18. Januar 2021

Oskar und die Dame in Rosa

Eric-Emmanuel Schmitt: Oskar und die
Dame in Rosa, Fischer Taschenbuchverlag,
Frankfurt, 2007
Oskar ist erst zehn, aber er weiss, dass er sterben wird. «Eierkopf» nennen ihn die anderen Kinder im Krankenhaus. Doch das ist nur ein Spitzname und tut nicht weiter weh. Schlimmer ist, dass seine Eltern Angst haben. mit ihm über die Wahrheit zu reden. Weder Chemotherapie noch Knochenmarkstransplantation können sein Leben retten. Nur die ehemalige Catcherin Oma Rosa hat den Mut, zusammen mit Oskar über seine Fragen nachzudenken. Sie rät ihm. jeden Tag einen Brief zu schreiben an den lieben Gott – und ihm alles zu sagen. was ihn bewegt.

Oskar, der nicht mal an den Weihnachtsmann geglaubt hat, findet die Idee nicht wirklich prima. Doch die pragmatische Oma Rosa entgegnet ihm: «Sorg dafür, dass es ihn gibt. Du würdest dich weniger einsam fühlen.» Und sie bringt ihn dazu. sich jeden noch verbleibenden Tag wie zehn Jahre seines Lebens vorzustellen. Auf wundersame Weise durchlebt Oskar ein ganzes Menschenleben: erste Liebe. Eifersucht. Midlife-crisis und das Alter. Glücklich. erschöpft und manchmal auch enttäuscht erzählt er dem lieben Gott davon. Bis zu jenem Augenblick, in dem er zu müde ist, um noch ein wenig älter zu werden.

Eric-Emmanuel Schmitt begegnet der schlimmsten Vorstellung: – Krankheit und Tod eines Kindes – ohne Sentimentalität. Ein unerschrockenes Buch, das Mut macht, eine solche Situation anzunehmen. (Inhaltsangabe zum Buch)

17. Januar 2021

The Longest Way

Christoph Rehage: The Longes Way, Piper,
München, 2012
«Ich will zum Horizont, um zu gucken, was dahinter liegt. Und dann zum nächsten. Und zum übernächsten. Alles ist neu. Ich atme, und egal, wie die Luft schmeckt, sie ist Immer neu.»

Nach einem Sprachkurs und einem Studium an der Filmhochschule in Beijing macht sich Christoph Rehage am Morgen seines 26. Geburtstags selbst das schönste Geschenk: Er erfüllt sich den Traum, seinen Heimweg ins niedersächsische Bad Nenndorf zu Fuss anzutreten, um so den Menschen, Landschaften und Kulturstätten Asiens so nah wie möglich zu kommen und sich langsam mit dem Gedanken an ein geregeltes Leben zurück in Deutschland anzufreunden. Auf seinem Weg liegen «Weltwunder» wie die Große Mauer, die Terrakottaarmee und das jahrtausendealte Wegenetz der Seidenstrasse. Und dann sind da noch die kleinen Wunder, die für die überraschendsten und unvergesslichen Momente seiner Reise sorgen: die Hilfsbereitschaft der chinesischen Dorfbevölkerung, seine Begegnungen und Gespräche mit Bergmönchen und Wahrsagern, Schulkindern und Wanderarbeitern. Seine Freundschaft zu Lehrer Xie, der seit 25 Jahren durch China wandert und seine Gefühle für Sichuanesin Juli, die ihn – so die schwebende Verabredung der beiden – bei seiner Ankunft in Deutschland erwarten wird …
(Klappentext)

16. Januar 2021

Traumpfade

Bruce Chatwin: Traumpfade, Fischer
Taschenbucherlag, Frankfurt, 2006
«Traumpfade», «Songlines»: das sind nach dem Glauben der australischen Ureinwohner die labyrinthischen Linien und gedachten Wege, an denen entlang die legendären Ahnen der Traumzeit über den Kontinent wanderten und «singend alles benannten, was ihre Wege kreuzte – Vögel, Tiere, Pflanzen, Felsen, Wasserlöcher – und so die Welt ins Dasein sangen». Bis zum heutigen Tag dürfen die Traumpfade nicht überschritten werden. So ist der Konflikt zwischen zwei Welten und zwei Kulturen unausweichlich, wenn beispielsweise eine Erdölfirma oder eine Eisenbahngesellschaft ihre Landvermesser ausschickt. Denn wer könnte dem Vermesser klarmachen, dass «ein rötlicher Sandsteinbrocken die Leber eines mit dem Speer erlegten Känguruhs» ist? Deshalb hat es sich Arkady, Sohn eines vor den Nazis nach Australien ausgewanderten Kosaken, zur Aufgabe gemacht, Karten über die heiligen Stätten der Aborigines anzulegen, um allzu große Verletzungen der Traumpfade durch die Streckenführung der Eisenbahn zu verhindern.

An Arkadys Seite geht Chatwin den «Fußspuren der Ahnen» nach in seinem Reisebuch, das Abenteuergeschichte, Ideenroman, Satire auf den Fortschrittswahn, geistige Autobiographie und romantische Komödie zugleich ist. Auf ihren Streifzügen zu Fuss und im Jeep begegnen sie einer Reihe hochinteressanter Menschen, kauzigen Typen, Idealisten, Eigenbrötlern, Philosophen von schwarzer und weisser Hautfarbe – Heiligen und weniger Heiligen. (Inhaltsangabe zum Buch)

15. Januar 2021

Bahnhofbuffets der Schweiz

Hans Jörg Rieger, Charlotte Spindler:
Bahnhofbuffets der Schweiz, Rotpunkt,
Zürich, 1992
Bahnhotbuffets sind etwas Alltägliches, gut für einen Kaffee vor der Abfahrt des Zuges, für eine Verabredung oder als Fixpunkt in einer fremden Stadt. Erst jetzt, wo manche Buffets durch neue Entwicklungen im Reiseverkehr gefährdet sind, merken wir, was wir an ihnen haben: Sie sind Inbegriff einer Beiz, gewöhnlich im guten Sinne und für alle da. Bähnler, Schülerinnen, Alte, Junge, Einheimische und Fremde sitzen hier vor einem Bier, einer Ovo oder einem Teller Rösti, von draussen dringt der Lärm der Züge, die Atmosphäre ist gleichzeitig vertraut und anonym. Manche Buffets verändern ihr Gesicht, so wie sich der Ort verändert hat, in anderen scheint die Zeit stillgestanden zu sein. Dieser Führer beschreibt alle 140 Bahnhofbuffets der Schweiz. Er zeigt architektonisch sehenswerte Räume, würdigt die Ambiance der Lokale, macht auf landschaftlich reizvolle Lagen aufmerksam und vergisst auch das kulinarische Angebot nicht. (Klappentext)

14. Januar 2021

Warum lesen? Warum nicht?

Daniel Kehl, Daniel Kampa: Warum
lesen? Warum nicht? Diogenes,
Zürich, 2008
Für alle, die ohne Bücher nicht leben können, ist Lesen mehr als ein schöner Zeitvertreib. «Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermüdendem Lesen», so Virginia Woolf. Und W. Somerset Maugham riet: «Sich das Lesen zur Gewohnheit machen heisst, sich einen Ort zu schaffen, in den man sich vor fast allem Elend des Lebens zurückziehen kann.» Warum lesen? Warum nicht? versammelt kurze Gedanken zahlreicher Autoren von Montaigne bis Woody Allen über die Freuden des Lesens, aber auch über die Unbill des Büchermarkts und der Bücherflut. Und die ganz praktischen Probleme jedes Lesers, von zu wenig Platz im Bücherregal bis zu wenig Zeit zum Lesen. Oder ganz einfach: «Bücher produzieren mehr und ekelhafteren Staub als jeder andere bis heute erfundene Gegenstand» (George Orwell).

«Lesen ist wie eine Kunst. Ich habe achtzig Jahre dafür gebraucht und kann noch jetzt nicht sagen, dass ich am Ziel wäre.»

Johann Wolfgang Goethe

13. Januar 2021

Hunkeler macht Sachen

Hansjörg Schneider: Hunkeler macht
Sachen, Ammann, Zürich, 2004

Es ist Ende Oktober, die Stadt Basel ist grau und nass wie im Dezember. Weil seine Freundin Hedwig für drei Monate nach Paris verreist ist, sitzt Kommissär Peter Hunkeler wieder einmal im verrauchten Milchhüsli und trinkt ein paar Feierabendbiere. Es ist schon früher Morgen, als er auf dem Heimweg dem alten Hardy begegnet. Hunkeler setzt sich zu ihm und raucht eine Zigarette. Aber der sonst so gesprächige Hardy bleibt unerwartet stumm. Seine Kehle ist eine klaffende Wunde.

Medien und Stadtpolizei sind sich schnell einig: hinter dem Mord steckt eine mafiöse Schmugglerbande aus Albanien. Aber das ist Hunkeler zu einfach – mit seinen eigenen Methoden folgt er einer heißen Spur und wird prompt vom Dienst suspendiert. Er räumt sein Büro und setzt allein auf sein untrügliches psychologisches Gespür. Es führt ihn ins Basler Rotlichtmilieu und in dunkle, unbekannte Abgründe der Schweizer Vergangenheit.

Kommissär Hunkeler ist längst eine Kultfigur. Und im Herbst 2004 kommt der rauhbeinige Individualist mit dem Charme eines Flaneurs auf die Leinwand: mit Mathias Gnädinger als kongenialem Spürhund in den Verfilmungen von «Das Paar im Kahn» und «Tod einer Ärztin.»
(Klappentext)

AG: Gislifluh, Herznach, Staffelegg, Schenkenbergertal, Schinznach Dorf BS: Stadt Basel

12. Januar 2021

1784 mit Sophie durch die Schweiz

Sophie von La Roche: Tagebuch einer Reise
durch die Schweiz, Edition Wanderwerk,
Burgistein, 2021
Soeben in meiner Edition Wanderwerk erschienen: «Tagebuch einer Reise durch die Schweiz» von Sophie von La Roche. Als Jugendliche hat Sophie von La Roche (1730–1807) über den Bodensee hinweg die Schweiz gesehen. Im Jahr 1784 verwirklicht sie endlich den lang gehegten Wunsch, einmal die Landschaften des Gebietes der damaligen Schweiz, besonders die Gebirge mit ihren «Merkwürdigkeiten», den Wasserfällen, Gletschern, Schluchten und vielem mehr, selbst zu bereisen und zu erleben. Die zur ersten finanziell unabhängigen Schriftstellerin Deutschlands avancierte von La Roche verfügt über ein erstaunliches Netzwerk mit bekannten Schweizer Persönlichkeiten. Auf ihrer Bildungsreise bereitet sie diesen ihre Aufwartung und berichtet darüber in der zu dieser Zeit üblichen Briefform.

Die für die damaligen Verhältnisse fortschrittlich denkende Frau hat sich gründlich auf diese Reise vorbereitet. Sie kennt die geographischen und kulturellen Eigenheiten der verschiedenen zu bereisenden Landesteile und Städte bestens, genau so, wie auch die Geschichte der Schweiz.

Der spannende Reisebericht kann direkt über die Edition Wanderwerk oder in jeder guten Buchhandlung bestellt werden.

11. Januar 2021

Claudio im Tessin

Rita Peter: Claudio im Tessin, Flamberg,
Zürich, 1973
Ist dies jene von den einen ersehnte, von den andern verspottete «heile Welt», die Rita Peter mit ihrer warmherzigen Erzählung vom Tessiner Jungen Claudio heraufbeschwört?

Ja und nein! Gewiss erlebt hier ein in seinem Wesen noch unversehrter junger Mensch in ursprünglicher Natur und in geschlossenem Dorfkreis sein unscheinbares Dasein. Hier fühlt er sich geborgen, hier möchte er sogar bleiben. Denn wo die Ablenkung und Verlockung der Aussenwelt fehlt, können Tages- und Jahreslauf, können die stillen Begebenheiten in überschaubarer Nachbarschaft umso intensiver erfahren werden. Und doch. spielt auch Befremdendes mit ein: Menschen sind hart und stumpf geworden im kleinräumigen Einerlei. Andere haben die Weite gesehen und tragen die Erinnerung' als bedrängende Sehnsucht in sich.

Und schliesslich nimmt Claudio zu allem noch eine seltsame Gegenläufigkeit wahr. Warum kommen Feriengäste von weit her ins Dorf, bergen sich vor der Hetze ihrer Existenz in der Stille, während doch Claudios Jugendgenossen gerade in jene betörende und gefährliche Welt hinausstreben?

Mit dieser schönen Erzählung hat Rita Peter gleichzeitig ein Jugend- und Erwachsenenbuch gestaltet. Die jungen Leser werden die kleinen und doch bedeutsamen Abenteuer und Entdeckungen Claudios begierig miterleben. Die erwachsenen Leser aber werden darin eine Fülle tiefer menschlicher Wahrheiten finden. Für jeden Freund des Tessins aber ist dieses Buch ein besonderes Geschenk.
(Klappentext)

10. Januar 2021

Deutschland für die Hosentasche

Stephen Barnett: Deutschland für die
Hosentasche, Fischer Taschenbuchverlag,
Frankfurt, 2013
Egal, ob Geschichte, Geographie oder Sport – dieses Buch deckt Fakten über Deutschland auf, die nur wenige kennen:

Wie heisst das schlechteste Fussballteam Deutschlands?
Was sind die schrägsten deutschen Weltrekorde?
In welchen deutschen Grossstädten ist es am lautesten?
Welche deutschen Erfindungen veränderten die Welt?
Warum werden in deutschen Städten alle Bäume nummeriert?


9. Januar 2021

Das kleine Buch vom Feng Shui

Chao-Hsiu Chen: Das kleine Buch vom Feng Shui,
Wilhelm Heyne Verlag, München, 1999
Dieses Büchlein möchte Ihnen das Feng-Shui-Wissen nahebringen, das seit mehr als zweitausend Jahren in Asien als Lehre von der natürlichen Harmonie aller Dinge das tägliche Leben beeinflusst Feng Shui dient der individuellen Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität und lehrt, Einflüsse aus der Umwelt zu erkennen und damit in rechter Weise umzugehen – für ein besseres, gesünderes und erfolgreicheres Leben. 

Sie können die folgenden Seiten von vorne bis hinten studieren. Sie können das Buch aber auch an jeder beliebigen Stelle aufschlagen und das Gesagte auf sich wirken lassen – in beiden Fällen wird es ein Gewinn für Sie sein. (Vorwort)

8. Januar 2021

Bergfahrt

Ludwig Hohl: Bergfahrt, Suhrkamp,
Frankfurt, 1978
Zwei junge Männer planen eine Bergbesteigung, der eine, tüchtige, blickt auf zum Ziel, dem Gipfel. Der andere, unentschlossene, ist nur Mitgänger. Nach einigen Wechselfällen gibt er auf und kehrt zurück. Der Gipfelstürmer setzt den Anstieg im Alleingang fort und beginnt, oben an gelangt, ein langes, von ihm in allen Stationen und Steigerungen bewusst erlebtes, geradezu bedachtsam vollzogenes Sterben. Der Mutlose begegnet seinem, einem raschen Tod, als er, bereits wieder im Tal, aus Unvorsicht in einen Wildbach stürzt.

Der Schweizer Autor Ludwig Hohl (1904–1980) erhielt 1978 den Robert Walser-Centenarpreis. Die Erzählung Bergfahrt begann Ludwig Hohl 1926, fasste sie mehrmals neu, liess sie dann über dreissig Jahre liegen, ehe er ihr die gültige Gestalt gab.
(Klappentext)

7. Januar 2021

Die Umschlaglosen II

Weitere Bücher, die ohne Umschlagtexte auskommen und so den Leser über den Inhalt im Ungewissen lassen, ehe er das Buch gelesen hat.

Niklaus Bolt: Der Eidgenosse von Cimabella,
Friedrich Reinhardt, Basel
Fritz Brunner: Aufruhr in Brusada,
Sauerländer, Aarau/Frankfurt, 1960

Olivier F. Dubuis, Franz E. Koenig: Vom
Mittelland zum Mittelmeer, Haupt, Bern,
Jahrring 1997

 

Christian Pappa: Im sonnigen Furbino,
Calven-Verlag, Chur, 1973

Giuseppe Zoppi: Das Buch von der
Alp, Benziger Einsiedeln/Köln, 1939

Allen Roy Evans: Der Zug der Renntiere,
Büchergilde Gutenberg, Zürich, 1953
René Gardi: Unter dem Polarkreis,
Büchergilde Gutenberg, Zürich, 1961

Bernt Federau, Axel Patitz: Schottland, Prisma Verlag,
Gütersloh, 1986
Jürg Paul Müller: Der Bartgeier, Desertina Verlag,
Disentis, 1992


Alfred Andersch: Wanderungen im Norden,
Walter-Verlag, Olten/Freiburg i.Br., 1962


Ernst Zahn: Spiel der Liebe, Verlag Georg
Fromme & Co., Wien, 1947. Der ehemalige
Wirt des Bahnhofbuffet Göschenen war
zu seiner Zeit in Bestseller-Autor.

Herbert Meier: Verwandschaften, Benziger, Zürich/Köln, 1963

Oskar Bär: Geographie der Schweiz,
Lehrmittelverlag des Kantons Zürich, 1973
Mein Geographiebuch in der Sekundarschule

Ferdinand Ramuz: Paris, Büchergilde
Gutenberg, Zürich, 1939


Emil Ernst Ronner: Florens der Pfadfinder,
Vadian, St. Gallen, 1952

6. Januar 2021

Und es gibt keiner dem andern ein böses Wort

Hanspeter Bundi: Und es gibt keiner dem
andern ein böses Wort, Lenos, Basel, 1999
Auswärtigen Besucherinnen und Besuchern fällt immer wieder die gesittete Unhöflichkeit auf, mit der die Einwohner der Schweiz einander begegnen. Niemand spricht laut, keiner gibt dem andern ein böses Wort, und wenn gedrängelt wird, dann so, dass es aussieht, als werde nicht gedrängelt.

Hanspeter Bundi kennt und beschreibt diese Schweiz. Den mahnenden Zeigefinger des frommen Vaters, wenn der Sohn die richtige Bibelstelle nicht auf Anhieb weiss. Den verheissungsvollen Glanz der Anlagebroschüre auf dem Küchentisch des Kleinbauern. Das junge und konturlose Gesicht des Personalchefs, der einen alten Arbeiter entlässt. Bundi sieht die Oberfläche, und er sieht auch, wo diese Oberfläche brüchig ist oder wo für einen Moment etwas von dem aufblitzt, was darunter brodelt. Er sieht Hass und Trauer, Habgier, Melancholie, Sehnsucht. Das vor allem: die Sehnsucht nach einem andern Leben. (Klappentext)

Moors Fazit: Auch 20 Jahre nach dem Erscheinen sind Bundis Reportagen sehr lesenswert. Nicht nur der Inhalte sondern auch der schon fast poetischen Sprache wegen.

5. Januar 2021

Ein Frühling im Tessin

Christine Brückner: Ein Frühling im Tessin,
Ullstein, Frankfurt/Berlin, 1987
Von der Terrasse der Casa Susanna aus blickt man über den Lago Maggiore. Wer scharfe Augen hat, kann Susanna beobachten, die mit einem Mann an der Uferpromenade spazierengeht. Den Hausherrn hingegen sieht man nicht: Soeben entschwand er mit Lotte, seiner Sekretärin, drüben auf der anderen Seite des Sees dem suchenden Blick … 

Susanna ihrerseits hat sich den Junggesellen Friedrich Georg eingeladen und ist im Begriff, mit ihm ins «Tal der hundert Täler» zu fahren – und auch das kann man von der Terrasse der Casa Susanna aus nicht sehen … Meist sieht man ohnehin nichts, weil es andauernd regnet. Dass sich die Leser dennoch keineswegs langweilen, spricht für die Qualität dieses ungemein gescheiten und amüsanten Unterhaltungsromans. (Inhaltsangabe im Buch)

4. Januar 2021

Die Wanderspirale


Am 1. Januar 2021, um 08.00 Uhr nahm ich sie beim Zytglogge-Turm in Bern in Angriff: die Wanderspirale. In konzentrischer Laufbahn lasse ich mich im Uhrzeigersinn auf einer Route von insgesamt 817 Kilometern vom Zentrum Berns nach Burgistein, meinem Wohnort, katapultieren. Gemäss meiner digitalen Karte werde ich hierfür 223½ Wanderstunden benötigen und dabei rund 23.000 Meter im Auf- und Abstieg zu bewältigen haben. Nicht übel, wenn man bedenkt, dass die Luftlinie zwischen Zytglogge und Burgistein schlappe 17,5 Kilometer misst.

Wanderspirale Etappe 1: Bern Zytglogge – Ostermundigen Hubel
Dass sich mein Vorhaben indes lohnen wird, hat mir die erste Etappe von 18,5 km Länge bereits bewiesen. Die Route vom Zytglogge nach Ostermundigen führte bei 5–10 cm frisch gefallenem Nassschnee nicht nur drei Mal über die Aare, sondern auch durch beschauliche Wohnquartiere, brachiale Industriezonen, mondäne und zum Teil schwer bewachte Botschaftsviertel, an den Stadien des BSC Young Boys und des Schlittschuhclubs Bern vorbei, über Autobahnen hinweg und unter Autobahnen hindurch. Ich geriet am Unigebäude und am Paul-Klee-Zentrum vorbei, durchmass das weitläufige Gelände der psychiatrischen Klinik Waldau, folgte dem Rand des Dählhölzliwaldes, fotografierte unweit der chinesischen Botschaft friedlich weidende Schafe, nahm im Garten eines auf Bidonville getrimmten, derzeit aber geschlossenen Restaurants das mitgeführte Mittagessen ein, wünschte den wenigen Passanten ein gutes neues Jahr, machte auf einer Sitzbank mit der mit Abstand höchsten Rückenlehne, die mir je begegnet ist, eine Pause. Und so weiter und so fort.

Noch Fragen?

Das Mega-Bänkli an der Ecke Jolimontstrasse/Kasthoferstrasse
in der Nähe des Ostrings.


3. Januar 2021

Das kuriose Neuseeland-Buch

Stephen Barnett, John McCrystal:
Das kuriose Neuseeland-Buch, Fischer
Taschenbuchverlag, Frankfurt, 2012
Die Neuseeländer Stephen Barnett und John McCrystal haben alles Kuriose, Unglaubliche, Wissens- und Unwissenswerte über ihr Heimatland hübsch sortiert und ordentlich aufgelistet. Herausgekommen ist ein unterhaltsamer Reisebegleiter für die Hosentasche voller Daten und Fakten, der absolut brennende Fragen beantwortet:

Was können Neuseeländer besser als Australier?
Wie heissen die erfolgreichten All Blacks aller Zeiten?
Wo lauern Neuseelands gefährlichste Strände?
Welche Erfindungen wurden nach Neuseeländern benannt?
Was, ausser Kiwis, wächst noch in Neuseeland?

2. Januar 2021

Das Klappern der Zoccoli

Beat Hächler (Herausgeber): Das Klappern
der Zoccoli, Rotpunkt, Zürich, 2000
Hermann Hesse, Max Frisch, Carl Spitteler, Emmy Hennings, Friedrich Glauser, Piero Bianconi, Plinio Martini und viele andere haben zur Literatur des Tessins beigetragen. Dieser Literatur und der Landschaft hinter dem Text wird auf 35 Wanderungen und Spaziergängen nachgespürt. Entstanden ist ein Lesebuch zum Wandern und ein Wanderbuch zum Lesen, geschrieben von Autorinnen und Autoren aus der Deutschschweiz und dem Tessin. (Klappentext)

1. Januar 2021

Mein Wander- und Verlegerjahr

Alle Wanderrouten 2020. Auf das Bild klicken und die Karte zu vergrössern.

Der Wanderer

Das war es nun also: Zwei null zwei null. 366 Tage, mehr als 300 davon im Pandemiemodus. Dabei hatte im Januar alles ganz normal begonnen. Ich machte mich an die Begehung der letzten Gemeinden in der Waadt, stapfte im Appenzell Innerrhodischen durch jungfräulichen Schnee und plante die Fortsetzung meiner Fernwanderung, die im September von Forbach im Schwarzwald nach Heidelberg hätte führen sollen. Hätte sollen, denn es kam bekanntlicherweise anders. 

Als sich Mitte März die Schweiz in den Lockdown begab, schränkte ich meinen Wanderradius ziemlich ein, nicht aber die Wandertätigkeit. Konkret hiess dies: Wanderungen von zu Hause aus, weniger lange Fahrten im öffentlichen Verkehr. Die Übersicht meiner Wanderrouten verdeutlicht dies auf eindrückliche Weise. Die meisten meiner Wanderungen führte ich im Kanton Bern aus. Dennoch war und bin ich der Überzeugung, dass das Wandern in Zeiten von COVID-19 die beste Möglichkeit ist, Körper und Geist vom omnipräsenten Thema «Corona» eine Ruhe zu gönnen und sich so aktiv zu erholen.

Bis Ende Jahr kamen 86 Wanderungen zusammen. Die zurückgelegte Gesamtdistanz betrug 1178,8 km, was einem Schnitt von 13,7 km entspricht. Insgesamt 16 Mal übernachtete ich im Zelt, wobei ich am 19. Dezember zum ersten Mal im Kanton Zug biwakierte. Ich erwähne dies, da ich mir zum Ziel gesetzt habe, in jedem Kanton/Halbkanton der Schweiz mindestens einmal campiert zu haben. Aktuell fehlen mir noch folgende Stände: Basel Stadt, Nidwalden, Zürich.

Und wenn wir schon bei den Projekten sind: Vom 4. bis 10. September wanderte ich von Lunschania bei Vals nach Celerina bei St. Moritz. Hierbei durchstreifte ich im Rahmen meines Gemeindebegehungsprojektes drei von vier noch verbleibenden Gemeinden. Von den insgesamt 2395 Kommunen (Stand 31.12.2012) bleibt nun nur noch jene von Brusio übrig, die ich 2021 abzuschreiten gedenke. Die oben erwähnte Tour durchs halbe Bündnerland zählte denn auch zu den Glanzlichtern in diesem sonderbaren 2020.

Selbstverständlich habe ich weitere meiner Projekte verfolgt, so unter anderem die Besteigung von Aussichtstürmen oder das Begehen sämtlicher offizieller Wanderwege im Kanton Bern. Ein besonderes Augenmerk galt bei der Planung stets meinem Wandernetzwerk, das ich Schritt für Schritt zu vervollständigen gedenke. Und damit mir die Wanderideen nicht ausgehen, starte ich ab 1. Januar 2021 ein neues Projekt. Mehr dazu demnächst in diesem Blog!

Der Verleger

Mit Hannibal erschien im Februar die wunderbare Reisebeschreibung von Eleonore Seidelbaum, die mit ihrem Partner und dem Esel «Hannibal» zu Beginn des letzten Jahrhunderts durch die Pyrenäen wanderte. Im November konnte ich dann Bruno Petrinis 11670 Kilometer veröffentlichen. Auf das gedruckte Tagebuch von Weitwanderer Petrini bin ich besonders stolz, da mir bislang noch kein Mensch begegnet ist, der sich zu Fuss derart oft und weit durch Mittel- und Südeuropa bewegt hat. Ausgerechnet im Erscheinungsjahr des Buches blieb Bruno Petrini die 13. Fernwanderung wegen COVID-19 versagt. Ich hoffe sehr, dass er sein Vorhaben im anstehenden Jahr umsetzen kann.

Für 2021 ist die Publikation weiterer Reise- und Expeditionsberichte geplant. Bereits Anfang Januar erscheint das Tagebuch einer Reise durch die Schweiz von Sophie von La Roche. Auch dies ein Leckerbissen für Leute, die an historischen Themen interessiert sind.

Soviel zu Zwei null, zwei null. Wir alle hoffen auf ein besseres 2021, und falls sich das Jahr erneut schlimm gebärden sollte: Ein Trost bleibt uns – es zählt einen Tag weniger als 2020! In diesem Sinne wünsche ich alles Gute ... und ... geht wandern!

31. Dezember 2020

Leben atmen

Simone + Anton Ochsenkühn: Leben atmen,
amac-buch-Verlag, Obergriesbach, 2008
In Deutschlands beliebtem Urlaubsland Italien gibt es einen unberührten und historisch belegten Pilgerweg – fernab von den überfüllten Pilgerstrassen in Europa – den Cammino di Francesco. Weite Landschaft, herrliches Essen und gastfreundliche Menschen erwarten den Pilger auf dem Weg durch Umbrien und Latium. Dieses Buch beschreibt in fünfzehn Tagesetappen einen Teil des Franziskuswegs von Assisi nach Rom. Atmen Sie Italien, atmen Sie Leben! (Klappentext)

30. Dezember 2020

Abendzug

Alberto Nessi: Abendzug, Limmat,
Zürich, 1991

Beginnend in den vierziger Jahren, durchgeht der Erzähler seine Kindheit und Jugend, das Grenzgebiet zu Italien, aus dem das Kriegsecho zu hören ist, die Kleinstadt am See, wo die Bilder seiner jugendlichen Unruhe Gestalt annehmen. In seiner Erzählung erkundet Alberto Nessi Raum und Zeit jener Orte, in denen er lebt, auf der Suche nach sich selbst und denen, die ihm vorausgegangen sind. (Klappentext)

TI: Chiasso, Mendrisio