31. Dezember 2013

Vesuv Winterbesteigung

Gestern bestieg ich den Vesuv. Über den Nordgrat. Der Schnee lag 20 Zentimeter tief. Der Wind blies kaum bis schwach. Stahlblau der Himmel. Das Thuner Meer reflektierte die Sonnenstrahlen. Gegenüber die Pyramide des Niesens. Halblinks die Bernische Reha-Klinik von Heiligenschwendi. Am Fusse des vulkanesken Hügels der Weihnachtsweg. Sechs Szenen aus der biblischen Weihnachtsgeschichte, zu Fuss in ¾-Stunden zu bewältigen. Alte Leute blancierten über vereiste Strässchen. Der Flyer von Heiligenschwendi Tourismus wirbt mit der scheinheiligen Frage: Möchten Sie dem Kommerz und der Hektik der Vorweihnachtszeit entfliehen? Tja, wer will das nicht, liebe Touristiker aus Heiligenschwendi, die Sie doch gleichsam vom Weihnachtskommerz leben, wie das restliche Gros der Branche. Entschuldigung, aber sowas macht mich käsig.

Zurück zum Vesuv. So nennt sich tatsächlich eine kleine Erhebung beim Ortsteil Schwendi. Deren Besteigung ist ein Pappenstiel, obschon der Oberländer Vesuv lediglich 164 Meter weniger hoch ist als das Original bei Neapel. Der Panoramablick ist den kurzen Abstecher von der Hauptstrasse auf jeden Fall wert.

Der Vesuv-Nordgrat. Links das Biwak III, in der Bildmitte der Gipfel.

Eine Zweierseilschaft verlässt den Gipfel. Es wehen schwächelnd die Fahnen von Heiligenschwendi, Bern und der Schweiz.

Vesuv-Nordgrat von Nordosten betrachtet. Links der Gipfel, rechts das Biwak III.

Nach dem Gipfelerfolg – ich startete übrigens beim Ortsteil Heiligenschwendi Dörfli – stieg ich durch den Schwändigraben und das Gehöft Chrinden nach Oberhofen ab, wo ich nahe der Badeanstalt eine Rast hielt. Die Fortsetzung führte mich nach Hünibach und somit am Schloss Hünegg vorbei. Eine kontrastreiche Wanderung fürwahr.

Fertig für heuer.

30. Dezember 2013

Sehr viel Emmental

War ich vor ein paar Tagen in den Buchsibergen unterwegs, so zog es mich drei Tage später ins leibhaftige Emmental. Ramsei–Egg–Neuegg–Rüegsbach–Hasle-Rüegsau lautete die Route. Und es war alles sehr sehr sehr. Sehr sonnig, sehr schneeig, sehr aussichtsreich, sehr wohltuend, sehr emmentalisch, sehr gotthelfisch, sehr einsam, sehr hell, sehr von mystisch wabernden Nebelbänken umgeben und in Hasle-Rüegsau sehr sehr verkehrsreich mit sehr viel Lärm. Wie fotogen die ganze Strecke war, zeigen 26 Bilder hier.

Nicht sehr, aber viele Wegweiser in Waldhaus (BE).

29. Dezember 2013

Scherz, Herz und Bohnerz

Gestern führte die Fussreise von Lenzburg via die Schlösser von Wildegg und Brunegg nach Birr und von da weiter über Scherz nach Brugg. Sechs Dinge haben die Route geprägt.
  1. Das prächtig gelegene, barocke Schloss Wildegg mit seinen Gärten. Im Winterhalbjahr ist es zwar geschlossen, vom 1. April bis 31. Oktober indes der Öffentlichkeit zugänglich.
  2. Der Gratweg über den Chestenberg, einem Abkömmling des Kettenjuras. Der Pfad erinnerte mich an jenen über die Lägeren, allein, dass er weniger lang und weniger ausgesetzt ist, dafür aber den besseren Alpenblick gewährt und erst noch mit einer 3000 Jahre alten Bronze-Siedlung bestückt ist.
  3. Am Kretenende des Chestenbergs hockt das Schloss Brunegg. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Sitz habsburgischer Dienstleute erbaut, diente es zur Zeit der Berner Herrschaft als Wachtposten, wurde 1805/06 zur Krankenanstalt umgebaut und später von der Familie Hünerwadel als  Sommersitz genutzt. Heute ist das Schloss im Besitze der Familie von Salis.
  4. Das Grabdenkmal Heinrich Pestalozzis an der Fassade des alten Schulhauses in Birr, errichtet durch den Kanton Aargau aus Anlass des 100. Geburtstages Pestalozzis. Dieser verstarb im Alter von 81 Jahren im nahen Brugg und wurde in Birr bestattet.
  5. Ein kleines Dorf namens Scherz, dessen Einwohner sich nach meinem logischen Dafürhalten bestimmt Scherzer nennen. Meine Abklärungen haben ergeben, dass sich die Bezeichnung vom alteuropäischen Wort Skarantia ableitet, was «Ort mit steinigem Boden» bedeutet. Auf Scherzer Boden, am Scherzberg, wurde vom 16. Jahrhundert bis 1770 Bohnerz abgebaut. Davon zeugen angeblich noch heute etliche Mulden, Abraumhalden und begehbare Stollen. Eine weitere Besonderheit stellt das Scherzer Wappen dar. Zeigt dieses ein Herz mit drei Federn oder eine Runkelrübe mit drei Blättern? Die Heraldiker sind sich – kein Scherz – bis heute nicht einig.
  6. Ein unscheinbarer Steinquader bildete den Abschluss dieser 17-km-Wanderung. Er steht im Wald des Galgenhübel und war einst Bestandteil der hier vorhandenen Richtstätte des Amtes Königsfelden (Eigenamt).  In der Zeit vom 16.bis 18. Jahrhundert wurden 25 Todesurteile wegen Totschlagdelikten, schweren Diebstählen, Sexualverbrechen, Brandstiftung und Gotteslästerung ausgesprochen. 19 davon wurden mit dem Schwert, dem Strang, durch das Feuer oder mittels Rädern auch ausgeführt. Die letzte Hinrichtung auf dem Galgenhübel erfolgte am 17. Juli 1806. Die 36-jährige Barbara Obrist von Riniken hatte ihren 64-jährigen Gatten Caspar vergiftet. Das Todesurteil wurde öffentlich vor einer grossen Zuschauerschar mit dem Schwert vollzogen. Über Richtstätten im Kanton Aargau habe ich bereits an dieser Stelle berichtet.


Schloss Wildegg (AG).

Lägeren light: der Gratweg über den Chestenberg zwischen Schloss Wildegg und Schloss Brunegg.

Schloss Brunegg (AG).
Grabstätte Heinrich Pestalozzis in Birr (AG).

Ziemlich scherzloser Vorplatz der Scherzer Gemeindeverwaltung.


Stein des Grauens: Fundament eines Pfostens oder Pfeilers des Galgens auf dem Galgenhübel bei Brugg (AG).

28. Dezember 2013

Bierseelig durch das Subemmental

Am Tag vor Weihnachten tobte in den Alpen ein Föhnsturm. Auf dem Jungfraujoch wurden Windspitzen von über 200 km/h gemessen. Mit vergleichsweise bescheidenen fünf Stundenkilometern bewegte ich mich in gebührendem Abstand auf das Berner Oberland zu. Im mittelländischen Herzogenbuchsee war ich gestartet und beging eine selbst zusammengebastelte Route nach Dürrenroth. Das Hügelgebiet ist besser bekannt als Buchsiberge und weist subemmemtalischen Charakter auf. Sanft geschwungene Horizontlinien, halboffene Gräben und breite Eggen bilden einen lieblichen Landschaftstypus; eine Vorstufe zum schrofferen Emmental und ein Stück Oberaargau im Kanton Bern.

Einmal dieses Högerland erklommen, wehte mir ein laues Lüftlein ins Gesicht. In der gegenlichtigen Ferne zeigten sich die Innerschweizer und Berner Alpen, umgarnt mit Gewölk aus dem Süden. Die bei derartiger Wetterlage typischen Föhnfische schwebten für einmal über Mittelland und Jura. Ein ungewohnter Anblick!

Die Route führte mitunter zweimal in Seitengräben der Langeten: Auf Oeschenbach folgte Walterswil. Daselbst war ich nicht nur erstaunt über das Ensemble von Kirche und Pfarrhaus. Letzteres war geschätzte dreimal grösser als das Gotteshaus, welches im Grunde genommen lediglich eine Kapelle darstellt. An der Dorfstrasse unten fiel mir die Brauerei Napf auf. Sie wirbt mit dem Spruch 3 Regionen, 1 Hügel, 1 Bier. Ich ging hinein, kaufte eine Bügelflasche Napfgold und kam ins Gespräch mit Emil. Er führt das Brauereibeizli. Nebst Emil beschäftigt der Kleinbetrieb den aus Bayern stammenden, 20-jährigen Produktionsleiter – einen frisch gezapften Brauer also – sowie einen Logistiker, der sich um das Lager und die Belieferung der Kundschaft kümmert. Und natürlich gibt es auch einen Chef, den Geschäftsführer.

Das Sudhaus der Brauerei Napf in Walterswil (BE).

Der Stoff, aus dem die Bierträume sind.
Entgegen meinem Prinzip, während des Wanderns keinen Alkohol zu konsumieren, lasse ich mich zu einem Glas überreden. In der kleinen Gaststube duzt man sich ungeniert. Bereitwillig erhalte ich Antworten auf meine Fragen. Nachdem im Februar 2011 mit den Einrichtungsarbeiten im ehemaligen Gebäude der landwirtschaftlichen Genossenschaft begonnen wurde, fand im Oktober desselben Jahres die Eröffnung statt. 

Das Brauerei-Logo  mit dem Walterswiler Dorfwappen ist gleichzeitig das Markenzeichen für das Zwickelbier, ein naturtrübes Bier mit Walterwiler Gerste gebraut.


Die Brauerei existiert indes schon länger. Bevor sich der Brauereibesitzer für den Standort Walterswil entschied, wurde im Restaurant Stadthaus Huttwil produziert. Die Kleinbrauerei verfügt über eine moderne, computergesteuerte Herstellungsanlage. Das nach eigenem Rezept gebraute Bier schmeckte mir sehr, Ich war aber trotzdem froh um die bevorstehende Fortsetzung nach Dürrenroth, wäre ich doch in der Duzrunde bestimmt hängengeblieben und hätte die Weihnachtstage mit einem Biertrauma verbringen müssen.

Gerne empfehle ich hiermit diese perfekt ausgeschilderte Wanderung zur Nachahmung. 

Route: Herzogenbuchsee Bahnhof > Bollodingen > Spych > Wäckerschwend > Richtung Färbergweid > Bleue > Egg > Walterswil > Weid > Dürrenroth Dorf. 
Distanz: 21,4 km Aufstieg: 850 m Abstieg: 620 m Wanderzeit: 6 Std. Schwierigkeit: T1 Einkehren: Löwen Bollodingen, Sonne Wäckerschwend («Hallenstadion des Emmentals»!), Brauerei Napf Walterswil, Gasthof Bären Dürrenroth
Hin: Mit der Bahn bis Herzogenbuchsee Zurück: Mit dem Bus nach Huttwil, weiter mit der Bahn nach Langenthal oder mit dem Bus nach Affoltern-Weier, weiter mit dem Bus nach Hasle-Rüegsau, weiter mit der Bahn nach Burgdorf

Weitere Fotos der Route gibt es hier

27. Dezember 2013

Schattwand

Urs Augstburger: Schattwand
dtv, München, 2001
Unverhofft erbt der Grossstädter Severin Somm ein Haus in Gspona, einem Bergdorf mit Einwohnern, die Gspona noch nie verlassen haben. Mit dem Haus erbt Somm auch dessen Bewohnerin: die schöne, aber verschlossene Lucrezia Camenzind, die lebenslanges Wohnrecht dort genießt. Somm ist guter Dinge, als er in Gspona ankommt. Doch nach kurzer Zeit findet er in seinem Haus einen zugemauerten Raum, in dem sich geheimnisvolle Zeichnungen und Truhen mit Kinderkleidung befinden. Während Severin Somm nach und nach das Geheimnis der früheren Bewohner lüftet und sich Lucrezia nähert, beginnt der Berg zu beben ... (Klappentext)

GR: Fiktive Region Avers und Hinterrhein

26. Dezember 2013

Wildost in Deutschlands Mitte

Fred Sellin: Wenn der Vater mit dem
Sohn,
Piper, München, 2009
1400 Kilometer zu Fuss entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze: Fred Sellin erzählt von seiner siebenwöchigen Wanderung mit Sohn Robin – einer Wanderung durch unbekanntes Heimatland. Vorbei an verfallenden Grenzbauten, ehemaligen Stasi-Agentenschleusen, verwunschenen Klosteranlagen, düsteren Burgruinen und entvölkerten Orten, durch idyllische Täler und auf überwucherten Wegen erleben die beiden deutsche Mentalitäten und Landschaften. Ihre Reise wird ein großes spontanes Abenteuer zu zweit, bei dem Vater und Sohn sich immer wieder gegenseitig überraschen und neu kennenlernen. (Klappentext)

Sellin, der in der DDR aufwuchs, berichtet auch aus jener Zeit; von Einzelschicksalen, vom totalitären Regime, von den für westliche Begriffe unglaublichen Freiheitseinschränkungen, von Enteignungen etc. Und immer wieder tauchen haarsträubende Geschichten über Menschen auf, die es in ihrer Heimat nicht mehr aushielten, in die BRD flüchten wollten und hierbei von den Grenzern abgeknallt wurden:

Der Baumaschinist [Heinz-Josef Grosse] aus dem nahen Dorf Thalwenden hatte über Jahre immer wieder als Zivilist im Grenzstreifen gearbeitet. Er galt als zuverlässiger Staatsbürger, wurde zwar stets bewacht, aber gelegentlich nicht so streng wie andere. Am 29. März 1982 baggerte er einen Graben aus, in dem Kabel zu dem neu errichteten Beobachtungsturm verlegt werden sollten. Als ihn seine zwei Bewacher am Nachmittag kurz allein liessen, fuhr er mit seinem Vorderlader zum Grenzzaun, kletterte auf die Baggerschaufel, sprang hinüber und lief den Hang hinauf. In dem Moment kehrten die beiden Grenzer zurück. Aus fünfzig Meter Entfernung feuerten sie neun Geschosse auf den Vierunddreissigjährigen. Grosse verblutete. Die Todesschützen wurden, wie in solchen Fällen üblich, vom Kommandeur des Grenzregiments belobigt, erhielten hundertfünzig Mark Prämie und Sonderurlaub.

25. Dezember 2013

Für Weihnachtsfetischisten



Auf meinen bislang 2048 Wanderungen habe ich gar manches Bänkli gesehen. Das oben abgebildete Exemplar – es steht in freier Wildbahn in der Nähe des Weilers Spych in den schönen Buchsibergen (BE) – sucht indes seinesgleichen. Leider ist der Name nicht ganz zutreffend, steht es doch am Waldrand eines Schattenhangs. Weihnachtsfetischisten dürfte dies freilich ziemlich egal sein: Sie zünden die Kerzchen an und lassen sich erwärmen.

23. Dezember 2013

Ein Leerschlag macht noch keine Sintflut

Die Prognose für den 28.12.2013 aus heutiger Sicht.
Zwei Stunden später war der Fehler korrigiert.
Am kommenden Samstag will ich im Neuenburger Jura wandern gehen. Die Wetterprognosen versprechen nicht gerade das, was man als postweihnächtlicher Winterwanderer gerne hätte. Von Föhn in den Alpen ist die Rede und von 12 Grad Celsius. Der mit unglaublicher Regelmässigkeit eintretende Wärmeeinbruch zum Jahresende. Klimaerwärmung hin oder her, egal ob das Jahr zu feucht, zu warm, zu kalt oder zu trocken war, dieser Wärmeeinbruch kommt mit einer zeitlichen Präzision daher, als ob Herr Bucheli einen Pakt mit dem lieben Petrus geschlossen hätte. Oder umgekehrt.

Bloss, das Übertreiben dürften die Wettermacher bei Meteo Schweiz getrost unterlassen. Dass am Samstag aus Westen gleich mehrere Regen aufkommen sollen stimmt mich mehr als nur pessimistisch. Wobei: Die genaue Betrachtung der Sachlage zeigt einmal mehr die Perfidie der deutschen Sprache. Ein Leerschlag zuviel und schon wird aus aufkommendem Regen ein beängstigender Plural, aus «aufkommender Regen» also «aufkommen der Regen». Die ungewollte Absicht des schreibenden Frosches beruhigt doch schon mal gewaltig und macht aus dem Pessimisten einen verhaltenen Optimisten. Im Übrigen bin ich sehr froh, dass das Deutsche nach wie vor die Gross- und Kleinschreibung kennt. Man stelle sich einmal vor, wenn sich vor lauter regen regens sich die regen nicht mehr regen.

22. Dezember 2013

Oberwasser

Jörg Maurer: Oberwasser
S. Fischer, Frankfurt, 2012
Empfehlenswert ist die handliche und
haptisch gut anzufühlende Ausgabe
aus der Taschenbibliothekreihe

Nachts in einem idyllischen alpenländischen Kurort: Dunkle Gestalten schleppen eine leblose Person zur Höllentalklamm. Kommissar Jennerwein erhält einen heiklen Auftrag. Er muss einen verschwundenen BKA-Ermittler finden, aber niemand darf wissen, dass er nach ihm sucht. Während er mit seinem bewährten Team offiziell einem Wilderer nachstellt, forscht er in Gumpen und Schluchten nach dem Vermissten. Derweil erzählen die Einheimischen düstere Legenden von Flössern, die einst das Wildwasser in eine Höhle sog, ein neugieriger Numismatiker entdeckt kryptische Zeichen auf einer alten Goldmünze, und ein Scharfschütze lauert am Bergbach. Kommissar Jennerwein gerät beinahe ins Strudeln … (Klappentext)

Jörg Maurer tischt uns eine originelle Kriminalgeschichte auf, die mich puncto fiktionaler Raffinesse zeitweise an Alfred Hitchcocks Fünf-Freunde-Jugend-Krimis «Die drei ???» erinnerte. Die geschickt arrangierten Handlungsstränge erhalten erst gegen das Ende des Romans einen zusammenhängenden Sinn, was die Lektüre zu einem unterhaltsamen, vorwärtstreibenden Unterfangen werden lässt. Ferner gibt uns Maurer – er stammt selber aus Garmisch-Partenkirchen, dem Hauptschauplatz – einen unverblümt ulkigen Einblick in das Wesen des alpenländischen Bayerntums. Gleichzeitig dient «Oberwasser» als die perfekte Vor- oder Nachbereitungslektüre für einen Urlaubsaufenthalt im glücklicherweise inskünftig olympiafreien Alpenkurort.

«Oberwasser» ist Maurers vierter Alpenkrimi. Der sechste, unter dem Titel «Felsenfest», hat am 10. März 2014 um 20 Uhr im Gasteig/Carl-Orff-Saal an der Rosenheimer Strasse 5 in 81667 München Premiere. Jörg Maurer wird daselbst anwesend sein und eine musikkabarettistische Lesung halten. Tickets unter www.muenchenticket.de

D: Garmisch-Partenkirchen*, Werdenfelser Land*, Höllentalklamm*, Kramerspitze, Murnau, Murnauer Moos, Schröttelkopf Alm, Wettersteinwand, Spitzner-Alm, Zugspitze, Frankfurt a.M. Riessersee, , Ostfelderkopf, Hupfleitenjoch E: Malaga I: Torbole (Gardasee) Marokko: Fès

*Hauptschauplätze 

21. Dezember 2013

Den Vögeln zum Frass

Ulrich Knellwolf: Den Vögeln zum Frass,
Nagel & Kimche, Zürich, 1999,
als Taschenbuch bei Fischer,
Frankfurt, 2004
Bei einem Hamburger Antiquar taucht überraschend das Tagebuch des Reisläufers Franz Anton von Haggenegg auf. Da es voller pikanter Familiengeheimnisse ist, reist der Bankier Hans Haggenegg, Nachfahre in direkter Linie, überstürzt in die Elbestadt, um es zu ersteigern. Dort muss er feststellen, dass an dem Dokument noch andere, höchst dubiose Käufer interessiert sind. Nach dem ersten Mord steht fest: In dem Tagebuch steht mehr drin als nur ein paar historische Aufzeichnungen. Die Jagd kann beginnen. (Klappentext)

Die verworrene Geschichte Knellwolfs zählt unzählige Schauplätze auf, weshalb sich die temporeiche Erzählung schwerlich in seiner ganzen geografischen Breite nachwandern lässt. Ich erwähne sie hier dennoch, weil sich Fiktion und Historie wunderbar ergänzen. Wer indes einmal auf dem Jakobsweg von Einsiedeln her kommend über die Haggenegg am Kleinen Mythen vorbei nach Schwyz hinunter gewasauchimmer ist, wird der Lektüre auch schauplatzmässig einiges abgewinnen können.

SO: Stadt Solothurn SZ: Haggenegg, Schwyz (u.a. Pfarrkirche, Friedhof) ZH: Stadt Zürich (u.a. Kunsthaus), Zürich Flughafen F: Ivry, Paris D: Weimar, Jena, Berlin, Hamburg, Friedrichskoog RUS: Studjanka, Beresina, Zarskoje Sjelo

19. Dezember 2013

Postalische Logistik-Logik

Auf der zweiten Hügelkette im Solothurner Jura ist fast jeder Berghof auch eine Beiz. So auch der Bremgarten auf 900 Metern über Meer. Das Gehöft liegt in der Gemeinde Laupersdorf, postalisch hingegen gehört der Bremgarten zu Balsthal. Allein, die Post bedient den Hof nicht, vielmehr dürfen die wirtenden Bergbauern Pakete, Briefe, Zeitschriften und Zeitungen in ihrem Posfach der Balsthaler Post abholen. Das ergibt eine einfache Wegstrecke von 6 Kilometern.

Von der schweizerischen Post im Stich gelassen: Bergwirtschaft und Bauernhof Bremgarten in Laupersdorf (SO)

Der Pöstler von Laupersdorf indes, fährt seine Fracht über den Hügelzug nach Mümliswil und bedient zahlreiche abgelegene Höfe. Hierbei gelangt er dabei sogar an der Abzweigung zum Bremgarten vorbei, von wo es bloss noch einen Kilometer zum am Ende der Stichstrasse gelegenen Gehöft ist. Ein gesunder Menschenverstand kommt nun zum Schluss, dass an besagter Abzweigung ein Briefkasten aufzustellen ist, der Baumgarten postalisch der Postelle von Laupersdorf zugeschlagen wird und der Zustellbeamte auf seiner Route von Laupersdorf nach Mümliswil vom Auto aus den Kasten füttert.

Doch laut der Post geht das nicht. Der Bremgarten lasse sich nicht einfach so von 4710 Balsthal nach 4712 Laupersdorf transferieren. Ich verstehe das nicht.

18. Dezember 2013

Nachschlag zur AOC Thunersee

Gerne komme ich noch einmal auf meinen Beitrag über den Rebbau am Thunersee zurück und reiche allfälligen Interessenten vier Buchpublikationen nach, die sich dem Thema widmen.

Albert Schaufelberger:
Thuner Reben – Thuner Wein
Ott Verlag, Thun, 1986


Alfred Stettler:
Der Weinbau in Spiez am Thunersee
Fischer, Münsingen, undatiert!
PS. Stettler ist der Spiezer Ortschronist ...

Klaus Schilling/Rebbaugenossenschaft Spiez: Der Spiezer – Eine Reise durch das Rebenjahr
Weber Verlag, Gwatt-Thun, 1998
PS. Klaus Schilling war während mehrerer Jahre Spiezer Rebbaumeister.

Klaus Schilling/Rebbaugenossenschaft Spiez: 75 Jahre Rebbaugenossenschaft Spiez
Weber Verlag, Gwatt-Thun, 2003

17. Dezember 2013

Schizogorsk

Walter Vogt: Schizogorsk,
Arche, Zürich, 1977
Nach Seldwyla, Güllen, Jammers und wie die erfundenen Schweizer Städte und Dörfer alle heissen, bringt Walter Vogt «Schizogorsk» ins Spiel. Schizogorsk heisst das Dorf selbstverständlich nicht: Schizogorsk ist der Deck- und Codename für einen Ort, der im Mittelpunkt einer kombinierten Geheimaktion von Generalstab und Staatsschutz steht. Der Autor macht keinen Hehl daraus, dass seinem Ich-Erzähler der klassische Privatdetektiv des amerikanischen Kriminalromans Pate gestanden hat, er lässt sich jedoch nirgends auf die Aktivitäten eines Amateurkriminalisten ein, er bleibt vielmehr bei seinem Leisten, der Psychiatrie.
 Die spannungsreiche Geschichte der Geheimaktion spielt übrigens keineswegs von Anfang an in Schizogorsk, sie fängt offen und unverblümt in Bern und Umgebung an. Trotzdem steht schliesslich Schizogorsk für die gesamte Soziallandschaft der Schweiz. (Klappentext)

BE: Stadt Bern, Guggisberg und Umgebung (Hauptschauplätze) FR: Plaffeien

16. Dezember 2013

Appéllation d'Origine Contrôllée

Die Etikette zeigte  das nicht
mehr existente Schloss
Chartreuse in Hünibach
bei Thun
Als wir noch an der Goldküste des Thunersees zu residieren pflegten, nannten wir unter anderem drei Rebstöcke unser Eigen. Die Trauben waren  nicht gerade das, was man gemeinhin als Delikatesse bezeichnet. Wir entschieden uns daher, den Früchten  eine würdige Veredelung zukommen zu lassen. In Einigen fand sich ein Lohnbrenner, der aus der bescheidenen Ernte immerhin vier Liter Grappa zu destillieren verstand. Wir nannten den Brand Moorwasser, und ich machte mich an die Kreation einer passenden Etikette.

Mit diesem Treiben befanden wir uns übrigens in bester Gesellschaft, denn seit der Wiederaufnahme des Rebbaus in der Thunersee-Region, erlebt das Handwerk eine neue, wenn auch bescheidene Blüte. Nachdem um 1900 die Weinproduktion aus wirtschaftlichen, qualitativen und naturbedingten Gründen gänzlich zum Erliegen  kam, machte man sich 1928 in Spiez, 1933 in Oberhofen und 1984 in Stampbach bei Merligen  wieder an die Bewirtschaftung der Rebberge. Aber auch in Steffisburg, Hilterfingen, Thun und Seftigen wurden ehemalige Reblagen bepflanzt. Die acht Produzenten verfügen über eine Anbaufläche von rund 20 Hektaren und bilden zusammen die  Rebgesellschaft Thunersee-Bern. Die Weine tragen das vom Kanton Bern verliehene Label Thunersee AOC. Die gebrannten Wasser haben da und dort Auszeichnungen eingeheimst.

Gestern gelangte ich auf meiner Spazierwanderung von Oberhofen nach Merligen an den genannten Rebgütern von Oberhofen und Stampbach vorbei, was mich unweigerlich an unsere Grappa-Produktion von anno 2005 erinnerte. Der mässig süffige 40-Prozentler hat natürlich längst den Weg durch diverse Kehlen gefunden. Das Preis-Leistungsverhältnis (Traubenlese, Gärprozess überwachen, Transport zum Lohnbrenner, Brennkosten, Gebinde sowie Alkoholsteuern) rechtfertigte das Ganze nie und nimmer. Aber immerhin hatten wir versuchsweise das Beste aus den sauren Früchtchen gemacht.

Das Rebgütchen von Stampbach-Merligen liegt etwas erhöht über dem Thunersee direkt am Jakobsweg Interlaken–Merligen–Thun. Im Hintergrund die Stockhornkette.



14. Dezember 2013

Sprachverwirrung in Balsthal



Da war ich kürzlich im solothurnischen Balsthal seit erst zehn Minuten unterwegs, als ich diesem seltsamen Strassennamen ansichtig wurde. Ich musste gleich zweimal hinschauen, um sicher zu gehen, alles korrekt erfasst zu haben.

Was aber will uns dieses Anwandern sagen? Die Kanuten kennen den Begriff anpaddeln, ebenso die Ruderer, nur heisst es dort anrudern. Beides steht für den Saisonstart im Frühjahr. Dem entsprechend existiert auch das Abpaddeln bzw. Abrudern, bevor die Boote für den Winter eingemottet werden. Wenn indes von Abwandern die Rede ist, hat dies eine völlig andere Bedeutung. Das Gegenteil davon, die Zuwanderung, hat mit dem eigentlichen Wandern so wenig am Hut, wie die SVP mit dem Kommunismus. Ich kann zwar ab und zu oder auch ab und an wandern gehen –  aber anwandern? Auch die Idee, dass der Weg an einem Wanderweg liegt, musste ich verwerfen, da es grammatikalisch falsch wäre, müsste es im gegebenen Fall doch heissen: Am Wanderweg.

So bleibt also der Anwanderweg in Balsthal – zumindest für mich – ein Rätsel. Es sei denn, es handle sich um einen Schreibfehler und besagte Strasse sollte Anwenderweg heissen, was immer für Anwender damit gemeint sind. Oder weiss hier sonst jemand Rat?

13. Dezember 2013

Die Gehmannfrage

Was ist eigentlich mit all den Walkmen aus den 80er-Jahren und den darauffolgenden CD-Walkplayern geworden, frage ich mich angesichts der heute ungleich grossen Flut an MP3-Playern, integriert in Milliarden von Walkphones. 

Ob es da Walkman-Friedhöfe gibt, von denen die Welt nichts weiss? Und ach, wo liegen all die Kompaktkassetten herum, die wir damals mit der Schweizer Radio Hitparade bespielten, mit Udo Jürgens, Heino, Peter Alexander, den Sweet, Slades, Bay City Rollers und später die Schallplatten von Genesis, Deep Purple, Nazareth, Jethro Tull und – oh du Nachhineinschreck – Uriah Heep raubkopierten. Wo sind sie nur, wo bloss wo?

12. Dezember 2013

Benz

Hans Schmitter: Benz
Franke, Bern, 1960
2012 neu aufgelegt von der
Kulturkommission Thierachern
In dem 1960 erstmals erschienenen Jugendbuch schildert der 1913 in Bern geborene Lehrer Hans Schmitter die Geschichte eines Jungen, der allerlei Alltägliches aber auch Abenteuerliches erlebt. Die seit Jahren vergriffene Erzählung spielt im Gebiet des ehemaligen Kanderlaufs, namentlich in der Ebene zwischen Uttigen und Thierachern respektive auf der riesigen Baustelle am Strättlighügel zwischen Gwatt und Einigen. Aus Anlass des 300-Jahr-Jubiläums der Kanderumleitung wurde «Benz» im vergangenen Jahr in einer Auflage von lediglich 700 Exemplaren neu aufgelegt. Am 12. Dezember 1713 durchfloss das Kanderwasser erstmals den 250 Meter langen Durchstich. Die Umleitung des Flusses in den Thunersee und die damit verbundene Reduktion der Hochwassergefahr für die Dörfer Allmendingen, Thierachern und Uetendorf stellte für damalige Verhältnisse ein Jahrhundertwerk dar. Dass die Region Thun auch heute noch die Weitsichtigkeit der damaligen Entscheidungsträger zu schätzen weiss, beweist der 2012 ins Leben gerufene Verein 300 Jahre Kanderdurchstich.

In bildhafter Sprache werden in «Benz» nicht nur die Sorgen und Nöte der
Unsesshaften und Besitzlosen zu Beginn des 18. Jahrhunderts unter dem Regime der Gnädigen Herren in Bern geschildert. Sondern auch der harte Alltag der Tunnelarbeiter und Sträflinge, der sogenannten Schallenwerker also. Den Charakter einer Arbeitskraft, jener des jugendlichen Benz Gander, schält Hans Schmitter dabei besonders heraus. Wie er nach einem neuerlichen Unwetter mit Mutter, Schwester und Grossvater die versumpfte Ebene, und damit das Betteln und herumlungern an der Zollbrücke vor den Toren Thuns sowie das schäbige Mietshaus hinter sich lassen muss, und im kargen Fischerleben bei Verwandten am See landet. Um schliesslich für ein tägliches Brot als Schmiedebub auf der Baustelle einzusteigen, wobei Benz‘ Arbeitsbedingungen hier noch zu den besseren zählen. Und er erst noch einen Beruf erlernt.

BE: Thierachern, Zollhaus (Allmend), Uetendorf, Thun, Einigen, Strättligturm, Kanderdurchstich, Thunersee, Thuner Allmend (Hauptschauplätze), Stadt Bern


10. Dezember 2013

Jenseits der Couch

Esther Pauchard: Jenseits der Couch,
Nydegg Verlag, Bern, 2010
Eine Frau wird in die Psychiatrie eingewiesen, die Diagnose lautet Schizophrenie. Sind ihre Beschuldigungen gegen ihren Ehemann ernst zu nehmen? Wahn oder Wirklichkeit? Kassandra Bergen, erfahrene Assistenzärztin in der psychiatrischen Klinik Eschenberg, hat schon manches erlebt. Aber dieser Fall ist anders. Das Schicksal ihrer Patientin lässt sie nicht mehr los.Was als Nachforschung aus medizinischem Interesse beginnt, nimmt bald einen unheilvollen Verlauf. Und nichts ist mehr, wie es zu sein schien. (Verlags-Website)

BE: Psychiatrische Klinik Münsingen (Hauptschauplatz), Münsingen, Aaretal, Thun (u.a. Restaurant Altes Waisenhaus, Restaurant Beau Rivage, Spital, Kantonspolizei, Bonstettenpark, Schadaupark, Aarequai Thun–Hünibach, Thunersee), Stadt Bern (Bahnhof, Ryfflihof, Neuengasse, Altstadt), Biglen, Grosshöchstetten

9. Dezember 2013

Wenn Literaten wandern

Diverse Autoren: «Einen schweren Schuh
hatte ich gewählt …»,
Dörlemann
Verlag, Zürich, 2013
Seit 1996 findet jeweils sommers in Leukerbad das Internationale Literaturfestival statt. Ins Leben gerufen wurde der Anlass von dem aus Leukerbad stammenden Verleger Rico Bilger (Bilger Verlag). Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus der halben Welt haben in all den Jahren den Weg in den Schoss der Gemmi gefunden . John von Düffel war hier, Chika Unigwe, Yoko Tawada, Monika Sznajderman, Jakob Arjouni†, Arnon Grünberg, Helga Glantschnig, Amira Hass, Chirikure Chirikure. Alle waren sie da. Aus Deutschland, Österreich, den USA, Nigeria, Israel, Mexiko, Neuseeland, Tunesien, Weissrussland, Russland, Syrien, Polen, Bulgarien etc. Und natürlich auch aus der Schweiz: Alex Capus, Hugo Loetscher†, Franz Hohler, Urs Mannhart, Paul Nizon, Petra Ivanov, Silvio Huonder, Peter Bichsel, Daniel de Roulet, Rolf Dobelli, Rolf Lappert, Hansjörg Schneider, Peter Stamm und wie sie alle heissen.

Nun ist es ja mittlerweile eine nette Tugend der Schreibzunft geworden, dem Wandertum zu fröhnen und daraus literarischen Mehrwehrt zu schöpfen. Genau dies haben die ehemaligen Leukerbader Literaturfestivalteilnehmer  Arno Camenisch, Gerhard Falkner, Nora Gomringer, Sabine Gruber, Judith Hermann, Rolf Hermann, Douna Loup, Tanya Malyarchuk, Urs Mannhart, Francesco Micieli, Christine Pfammatter, Angelika Reitzer, Michail Schischkin, Monique Schwitter, Christoph Simon, Marie-Jeanne Urech und Peter Weber im Rahmen eines Buchprojektes getan.

Unter dem antiquiert anmutenden Titel «Einen schweren Schuh hatte ich gewählt …» führen die Autorinnen und Autoren die Leserschaft in 19 Wanderungen durch die nahe und weite Umgebung von Leukerbad. Zum Wasserfall, auf und um das Torrenthorn herum, über den Restipass ins Lötschental, auf den Gemmipass, dreimal über die Albinenleitern, nach Brentschen, in die Nasenlöcher des Bietschtals, von Varen hoch ins Murmiltangil, von Leuk nach Sierre und nach Ausserberg, in den Illgraben und letztlich dreimal in den Pfynwald.

Besonders gut in Erinnerung geblieben ist mir der Text Gerhard Falkners. In sprachgewaltigem Pathos, kritisch-wachem Geist und witzig-skurrilen Formulierungen hebt sich der Autor von den anderen Elaboraten glasklar ab. Eine Entdeckung war indes auch der Russe Michail Schischkin. Ansonsten empfand ich das Gebotene als mittelmässige Fabulierkunst. Dass nicht alles gefiel, liegt erfahrungsgemäss in der Natur einer Anthologie.

Das Glanzstück aus gestalterischer Sicht ist indes der Umschlag! Dieser besteht aus einer gefalteten 50'000er-Karte sowie den Ausschnitten zu den einzelnen, im Buch eher dürftig beschriebenen Routen. Im Berndeutschen kennen wir für derartiges Machwerk die schönen Begriffe «tschent» und «gäbig».

Für mich der Buchumschlag des Jahres. Und wer sich am Torrenthorn im Schneesturm verirrt, hat gleich noch den Zunder dabei.





8. Dezember 2013

Angst, Haas und Wellness

Petra Ivanov:
Angst, Haas und Wellness,
Appenzeller Verlag, Herisau, 2010
Martin Angst und Vera Haas wollen in Bad Zurzach bei Wellness und gutem Essen ihre Bezie-hung klären. Da wird die 52jährige Verena Zimmermann in ihrem Wohnzimmer ermordet. Neben der Leiche liegt bewusstlos ihr Bruder Paul, eine blutverschmierte Holzplastik der Heiligen Verena in der Hand. Obschon alle Türen und Fenster von innen verschlossen sind, behauptet Paul, nichts mit dem Tod seiner Schwester zu tun zu haben. Nun soll Kriminal-techniker Martin prüfen, ob trotzdem jemand ins Haus eindringen konnte. Unterstützung findet er bei der attraktiven Polizistin Kay; bald drehen sich seine Gedanken nur noch um sie. Die ehrgeizige Vera macht derweilen den Jugendfreund von Verena Zimmermann ausfindig. Gelingt es dem Duo Angst-Haas, den Mord aufzuklären? Können die beiden ihre Beziehung kitten? (Klappentext)

AG: Bad Zurzach (Hauptschauplatz), Achenberg

Ronaldinhos Locke

Nunningen lag im Halbschatten als wir uns gestern an die Überschreitung des Juragebirges schickten. Die Route führte im verkrusteten Schnee den Steilwald hoch an die Sonne und um mehrere Bergkämme herum an den Fuss des Passwangs. Hierbei durchschritten wir eine vollkommen bipolare Welt. Düstere Schattenpartien wechselten sich ab mit gleissend hellen Südhängen. Auf Tiefkühltemperaturen folgten Wohlfühlwerte à la Märzensonne. Es war alles in allem eine premium Winterwanderung durch die tiefste Faltenjuraprovinz und allen Adventhetzern als zwischenzeitliche Erholung zu empfehlen.

Unterwegs zwischen Nunningen (SO) und Mümliswil (SO).


In Mümliswil war Schluss aber noch nicht fertig. Am Dorfausgang Richtung Balsthal setzten wir einen kulturellen Kontrapunkt. Wir besuchten das Museum Haar und Kamm. In den Räumlichkeiten der 1990 stillgelegten Kammfabrik ist nicht nur die spannende Firmengeschichte dokumentiert sondern auch der Herstellungsprozess des Kamms. Unzählige skurril anmutende Objekte bereichern den gezeigten Fundus. Die Fabrik, deren Produkte den Markennamen Kroko trugen, beschäftigte während der Hochblüte 400 Angestellte. Abnehmer der qualitativ hochstehenden Ware fanden sich in weiten Teilen des Globus. Man lieferte unter anderem an den spanischen Hof oder in den Buckingham Palast.

Das Museum befindet sich im hellgelben Trakt der 1792 gegründeten und 1990 geschlossenen Kammfabrik in Mümliswil (SO).
Besonders amüsant fanden wir eine Chronologie über die Entwicklung der Haarmode. Als die Welt noch Zeit und Geld für ausgefeiltes Kunsthandwerk hatte, entstanden Frisuren von umwerfender Pracht. Da gaben die in kleinen Vitrinen präsentierten Locken der Fussballpromis Marco Streller, Benjamin Huggel, Pascal Zuberbühler und Daniel Gygax bedeutend weniger her. Zugegeben, beim Schübel des zweifachen Jahres-Weltfussballers Ronaldinho vollführte ich um ein Haar Freudentänze.

Die Haarlocke des einstigen Fussballgottes Ronaldinho.

7. Dezember 2013

So tickt die Suchmaschine

Als Blogger beim Google-Dienst Blogger steht es mir frei, von Google geschaltete Werbung anzeigen zu lassen. Täte ich dies, könnte ich nebenher ein wenig Geld verdienen. Allerdings nur, wenn die Leser meines Blogs entsprechend oft die Werbebanner anklicken. Welche Werbung Google schaltet, hängt zum einen vom Inhalt der Posts ab, zum andern beruht die Sache auf dem Zufallsprinzip. Unter Umständen erscheinen also Anzeigen, mit welchen ich als Blogger lieber nicht in Verbindung gebracht werden möchte. Dies ist mitunter ein Grund, weshalb ich auf diesen möglichen Nebenverdienst verzichte. 

Anders handhabt es Wanderfreund Widmer. Er hat sich vor längerer Zeit für die Google-Anzeigen-Maschinerie entschieden. Um zu verdeutlichen, welche Formen sie manchmal annimmt, sei folgendes Beispiel zitiert: 


Mit der Publikation dieses Posts erschien gleichzeitig eine Anzeige des Haarprodukteherstellers Garnier. Das macht durchaus Sinn, nicht wahr. Lustig ist nur, dass seit dem 3. November die Garnier-Werbung immer noch erscheint, wie Widmers Post von heute beweist. Es bleibt indes zu hoffen, dass sich das Banner nicht in einer Endlosschlaufe befindet. Eine Promotion für den Haarfärbe-Trend 2013 scheint mir zum aktuellen Zeitpunk definitiv nicht mehr en vogue. 



6. Dezember 2013

Der Samichlaus


Samichlaus und Eseli am 6. Dezember 1996 am Bahnhof Burgistein-Wattenwil.
Foto: Hans-Ueli Bieri

5. Dezember 2013

Verrat in Zürich West

Sabina Altermatt: Verrat in Zürich West
Orte, Oberegg, 2005
Alternative Jugendliche, eine junge Polizistin mit spanischem Namen, ein bärbeissiger Kommissar, aufgeheizte, junge Polizeibeamte, eine WG mit den üblichen sinnlosen und hin und wieder sinnvollen Diskussionen, eine Bündnerin, die um ihre Schwester trauert und hungrig nach Liebe sucht. Sie gehören zum Personal des ersten Kriminalromans von Sabina Altermatt. Und die Autorin versteht es, Spannung zu erzeugen und in prägnanten Sätzen die Story gekonnt voranzutreiben. Klappentext

ZH: Zürich Stadt, Oerlikon, Zürichsee (Hauptschauplätze) GR: Versam Station, Ems-Chemie Ems, Sumvitg, Crestasee bei Flims

4. Dezember 2013

Dann und wann

Kaum waren die drei Könige
Dann schon Ostern
Dann die Taube
Das war Pfingsten
Dann Maria
Ab in den Himmel
Allerheiligen
Und dann der Advent
Eins, zwei, drei
Die Zeit rennt

Wenn die vierte Kerze brennt
Dann ist Weihnacht
Oh Dannenbaum, oh Dannenbaum
Wann ist Ostern?

Dann

3. Dezember 2013

Nationalsport?

Wir trafen uns in Wynigen, dem Dorf inmitten emmentalisch anmutender Hügel. Mein Lektor und ich. Vergangenen Sonntag. Von der inzwischen als alte Bahnlinie zu benennendem Strang zwischen Mattstetten und Rothrist durch schneeweisse Felder und laublose Wälder. Ich hätte – oh unverhoffte Sonne – die Sonnenbrille einpacken sollen. Erkenntnis des Tages: Im Dreieck Emmental–Oberaargau–Berner Mittelland werden mehr Könige gemacht als anderswo. Der jüngste stammt aus dem nahen Alchenstorf. Matthias Sempach schwang am letzten Eidgenössischen im ebefalls nahen Burgdorf obenaus. Im Bären Ersigen, wo wir gediegen tafelten – Rehgeschnetzeltes mit Spätzli und Rosenkohlgratin –, hing Sempachs Dankesschreiben an die Wirtsleute.

Der Schwingerkönig 2013, Matthias Sempach (blaues Hemd), dankt dem Bärenwirt von Ersigen. Mein Lektor und ich waren uns einig: Das Bild der beiden Schwinger – der Unterlegene ist Christian Stucki – weist eine gewisse homoerotische Komponente auf. Tja.


Es bedankten sich auch ein Daniel von Känel, Schlägerkönig am Eidgednössischen Hornusserfest 2012 in Lyss sowie ein Sandro G., bester Schläger am heurigen Interkantonalen Hornusserfest in Selzach. Sein Dankesschreiben an den spendablen Bärenwirt zeugt von bodenständiger Ehrlichkeit und Authentizität:

Ich möchte mich noch recht Herzlich bei Ihnen Bedanken für die wunderschöne Glocke wo ich in Selzach gewonnen habe. Ich habe sehr Freude daran. Es ist für mich eine grosse Ehre, diese Glocke von Ihnen zu haben.

Sempach und von Känel sind bloss die jüngsten Beispiele dieser königlichen Umgebung. In früheren Jahren machte der Oberböse Adrian Käser Alchenstorf bereits zum Nabel des Schwingeruniversums. Bezieht man die weitere Geografie mit ein, so sei auch auf Silvio Rüfenacht aus Hettiswil bei Hindelbank hingewiesen. Sein Sieg an einem Eidgenössischen datiert aus dem Jahre 1992.

Henu. Was mich am ganzen Hype des sogenannten Nationalsports stutzig macht, ist die Tatsache, dass die Tessiner, Romands und Rätoromanen weitgehend nichts mit der Sache gemein haben. Am ehesten vielleicht noch die Romands. Das schwingerische Nationalgefühl ist also primär ein deutschschweizerisches. So gesehen existiert die Schweiz einmal mehr nicht. Da vermögen auch die Eidgenössischen Schwingfeste in Vevey, Lausanne, Fribourg, Neuenburg, Sion, La Chaux-de-Fonds, Nyon und 2016 in Estavayer-le-Lac nichts Entscheidendes daran zu ändern.

Hat ein Herz für Schwinger und Hornusser: der weitherum bekannte Bären in Ersigen (BE).

2. Dezember 2013

Sieht so eine Schlachtbank aus?



Dieses rustikale Exemplar sah ich im schwyzerischen Oberiberg. Es steht die Frage im Raum, wer mit diesen drei Frauennamen gemeint ist. Die drei Metzgerstöchter, die drei Bänklispenderinnen oder gar drei zur Schlachtbank geführte Kühe, welche hernach in veredelter Form in der Metzgerei wieder auftauchten?

1. Dezember 2013

Wenn das die Suva wüsste



Klar wäre es dem Mann in Goldiwil ob Thun lieber gewesen, wenn sein Hausdach noch vor dem Schnee gedeckt worden wäre. Sicher ist das ärgerlich, wenn eine Laune der Natur 10 Zentimeter Pulver auf die Erde hinab schmeisst und die aufkommende Sonne die Masse verflüssigt. Wer will denn schon ein feuchtes Zwischendach, wer? Bloss, so fragte ich mich auf meinem gestrigen Winterspaziergang von Heiligenschwendi Dörfli nach Steffisburg Dorf, ob dem Schaufler das Dach über dem Kopf wichtiger ist als der Kopf.

PS 1. Weil die Route im Hügelland von Thuns Osten zwar kurz (2 Stunden) aber dennoch winterlich prächtig war, gibt es hier 14 Fotos zur Einstimmung auf die kommende Schneesaison.

PS 2. Für alle Nichtwisser: Die Suva ist die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt, versichert knapp zwei Millionen Menschen gegen Betriebs- und Nichtbetriebsunfälle. «Wenn das die Suva wüsste», ist mitunter zu einer stehenden Redewendung geworden, wenn in der Arbeitswelt fahrlässig gefuhrwerkt wird.