31. August 2020

Der Test

Hat zwar «nur» 10 Megapixel, überzeugt aber dennoch mit guter Bildqualität: die E-520 von Olympus.

Geniales Weitwinkelzoom mit guter Lichtstärke und
einem Brennweitenbereich von 11–22 mm.
Sie werden schon längst nicht mehr hergestellt, dennoch finde ich die digitalen Spiegelreflexkameras mitsamt den dazugehörigen Objektiven von Olympus nach wie vor formidable Arbeitstiere. Hier ein paar Beispiele, aufgenommen über Mittag mit der Olympus E-520 und dem 11–22 mm f/2.8–3.5-Objektiv. Und nicht unerwähnt sei in diesem Zusammenhang die unverwüstliche Robustheit von Kamera und Objektiv; also genau das Richtige für den Wanderfotografen.

30. August 2020

Sie liebt

Karin Hobi-Pertl: Sie liebt, Driftwood,
Chur, 2017
Lena, 32, ist single und möchte dies nach einer gescheiterten Beziehung auch bleiben. Ein neuer Job, ein attraktiver Liebhaber, ungebunden und ohne jegliche Verpflichtungen. Das passt ganz gut so. Doch dann verschwindet Sandy, ihre beste Freundin. Ihre Freundin, die doch zufrieden war mit ihrem Leben als Ehefrau und zweifache Mutter. Die doch alles haben konnte, was sie wollte.

Sandy bricht aus. Tauscht die Familienidylle gegen ein neues Leben. Will unabhängig und frei sein. So wie Lena. Von Neid geplagt und von Wut über ihre Vergangenheit gesteuert. Nichts lässt sie sich mehr gefallen. Sie würde über Leichen gehen für ihr neues, freies Leben.

Und Lena? Lena beginnt zu lieben. (Klappentext)

Moors Fazit: Eine leider vor Stereotypen, Plattitüden und Trivialitäten strotzende Geschichte, bei der sich der Leser permanent fragt, wie viel Autobiografisches der Autorin da mitschwingt. Sorry, liebe Karin, ich habe etwas mehr erwartet und bin jemand, der seine Meinung, auch wenn Sie hart sein mag, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, kundtut.

29. August 2020

Stock und Stein

Jarle Sänger: Stock & Stein, Bastei Lübbe, Köln, 2018
Warum ist der froststarke Januar ein idealer Monat zum Wandern? Was hält das heimische Naturkino im März, Mai oder im Oktober an Attraktionen bereit? Welche Touren machen auch mit kleinen und großen Kindern Spass? «Stock & Stein» ist ein Wanderbuch für das ganze Jahr. Es erstellt Attraktivitätsprofile für Regionen und klimatische Besonderheiten, empfiehlt Wanderrouten und die passende Ausrüstung, stellt kulinarische Köstlichkeiten am Wegrand vor, wirft einen Blick auf Flora und Fauna, gibt Gesundheitstipps und erzählt abenteuerliche Geschichten aus unserer Natur. (Klappentext)

Der Autor, Jarle Sänger, 1984 in Bonn geboren, ist schon seit seiner frühesten Kindheit Wanderer aus Leidenschaft. Bereits als Knirps eroberte er zusammen mit seiner wanderverrückten Familie die Berge Europas. Später machte er sich als freiberuflicher Journalist selbstständig und gelangte so, neben aufweckenden, ermutigenden und witzigen Erlebnissen auf seinen Wanderungen, auch zu spannenden Einblicken hinter die Kulissen der deutschen Wanderbranche.

Moors Fazit: Schön und erstaunlich zugleich, dass trotz den Tausenden von Wanderwebsites, -blogs, -tests und -filmchen auf Youtube immer noch Bücher geschrieben werden, die sich mit den Wanderbasics befassen. Der ansprechend gestaltete Band richtet sich hauptsächlich an die Leserschaft in Deutschland. Für in der Schweiz beheimatete Interessenten lohnt sich der Blick ins Buch dennoch, alleine deshalb, um einmal mehr festzustellen, dass wir hierzulande vermutlich über das weltweit am besten organisierte Wanderwesen verfügen. Diese Tatsache soll freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass Wandern überall und zu jeder Zeit möglich ist, sofern der Wanderlustige sich selber zu helfen weiss. Ein Kapitelchen zum Thema «Wandern und die Gesundheit» hat mir besonders gut gefallen, weshalb es hier ungekürzt wiedergegeben sei:

Dass Wandern gesund ist, weiss doch jedes Kind. Schliesslich macht gesundes Zeug nie Spass und lecker ist es auch nicht. Doch was genau macht Wandern eigentlich mit uns? Und was sind die positiven Einflüsse des Wanderns auf unsere Gesundheit? Zeit, das mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, und wenn es nur zur Bestätigung der eigenen Wanderleidenschaft dient. Andere Ehen und Gelübde werden schliesslich auch immer mal wieder aufgefrischt.

Arbeitgeber kann es freuen: Wandern stärkt vor allem das Immunsystem. Wer sich regelmässig im Freien bewegt und sich verschiedenen Wärme- und Kälteeinflüssen aussetzt, der wird seltener krank. Auch die positiven Effekte auf unser Herz- und Kreislaufsystem, unsere Blutfett- und Blutzuckerwerte, unsere Muskeln, Knochen, Sehnen und Bänder vermeiden den regelmässigen Besuch beim Arzt, den wir nach dem Lesen der zwei Jahre alten Brigitte im Wartezimmer in noch schlechterer Verfassung wieder verlassen. Wandern macht uns fitter, leistungsfähiger und stärker. Ausserdem fordert sportliche Betätigung den Schlaf, und guter Schlaf fordert die Gesundheit massgeblich.


Doch nicht nur der Arzt steht auf der Streichliste: Auch Kohlsuppendiät, FDH («Friss die Hälfte»), Diät-Lippenstift (gibt's wirklich) oder Abnehmpillen aus Fernost brauchen Wanderer nicht mehr. 350 Kalorien pro Stunde, die beim leichten Wandern verschleudert werden, sollten der Haxe am Abend entgegenwirken. Geschweige denn Bergtouren, die mit ca. 550 Kalorien in der Stunde auch zwei Haxen plus Schokopudding mit Leichtigkeit egalisieren und Übergewicht effektiv vorbeugen.


Ganzheitliche Gesundheit ist ein Zusammenspiel von Körper und Seele. Und Wandern kümmert sich um beides wie ein echtes Multitasking-Talent. Sanfte Bewegung im Freien entspannt. Wunderschöne Aussichten und Anblicke entspannen. Die Stille der Natur entspannt. Es ist, als sei die Natur ein einziger Wellnesstempel. Allein die Farbe Grün, die Farbe der Natur, wirkt auf uns Menschen entspannend, löst Stress und hellt unsere Stimmung auf, auch wenn wir im Winter eher Grau und Weiss zu Gesicht bekommen. Und bevor jetzt alle Wintermuffel aufschreien: Sogar leichte bis mittlere Depression kann mit regelmässiger Bewegung präventiv und therapiebegleitend aufs Korn genommen werden. Winterdepression ist keine Ausrede mehr! Das Wundermittel Wandern, es kann den kognitiven Leistungsabbau im Alter sowie den altersbedingten Abbau von Nervengewebe verlangsamen und das geistige Leistungsvermögen steigern. Es kann die Therapie bei psychosomatischen Krankheiten, bei ADHS, ja sogar bei Krebserkrankungen und vielen anderen Krankheitsbildern effektiv unterstützen.


Wandern ist kostenlos und rezeptfrei zu haben. Risiken und Nebenwirkungen? Kaum vorhanden. Nicht mal Arzt oder Apotheker können da weiterhelfen. Unbedingt zu empfehlen.

28. August 2020

Stadt in Flammen

Walter Hauser: Stadt in Flammen, Limmat,
Zürich, 2011
Nach einer bewegten Landsgemeinde brach in der Nacht vom 10./11. Mai 1861 im Stall neben Ratsherr Tschudis Haus ein Feuer aus. Starker Föhn blies, und das Feuer führte zur grössten Katastrophe des noch jungen Bundesstaats. Der Brand löste in der ganzen Schweiz und im Ausland eine unvorstellbare Solidaritätswelle aus. Mit der Bahn wurden Tonnen von Lebensmitteln, Decken und Kleidern angeliefert, die Geldspenden erreichten eine Rekordsumme. Es war die erste 'Glückskette' der noch jungen Nation. Sogar der Papst und Kaiser Napoleon iii. reihten sich unter die Spender ein. Zum ersten Mal wird der Brand von Glarus umfassend in einem Buch dargestellt: die Brandursache, der genaue Hergang, das Medienereignis – die 'Times' in London war gleichzeitig mit den Bürgern von Elm informiert–, die Hilfsaktion und der Wiederaufbau. Und wie bereits bei 'Der Justizmord an Anna Göldi' hat Walter Hauser viele neue Dokumente gefunden, welche die Vorgänge in der Brandnacht in neuem Licht erscheinen lassen. (Klappentext)

27. August 2020

Business Class 2

Martin Suter: Business Class II, Diogenes,
Zürich, 2002
Aus dem breiten Sortiment dessen, was Mann oder Frau im Geschäftsalltag so plagt, eine Auswahl: die kleinen und grossen Intrigen der lieben Kollegen; das Überleben in der Chefetage; die Überangepasstheit derjenigen, die noch nicht ganz oben angekommen sind; labile Machtkonstellationen und das erforderliche Timing für Loyalitätsverlagerungen. Geschichten von Vorzimmerdamen, die alles sind, was ihr Chef nicht ist. Vom Umgang mit dem Führungsinstrument Autorität. Und immer wieder von der freundlichen Übernahme des Privaten durch das Geschäftliche: Wie ein gestandener Krisenmanager nach über 30 Jahren seine Ehe regelt. Wie sich Frauen der Karriereräson ihrer Männer unterordnen – oder auch nicht. Von der Beseitigung lästiger Pendenzen. Von oberen Kadern, die beim Fitness philosophisch werden – und vieles mehr. Auch Business Class Band zwei ist Lesevergnügen pur! Christian von Zittwitz, Buchmarkt

Nicht nur glänzende Satire. Martin Suter ist ein Alltagssoziologe ersten Ranges. Manche seiner Geschichten erinnern an die besten Szenen von Loriot: präzise, sprachlich brillant und getragen von einem leisen, aber unnachgiebigen Humor.
Joachim Scholl, Financial Times Deutschland, Hamburg

Martin Suters Glossen aus der Welt des Managements sind ein Bestiarium westlicher Alltagskultur: scharf, kompetent, witzig.
Jürgen Wertheimer, Literaturen, Berlin

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Diverse»).

26. August 2020

J.J. und sein Turm

Der Flecken Les Brenets liegt im hintersten Neuenburger Jura. Er ist mit einem sympathischen Ruckelbähnchen von Le Locle zu erreichen und grenzt, getrennt vom Lac des Brenets, an Frankreich. Über dem Ort steht auf einem bewaldeten Hügel ein Turm, la Tour Jürgensen, dem ich neulich einen Besuch abstattete. Weshalb sich ausgerechnet hier im frankophonen Teil der Schweiz ein Jürgensen-Turm befindet, weckte meine Neugier. Nun, das Geschlecht ist Dänischer Abstammung und steht im Zusammenhang mit der Uhrenindustrie.

Jules Frederik Jürgensen (1808–1877)
Der dänische Uhrmacher Jules Jürgensen erbaute den im neugotischen Stil errichteten Turm 1874. 1993 wurde der Turm von einem Verein übernommen und renoviert. Die Einweihung fand 1998 statt. 63 Treppenstufen führen auf die Aussichtsplattform in 12,5 Meter Höhe. Von dieser geht die Aussicht auf die Gemeinde Les Brenets in der Schweiz sowie die Gemeinde Villers-le-Lac auf französischem Gebiet, auf den Lac des Brenets sowie auf diverse Jurahügel. Schön und gut. Wer aber war dieser J.J., dieser Jules Jürgensen?

Beginnen wir bei seinem Vater Urban Jürgensen (1776–1830). Dieser besuchte in Kopenhagen die Handelsschule, die er mit 15 Jahren verliess, um den weiteren Unterricht bei seinem Vater fortzusetzen. Gleichzeitig nahm er bei Professor Woolf, dem späteren Staatsminister Dänemarks, Privatunterricht in Mathematik und lernte Fremdsprachen. Mit 20 Jahren schickte ihn sein Vater zur Weiterbildung in die Schweiz, und zwar für 18 Monate nach Neuenburg und für 6 Monate nach Genf. Im Jahr 1797 reiste Vater Jürgensen nach Le Locle, wo er beim renommierten Uhrmacher Jacques-Frédéric Houriet arbeitete.Von Le Locle reiste er später nach Paris, wo ihm infolge von Empfehlungen die Häuser von Abraham Louis Breguet und Ferdinand Berthoud offen standen. In dieser Zeit erhielt er von der dänischen Regierung jährlich 800 Taler als Stipendium. Später ging er zu John Arnold nach London, um sein Wissen über den Bau von Marinechronometern zu vervollkommnen. Von London aus kehrte er über Paris zurück in die Schweiz, wo er eine der Töchter von Jacques-Frédéric Houriet heiratete. 1800 wurde sein ältester Sohn Louis Urban geboren. Im gleichen Jahr erfand er das Bimetall-Thermometer, das eine Temperaturmessung mit grösster Präzision erlaubte.

La Tour Jürgensen hoch über Les Brenets (NE)
1801 kam er nach Kopenhagen zurück und gründete mit Etienne Magnin eine Gesellschaft zur Herstellung von Marinechronometern. Magnin ging kurze Zeit später nach Sankt Petersburg. Am 27. Juli 1808 wurde in Le Locle sein Sohn Jules Frederik geboren. Als Jules 15 Monate alt war, kehrten seine Eltern nach Dänemark zurück. In Kopenhagen erhielt er eine Ausbildung im Uhrenbetrieb seines Vaters und studierte zudem Mathematik, Astronomie und Fremdsprachen. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er mit Bruder Louis Urban die Manufaktur. 1834 begab sich Jules auf eine Studienreise nach London, Paris, Genf und Le Locle. In Genf heiratete er 1835 die junge Witwe Anastasie Lavalette. 1835 eröffnete er in Les Brenets eine Uhrenfabrik, eine Filiale des väterlichen Geschäftes in Kopenhagen.

Jules Jürgensen fand mit der Herstellung von Uhren und Taschenchronometern weltweit Beachtung. Er fertigte in der Schweiz ca. 13.000 Uhren, signiert mit Jules Jürgensen Copenhagen. Sein Hauptexportland wurde die USA. Jules Jürgensen hatte nicht nur das Talent des Vaters, sondern war auch ein ausgezeichneter Geschäftsmann. 1838 erhielt er dies Schweizer Staatsbürgerschaft. Er erwarb ein großes Vermögen und kaufte 1862 das Landgut Le Châtelard in Les Brenets. 1872 zog sich Jürgensen aus dem Geschäft zurück und übergab es seinem Sohn Jules Frédéric Urban. Dieser übergab nach drei Jahren das Geschäft seinem jüngeren Bruder Jacques-Alfred. Beide waren kinderlos. 1874 liess Jürgensen in 500 Meter Luftdistanz zum Landgut den Tour Jürgensen errichten.

Vor- und Rückseite einer Jules Jürgensen Taschenuhr aus dem Jahre 1935. Die Uhr kam an einer Auktion für £ 2000 unter den Hammer.


Mit Jacqes-Alfreds Tod 1912 endete die Uhrmacherfamilie Jürgensen, die Uhrenmarke Jürgensen blieb indes bis heute bestehen. Jules Jürgensen war mit dem Physiker François Arago und dem berühmten Märchenerzähler Hans Christian Andersen befreundet. Er starb am 17. Dezember 1877 in Genf.

Ich war also nicht nur um die Besteigung eines weiteren Turmes reicher, ich erfuhr auch die spannende Geschichte seines Erbauers. Eine Bildstrecke zur Wanderung von Les Brenets nach La Chaux-de-Fonds gibt es hier.

25. August 2020

Wilde Saat

Albert-Louis Chappuis: Wilde Saat, Verlag Mon
Village, Vulliens, 1967
Nelly Leresche und Olivier Potterat lieben sich leidenschaftlich; nichts und niemand wird dieses Glück zerstören können. Olivier stammt aus einer reichen Familie, während Nelly aus bescheidenen Verhältnissen kommt.

Die Familie Potterat, vor allem die Mutter, widersetzt sich dieser Verbindung. Die Gründe hiefür sind anscheinend klar, haben aber tiefere Wurzeln. Einerseits liegt auf der Familie Leresche ein Fluch , weil in diesem Geschlecht oft ein schwachsinniges Kind zur Welt kommt; anderseits ist Mutter Potterat durch eine merkwürdige Bindung ihrem Sohn verhaftet. on diesem Umstand weiss Olivier nichts, doch erfährt er das Geheimnis kurz vor seiner Hochzeit, denn die Heirat findet schlussendlich trotz aller Hindernisse statt. Kurz darauf folgt eine Geburt.

Wird das Neugeborene mehr den Potterats gleichen? Ist es vom Makel der Leresche-Familie gezeichnet? Warum will Mutter Potterat nicht begreifen, dass sie ihren Sohn einer andern Frau abtreten muss? Sie werden es erfahren, wenn Sie «Wilde Saat» lesen, ein Roman, der Sie von der ersten bis zu letzt en Seite nicht mehr loslassen wird.
(Klappentext)

Albert-Louis Chappuis (5.3.1926 –26.6.1994) verfasste zunächst für Zeitungen zahlreiche Aufsätze und Erzählungen, die das Landleben im Waadtland beschreiben. 1951 wurde er dafür mit dem Prix de la Nouvelle, 1953 mit dem Prix Agir ausgezeichnet. Ab 1955 schrieb er über ein Dutzend Heimatromane, die er in seinem eigenen Verlag, den Editions Mon Village, herausgab und in relativ hohen Auflagen in der Romandie – und bald auch in der Deutschschweiz – absetzen konnte. Später verlegte er auch Werke anderer Autoren, etwa Bernard Clavel oder André Besson, dessen 1973 erschienener Roman Le Village englouti (verfilmt 1976) mit über 50.000 verkauften Exemplaren zum Bestseller wurde.

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

24. August 2020

Zeltwandern heute

Adolf Mokrejs: Zeltwandern heute,
Bruckmann München, 1981
Text, zahlreiche Abbildungen und Strichzeichnungen vermitteln alles Wissenswerte über das Zeltwandern, das Wandern mit einem «transportablen Dach über dem Kopf»:

Ausrüstung – von Zelt-, Rucksack- und Schlafsackformen über Bekleidung und Geschirr bis zur Fotoausrüstung und Reiseapotheke

Physische und psychische Voraussetzungen – vom vorbereitenden Konditionstraining über Ernährungsweise und klimatische Belastungen bis zur Zusammensetzung der Wandergruppe
Leben in freier Natur – von der Routenplanung, dem Packsystem über Zeiteinteilung, Orientierung und Sicherung im unbekannten Gebiet bis zur Wahl und Behandlung des Zeltplatzes. (Klappentext)

23. August 2020

Turn right at Land's End

John Merrill: Turn Right at Land's End: Penguin
Books, Harmondsworth, 1981
In ten months and 7000 miles John Merrill walked from St Paul's Cathedral around the entire British coastline. He was the first person to complete this unique walk. On the way he fractured a foot, raised £40,000 for the blind, averaged 26 miles a day humping 60 pounds of equipment on his back, ate 1511 bars of chocolate, wore out 33 pairs of socks and found a wife!

His account of his travels, his delight in historical bu ildings and country life and his notes on all manner of flora and fauna – from bluebell and poppy to dolphin and golden eagle – make this book a journey of excitement and discovery: an unusual glimpse into the many remote and unspoilt corners of this sceptred isle.
(Klappentext)

John Merrill, from London, England, is a marathon walker, a profession which he can be said to have created,[citation needed] and of which he remains a leading, if not the only, member. He attended Westbourne School in Sheffield, Grosvenor House School in Harrogate, Wennington School in Wetherby Yorkshire between 1955-61. He is active in two areas: firstly undertaking extremely long walks, and secondly publishing books about walking, dealing with both his experiences and describing routes for readers to follow. In January 2003, he was made an Honorary Master of Derby University, for his walking and writing. He also lectures extensively about walking. By 2016 he has walked more than 217,000 miles (349,000 kilometres), worn out 129 pairs of boots, over 1,500 pairs of socks and 47 rucksacks. A keen skier both downhill and cross country; a cyclist and Qigong teacher. In all Merrill has calculated that he walked over 217,000 miles (349,000 km) between 1969 and 2010, raising over £756,000 in charity sponsorship.

Some of his main walks
  • Hebridean Journey - 1,003 miles (1,614 km).
  • Northern Isles Journey - 913 miles (1,469 km).
  • Irish Island Journey - 1,578 miles (2,540 km).
  • Parkland Journey - 2,043 miles (3,288 km).
  • Land's End to John o' Groats - 1,608 miles (2,588 km).
  • First walk around entire British coastline - 7,000 miles (11,000 km)
  • Across America - coast to coast 4,260 miles (6,860 km)
  • Appalachian trail 2,500 miles (4,000 km)
  • Pacific crest trail 2,800 miles (4,500 km)
  • Continental divide 4,500 miles (7,200 km)
  • Buckeye trail, first thru hike, 1,300 miles (2,100 km)
  • Across Europe - Holland, Belgium, France, Switzerland - the Alps end to end to Nice - then round the Mediterrean to Spain and across the Pyrenees to Hendaye - 107 days, 3,000 miles with 600,000 feet of ascent.
  • Le Puy to Santiago 1,100 miles (1,800 km)
  • Seville to Santiago 750 miles (1,210 km)
  • Laos, Algarve via Fatima to Santiago 650 miles (1,050 km)
  • East of England Heritage Route - 450 miles (720 km)
  • Entire coastline of Great Britain - 6,824 miles (10,982 km) - first ever undertaking.
  • St. Olav's Way - Norway 420 miles, from Oslo to Trondheim.
  • First crossing of the Jotunheimen mountains and glaciers over a month. Crossed 28 glaciers and climbed all the highest peaks.
  • Hong Kong - 400 miles - walked all the trails on the islands.
  • Himalayas - Alpine style route to Everest Base Camp & Cho Oyu; Around Annapurna and to Annapurna base camp; the Lantang Valley; Kashmir & Ladakh.
  • All the trails and mountains in New Mexico - 2,000 miles.
  • Chesapeake and Ohio Canal 0– 230 miles.
  • The Cathars Way - 200 miles
  • The Bon Hommmes Way - 220 miles
  • Pilgrimage to St.Gillies du Gard - 180 miles
Merrill is author of more than 430 walking guides which he prints and publishes himself, and his book sales are in excess of 4 million. His best known work is possibly ‘Turn Right at Land’s End’ about his walk around Britain’s coastline. He has created many long distance walks including The Limey Way, The Peakland Way, and Jennifer's Challenge Walk and more than 50 Day Challenge walks which have been used to raise more than £1 million for different charities. He has also written about non-walking matters such as Sir Joseph Paxton and other famous Derbyshire figures.

Merrill has an idiosyncratic methodology which involves never taking breaks during a day’s walk, carrying no water, travelling unaccompanied and walking thirty miles a day and more at a constant rate of three miles per hour. He has suggested that the limit of endurance is approximately 200 miles per week. He claims on his website that "you need to walk 500 miles (800 km) before you are settled into the task and have comfy feet. After 1,000 miles (1,600 km) you are really adjusted and by 1,500 miles (2,400 km) you can push yourself relentlessly. By 2,000 miles (3,200 km) of continuous walking you are at your peak performance, but after 2,500 miles (4,000 km) you are physically declining".

22. August 2020

Abends im Garten


Ist er nicht putzig, umwerfend putzig, dieser Baby-Igel? Ich entdeckte ihn vor zwei Tagen abends im Garten, just nachdem ich den letzten Bissen des Nachtessens zerkaut hatte.

21. August 2020

Ich registriere

Ich registriere.
Registriere meine Bücher,
Registriere meine CDs,
Registriere meine Fahrradtouren,
Registriere meine Wanderungen.
Und bei den Wanderungen
Registriere ich:
Die bestiegenen Gipfel,
Die überschrittenen Pässe,
Die Biwakplätze,
Die benutzten Schuhe,
Den getragenen Rucksack,
Das Wetter,
Die Kilometer,
Die Fotos.
Und, nicht zu vergessen:
Die Hüttenübernachtungen.
In einer Tabelle
Und auf einer Karte.
Hier ist sie:

Ein Klick auf die Karte, der sich lohnt!

20. August 2020

Wanderlust

Diverse: Wanderlust, Diogenes, Zürich,
2012
Spaziergang oder Flanieren in der Stadt. «Wie tut ein wildes Wandern wohl«, schwärmt Joachim Ringelnatz, dessen literarische Wandergesellen in dieser Anthologie neben vielen anderen Robert Walser, H.D. Thoreau, Max Frisch, Georges Simenon, Patrick Süskind, Bruce Chatwin, Doris Dörrie und Urs Widmer heissen. (Klappentext)

«Ich glaube, dass ich meine körperliche und geistige Gesundheit nur bewahre, indem ich täglich mindestens vier, gewöhnlich jedoch mehr Stunden damit verbringe, absolut frei von allen Forderungen der Welt durch Wald und über Hügel und Felder zu schlendern.»

Henry David Thoreau

19. August 2020

Zu Besuch bei Guillemette und Claude

Hatte ihn für mich alleine: der ästhetisch anmutende Turm auf dem Chaumont (NE).


Der derzeitige Ansturm auf die Alpen rief mir wieder einmal den Jura als Ort der Ruhe und Beschaulichkeit in Erinnerung. Statt ins Kiental fuhr ich am vergangenen Samstag nach St-Blaise, einem Vorort Neuenburgs. Der Aussichtsturm auf dem Chaumont hatte es mir angetan, fehlte mir dessen Besteigung doch noch in meiner Turmsammlung.

Sympathisch: Der Chaumont-Turm sieht auch
heute noch so aus, wie vor über 100 Jahren. Die
Aufnahme stammt aus der Zeit um 1915.
Vom Städtchen am See gelangte ich in 1½ Stunden auf den Hausberg der Neuenburger, wo sich der Turm direkt neben der Bergstation der Standseilbahn befindet. Nachdem ich den Obolus von einem Franken entrichtet hatte, quetschte ich mich durch das Drehkreuz und ging auf der leicht ansteigenden und zunehmend luftiger werdenden Rampe zum eigentlichen Turm, den ich ganz für mich alleine hatte. Oben angekommen musste ich zur Kenntnis nehmen, dass sich in der Zwischenzeit eine dreiste Wolkenbank vorgeschoben hatte und mir die «Vue panoramique» gründlich vergällte.

Unverrichteten Staunens stieg ich vom 1912 erbauten Turm und hielt im etwas heruntergekommenen Jugendstilgebäude der Standseilbahn eine kurze Rast. Die Fortsetzung der Wanderung galt dem breiten Chaumont-Rücken. An mitunter beeindruckenden Ferienhäusern vorbei zog ich über Juraweiden und durch lange Waldpartien. Wie erhofft hatte ich meine Ruhe. Trotz Stadtnähe waren da kaum Wanderer oder Biker unterwegs. Im Geiste grüsste ich die Horden auf der fernen Griesalp und fühlte mich glücklich.

Der Abstieg erfolgte auf der Nordseite des Chaumont gegen das Val de Ruz. Als ich bei Fenin aus dem Wald trat, gelangte ich zur mystisch anmutenden Kirche, deren Besuch mir die Behörden aus coronalen Gründen verweigerten. Anders in Valangin, meinem Ziel. Hier, wo bedeutend mehr Menschen verkehren, war die spätgotische Kirche geöffnet. Gegründet hatten sie anno 1505 der Graf Claudius von Aarberg-Valangin und seine Gemahlin Guillemette de Vergy. Die Beiden liegen noch heute in einer Chornische. In Stein gemeisselt, mit betenden Händen auf der Brust. Nachdem ich mir das putzige Städtchen angeschaut hatte, nahm mich der Bus ins nahe Neuenburg mit. Die Alpen sind schön, der Jura ist es freilich auch. Die Bildstrecke zu dieser Wanderung gibt es hier.

Claudius von Aarberg-Valangin und Gattin Guillemette de Vergy in der Kirche von Valangin.


18. August 2020

Deutschland umsonst

Michael Holzach: Deutschland umsonst,
Ullstein, 1989
Michael Holzach: Deutschland umsonst,
Atlantik Verlag, Hamburg, 2015
Feldmann (ca. 1979–1987) verbrachte als Welpe einen Zeitraum von einigen Monaten im Tierheim Itzehoe. Dort nicht vermittelbar, wurde er in ein nicht näher beschriebenes Tierheim im Süden Hamburgs gebracht, wo der Autor Michael Holzach 1980 am ersten Tag seiner Wanderung im Rahmen der Recherche für sein Buch «Deutschland umsonst» auf ihn stiess, weil er gezielt nach einem Hund suchte, der ihn begleiten sollte und für den er die Verantwortung übernehmen wollte. Beim Tierheimwechsel von Itzehoe nach Hamburg wurde Feldmann im Auto transportiert und vertrug das schlecht. Darum hatte das Schild an seinem Tierheimzwinger den handschriftlichen Zusatz: «Mag Autofahren nicht!» Da die Wanderung ausschliesslich zu Fuss geplant war, stellte sich dieses Detail als entscheidend dafür heraus, dass Michael Holzach gerade ihn zu seinem Begleiter auswählte.

«Im vorletzten Käfig, fast am Ende des langen Ganges, liegt eine hellbraune Promenadenmischung auf dem nackten Beton in der Ecke und beobachtet scheu das Toben ihrer Mitgefangenen, mit eingezogenem Schwanz und angelegten Ohren, die Stirn in Sorgenfalten und am ganzen Leibe zitternd. Die grüne Kennkarte, die an ihrem Zwinger festgemacht ist, gibt spärlich Auskunft über den furchtsamen Häftling: ‹Rasse: Boxermischl.; Geschlecht: rd.; Farbe: br.; Alter: etwa 0,5 J.; Name: unbek.; Heimaufenthalt: seit 1. 4.› Handschriftlicher Zusatz: ‹Mag Autofahren nicht!› – das gibt für mich den Ausschlag.»

Fast wäre die gemeinsame Wanderung, die sich letztlich über fast 2500 km in einem halben Jahr erstrecken sollte, schon bei Hildesheim zu Ende gewesen. Auf einer stark befahrenen Strasse lief Feldmann vor ein Auto und erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und eine Platzwunde unter dem linken Ohr, die tierärztlich versorgt wurde.

Am 21. April 1983 ging Michael Holzach mit einer Fernsehredakteurin, die «Deutschland umsonst» verfilmen wollte, am Ufer der Emscher spazieren. Sie wollten Motive suchen und den Schauplatz in Dortmund-Dorstfeld besichtigen, den er im Buch beschrieben hat. Feldmann rutschte an der betonierten Uferböschung aus und fiel ins Wasser, das an dieser Stelle eine starke Strömung hat. Da der Hund sich nicht selbst befreien konnte, sprang Michael Holzach ihm nach, um ihn zu retten. Dabei prallte er mit dem Kopf gegen einen Betonpfeiler, wurde bewusstlos und ertrank. Holzach war zu diesem Zeitpunkt 36 Jahre alt.

Anders als sein Herrchen überlebte der Hund den Zwischenfall. Vier Jahre nach dem Unglück starb Feldmann eines natürlichen Todes. Die Freundin Holzachs, Freda Heyden, begrub ihn in ihrem Garten unter einer Buche. Der Nachwelt erhalten geblieben ist unter anderem Holzachs Buch «Deutschland umsonst», das bereits kurz nach Erscheinen Kultstatus erreicht und ihn seither nicht verloren hat.

Ohne Geld wanderte Michael Holzach (der 1983 tödlich verunglückt ist) durch ein Land, in dem sich alles um Mark und Pfennig dreht. Angewiesen auf seine Füsse, einen «guten Riecher» und die mitleiderregenden Augen seines Hundes Feldmann, schlug er sich sechs Monate durch die Welt der Sesshaften und erlebte die Bundesrepublik Deutschland aus einer ungewöhnlichen Perspektive: Sechs Monate Landstrasse, nichtalltägliche Begegnung mit deutschem Alltag und mit sich selbst, Abenteuer und Entbehrungen – all das fügt sich im Spannungsfeld von bürgerlicher Welt, Randgruppen und verlorenen Existenzen zu einem einzigartigen und spannenden Reisebericht. (Klappentext Ausgabe Ullstein)

Ohne einen Pfennig in der Tasche wandert Michael Holzach durch ein Land, in dem sich alles um Mark und Pfennig dreht. Angewiesen auf seine Füsse, einen guten Riecher und die mitleiderregenden Augen seines Boxermischlings Feldmann aus dem Tierheim, schlägt er sich durch die Welt der Sesshaften und erlebt die Bundesrepublik Deutschland aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Ein Buch über Wohlstand, über Angst und Bequemlichkeit, über Gastfreundschaft und ihr Gegenteil. (Klappentext Ausgabe Atlantik)

17. August 2020

Brille gesucht, Katastrophe gefunden

Es musste wieder einmal sein. Meine Alltagsbrille ist in die Jahre gekommen. Die Bügel sind ausgeleiert, die Gläser zerkratzt und nicht mehr auf der Höhe der von mir benötigten Sehschärfe. Also ging ich zum Optiker meines Vertrauens und liess mir, nachdem ich im Web Stunden mit der Suche nach einer passenden Brille verbracht hatte, ein paar Modelle zeigen. Darunter auch eines der Marke «Sting», die bei meiner Recherche komplett verborgen blieb. Oh, dachte ich, nicht nur berühmte Sportler, auch ebensolche Musiker haben eine eigene Brillenmarke. Doch weit gefehlt! Die Sting-Brillen haben mit dem britischen Rockmusiker Sting etwa soviel gemein, wie ein Bienenstachel mit einer Salatschüssel.

War im Rennen für meine neue Brille: dieses Modell der Marke «Sting». (Website des Herstellers)

Ich entschied mich dann für das Modell einer anderen Marke, googelte hernach doch noch nach Sting der Brille, denn zu diesem Zeitpunkt ging ich immer noch davon aus, dass sie ein Kommerzprodukt von Sting dem Musiker sei. Die 1985 gegründete Herstellerin der Sting-Brillen, die Firma De Rigo Visio Spa, ist im italienischen Longarone (Provinz Belluno) zu Hause. Das fand ich interessant: eine Brillenmanufaktur in den Bergen der Alpensüdseite. Ich googelte also weiter, um mehr über dieses Longarone zu erfahren und stiess in diesem Zusammenhang sehr schnell auf das Datum des 9. Oktobers 1963. Damals ereignete sich dort die «Katastrophe von Longarone» (oder «strage del Vajont»).

Oberhalb von Longarone wurde vor der Katastrophe eine Staumauer gebaut. Das Aufstauen des Stausees Vajont führte sodan zu einem Bergrutsch vom Monte Toc in den See. Dieser verursachte eine grosse Flutwelle, die sich über die Mauerkrone in das enge Tal ergoss und das Städtchen Longarone, die Ortschaften Faé, Villanova, Erto sowie fünf weitere vollständig zerstörte. Bei der Katastrophe kamen etwa 2000 Menschen ums Leben. Mehr als die Hälfte der Leichen wurde nie gefunden. Die Staumauer blieb bei der Katastrophe weitgehend unbeschädigt und ist heute noch vorhanden, der See wurde allerdings nicht wieder aufgestaut, Longarone hingegen entstand wieder neu.

Die Bergflanke des Monte Toc, die am 9. Oktober 1963 ins Rutschen kam und eine Flutwelle auslöste. (Wikicommons)

Ich war ziemlich perplex, las ich doch das erste Mal von dieser Tragödie, die sich rund zwei Monate nach meiner Geburt abgespielt hatte. Und staunend nehme ich zur Kenntnis, was ein bisschen Chuzpe beim Brillenkauf ans Tageslicht fördern kann

16. August 2020

Oberbayerische Highlights

Martin Siepmann, Michael Pröttel: Highlights
Oberbayern, Bruckmann, München, 2016

Malerisch liegen Tegern- und Starnberger See an grünen Ufern, hinter denen Wetterstein- und Karwendelgebirge thronen. Grandios ist die Aussicht von der Zugspitze. Oberbayern lockt mit den vielfältigen Reizen des Alpenvorlandes, mit zahlreichen Seen und attraktiven Städten wie München, Rosenheim oder Bad Reichenhall, mit barocker Pracht – und natürlich den Märchenschlössern Ludwigs II. Dieser Bildband nimmt Sie mit auf eine Reise zu den besten Ausflugs- und Urlaubszielen zwischen Ingolstadt und Königssee und gibt viele erprobte Wander- und Einkehrtipps. (Klappentext)

15. August 2020

Die Dauer der Fassaden

Elisabeth Meylan: Die Dauer der Fassaden,
Ex Libris, Zürich, 1980
Probleme, die seit 1975, als der vorliegende erste Roman von Elisabeth Meylan entstand, nur noch drängender, brisanter geworden sind, behandelt die Autorin in der ihr eigenen klaren, sachlich-nüchternen Sprache und Gestaltung. Da ist einmal die Beziehungslosigkeit des modernen Menschen, die am Beispiel der drei Hauptfiguren aufgezeigt wird. An Helen, der Intellektuellen, die sich nirgends und auf niemanden mehr festlegen kann; an ihrem zeitweiligen Freund Philipp, einem Arzt, der als einziger schliesslich geradezu in eine Zweierbeziehung flüchtet; und an W., dem Architekten, der innerlich ebenso vereinsamt ist wie Helen und der am Schluss, nach einer kurzen Liebesbegegnung, die Stadt ebenso alleine wie die junge Frau verlässt. Ein damit eng verknüpftes weiteres Problemfeld ist die Leere der industriellen Arbeitswelt, die Lebensferne der heutigen Stadtkultur. Die schönen Fassaden, hinter denen W. Wohnraum in Büros verwandelt, sind das einzige, was noch von Dauer ist. Dahinter finden unheilvolle, beängstigende Veränderungen statt. Aber trotz der aktuellen Thematik ist «Die Dauer der Fassaden» kein trockenes Problembuch. Die Lyrikerin Elisabeth Meylan versteht es vorzüglich, das Dargestellte in lyrisch-epische Momentaufnahmen von grosser Einprägsamkeit aufzulösen und ihre Figuren – vor allem den Architekten W. – mit glaubwürdigen, lebendig wirkenden Charakterzügen und Eigenschaften auszustatten. (Klappentext)

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

14. August 2020

Vom Saulus zum Paulus – oder so

Die Zeiten, wo sich in Reppischtal mehr oder weniger Bekleidete vor Publikum präsentieren, sind vorbei.
Vorgestern habe ich über die Neunutzungen von Dorfkäsereien berichtet. Ich hatte diesen Post noch nicht geschrieben, als mich eine E-Mail von M.J. erreichte. Darin wurde ich darüber informiert, dass in Reppischtal bei Dietikon das Nachtclublokal «Taifun Table Dance» mittlerweile zu einer Moschee geworden sei. Weshalb ich dies hier erwähne? Am 7. Oktober 2012 ging ich nämlich im Rahmen meines Projektes Aargau rundum von Lieli nach Oetwil an der Limmat und gelangte hierbei am «Taifun Table Dance» vorbei, wie obenstehendes Foto beweist. Ich stehe also in gewisser Weise mit dem «Taifun» in Verbindung, obschon ich – Pfadfinder Ehrenwort – nie, aber auch wirklich nie daselbst verkehrt habe.

Nun also ist der Sündenpfuhl zu einer islamischen Glaubensstätte mutiert. Oder, um im neutestamentlichen Sinne zu sinnieren: vom Saulus zum Paulus. Kein Käse, fürwahr.

Wo einst «Glüsteler» ein und aus gingen, verkehren heute Moslems.


13. August 2020

Mord im Blauen Bähnli

Thomas Zwygart: Mord im Blauen Bähnli,
Kulturverein Atelier Worb, Worb, 1998
Im Blauen Bähnli geschieht ein Mord. Kaltblütig, am hellichten Tag. Das Opfer: Ein alt Regierungsrat. Vom Täter fehlt jede Spur. Kommissär Lanz steht vor einem unlösbaren Rätsel. Die junge Witwe hätte zweifellos ein Motiv. Auch der Tramführer benimmt sich merkwürdig. Liegt die Lösung aber nicht vielmehr in der politischen Vergangenheit des Opfers verborgen? Denn jeder Politiker hat Feinde … Und: Wieso ist die Tochter des Opfers plötzlich verschwunden? Was soll Lanz von den Warnungen halten, die ihm anonym zukommen? Steht sein Vorgesetzter wirklich hinter ihm oder betreibt er sein eigenes Spiel? Warum gibt es keine Zeugen und wieso geschieht der Mord ausgerechnet im Blauen Bähnli?

Bei seinen Ermittlungen lernt Lanz sein altbekanntes Bern von einer neuen Seite kennen, Schatten aus der Vergangenheit tauchen auf und sein Privatleben gerät ganz schön durcheinander …
(Klappentext)

BE: Stadt Bern, Worb, Bahnstrecke Bern Casinoplatz–Worb F: Banyuls-sur-Mer

Das vorliegende Buch ist als Projekt anlässlich des Wettbewerbes «100 Jahre Blaues Bähnli» entstanden, der vom Atelier Worb ausgeschrieben wurde. Die 52 Folgen des Krimis waren als Faltblätter während des Jubiläumsjahres 1998 wöchentlich neu im «Blauen Bähnli» zu beziehen. Der grosse Erfolg dieser Aktion und die vielen Nachfragen haben das Atelier Worb und Thomas Zwygart dazu bewogen, den Krimi einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Der Text ist im Rahmen der speziellen Bedingungen des Projekts (wöchentliche Folge, etwa gleiche Länge resp. Kürze der einzelnen Kapitel) entstanden. Wir haben uns entschieden, ihn mehr oder weniger unverändert für das Buch zu übernehmen. Die Illustrationen stammen von Karin Widmer.

12. August 2020

Pizzas und Nägel statt Käse und Butter

In Radelfingen.
Es ist leider eine unumstössliche Tatsache, dass ausgerechnet im Käseland Schweiz seit Jahrzehnten schon die Dorfkäsereien wegsterben. Ich wurde mir dessen einmal mehr bewusst, als ich neulich am Frienisberg wandernd zugange war. Interessant bleibt indes, was aus aufgegebenen Käsereien wird. In Radelfingen, zum Beispiel, befindet sich nun ein Pizzabäcker. Und in Lobsigen, dem Nachbardorf Radelfingens, eröffnet demnächst ein Nagelstudio. Sprachlich passend – in Anlehnung an «Käserei» – wäre auch eine Karawanserei, doch über deren Machbarkeit hege ich freilich meine Zweifel. Alle Bilder zu dieser Hitzetour sind hier zu sehen.

In Lobsigen.

11. August 2020

Meinetwegen soll es doch schneien

Werner Schmidli: Meinetwegen soll es
doch schneien, Benziger, 1967
Werner Schmidli, 1939 in Basel geboren, hat mit seinem ersten Erzählungsband «Der Junge und die toten Fische» einen beachtlichen Erfolg erzielt. Er wurde dafür von seiner Heimatstadt mit einem Preis ausgezeichnet. Schmidlis erzählerische Stärke liegt im Atmosphärischen, in der Fähigkeit, die Vorgänge und Assoziationen seiner Romanfiguren in packender Sachlichkeit zu schildern. Dieser Roman ist die Geschichte einer Familie. Man folgt mit Beklemmung der Gestalt des Vaters, der wie besessen arbeitet, um aus materiell engen Verhältnissen herauszukommen, der aber damit seinem Leben keinen Sinn zu geben vermag; ein Mensch, der sich nur danach sehnt, «reich» zu werden, ehe er das Leben kennen und lieben gelernt hat. An diesem Widerspruch verkrüppelt er und richtet seine Familie, seine zarte Frau und seinen phantasiebegabten Sohn zugrunde. Und der Versuch, sich aus dumpfer und unerträglich gewordener Umwelt zu befreien, endet in einem noch dumpferen Zustand: in einer Welt, in einem Leben ohne Sinn. (Klappentext)

BS: Stadt Basel

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

10. August 2020

Armut

Arthur Honegger: Armut, Huber, Frauenfeld,
1994
Armut und Überlebenskampf, Demütigung und Stolz, Hass und Begierde sind die tragenden Elemente dieses grossen Romans, dessen Erzählfluss von der Krise der Dreissigerjahre bis zur neuen Armut der Gegenwart reicht. Erlebt wird diese Zeitspanne von der Familie Knecht, deren Vater die existenziellen Nöte und sozialen Gegensätze der Vor- und Nachkriegszeit durchleidet und die in einer Fabrik gefundene Arbeit schliesslich mit der Gesundheit und dem Leben bezahlt. Zurück bleibt eine Mutter mit vier Kindern, die tapfer dem Schicksal und dem Drängen der Behörden trotzt, ihren Kindern eine Zukunft schafft und spät ein eigenes kleines Glück erleben darf. Für die nächste Generation scheint es keine wirtschaftliche Not zu geben. Auch Ruedi Knecht und seine Frau glauben an die baldige Erfüllung ihrer Vorstellungen von Wohlstand und Glück. Doch die Arglist der Zeit und die Arbeitslosigkeit der Gegenwart werden auch für sie zu einer harten Bewährungsprobe. «Armut» ist ein Roman, der vor einem geschichtlichen Hintergrund handelt, ohne bloss dem Zeitgeist zu entsprechen. Honegger moralisiert nicht, lässt aber keine Zweifel an seinen Sympathien für die sozial Benachteiligten. (Klappentext)

ZH: Region Oetwil am See – Bubikon

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

9. August 2020

Sperrsitz

Konrad Pauli: Sperrsitz, Edition Erpf,
Bern, 1984
Herbert ist zwanzigjährig und hat soeben die Matur hinter sich gebracht. Es ist Frühling, im Herbst will er ein Studium anfangen. Den Sommer durch darf er in der Stadt und in seiner Mansarde bleiben. Zum erstenmal in seinem Leben verfügt er über einen ausgedehnteren, frei zu gestaltenden Zeitraum. Schritte und Gedanken kann er lenken wohin er will, dennoch hat er bald den Eindruck, stehen zu bleiben. Auf fremde Hilfe ist nicht zu hoffen, Veränderung und Aufbruch sind nur möglich aus eigener Kraft. Aber in der Stadt geht er im Kreis herum, auch sehnt er sich nach einem Mädchen. Als unfreiwilliger Zuschauer der Lebensszene ist er ein umso genauerer Beobachter. Er ist unfähig, in den Tag hineinzuleben, muss immerfort sich Rechenschaft geben über das, was ihm begegnet, was er entbehrt. So stapelt sich ein Bilder-Vorrat, den es, gleichwie, zu überblicken und zu ordnen gilt. Eine Ausstellung über Wols verhilft ihm zu deutlicherer Wahrnehmung. Was Wols fotografiert hat, will Herbert nun an Ort und Stelle suchen. So geht er nach Paris, in der unklaren aber fiebrigen Hoffnung, dem Leben näherzurücken … Konrad Paulis Roman ist das präzise Psychogramm des Aufbruchs eines jungen Menschen in die ungewisse Welt der Erwachsenen. (Klappentext)

BE: Stadt Bern F: Paris

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

8. August 2020

Zellers Geflecht

Werner Schmidli: Zellers Geflecht, Benziger,
1979
«Zellers Geflecht» ist die Geschichte eines Schriftstellers, der mit Beklemmung spürt, wie er jegliche Spontaneität des Empfindens verliert, wie ihm jedes Erlebnis, jede Erfahrung sofort zu Literatur wird. Und doch ist Schreiben für ihn die einzige Art, sich zu wehren; zu wehren gegen den Zorn und die Verzweiflung, die er empfindet über das Leben, das die meisten Menschen heute zu führen gezwungen sind: Ein Leben in genormter Enge, bestimmt durch Arbeit, Leistung, durch Gewöhnung, die abstumpft und auch das Besondere durch Wiederholung zum Banalen werden lässt.

Zugleich ist «Zellers Geflecht» der Roman einer Ehe. Er erzählt von der Sehnsucht, die Spontaneität einer Beziehung zu bewahren, «nichts anderes zu empfinden als damals», und von der Trauer über die Vergeblichkeit solcher Wünsche. «Jedesmal haben wir etwas zurückgelassen! hätte er sagen können; aber er liess es … Er war betroffen, wenn er sagte: Früher! Er verstummte, wenn er das Wort selber gebrauchte!»

Zellers Geflecht ist ein von persönlicher Erfahrung geprägtes Buch. Doch ist die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung und Selbsterfahrung auch in einer Zeit, da Psychologie als Wissenschaft lernbar geworden ist, eine Kunst. Und dem risikoreichen und unbequemen Unterfangen, sich seinem eigenen Ich und dieses der Öffentlichkeit auszusetzen, verdanken wir nicht wenig von unserem Wissen über den Menschen, über uns selber.
(Klappentext)

AG: Birrfeld BL: Allschwil GR: Trun, Zignau

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

7. August 2020

Elchspur

Kurt Hutterli: Elchspur, Zytglogge, Bern,
1986
Der Zoologe Robert Jöhr reist für längere Zeit nach Finnland. Er will dort sein Buchprojekt über Elche verwirklichen. Zumindest vordergründig ist das seine Absicht.

Tiefer und nachhaltiger beschäftigen ihn persönliche Probleme: Nach der Trennung von seiner Frau stimmt für Jöhr die eigene, biedere Welt nicht mehr. Er hofft, in finnischer Einsamkeit mit sich selbst ins reine zu kommen. Doch was sich zusammenfügt, sind lediglich Schatten seiner Vergangenheit.

Irritiert verlässt Robert J. den eingeschlagenen Weg. Dass seine Spur schliesslich über die gewohnte Wirklichkeit hinausführt, wird all die Leserinnen und Leser nicht wundern, die selbst schon die magische Ausstrahlung nordischer Landschaft erlebt haben. Der Autor Kurt Hutterli kennt Finnland von mehreren Reisen und Aufenthalten her. Er zeichnet Jöhrs finnischen Alltag, sein Vertrautwerden mit den Nachbarn, sein Eintauchen in die Natur, mit einer Genauigkeit nach, die äussere und innere Landschaft plastisch werden lässt.
(Klappentext)

6. August 2020

Barbarswila

Gerold Späth: Barbarswila, Ex Libris,
Zürich, 1989
Den Ort der Handlung «O stilles Kaff! O schmuckes Nest!« kennt der Leser aus Späths Roman «Balzapf» (1977) – damals hiess er auch noch «Spiessbünzen» und «Molchgüllen». Seitdem hat sich der Erzähler in der Welt herumgetrieben und kehrt nun, nach «Commedia» (1980) und «Sindbadland» (1984), heim: «Es ist nicht einfach, jahrelang fort zu sein. Es ist aber auch nicht einfach, nach Barbarswil und doch nicht heimzukommen …»

Eines Morgens trifft er an seinem Heimatort am See ein und beobachtet, nahezu allgegenwärtig, was die einzelnen Bewohner an diesem Tag so treiben. Er erzählt uns unter anderem: Warum Signor Casagrande zwar gekommen ist, um die Jahresmiete einzutreiben, aber keine Wohnung betritt. Warum der Fischer Beck das Fischen vergisst. Weshalb die grosse Hochzeit platzt. Wie der schönen und irren Helen ihr Einkaufsgeld abhanden kommt. Warum der Bademeister Haug so gar nichts für den ertrunkenen Sportfischer Leutenegger tun kann. Was die Flugschüler des Siegfried Tobler über Barbarswil so alles treiben. Weshalb der Apotheker Rüegg jeden Morgen zum Friedhof geht. Warum Britta Amsteg erst ihren Kater erschlägt und dann Geige spielt. Was wie vereinzelte Lebensläufe beginnt, lässt bald das dichte Gewebe von Menschlich-Allzumenschlichem dieser Kleinstadt entstehen, die gar nicht still und auch nicht schmuck ist. Der Erzähler deckt schonungslos auf, was die Feigenblätter in Barbarswilas Stadtwappen nur zu gerne verdecken möchten. Und der Leser hat seinen Spass an diesen Geschichten, die Späth genau, lakonisch und immer auf den Punkt hin erzählt.
(Klappentext)

SG: Rapperswil

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

5. August 2020

Botz Heiterefahne

Christian Schmidt: Botz Heiterefahne,
Cosmos, Muri b. Bern, 2007
Was ist eine Schlottergotte? Ein Häftlimacher? Was hat der Käse im Fleischkäse zu suchen? Warum ist es höchste Eisenbahn? Seit vielen Jahren fragen Hörerinnen und Hörer in den Sendungen Schnabelweid und Mailbox auf Schweizer Radio DRS 1 nach der Herkunft und der Bedeutung von Wörtern und Ausdrücken aus den Mundarten und dem Hochdeutschen. Christian Schmids Wortgeschichten gehen von diesen Fragen aus, sind aber nie nur nackte Herkunfts- und Bedeutungserklärungen, sondern Geschichten, die diese Bezeichnung verdienen. (Klappentext)

«Wissen Sie, woher das Wort Frässzedel kommt?» Radioredaktor Christian Schmid weiss es. Vergnügt streift man durch diese Wortgeschichten, staunt über das verästelte Wissen des Sprachforschers, über seine Erzählkünste. Er schildert Herkunft und Bedeutung, dass es eine Lust ist. Franziska Schläpfer Buchjournal

Christian Schmid kann als Sprachwissenschaftler bei seinen Büchern aus dem Vollen schöpfen. Dass er das mit viel Witz, Sinn für skurrile Zusammenhänge und auch abseits ausgetretener Wissenschaftspfade tut, erklärt wohl zum grossen Teil den Erfolg seiner Bücher. Schmid ist nicht nur ein Sprachforscher, sondern darüber hinaus ein amüsanter Erzähler. Bernadette Reichlin, Zürcher Oberländer

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Berner Mundartliteratur»).

4. August 2020

Allmend

Konrad Pauli: Allmend, Edition Erpf, Bern,
1986
Daniel, ein achtzehnjähriger Bäckerlehrling, hat nach dem ersten, konfliktgeplagten Lehrjahr im elterlichen Betrieb zu einem Lehrmeister in die Stadt gewechselt. Kaum aus Neigung, vielmehr aus Ratlosigkeit hat Daniel diesen Beruf ergriffen; sein Unbehagen kommt aber nicht bloss aus der Lustlosigkeit an der Arbeit: aus dem Abstand des Ortswechsels erscheint auch das Elternhaus, seine Kindheit in einem andern Licht. Erstmals denkt er darüber nach, wie alles gekommen war; Klarheit versucht er sich zu verschaffen im Verhältnis zu den Eltern, ebensosehr drängt es ihn zu eigenen Schritten und Lebensentwürfen. Er ahnt, dass Zukunft sich dort einstellt, wo immer Abschied genommen wird. Als Vater nach einiger Zeit, aufgrund des eigenen, verpassten Lebens, diese Ansätze zur Selbstbestimmung zerstören will, zieht Daniel die einzige ihm verbliebene Trumpfkarte. (Klappentext)

BE: Stadt Bern, Berner Allmend, Gurten, Thunersee, Interlaken, Beatenberg

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).

3. August 2020

Auftürmen

Bellevue-Turm auf der Rigi um 1870

Als ich 2014/15 bei den Recherchen für meinen Wanderführer «Rund um Zürich» vermehrt auf Türme zu steigen begann, kam ich endgültig auf den Geschmack: Türme haben was, und zwar nicht alleine der Aussicht wegen. Türme erzählen auch Geschichte und Geschichten. Und: Jeder Turm ist anders, einzigartig. Es lag deshalb nahe, dass ich als Jäger und Sammler das Thema systematisch und strukturiert anzupacken begann. Eine Liste sämtlicher besteigbarer Türme in der Schweiz musste her. Ich fand sie – wo denn sonst – auf Wikipedia.

Uetliberg mit den Glarner Alpen im Hintergrund.


Schnell waren alle Objekte auf der digitalen Landeskarte eingetragen: Hellblau jene, die ich bereits bestiegen habe, orange die Unbestiegenen. Zudem begann ich, mich mit der Geschichte des touristischen Aussichtsturms zu befassen; ein Thema, das in der Literatur eher spärlich vertreten ist. Grund genug also, diesem weiter auf den Zahn zu fühlen. Somit bleibt mir im Moment nicht viel mehr übrig, als auf die separate Seite meines Blogs hinzuweisen, der besagtes Turmverzeichnis beinhaltet, das ich laufend ergänzen werde – sei es mit neuen Besteigungen, fehlenden Daten oder neuen Türmen.

Der heute nicht mehr existierende Napoleonturm auf dem Seerücken südlich von
Ermatigen (TG). An seiner Stelle steht heute ein 2017 errichteter neuer Aussichtsturm.

2. August 2020

Boxloo

Heinrich Kuhn: Boxloo, Lenos, Basel, 1989
Durch einen Zufall geraten zwei Männer, Vater und Sohn, in eine ähnliche Situation. Eines Abends, am Familientisch, überlegt sich Michael, ein 18jähriger Seminarist, ob er von seiner Freundin Nicole erzählen soll. Da wird Georg, Mitte vierzig und Berufsschullehrer, am Telefon verlangt. Zu seiner Überraschung meldet sich Anna, vor über 30 Jahren seine erste Liebe.

An den folgenden Tagen nimmt äusserlich alles seinen gewohnten Gang. Sobald Arbeit und Umgebung es aber zulassen, versinkt Georg in Erinnerungen und Phantasien, Michael überlässt sich seinen Träumereien. Georg steigert sich täglich mehr in seine Vorstellungen von Anna und beschliesst, sie – heimlich – zu treffen. Michael ist in einer heiklen Lage: Einerseits hat er Nicole versprochen, sie zu besuchen, wenn ihre Eltern verreisen, andererseits würde er eine wichtige Prüfung versäumen. Trotz des drohenden Provisoriums entschliesst er sich, sein Versprechen zu halten. Ohne es voneinander zu wissen, haben Vater und Sohn ihre Abmachungen auf denselben Tag getroffen …
(Klappentext)

SG: Boxloo (Weiler bei Wil), Wil, Stadt St. Gallen

Dieses Buch ist im Buchantiquariat von Wanderwerk erhältlich (Rubrik «Belletristik»).