21. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 52

Man darf sich auch hierüber gar nicht verwundern, denn bei dem frohen, offenen und geraden Wesen dieses kräftigen Volksstammes, äussert sich auch mehr Sinn für Freiheit und Aufklärung, als bei den feigeren, scheinheiligeren und falscheren italienischen Nachbarn, welche ihres Charakters und ihrer Unterwürfigkeit wegen weit besser taugen für das neu aufblühende Verfinsterungssystem der Jesuiten. Nach der Erzählung dieser einfachen, ehrlichen Alpenbewohner soll bei einem unlängst stattgefundenen Fest der Firmelung, der anwesende Bischof ihnen das Deutschsprechen verboten haben, mit der Androhung, ihnen in Zukunft keine deutschen Pfarrer mehr wie bis dahin zu geben. Hieraus lässt sich leicht die auffallende Erscheinung erklären, dass in den Dörfern, aus Furcht vor Verrat, die deutschen Bewohner auch unter sich meist italienisch sprechen, indessen ihre Weiber, Kinder und Verwandte ihr angeborenes Deutsch beibehalten und über den Befehl des Bischofs spöttelnd lachen. Die blinde Einfalt dieser guten, unschuldigen Älpler lässt sie nicht einsehen, wie durch solche und ähnliche Massregeln ihre heiligsten, durch die Geburt schon ererbten Rechte, durch die empörendesten Amassungen der Geistlichkeit ihnen geraubt, und sie auf diese Weise planmässig und mit Gewalt einer entehrenden Ausartung Preis gegeben werden sollen. Denn in der Tat ist es auffallend, wie auf beinahe allen Deutsch sprechenden Gesichtern mehr Ehrlichkeit sich ausdrückt, als auf den Italienisch sprechenden, und mit Grund kann man annehmen, dass bei gewalttätiger Unterdrückung des alten deutschen Ursprungs, auch der moralische Wert dieses braven Volkes verlieren wird. Immerhin ist es merkwürdig, dass ein seit vielen Jahrhunderten durch die höchsten Gebirge von seinem Stammort getrenntes deutsches Volk auf italienischem Boden und von Italienern umgeben, dennoch seine deutsche Sprache beibehalten konnte. Dies mag, nebst der ursprünglichen Anhänglichkeit an alles Angeborene, hauptsächlich noch der Lebensart dieses Volkes und zum Teil auch der schon früher erwähnten, besonderen Beschaffenheit dieser hohen Gebirgstäler zuzuschreiben sein.
Fortsetzung folgt

20. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 51

Der weite Grund dieses circa 7000 Fuss hohen Gebirgstals ist mit den schönsten, fettesten Weiden bedeckt, und die darin zerstreuten, grossen, gut gemauerten, reinlichen Sennhütten stimmen mit der Umgebung überein. Auch das Vieh ist grösser und schöner, als man es sonst in den piemontesischen Gebirgen anzutreffen pflegt; doch kommt es demjenigen in den besseren Schweizer Alpen lange nicht bei. Auch hier wurde die ganze Alpwirtschaft von Weibern besorgt, wie es grösstenteils in den Alpen von Macugnaga und in denjenigen von Gressoney der Fall ist, wo man in drei bis vier Sennhütten zusammen manchmal nicht einen einzigen Mann findet. Ebenso ist hier, wie in den genannten zwei Alpentälern, die deutsche Sprache zwar höchst verdorben, aber doch noch vorherrschend, obgleich die tiefere Fortsetzung dieser Täler ganz italienisch ist und besonders in den jüngsten Zeiten von Seite der höheren Geistlichkeit alles Mögliche getan wurde, um diesen letzten Überrest deutschen Ursprungs endlich ganz zu ersticken.
Fortsetzung folgt

19. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 50

Um aus dem Tal von Alagna in dasjenige von Gressoney zu kommen, hat man wieder eine hohe, vom Monterosa aus südlich fortlaufende Gebirgskette zu übersteigen. Der gewöhnliche Weg nach dem Hauptdorf Unter-Gressoney (Gressoney-St-Jean o. Òndrò Verdebiò) führt von Alagna talabwärts bis Riva, und dann rechts durch das Val Dobbia (Val Vogna) über den Colle Valdobbia (Spissiòcoll). Da wir aber immer die nächste Verbindung mit den obersten, dem Rosa nächst gelegenen Hintergründen der Täler suchten, so mussten wir uns nach Ober-Gressoney oder der sogenannten Trinita (Gressoney-la-Trinité), welche zwei Stunden höher im Tal liegt, wenden. Wir stiegen also gerade von Alagna aus, durch das westlich steil sich erhebende Val Olen hinan, zuerst durch lichtes Laubholz und hernach über fette Alpentriften in zwei Stunden bis zu den obersten Sennhütten diesseits des Col d'Olen, wo wir bei herannahendem Abend unser Nachtlager nehmen mussten.
Fortsetzung folgt

18. September 2019

Wanderchronik 2019

Thun Martinstrasse – Uetendorf #12 • 7,3 km • Fotos
Burgdorf – Bickingen – Wynigen • 9,3 km
Thun Martinstrasse – Uetendorf #11 • 7,5 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #10 • 8,3 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #9 • 6,5 km • Fotos
Saas (FL) – Kulm – Triesen • 14,4 km • Fotos
Steg (FL) – Riethötta – Sass • 14,2 km • Fotos
Gurnigel Wasserscheide – Walalp – Erlenbach • 18,1 km
Kotnecker – Spicher – Schwägalppass • 10,2 km • Fotos
Schönengrund – Unterchapf – Kotnecker • 11,9 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #8 • 8,0 km • Fotos
Schaner Alp – Malbun – Buchs (SG) • 13,4 km
Trübbach – Kurhaus Alvier – Schaner Alp • 8,6 km • Fotos
Pas de Cheville – Solalex – Gryon • 9,9 km
Ardon – Derborence – Pas de Cheville • 18,9 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #7 • 7,4 km • Fotos
Malanseralp – Heidelpass – Weisstannen • 9,6 km • Fotos
Vättis – St. Martin – Malanseralp • 13,6 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #6 • 7,6 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #5 • 8,4 km • Fotos
Bad Ragaz – Bad Pfäfers – Bad Ragaz • 12,6 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #4 • 6,8 km • Fotos
Grosse Scheidegg – First – Grindelwald • 12,6 km • Fotos
Dietfurt – Alplisattel – Wattwil • 16,7 km
Bière – St-Oyens – St-George – Bière • 23,7 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #3 • 6,1 km • Fotos
Rietwis – Fuchsacker – Schönengrund • 17,1 km
Sumiswald – Schwarzenegg – Zollbrück • 10,7 km • Fotos
Riein – Pitasch – Peiden Bogn • 12,7 km • Fotos
Rueun – Ilanz – Riein • 13,6 km • Fotos
Eggiwil – Blapbach – Trubschachen • 11,9 km • Fotos
Busswil – Grossaffoltern – Dieterswil • 13,2 km • Fotos
Schüpfen – Wiler – Worben • 18,1 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #2 • 8,8 km • Fotos
L'Isle – Cottens (VD) – Morges • 19,0 km • Fotos
Thun Martinstrasse – Uetendorf #1 • 7,1 km • Fotos
Montpreveyres – Villars-Mendraz – Bercher • 20,5 km
Thun Bahnhof – Rabenfluh – Thun Bahnhof • 8,5 km • Thun total
Münchenbuchsee – Jetzikofen – Hinterkappelen • 15,3 km • Fotos
Lucens – Hermenches – Mézières • 20,7 km • Fotos
Fey – Donjon des Brigands – Lucens • 21,4 km • Fotos
Thun Bahnhof – Obere Wart – Thun Bahnhof • 7,8 km
Horgen – Sihlbrugg – Edlibach • 13,9 km • Fotos
Eigerplatz – Thun Bahnhof • 7,8 km • City Ticket ThunFotos
Wil – Chranzebärg – Kirchberg • 15,0 km • Fotos
Lerchenfeld – Thun Bahnhof • 8.5 km • Thun totalCity Ticket Thun

Niederbauenstock (NW) von Seelisberg aus betrachtet. Tour vom 27.01.2019.


  Frick – Effingen – Thalheim • 20,0 km • Fotos
Steffisburg Flühli – Thun Bahnhof • 4,2 km • City Ticket Thun
Le Bois Blanchard – Chêne-Bourg – Troinex • 17,8 km
Hermance – Foncenex – Le Bois Blanchard • 15,5 km
Gwatt Deltapark – Thun Bahnhof • 4,8 km • City Ticket Thun
Weinfelden – Napoleonturm – Ermatingen • 18,6 km
Locarno – Contra – Tenero • 10,4 km
San Nazzaro – Magadino – Gudo • 15,2 km
Giumaglio – Maggia – Gordevio • 9,1 km
Intragna – Verscio – Locarno • 11,6 km
Orbe – Romainmôtier – L'Isle • 22,2 km • Fotos
Trübbach – Rechtes Rheinufer – Haag • 19,4 km • Fotos
Wabern – Dählhölzli – Belpmoos • 8,8 km • Fotos
Allmendingen RAZ – Thun Bahnhof • 4,0 km • City Ticket Thun
Rüthi (SG) – Ruggeller Riet – Haag • 16,3 km • Fotos
Staffelbach – Schmidrued – Beinwil am See • 19,3 km • Fotos
Yvonand – Nuvilly – Granges-Marnand • 23,1 km • Fotos
Grandcour – Cugy – Granges-Marnand • 22,0 km • Fotos
Morges – Lussy-sur-Morges – Allamand • 15,0 km • Fotos
Erlenbach – Witikon – Stettbach • 17,0 km • Fotos
Yverdon – Valeyres-sous-Rances – Orbe • 21,2 km • Fotos
Seelisberg – Bauen – Flüelen • 15,2 km • Fotos
Eggiwil – Chapf – Signau • 14,8 km • Fotos
Riethüsli – Sturzenegg – Gossau • 13,1 km • Fotos
Arvigo – Castaneda – Cama • 13,0 km • Fotos
Nennigkofen – Leuzigen – Rüti b. Büren • 13,8 km • Fotos

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 49

In der Nähe von Alagna wurde früher auch ein Topfsteinbruch stark betrieben, und ein grosser Teil der Bevölkerung soll sich noch vor wenigen Jahren mit der Drechslerei dieses Steins zu allerlei Geschirr ernährt haben. Nun ist aber dieser schöne Erwerbszweig ganz eingegangen, was besonders der Uneinigkeit der vielen und ungleichen Teilhaber am Steinbruch und ihrer verschiedenen Meinung über den Betrieb desselben zugeschrieben und von den Einsichtsvolleren sehr bedauert wird. Man zeigte uns noch alte, aus diesem Stein gedrechselte Kochtöpfe – von dreissig bis auf vierzig Mass haltend und nur zwei bis drei Linien dick – und dann wieder kleinere und feinere Waren, z.B. Schreibzeug, Streusandbüchsen etc. Wenn der grösste Topf gedrechselt war, so machte man aus der Ausfüllung desselben wieder einen kleineren und so fort, so dass eine Steinmasse von anderthalb Fuss Durchmesser einen Aufsatz von sechs bis acht Töpfen lieferte, die alle ineinander passten und wovon einer aus dem anderen herausgedrechselt worden war. Der mineralische Reichtum von Alagna ist unermesslich gross, kann aber wegen seiner hohen, meist über der Waldregion sich befindenden Lage nicht vorteilhaft benutzt werden. Auch scheint es ganz an sachverständigen Unternehmern und an zweckmässigen Bergwerksgesetzen und Verordnungen zu fehlen, die doch sehr notwendig wären, wenn nicht kommenden Geschlechtern ein grosser Teil dieses Reichtums durch jetzt stattfindenden Raubbau und Verschüttung der schönsten Anbrüche unnütz und unzugänglich gemacht werden soll.
Fortsetzung folgt

17. September 2019

Rund um Zürich – die Zweite

Gestern ist bei mir die 2. Auflage meines Wanderbuches «Rund um Zürich» eingetroffen. Ich hätte nicht gedacht, dass es die 53 Touren zwischen Schaffhausen und Gotthard in die zweite Runde schaffen. Henusodehaut, ich freue mich und bin obendrein grad ein bisschen stolz.

Zu kaufen gibt es den Führer in jeder Buchhandlung oder direkt bei der Edition Wanderwerk. Auf geht's!

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 48

Nicht weit unterhalb des Dorfes Alagna, am rechtsseitigen Talhang, liegt ein Kupferbergwerk mit einem grossen Hüttengebäude daneben, wo früher ein bedeutendes Quantum Kupfer soll produziert worden sein. Jetzt arbeiten hier nur noch wenige Mann, obschon die Erzmasse noch sehr bedeutend und ergiebig zu sein scheint. Die Erze brechen da nicht auf Gängen, sondern auf einem wohl zwanzig Fuss mächtigen, den Gebirgsschichten gleichlaufenden Lager, dessen Streichen von Ost nach West und die Einsenkung circa 45° nach Süd ist. Dieses mächtige, in einem Glimmerschiefergebirge enthaltene Lager, ist in seiner Streichung mehrere Stunden weit erschürft. Die reichen Kupferkiese bilden in der grossen Masse desselben wieder kleinere, nur einige Zoll mächtige, miteinander parallele, der Hauptstreichungslinie nach fortlaufende Lager, welche durch mehrere Fuss mächtiges, taubes Zwischengestein voneinander getrennt sind, das aus Glimmer- und Chloritschiefer bestehet, und vielen schönen, kubischen Schwefelkies enthält. Der Trennung und öfteren Auskeilung dieser bauwürdigen Mittel ist es wahrscheinlich zuzuschreiben, dass der Abbau so höchst unregelmässig betrieben wird. Beim Befahren dieser Grube glaubte ich mich in einem unterirdischen Labyrinth zu befinden. Ein alter, leider nur piemontesisches Patois sprechender Bergmann führte mich kreuz und quer, nach allen Stunden des Kompasses, auf und ab, über Fahrten und in den Fels gehauene Stufen, so dass er sich selbst bisweilen kaum mehr zu orientieren wusste. Auf solche Art herumschwärmend, sucht, verfolgt und gewinnt man die einzelnen, kleineren, in der ganzen grossen Lagermasse auf alle Seiten zerteilten bauwürdigen Kupferkiese. Nachdem die Erze gleich ausserhalb der Grube von den tauben Bergen geschieden sind, werden sie in einer Leitung zu der mehrere hundert Fuss tiefer gelegenen Pochhütte herabgerollt, hier dann die Kiese gepocht und zu feinem Schlich gewaschen, der wie Schreibsand aussieht. Diese Schliche aber, weil hier noch nicht viel Holz wächst, zur Verschmelzung dreieinhalb Stunden weit talabwärts nach den Schmelzhütten bei Scopello transportiert, wo im Durchschnitt auf den Zentner Erz, wie er aus der Grube kommt, ein Ertrag von circa zehn Pfund Kupfer herauskommt.
Fortsetzung folgt

16. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 47

Die weit abgelegene Goldgrube zu besuchen, hatten wir leider keine Zeit. Sie besteht, nach der Beschreibung des Inhabers, in einem vier bis fünf Fuss mächtigen, steil östlich abfallenden Gang, in dessen Quarz und Kalkstein führender Hauptmasse, goldartige Arsenik- und Schwefelkiese eingesprengt sind. Die reichsten dieser Erze sollen sich am Ende des Ganges befinden. Neben diesem Gang finden sich in der Nähe noch mehrere reiche Lagerstätten von Gold und Silbererzen, auf denen noch kein Abbau stattfindet. Die, den Sommer über gebrochenen und nach der Handscheidung vom tauben Gestein an einen Haufen gestürzten Erze werden erst im kommenden Frühjahr in Säcken auf der steilen Schneefläche hinunter transportiert zu den am Talstrom gelegenen Erzmühlen, welche aber wiederum nur in den drei wärmsten Sommermonaten gebraucht werden können, weil sie die übrige Zeit des Jahres in Schnee und Eis begraben liegen. Hier werden die Erze vorerst durch eine grobe Brechung zu der Grösse von Feldbohnen zerkleinert, und hernach wird in grossen, steinernen Trögen, in denen ein passender Reibstein zermalmend herumläuft, die feinere Mahlung und die Amalgamierung zugleich vorgenommen. Es wird nämlich einem Zentner Erz ein Pfund Quecksilber zugesetzt, und mit diesem sollen sich alle goldhaltigen Teilchen verbinden. Das so gewonnene Amalgam wird durch lederne Beutel gepresst, um es zu konzentrieren, und das durchgepresste Quecksilber dient sogleich wieder zu neuer Amalgamation. Vom zurückgebliebenen, konzentrierten Amalgam wird dann das Quecksilber durch die Destillation abgetrieben; das Gold bleibt in poröser Gestalt zurück und wird nachher durch wiederholte Schmelzung und Abtreibung möglichst rein dargestellt. So liefert es der Unternehmer der Gruben an die königliche Schatzkammer in Turin, wo es nach der Feinprobe gewertet und die Barbezahlung dafür nach Gutfinden dem Grubenbesitzer zugestellt wird. wobei jedoch der Staat einen bedeutenden Teil als Abgabe zurückbehält. Dieser nach Beschränktheit der Lage und Verhältnisse sehr einfache Amalgamationsprozess hat, bei aller seiner Zweckmässigkeit, doch den wesentlichen Nachteil, dass die mechanische Zerteilung oder Mahlung der Erze unter den Reibsteinen nicht fein genug bewerkstelligt wird, so dass in den gröberen Körnern doch noch viele Goldteilchen eingeschlossen bleiben, die mit dem Quecksilber nicht in Berührung und Verbindung kommen können und unausgeschieden in den Rückständen dem Schlammgraben zu fliessen. Eine vorhergehende Röstung der Erze, wozu es freilich oben in der Gletscherregion an Holz mangelt, und eine chemische Auflösung des Eisens und anderer beibrechenden Metalle, müssten das Goldausbringen bedeutend erhöhen und wären daher zur Vervollkommnung des Amalgamationsprozesses unumgänglich notwendig. Ungeachtet aber dieses mangelhaften Verfahrens werden dennoch aus dem Zentner Erz zwischen ein bis vier Lot Gold gewonnen, was auf grossen Reichtum der Erze schliessen lässt.
Fortsetzung folgt

15. September 2019

«Ist das jetzt der Urlaub?»

Christine Hutterer: «Ist das jetzt der Ulaub?»,
F.A. Herbig, München, 2013
Christine Hutterer hat sich mit ihrem Mann, der dreijährigen Tochter, dem elfmonatigen Sohn und einem liebenswerten, aber nichtsdestotrotz eigenwilligen Esel auf eine abenteuerliche Wanderung durch Korsika begeben. Blasen an den Füssen und Probleme beim Kartenlesen gehören beim Wanderurlaub dazu. Doch was tun, wenn sich der Esel weigert, Brücken zu überqueren, wilde Stiere am Wegesrand lauern und der Herbergsvater zwar den Esel, aber nicht die Kinder aufnehmen will? Die Autorin räumt mit der weitverbreiteten Meinung, dass man als junge Familie auf aussergewöhnliche Reisen verzichten muss, auf humorvolle und charmante Weise auf. (Klappentext)

Moors Fazit: Eine unterhaltsame Lektüre, die weniger auf historisch interessante Fakten der begangenen Route eingeht, dafür umso mehr Hinweise dafür liefert, wie es sich mit kleinen Kindern und einem Esel wandert. Die vielen Fotos nehmen den Leser mit in eine Gegend, die zum Wandern wie gemacht ist. Alles in allem ein lesenswertes Buch! Und wie es sich heute für einen Buchautor gehört, betreibt auch Christine Hutterer eine eigene Website: https://ist-das-jetzt-der-urlaub.de/

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 46

In ziemlich schnellem Lauf war ich in einer kleinen Stunde in die Hütten der Falleralp zurückgekehrt, wo ich meinen gefällig wartenden Reisegefährten und den Träger bereit fand. Wir stiegen miteinander steil hinunter und erreichten in einer Stunde den Talstrom, der wenig oberhalb dieser Stelle seinem Gletscher entquillt. Eine Stunde von da noch weiter abwärts im Tal erreicht man die Kirche von Alagna mit wenigen, ärmlich aussehenden Häusern umgeben, übrigens aber in einem freundlichen, grünen Alpental gelegen. Kaum hat man, von der Falleralp herunter gekommen, jenen oberen Talgrund erreicht, so stösst man noch oberhalb des Baumwuchses auf grosse gemauerte, aber verlassene Hüttengebäude, zu denen schöne Wasserleitungen führen und die in der Nähe der Gletscherregion einen überraschenden Anblick gewähren. Diese, dem König von Sardinien gehörenden Hüttengebäude sind zur Mahlung und Amalgamierung der in früherer Zeit hier reichlich gebrochenen, Gold- und Silbererze errichtet worden; die nahe liegenden Erzgruben aber, wahrscheinlich durch schlechten Betrieb und schlechte Verwaltung alle eingegangen, bis auf eine einzige, in welcher noch zwei Mann arbeiten; so wie auch die schönen Hüttengebäude allmählich in Verfall geraten. Vergebens sahen wir uns in dieser öden Wildnis nach einem Menschen um, der uns über die Gruben, von denen wir in der Nähe die offenen Stollen sahen, und über die Hütten nebst ihrem frühern Betrieb, an Ort und Stelle einige Auskunft hätte geben können. Es war hier alles wie ausgestorben. Erst im Dorf Alagna fanden wir, während des Mittagessens im Wirtshaus, einen Mann Namens Joseph de Paulis, welcher der Unternehmer und Pächter von einigen, zuoberst im Tal, nahe am Gletscher gelegenen, Goldgruben war, auf denen damals gerade fünfzehn Mann während sechs bis höchstens acht Monaten im Jahr arbeiten, da sie die übrige Zeit dem rauen Klima weichen müssen.
Fortsetzung folgt

14. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 45

Um nun die gestern durch Nebel und Dunkelheit verlorene Aussicht einigermassen nachzuholen, eilte ich schnell wieder auf den Turlo zurück und hatte in fünf Viertelstunden die nun ganz unbewölkte, kahle Höhe erreicht. Sobald ich den jetzt hart gefrorenen, mit einer schlüpfrigen Eiskruste bedeckten Schnee betrat, dankte ich der gütigen Vorsehung, die uns gestern noch bei weicher Beschaffenheit des Schnees die steile Wand glücklich hinaufgeführt hatte. Denn heute früh wäre es ein tollkühnes Unternehmen oder eine gänzliche Unmöglichkeit gewesen, die zu Eis gewordene, dreissig bis vierzig Grad geneigte Fläche zu erklimmen. Man konnte sich auf den obersten, flachsten Stellen derselben kaum halten, ohne auszuglitschen. Die Aussicht im Allgemeinen auf dem Monte Turlo steht derjenigen auf dem Montemoro weit nach; indem die nördliche, höhere Fortsetzung des Felsgrates vom Turlo den grössten Teil des dahinter verborgenen Monterosa verdeckt. Dagegen erblickte ich in tiefer Ferne südöstlich einen See und erkannte durch das Fernrohr einige scharf begrenzte Punkte auf seiner grünlichen Fläche, welche ich ihrer Lage nach, für nichts anders als für die Boromäischen Inseln auf dem Langensee halten konnte. Die kahlen Felsen dieser Höhe bestehen aus nordwestlich eingesenktem, granitartigem Gneis, und der ganze, vom Monterosa aus, weit südöstlich sich erstreckende, acht bis zehn tausend Fuss hohe Gebirgsgrat mit seinen vielen Verzweigungen, bildet die Wasserscheide zwischen den Gewässern, welche östlich durch das Anzascatal in der Tosa, dem Tessin, und denjenigen, welche südlich durch das Tal von Alagna, in der Sesia und Dora dem Po zuströmen.
Fortsetzung folgt

13. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 44

Zu einem höchst ersehnten Nachtlager konnte man uns weder Heu noch Stroh anweisen – an Betten muss man in einer Sennhütte nur gar nicht denken –, sondern diesmal waren es Faxen, auf denen wir schlafen sollten. Dieser uns zum ersten Mal vorgekommene Name eines Nachtlagers machte uns neugierig auf die Beschaffenheit desselben, und wir fanden, sobald wir uns auf diese Faxen hinstrecken wollten, dass sie ihren Namen, um der neckenden Eigenschaft willen, die sie besitzen, wenn auch nicht ursprünglich erhalten haben sollten, doch wirklich mit vollem Recht tragen; denn wo man sie berührt, dringt ihr leichter Stich durch die Kleider auf den Leib, so dass man glaubt, in ein Nadelbett geraten zu sein. Indessen erhohlt man sich bald wieder von seinem ersten Schrecken, wenn man gewahr wird, dass diese Stiche weder tief eindringend noch schmerzhaft sind. Es sind nämlich diese Faxen (Fachsen[1]), eine Art sehr dünnen Binsengrases, welches nur auf den höchsten, ein wenig befeuchteten Felsenköpfen, beinahe ohne allen erdigen Grund, in ziemlich trockenen Büscheln wächst und samt den Wurzeln, die auch nur einen trockenen, an dem Felsen klebenden Büschel bilden, zur Streue für Menschen und Vieh gesammelt wird. Die dünnen, nadelähnlichen Halmen dieses Grases, die in einer scharfen, dornartige Spitze enden, haben die Eigenschaft, durch dünnes Zeug auf die Haut eindringend zu stechen, dann aber nicht so viel Widerstand zu leisten, um die Haut selbst zu durchdringen, sondern auf dieser sich zu biegen oder abzubrechen. Man bemerkt daher bald und benutzt den Vorteil, auf solchem Lager sich nicht viel zu rühren; denn sobald man sich bewegt und seine Lage verändert, so wird man auch wieder von neuen Halmen gestochen. Wie aber der Hunger uns die Milch zum vortrefflichen Gericht gewürzt hatte, so machte uns die Müdigkeit auch diese Faxen zum vortrefflichsten Nachtlager, auf welchem wir besser schliefen, als so mancher im weichsten Flaum. Am folgenden Morgen hatten wir die unerwartete Freude, nach einem so trüben Abend den hellsten Himmel über uns zu erblicken; was hier sehr häufig der Fall sein soll.

[1] Nach Stalders Schweizerischem Idiotikon Thl. I. S. 348 ist das Wort Fachs, Fachsen auch im Berner Oberland gebräuchlich, wo es ebenfalls eine Art schlechten Bergheus bezeichnen soll, ob auch da mit dem Nebenbegriff jenes neckenden Stechens, wie bei den Hüttenbewohnern der Falleralp, ist mir unbekannt.

12. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 43

Nach anderthalbstündigem, sehr mühsamem Heruntertappen erreichten wir endlich in dunkler Nacht glücklich aber entkräftet, nach einer fünfzehnstündigen, höchst anstrengenden Tagesreise die obersten Hütten dieser zu Alagna gehörenden Alpe Faller. Ein junger, dicker Bursche mit einem schwarzen Krauskopf empfing uns, gleich einem geschäftigen Kellner, und führte uns gastfreundlich in seine Hütte, wo das ganze Weiberpersonal der umliegenden Sennhütten versammelt war, und er, die einzige männliche Person, wie der Hahn im Korb hauste. Die Sprache dieser Leute klingt so sonderbar, dass man sie kaum für Deutsch erkennen kann. Es stand uns alles in der Hütte zu Diensten, und man hätte uns nicht zuvorkommender behandeln können, wenn wir die Herren der Alpe gewesen wären; allein der ganze Vorrat von Lebensmitteln bestand aus Milch. In diesem Fall musste etwas Schokolade, die wir mitführten, das Brot und den Wein ersetzen.
Fortsetzung folgt

11. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 42

Wir hatten jetzt nur allzu fühlbar die Wahrheit der Versicherung unseres wackeren Führers empfunden, dass dieser Pass ebenso hoch und weit mühsamer und schwieriger sei als der Montemoro. Ohne eine Spur von Pfad folgten wir unserem voraneilenden Führer, dem die Richtung nach den obersten Hütten hin bekannt war. Lange suchten wir vergebens, durch Rufen und Jauchzen ein menschliches Wesen auf uns aufmerksam zu machen; wir wurden nur verspottet durch das Echo der umliegenden Felsen. Endlich schallte aus ferner Tiefe herauf der angenehme Ton einer menschlichen Stimme und etwas später wurde unser Auge durch den Schein eines Lichtes erfreut, das, wie wir nachher sahen, die guten Bewohner der nächsten Hütten, zum Leitstern für uns, auf einen über die Hütten emporragenden Platz gebracht hatten.
Fortsetzung folgt

10. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 41

Nach einer halben Stunde mühsamen Ansteigens, mit öfterem Zurückglitschen verbunden, fing das Schneefeld an, sich etwas zu verflachen, und in einer Viertelstunde von da hatten wir die in Nebel und Dunkelheit eingehüllte Höhe erreicht. Grosse, kahle Granittrümmer und schroffe Felszacken ragten Gespenstern ähnlich aus Eis und Schnee hervor. Keine Spur eines organischen Wesens, selbst kein Moos war hier zu finden, und die tiefe, dunkle Stille der eingebrochenen Nacht noch dazu, gab dieser Szene das schauerliche Bild einer ganz erstarrten, toten Natur. Kaum hatten wir den scharfen Grat des Gebirges erreicht, so ging es auf der anderen Seite wieder steil hinunter, zum Glück ohne Schneefelder, wohl aber über scharfkantige Gneis- und Granittrümmer, die in der Dunkelheit uns doppelt sorgfältig machten.
Fortsetzung folgt

9. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 40

Wir stiegen raschen Schrittes zwei Stunden, erst auf einem schmalen Pfad, dann über Trümmer von Gneis und Granit, deren scharfe Kanten und hohle Zwischenräume gar leicht gefährliche Misstritte veranlassen konnten, sehr steil bergan. Schon brach die Dämmerung, durch dunkeln Nebel noch vermehrt, herein, als wir, ziemlich müde, unten an einem endlos scheinenden Schneefeld anlangten, welches uns als eine jähe, unübersteigbare, glatte Wand den Weg zu versperren schien und uns bewogen hätte, sogleich wieder nach den Hütten zurückzukehren, wenn nicht der beinbrechende Weg über Felstrümmer, auf welchem einer von uns bereits einen drohenden Misstritt getan hatte, uns abgeschreckt hätte. Auf die ernstliche Mahnung unseres wackeren Franz Zurbrücken, unter den gegenwärtigen Umständen keine Zeit zu verlieren, sondern im Gegenteil möglichst zu eilen, um vor gänzlich einbrechender Nacht noch die Höhe und den jenseitigen Abhang zu erreichen, rafften wir unsere Kräfte zusammen und folgten seinen mit Gewalt für uns in den Schnee geschlagenen Fusstritten.
Fortsetzung folgt

8. September 2019

Der kauzige Künzle und die Kinder

Beat Frei: Wangs und sein Kräuterpfarrer,
Katholische Kirchgemeinde, Wangs,
2007
Gegenüber des Rathauses der Gemeinde Wartau im Ortsteil Azmoos war es, als ich mir neulich aus dem öffentlichen Bücherschrank eine in Leinen gebundene Ausgabe von Beat Freis «Wangs und sein Kräuterpfarrer» hervorzupfte. Das Buch erschien 2007 anlässlich des 150. Geburtstages von Johann Künzle, besser bekannt unter dem Namen Kräuterpfarrer Künzle. Ich las das Büchlein mit viel Amüsement, nicht zuletzt deshalb, weil dieser Künzle ein durch und durch kauziger, mitunter aber auch geschäftstüchtiger Zeitgenosse war, dessen Werk bis in die heutigen Tage Bestand hat. Als Müsterchen ein paar Worte über seinen Umgang mit den Kindern:

«Die Gofen führen, wie im ganzen Oberland, so ziemlich überall das Regiment in der Familie», schrieb Pfarrer Künzle in seinem «Pfarrbericht von Wangs» von 1914. Die Kinder gälten hier als «sakrosankt und unverletzlich», seien «ruch, ohne Spitzli und Girlanden». Aber es gelang dem Pfarrer schon bald, die Kinder zu bändigen. Der Geist sei «ein viel besserer, milderer und christlicherer geworden», heisst es im nächsten Pfarrbericht von 1918. Wenn er auf der Strasse spielenden Kindern begegnete, so erinnerte sich später ein Einwohner, habe der Pfarrer jeweils schon von weitem «Bibi, Bibi» gerufen. «Dann eilten die Kinder wie eine Schar Hühner zum Pfarrer, streckten ihm die Hände entgegen und grüssten laut und deutlich mit ‹Gelobt sei Jesus Christus›.»

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 39

Nachdem wir in Macugnaga, im ziemlich schmutzigen Wirtshaus, eine Suppe zu Mittag gegessen und uns für das Nachtquartier und den Turlopass mit Wein und Brot (mehr war nicht zu bekommen) verproviantiert hatten, setzten wir unseren Weg nach dem eben benannten Bergpass fort. Er führte uns zuerst eine Viertelstunde talabwärts und dann, über eine vorspringende Anhöhe am rechtsseitigen Talhang, in ein kleines, südwestlich ansteigendes Seitentälchen hinein. Dieses einsame, öde, mit wenig Nadelholz bewachsene, sogenannte Quarazza- oder Krazertälchen zieht sich zwei Stunden lang bis an den unmittelbaren Fuss des Turloberges hinan und endigt bei den obersten Alphütten diesseits des Berges, im Grunde[1] genannt. Es war Abends vier Uhr, als wir hier anlangten und beschlossen, unser Nachtlager hier aufzuschlagen; weil unser Führer versicherte, der Turlopass sei viel rauer und mühsamer, als der Montemoro, und es wäre zu anstrengend, beide in einem Tag zu passieren. Die Hütten waren nur mit älteren, ziemlich schmutzig aussehenden Weibern besetzt, welche nicht sehr geneigt schienen, drei Männern Nachtquartier zu geben, und uns den vorstehenden Turlopass viel weniger weit und beschwerlich schilderten, als unser Führer. Da sich überdies der Himmel stark zu bewölken anfing und auf den folgenden Tag schlechtes Wetter vermuten liess, wünschten wir sehr, aus dieser öden und traurigen Umgebung weg und wenn möglich, heute noch auf den jenseitigen Gebirgsabhang, gegen das Tal von Alagna hin zu kommen, um doch morgen, im Falle schlechter Witterung, einem in mineralogischer und bergmännischer Beziehung merkwürdigen Ort näher zu sein. Aus diesen mehrfachen Gründen machten wir uns erst abends gegen sechs Uhr auf den Weg über den Turloberg, von den Landleuten nur das «Türle» genannt.

[1] La Piana (1630 m)
Fortsetzung folgt

7. September 2019

Die Eiswand

Christopher Burns, Die Eiswand,
Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin, 1992
Seit ihrer Kindheit sind der Schweizer Hansi Kirchner und der Engländer Ernest Tinnion die besten Freunde. 1936 wollen sie gemeinsam als erste eine als unbezwingbar geltende Nordwand in den Alpen durchsteigen. Ernest ist mit seiner Geliebten Jean in eine kleine Pension am Fusse des Berges gekommen. Jean versucht, ihn von der Klettertour abzuhalten, aber die Zeit drängt: Ein italienisches Team bereitet sich ebenfalls auf die Durchsteigung der Wand vor. Die beiden Männer brechen unverzüglich auf: Schlechtes Wetter lässt ihr Unternehmen zu einem Kamnpf auf Leben und Tod werden, den der englische Autor mit atemberaubender Spannung und geradezu grausigem Realismus beschreibt. (Klappentext)

CH: Fiktive Nordwand in einem katholischen Hochalpengebiet (Hauptschauplatz) BE: Eigernordwand D: München, Isar GB: Lake District

Moors Fazit: Spannend erzählte Story im Sinne der klassischen Bergsteigerliteratur, gekoppelt mit einer nicht ganz einfachen Beziehungsgeschichte. Etwas sonderbar ist die Nachbearbeitung des Todes des abgestürzten Hansi Kirchner: Null kriminalpolizeiliche Untersuchungen, obschon der Absturz willentlich herbeigeführt worden ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man damals so skrupellos mit diesem Thema umging. Und auch die Angehörigen Kirchners werden mit keinem Wort erwähnt ...

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 38

Herr von Saussure und, wahrscheinlich auf seine Angaben gestützt, auch neuere Alpenbeschreiber erwähnen eines möglichen, aber höchst selten gebrauchten, gefährlichen Passes von Macugnaga nach Zermatt im Wallis über den Weissgrat[1], welcher höher sein soll, als der Matterhornpass und vier Stunden über Gletscher nahe an den höchsten Kuppen des Monterosa vorbeiführe. Man soll auf diesem Passe elf Stunden von dem einen Dorf zum andern zu gehen haben. Es wäre uns merkwürdig gewesen, diesen Pass, der zehn bis zwanzig Stunden Umweg, auf ebenfalls mühsamen Gebirgspfaden, zwischen den benannten zwei Dörfern abschneiden würde, kennen zu lernen; aber, ungeachtet aller Nachforschungen, hier sowohl als im Wallis, konnten wir nichts über diesen Gebirgspass erfahren, der, wenn er existierte, der höchste in Europa wäre.

[1] Vermutlich ist damit das Schwarzberg Weisstor (3562 m) gemeint.
Fortsetzung folgt