungsverhältnissen unmissverständlich offenbart. Wie in einem Werbefilm der Post nahm sich der kleine gelbe 4-WD des Briefträgers aus, der an diesem Samstagmorgen all die kleinen Aussenposten der ländlichen Zivilisation bediente: Eine gelbe Ameise, die über unzählige Kurven um ebensoviele Hügel und Höger wuselte.

Traumhafter Weg über dem Schopfgraben bei Eggiwil (BE).


Oberhalb von Innereriz, am Fusse des Hohgants, sah ich mich auf der letzten halben Stunde mit knietiefem Schnee konfrontiert. Nach gut 16 Kilometern gab mir dieser Abschnitt den Rest. Für mich bewahrheitete sich die Erfahrung, dass der Hohgant als segensreiches Hindernis dient, an dem sich die Schneewolken in aller Ruhe ihrer Fracht entledigen können. Nach dieser traumhaft schönen Wanderung am Übergang vom Emmental in das Berner Oberland hat für mich der Winter endgültig Einzug gehalten, was die Bildstrecke verdeutlichen möge.

Bauernhübeli, hoch über der Emme

28. November 2015

Der norwegische Gast

Anne Holt: Der norwegische Gast, Piper,
München, 2009
Ein Schneesturm zwingt die Passagiere eines Zuges, in einem norwegischen Berghotel Zuflucht zu suchen. Unter ihnen ist die ehemalige Kommissarin Hanne Wilhelmsen. Als das Hotel komplett eingeschneit wird, geschieht ein brutaler Mord. Panik macht sich unter den Eingeschlossenen breit, und die an den Rollstuhl gefesselte Kommissarin muss ihr Bestes geben, um den Mörder zu enttarnen. (Klappentext)

N: Bergenbahn, Finsenut-Tunnel, Bahnhof Finse, Hotel 1222 in Finse, Finsevatn, Finse

27. November 2015

Brugg baut auf Chromstahl


Sie haben etwas Kühles, Steriles; die Sitzbänke in der Stadt Brugg (AG). Ich stelle mir die Bänkli aus Chromstahl im Winter als arschkalte und im Sommer als glühend heisse Sitzunterlagen vor. Was insgesamt und überhaupt noch zu beweisen wäre.

26. November 2015

Röbi der Berg

Ab Februar 2016 in der
Edition Wanderwerk
erhältlich.
Im kommenden Februar wird in der Edition Wanderwerk ein historischer Reisebericht erscheinen, an dessen Bearbeitung ich derzeit bin. Wanderungen nach und in Graubünden lautet das Werk. Geschrieben hatte es anno 1856/57 ein gewisser J. Albert aus dem Norden Deutschlands. Besonders interessant sind die heute zum Teil noch kaum bekannten Orts- und Gipfelbezeichnungen. Weil das Buch auch ein Ortsregister enthält, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, alte Bezeichnungen mit den heute gebräuchlichen zu ergänzen. Hierbei gilt es manchmal, wahre Knacknüsse zu lösen. Eine davon hiess Röbi, bei der es sich um den Namen eines Gipfels handelte. Google brachte mir zwar andere Quellen näher, die den Röbi ebenfalls als Berg auswiesen, doch, weil es sich ebenfalls um historische Quellen handelt, ohne einen Bezug zu heutigen Bezeichnung. Und, geben Sie einmal bei Google Röbi + Gipfel ein! Sie werden Tausende von Röbis angezeigt erhalten, die irgendwann einen Gipfel bestiegen und sich im Internet verewigt haben.

Fündig wurde ich schliesslich auf genau jener Karte, die Herr Albert bei seiner Wanderreise mit sich führte: Leuthold's neueste Reisekarte der Schweiz. Da entdeckte ich, mit der im Text erwähnten Umgebung des Röbi, einen Gipfel namens Mot de Röbi. Der Blick auf die aktuelle Landeskarte der Schweiz verriet mir nun, dass es sich um den Muot da Rubi oder auf Deutsch, das Kistenstöckli (2748 m) handelt.

Die Leuthold'sche Karte von 1868 im Massstab von ca. 1:450'000 mit dem Mot da Röbi

Die aktuelle Landeskarte zeigt den Muot da Rubi erst ab dem Massstab 1:50'000

Der Berg liegt unweit der Bifertenhütte des Akademischen Alpenclubs Basel und bildet die Kantonsgrenze zwischen Glarus und Graubünden. Nun hatte ich eine Handhabe, um weitere Nachforschungen zu diesem Berg anzustellen, so unter anderem stiess ich auf einen Eintrag im Geographischen Lexikon der Schweiz von 1902 (Autorenkollektiv, Verlag von Gebrüder Attinger, Neuenburg, 1902-1910; 2. Band, Seite 749):

Kistenstœckli, romanisch Muot de Robi (Kt. Glarus und Graubünden). 2749 m. Schön und regelmässig geformter Felsspitz, nach allen Seiten hin steil abfallend; in der vom Bifertenstock gegen O. und NO. über die Muttenberge, den Ruchi und Hausstock ziehenden Kette und zwischen dem tief eingeschnittenen Limmernboden und dem Val Frisal; w. über dem Kistenpass. Besteht aus eocänen Schiefern mit Nummuliten, unter denen in normaler Lagerung verschiedene Stufen von Kreide und Jura (besonders Malm) folgen; im Limmernboden treten noch tiefer auch Dogger, Rötidolomit und Verrucano zu Tage. Gehört dem normalen Muldenschenkel der Glarner Doppelfalte an. Das Kistenstöckli kann von der Muttseehütte des S. A. C. aus über den Kistenpass und seine NW.-Flanke in 3½ Stunden bestiegen werden.

25. November 2015

Begegnung in Hemberg

Aller guten Dinge sind drei, deshalb noch ein letzter Eintrag aus und über Hemberg, von dem ich in den letzten zwei Posts berichtet habe. Diese schnuckelige Katze ist mir auf der Mauer der katholischen Kirche begegnet. Am liebsten würde man ein solches Tierchen doch gleich mit nach Hause nehmen, nicht wahr. Ich vermied die Umsetzung tunlichst, denn weder Katze noch Besitzer hätten wohl Freude gehabt, wenn ein dahergelaufener Wanderer sich des Tierraubs bemüht.


24. November 2015

Konfessionelles aus Hemberg II

Gestern schrieb ich über die katholische Kirche von Hemberg im Toggenburg. Widmen wir uns heute also dem reformierten Teil des Dorfes und wie er zu einer eigenen Kirche kam.

Johannes Dörig, von 1522–26 Pfarrer in Hemberg, war einer der eifrigsten Verfechter der Reformation im Toggenburg. Allerdings soll er auch alle andern an Grobheiten übertroffen haben. Äusserungen wie: «In einer Toilette könnt ihr grad soviel Ablass (Sündenerlass) erhalten wie in Einsiedeln und die dorthin gehen, sind des Teufels!», verärgerten die Katholiken so sehr, dass sie seine Inhaftierung forderten. Die Hemberger hingegen – fast alle Anhänger des neuen Glaubens – schützten ihren Pfarrer. Erst als die Schwyzer mit den Waffen drohten, befahl der toggenburgische Landrat dem streitbaren Pfarrer, das Land zu verlassen.

Auch die reformierte Kirche von Hemberg (SG) überragt die Skyline des Dorfes deutlich.


Nachdem die damalige Kirche, ja sogar das Pfarrhaus, von beiden Konfessionen gemeinsam benutzt worden waren, beschlossen 1778 die Evangelischen eine eigene Kirche zu bauen. Vier Bürger der Gemeinde standen mit 12‘000 Gulden für die Finanzierung ein, unter der Bedingung, dass jedes Gemeindeglied bereit war, sechs Tage Fronarbeit zu leisten. Der Baumeister Jakob Haltiner von Eichberg kam im März 1779 mit 76 Arbeitern und zwei Wagen voll Arbeitsgeschirr an. Zehn Tage vor Weihnachten konnte das Gebäude samt den vier Glocken bereits eingeweiht werden.

Die Kirche der Reformierten von Hemberg steht punktgenau mitten im Dorf.

23. November 2015

Konfessionelles aus Hemberg I

Das Toggenburg ist kirchengeschichtlich eine interessante Gegend. Vor Jahren, auf meiner Wanderung von Schaffhausen ins Bergell, kam ich im Ort Mogelsberg vorbei und lernte dort den Begriff paritätische Kirche kennen. Hierbei handelt es sich um die gemeinsame Nutzung des Kirchgebäudes, sowohl von Katholiken als auch von Reformierten, jedoch jeweils zeitlich so versetzt, dass sich die Messen und Gottesdienste nicht in die Quere kommen: die infrastrukturelle Oekumene. Eine meiner letzten Wanderungen führte mich nun in das schön gelegene Toggenburger Dorf Hemberg. Bereits von weitem fielen mir die zwei Kirchtürme auf, und ich wusste, was dies zu bedeuten hatte. Gespannt machte ich mich auf die Suche nach den Hintergründen. Ich musste nicht lange suchen, denn vor jedem Gotteshaus stand eine Tafel, die ein wenig über die Historie berichtet.

Die Turmspitze der katholischen Kirche in Hemberg (SG).


Das heutige Gebäude der katholischen Kirche wurde 1871/82 von Ferdinand Beer erbaut. Es ist ein im Kern gotischer Spätbarockbau mit Chorfrontturm. Die Fresken von Jakob Josef Müller kamen zum Teil erst bei der Restauration 1972/73 wieder zum Vorschein. Eine besondere Geschichte hat die Statue der heiligen Anna hinter sich. Einzug in Hemberg hielt sie vermutlich im Jahre 1460, ein Jahr nach dem Brand der ersten Kirche aus dem Jahr 1240. Innerhalb eines Jahres hatten die Hemberger die Kirche wieder aufgebaut und fügten dieser nun die St. Annakapelle hinzu. Als 62 Jahre später die Reformation samt Bildersturm auch das Toggenburg erschütterte, «floh» St. Anna gleichsam ins Exil Ein St. Peterzeller Katholik hielt sie in seinem Hause verborgen. Sie kehrte auch nicht zurück, als im Jahre 1618 wieder ein katholischer Priester sein Amt in Hemberg antrat. Wohl zu ihrer Rettung, denn 1623 wurde die Kirche durch Blitzschlag zerstört. Sie wurde wiederum sofort aufgebaut und zwar von den Evangelischen und den Katholischen gemeinsam, denn das gebäude, ja sogar das Pfarrhaus wurden paritätisch genutzt. erst im Jahre 1649 wurde die heilige Anna in feierlicher Prozession in ihre Kapelle zurückgebracht. 1779 erbauten die dann die evangelisch Gläubigen ihre eigene Kirche. Mehr darüber im Blog von morgen.

Das nicht allzu überladen wirkende Innere der katholischen Kirche von Hemberg.

22. November 2015

Deutschland umsonst reloaded

Harald Braun: Deutschland umsonst
reloaded,
Rowohlt, Reinbeck, 2011
Harald Braun bezeichnet sich selbst als Warmduscher – und doch lässt ihn die Frage nicht los, wie es sich anfühlt, auf Geld und komfortable Fortbewegungsmittel zu verzichten und einfach loszulaufen. Er macht sich auf den Weg, mit seinem Hund an der Seite und 20 Euro Notreserve (für Hundefutter!) im Rucksack. Worauf er nicht verzichtet, ist sein Smartphone – denn er möchte ausprobieren, wie tragfähig die sozialen Netzwerke im echten Leben tatsächlich sind. Wird ihn einer seiner Facebook-Freunde auf dem Sofa schlafen lassen, und wird eine Blogleserin ein warmes Essen spendieren? (Klappentext)

Der Titel des Buches lehnt sich an den Wanderreportage-Klassiker Deutschland umsonst von Michael Holzach (1947–1983), dessen Werk 1982 erschienen ist. Auf Holzach und sein Unterfangen werde ich in diesem Blog zu einem späteren Zeitpunkt näher eingehen.