31. Oktober 2014

Fremde Federn und eine Geschichte

Vor ein paar Tagen schrieb mir Blogleserin Marianne: «Ich war letzthin in einer Buchhandlung, da hab ich gesehen, dass ein neues Buch beim at-Verlag rausgekommen ist: Die schönsten Alpinwanderungen in der Schweiz. Das Titelfoto hat mich daran erinnert, dass mein Vater anno ca. 1970 auch dort oben war und beiliegendes Foto geschossen hat.»

Der Lünersee (A) von ca. 1970, gesehen von der Gamsluggen. Foto zvg.


Eine nette Geschichte, liebe Marianne. Und das Schöne daran, mir gefällt die Farbe des 1970er-Sees bedeutend besser als das blasse Grün auf dem Buchumschlag.

Ein Wanderbuch aus und über die
Schweiz mit einem ästhetischen
Herz fürs Ausland.
So sehr ich die grossformatigen Wanderbücher des AT-Verlags schätze, das gewählte Titelbild scheint mir der perfekte Fehlgriff eines auf Ästhetik verfallenen Auges. Bitte, was hat der im Vorarlbergischen gelegene Lünersee mitsamt seiner ebenfalls österreichischen Entourage auf dem Umschlag eines Buchs zu suchen, das den Titel Die schönsten Alpinwanderungen in der Schweiz trägt? Sind die Schweizer Alpen derart arm an geeigneten Umschlagmotiven? Oder ist unser Gebirge optisch bereits derart abgegriffen und klischiert, dass nun das benachbarte Ausland herhalten muss? Mit Verlaub, liebe Buchgestalter, wo Schweiz draufsteht, sollte auch Schweiz drauf zu sehen sein! Und wenn sich der Schweizerische Alpenclub mit seinem Logo präsentiert erst recht.

30. Oktober 2014

Weiht man so einen Bahnhof ein?

Gestern Abend, es herrschte bereits brandschwarze Nacht, stieg ich in Burgistein aus der S-Bahn. Ein Mann kam auf mich zu und streckte mir zwei kleine Päckchen entgegen. Aha, dachte ich, ein hoffnungsvoller Politiker auf Wählerfang. Als ich nachfragte, weshalb er mich beschenke, sagte er, dass heute der neue Bahnhof Burgistein eingeweiht worden sei. Davon hätte ich ja gar nichts gewusst, gab ich dem Kambly-Bretzeli-Verteiler zur Antwort. «Es war eine Feier im bescheidenen Rahmen», liess er mich wissen.

Kambly-Biscuits, mehr nicht, statt Bratwurst, Bier und Bumbum-Tätärää. Seit gestern ist die S-Bahn-Station Burgistein offiziell eingeweiht.


Liebe BLS
Danke für die Bretzeli. Dass Du den für 25 Millionen Franken total erneuerten Bahnhof – auch hierfür besten Dank! – einfach «mit einem symbolischen Akt*», wie Du in der Medienmitteilung schreibst, «eröffnest», finde ich schäbig. Schäbig gegenüber all jenen, die sich während der Bauzeit den Umständen, die ein derartiges Bauvorhaben mit sich bringen, gefügt haben. Aber auch schäbig gegenüber Deinen täglichen Kunden, zu denen ich mich gerne zähle. Immerhin dauerte die Bauzeit 29 Monate und hatte erhebliche Lärm- und Staubimmissionen zur Folge. Besonders stark betroffen waren die unmittelbaren Anwohner. Doch darum geht es mir in erster Linie nicht, sondern vielmehr darum, dass Du eine einmalige Gelegenheit verpasst hast, die Einweihung des Bahnhofs mitsamt Umgebung als publikumswirksame Goodwill-Aktion zu nutzen. Denn wann, wenn nicht zu diesem Zeitpunkt, bietet sich in Burgistein die Gelegenheit, eines der raren Volksfeste steigen zu lassen? Oder holst Du dies noch nach?

*Gemeindepräsident Beat Wyss und Daniel Wyder, Leiter Infrastruktur und Mitglied der Geschäftsleitung BLS, pflanzten auf dem Vorplatz den letzten von insgesamt vier Bäumen.

PS. Die Bilder zum fertiggestellten Bahnhof folgen demnächst in diesem Blog.

29. Oktober 2014

Von der Kunst, mit dem Kopf die Beine in Bewegung zu setzen

Dirk Schümer, Zu Fuss – eine kurze
Geschichte des Wanderns,
Piper
Verlag, München,  2010
«Wandern ist wie Sex», schreibt der deutsche Journalist Dirk Schümer in seinen Betrachtungen über die Kulturtechnik der Fortbewegung zu Fuss. Der zitierte Vergleich im Buch mit dem sinnigen Titel «Zu Fuss» wirft unweigerlich die Frage auf, weshalb denn die Wanderwege nicht pausenlos von dicht gedrängten Fussgängermassen bevölkert sind. Schümer bezieht sich indes weniger auf die hormonell bedingten Prozesse des zwischenmenschlichen Liebesaustausches, er liefert vielmehr eine abstrakte Definition, die den Vergleich erst plausibel macht: «Wandern erscheint als eine ganz einfache, natürliche Angelegenheit, für die man ausser etwas Zeit keine Ausrüstung benötigt.» Dass sich freilich ein ganzer Wirtschaftszweig – im vorliegenden Vergleichsfalle sind es deren zwei – mit der Herstellung von «Ausrüstung» befasst, ist hinlänglich bekannt. Der Gebrauch der Utensilien hängt erwiesenermassen mit den persönlichen Präferenzen des Sexwilligen bzw. Wanderhungrigen zusammen.

Konzentrieren wir uns nun aber auf die «kurze Geschichte des Wanderns», wie sich Schümers Werk im Untertitel nennt. In brillant und mitunter humorvoll verfassten Kapiteln wird dem Leser ein Abriss über die geherische Entwicklungsgeschichte des Menschen vermittelt. Sehr bald wird klar, wie es in dieser Hinsicht um diese Spezies bestellt ist. Bereits mit dem Übergang vom Nomadentum zur seit Jahrhunderten zelebrierten Sesshaftigkeit begann der Kampf des Homo erectus gegen jegliches Fussgängertum. Zudem verdrängte das ungeahnt stark aufkommende Automobil den flanierenden Menschen zunehmend aus den Städten. «Daher erfanden mobilitätsversessene Stadtplaner des vorigen Jahrhunderts ein eigenes Wort für die Fortbewegungsgebiete per pedes: Fussgängerzonen. In diesem irrwitzigen Begriff verbirgt sich das ganze Elend mordernen Stadtlebens: Der öffentliche Raum gehört dem Auto, das alle Widerstände, notfalls mit Gewalt verdrängen darf. Wo Autos fahren, haben alle anderen zu stehen, am besten zu verschwinden», wettert Dirk Schümer auf Seite 192 zu recht. Dennoch plädiert er fürs Stadtwandern, namentlich in Paris, Amsterdam oder der praktisch autofreien Lagunenstadt Venedig.

Überhaupt stellt «Zu Fuss» eine einzige Hommage für das Wandern als «zweckfrei schöne Beschäftigung», als «Antwort auf Langeweile» oder als «die Kunst, mit dem Kopf die Beine in Bewegung zu setzen» dar. Schümer bricht immer wieder eine Lanze für das genussvolle Gehen, ohne dass dabei viel geschehen muss. Wandern als reiner Selbstzweck eben und überdies viel gesünder als manch andere sportliche Betätigung leistungsorientierter Ausprägung. Vom «Mittelweg zwischen zivilisationsbedingter Faulheit und der nicht minder zivilisationsbedingten Hyperaktivität» ist die Rede. Dieser Weg sei ein Pfad, ein Wanderpfad, so der Autor. Und: «Wandern ist, genau betrachtet, eine Therapie gegen das Steckenbleiben im Waldsumpf. Man ist unterwegs und muss doch nicht über die Grenzen.»

Ein Kapitel widmet sich unter anderem den in den letzten Jahrzehnten arg in Mode gekommenen Themenwegen. Angefangen vom Vitaparcours – in Deutschland «Trimm-dich-Pfad» genannt – bis hin zum Märchen-, Skulpturen- oder Barfusspfad. Das Gehabe örtlicher Tourismuspromotoren sei zwar nachvollziehbar, will man sich doch auf diese Weise zusätzliche Marktanteile sichern. Dies hindert den Autor in keiner Weise daran, gewisse Auswüchse aufs Korn zu nehmen. So etwa die Holzmöblierungen entlang des Rothaarsteigs oder jene Notentafeln an einer Wanderstrecke, die kaum jemanden zu lauthalsem Nachsingen Deutscher Wanderlieder bewegen dürfte. «Ist Wandern tatsächlich ein kurzlebiger moderner Luxus? Eine Utopie, aus der niemals etwas wurde? Der Traum einiger überspannter Bürgersleute zwischen 1900 und 2000, den sich ein arbeitender Mensch inmitten von Ballungsräumen sowieso kaum mehr leisten kann und der zu nichts anderem dient, als eine Freizeitindustrie ökonomisch zu befeuern?» Auf solche und weitere Fragen gibt uns Dirk Schümer gekonnt formulierte Antworten, die nun in einer Art Bibel für Genusswanderer, Wanderskeptiker und Gehfaule den Weg an die Öffentlichkeit gefunden haben.

28. Oktober 2014

Mord über Waldstatt

Jon Durschei, Mord über Waldstatt,
Orte Verlag, Zürich, 1988
Ein Ereignis ist auch der zweite Kriminalroman, der um die Person des Disentiser Paters Ambrosius kreist. Diesmal hat der Bündner Jon Durschei den Roman allein geschrieben. In «Mord über Waldstatt» wird der schwermütige, trinkfeste Pater Ambrosius während seiner Ferien im appenzellischen Waldstatt in einen Mordfall verwickelt. Ob er ihn löst, sei nicht verraten. Verraten sei hingegen: Wieder begegnet er einer Welt, die in Intrigen, in Sehnsüchten, in Liebeständel zu ersticken droht. Daraus entsteht zwangsläufig eine Krise — aber auch ihre Lösung. (Klappentext)

AR: Waldstatt, Geisshalden, Horschwendi, Säntisblick, Hundwiler Höhe, Schwellbrunn GR: Disentis, Mompé

27. Oktober 2014

Neulich in 2400


Le Locle (NE) … und weit und breit kein Mensch, dem diese Treter gehören könnten.

26. Oktober 2014

Kostbare Welten

Martin Arnold/Roland Gerth, Die schönsten
Naturparadiese der Schweiz, AT-Verlag,
Baden, 2009, www.at-verlag.ch
Die Schweizerische Eidgenossenschaft weist eine Fläche von 41 285 km² auf. 38% davon werden landwirtschaftlich genutzt, 30,4% sind Wald. Überbaut sind 5,8% – Tendenz nach wie vor steigend – und 25,5% – vorwiegend in den Bergen – gelten als unproduktive Naturfläche. Eine wohlproportionierte Mischung von all dem zeigt der neuste, grossformatige Band aus dem Wanderbuchrepertoire des AT-Verlages. «Die schönsten Naturparadiese der Schweiz» nennt sich das Werk und präsentiert in Form von reportageartigen Kurzporträts 25 verschiedene, landschaftlich reizvolle Gegenden. Nebst einem jeweils unterhaltsamen Haupttext, informativen Begleitartikeln sowie einem Wandervorschlag (selten sind es zwei oder mehr) laden durchgehend vierfarbig gedruckte Landschafts- und Tierfotos zu einer betörenden Augenreise ein. Leider werden die einzelnen Kapitel mit etwas gar spärlichen Angaben über touristische und kulinarische Besonderheiten ergänzt. Daher scheint der Zusatztitel des Werkes «das grosse Wander- und Erlebnisbuch» ein wenig hoch gegriffen. Das Erlebnis besteht in erster Linie im Betrachten der Bilder und dem virtuellen Abtauchen in nicht immer unberührte Gegenden. In der kleinräumigen, vielgestaltigen Schweiz beginnt das Paradies auch mal direkt an der Autobahn oder hinter der Bergstation eines Sesselliftes. «Die schönsten Naturparadiese der Schweiz» schafft es dennoch, die eine oder andere eher unbekannte Gebietsecke in den Vordergrund zu rücken. So zum Beispiel das Rheintaler Bannriet, den Bündner Naturpark Ela oder die Muotathaler Bödmeren. Natürlich fehlen klassische «Paradiese» wie die Greina, der Creux du Van, das Säntis-Massiv oder das Aletschgebiet nicht.

Der neunköpfigen Autorengruppe sowie den Fotografen Roland und Stefan Gerth verdanken wir einen sorgfältig elaborierten Band, der Lust auf mehr macht: Auf mehr Wanderungen in edenhaftem Ambiente, auf mehr unversehrte Natur und letztlich auf mehr Buchproduktionen dieses Genres.

Die Naturparadiese in der Übersicht
AR/AI Alpstein
BE Rosenlaui/Chaltenbrunnen, Hinteres Lauterbrunnental
GR Caumasee/Vorderrheinschlucht, Parc Ela, Val Müstair/Nationalpark, Val da Camp/Saoseosee
GR/TI Greina/Adula
JU Etang de la Gruère
LU Entlebuch/Sörenberg
NE Creux du Van
SG Bannriet, Toggenburg
SG/GL Murgseen
SZ Hochmoor Rothenturm, Bödmeren/Hölloch
TI Bolle di Magadino, Locarnese,  Val Verzasca
UR Göscheneralp
VS Binntal, Aletschgebiet, Lötschental, Riffelalp/Gornergrat
ZH Sihlwald

25. Oktober 2014

Licht und Schatten


Wieder einmal erreichte mich ein Bänkli-Bildli von Blogleserin Monika. Abgelichtet hat sie das Objekt in der Bündner Walsersiedlung Strassberg. Vermutlich wäre derzeit ein Schneespruch passender.

24. Oktober 2014

Schatten und Licht


Vom Dorf Muotathal (SZ) sieht man bekanntlich keinen Berg ausserhalb des gleichnamigen Tals. Umso beeindruckender ist der Sonnenaufgang. Vom Osten her finden die Morgenstrahlen einen schmalen Durchlass und illuminieren im langgezogenen Ort einen ebenso schmalen Streifen. Derweil sonnen sich die höchsten Erhebungen über den verschatteten Nordflanken. So begann der denkwürdige, vergangene Sonntag.

23. Oktober 2014

Alle Farben des Schnees

Angelika Overath: Alle Farben des
Schnees,
Luchterhand, München, 2010
Ferienorte sind flüchtige Heimat. Oft verbinden sie sich mit dem Wunsch, für immer bleiben zu können. Und doch reisen wir ab. In der Regel. Die Reporterin und Romanautorin Angelika Overath hat sich, zusammen mit ihrem Mann und dem jüngsten Sohn, aufgemacht, aus einem Traum Realität werden zu lassen. Die Familie ist nach Sent ins Unterengadin gezogen. Ihr Buch erzählt, wie sich Wahrnehmungen und Lebensweise ändern, wenn das Feriendorf in den Bergen zum festen Wohnort wird.

Jeder von uns hat einen Sehnsuchtsort. Aber kann man dort zu Hause sein? Was geschieht, wenn eine Familie sich entschließt, von Tübingen ins Unterengadin zu ziehen, nach Sent, ein Dorf auf einer Sonnenterrasse, 1430 Meter über dem Inn? Verbraucht sich die Schönheit? Die hohen Berge, hinter denen schon Italien liegt, sind nun Alltag, genauso wie die wunderbaren Juni-Wiesen vor dem ersten Schnitt, die Bauernhäuser mit den Sgraffito-Fassaden, die alten Palazzi der Zuckerbäcker, die Brunnen, an denen Teppiche gewaschen werden. Sechs Monate im Jahr Schnee gehören ebenso dazu wie das Erlernen einer bedrohten Sprache: Rätoromanisch, die Muttersprache der Einheimischen, für den kleinen Sohn nun die Unterrichtssprache in der Schule.


Aber wie buchstabiert sich das Leben in der konkreten Utopie? Die Familie nimmt Neues wahr und wird neu wahrgenommen. Mit dem ruhigen Blick der Reporterin beobachtet Angelika Overath, wie ein vertrautes Ferienparadies zur neuen Wohnadresse wird. Es ist möglich, sein Leben zu ändern. Und vielleicht zeigt sich im andern Land eine Schnittmenge Heimat. (Website des Verlags)

GR: Sent und Umgebung, Scuol, Ramosch, Chur USA: Middlebury

22. Oktober 2014

Berg- und Talfahrt auf dem Traumpfad über die Alpen

Burkhard Wittek, Zu Fuss von München
nach Venedig, Wiesenburg Verlag,
Schweinfurt, 2007
Anno 1974 schaffte ein gewisser Ludwig Grassler die komplette Begehung der selbst gewählten Route München–Venedig. Dies war der Startschuss zum heute als «Traumpfad über die Alpen» benannten Weitwanderweg. Unzählige Menschen haben den rund 500 Kilometer langen Weg entlang der Isar, durchs Karwendel-Gebirge, die Zillertaler Alpen, die Dolomiten und das südliche Alpenvorland begangen. So auch Burkard Wittek, der, nach seinen Wanderungen in den Jahren 2003 und 2006, ein Buch darüber geschrieben hat. Der Erlebnisbericht basiert auf einer Rahmenhandlung mit einer von Wittek geschaffenen Kunstperson. Dr. h.c. Franz von Frömeling nennt er den technikgläubigen Menschen, der durch die Bekanntschaft mit einer «ungewöhnlichen Frau» sein Weltbild mehr und mehr in Frage gestellt sieht. Auf Anraten von Carmina, so der Name der Frau, macht sich der Protagonist auf eine Fernwanderung, um die «Langsamkeit eines neuen Gehens und die Verwandlung seines Wahrnehmens und Sehens zu erfahren».

So weit, so gut.

Herausgekommen ist letztlich und zur Hauptsache ein Reisebericht, der sich in erster Linie mit dem Weg und den damit verbundenen Strapazen befasst. Abgangs- und Ankunftszeiten werden im wahrsten Sinne des Wortes minutiös erwähnt, ebenso die genaue Uhrzeit, wann es wo zu Regnen angefangen bzw. aufgehört hat. Die Geschichte mit der inneren Läuterung wird über weite Strecken ausgeblendet oder nur kurz wieder aufgegriffen. Erst am Ende der Erzählung kommt der Autor zurück auf den Ursprung seiner Reise, auf viele offene Fragen und auf Carmina.

Sprachlich gleicht das Buch ein wenig dem Weg: einer andauernden Berg- und Talfahrt. Werden im Gelände insgesamt über 20 000 Höhenmeter bewältigt, so schreibt Wittek vor allem zu Beginn und am Ende der Geschichte auf sprachlich hohem Niveau, währenddem der Hauptteil, der eigentliche Erlebnisbericht, zwischenzeitlich stilistisch stark abflacht und manchmal gar im Belanglosen endet. Gerne hätte man auch mehr über geschichtliche, geografische oder kulturelle Hintergründe der durchwanderten Gegend erfahren.

Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt zudem die Gestaltung des Buches. Die im Klappentext speziell hervorgehobenen «vielen, sehr schönen und einfühlsamen Fotografien» vermögen aus zweierlei Hinsicht nicht zu überzeugen. Einerseits muss bei der Herstellung des Buches (Druckvorstufe oder Druck) ein Fehler passiert sein, denn die Fotos kommen allesamt verblasst und meist zu dunkel daher. Den Bildern fehlt zudem die kompositorische Kreativität und damit die Spannung. Hier wären weniger Abbildungen, dafür qualitativ gute und in ansprechender Grösse, mehr gewesen. Die unvorteilhafte Platzierung der Fotos (rechts oder links in den Text hineinragend, zu nahe am Text, mal randabfallend, mal knapp nicht randabfallend, bundstegseitige Platzierung etc.) hemmen den Lesefluss und führen, um den Vergleich noch einmal zu bemühen, zu einer visuellen Berg- und Talfahrt. Unverständlich ist auch, dass der Text nicht auf das Grundlinienraster ausgerichtet wurde, so dass ein für Bücher untypischer, versetzter Zeilensatz entsteht.

Schade, schade.

Witteks Werk soll aber nicht schlechter gemacht werden, als es ist, denn wer sich ernsthaft für die Begehung des Weges interessiert, der findet in «Zu Fuss von München nach Venedig» eine informative Ergänzung zu den vorhandenen Wanderführern. GPS-Freunde erhalten zudem über 900 Wegpunkte mitgeliefert, die, sofern die Technik nicht versagt, für die 28 bis 30 Tagesetappen durchaus von Nutzen sein können. Der Autor selbst führt in seiner detailierten Packliste das GPS als ein verzichtbares Utensil auf, was darauf schliessen lässt, dass die Abkehr von der technologisierten Welt bereits erste Früchte zu tragen beginnt.

21. Oktober 2014

Tauben fliegen auf

Melinda Nadj Abonji, Tauben fliegen
auf,Jung und Jung,
Salzburg/Wien, 2010
Es ist ein schokoladenbrauner Chevrolet mit Schweizer Kennzeichen, mit dem sie zur allgemeinen Überraschung ins Dorf einfahren, und die Dorfstrasse ist wirklich nicht gemacht für einen solchen Wagen. Sie, das ist die Familie Kocsis, und das Dorf liegt in der Vojvodina im Norden Serbiens, dort, wo die ungarische Minderheit lebt, zu der auch diese Familie gehört.

Oder, richtiger, gehörte. Denn sie sind vor etlichen Jahren schon ausgewandert in die Schweiz, erst der Vater und dann, sobald es erlaubt war, auch die Mutter mit den beiden Töchtern, Nomi und Ildiko, und Ildiko ist es, die das hier alles erzählt. So auch den Besuch im Dorf, der dann nicht der einzige bleibt, Hochzeiten und Tod rufen sie jedesmal wieder zurück ins Dorf, wo Mamika und all die anderen Verwandten leben, solange sie leben.


Zuhause ist die Familie Kocsis also in der Schweiz, aber es ist ein schwieriges Zuhause, von Heimat gar nicht zu reden, obwohl sie doch die Cafeteria betreiben und obwohl die Kinder dort aufgewachsen sind. Die Eltern haben es immerhin geschafft, aber die Schweiz schafft manchmal die Töchter, Ildiko vor allem, sie sind zwar dort angekommen, aber nicht immer angenommen. Es genügt schon, den Streitigkeiten ihrer Angestellten aus den verschiedenen ehemals jugoslawischen Republiken zuzuhören, um sich nicht mehr zu wundern über ein seltsames Europa, das einander nicht wahrnehmen will. Bleiben da wirklich nur die Liebe und der Rückzug ins angeblich private Leben?
(Klappentext)

ZH: Küsnacht, Stadt Zürich (Wolgroth, Weststrasse) SRB: Vojvodina

20. Oktober 2014

Täuffelen, ich lese

Schreiben ist schön, Vorlesen auch. Deshalb freue ich mich auf den kommenden Samstag. Währenddem das Publikum bei Kaffee und Züpfe sitzt, trage ich Wasser trinkend aus meinen Büchern vor. Als kleines Schmankerl zeige ich zudem eine 20-minütige Multimedia-Präsentation mit Fotos meiner Wandertaten.

Samstag, 25. Oktober 2014, 09.30 Uhr, Kirchgemeindehaus Täuffelen (BE). Ab Biel/Bienne in 16 Minuten mit der Schmalspurbahn nach Täuffelen. Vom Bahnhof zu Fuss in nur 3 Minuten zum Kirchgemeindehaus an der Hauptstrasse 100. Der Eintritt ist frei.


19. Oktober 2014

Paa ski over Grønland

Fridtjof Nansen: Auf Schneeschuhen
durch Grönland,
erhältlich bei der
Edition Erdmann

Am 23. September 1982 kaufte ich mir ein Taschenbuch mit dem Titel Auf Schneeschuhen durch Grönland. Es handelt von der ersten Durchquerung der grössten Insel der Welt. Ausgeführt hatte sie der legendäre Norweger Fridtjof Nansen anno 1888. Erschienen ist die deutsche Übersetzung 1951 im Berliner Safari-Verlag. Ullstein gab 1981 besagtes Taschenbuch heraus, auf dessen Umschlaklappe steht:

Fridjof Nansens Bericht über seine Durchquerung Grönlands auf Schneeschuhen ist ein Klassiker der Expeditionsliteratur. Warum Klassiker? Weil da nicht nur das beispiellose, packend geschilderte Abenteuer ist. Kühnheiten und Leistungen – etwa die Erstbesteigung eines schwierigen Gipfels oder der «Wettlauf» von Scott und Amundsen zum Südpol – kennt die Geschichte in grosser Zahl. Was solchen Taten aber erst Rang und Sinn verleiht, ist die Forschungsaufgabe.

Nansen ist 1888 mit eigens für die Expedition konstruierten Handschlitten über das 3000 Meter dicke Binneneis Grönlands gezogen, und seine genauen Aufzeichnungen über den Verlauf dieser Ost-West-Route haben den Geographen Wege zur weiteren Erforschung Grönlands gewiesen. Von den Erfahrungen in Fragen der Kleidung, Ernährung, der Behausungen und Transportmittel auf Reisen in die Rieseneisefelder profitierten nach ihm viele Polarexpeditionen – auch die Antarktis-Forscher unserer Tage. Es ist nicht zuletzt Nansens Verdienst, dass das Skifahren und der Faltbootsport in den folgenden Jahrzehnten Breitensport geworden sind.

Der Schriftsteller Ernst Herrmann würdigt im Nachwort nicht nur das Forscherleben Fridtjof Nansens, sondern auch dessen humanitäres Werk. Durch beides ist Nansen Norwegens grösster Sohn.

18. Oktober 2014

Auf brennenden Füssen durchs Paradies

Emil Zopfi, Rund um den Walensee,
AS Verlag, Zürich, 2008
Abgründig tief ist der Walensee, von Wäldern und felsigen Ufern umgeben, die steil ansteigen bis zu den Gipfeln der Churfirsten und des Mürtschenstocks. Eine spektakuläre Landschaft voller Naturwunder und Spuren einer grossen Vergangenheit. Musiker, Maler und Dichter schwärmten von der Poesie der milden Gestade, wo Wein, Feigen und Marroni gedeihen. Dank der natürlichen Ufer ist die Seelandschaft ein Paradies für Wassersportler, Wanderer, Bergsteiger und stille Geniesser geblieben.

Der Schriftsteller Emil Zopfi lebte über zwanzig Jahren auf dem Kerenzerberg hoch über dem Walensee, betrachtete täglich sein Farbenspiel und versuchte, seinen Geheimnissen auf den Grund zu gehen.


An einem Frühlingstag umrundet er den See zu Fuss, ausgerüstet mit Notizblock und Digitalkamera. Begegnungen und Beobachtungen auf der langen Wanderung wecken Erinnerungen an sein eigenes Leben und an Menschen, die in der Gegend weilten und wirkten. Er erzählt von Sagengestalten, nackt kletternden Dichtern, verliebten Komponisten und Utopisten, die hier ein Paradies auf Erden errichten wollten. Während seine Füsse allmählich zu brennen beginnen, kreisen seine Gedanken um die kleinen und grossen Fragen des Lebens. In ­assoziativen Texten kommentiert er seine Beobachtungen mit feinem Humor und grosser Liebe zur Landschaft, in der er lebt und die ihn inspiriert.
(Klappentext)

17. Oktober 2014

Saison

Hugo Loetscher: Saison, Diogenes,
Zürich, 1995, vergriffen
Er war berühmt, nur wusste dies niemand. Aber er hatte noch ein ganzes Leben vor sich. Philipp, zwischen Schulabschluss und Berufsausbildung stehend, von der Grossen Bühne träumend, jobbt einen Sommer lang als Bademeister.

Er erlebt seine erste Saison, für die das reale Leben die Vorlage bietet. Aus einer Seebadeanstalt macht Philipp mit unbekümmerter Phantasie ein buntes, spannend-überraschendes Badetheater, einen Schauplatz, wo die Figuren unserer heutigen Gesellschaft programmreiche Blösse zeigen. Und dies in einer knappen Sprache von facettenreicher Anschaulichkeit erzählt, mit hintergründigem Witz, der der Ironie Poesie abgewinnt. Philipps erste Saison (Ich bin nicht umsonst zwanzig geworden) ist auch die Saison einer zarten Liebe. (Klappentext)


ZH: Stadt Zürich, Strandbad Zürich-Wollishofen

16. Oktober 2014

Pilgern im Geiste des heiligen Franziskus

Gerald Jaksche, Zu Fuss von Assisi
nach Mainz, St. Benno-Verlag,
Leipzig, 2005
Als fleissiger Konsument von gedruckten Pilgertagebüchern atmet man mittlerweile erleichtert auf, wenn einem für einmal keine Schreibe über den Jakobsweg in die Hände fällt. Dem Deutschen Gerald Jaksche und dem St. Benno-Verlag gebührt daher ein grosses Dankeschön für den Rapport einer Pilgerfahrt von Assisi nach Mainz. Jaksche, seines Zeichens katholischer Diakon mit ökumenischer Grundhaltung, entwickelte ein Pilgerkonzept, das in heutiger Zeit beinahe exotisch anmutet: Normalsterbliche Alpennordrandbewohner gehen, so sie überhaupt gehen, in der Regel vom Norden in den Süden. Nicht so Gerald Jaksche. Seine Idee war es, auf den Spuren der Franziskusbrüder von anno 1221, der sogenannten Franziskanermission, von Assisi via Florenz–Bologna–Verona–Trient–Innsbruck–Augsburg –Würzburg nach Mainz zu pilgern. Aus beruflichen Gründen war es ihm jedoch nicht möglich, die 1500 Kilometer an einem Stück zu bewerkstelligen. Also ging er die Strecke während sieben Jahren, meist in wechselnder Begleitung, auf jeweils einwöchigen Etappen. Dabei setzte er die Wanderung im Folgejahr nicht nur geografisch dort fort, wo er jahrs zuvor aufgehört hatte, auch terminlich begann er jeweils um eine Woche später als im Vorjahr. Um dem franziskanischen Geist möglichst originalgetreu nachleben zu können, waren Jaksche und Co. ohne Geld, ergo bettelnd und gänzlich auf die Freigiebigkeit der Menschen angewiesen, unterwegs.

In seinem Bericht erzählt Jaksche offen von all den Problemen, Leiden und Freuden, die ein derartiges, ehrlich gemeintes Unterfangen mit sich bringt. Er scheut auch nicht davor zurück, seine eigenen Schwächen zu offen- baren, ohne gleich den Seelenstriptease vom Stapel zu lassen. Alles in allem eine gefällige Erscheinung im weiten Meer der Pilgerliteratur, wenn auch ein Routenkroki dem Ganzen noch die Krone aufgesetzt hätte.

15. Oktober 2014

Dreiklang visuell

Das war ganz grosses Landschaftskino vergangene Woche auf der Glattalp, zuhinterst im Bisistal. Als ich das erste Mal vor 25 Jahren oben war, watete ich Ende Oktober durch knietiefen Schnee und sah von der Herrlichkeit herzlich wenig. Und nun hatte ich aus speziellen Gründen etwas mehr Zeit zur Verfügung und machte von der Bergstation des Luftseilbähnchens einen Abstecher zum Glattalpsee.

Die Glattalp in der Südostecke des Kantons Schwyz grenzt an das grösste Karstgebiet der Schweiz. Hier liegt auf 1892 m die einzige SAC-Hütte des Kantons.
Als Kulisse dienten unter anderem der Ortstock mit dem Höch Turm zu seiner Linken. Wie der Oeschinensee im Berner Oberland wird auch der Glattalpsee zur Stromgewinnung genutzt. Die Gemeinsamkeit der Seen beruht im Fehlen von Staumauer oder Staudamm. Möglich macht dies die geologische Eigenschaft des Kalks mit der Bildung von grossen Geländemulden, in der wegen der Bodenbeschaffenheit sogenannte Karseen mit unterirdischem Abfluss entstehen konnten. Ich ging also hin und komponierte ein paar Bilder im Dreiklang mit Wasser, Gras und Karst.

14. Oktober 2014

Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet

Anna Gavalda: Ich wünsche mir, dass
irgendwo jemand auf mich wartet,

S. Fischer, Frankfurt/Main, 2006
Ein Flirt, der durch ein Handy zerstört wird, ein Mann, der nicht mehr fremdgeht, weil die Alimente jetzt so teuer würden, und einst Liebende, die sich erst wiedersehen, als es schon zu spät ist. Anna Gavalda ist nichts Menschliches fremd, am wenigsten die Liebe. Ihre Chronik des Alltags ist erheiternd und erbarmungslos zugleich: unser Leben, auf den Punkt gebracht. (Klappentext)

F: Paris, Melun, Normandie, diverse Orte in Frankreich

13. Oktober 2014

Ein Teufel zu viel

Ralf H. Dorweiler: Ein Teufel zu viel,
Emons Verlag, Köln, 2008
Rainer Maria Schlaichers schlimmster Albtraum wird wahr: Sein Vater hat seinen Besuch angemeldet, und ausgerechnet jetzt geht alles schief. Während er ein äußerst kostbares Gemälde restaurieren lassen muss und eine Frau kennen lernt, von der er besser die Finger lassen sollte, stolpert er nachts mitten auf dem Schopfheimer Marktplatz über eine Leiche. Aber damit nicht genug: Wieder einmal gerät Schlaicher in Verdacht, ein Mörder zu sein. Kommissar Schlageter von der Kripo Lörrach konzentriert seine Ermittlungen mehr und mehr auf ihn, und Schlaicher bleibt nichts anderes übrig, als den Mörder auf eigene Faust zu finden. Was die Badische Revolution, eine skurrile Sekte oder die Kommune 1 mit dem Toten zu tun hatten, das kann er nur mit Hilfe seines Bassets Dr. Watson herausfinden. (Klappentext)

Eine witzig konstruierte Geschichte aus dem benachbarten Wiesental mit einem Schluss, der mich an die schnulzigen 70er-Jahre-Fernsehserien von Daktari, Lassie, Fury oder Flipper erinnerte.

D: Wiesental als Hauptschauplatz, namentlich: Maulburg, Dinkelberg, Schopfheim, Eichen, Eichenersee, Lörrach, Stetten. Wehr, Bergalingen, Gersbach, Sehringen

12. Oktober 2014

Salbit by Night


Vor 10 Tagen weilte ich für eine Nacht in der Salbithütte der Aargauer SAC-Sektion Lindenberg. Und bevor ich mich auf 2105 m, hoch über dem Göscheneralptal, schlafen legte, schnappte ich mir zwei Schemel und baute auf der Terrasse ein Stativ auf, von dem aus ich eine Langzeitbelichtung von acht Sekunden wagte. Und ja, bei genauer Betrachtung erkennt der Kenner, die Kennerin, dass die Fensterläden in den Farben des Aargauer Wappens, schwarz, blau, weiss gestrichen sind. Wunderbar!

11. Oktober 2014

Das ist also ein Visierstollen

Kürzlich entdeckte ich am Bahnhofplatz von Göschenen ein Schild mit der Aufschrift Visierstollen. Eine Treppe führte hinab zu einem Felseingang. Ich stieg runter und fand mich unvermittelt in einer Ausstellung über den Bau der Gotthardbahn, dessen Geschichte auf unzähligen Infotafeln erläutert wurde. Bevor ich mich auf den anschliessenden Stollengang machte, las ich, was mit dem niedrigen Loch überhaupt auf sich hat.

Hinter dem Eingangsbereich folgt der Stollen. Grosse Gestalten werden sich bei der Begehung da und dort bücken müssen.

Die vermessungstechnischen Möglichkeiten erlaubten beim Bau des Gotthardbahntunnels lediglich die Absteckung eines geraden Tunnels. Im Portalbereich Airolo, wo ein erstes Tunnelstück im Boden liegt, musste für die Absteckung als Verlängerung der Tunnelgeraden ein Richtstollen gebaut werden. Die Bauleitung hatte sich verpflichtet, dem Unternehmer Favre in Abständen von zwei Kilometern in der Achse liegende Punkte zu bestimmen, auf die sich der Unternehmer für die Absteckung des Vortriebs stützen konnte. Für diese Hauptabsteckung wurden an beiden Portalen auf der verlängerten Tunnelachse (siehe Karte unten) Obervatorien erstellt. Die Tunnelrichtung wurde von speziell eingerichteten und ins Triangulationsnetz eingemessenen Visieren übernommen. In Göschenen mussten für die Sicht auf diese Visiere extra ein Visierstollen ausgebrochen werden. Bei der Messung wird der Theodolit auf die Visiere eingestellt und anschliessend das Fernrohr durchgeschlagen. Dann werden beleuchtete Zielmarken in diese Richtung eingewiesen. Die vorgesehenen Visurweiten von zwei Kilometern waren wegen Staub Rauch, Russ und Wasser wesentlich kürzer. Die Kommunikation zwischen den Messstandorten war ein grosses Problem. Eine Erleichterung wurde erst mit der Einführung von Telegraphen erreicht. Für die Messeinsätze mussten Einbauten wie Gerüste und Lehrbogen entfernt werden. Die Tunnelarbeiten wurden während diesen Kampagnen tagelang massiv behindert und Favres Unternehmung brachte dafür wenig Verständnis auf.

Das andere Ende des Stollens oder: der Blick zurück. Die Betonplatte gehört zum Strassenfundament der Kantonsstrasse, die durch Göschenen führt. Im Rücken des Fotografen bricht eine Felswand zur Göschenerreuss ab.
Über den Bau des Visierstollens ist leider nicht viel bekannt, denn wie bei den meisten der Triangulationsobjekte, die für den Bau des Tunnels gebaut oder errichtet wurden, war auch der Visierstollen nur ein Mittel zum Zweck. Allerdings ist dieser im Gegensatz zu den meisten anderen Objekten sehr gut erhalten und noch immer in fast ursprünglichem Zustand. 125 Jahre nach Eröffnung der Gotthardbahn ist der Visierstollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden, um den Pioniergeist von damals wieder aufleben zu lassen. (Abschrift der Infotafel im Visierstollen)

Der Visierstollen in Göschenen ist von Mai bis Oktober täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, die Begehung erfolgt auf eigene Gefahr.

Der Visierstollen als durchgehende Linie, gepunktet die Tunnelachse des Gotthardtunnels, der am unteren Kartenrand beginnt.

10. Oktober 2014

Neulich in 3604


Thun (… oder: Früh übt sich, wer ein Wanderer – und selbstverständlich auch eine Wanderin – werden will).

9. Oktober 2014

Ein Komiker pilgert

Hape Kerkeling: Ich bin dann mal
weg, Piper Verlag, München, 2006
Nach dem deutschen Fernsehstar Manuel Andrack («Du musst wandern» und «Wandern») gibt mit Hape Kerkeling ein weiterer Medienpromi seine Wandererlebnisse zum Besten. Kerkeling ist vor allem aus dem deutschen Fernsehen als Komiker bekannt. Diesem Umstand ist es mitunter zu verdanken, dass sein Buch «Ich bin dann mal weg» bereits im Erscheinungsjahr auf über zehn Auflagen kommt. Ein weiterer Grund des zum Verkaufsschlagers avancierten Reiseberichtes liegt darin, dass Kerkeling, wie schon die noch viel prominenteren Shirley MacLane und Paulo Coelho, über seine Erfahrungen mit dem spanischen Abschnitt des Jakobswegs schreibt.

Promis und Jakobsweg: Beide liegen im Trend und beide hinterlassen beim Rezensenten jeweils einen etwas zwiespältigen Eindruck. Man fragt sich beim Lesen des zwar unterhaltsam geschriebenen Buches immer wieder, weshalb sich Jakobspilger nebst den Wanderstrapazen auch die restlichen Bürden wie überfüllte Herbergen, streunende Hunde, mühsame Landstrassenabschnitte und dergleichen mehr antun? Auch der vorliegende Bericht handelt von genau diesem Leid, aber auch – und vor allem! – von den unzähligen Bekanntschaften, die es auf einem derart stark begangenen Weg zwangsläufig gibt. Immer wieder muss sich der Autor aus peinlichen Situationen befreien, wo man ihn als TV-Star erkennt. Allzuviel Spannendes und Wissenswertes geben aber all diese Begegnungen und Erlebnisse nicht her. Kerkeling, der schon berufeshalber komisch sein muss, empfindet denn auch die meisten dieser Wandergesellen auf seine Art komisch und schlachtet dies, mehr als einem vielleicht lieb ist, in epischer Breite aus.

Über den Jakobsweg an und für sich erfährt man wie bei den meisten Pilgerberichten – und davon gibt es mittlerweilie unzählige – nur wenig. Immerhin zieht Kerkeling drei Seiten vor Schluss doch noch ein kurzes Fazit seiner Wallfahrt: «Dieser Weg ist hart und wundervoll. Er ist eine Herausforderung und eine Einladung. Er macht dich kaputt und leer. Restlos. Und erbaut dich wieder auf. Gründlich. Er nimmt dir alle Kraft und gibt sie dir dreifach zurück. Du musst ihn alleine gehen, sonst gibt er seine Geheimnisse nicht preis.» Fragt sich bloss, ob dies nicht eine generelle Weitwandererfahrung ist, die, welchem Glauben man auch  zugeneigt sein mag, überall auf dieser Welt gemacht werden kann?

8. Oktober 2014

Bristen

Helmut Maier: Bristen, Nydegg
Verlag, Bern, 2010
Finn, Galerist und Kunstfahnder in Zürich, erhält das Angebot, einen Anschlag am Gotthard aufzuklären. Seine Auftraggeberin vermutet, dass Polizeikreise involviert sein könnten. Finn graut vor jeder Art von Gewalt. Seine Welt ist die Kunst. Seine Fälle sind unblutig, unauffällig, unspektakulär. Seine Täter sind behutsam, fingerfertig und leise. Anschläge können ihm gestohlen bleiben. Trotzdem übernimmt er den Fall. Wegen seiner Auftraggeberin, Maria Lucrezia Kienast, genannt Malu.

Finn, chronisch kompliziert, wählt ungern den einfachsten Weg. Statt sich nur um den Anschlag am Gotthard zu kümmern, lässt er sich durch seine Auftraggeberin verwirren, wühlt in der Vergangenheit ihres ehemaligen Geliebten, Arpagaus, und bereitet seiner eigenen Gefühlswelt ein ungeahntes Chaos. Er kann nicht anders. Zum Glück ist da noch Kant, sein bester Freund und Partner. «Bristen» ist ein Roman und Krimi von urban bis Uri.
(Klappentext)

JU: Freiberge SG: Wildhaus und Umgebung UR: Gotthardautobahn, Reusstal, Bristen ZH: Zürich, Pfannenstiel

7. Oktober 2014

Von einem Bier zum anderen

Karin Baseda-Maass, E1,
Verlag Buch her!, Hamburg, 2000
E1 ist nicht etwa eine Bezeichnung für eine Autobahn irgendwo in der westlichen Hemisphäre, sondern der Name des legendären Fernwanderweges, der von Schweden bis nach Italien führt. Die Hamburgerin Karin Baseda-Maass hat zusammen mit ihrem Ehemann den Weg von Schleswig-Holstein bis an den Bodensee begangen. Ihre Erlebnisse hat die Autorin auf 196 Seiten in einer im wahrsten Sinne des Wortes süffigen Art und Weisebeschrieben. Wenn in einem Wanderbericht viel Bier und Schnaps getrunken wird, dann in diesem. Zwar kommen andere Begebenheiten nicht zu kurz, doch das schon fast an ein Suchtgebaren mahnende Trinkverhalten, ist für meinen Geschmack zuviel des Guten. Demzufolge scheint der Titel des Buches «Das Buch zum Weg» etwas gar hoch gegriffen.

6. Oktober 2014

Durch und durch durch Deutschland

Dirk Brauns, Berlin–München. Zu
Fuss. Quell Verlag, Stuttgart, 1997
Da macht sich einer auf den Weg, einen Monat durch die Republik. Über Autobahnen, Landstrassen, Pfade, querfeldein. Entstanden ist so ein schonungslos ehrliches Tagebuch über Orte und Menschen im aufschwungsverstörten
Osten und wohlstandverwöhnten Westen Deutschlands. Der Bericht eines Wanderers über seine Begegnungen mit Bauern, Bürgern, Junkies und Pennern, mit Kühen, Schweinen, Hunden und streunenden Katzen. Unterwegs begegnet er drei Menschen, die ihm ausführlich ihre Lebensgeschichte erzählen: ein Melker, Jahrgang 1913; eine deutschstämmige Ungarin, Jahrgang 1925 und eine Frau, Jahrgang 1918, die einige Jahre in DDR-Haft verbrachte – Denkmale einer Zeit, die einmal war und doch immer gegenwärtig bleibt.

5. Oktober 2014

Andrack legte nach

Manuel Andrack: Wandern – Das deutsche
Mittelgebirge für Amateure und Profis,
Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2006
Da hat man soeben Hape Kerkelings «Ich bin dann mal weg» vertilgt, stellt sich einem das neuste Oeuvre von Manuel Andrack, dem anderen deutschen Fernsehstar, in den Weg. Hiess sein erstes Buch noch «Du musst wandern», hat man sich nun auf die Verknappung «Wandern» beschränkt. Zeigt Andracks erstes Buch den Autor auf dem Umschlag noch mit Rucksack, fehlt dieser auf Band zwei. Der aufmerksame Beobachter der Promiwanderszene fragt sich denn sogleich, ob sich der Kölner seit seinem äusserst erfolgreichen Erstling nun einen Sherpa leisten kann? Mitnichten. Vielmehr entführt uns der durchaus sympathische, laut internationaler Presse, «deutsche Wanderpapst», in für uns Schweizer mehr oder minder bekannte Regionen Deutschlands, Luxemburgs und Österreichs. Mal ist er alleine unterwegs, mal mit Kumpels oder dann mit Mitgliedern seiner Familie.

Andrack weckt in uns Schweizern zwar nicht unbedingt den Drang, seine Touren nachzuahmen, er hält freilich die Flamme der Wanderlust arg am Brennen. Ist es sein  Humor, die zwischendurch ernsthaft gemeinten Hintergrundinformationen oder aber die unzähligen Begebenheiten, die einem beim Wandern halt immer wieder widerfahren? Wie dem auch sei, die wachsame Leserschaft erfährt in «Wandern» unter anderem, woher das Schneewittchen stammt, was es mit der deutschen Geologie auf sich hat (ganz toll erklärt, Herr Andrack!), wie man mittels Wandern einen Nierenstein loswerden und damit eine unangenehme medizinische Behandlung vermeiden kann, weshalb man sich auf dem Rennsteig mit «Gut Runst» grüsst, wo die Vor- und Nachteile von Gruppenwanderungen liegen oder wie es an der Wanderweltmeisterschaft in Österreich zu und her gegangen ist. (Das gibt es tatsächlich, obschon das eigentlich gar nicht geht.) Manuel Andrack ist denn durchaus zu Gute zu halten, dass er sich stets auch kritisch-humorvoll mit Gesehenem und Erlebtem auseinandersetzt.

Nun noch ein Wort zur Aufmachung des Taschenbuches, das übrigens als Originalausgabe daherkommt. Die von Andrack höchstpersönlich angefertigten Routenskizzen zeugen zwar von viel Herzblut, hätten aber für den Deutschlandunkundigen noch mit einer zusätzlichen Übersichtskarte ergänzt werden sollen, damit man sich eine ungefähre Vorstellung davon machen kann, wo in Deutschland sich das bewanderte Gebiet befindet. Die Fotos, ebenfalls alle vom Autor (bis auf das Bild des nackten Hermann Hesse ...), sind zwar nicht perfekt, passen aber ganz gut zum Geschriebenen. Und zuletzt noch ein Wort zur Typografie: Im Kopf jedes Kapitels hat der Gestalter (oder die Gestalterin) sämtliche typografischen Regeln in den Wind geschlagen! Schade, aber vielleicht stört es ja lediglich den Rezensenten.

4. Oktober 2014

Zu Fuss von Flensburg nach Südtirol

Heinz Brauweiler, Im Frühtau zu Berge,
Verlag Andrea Sänger, 1993
Der 1922 geborene Autor beschreibt nicht etwa unzählige Bergwanderungen, sondern eine im Jahre 1986 durchgeführte Weitwanderung von der dänischen Grenze nach Südtirol. Das heisst, vorerst einmal 43 Tage lang durch mehr oder minder flaches Gelände, um dann am 44. Tag bei Garmisch-Partenkirchen endlich am Fusse der Berge zu stehen. Zwar werden diese am besagten Tage nicht im Frühtau, und schon gar nicht zu Fuss, erklommen. Aber das sind Details. Denn Heinz Brauweiler, so der Name unseres «Kraxelhubers» (O-Ton Autor), hat sich für seine «Sommerwanderung » quer durch Deutschland, Österreich und Südtirol eine besondere Taktik zurechtgelegt. Bei den beachtlichen Tagesleistungen von jeweils 30
und mehr Kilometern nahm sich Brauweiler vor, morgens jeweils sehr früh los zu gehen. Dass sich dies äussert gut bewährt, bekommt der oder die Lesende Seite für Seite mit. Als weitere Besonderheit muss die Planung der Route erwähnt werden. Der damals 64-jährige Frührentner aus der Eifel begnügte sich nicht mit dem Abwandern eines durchgehend markierten Fernwanderweges, sondern suchte sich die für ihn optimale Route selber. So weit, so gut.

Der Erlebnisbericht an und für sich vermittelt die immer wiederkehrenden Abläufe eines Weitwanderers, wie sie halt so üblich sind. Wetter, Unterkunft, wann, wo, wie viele Biere und dergleichen getrunken. Viel Wissenswertes über die durchwanderte Gegend hingegen kommt nicht eben rüber. Einzig ein paar Angaben über Dialekt- oder Kulturgrenzen, oder einmal einen kurzen Exkurs über ein technisches Bauwerk im Zusammenhang mit dem Mittellandkanal. Erwähnenswert hingegen die zahlreichen Episödchen, die einer derartigen Reise und letztlich dem daraus resultierenden, gedruckten Produkt die Würze geben. Dankbar nimmt man beim Lesen die Etappenkrokis und die vielen Zeichnungen mit. Die eher mittelmässigen Farbfotos am Schluss des Buches hätte man sich allerdings ersparen können.

Fazit: Trotz der Kritikpunkte ein amüsantes Buch, das in einem die Lust am Weitwandern so richtig hochkommen lässt.

3. Oktober 2014

Berlin–Moskau zu Fuss

Wolfgang Büscher: Berlin–Moskau,
Rowohlt Verlag, Reinbeck,  2003

Wenn eine Fussreise in Buchform innerhalb eines Jahres 10 Auflagen erfährt, kommt das nicht von ungefähr. Der Journalist Wolfgang Büscher ist zu Fuss von Berlin nach Moskau gelaufen. Allein. An die drei Monate. Im Hochsommer hat er die Oder überquert, an der russischen Grenze hat er die Herbsstürme erlebt und vor Moskau dann den ersten Schnee. Büscher erkundet Menschen und Orte, erzählt von einer polnischen Gräfin, die eine der geheimnisvollsten Gestalten des Zweiten Weltkriegs war; von Schmugglerinnen, mit denen er die weissrussische Grenze überquert; von einem sibirischen Yogi, den er in Minsk kennen lernt; einem russischen Freund, mit dem er in die verbotene Zone von Tschernobyl fährt; einem Priester aus Smolensk, der ihn in einem mysteriösen Wald mit roten Zauberbäumen
schickt; von seltsamen Begegnungen kurz vor Moskau sowie von einem nächtlichen Kampf. Eine abenteuerliche Reise, farbig, lebendig und fabelhaft erzählt. Ein Kultbuch im Anmarsch!

2. Oktober 2014

Der Argentinier

Klaus Merz: Der Argentinier, Fischer
Taschenbuchverlag, Frankfurt/Main,
2009
Als Lenas Grossvater kurz nach dem Zweiten Weltkrieg das Schiff nach Argentinien besteigt, fährt er dem Abenteuer entgegen, auf der Suche nach einer neuen Welt. Aber ein hartnäckiger Heuschnupfen zwingt ihn schon bald, seinen Traum vom freien Leben als Gaucho zu begraben. Stattdessen begegnet er in Buenos Aires der Kunst des Tangos – und jener der Liebe. Zwei Jahre später kehrt er zurück in die Heimat und an die Seite von Amelie, die unbeirrt auf ihn gewartet hat. Die Erinnerung an seine Zeit in der Fremde, die ihn zum «Argentinier» gemacht hat, hütet er wie einen Schatz. Erst nach seinem Tod lüftet sich das Geheimnis. (Klappentext)

AG: Irgendwo im Kanton Aargau VD: Lausanne ARG: Buenos Aires, irgendwo in Argentinien GB: Southampton

Klaus Merz, geboren 1945 in Aarau, lebt als Erzähler und Lyriker in Unterkulm/Schweiz. Er erhielt zahlreiche Preise, u.a. den Solothurner Literaturpreis 1996, den Hermann-Hesse-Literaturpreis 1997, den Prix littéraire Lipp 1999, den Gottfried-Keller-Preis 2004, den Aargauer Kulturpreis 2005, den Werkpreis der schweizerischen Schillerstiftung 2005 und zuletzt den Friedrich-Hölderlin-Preis 2012.

1. Oktober 2014

Inuktitut aqariurumavunga

Michael Vogeley, Ingrif Ferschoth-
Vogeley: Grönland mit Baffin Island,
Bruckmann Verlag, München, 1996,
vergriffen
Laut Angaben des Bruckmann-Verlags war er der erste Trekkingführer über Grönland und Baffin Island auf Deutsch. Geschrieben haben ihn Michael und Ingrid Vogeley, erschienen ist das 256 Seiten starke Buch 1996. Das Ehepaar Vogeley umreisst insgesamt 23 Touren: von der Halbtageswanderung über mehrtägige Seekajak-Törns bis zur kompletten Grönland-Durchquerung auf Skis. Dazu vermittelt der Führer einen Überblick über Land und Leute der weltweit grössten (Grönland) bzw. fünftgrössten (Baffin) Inseln der Welt. Dazu gehört unter anderem ein Mini-Kapitel über die Sprache der Inuit, dem sogenannten Inuktitut. Insgesamt existieren sechs eigenständige Eskimo-Sprachen. Das Grönländische gehört zum Inupiaq Inuktituk, das auch in Kanada, Nord- und Nordwest-Alaska gesprochen wird. Charakterisiert wird die Sprache als «polysynthetisch» und «inkorporierend».  Inkorporierend will sagen: Inuktitut ist eine lebendige Sprache, die flexibel ist im Aufnehmen neuer Begriffe. Dadurch können technische oder kulturelle Neuerungen, die das Leben verändern, sprachlich zum Ausdruck gebracht werden. Polysynthetisch beschreibt die Art, wie dies passiert, nämlich durch das Zusammenketten einer Reihe von Begriffen zu einem einzigen Wort.

Als die Walfänger ins Land kamen, brachten sie neue Dinge mit, die auch das Leben der Inuit veränderten. Worte wie Tee, Zucker, Papier wurden zu ti, sukaq, paipaq. Die Moderne brachte Begriffe wie Radio (naalaut, «von dem man etwas hört») oder Flugzeug (qangatajuq, «ein Ding, das fliegen kann»), Computer (qaritaujaq, «wie ein Gehirn»), Fax (sukatunik titiraut, «schneller Brief») oder HIV (anamaijautiqarunituq, «es gibt nicht länger gute Verteidiger im Körper gegen schlechte Infektionen»). Das im Titel erwähnte «Inuktitut aqariurumavunga» heisst übrigens: «Ich möchte Inuktitut sprechen lernen», was in meinem Fall nicht zutrifft …