22. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 113

Eine kleine Stunde unterhalb von Randa kommt man durch das Dörfchen Herberig (Herbriggen), wo man allenfalls beim Herrn Pfarrer ein Nachtlager findet. Da aber das Äussere nicht sehr einladend war, legten wir, ungeachtet der Müdigkeit und eingetretener Dämmerung, noch die starke Wegstunde bis in das Hauptdorf des Tals, nach St. Niklaus, zurück und fanden da ebenfalls bei dem Herrn Pfarrer ein gutes Nachtquartier. Auf dieser letzten Strecke Weges rollte der hoch und trüb angeschwollene Vispachstrom (Mattervispa), in seinem reissend schnellen Lauf, mit donnerndem Getöse, sehr grosse Felsblöcke mit sich fort und drohte an mehreren Stellen, seine Ufer zu verschlingen. Man kann sich, ohne Augenzeuge gewesen zu sein, keinen Begriff machen von der Gewalt eines solchen dicktrüben Stromes mit so starkem Fall, dessen Masse, wegen der darin aufgelösten Erd- und Steinarten vielleicht die doppelte Schwere des klaren Wassers hat. Nach kurzer Betrachtung der auswühlenden und den härtesten Fels allmählich durchfressenden Wirkung solcher Ströme, überzeugt man sich besser, als nach langer Durchlesung ganzer Bände voll der sonderbarsten Hypothesen über Berg- und Talbildungen, dass auf dem ganz natürlichen Weg eben dieser, noch täglich stattfindenden Auswaschungen während vieler Jahrtausenden das grösste Tal gebildet worden sein kann. Und wenn die Talbildung auf solche Art einleuchtend erwiesen ist, so sind die Berge, als Überreste dieser Wirkungen, von selbst stehen geblieben, ohne dass man sie erst noch, gleich dem steinernen Gast, aus der Tiefe des Erdbodens oder gar des Meeres herauf sich erheben lassen muss. Auch die zahlreichen, überall den grossen Alpentälern, aus denen ihr Ursprung nachzuweisen ist, gegenüberliegenden Alpenfelsblöcke kamen, auf ganz natürlichem und begreiflichem Weg an ihre jetzigen Stellen. Man denke sich bei ihrer Hinflutung vor Jahrtausenden die zwischenliegenden Täler noch nicht so tief wie jetzt ausgewaschen und nehme den leicht erweislichen Satz an, dass zu jener Zeit weit grössere und nicht in so viele tausend Rinnen, wie jetzt, zerteilte und dadurch in ihrer Kraft geschwächte, sondern einzelne wenige, aber desto kräftigere Ströme, von den hohen Alpen gegen die weit niedrigeren Rücken des Jura hin sich gestürzt haben: Wie, und es hätte ihnen, bei einer durch Schlamm und Sand doppelt schweren Masse der Flüssigkeit und einem ausserordentlich starken Fall, nicht ein Leichtes sein müssen, den nur noch um einen Drittel schwereren Felsblock an die Stelle hin zu bewegen, an der wir ihn nur so lange als ein Rätsel anstaunen, bis wir uns durch eigene Anschauung von denjenigen Kräften der Natur überzeugt haben, die allein im Stande sind, solche Rätsel auf ganz einfache und klar einleuchtende Art zu lösen!
Fortsetzung folgt

Mit Nik National über Stock und Stein – 2

Nik Hartmann: Über Stock und Stein 2, Fona,
Lenzburg, 2010
Und weiter geht's! - Diesmal von Nordwest nach Südost. Nik Hartmann und Hündin Jabba pilgern durch die Schweizer Alltagsgegenden. Das Schöne daran ist, dass sie durch die Augen des kommunikationsfreudigen Radio- und Fernsehmannes ihren Reiz enthüllen, den man normalerweise gestresst oder gedanklich abwesend kaum wahrnimmt. Nik Hartmanns Tagebuch-Kommentare kommen gewohnt leichtfüssig, scharfzüngig und witzig daher. Ungewohnt ist immer wieder der Tiefgang des genauen Beobachters, die Poesie des emotional bewegten, staunenden Medienmachers. Einmal mehr: Entdeckenswert! Mit Wanderrouten, Kartenausschnitten, Adressen und Schweizer Kochrezepten. (Klappentext)

21. November 2019

Wanderchronik 2019

Ferreyres – Canal d'Entreroches – Corcelles-sur-Chavornay • 20,3 km • Fotos
Gossau (SG) – Niederglatt – Bischofszell • 20,1 km • Fotos
Elgg – Neubrunn – Dussnang • 18,4 km • Fotos
Heimberg (Lädeli) – Brenzikofen – Kiesen • 9,4 km • Fotos
St. Pelagiberg – Hudelmoos – Amriswil • 10,3 km • Fotos
Gossau – Tannenberg – St. Pelagiberg • 17,3 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #13 • 7,3 km • Fotos
Cossonay-Penthalaz – Cuarnens – La Sarraz • 21,0 km • Fotos
Marena – Spin – Maggia • 6,9 km • Projekt OstwärtsFotos 
Rifugio Alpe di Masnee – Maiasco – Marena • 8,7 km • Projekt OstwärtsFotos
Brione – Scimarmòta – Rifugio Alpe Masnee • 6,4 km • Projekt OstwärtsFotos
Ochsenstall – Forbach • 20,3 km • Projekt NordetterFotos
Sandkopf (Zuflucht) – Ochsenstall • 22,2 km • Projekt Nordetter Fotos
Littweger Höhe – Sandkopf (Zuflucht) • 18,2 km • Projekt Nordetter Fotos
Kreuzberghütte (Hausach) – Littweger Höhe • 21,8 km • Projekt Nordetter Fotos
Blindenhäusle – Kreuzberghütte (Hausach) • 22,1 km • Projekt Nordetter Fotos
Hohwald (Kaltenherberg) – Blindenhäusle • 20,8 km • Projekt Nordetter Fotos
Titisee – Hohwald (Kaltenherberg) • 21,9 km • Projekt NordetterFotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #12 • 7,3 km • Fotos
Burgdorf – Bickingen – Wynigen • 9,3 km
Thun Martinstrasse – Uetendorf #11 • 7,5 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #10 • 8,3 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #9 • 6,5 km • Fotos
Saas (FL) – Kulm – Triesen • 14,4 km • Fotos
Steg (FL) – Riethötta – Sass • 14,2 km • Fotos
Gurnigel Wasserscheide – Walalp – Erlenbach • 18,1 km
Kotnecker – Spicher – Schwägalppass • 10,2 km • Fotos
Schönengrund – Unterchapf – Kotnecker • 11,9 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #8 • 8,0 km • Fotos
Schaner Alp – Malbun – Buchs (SG) • 13,4 km
Trübbach – Kurhaus Alvier – Schaner Alp • 8,6 km • Fotos
Pas de Cheville – Solalex – Gryon • 9,9 km
Ardon – Derborence – Pas de Cheville • 18,9 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #7 • 7,4 km • Fotos
Malanseralp – Heidelpass – Weisstannen • 9,6 km • Fotos
Vättis – St. Martin – Malanseralp • 13,6 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #6 • 7,6 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #5 • 8,4 km • Fotos
Bad Ragaz – Bad Pfäfers – Bad Ragaz • 12,6 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #4 • 6,8 km • Fotos
Grosse Scheidegg – First – Grindelwald • 12,6 km • Fotos
Dietfurt – Alplisattel – Wattwil • 16,7 km
Bière – St-Oyens – St-George – Bière • 23,7 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #3 • 6,1 km • Fotos
Rietwis – Fuchsacker – Schönengrund • 17,1 km
Sumiswald – Schwarzenegg – Zollbrück • 10,7 km • Fotos
Riein – Pitasch – Peiden Bogn • 12,7 km • Fotos
Rueun – Ilanz – Riein • 13,6 km • Fotos
Eggiwil – Blapbach – Trubschachen • 11,9 km • Fotos
Busswil – Grossaffoltern – Dieterswil • 13,2 km • Fotos
Schüpfen – Wiler – Worben • 18,1 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #2 • 8,8 km • Fotos
L'Isle – Cottens (VD) – Morges • 19,0 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #1 • 7,1 km • Fotos
Montpreveyres – Villars-Mendraz – Bercher • 20,5 km
Thun Bahnhof – Rabenfluh – Thun Bahnhof • 8,5 km • Thun total
Münchenbuchsee – Jetzikofen – Hinterkappelen • 15,3 km • Fotos
Lucens – Hermenches – Mézières • 20,7 km • Fotos
Fey – Donjon des Brigands – Lucens • 21,4 km • Fotos
Thun Bahnhof – Obere Wart – Thun Bahnhof • 7,8 km
Horgen – Sihlbrugg – Edlibach • 13,9 km • Fotos
Eigerplatz – Thun Bahnhof • 7,8 km • City Ticket ThunFotos
Wil – Chranzebärg – Kirchberg • 15,0 km • Fotos
Lerchenfeld – Thun Bahnhof • 8.5 km • Thun totalCity Ticket Thun

Niederbauenstock (NW) von Seelisberg aus betrachtet. Tour vom 27.01.2019.


  Frick – Effingen – Thalheim • 20,0 km • Fotos
Steffisburg Flühli – Thun Bahnhof • 4,2 km • City Ticket Thun
Le Bois Blanchard – Chêne-Bourg – Troinex • 17,8 km
Hermance – Foncenex – Le Bois Blanchard • 15,5 km
Gwatt Deltapark – Thun Bahnhof • 4,8 km • City Ticket Thun
Weinfelden – Napoleonturm – Ermatingen • 18,6 km
Locarno – Contra – Tenero • 10,4 km
San Nazzaro – Magadino – Gudo • 15,2 km
Giumaglio – Maggia – Gordevio • 9,1 km
Intragna – Verscio – Locarno • 11,6 km
Orbe – Romainmôtier – L'Isle • 22,2 km • Fotos
Trübbach – Rechtes Rheinufer – Haag • 19,4 km • Fotos
Wabern – Dählhölzli – Belpmoos • 8,8 km • Fotos
Allmendingen RAZ – Thun Bahnhof • 4,0 km • City Ticket Thun
Rüthi (SG) – Ruggeller Riet – Haag • 16,3 km • Fotos
Staffelbach – Schmidrued – Beinwil am See • 19,3 km • Fotos
Yvonand – Nuvilly – Granges-Marnand • 23,1 km • Fotos
Grandcour – Cugy – Granges-Marnand • 22,0 km • Fotos
Morges – Lussy-sur-Morges – Allamand • 15,0 km • Fotos
Erlenbach – Witikon – Stettbach • 17,0 km • Fotos
Yverdon – Valeyres-sous-Rances – Orbe • 21,2 km • Fotos
Seelisberg – Bauen – Flüelen • 15,2 km • Fotos
Eggiwil – Chapf – Signau • 14,8 km • Fotos
Riethüsli – Sturzenegg – Gossau • 13,1 km • Fotos
Arvigo – Castaneda – Cama • 13,0 km • Fotos
Nennigkofen – Leuzigen – Rüti b. Büren • 13,8 km • Fotos

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 112

Oberhalb und unterhalb dieses Dorfes Randa hatten wir mit Mühe und Gefahr einige hoch angeschwollene Gletscherwasser, die von der rechten Talseite herunterstürzten, zu passieren. Sie waren durch einen warmen Gewitterregen der letzten Nacht so angewachsen, dass sie alle Stege und Brücken fortgerissen und den Weg beinahe ganz unbrauchbar gemacht hatten. Wir mussten daher auf einzelnen hinübergelegten Latten balancierend diese reissenden Ströme passieren und kamen auf diese Weise glücklich über drei derselben.
Fortsetzung folgt

20. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 111

In einer Stunde kommt man durch das kleine Dörfchen Tesch (Täsch), und von da in einer kleinen Stunde nach Randa, auf einer anmutigen, grünen Erweiterung und Erhöhung des Talgrundes gelegen. Hier war es, wo 1820[1] um Weihnachten vom gegenüberliegenden, steilen Gebirgsabhang herunter eine Gletschermasse stürzte, welche ungeachtet des dazwischenliegenden breiten Talgrundes und der erhöhten Lage des Dorfes, dennoch zwanzig Häuser desselben zu Grunde richtete, teils durch den verursachten, gewaltigen Luftdruck, teils aber auch durch wirkliche Verschüttung von hinübergeschleuderten Eis- und Felsmassen. Die Ursache zu diesem Sturz bestand wahrscheinlich darin, dass vom äusserst hoch und steil gegenüberliegenden Gletscher des Weisshorns ein Teil seiner felsigen Unterlage sich losriss und mitsamt der darauf ruhenden Eismasse plötzlich ins Tal herabstürzte. Nach den Aussagen mehrerer, über diese Begebenheit befragten Augenzeugen soll, vom Dorf aus betrachtet, die Stelle am Gletscher, welche diese für das Tal so verderbliche Masse herab geschleudert hat, für das Auge nur kaum bemerkbar gewesen sein. Daraus kann man sich einen Begriff machen von der unglaublichen Höhe dieser drohenden Fels- und Eistürme.

[1] Hier irrt der Autor, der Gletscherabbruch fand am 27.12.1819 statt und zerstörte 113 Gebäude und tötete 2 Menschen.
Fortsetzung folgt

19. November 2019

Kein Schritt umsonst

Philipp Fuge: Kein Schritt umsonst, Books on Demand,
Norderstedt, 2018
Zu Fuss von Berlin zum Nordkap, 3325 km in 150 Tagen. Anfangs ist das nur eine spinnerte Idee, aber sie lässt Philipp Fuge nicht mehr los. Ohne so recht an sich zu glauben, fängt er an zu planen und zu organisieren – Auszeit auf der Arbeit, nächtelanges Brüten über Landkarten, das Reisebudget zusammensparen und vieles mehr. Am 13. März 2016 ist es endlich so weit. Bei frostigem Vorfrühlingswetter bricht er auf, mit 25 kg auf dem Rücken. Schon kurz hinter Berlin kommen die ersten Zweifel – Kälte, Hunger, Erschöpfung, Einsamkeit. Doch Schritt für Schritt wird er sich seiner Sache sicherer. Ob Sonne, Regen, Sturm, Nebel, Hagel oder Gewitter, Morgen für Morgen schultert er den Rucksack und geht weiter zum nächsten Schlafplatz – meistens das eigene Zelt, hin und wieder ein Unterstand oder eine kleine Hütte, selten mal ein Hostel und in klaren Nächten direkt unterm Sternenhimmel. Ein Leben nur mit dem Allernötigsten und ganz langsam. Oft ist er selbst erstaunt, dass ihm nichts fehlt. Im Gegenteil, er fühlt sich unendlich reich. Er nimmt uns mit auf eine Reise voller farbenprächtiger Sonnenuntergänge, tiefblauer Seen, rauschender Wälder, karger Hochebenen und schroffer Gebirgslandschaft. Er kraxelt über Blockfelder, schlägt sich mit Heerscharen von Mücken herum, überquert eiskalte Flüsse und wandert durch tiefen Schnee. Mit jedem Tag fühlt er sich draussen in der Natur ein bisschen mehr zu Hause. Er schildert sein demütiges Staunen angesichts der Herrlichkeit der Schöpfung. Doch er schwärmt nicht nur, er kritisiert auch – sich selbst und uns alle für unseren energiehungrigen, profitorientierten und zerstörerischen Lebensstil, mit dem wir uns und künftigen Generationen ein Überleben auf diesem Planeten immer schwerer machen. Wiederholt kommt er auf die vielfältigen und verworrenen Probleme unserer Zeit zu sprechen, nicht schulmeisterlich, sondern selbst ratlos. Aber eines hat er gelernt auf seiner Reise: Nicht den Mut verlieren, denn jeder Schritt zählt! (Inhaltsangabe zum Buch)

Moors Fazit: Philipp Fuges Bericht lässt einem vom ersten bis zum letzten Satz nicht mehr los. So unermüdlich wie Fuge die unglaublich lange Strecke von 3325 Kilometern bewältigt hat, so unermüdlich schreibt er über jeden Tag seines Abenteuers. Die bildhafte Sprache des 35-jährigen Arztes aus Berlin kommt ohne grosse Effekthascherei aus. Und genau dies macht den Text stark. Fuge ist kein Mann der lauten Worte, dennoch hat er einiges zu sagen, das uns zum Nachdenken und Handeln anregen sollte, ja muss. Seine jeweils kurzen Einschübe über das Wesen und Wirken des Menschen auf unserem Planeten sind glaubhaft und nachvollziehbar. Hier ist einer Zugange, der es ernst meint und auch danach handelt. Hinzu kommt die wirklich phänomenale Leistung, lückenloss zu Fuss – die Fährfahrt nach Schweden ausgenommen – und mit allem, was ein campender Nordlandwanderer zum Leben und Überleben benötigt, von Berlin durch ganz Schweden, einen kleinen Teil Finnlands und die schier endlose Weite von Norwegens Norden zu gehen. Chapeau! Und was mir ganz am Ende seiner Wanderung besonders gut gefallen hat: Der Mann war sich nicht zu schade, nebst dem «falschen» Nordkap auch noch das echte zu erwandern: die Landzunge mit dem zungenbrechenden Namen Knivskjelloden.

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 110

Vom Rand des Matterhorngletschers (Furggelgletscher) über die Gartfattalpe herunter bis in das Dorf Zermatt hat man drei kleine Stunden. Es war noch nicht spät nachmittags, als wir da ankamen. Da es hier kein eigentliches Wirtshaus gibt, so meldeten wir uns beim Herrn Pfarrer an und erhielten ein ordentliches Mittagessen. Die zwei Führer, welche wir auf dem Gletscher angetroffen hatten, und die in der ganzen umliegenden Gegend gut bewandert zu sein schienen, heissen: Johann Baptist Brantschen und Anton Binner, beide aus Zermatt. Sie hätten mich als Mineraliensammler gerne dazu überredet, ein nahe gelegenes Gebirgstal, im Findeley (Findelen) genannt zu besuchen, wo hübsche Mineralien aller Art sich finden sollen. Zu diesem Umweg hatten wir aber keine Zeit mehr. Die Führer wurden daher verabschiedet und wir wanderten weiter talabwärts.
Fortsetzung folgt

18. November 2019

Weltquell des gelebten Wahnsinns

Henry Glass: Weltquell des gelebten
Wahnsinns,
Kein & Aber, Zürich, 2008
Muss Wissenschaft staubtrocken sein? Keineswegs, meinte Henry Glass. Mehr als zwanzig Jahre lang berichtete der Spigel-Redakteur über allerlei verblüffende Entdeckungen und Erkenntnisse. So vergleicht Glass mit Schalk und britischem Humor die Zeichensprachen der europäischen Völker. Er präsentiert neue alte Ergebnisse zum Thema «Frau am Steuer», porträtiert Exzentriker und die dümmsten Feldherren der Geschichte, und er geht der Frage nach, wie der Geschmack in den Malt Whisky kommt. In einer Zugabe wendet sich der Heimweh-Ire Henry Glass an seine Herzensstadt Dublin – eine Hommage an eine Stadt der Träumer, Säufer und Dichter, wie es sie heute nicht mehr gibt. (Klappentext)

Moors Fazit: Glass ist krass im allermöglichsten positiven Sinne. Ich habe mich selten mit einem Buch so amüsiert wie mit diesem. Und Henry Glass (1951–2000) verstand es meisterhaft, skurrile Themen wie die Furzforschung, Flugzeugabstürze, Murphys Gesetz, das Sexleben der Päpste und vielem mehr zu Papier zu bringen. Köstlich, einfach köstlich. Hier ein Beispiel vom rückseitigen Buchumschlag:

Männer neigen im ehelichen Miteinander dazu, beschränkte Einsicht mit grossem Widerspruchsgeist zu verbinden; dazu kommt ihre geradezu stupende Unfähigkeit, sich des Hochzeitstages zu erinnern, wozu nur knapp 35 Prozent regelmässig in der Lage sind. Offenbar verstehen die Männer von Partnerschaft ungefähr so viel wie die Vögel von der Ornithologie.

Henry Glass, 1951 als Sohn einer rumänisch-deutschen Mutter und eines nordirischen Vaters in München geboren, arbeitete von 1978 bis zu seinem Tod im Jahr 2000 im Wissenschaftsressort des «Spiegel». Er war ein liebenswürdiger Chaot, der seinen angelsächsischen Spleen mit dem Tragen von knielangen Shorts, James-Joyce-Brillen und Capes darzutun pflegte. 

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 109

Ich möchte daher in dieser Hinsicht die Gletscher mit ihren Armen, in Ermangelung einer würdigeren Vergleichung, mit ungeheuren, stets in Bewegung sich befindenden Polypen vergleichen, deren Hauptkörper im nämlichen Verhältnis abnimmt, in welchem die sich ausbreitenden Arme zunehmen, oder umgekehrt, und von denen der eine Arm wieder im nämlichen Verhältnis zunimmt, in dem der nächstliegende abnimmt; wobei jedoch nicht zu befürchten ist, dass die Gesamtmasse jemals eine bedeutende und bleibende Zu- oder Abnahme erleiden werde. Im Durchschnitt von Jahrhunderten wird sie sich ziemlich gleich sein und bleiben; nur grössere Zeiträume von Jahrtausenden können, und müssen auch, eine allmähliche geringe Abnahme der Gletscher zur Folge haben. Immer nämlich geht eine, wenn auch noch so geringe und langsame Verwitterung und Schwindung ihrer Unterlage vor sich, welche nicht wieder ersetzt wird, und die auf den hohen, flachen Rücken, unter tiefem Eis und Schnee verborgen, ganz unbeträchtlich, an den steilen Abhängen aber, von der Last der Gletscher und der damit nachgedrückten Schuttmasse abgerieben, weit bedeutender ist, und wahrscheinlich schon manchen Gletscherpass im Verlauf von wenigen Jahrhunderten durch vermehrte Steilheit der Abhänge verschlimmert hat und noch mehr verschlimmern wird. Hieraus erklärt sich auch am natürlichsten, warum seit einigen Jahrhunderten so mancher Gletscherpass gänzlich unbrauchbar geworden ist, und warum sich manche solche Pässe gegenwärtig noch alle Jahre verschlimmern.
Fortsetzung folgt

17. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 108

Übrigens wird diese Wechselwirkung des unteren Zunehmens und des oberen Abnehmens der Gletscher, und umgekehrt, nicht immer stattfinden, sondern nur in denjenigen Perioden, wo eine Reihe von besonders nassen und kalten Jahren gar schnell mit einer Reihe von besonders trockenen und warmen abwechselt, wie solches von 1816 bis 1822 der Fall gewesen ist. Treten nachher wieder längere Perioden von gemässigter oder gewöhnlicher Witterung ein, so wird bei dem immerwährenden, gewöhnlichen Vorrücken der Gletscher, im Sommer so viel von ihrer Masse wegschmelzen, als sich im Winter vorher angehäuft hat, und sich dabei kein besonderes Zu- oder Abnehmen der Gletscherarme in den Tälern zeigen. Die Gletscher in den Tal gründen nenne ich darum nur Arme, Zweige oder Ausflüsse, weil sie wirklich nur kleine Teile oder Verzweigungen des grossen, auf der Höhe viele Stunden lang und breit sich ausdehnenden, Gletscherstammes oder der Hauptmasse desselben sind. Zwar werden diese Zweige, wegen ihrer näheren Berührung und grösseren Einwirkung auf die kultivierten Talgründe, in der Regel als die Hauptteile der Gletscher angesehen, weil allerdings durch sie nicht selten grosse Viehweiden bedeckt, Talströme gehemmt und zu Seen, deren plötzlicher Durchbruch unersetzlichen Schaden stiftet, angeschwellt; weil Dörfer durch ihre vorgeschobenen und plötzlich abgerissenen Teile überstürzt werden und dergleichen mehr; aber dessen ungeachtet sind und bleiben sie doch nur kleine Teile des grossen, über den ganzen Rücken der Gebirge sich weit verbreitenden Gletscherstammes, von dessen Zu- oder Abnehmen auch ihr Zu- oder Abnehmen, meistens freilich im umgekehrten Verhältnis, abhängt. Nicht selten ereignet sich ferner der Fall, dass bei einem Gletscher, von welchem mehrere Arme oder Ausflüsse nahe beisammen liegen, der eine dieser Ausflüsse durch einen Felsbruch vergrössert und vermehrt wird, wodurch der andere dann im gleichen Masse sich verkleinert und zurückzieht. Ja, es finden sich sogar Beispiele, dass durch den Druck der Eismasse ganze Felsdämme auf der Höhe durchbrochen wurden und, indem auf diese Weise der Gletscher einen ganz neuen Ausfluss erhielt, ein alter, nahe liegender, jahrhundertelang bestandener Gletscherarm, sich zurückzog, und am Ende ganz aus dem Talgrund verschwand.
Fortsetzung folgt

16. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 107

Andere Gletscherarme, weniger hohen Ursprungs und mit breiteren, weniger tief eingeengten Mündungen, werden sich viel stärker in ihren Bewegungen zeigen. Und auch bei den grössten, jetzt noch vorrückenden Gletscherarmen wird sich bald nicht nur das Gleichgewicht einstellen zwischen der vorwärts drängenden Eismasse und der Kraft ihres Abschmelzens, sondern es wird bald auch der Zeitpunkt kommen, wo der Gletscherarm anfangen wird, zu schwinden und sich zurückzuziehen. Doch geschieht dieses erst, nachdem die grosse Masse von Schnee und Eis, welche sich in einer gewissen Reihe von kälteren Jahrgängen auf den Höhen angehäuft hat, durch wärmere Jahre wieder von dort herab, sowohl an Eis als an Wasser in das Tal gedrängt wird, und nachher das verminderte Nachdrängen von oben durch das vermehrte Abschmelzen von unten nicht nur aufgehoben wird, sondern überwogen worden sein. Dieses Zurückziehen der Gletscherarme aus dem Talgrund wird während der Dauer einer ganzen Reihe von Jahrgängen mittlerer Temperatur stattfinden, und selbst dann noch fortdauern, wenn auch die Eis- und Schneemasse in folgenden kälteren Jahren auf den Höhen sich wieder anhäufen wird, bis noch später dann aufs Neue, die den Gletscher von oben herab weit stärker in Bewegung setzende Wärme eintreten, und die Eismasse unten wieder anhäufen wird.
Fortsetzung folgt

15. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 106

Die Führer versicherten uns, dass früher alle Jahre gegen Ende August oder Anfang September etwas Kaufmannsgüter auf Saumtieren über den Gletscher gebracht worden seien; dass aber solches in diesem Jahr wohl nicht ganz unmöglich, doch mit grosser Schwierigkeit und Gefahr verbunden sein werde wegen der vielen und grossen, erst in diesem Sommer wieder zum Vorschein gekommenen Spalten, über welche man für die Lasttiere allemal erst Brücken schlagen müsse. Diese seit den wärmeren Sommern von 1819 bis 1822 allgemein beobachtete Erscheinung, dass, besonders die nördlich in die Talgründe auslaufenden Gletscherarme bedeutend vorrücken und an ihren tiefsten Stellen, hauptsächlich in beschatteten Talgründen, an Länge, Breite und Höhe auffallend zunehmen, während dass ihre Hauptmasse auf den Höhen abnimmt und sich immer mehr zerspaltet. Diese häufige Erscheinung liefert den Beweis, dass in den wärmeren Jahren, durch jenes Abschmelzen der zusammenhaltenden Schneedecke auf dem Rücken der Gletscher und das damit verbundene Öffnen vieler Spalten, der Zusammenhang der Gletschermasse in Folge der hereingedrungenen Wärme bedeutend geschwächt, die Masse in viel lockerere Verbindung gebracht und dadurch dann eben in den Stand gesetzt wird, auf den ihr zur Unterlage dienenden, steilen Gebirgshängen viel leichter und schneller sich gegen die Talgründe hinab in Bewegung zu setzen, als bei Umhüllung mit einer starken und fest sie verbindenden Schneedecke. Ist nun der Talgrund, in welche diese grossen Gletscherarme auslaufen, von einer solchen Beschaffenheit, dass er wegen seiner nördlichen, oder sonst eingeschlossenen, weder den warmen Winden, noch dem Einfluss der Sonne geöffneten Lage, viel kälter ist, als die höheren, von der Sonne beschienenen Rücken und Abhänge der Gletscher; so kann unter diesen Umständen die häufig und schnell herab sich bewegende Eismasse, im engen, kalten Talgrund angelangt, nicht im Verhältnis dieser Anhäufung auch wieder wegschmelzen, sondern muss sich am tiefsten Punkt, wie die Erfahrung zeigt, zum Schaden der Umgebung, vermehren und ausdehnen. Hierbei leuchtet von selbst ein, dass, je höher und ausgedehnter die Gebirge sind, von denen diese Gletscherarme herabhangen, desto länger andauernd und stärker auch das Wachstum dieser letzteren sein muss, und umgekehrt. Und hierin gerade liegt der Grund, warum die Klagen über ganz neue Gletscherbildungen auf niedrigeren Teilen der Alpen während der nasskalten Jahre von 1816 bis 1818, schon nach dem ersten, recht warmen Sommer von 1819 wieder verstummten; da doch gerade zu dieser Zeit die Klagen erst anfingen über das Anwachsen der Gletscherarme, die von etwas höheren (10.000 bis 12.000 Fuss hohen) Gebirgen herabkommen, z.B. die Grindelwaldgletscher, die dann aber bald nachher, 1822, ebenfalls schon wieder abzunehmen anfingen, als das Anwachsen der grössten Gletscherausflüsse in der Umgebung des Montblanc und Rosa im höchsten Grad fühlbar wurde. Und ebenso muss noch länger andauernd als am Montblanc, das Gletscherwachsen am Rosa, besonders auf dessen Nordostseite sein, weil letzteres Gebirge auf seinen höchsten Punkten eine weit grössere Ausdehnung hat, als der Montblanc. Bei den südlich gelegenen, den warmen Winden und der Sonnenwirkung geöffneten Gletscherausflüssen ist die oben beschriebene Erscheinung lange nicht so auffallend, weil da alle Sommer die grösseren Anhäufungen von Schnee und Eis auf den Höhen weit regelmässiger wieder wegschmelzen, und weil auch die, durch stärkeres Herabdrängen vermehrte Gletschermasse im Talgrund, hier ebenfalls verhältnismässig weit schneller durch Abschmelzen sich vermindert, als an der Nordseite. Doch trifft man auch auf der Südseite der Alpen Talgründe an, in denen die Gletscher während der wärmeren Sommer von 1819 bis 1822 bedeutend mehr vorgerückt sind, als früher in den kälteren Jahren; z.B. die gewaltigen, von der Südseite des Montblanc herabhängenden, Miage- und Brenvagletscher im unteren Teil der Alleeblanche (Val de l’Allée blanche[1]). Hier tritt aber eben im höchsten Grad der oben erwähnte Fall ein, dass der Grund dieser tiefen Talschlucht mit dem Gletscherende, von hohen und steilen Gebirgen eingeengt, beinahe immer im Schatten und im kältesten Luftstrom liegt, während der obere Teil der Gletscher, an einem steilen, südlichen Abhang, den ganzen Tag über der heissen Sonne ausgesetzt ist. Dadurch wird der Zusammenhang der Eismasse viel lockerer, und das Abwärtsdrücken derselben geht viel heftiger und schneller vonstatten, als das Wegschmelzen im engen, schattigen Talgrund. Auf diese Weise habe ich mir die sonderbare Erscheinung erklärt, dass in den wärmsten Sommern einige Gletscherausflüsse am meisten wachsen und durch ihr Vorrücken in fruchtbare Talgründe Schaden verursachen, währenddem sie auf den Höhen an Masse und Umfang bedeutend verlieren. Diese Erscheinungen zeigen sich jedoch in so auffallendem Masse nur bei Gletscherarmen, die ihren Zufluss von den höchsten Gebirgen erhalten, und deren Auslauf im engen und tiefen Tal in gar keinem Verhältnis steht mit der weit grössern Ausdehnung nach oben.

[1] Heute Val Veny.
 Fortsetzung folgt

14. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 105

Merkwürdig und mit der ähnlichen Erscheinung im Saastal auffallend übereinstimmend ist die Tatsache, dass der grosse Gorner- oder Rosagletscher, der am weitesten in das Tal herabhängt, auch jetzt noch so ausserordentlich darin vorrückt, gerade wie der früher beschriebene Gletscher im Saastal; während doch die Gletschermasse auf der Höhe, hier wie dort, bedeutend abnimmt, und, besonders durch das weit tiefere Abschmelzen des Schnees, auf dem Rücken und an den oberen Hängen der Gletscher sich jetzt Spalten zeigen und öffnen, die seit einer langen Reihe von kälteren Jahrgängen dem Reisenden niemals gefährlich geworden, weil sie tief unter dem Schnee begraben gewesen waren.
Fortsetzung folgt

13. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 104

Nachdem man eine Viertelstunde auf diesen kahlen Felsmassen herabgestiegen ist, kommt man auf begrasten Alpengrund, der den Namen Gartfattalpe[1] trägt, und auf dessen steilen Abhängen man in den Talgrund hinuntersteigt. Die Aussicht von dieser Alp ist bewundernswürdig, da sie einen Gebirgsvorsprung bildet zwischen den zwei grossen Vertiefungen, in welchen die ungeheuren Gletscher, auf der einen Seite vom Rosa[2] und auf der andern vom Matterhorn[3] her, bis weit in das Tal hinab sich erstrecken, obschon sie auf den oberen Höhen, von denen wir soeben herkamen, als ein grosses Ganzes zusammenhängen. An dem in eine Spitze auslaufenden Fuss der Gartfattalp vereinigen sich die beiden grossen Gletscherwasser[4], nachdem sie zuvor in den schönsten Wasserfällen von den Gletschern herabgestürzt waren. An diesem Punkt findet sich überhaupt so viel Grosses und Ausserordentliches zu einem Schauspiel vereinigt, dass man sich kaum an demselben sattsehen kann, und dass das allein schon den Besuch dieser Stelle aus weiter Ferne her, lohnen würde.

[1] Später «Gartfad» und heute «Garten» (2450–2600 m) genannt.
[2] Bodengletscher, der sich von dieser Stelle längst zurückgezogen hat.
[3] Furggletscher, der hier seit langer Zeit nicht mehr existiert.
[4] Gornera und Furggbach.

Fortsetzung folgt

12. November 2019

Der Ketzer ist da

Gerhart Hauptmann: Der Ketzer von Soana,
Edition Wanderwerk, Burgistein, 2019,
154 Seiten, Broschur.
Etwas Werbung in eigener Sache: «Der Ketzer von Soana» ist heute aus der Druckerei eingetroffen. Gerhart Hauptmann erzählt uns in seinem Werk von den Tücken eines Priesters, der sich in eine junge Frau verliebt und was der gute alte Eros mit dem Gottesmann alles anstellt. Ort des Geschehens ist Rovio (Soana) am Fusse des Monte Generoso im schönen Tessin. Das Buch kann ab sofort auf der Website meines Verlages bestellt werden.

Die Erzählung wird ergänzt mit einer Kurzbiografie Gerhart Hauptmanns, zahlreichen Anmerkungen, vier Fotos sowie mit zwei Wandervorschlägen zu den Schauplätzen zwischen Luganersee und Monte Generoso.

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 103

Übrigens zweifle ich sehr, dass die mannigfachen, oft sehr verwittert und einzeln da herumliegenden Mineralkörper alle auf diesem kleinen Raum anstehend zu finden seien. Das Chaotische ihres Beisammenliegens am Rand des Gletschers lässt vielmehr mit grosser Wahrscheinlichkeit vermuten, dass ein bedeutender Teil derselben als Gletscherstoss auf dem immer vorwärts schiebenden Eis von den verschiedenen Felshörnern hergetragen worden ist. Von den gefundenen Seltenheiten zeichnet sich besonders der gerad- und krummschalige Diopsid aus, der hier in beträchtlichen Lagern und Nestern bricht. Die ganz kahle Oberfläche der Felsen, auf welchen in weitem Umfang nicht die geringste Vegetation spriesst, ist zur Untersuchung derselben besonders günstig, und ich bin überzeugt, dass ein Sammler, der sich hier und am Rand der vielen grossen, in den Hintergrund dieses Tales sich herabsenkenden Gletscher, einige Zeit aufhalten könnte, mit reicher Beute zurückkehren würde.
Fortsetzung folgt

11. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 102

Unsere gestrigen zwei Führer von Rysen hatten auch etwas von dieser Geschichte erzählt und uns versichert, dass ihre zwei pflichtvergessenen Mitbürger, als an dem Unglück schuldig erkannt wurden, ihre Strafe dafür zu erwarten hätten. Wie leicht wäre es möglich gewesen, dass beide Freunde miteinander versunken wären, und kaum je ein Mensch erfahren haben würde, wo und wie sie ihren Tod gefunden hätten! Diese Begebenheit zeigt warnend, wie sorgfältig man in der Wahl seiner Führer in so wenig besuchten Gebirgen sein muss, und dass man dieselben nie entlassen darf, bis man seines Weges ganz sicher ist, besonders aber auf Gletschern niemals sich selbst vertrauen soll.

Die nächsten Umgebungen des Gletschers, so wie das erwähnte Felsenriff in demselben, zeigen ein Chaos von allerlei Steingeröll in mehr und minder verwittertem Zustand, wobei ein Sammler tagelang verweilen und sich schöne Suiten auslesen könnte. Die Talkerde enthaltenden Gesteinsarten sind vorwaltend; doch finden sich auch viele andere und metallische Fossilien. Die Hauptgebirgsmasse ist dünnschiefrig mit den mannigfaltigsten Schichtenbiegungen, wobei im Grossen sowohl der Gebirgsmasse, als im Kleinen des Gesteins , die wellenförmigen Biegungen in konzentrisch-schalenförmige übergehen, und sich gleichsam in Knoten verwickeln, die öfters einen festeren, kieseligen Kern einschliessen. Diese Gebirgsarten bestehen aus Hornblende-, Talk-, Ton- und Glimmerschiefer, die unbestimmt ineinander übergehen. So mannigfach verschieden wie die Hauptgebirgsarten, sind auch die darin enthaltenen Gänge, Lager, Klüfte, Nester und noch andere Lagerstätten, die einen grossen Reichtum verschiedener seltener Mineralien enthalten, wie z.B.: Diopsid, Strahlstein, Pistazit, Idokras, Kalkspath, schöne kubische Eisenkiese, nebst einer Menge Färbungen von verschiedenen Metalloxiden, vermutlich von Kupfer, Braunstein und Titan herrührend, nebst noch vielem anderen, was aber weit mehr Zeit zur Untersuchung erfordern würde, als eine einzige mir dazu vergönnte Stunde.

Fortsetzung folgt

10. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 101

Diese erwähnten zwei Führer sollten nämlich zwei piemontesische Edelleute auf dem gleichen Weg, den wir gestern angetreten hatten, über diesen Gletscher ins Wallis bringen, und brachten sie auch glücklich bis auf die Höhe bei St. Theodul, wo dann den Fremden die Spur früherer Reisenden, als ein nun leicht zu findender Weg ohne alle Gefahr, gewiesen wurde. Die nachlässigen Führer kehrten wieder zurück, und die beiden Freunde verfolgten die ihnen im Schnee angewiesene Spur, welche sich aber weiter unten, wo der Schnee viel schneller wegschmilzt als oben, ganz verlor. Hier wichen die Reisenden nur wenig links ab, auf die Seite, wo der Gletscher viele verdeckte Spalten hat, und nicht mehr weit von dem festen Felsgrund am Ende des Gletschers entfernt, versank plötzlich der Eine vor den Augen des Anderen in einen solchen Unglück bringenden Spalt, aus dem er auf das laute Rufen seines bestürzten Begleiters keine Antwort mehr hören liess. Dieser eilte zu den nächsten Alphütten und fand auch bald die gesuchte Hilfe. Unter den Herbeieilenden war einer unserer Führer, der sich an Seilen in den Spalt hinunterliess, ohne jedoch, wegen allzu grosser Tiefe, den Grund erreichen zu können. Man holte nun aus dem Dorf herauf längere Seile und eine lange Stange mit einem Haken versehen. Mit dieser liess sich der Führer noch einmal in den Spalt hinunter, an dessen Grund er endlich einen weiten Raum mit einem stillstehenden Wasser von bedeutender Tiefe entdeckte, in dessen Eiskälte ohne Zweifel der Verunglückte bald erstarrt sein musste. Bevor jedoch der Leichnam gefunden werden konnte, musste der Freund des Verstorbenen sich von der unglücklichen Stelle trennen, hinterliess aber die Versicherung, dass der Verunglückte eine bedeutende Barschaft an Gold bei sich trage. Dieses lockte die Kühnsten von denjenigen, welche früher vergebene Rettungsversuche gemacht hatten, zu wiederholten späteren Versuchen, und zuletzt gelang es unserem jetzigen Führer, bei noch tieferem Herablassen, mit der langen Hakenstange den Leichnam in der Tiefe des unterirdischen Gletschersees aufzuspüren. Aber in der unbequemen Lage, an Seilen hängend und über dem schauerlichen Abgrund schwebend, konnte er die Last niemals weiter als bis zur Oberfläche des Wassers bringen, wo sie dann an Schwere bedeutend zunahm und seine Anstrengungen unnütz machte. Er versicherte jedoch, nächstens mit noch besseren Hilfsmitteln den Versuch zu wiederholen. Möge die Begierde nach dem Gold ihn nicht allzu verwegen machen!

Fortsetzung folgt

9. November 2019

Gericht im Lager

René Gardi: Gericht im Lager, Sauerländer, Zürich,
1964
Das Lager, Lebensgemeinschaft junger Menschen, verlangt von jedem die Zurücksetzung seines Eigenwollens. Kameradschaft wird zur Notwendigkeit, deren Bedeutung auch den Kleinsten erfüllen muss. Was in der Schule zum Alltäglichen gehört: Das Bemühen, die gute Bewertung der Leistung um jeden Preis zu erlangen, ist im Lager eine Unmöglichkeit, wenn es gegen das für alle gültige Gesetz verstösst. Gegen dieses Gesetz der Kameradschaft hat sich Fritz, das ehrgeizige Vatersöhnchen, im Schullager am See vergangen. Es wird die Aufgabe nicht nur seines Gegenspielers Res, sondern aller, den Schuldigen zu überführen, um dem Recht und der Wahrheit zum Sieg zu verhelfen und das schwer gestörte Gemeinschaftsleben neu entstehen zu lassen.

Die Szene der Ereignisse, in die uns René Gardi in packenden Bildern führt, ist die Ried- und Auwaldlandschaft des südlichen Bielerseeufers, jene köstliche letzte Wildnis, wo jeder Bub zum naturverbundenen Praktiker werden muss – ist das sommerliche Wasser und die lockende Petersinsel, hinter welcher sich die Waldberge des Juras erstrecken. Herrliche Lagerszenen erleben die Buben und vorallem den Bau eines stolzen Seglers, auf dem sie zu grossen Taten die Wasser durchfurchen. (Klappentext)

BE: Südliches Bielerseeufer, Bielersee, St. Petersinsel

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 100

Mit zwei kräftigen deutschen Walliser Führern ging nun die Reise auf dem langen, blendenden Schneefeld weiter abwärts, indem wir mit jedem Schritt fast bis an die Knie und zuweilen bis an die Hüften in den Schnee eintraten, was sehr ermüdend war. In einer Stunde, von der Höhe des Passes an, erreichten wir ein mitten aus dem Gletscher wie eine Insel hervorragendes Felsenriff mit Hornblende und Strahlstein bedeckt, bei dem ich, wenn es möglich gewesen wäre, gerne länger verweilt hätte, um seltenere Mineralien zu sammeln, deren verwitterte Überreste sich in mannigfachen Verschiedenheiten auf der Oberfläche fanden. Kälte und Nässe, von denen wir durchdrungen waren, trieben uns aber dem Ende des Gletschers zuzueilen, welches von dem Felsenriff an in einer halben Stunde erreicht war. Auf dieser letzten Wegstrecke zeigten uns die Führer im Vorbeigehen einen links ganz nahe liegenden offenen Gletscherspalt, der vor kurzer Zeit noch mit Schnee bedeckt gewesen war, und worin erst vor zwei Wochen durch die Gewissenlosigkeit zweier Führer aus St-Jacques d'Ayas, ein vornehmer piemontesischer Edelmann, als Flüchtling wegen politischer Verfolgung, nachdem er glücklich bis hierher gekommen war, so nahe am Ende des Gletschers noch sein Leben einbüssen musste.
Fortsetzung folgt

8. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 99

Unterdessen langten die von unten heraufkommenden Personen bei uns an und waren ebenso erfreut über unseren Anblick, wie wir über den ihrigen; denn beide Teile konnten nun, mitten auf dem gefährlichen Pass, mit viel mehr Sicherheit auf eine glückliche Zurücklegung desselben schliessen. Die Hauptperson dieser aus vier Männern bestehenden Gesellschaft, war Herr Paul Vincent aus Gressoney, der in Gressoney selbst ein Goldbergwerk und in Konstanz ein Handelsetablissement besitzt, von wo er beinahe jeden Sommer diesen oder einen ähnlichen Weg nach Hause nimmt. Wir erfuhren von ihm, dass er die nämliche Spitze des Monterosa bestiegen habe, welche der oben erwähnte Herr Pater Bärenfaller aus Obergressoney erstiegen hat. Auch jetzt führte er alle nötigen Apparate zu grossen Gletscherreisen, wie Seile, Fusseisen usw. mit sich und hatte vor wenigen Tagen von Zermatt aus, einige der hohen, nordöstlichen Umgebungen des Rosa besucht, so dass es mir sehr interessant gewesen wäre, von diesem Bewohner und Kenner der nächsten Umgebung eines der unbekanntesten Gebirgsstöcke ausführlichere Erkundigungen darüber einzuziehen. Dazu war aber fatalerweise der Ort unsers Zusammentreffens gar nicht geeignet; denn wir standen beide tief im Schnee, waren davon durchnässt und zitterten vor Frost. Nachdem er mir einige Grüsse und Aufträge an angesehene Bekannte, die er in Zürich hat, mitgegeben hatte, mussten wir uns leider schon wieder trennen. Seine beiden Führer aus Zermatt kehrten mit uns und der unsrige mit ihm nach ihrer Heimat zurück, wodurch nicht nur sie, sondern auch wir viel gewannen, weil nun jede Partei Führer bei sich hatte, die soeben den stündlich sich verändernden Gletscherweg zurückgelegt und genau kennen gelernt hatten.
Fortsetzung folgt

7. November 2019

Ein Mann, ein Mord

Jakob Arjouni: Ein Mann, ein Mord,
Diogenes, Zürich, 1991
Ein neuer Fall für Kayankaya. Schauplatz Frankfurt, genauer: der Kiez mit seinen eigenen Gesetzen, die feinen Wohngegenden im Taunus, der Flughafen. Kayankaya sucht ein Mädchen aus Thailand. Sie ist in jenem gesetzlosen Raum verschwunden, in dem Flüchtlinge, die um Asyl nachsuchen, unbemerkt und ohne Spuren zu hinterlassen, leicht verschwinden können. Was Kayankaya dabei über den Weg und in die Quere läuft, von den heimlichen Herren Frankfurts über korrupte Bullen und fremdenfeindliche Beamte auf den Ausländerbehörden bis zu Parteigängern der Republikaner mit ihrer Hetze gegen alles Fremde und Andere, erzählt Arjouni klar, ohne Sentimentalität, witzig, souverän. (Klappentext)

D: Frankfurt und Umgebung

Moors Fazit: Arjounis Werk zu kritisieren grenzt schon fast an Blasphemie. Schade, weilt der Gott unter Deutschlands Krimiautoren nicht mehr unter uns.

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 98

Als wir nach kurzem Verweilen auf dieser frostigen Höhe im Begriff waren, über den nördlichen Abhang gegen das Wallis hinunterzusteigen, sahen wir zu unserer Verwunderung und Freude, über das vor uns liegende, unermessliche Schneefeld hin, von weitem einen Trupp Menschen gegen uns heransteigen. Dem Führer, der schon wiederholt einige Sorge verraten hatte wegen des Hinuntersteigens im aufgeweichten, tiefen Schnee, machte diese Erscheinung besonders grosse Freude; indem er daraus schloss, dass die Arbeit viel besser vonstatten gehe, als er sich eingebildet hatte, und dass er viel früher als er glaubte, den Rückweg nach seiner Heimat wieder antreten könne. Im Augenblick dieser Freude aber vergass und vernachlässigte er ein wenig seine gewöhnliche Sorgfalt, wodurch die Freude bald in grosses Leid sich verwandelt hätte. Denn nach wenigen Schritten zu eiligen Bergablaufens, lag er plötzlich vor unseren Augen bis unter die Arme versunken und hatte grosse Mühe, sich mit aller Anstrengung aus einem Loch herauszuarbeiten, in welchem seine Füsse keinen Grund erreichen konnten. Zum Glück hatte er sich sogleich, als er den Unterleib hineinsinken fühlte, mit dem Oberleib vorwärts, auf den jenseitigen festen Rand einer Gletscherspalte geworfen und sich durch diese schnelle Vorsicht vor dem gänzlichen Versinken verwahrt. Kaum war es ihm gelungen, sich wieder herauszuarbeiten, so warnte er uns, nicht zu nahe zu treten; denn erst jetzt bemerkte er eine schwache, fortlaufende Vertiefung im Schnee als Zeichen einer darunter verborgenen Gletscherspalte. Da diese rechts und links sich weit ausdehnte, blieb uns nichts anderes übrig, als mit den Stöcken an der Stelle, wo der Führer eingesunken war, den Schnee bis auf beide feste Ränder der Spalte wegzustossen, um die Weite der Höhlung zu prüfen, und als diese nicht mehr als drei Fuss betrug, darüber hinwegzuspringen.

Fortsetzung folgt

6. November 2019

Frei. Luft. Hölle.

Are Kalvø: Frei. Luft. Hölle. Dumont,
Ostfildern, 2019
Alle Menschen lieben es, in der Natur zu sein. Alle? ... Nein! Ausgerechnet ein Norweger hat ihn verpasst, den Zug ins Freie. Are Kalvø zog in die Stadt und blickte nie zurück. Doch dann kommt der Tag, an dem er zu seinem Entsetzen feststellt: Er hat alle seine Freunde an die Natur verloren. Früher kamen sie mit ihm in den Pub, um Unsinn zu reden, jetzt gehen sie plötzlich in die Berge und posten Bilder von Skispuren, tragen Klamotten mit zu vielen Taschen und sagen humorfreie Sätze wie «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung». Zum ersten Mal, seit er auf der Schule zu so etwas gezwungen wurde, geht Kalvø deshalb auf Tour, zu Fuss, auf Skiern und im Auto, um seine Freunde zu finden. Und um herauszufinden, was eigentlich mit uns los ist. (Klappentext)

Moors Fazit: 360 Seiten gespickt mit zu vielen running Gags und wenig lustigen Wahrheiten über das Wandern und Skiwandern in Norwegen. Vom «bekanntesten Entertainer und Comedian Norwegens» hätte ich etwas mehr Witz und Abwechslung erwartet. Gerne hätte ich mir einen selbstironischen Text über den «Outdoor-Wahnsinn» zu Gemüte geführt. Nun, vielleicht verstehe ich den norwegischen Humor nicht, oder aber das Buch ist schlecht übersetzt, oder aber ich bin zu abgebrüht. Are empfehle ich, sich eine lebenslange Mitgliedschaft in einem trendigen Fitnessstudio zuzulegen, die Mitglieschaft im DNT aufzukündigen und den Hüttenschlüssel in der Osloer Zentrale persönlich vorbeizubringen.

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 97

Ungeachtet unseres hohen Standpunktes konnten wir von den Schweizergebirgen nördlich dem Rhonetal nicht viel sehen, einige wenige Felshörner ausgenommen, die sich, wahrscheinlich aus dem Lötschental, erhoben; denn östlich standen vor unserem Gesichtskreis die hohen und spitzen, in einer ziemlich langen Kette nordöstlich vom Monterosa auslaufenden Hörner, welche zwischen den beiden Tälern von Zermatt und Saas sich erheben. Vom Matterhorn aus zog sich, unseren Gesichtskreis gegen die Schweiz hemmend, von West nach Ost eine Kette hoher, vergletscherter Gebirge, die das Zermattertal von seinem westlich gelegenen Nebental, dem Turtmanntal, trennen. In dieser letzteren Gebirgskette zeichnet sich besonders eine hohe und scharfe, beschneite Spitze aus, die, späteren Erkundigungen zufolge, dass Weisshorn ist, von dessen steilen Gletscherabhängen herab, das Dorf Randa im Niklaustal, zwei Jahre früher durch einen Gletschersturz[1] so sehr beschädigt worden ist. Die anstehende Felsart auf der Höhe dieses Passes ist Gneis mit viel Hornblende, so dass er in Hornblendeschiefer übergeht; alles in flach, nordwestlich eingesenkter Schichtung.

Fortsetzung folgt

[1] Am 27.12.1819 lösten sich vom Bisgletscher 13 Mio m³ Eis und Schnee, die bis ins Tal hinabstürzten und deren Druckwelle in Randa 113 Gebäude zerstörte und 2 Menschen tötete.

5. November 2019

Wie wir älter werden

Ruth Schweikert: Wie wir älter werden,
S. Fischer, Frankfurt/Main, 2015
Wie spät ist es? Draussen liegt Schnee. Drinnen bereitet der 87-jährige Jacques wie jeden Morgen das Mittagessen für sich und seine Frau Friederike vor. Neun Jahre lang lebte er zwischendurch mit Helena zusammen, seiner Jugendliebe; dann kehrte er in seine Ehe zurück. Jacques und Friederike, Helena und ihr Mann Emil sind untrennbar miteinander verbunden durch den Pakt des Schweigens, den sie vor langer Zeit miteinander geschlossen haben. Dieser Pakt prägt das Leben der Kinder und Enkel. Doch irgendwann beginnt er brüchig zu werden ...

In wechselnden Perspektiven umkreist «Wie wir älter werden» die Geschichten mehrerer Generationen, die vom Zweiten Weltkrieg bis in die unmittelbare Gegenwart reichen. Ein grosser Roman über Liebe und Verrat und die Frage, wie unser Blick sich im Lauf des Lebens verändert.
(Klappentext)

AG: Aarau BE: Bern-Bümpliz, Biel BS: Stadt Basel FR: Châtel-St-Denis GE: Stadt Genf GR: Sils-Maria, St. Moritz LU: Schüpfheim SZ: Grosser Mythen, Stadt Schwyz TI: Comologno, Locarno, Spruga, Centovalli, Intragna, Pizzo Centrale ZH: Stadt Zürich, Winterthur RUS: Grozny D: München, Stuttgart, Berlin, Dresden I: Bagni di Craveggia USA: San Francisco, Albuquerqe F: Provence


Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 96

Als wir auf der Höhe des Passes, auf dem nackten Felsen hin und her spazierend, unseren Atem und Puls beobachteten, bemerkten wir auch nicht im Geringsten eine vermehrte Beschleunigung oder irgendein beängstigendes Gefühl, wie solches schon viele Bergsteiger, selbst auf geringeren Höhen bemerkt haben wollen. Die Aussicht von dieser Höhe ist ganz einzigartig und lässt sich mit keiner der früher überstiegenen Scheidecken vergleichen. Östlich und westlich erblickt man über die Schneefelder hinweg einen weit entfernten Kreis von nackten, kahlen Felshörnern und Schneegebirgen, alle von so beträchtlicher Höhe, dass kein grünes Plätzchen darauf zu bemerken ist. Alle näher liegenden, tieferen Gebirge und Täler sind dem Auge durch den hohen Vordergrund entzogen. Südlich erheben sich terrassenförmig bis an den Rosa hinauf mehrere, mit ewigem Schnee bedeckte, einzeln stehende Bergspitzen und Kuppen, deren blendendes Weiss in sonderbarem Kontrast mit dem schwärzlichen Blau des Himmels steht und von deren hehr emporragenden Häuptern die spielenden Lüfte stets, einem luftigen Schleier ähnlich, den Schnee nach allen Seiten abwechselnd wegtragen, und dann den schönen, reinen Formen wieder anlegen. Nördlich, ganz nahe, ragt aus eisiger Hülle die kolossale, dreiseitig spitze Pyramide des Matterhorns empor, an deren steilen Seitenwänden der Schnee und das Eis sich nur stellenweise halten können. Diese Ansicht eines, aus einem weiten Eismeer drei- bis viertausend Fuss hoch sich erhebenden, ganz isoliert dastehenden Felskolossen ist zum Erstaunen und vielleicht im ganzen Alpengebirge das einzige Beispiel dieser Art.
Fortsetzung folgt

4. November 2019

Erlebtes Wandern

Christoph Müller: Erlebtes Wandern, Verlag Bündner
Monatsblatt, Chur,
Christoph Müller, geboren 1933, verbrachte seine Jugendzeit in Basel. Nach Abschluss des Studiums als Bauingenieur an der ETH Zürich folgten vierzig Jahre Berufstätigkeiten im In - und Ausland. Mit 63 Jahren entschloss sich der Autor, dem beruflichen Alltagsleben vorzeitig ein Ende zu setzen, um seine Kreativität auf musischem Gebiet zu entfalten.

Auf einer Vielzahl von Bergwanderungen im Sommer 1996 erlebte er seine Heimat auf eine neue, intensive Art. Die daraus resultierenden Texte sind persönliche Wanderbeschreibungen und Beobachtungen von Landschaft und Natur, Flora und Fauna. Diese nachhaltigen Eindrücke finden auch ihren Niederschlag in den Aquarellen, mit denen Christoph Müller die Aufzeichnungen illustriert und bereichert hat. (Klappentext)

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 95

Der Führer fand es ziemlich bedenklich, dass der Schnee, der sonst fast immer gegen die Höhe des Passes hin gefroren, heute so ganz ungewöhnlich erweicht sei, was besonders für das jenseitige Hinabsteigen nach dem Wallis, auf der von der Morgensonne erwärmten Ostseite, noch in weit grösserem Masse der Fall sein werde. Nach beinahe anderthalbstündigem Ansteigen auf dem Gletscher langten wir glücklich auf der Höhe des Passes, und zugleich bei den höchsten Fortifikationswerken in Europa, ja vielleicht des ganzen Erdbodens an; denn man wird in einer Höhe von 10.416 Fuss über Meer, wie Herr von Saussure das Fort St. Theodul bestimmt, wenig Mauerwerk mit Schiessscharten antreffen, wie dieses hier, freilich nur in trockener Mauerung und ziemlich in Ruinen, der Fall ist. Doch zählt man, in der noch acht bis zehn Fuss über die Oberfläche sich erhebende Mauer, sechs bis acht, den Pass gegen das Wallis hin bestreichende Schiessscharten. Es sollen diese Verschanzungen, vor etwa dreihundert Jahren, von den Piemontesern errichtet worden sein, als sie einen Einfall der Walliser befürchteten.[1] Es ist fast unbegreiflich, dass Menschen in diesen, vom Frost starrenden Eis und Schneeregionen, wo der Sturm beständig so stark braust, dass der Schnee auf der Höhe selbst, wo die Schanze steht, niemals liegen bleiben kann, an kriegerische Massregeln gegen ihre Nebenmenschen nur noch denken, geschweige denn solche ausführen können. Selbst heute, bei dem hellesten Himmel, blies der Wind so stark und kalt aus Süden, dass wir auf der obersten Höhe nicht lange verweilen konnten, sondern uns in eine Felsenkluft unter den Wind verbargen. Es ist auch leicht zu erklären, warum auf diesem hohen Scheideck, das noch dazu zwischen den, zu beiden Seiten um mehrere Tausend Fuss höher sich erhebenden, Gebirgen liegt, stets ein so starker und kalter Luftstrom herrschen muss. Während nämlich bei Sonnenschein immer an einem oder mehreren der nahen, steilen Abhänge oder an den grossen Eis- und Schneewänden, die Sonnenstrahlen eine bedeutende Erwärmung der Atmosphäre verursachen, herrscht auf den anderen, beschatteten Stellen so eisige Kälte, dass eine stete und heftige Gegen- oder Auseinanderströmung dieser Luftschichten von verschiedener Schwere stattfinden muss.

[1] Der Theodulpass (3301 m), führt von Zermatt zwischen Theodulhorn und Testa Grigia hindurch über den südlichen Hauptkamm der Alpen ins italienische Breuil-Cervinia im Valtournenche. Der Pass scheint seit dem 5. Jahrhundert v.Chr. begangen worden zu sein. Das günstige Klima des Hochmittelalters ermöglichte im 1. Viertel des 13. Jahrhunderts die Besiedlung des Valle d'Ayas und des Lystals (Gressonay-Tal) durch die über den Theodulpass gezogenen Walser. Damals entstanden die noch heute im Aufstieg zum Pass vorhandenen gepflästerten Saumwege. Durch die Gletschervorstösse der Kleinen Eiszeit wurde der Weg vom 16. bis ins 19. Jh. zunehmend gefährlicher. Im 20. Jh. wurde der Pass für den ganzjährigen Skitourismus von beiden Seiten her mit zahlreichen Seilbahnen erschlossen.

Fortsetzung folgt

3. November 2019

Hölloch

Urs Möckli: Hölloch, AS-Verlag, Zürich, 2000
Das Hölloch im Muotatal - Faszination des Verborgenen. Im Jahr 1875 entdeckte der Bergbauer Alois Ulrich bei Stalden im Muotatal den Eingang zu einer Höhle, deren Ende er damals trotz ausgedehnter Exkursionen mit Seil, Pickel, Leiter und einer einfachen Handlaterne nicht bestimmen konnte. Er nannte sie Hölloch, «das dreckige, lehmige Loch». Ulrichs Forschungsfahrten bildeten den Auftakt zur wechselvollen Geschichte des Höhlensystems: Eine belgisch-schweizerische Gesellschaft erschloss es zu Beginn des 20. Jahrhunderts für Touristenbesuche im grossen Stil und erstellte dafür eine umfassende Infrastruktur, scheiterte aber letztlich an der zerstörerischen Gewalt des Wassers in der Höhle. Dann geriet das Hölloch für Jahrzehnte in Vergessenheit, bis es in den Vierzigerjahren zum Objekt wissenschaftlicher Erkundung wurde. Immer wieder warten die Höhlenforscher mit neuen Entdeckungen auf; das System ist inzwischen auf 190 Kilometer bekannte Länge angewachsen. Während der vordere Bereich des Höllochs heute im Rahmen von ein- oder mehrtägigen Exkursionen für alle zugänglich ist, bleibt der hintere Teil des weit verzweigten Höhlensystems, der nur durch tagelanges Klettern, Kriechen und Waten erreicht werden kann, weiterhin den Forschern vorbehalten. Die Vielfalt der Formen im Hölloch ist einmalig: Riesige Hallen wechseln ab mit engsten Gängen und unterirdischen Seen von zum Teil beträchtlichem Ausmass. Tropfsteinformationen leuchten in den verschiedensten Farben. Faszinierend ist auch die Erdoberfläche über dem Höhlengebiet. Der weitläufige Bödmerenwald gilt als der älteste und grösste Urwald der Schweiz, und die Silberen, ein weites, auf den ersten Blick nacktes Karrenfeld, überrascht mit ihrer reichen Flora und Fauna.

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 94

Je weiter wir nun auf dem übrigens ziemlich flachen Gletscherabhang hinanstiegen, desto mühsamer wurde uns das Gehen wegen des sich immer erweichenden Schnees, in den wir oft bis über die Knie einsanken und uns dabei des Gedankens an noch tieferes Versinken nicht enthalten konnten. Dadurch entstand natürlich eine Art von Beängstigung und ein geschwinderes Atemholen, was viele Bergsteiger einzig der verdünnten Luft auf solchen Höhen zuschreiben; da doch die ungewöhnliche Anstrengung und der unvermeidliche Gedanke an die drohenden Gefahren die wichtigsten Ursachen davon sind.
Fortsetzung folgt

2. November 2019

Jakobsweg für Esoteriker

Shirley MacLaine: Der Jakobsweg,
Goldmann, München, 2001
Seit Jahrhunderten pilgern Menschen auf dem berühmten Jakobsweg im Norden Spaniens nach Santiago de Compostela. Shirley MacLaine interessierte am Jakobsweg vor allem die Energie der Ley-Linien, aber auch die Herausforderung, 800 Kilometer zu Fuss zu gehen. So nahm sie sich einen Monat Zeit für die Wanderung auf dem «Weg unter der Milchstrasse». Sie spürte, dass sie damit eine Reise in die Geheimnisse ihrer eigenen Geschichte antreten würde. Doch Shirley MacLaine war nicht im Geringsten auf die Wirkung vorbereitet, die der Jakobsweg auf sie haben würde. In erstaunlichen Visionen offenbaren sich ihr die Geheimnisse alter Kulturen, die Ursprünge der Menschheit, die Bedeutung von Geschlecht, Sexualität und einer allumfassenden Liebe. Auf ihre unvergleichliche Weise berichtet Shirley MacLaine von ihrer aussergewöhnlichen Reise, einer Reise der Seele. (Inhaltsangabe zum Buch)

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 93

Dieses ist in den Hauptzügen das Bild vom Benehmen eines sorgfältigen Führers über Gletscher, wobei allerdings zum glücklichen Gelingen der Wanderung erfordert wird, dass auch der Reisende durch ein ruhiges Nachfolgen das Seinige dazu beitrage. Je mehr daher die Führer über Gletscher von diesem Verhalten abweichen, dem Schwatzen, Herumschauen während des Gehens und dergleichen mehr sich überlassen, desto weniger kennen sie ihren Beruf und desto grösserer Gefahr ist man mit ihnen ausgesetzt. Als wir daher in der südöstlichen Fortsetzung des Gletschers rechts, eine halbe Stunde zur Seite neben uns, die von Spalten ganz durchfurchten Stellen erblickten, die wir gestern mit jenen Waghälsen von Führern, bei stürmischem Wetter hätten passieren sollen, so überlief uns ein Schauer, und wir dankten der höheren Leitung, die uns durch das Unwetter zurückgeschreckt hatte.
Fortsetzung folgt

1. November 2019

Mit dem Esel durch die Cevennen

Robert Louis Stevenson: Reise mit dem
Esel durch die Cevennen, Büchergilde
Gutenberg, Frankfurt, Olten, Wien, 1986
Robert Louis Stevenson: Reise mit dem
Esel durch die Cévennen, Éditions La
Colombe, Moers, 2001
Aussteiger hat es schon immer gegeen. Einige haben es zu Weltruhm gebracht. Zum Beispiel Digenes von Sinope, der zugleich einer der ersten «Hausbesetzer» war; bekanntlich nistete er sich in eine leerstehende Tonne ein. Der Amerikaner David Thoreau predigte und praktizierte in Massachussetts die Waldeinsamkeit.

In seiner «Cevennenreise» schreibt der Schotte Robert Louis Stevenson, bekannt durch seinen unsterblichen Abenteuerroman «Die Schatzinsel»: «Ich besitze einige Erfahrung mit Wohngemeinschaften … und hae bei mehr als einer Gruppe erlebt, wie sie sich leicht bildete und noch leichter zersplitterte.» Er war eben auch ein Aussteiger und blieb es sein Leben lang. Und nur ein speleeniger Einzelgänger konnte auf die Idee kommen, mit einem Esel durch die Cevennen zu trampen – ein merkwürdiges Pärchen, das bisweilen an Don Quichotte und Sancho Pansa erinnert.

Wenn man von ihren gemeinsamen Erlebnissen und Abenteuern liest, möchte man am liebsten die gleiche Reise nachvollziehen, wenn es noch Eselchen wie Modestine gäbe. Alle Unbilden der Witterung, alle Strapazen werden klaglos und humorvoll ertragen. Ob sich der Erzähler stets geschickt bei seiner Orientierung, beim Beladen des Esels und im Umgang mit den Bergbauern verhielt, sei dahingestellt. Jedenfalls wunderte es ihn in seinem sonderbaren Aufzug immer wieder, dass man in ihm nie den Dichter, sondern meist den Tramp oder Hausierer sah und vor ihm auf der Hut war.

Über die Prosa des Reisebereichts breitet sich ein Netz von Poesie. Das Lied der Landschaft wird in kräftigen und pochenden Tönen gesungen, und gelegentlich schleicht sich eine elegische Note der Sehnsucht nach der fernen Geliebten ein. In Momenten der Rast und Ruhe regen sich Gedanken über die Zwänge der Gesellschaft und die Zwanglosigkeit der Natur. (Klappentext Ausgabe Büchergilde Gutenberg)

Moors Fazit: Pflichtlektüre für all jene, die sich mit historischen Reiseberichten befassen.

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 92

Niemals aber, wenn man auch noch so geübt oder mit scharfem Blick versehen sich glaubt, gehe man auf einem solchen, mit Schnee bedeckten Gletscher dem Führer voran, oder auch nur zur Seite, sondern immer hinter ihm her. Man beobachte nur seine Manier, vorwärtszuschreiten gegen die unsrige, so wird man einen grossen Unterschied zwischen beiden entdecken. Während dass wir nämlich die Grösse und Erhabenheit der Umgebungen betrachten und uns darüber unterhalten, wird er, ganz still in sich gekehrt, die Augen immer auf den Boden gerichtet und mit dem Stock weit und kräftig vor sich hinstossend, langsam fortschreiten; und wenn wir seine Aufmerksamkeit mit einer Frage unterbrechen, oder er sich in die Ferne umsehen will, wird er allemal dazu stillstehen und nicht eher fortschreiten, bis er wieder sich selbst überlassen ist.

Fortsetzung folgt

Quer durchs «Schweizerland»

André Roch, Guido Piderman: Quer durchs
Schweizerland, Amstutz & Herdeg, Zürich/
Leipzig, 1941
Sieben junge Schweizer – drei Welsche, drei Deutschschweizer und ein Rätoromane – fahren nach Grönland. Ziel der Expedition ist das im Jahre 1912 von Prof. Dr. A. de Quervain entdeckte und nach ihm benannte «Schweizerland», das gewaltige Gebirgsmassiv an der Ostküste der arktischen Insel. Die kleine Schar wagemutiger Bergsteiger erschliesst in den wenigen Sommerwochen, welche die Polarsonne dem Lande im ewigen Eise beschert, erstmals dieses herrliche Reich jungfräulicher Gipfel und Firne, welche in Form und Gestalt unseren Schweizer Bergen sehr oft täuschen ähnlich sind. Von Angmagssalik aus dringen sie mit ihren Eskimos und ihren tapferen Zughunden über eine der gewaltigsten Gletscherzungen ins Innere des «Schweizerlandes». Hindernisse drohen den kühnen Vorstoss zum Scheitern zu bringen. Die Eskimos lassen die Forscher plötzlich im Stich – bis auf einen Einzigen. Der Transport der schweren Schlitten über erstarrende Gratabbrüche wird immer waghalsiger. Die täglichen Marschleistungen stellen starke Anforderungen an die jungen Männer. Doch unbeirrbar stossen sie vor, erlegen unterwegs einen Eisbären, stellen sich selbst an das Hundegespann und der Erfolg geht mit ihnen. Heil erreichen sie den Fuss des Mont Forel, des stolzesten Gipfels dieses an Hörnern und Kämmen so reichen Bergmassivs. In schwierigem, aber meisterhaft bezwungenem Aufstieg erreichen sie den Gipfel. Die Schweizerfahne flattert auf diesem zweithöchsten Berg Grönlands, und ein paar Tage später blinkt das weisse Kreuz im roten Feld auf der höchsten Erhebung des Inlandeises. Zwei alpinistische Taten, die in den Annalen der Erdforschung für immer aufgezeichnet sind.

Die zwei Expeditionsteilnehmer, André Roch und Guido Piderman, erzählen in frischem, lebendigem Schwung von den Taten und Erlebnissen der sieben Schweizer in Grönland. Sie erzählen ohne Hemmung und ohne Absicht. Darum wirkt dieses Buch so fesselnd wie das Leben selbst. Den Bergsteiger wird es natürlich sehr interessieren, jeden wachen Menschen wird es begeistern. (Klappentext)