29. September 2016

Ach Wallis!

Das Wallis hat wieder einmal meine hartnäckige Meinung bestätigt: Licht und Schatten wechseln sich ab im Stundentakt. Die Rede ist von unglaublich schön und potthässlich. Vergangene Woche war es, als wir vom Mattmark-Stausee nach Saas Balen gingen. Begonnen hatte es mit Licht, und zwar in zweierlei Hinsicht. Herrschte in Saas Almagell noch morgendlicher Schatten, schien die Sonne bereits auf den Staudamm der Mattmark. Der mit Geröllsteinen errichtete Damm fügt sich harmonisch in die Landschaft ein. Ein Hingucker auch das Restaurant. Ein heller Raum mit 270-Grad Panoramasicht, einem originellen Boden und schönem Mobiliar. Wir waren rundum begeistert.

Begeisterung herrschte auch auf dem Abstieg. Der Weg mied wenn immer möglich die Strasse. Noch waren die Lärchen saftig-grün, und wir stellten uns vor, wie das in einem Monat aussehen muss, wenn alles golden leuchtet. Total verzückt waren wir auf dem Abschnitt Eiu Alp–Zer Meiggeru. Märchenhafter Wald und viel grobes Geröll. Mitten hindurch ein Pfad. Traumhaft! Auf der Höhe von Saas Almagell – die Sonne hatte mittlerweile das Dorf erreicht – trübte sich das Bild. Welch ein stilloser Mix an Architektur! Wir waren froh, auf der Spazierautobahn sanft Richtung Saas Fee anzusteigen. Es herrschte «Grüezi-Verkehr» ohne Ende.

Auf dem Abschnitt zwischen Eiu Alp und Zer Meiggeru, oberhalb von Saas Almagell (VS)


Die Faust aufs Auge dann kurz vor Saas Fee: Eine vermeintliche Fata Morgana entpuppte sich als brutale Realität: das Parkhaus! Welch ein Crème-Schnitten-Beton-Fetischist von einem Architekten! Dasselbe gilt natürlich auch für die Behörde, die ein derartiges Monstrum auf 1800 Metern über Meer zum Bau frei gibt. Wäre ich an der Macht, ich hätte in Visp ein Mega-Parkhaus in den Fels treiben lassen und den Postauto-Viertelstundentakt ins Saastal  angeordnet. Und ja, ich musste gerade pausenlos an Franz Hohlers Die Riesen im Parkhaus denken.

Saas Fee autofrei? Na ja.


Nicht weniger absurd ging es  weiter. Wir teilten uns für wenige Meter den Weg mit Gestalten eines anderen Planeten. Dieser heisst bescheiden Mittel Allalin und wird von Sommerskifahrern bewohnt, die nach vollbrachtem Tagwerk per Metro und Kabinenbahn zurück zu Mutter Erde reisen. In Astronautenbekleidung, mit überdimensionierten Rucksäcken und Skis beladen schleppen sie sich durch das ehemalige Bergbauerndorf, vorbei an den typischen Stadeln aus alten Tagen. Wir kamen uns vor wie Ausserirdische auf Marsbesuch.

Und so trägt ein jeder Mensch sein Kreuz ...


Der totale Kontrast und wieder Wallis vom Feinsten 100 Meter weiter: der Kapellenweg. Er beginnt bei der Terrasse der futuristisch anmutenden Jugendherberge und war, nebst dem oben erwähnten Abschnitt Alp Eiu–Zer Meiggeru, das Glanzlicht dieser Wanderung. Ein zwei Meter breiter Weg, hoch über der Schlucht der Feevispa, zieht sich über zum Teil bemerkenswerte Gletscherschliffe hinab ins Haupttal nach Saas Grund. Kernstück des Weges bildet die 1687 errichtete Wallfahrtskapelle Maria zur Hohen Stiege. Der sonderbar proportionierte Bau wurde 1747 mit einem offenen Vorbau erweitert. Allein schon die Lage der Kapelle auf einer lauschigen Geländeterrasse ist den Abstecher wert. 77 steinerne Stufen, sogenannte Monolithstaffeln von 1704 bilden eine imposante Treppe, die zur Kapelle führt. Der Weg ist mit insgesamt 15 bildstockartigen Kapellchen aus den Jahren 1708 bis 1711 bestückt. Der Schriftsteller Carl Zuckmayer notierte dazu: «Als wir, meine Frau und ich, an einem Juliabend des Jahres 1938 mit unseren Rucksäcken den Kapellenweg von Saas Grund nach Saas Fee hinaufwanderten, wussten wir nicht, dass wir heimgingen.» Zuckmayer erwarb 1957 im Ort ein Haus. Nach seinem Tod, 1977, wurde er daselbst begraben.

Die wunderbar gelegene Wallfahrtskapelle Maria zur Hohen Stiege unterhalb des Parkhauses von Saas Fee.

Einer der insgesamt 15 Bildstöcke des Kapellenwegs. Bemerkenswert die gut erhaltene Pflästerung.

28. September 2016

Juristenfutter oder: Golfkrieg 4.0



So sympathisch dieses Glöcklein dem Wanderer erscheinen mag, so fragwürdig präsentiert sich bei genauer Betrachtung eine Situation, die hierzulande immer öfter anzutreffen ist. Die Zunahme an Golfplätzen hat dazu geführt, dass immer mehr Wanderrouten derartige Spielwiesen tangieren oder sie gar durchqueren. Überall wird vor herumfliegenden Golfbällen gewarnt und, wie oben gezeigt, auf «die Begehung auf eigene Gefahr» hingewiesen. Was nun aber, wenn ich als Wanderer tatsächlich von einem Golfball getroffen werde und Schaden nehme? Wer haftet dann? Wer ist eigentlich zuständig dafür, dass offizielle Wanderwege an derartigen Stätten vorbeiführen dürfen? Und wie kommt es, dass ich mich im gegebenen Fall «auf eigene Gefahr» in ein Gebiet begeben darf, wo scharf geschossen wird?

Der Golfkrieg 4.0 ist voll im Gang und mein Rechtsempfinden sagt mir, dass sich die Golfplatzbetreiber wohl kaum mit Glockengebimmel aus der Pflicht stehlen können, für die Sicherheit von NIcht-Golfern, die ihr Gelände queren, verantwortlich zu sein. So gesehen finde ich das Verhalten der Golfer schlicht lächerlich.

25. September 2016

Zanskar im Val d'Hérens



Sie dauerte offiziell vom 2. Juli bis zum 28. August 2016, doch die Fotos sind noch bis zum 30. September zu sehen. Die Rede ist von der «Itinérance – Exposition de photos en pleine nature» hoch über dem Dorf Evolène im Val d'Hérens. Die Route ist etwa 3 km lang, begleitet von unzähligen Fotos im Mindestformat von 2 x 3 Meter, die auf Kunststoffplanen gedruckt jeweils zwischen zwei Lärchen aufgehängt sind.

Den Ausstellungsmachern – der Fotograf bleibt in den Ausstellungsinformation leider unerwähnt – geht es darum, auf das abgelegene, nordindische Himalaja-Tal Zanskar aufmerksam zu machen. 1998 hat sich im Kanton Jura die Vereinigung Rigzen-Zanskar zur Unterstützung von Zanskar gebildet. Sie trägt auch die Hauptverantwortung für die Freiluftausstellung, deren Fotos auf beeindruckende Art zeigen, welche Faszination von Landschaft, Kultur und Menschen Zanskars ausgehen. Ich war froh, als ich vergangene Woche auf dem Abstieg vom Col de la Meina nach Evolène einen Teil der Ausstellung zu Gesicht bekam.

Schafacherweg

Der Schafacherweg im Grüsisbergwald gehört zu den Exoten, was die offiziellen Strassenschilder von Thun anbelangt. Exot deshalb, weil die wenigsten Forstwege in der Gemeinde Thun beschriftet sind.

24. September 2016

Die Steigerung

Heute von Evolène via St-Martin nach Sion getippelt. Eine sechseinhalbstündige Route mit mehrheitlich beglückenden Pfaden. Das Wandereraufkommen hielt sich trotz der unzähligen pittoresken Szenerien in argen Grenzen. Fünf Gesinnungsgenossen traf ich en route. Im Vergleich zu gestern eine eklatante Steigerung!

Zu Fuss von Passau nach Jerusalem

Friedrich Schröger: Zu Fuss von Passau nach
Jerusalem, Passavia, Passau, 1984, vergriffen
Wer pilgert heute noch von Passau oder einer anderen Stadt unserer Gegend zu Fuss nach Jerusalem? Pilger des frühen, hohen und späten Mittelalters haben es unter Lebensgefahr getan. Professor Friedrich Schröger, Lehrer des Neuen Testaments an der Universität Passau, hat es gewagt. Über die Erfahrungen, Beobachtung und Abenteuer, die er dabei gemacht und bestanden hat, erzählt er nun in seinem «Pilgerbericht»: «Zu Fuss von Passau nach Jerusalem». Er war überzeugt, dass der Philosoph Friedrich Nietzsche mit seinem Spruch recht hatte: «Das Sitzfleisch ist gerade die Sünde wider den heiligen Geist. Nur die ergangenen Gedanken haben Wert.» Er war darüber hinaus überzeugt, dass der «Wanderradikalismus» Jesu zur Nachahmung auffordert und Pilgerfahrt Einübung in das Christentum bedeutet.

Schrögers Wanderbericht ging aus unzähligen Vorträgen hervor, die er landauf, landab im Bistum Passau gehalten hat. Aber er erzählt dabei nicht nur, was er erlebt und beobachtet hat, sondern darüber hinaus ruft er Biblisches und Geschichtliches in die Erinnerung, so dass der Leser vielfältige Informationen erhält und am £Ende seiner Lektüre des spannenden Buches reich belehrt ist. Die Lektüre ist eine geistig-geistliche Teilhabe an den Erfahrungen, die Professor Schröger bei seiner Fusswallfahrt ins Heilige Land machen durfte. (Klappentext)

23. September 2016

Wanderer?

Lange Tour heute: Grande Dixence – Col de Meribé – Evolène. Tolle Landschaft, schöne Wege. Angetroffen habe ich bloss fünf Menschen. 1 Bauer, der auf seine Kühe wartete, 2 blutjunge Frauen, die eine Handvoll Kühe und Kälblein von der Alp ins Tal zum besagten Bauern trieben, dann ein Jäger in voller Montur und zuletzt noch ein junger Sportsmann (Jogging-Schuhe, Teleskopstöcke und ein Trinkfläschchen), der mich um viertel nach drei auf 1800 m nach dem Weg auf einen 2900 Meter hohen Gipfel fragte. Ich wünschte ihm «bonne chance». Und Wanderer?  Nada, nüt, nobody, nessuno, rien du tout.

Scheffelweg


21. September 2016

Madonna auf der Strasse

Ueli Brunner: Madonna auf der Strasse,
Pendo, Zürich, 1996
Er hat Hunderte von Bildern gemalt. Vom Regen aufgelöst, von Putzmaschinen verschmiert, von Lausbuben zerstört, von der Sonne ausgetrocknet und vom Wind verweht, sind sie spurlos verschwunden. Aber das Werk – von Trapani auf Sizilien über Zürich bis Brighton in England auf Strassen und Plätzen den Passanten für einige Stunden oder Tage zur Schau gestellt – hinterlässt dennoch Spuren.

Die Aufzeichnungen entwickeln sich zum Panorama des Alltags eines Strassenmalers. Wir lernen sein Handwerk kennen, erfahren, wie er die Bildmotive den örtlichen Begebenheiten anpasst – in Italien sind es religiöse Bilder, im Norden eher profane Werke –, wir werden vertraut mit den Spielregeln öffentlicher Räume, mit den Launen der Leute, die mit grossen und kleinen Spenden die Arbeit belohnen oder belächeln.

In Zürich setzt ihm die Obrigkeit zu. Er wird für seine hier ungebetene Arbeit gebüsst, die Strafzettel häufen sich. Schliesslich sitzt er im Bezirksgefängnis Andelfingen eine Haftstrafe ab. Auf Wunsch des Gefängnisverwalters malt er vor seiner Entlassung Vermeers «Mädchen mit dem Turban» an eine Wand, zur Freude der Insassen und Aufseher – und der Leser, die in diesem Tagebuch den kleinen grossen Kosmos der Welt eines Aussenseiters kennenlernen, der so bizarr und abwegig eigentlich gar nicht ist.
(Klappentext)

Auch dieses Buch ist, wie die anderen drei des Autors, in der Edition Wanderwerk erhältlich.

20. September 2016

Ich hätte mich vollfressen können

Vergangenen Samstag nahm ich mir eine Route im unteren Toggenburg vor. Mir fehlte im Rahmen des Gemeindebegehungsprojektes der Flecken Oberhelfenschwil. Also fuhr ich nach Dietfurt und schlängelte mich durch hügeliges Ambiente zur besagten Gemeinde, erfuhr dabei, dass das Restaurant Frohe Aussicht über dem Dorf einst als Kurhaus Höhg weit herum bekannt war. Oberhelfenschwil entwickelte sich bis 1950 zu einem wichtigen Luftkurort, insbesondere für kranke und kränkelnde Kinder. Heute ist das Dorf in dieser Hinsicht bedeutungslos geworden. Unzählige Einfamilienhäuser neueren Datums zieren die Skyline. Oberhelfenschwil ist bloss noch  mittelländische Agglogemeinde.

Eine unverhoffte Besonderheit erwartete mich kurz vor Bazenheid, dem Ende dieser Wanderung. Die gedeckte Letzibrücke über die Thur dient als halboffenes Lokal für Anlässe. Offenbar hatte sich eine Hochzeitsgesellschaft diesen Ort zu Nutze gemacht und bereits weiss gedeckte Tische mit leckeren Köstlichkeiten und ausreichend Tranksame hingestellt. Die Versuchung war gross, mir eines der Partybrote abzuzweigen und vom bereitstehenden Most etwas abzuzwacken, denn weit und breit war da kein Aufpasser in Sicht. Nun, ich blieb sauber und hielt die Szenerie in Bits und Bites fotografisch fest. Und was ich im Toggenburg sonst noch zu Gesicht bekam, zeigt die Fotostrecke.

Das bevorstehende Apero blieb verwaist, derweil die Zeremonie voll im Gang war.

Scherzligweg


19. September 2016

Schilfweg


Wenn einer «im Schilf steht», so die Redewendung, hat er die Orientierung verloren. Was es indes bedeutet, wenn jemand am Schilfweg wohnt, entzieht sich meiner Kenntnis.

18. September 2016

Schilthornstrasse



Das aus einem James Bond-Film weltberühmte Schilthorn (2970 m) liegt im Lauterbrunnental. Die Schilthornstrasse gehört zu der in Thun stattlichen Gruppe der Strassen mit Bergnamen. Beim ersten Fototermin war das Schild jedoch gerade in Revision. Dafür erstrahlte es ein paar Tage später in frischem Blau-Weiss.

17. September 2016

Schlossberg

Der Schlossberg verfügt über kein eigentliches Strassenschild, dafür ziert beim Zugang von Hinter der Burg dieser schöne alte Wegweiser eine Stützmauer.

16. September 2016

Schlossmattstrasse

Anlässlich meiner Begehung sämtlicher Strassen, Wege und Pfade der Gemeinde Thun habe ich auch alle Strassenschilder fotografiert. In dieser Serie unter dem Label «Thun total» präsentiere ich das Resultat. Hinter einigen Strassennamen verbergen sich interessante Geschichten, auf die ich an dieser Stelle gerne näher eingehe.

14. September 2016

Vo jungem Volch

Hans Rudolf Balmer: Vo jungem Volch,
Friedrich Reinhardt, Basel, 1961, vergriffen
Dr Bärner Lehrer Hans Rudolf Balmer isch eine vo de begabtischte u darum belieteschte Munardtdichter. Chürzlech isch är sogar mit em Literaturprys vor Stadt Bärn uszeichnet worde. I läbändigem und liecht läsbarem Bärndütsch schiuderet är us warmem Härze u mit güetigem Humor Mönsche und Sache. I der erschte und umfangrychschte Erzählig «D Sunnhaltebuebe», wachse zwe glychautrigi Buebe, wo dür nes merkwürdigs Schicksau verbunde sy, wie Brüeder uf emene Bureguet uf. Der schüücher isch am Puur sy Stammhauter, der ryfer u aapackiger isch es Ching vo arme Lüt. Mit fynem, selischem Yfüeligsvermöge wärde d Schwirigkeite, wo sech us däre Laag ergä, gschiuderet, und es wird e Lösig gfunge.

Humorvou und ergryfend isch d Gschicht vom Niggi u syner verlorene u wiedergfungnige Gyge. Köschtlech isch aber o syni trocheni Frou Bäbi, wo sech tröschtet: «Da chönn niemer nüt derfür, wen är so musikalisch syg, das syg bi Niggi e gerbte Bräschte, wie bi andere Lüt mängs angers o!»

I d Zyt vo vor öppis meh als hundert Johr füehrt die eigenartigi Erzählig «Der Flösser». Dr jung und chräftig Solothurner schaffet zersch aus Flösser uf der Ämme, wanderet de us Liebeschummer uf Amerika us, wird dört Eigetümer vo den erschte Dampfschiff uf em Missisippi u het de ändlech mit synere Wärbig Erfolg.

Dr Schluss vo däm Bändli macht e dramatischi Warnig vor der Outoraserei. «Der Lehrblätz» hätt amene junge Gieu fasch ds Läbe koschtet. O hie stuunt me wieder, wie guet sech dr Verfasser id Seeu vo jungem Vouch cha inefüele u -dänke.

BE: Bärnbiet, Ämme zwüsche Burdlef u Aare, Gerlafinge, Wynigerbärge

11. September 2016

Ou das het's ggä

Karl Walther Dähler: Ou das het's ggä,
Emmentaler Druck, Langnau, 1986,
erhältlich im Licorne-Verlag
Das Buech isch en Art es Vermächtnis. Dr Landpfarrer, Karl Walther Dähler, isch am 22. Juli 1986 im 83. Läbesjahr gstorbe. Zäh Tag vorhär het er die letschti Gschicht für das Buech fertig gschribe gha. E Tag vor sym Tod het er sogar no ds Gfeel gha, die erschte Zeichnige vo sym Sohn Jörg Ewald z gschoue. Er het sech unerchannt dranne gfröit. Sys Wärch isch volländet gsy und het ruehig chönne vo dere Wält ga.

Die Gschichte het dr Karl Walter Dähler scho lang i sym Chopf und Härz umetröölet gha; i ds Reine gschribe het er se aber ersch i syne drüü letschte Läbesjahr. Näb eigete Erläbnis mit Lüt i syne Gmeinde hei o zwo Gschichte us syr Chindheit Platz i däm Buech gfunde. «M i söll o bym Läse vo däm zwöite Band öppen einisch chönne Schmunzle!»
Us em Nachwort, gschribe vom Michael Dähler, sym Sohn, u ehemalige Thuner Pfarrer, wo leider o scho nüm unger üs isch.


BE: Eggiwil und Umgäbig, Armenanstaut Bärau

10. September 2016

Hochsommer meets Frühherbst

Handy offline, Fotokamera zu Hause. Wandern und geniessen, ohne schauen zu müssen, dafür zu dürfen. Das Antizyklische in mir bewährt sich einmal mehr. Nicht in die Alpen; nicht bei diesem Wetter! In den Jura, den Berner Jura. Auf bislang unbegangenen Wegen von Renan, dem hintersten Dorf im Vallon de St-Imier via Les Savagnières hinab nach St-Imier. Im schattigen Steilwald hoch, im schattigen Steilwald runter. Dazwischen hochsommerliche Temperaturen. Heiss und windstill. Selbst die Windturbinen auf dem Mont Crosin scheinen festzustecken. Und wenn sich eine dreht, dann im Tempo des Sekundenzeigers. Ob das zur Stromerzeugung reicht? Mir scheint, dass jedesmal wenn ich in die Gegend komme, wieder eine Turbine mehr über den Hügelhorizont ragt.

Einmal auf Métairie-Höhe angelangt, wandert es sich himmlisch-vergnügt über endlose Juraweiden. Während fünf Stunden begegnen wir keinem einzigen Wanderer. Unglaublich, aber mir egal. Die Blätter der Laubbäume verlieren langsam ihr sattes Grün. Es frühherbstelt.

9. September 2016

Die Zeit hat kein Rad

Sam Jaun: Die Zeit hat kein Rad, Cosmos,
Muri bei Bern, 2004
Lisbeth steckt beide Zeigefinger ins Mousse au chocolat, malt zwei senkrechte rot-braune Striche unter die Augen, sieht Keller einen Moment lang an wie ein weinender Clown, dann lacht sie unvermittelt übers ganze Gesicht. Schauspielerin will sie werden, an der Universität der Künste in Berlin hat sie einen Studienplatz bekommen. Anderthalb Jahre später ist Lisbeth tot. Im U-Bahnhof Tempelhof soll sie sich vor den Zug geworfen haben. Keller, ihr Patenonkel, fährt nach Berlin. Auf den Spiegelschrank in ihrer Wohnung hat jemand die Porträts einer maskierten Frau und eines maskierten Mannes gemalt. Die Augen in den Maskenschlitzen der Frau sind taubenblau wie Lisbeths, die Augen des Mannes aber hat jemand vom Glas gekratzt. (Klappentext)

BE: Biel, Stadt Bern, Interlaken, Wengen, Matten D: Berlin (Hauptschauplatz)

8. September 2016

Albert lebt auf


Schöne Überraschung in der aktuellen Ausgabe des Magazins wandern.ch: Der in der Edition Wanderwerk in diesem Frühjahr publizierte Wanderreisebericht, Wanderungen nach und in Graubünden von Julius Albert, findet seinen Niederschlag in der Rubrik «Das Wanderzitat»! Als Wiederentdecker und neuer Herausgeber dieses 1858 erschienen Buches freue ich mich ganz besonders auf diese Erwähnung, denn Alberts Wandererlebnisse haben es gerade deshalb verdient, in heutiger Zeit gelesen zu werden, weil sie die damalige Zeit in unverfälschter Sprache und auf äusserst authentische Weise dokumentieren.

7. September 2016

Das Kainsmal

Ueli Brunner: Das Kainsmal, Eigenverlag,
Zürich, 1998, erhältlich in der Edition
Wanderwerk
«Das Kainsmal» versteht sich als Ergänzung und Fortsetzung von «Madonna auf der Strasse», ist aber eine in sich abgeschlossene Geschichte. Der Autor lässt noch einmal seinen Werdegang vom Maurer zum Pilger, vom Pilger zum Strassenmaler und vom Strassenmaler zum Schriftsteller Revue passieren, bevor er mit seiner zentralen Geschichte beginnt. Abgerundet wird das Buch mit einem Kapitel über die Repression der Zürcher Polizei, die ihn wegen seiner Kreidenbilder drei Mal ins Gefängnis brachte.

Das Buch fängt dort an, wo das erste aufhört. In Trapani auf Sizilien macht der Autor Bekanntschaft mit einer jungen Frau aus seiner Heimat. Das ungleiche Paar – das Mädchen ist im Alter seiner eigenen Töchter – malt zusammen ein Bild auf die Strasse, und bald vergisst der Vagabund sein Prinzip, alleine durch die Welt zu reisen. «Den verlorenen Söhnen und Töchtern eine glückliche Heimkehr!» steht im Sinne einer Widmung zu Beginn des Buches. Jasmin war vor Jahren aus dem Elternhaus ausgebrochen und mit einem Freund nach Sizilien geflohen. Die lange Reise zurück in die Schweiz, während der der Vagabund sich zum aufdringlichen Liebhaber wandelt, entwickelt sich für das Mädchen zu einer schwierigen Suche nach Heimat und Familie. (Klappentext)

Ueli Brunners Zweitling liest sich spannend-süffig und ist Tagebuch, Reisebericht, Roman und Behördenkritik in einem. Was die Lektüre so aussergewöhnlich macht, ist der Mensch Ueli Brunner, der sich als malender Strassenkünstler durch die Städte Süditaliens tingelt, und dies erst noch mit spezieller Begleitung. Auch 18 Jahre nach Erscheinen immer noch lesenswert und zum Glück aus erster Hand zu erwerben.

6. September 2016

Sefinental

Blick aus dem hintersten Sefinental nach osten zu Eiger, Mönch und Jungfrau


Kaiserwetter im Berner Oberland. Von Mürren via Gimmelwald hinein ins wunderbare Sefinental. Bei der Chilchbalm der gigantische Talabschluss, einst vergletschert, heute nur noch eine Sinfonie in Stein. Vorerst im Rücken, dann vor Augen: Eiger, Mönch und Jungfrau aus ungewohnter Perspektive, umgarnt von Mini-Föhnwolken. Abstieg dann nach Stechelberg. Glücklich.

3. September 2016

Schubertstrasse

Im Gegensatz zu Johannes Brahms, weilte Franz Schubert nie in Thun. Ob sich die Schubertstrasse indes auf Franz Schubert bezieht, und wenn ja, weshalb?, wäre Gegenstand vertiefter Abklärungen. Mal schauen, ob ich etwas herausfinde.

2. September 2016

Warum seisch nüt?

Heinz Stauffer: Warum seisch nüt?
Cosmos, Muri-Bern, 1991
Dr Kontakt isch gstört. Strom isch zwar vorhande, aber wie steckt me dr Stecker ii? Dr Bärnhard gloubt, är sig geng dr Löu im Umzug u gheit drum dür sys Misstroue geng wie töifer id Einsamkeit. Är suecht Zueflucht im Aukohou. D Ruth schwankt zwüschen Uflehnig u Resignation, zwüsche Flucht- u Hiufsimpulse. Sie möchte sech rette u doch dr Partner nid ufgää.

Dr Heinz Stauffer verzichtet i syre emotionale Gschicht bewusst uf Kommentar uf moralischi Belehrige. Viu meh überloht ärs em Läser, sys eigete Nochedänke u z Läse zwüsche de Zyle z aktiviere, was dr Nachhautigkeit vo deren Erzählig nume guet tuet.

Schulhausstrasse