31. Januar 2016

Hügeltour im Oberaargauer Gebirge



Gestern ging ich von Riedtwil nach Kleindietwil. Berner Provinz zwischen Burgdorf und Langenthal. Der Wind blies stellenweise heftig. Kein Hund, kein Spaziergänger, kein Wanderer. Viel Asphalt. Die durchschrittene Gegend zählt zu den Wynigen- und den Buchsibergen, wobei Hügel der passendere Ausdruck für das sanft gewellte Land wäre. Und weil ich wieder einmal quer statt Mainstream ging, gibt das Routenprofil den Charakter der Region treffend wieder.

29. Januar 2016

Füdlechöpf

Diese Glarner! Ich mag sie sehr gerne, frage mich indes, was sie sich bloss bei der Vergabe von Flur- und Bergnamen gedacht haben. Werden wir es je erfahren? Hier ein weiteres Beispiel oberhalb von Schwanden. Man beachte zudem die Mörderchöpf am rechten Kartenrand. Mir graust!


27. Januar 2016

After

Wo ein Arsch, ist das Loch nicht weit. Gefunden habe ich es bei den Glarnern, östlich des Mürtschenstocks.


26. Januar 2016

Der Preis für diese Langhaar

Am Sonntag gab es bloss eine Kurzwanderung von Wichtrach nach Heimberg. Zu Beginn der Route schien gar noch ein wenig die Sonne, was offenbar auch den Katzen gefiel. Ein erstes Prachtsexemplar erwartete uns bereits in Oberwichtrach. Das zutrauliche Fellknäuel nahm willig seine Streicheleinheiten entgegen. Das Tier zu fotografieren, war indes schwieriger. Sobald ich nämlich die Linse in der richtigen Position hatte, lief die Katze auf mich zu, was dem langsamen Autofokus der Kamera leider verunmöglichte, scharfe Bilder zu liefern. Also hoben wir den Vierbeiner auf einen grossen Stein, wo seine Bewegungsfreiheit eingeschränkt war. Und siehe da! Er hielt still, wendete nun aber den Kopf demonstrativ-divenhaft vom Fotografen ab. Durch gutes Zureden gelang es mir dennoch, eine Frontaufnahme zu schiessen. Als ich sodann versuchte, mittels erhobenem Arm und Fingerschnippen die Aufmerksamkeit des Tieres auf mich zu lenken, bekam ich die Krallen in die linke Hand gerammt.


Ich wusste nun, dass ich eine Grenze überschritten hatte. Das Tier war genervt und zeigte es mir unmissverständlich. Aus dem Schmusetiger war ein Geschöpf mit Selbstbewusstsein geworden. Die drei Blutstropfen, die aus dem Handrücken zu quellen begannen, waren der Preis für das Bild.


25. Januar 2016

Dilemma

Männer mögen über gewisse Themen nicht reden. Und Frauen sind oft schlechte Zuhörer.

Füdlebacke

Dieser nette Ort liegt nicht etwa am A... der Welt sondern im schönen Emmental, südöstlich von Oberburg (BE)


24. Januar 2016

Hanspudi und die Thuner Sonate

Stefan Haenni: Brahmsrösi, Gmeiner,
Messkirch, 2009
Wie liebe ich es doch, ohne Zeitdruck recherchieren zu können! Im Moment bin ich auf Spurensuche nach einem gewissen J. V. Widmann, dem ich im Juni 2000 in einem Berner Buchantiquariat zum ersten Mal begegnet bin. Nicht dem Autor selber, denn Josef Viktor Widmann verstarb anno 1911, sondern seinen Spaziergängen in den Alpen, die ich hernach mit grossem Interesse gelesen habe. Und je länger ich mich mit dem Menschen Widmann befasse, desto mehr bin ich fasziniert und begeistert.

Mitten in den Recherchen, zeigte mir die grösste Suchmaschine der Welt eine Textpassage aus dem zweiten Kriminalroman Brahmsrösi des Thuners Stefan Haenni. Es ging um J. V. Widmann, mit dem Johannes Brahms befreundet war. Unverzüglich sprang ich auf und hechtete in jene Gegend meines Bücherregals, wo ich die Autoren beginnend mit H, stehen habe. Den ungelesenen Brahmsrösi-Krimi nenne ich nämlich seit längerem mein Eigen. Die Lektüre habe ich sodann schleunigst und in kürzester Zeit nachgeholt. Von den drei bislang erschienen Haenni-Krimis erachte ich Brahmsrösi als den gelungensten. Als Leser erfahre ich eine ganze Menge über den Komponisten Brahms, sein Leben und Wirken, aber auch über die Brahms-Gesellschaften, insbesondere jene in Baden-Baden, wo der Komponist mehrere Jahre in einem heute öffentlich zugänglichen Haus die Sommer verbracht hatte.

Obschon im Roman dem Schriftsteller und Bund-Feuilletonisten Widmann eher eine Nebenrolle zugedacht ist, schenkt uns Haenni die eine oder andere Anekdote aus dem Leben des J. V. Und dass Haenni zwischendurch zu sprachwitziger Hochform aufläuft, möge folgendes Beispiel dokumentieren: In Oberhofen am Thunersee wird der allseits bekannte und geschätzte Violonist Bernhard Bachmann ermordet aufgefunden: 

Auf den ersten Blick sind keine Wunden sichtbar. Die vertrocknete Blutlache, die sich unter und neben dem grau-blonden Bubikopf ausgebreitet hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Ist der Geiger unglücklich gestürzt? Oder hat ihm jemand den Bogen gegeben?

Kopfblatt der gedruckten Noten von 1887
Und die Thuner Sonate? Haennis Geschichte dreht sich in erster Linie um die Oiginalpartituren, der von Brahms im Sommer 1886 am Thunersee komponierten Violinsonate Nr. 2 in A-Dur (Op. 100). Privatdetektiv Hanspeter («Hanspudi») Feller, wird vom Präsidenten der Thuner Brahms-Gesellschaft damit beauftragt, nach der Echtheit der aufgetauchten Autographen zu forschen. Ohne die Geschichte zusammengefasst ausrollen zu wollen, sei an dieser Stelle bloss auf besagte Sonate hingewiesen, denn die Lektüre erweckte in mir unweigerlich das Interesse nach dem Klange dieses Oeuvres. Eh voilà! YouTube hat die Musik an Lager. Und dies gleich in mehreren Interpretationen. Ich habe mich für jene von Anne-Sophie Mutter (Violine) und Lambert Orkis (Piano) entschieden.

Schauplätze
BE: Thun (Hauptschauplatz) mit Brahmsquai, Café Bar Alte Oele, Hofstettenpark, Freienhofgasse, Mühleplatz, Restaurant Waisenhaus, Seefeldquartier, Niesenstrasse, Restaurant Dampfschiff (inkl. Infotafel über Wasservögel in dessen Nähe an der Aare), Brahmsplakette von J.V. Widmann am Brahmsquai, Kantonspolizei Allmendstrasse, Obere Hauptgasse; Oberhofen am Thunersee, Stadt Bern (Widmann-Brunnen mit Pavillon am Hirschengraben) PL: Krakau mit Universitätsbibliothek, Jordana Park, Flughafen Johannes Paul II, Gertrudy-Strasse D: Baden-Baden mit Brahmshaus in Lichtental, Casino, Zisterzienserinnen-Abtei Lichtental, Florentinerberg, Liebfrauenkirche, Ristorante Garibaldi, Friedrichsbad, Jesuitenplatz, Coffee Fellows im Hauptbahnhof.

23. Januar 2016

Arsch

Mit diesem Beitrag eröffnen wir das weite Feld der analen Zone, wie die nachfolgenden Posts beweisen dürften. Hier die komplette Sammlung an Ärschen in Deutschschweizer Landschaft.

An der Abzweigung zu Grimsel und Furka bei Gletsch (VS)

Unweit dieses Arsches entspringt die Mineralquelle Elm (GL) mit seinem weltberühmten Citro. Prost!

Auf der Alp Arsch im Toggenburg (SG) kam ich vor Jahren einmal vorbei. Nein, ich hatte mich nicht verlaufen, war also nicht am Arsch.

Auch im Thurgau, hier beim Bommer Weier südlich von Kreuzlingen, bediente man sich des Namens. 

Der NEAT-Basistunnel führt buchstäblich am Arsch vorbei.

Noch einmal im Oberwallis. Hier im Blinnental, südlich von Reckingen.

Unweit von Wila im Tösstal (ZH).

Im schönen Wägital (SZ).

21. Januar 2016

Schnuderen

Passend zur aktuellen Jahreszeit diese Örtlichkeit östlich von Engelberg (OW). Man halte sein Taschentuch bereit!


20. Januar 2016

Der Vorleser

Bernhard Schlink: Der Vorleser,
Diogenes, Zürich, 1995
Auf dem Nachhauseweg gerät der fünfzehnjährige Michael Berg in eine heikle Situation. Eine Frau, Mitte dreissig, kümmert sich um ihn. Später kommt der Junge mit einem Blumenstrauss, um sich zu bedanken. Und er kommt wieder. Hanna ist die erste Frau, die er begehrt. Eine heimliche Liebe beginnt. Doch es ist etwas Düsteres, Reizbares um Hanna. Seine Fragen, wer sie war und ist, weist sie schroff zurück. Eines Tages ist sie verschwunden. Aus Michaels Leben, nicht aus seinem Gedächtnis. Als Jurastudent sieht er Hanna im Gerichtssaal wieder. Der junge Mann erleidet einen Schock. Er hat eine Verbrecherin geliebt. Vieles an Hannas Verhalten im Prozess ergibt keinen Reim. Bis es ihm wie Schuppen von den Augen fällt: Sie hat nicht nur eine grauenhafte Tat zu verantworten, sie hat auch ihr verzweifelt gehütetes Geheimnis. Die Vergangenheit bricht auf – die seiner Liebe und die deutsche Vergangenheit. Michael muss erleben, dass er von beiden Vergangenheiten nicht loskommt. Eine Frauengestalt, mit der man auch als Leser nicht einfach fertig wird. Und das Dilemma einer Generation. (Website Diogenes Verlag)

D: Heidelberg und Umgebung (Hauptschauplatz), Berlin F: KZ Struthof im Elsass

19. Januar 2016

Lusthus

Was will uns dieser Flurname neben einem Frauenkloster in der Nähe von Flawil (SG) sagen? Ironie des selbst gewählten Schicksals oder bloss ein simpler Zufall? Der Herrgott wird's schon wissen.


18. Januar 2016

Winter 2.0

Fulminante 20 Kilometer im Schnee! Gestern schritt ich vom Oberaargau ins Emmental; von Kleindietwil an der Langete via Dürrenroth nach Sumiswald. Die dezenten Schnefälle der Vortage bepuderten die Landschaft mit 10 cm Glück. Die perfekte Unterlage, um dem Winter 2.0* die Ehre zu erweisen. Und wie das Wetter Kapriolen vollführte! In regelmässigen Abständen peitschte der Wind dichtes Schneegestöber übers Land. Aus Nordwest blies zeitweilig eine giftige Brise, die dann abrupt inne hielt, um wenig später erneut loszutoben. In der zweiten Streckenhälfte trieb der Wind die Wolken auseinander. Eine morgens nicht für möglich gehaltene Sonne strich mit ihren Strahlen über die Hügel und inszenierte grosses Landschaftskino. Lediglich fünf Menschen bin ich unterwegs begegnet: einer hübschen jungen Frau, die mit ihrem Hund die Morgenrunde absolvierte, zwei Reitern und zwei ernsthaften Wanderern. In Sumiswald angekommen, stieg ich in den Zug, der mich ohne umsteigen gemütlich ins Gürbetal nach Hause fuhr. Das nenne ich Service public!

Und nun noch der Dämpfer: Laut Wetterprognosen soll es am Ende dieser Woche wieder wärmer werden. Nicht bloss ein bisschen. Stolze 12 Grad Celsius sind angekündigt! War das schon alles vom Winter 2.0?

*Wir erinnern uns: Ende November machte es den Anschein, als ob der Winter endgültig Einzug hielte, was ja dann bekanntlich nicht der Fall war …

Eine Viertelstunde nach Ursenbach (BE)

Reiterin und Reiter beim Gehöft Höchi. Wir wünschten uns einen schönen Sonntag. Den hatte ich!

Im Anmarsch auf Sumiswald. Blick von der Schonegg nach Norden. Die Sonne zaubert.

Auf der Schonegg beim Schabenleen kurz vor Sumiswald.

Als hätte Gotthelf nie gelebt ...

17. Januar 2016

Tubel

Meine Güte! Möchten Sie an einer Adresse wohnen mit der unzweideutigen Bezeichnung Tubel? Die Leute auf der Gemeindegrenze Huttwil-Eriswil (BE) sind wahrlich nicht zu beneiden.


16. Januar 2016

Die Schweiz als Rettungsboot

Alfred A. Häsler: Das Boot ist voll, Ex Libris,
Zürich, 1967. Das Werk ist im Diogenes Verlag,
Zürich nach wie vor vorrätig!
Das 1967 von Alfred A. Häsler erschienene Buch Das Boot ist voll handelt von der Schweiz und ihrer Rolle in der Flüchtlingspolitik von 1933–45. Das Werk löste damals ein kleineres Erdbeben aus und stellte das Verhalten unseres Landes während des Nazi-Regimes in ein düsteres Licht. Endlich bin ich nun dazu gekommen, den Band zu lesen. Was mich am meisten erschüttert hat, – nebst den geschilderten, tragischen Fällen und dem zum Teil selbstherrlichen Walten eines Bundesrats Eduard von Steiger und seinem Handlanger, dem Chef der Polizeiabteilung, Heinrich Rothmund –, ist die Tatsache, dass auch in heutiger Zeit gewisse Parolen in einschlägigen Kreisen, darunter auch eine hier nicht namentlich zu erwähnende Bundesratspartei, 1:1 skandiert werden. Als ob es das mehrere Jahre andauernde Flüchtlingsdrama vor rund 70 Jahren gar nie gegeben hätte.

Ich bin mir bewusst, dass die Situation heute eine andere ist als damals. Was indes gleich geblieben ist: Es sind nach wie vor Menschen, die in unserem Land um Asyl ersuchen, egal welches ihre wirklichen Absichten sind. Und ja, der Zweite Weltkrieg mit seinen Millionen von Toten, die er übrig gelassen hat, war der Menschheit nicht Lehre genug. In den meisten Herkunftsländern der heutigen Flüchtlinge herrscht Krieg, Diktatur und politische Willkür und in der Regel auch wirtschaftliche Armut. Die Lektüre von Das Boot ist voll sei hiermit wärmstens empfohlen, auf dass sie uns die Augen öffnen oder offen halten.

Alfred A. Häsler wurde 1921 in Wilderswil im Berner Oberland geboren. Er absolviert eine Typographenlehre in Interlaken. Ab 1939 erschienen von ihm u.a. in der Nation erste Artikel gegen die schweizerische Flüchtlingspolitik. Von 1958 bis1977 war er Redakteur bei der Tat, 1964–1985 bei Ex Libris, 1977–1984 bei der Weltwoche, daneben arbeitete er als freier Mitarbeiter für Radio und Fernsehen. Er erhielt 1986 den Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, ist Honorary Fellow der Hebräischen Universität Jerusalem und erhielt 1992 den Fischhof-Preis u.a. «in Anerkennung für sein gesamtes literarisches Schaffen, in dem er insbesondere mit dem Buch Das Boot ist voll ein bleibendes Zeichen für seine Gesinnung setzte». Alfred A. Häsler starb am 7. April 2009 in Zürich. (Website Diogenes Verlag)

15. Januar 2016

Aff

Dieser Aff lebt nicht im Zoo
Ist aus Fels und – jä soo
Ein Stück Hohgant –
Holdrioo!


13. Januar 2016

Morde!

Welch ein Aufruf in forstlichem Ambiente! Irgendwie verständlich, denn Amerika ist nicht weit und mit ihm Aspen. Für das Opfer und die Hinterbliebenen sorgt der ebenfalls nahe Pfarrwaald. Damit leben müssen die Einwohner der Gemeinden Buch und Ramsen (SH), notabene nördlich und östlich von Deutschland. Die Welt ist manchmal wahrlich schräg.


11. Januar 2016

Säuli

Dieser nette Flurnamen bezeichnet eine Stelle in erhöhter Lage über dem Seeztal zwischen Flums und Mels (SG).


9. Januar 2016

Löhli, Tubel, Arsch

Flurnamen haben es manchmal in sich. In einer kleinen Serie werden an dieser Stelle in den nächsten Tagen und Wochen ein paar nette Ortsbezeichnungen aus der Deutschschweiz vorgestellt. Bitte nehmen Sie das Ganze weder persönlich noch in irgendwelcher Form ernst. Für die Grüseleien in Feld und Forst haften unsere Vorfahren und nicht der Blogger. Den Beginn macht die Häusergruppe Löhli bei Rosshäusern im Westen von Bern.

PS. Die Katzenliebhaberinnen und -liebhaber habe ich nicht vergessen. Im Anschluss an Löhli, Tubel, Arsch werden ein paar nette Miezen präsentiert, die bereits schnurrend in den Startlöchern stehen.


7. Januar 2016

Der letzte Weynfeldt

Martin Suter: Der letzte Weynfeldt,
Diogenes, Zürich, 2008
Adrian Weynfeldt, Mitte fünfzig, Junggeselle, grossbürgerlicher Herkunft, Kunstexperte bei einem internationalen Auktionshaus, lebt in einer riesigen Wohnung im Stadtzentrum. Mit der Liebe hat er abgeschlossen. Bis ihn eines Abends eine jüngere Frau dazu bringt, sie – entgegen seinen Gepflogenheiten – mit nach Hause zu nehmen. Am nächsten Morgen steht sie ausserhalb der Balkonbrüstung und droht zu springen. Adrian vermag sie davon abzuhalten, doch von nun an macht sie ihn für ihr Leben verantwortlich. Immer wieder nötigt sie ihn, sie aus ihren Schwierigkeiten zu befreien. Weynfeldts geregeltes Leben gerät aus den Fugen – bis er schliesslich merkt, dass nichts ist, wie es scheint. (Klappentext)

GR: St. Moritz ZH: Stadt Zürich, Oerlikon E: Mallorca

5. Januar 2016

Biber in Burgistein!

Erfreuliche Beobachtung vor ein paar Tagen an der Gürbe in Burgistein (BE): Der Biber ist angekommen, wie erste Frassspuren bezeugen. Bin gespannt, ob sich das putzige Tier etablieren kann.





3. Januar 2016

Der Fehlschuss als Fehlschuss

Thomas Bornhauser: Fehlschuss, Weber
Verlag, Thun/Gwatt, 2015
Im Bremgartenwald bei Bern brennt ein Ferrari, zwei Personen kommen darin ums Leben. Drei Tage später wird in der Berner Innenstadt ein Anlageberater auf offener Strasse erschossen. Zwei voneinander völlig unabhängige Verbrechen. Joseph Ritter, Dezernatsleiter Leib und Leben bei der Kantonspolizei Bern – intern nur «J.R.» genannt, nach J.R. Erwing in der TV-Serie «Dallas» –, sieht sich gefordert, zusammen mit seinem Team, Regula Wälchli, Elias Brunner und Stephan Moser.

Je länger die Ermittlungen andauern, umso wahrscheinlicher wird, dass es möglicherweise doch einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen im Bremgartenwald und in der Berner Marktgasse geben könnte. Aber welchen? (Klappentext)

Thomas Bornhausers Erstling spielt in der heutigen Zeit und ist gespickt mit Stadtberner Lokalkolorit. Für meinen Geschmack zitiert der Autor dabei zu viele real existierende Ladengeschäfte, Restaurants und Markennamen. Alleine dadurch verliert der Roman an literarischem Gehalt. Und noch ein Wort zur Handlung: Vielleicht habe ich bereits zu viele Krimis gelesen, aber der vorliegende Plot hat mich leider nicht vom Hocker gehauen. Der Hauptkommissär hat typischerweise seine Macken, das Ermittler-Team glänzt mit den üblichen Sticheleien, der Staatsanwalt ist wie immer auf Zack und die kriminelle Seite ist in dubiöse Händel verstrickt. Und ja, das Kriminalrätsel wird letztlich auf nicht unkonventionelle Art aufgelöst.

Sonderbar auch das Format und die Ausstattung des Buches. 16,5 x 23,6 cm hat schon fast Bildband- oder zumindest Sachbuchgrösse. Gaben die ganzseitigen Fotos der Originalschauplätze den Ausschlag (für mich das einzig Originelle am Werk)? Speziell auch das gewählte, gestrichene Offsetpapier: Für Romane – und Krimis erst recht – eher die Ausnahme. Aber am meisten irritiert hat mich indes die Haptik der Buchdeckel: Ein leicht ekelig anzufassendes Material, das sich sonderbar wächsern anfühlt. Nach der Lektüre musste ich mir jeweils die Hände eincremen, obschon im Roman keine Markencreme namentliche Erwähnung findet.

Henu, letztlich weiss der Verleger am besten, wie er seine Bücher auf den Markt und an die Leserschaft bringen will. Ich finde, der Titel Fehlschuss hat seine Schuldigkeit getan.

Und hier noch die Schauplätze

BE: Stadt Bern (Hauptschauplatz), Bremgartenwald, Glasbrunnen, S-Bahn Münsingen–Bern, Hinterkappelen, Muri b. Bern, Gerzensee, Rubigen, Ortschwaben, Gurten, Köniz VS: Vercorin F: Bordeaux PL: Warschau, Bystra, Lodz USA: New York

1. Januar 2016