30. Juni 2013

Häbet nech am Bänkli


D Blogläsere Monika het mir vor zwone Wuche das Föteli per Meil lo zuecho. Gseh het d Fotografin das Bänkli vor der Filiale vo der Sanggauer Kantonaubank z Bad Ragaz. Die zwe Manne erinnere e chly a die Zyt, vo sech die Mehbessere ufere Sänfte dür d Gägend hei lo träge. Wo me du de Sänfte het afo vier Redli  verpasse, si nodisno aui zu Mehbessere worde. Aber no besser isch, wär zfuess geit. Gäuit.

28. Juni 2013

Fangschuss

Unter dem Label Schauplätze präsentiere ich in lockerer Folge Schweizer Belletristik mit Schauplätzen, die sich nach der Romanlektüre bestens zu fussgängerischen Vororterkundungen eignen.

Vijay Kumar ist dreißig Jahre alt, indischer Abstammung, frischgebackener Privatdetektiv − und schon desillusioniert: Seine erste Auftraggeberin ist eine anstrengende Frau, die ihre Katze vermisst. Indischer Whisky und eine gehörige Portion Selbstironie helfen ihm, aufkommende Zweifel an seiner Berufswahl zu verdrängen.
 

Sunil Mann: Fangschuss
Grafit, Dortmund, 2010
Doch auch sein zweiter Auftrag ist weder lukrativ noch Glanz und Ruhm versprechend: Die junge Ness macht sich Sorgen um ihren Freund, den Drogendealer Philipp. Lustlos hört sich Vijay in der Szene um und merkt erst, als er über eine Leiche stolpert, dass er längst selbst in Gefahr schwebt. Eine Jagd beginnt − durch das noble Zürcher Bankenviertel bis in die Einsamkeit einer Berghütte. (Klappentext)

Graubünden: Marmorera, Fiktives Seitental bei Marmorera, Oberhalbstein, St. Moritz

Zürich: Kreis 4 insbesondere die Langstrasse, Wollishofen und weitere Stadtteile Zürichs

26. Juni 2013

Von 89 auf 14

Beim Stöbern in meinem Fundus an topographischen Karten bin ich vor ein paar Tagen auf die fünfte Ausgabe der Ordnance Survey «One-Inch» Map Southhampton, Portsmouth and the Isle of Wight gestossen. Ich musste sie wohl 1985 während meines Sprachaufenthaltes in Bournemouth erstanden haben. Die erste Ausgabe des Blattes datiert aus dem Jahre 1936. Wann die vorliegende Karte erschienen ist, habe ich leider nicht ausfindig machen können.

Allein dieser Umschlag war den Kauf wert.

Beim Kartenstudium ist mir aufgefallen, wie dicht das damalige Bahnnetz im Süden Englands gewoben war. Alleine auf der Insel Wight existierten vier (!) verschiedene Bahngesellschaften, die zusammengerechnet eine Streckenlänge von 89 Kilometern betrieben.

Eisenbahn-Paradies Isle of Wight: Karte aus dem Jahre 1914. Quelle: wikipedia

Den meisten Bahnlinien auf der Insel Wight erging es indes nicht anders als jenen auf der Hauptinsel. Das Aufkommen des motorisierten Privatverkehrs sowie der Niedergang gewisser Industriezweige führten zwischen 1952 und 1966 zur Stilllegung von 75 Kilometern. Von den einst stolzen 89 Bahnkilometern sind auf Wight heute nur noch deren 14 in Betrieb. Den Fahrgast erwarten unter anderem Londoner U-Bahnzüge mit Baujahr 1938! Und seit 1971 dampfen auf einer 8,9 Kilometer langen Museumsbahn wiederum Züge durch die Gegend. Die Existenz der öffentlich genutzten Strecke ist zumindest bis 2017 gesichert. Für die Zeit danach stehen verschiedene Ideen zur Diskussion. Man darf gespannt sein, wie sich das Bahnpionierland entscheidet.

Ausschnitt aus der antiquarischen Karte im Massstab 1:63'360. Newport war mit vier abgehenden
Linien der Bahnverkehrsknoten der Isle of Wight.

Heutige Situation von Newport. Von Eisenbahnen keine Spur! Ausschnitt aus der OS-Karte 1:50'000

24. Juni 2013

Zur Wiege dreier Religionen

Heute vor genau drei Jahren, am 24. Juni 2010, brechen Johann Aschauer, Otto Klär und David Zwilling im oberösterreichischen Arbing zu einer 4500 Kilometer langen Pilgerwanderung nach Jerusalem auf. Aschinger und Klär, zwei Polizisten; Zwilling, ehemaliger Abfahrtsweltmeister und Slalom Silbermedaillengewinner von 1974. Klär und Zwilling, zwei schon etwas in die Jahre gekommene Herren; Aschauer, der Benjamin, Routenplaner und zugleich Autor des 384 Seiten starken Erlebnisberichtes Auf dem Jerusalemweg.

Johannes Aschauer: Auf dem Jerusalemweg
Styria regional, Wien, 2011, 384 Seiten

In schnörkelloser Sprache erzählt Johannes Aschauer vom Pilgeralltag in Ländern wie Ungarn, Serbien, Mazedonien, Kosovo, Griechenland, der Türkei, Syrien, Jordanien und Israel. Auf der schier endlosen Route folgt das Trio den antiken Spuren von Paulus oder den mittelalterlichen Stationen der Kreuzzüge. Die Rede ist freilich immer wieder von den herzlichen und weniger herzlichen Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung, mit kirchlichen und staatlichen Würdenträgern, streunenden Hunden oder Polizeibeamten. Der grösste Wunsch der drei ist es, kurz vor Ende der Pilgerreise der mitternächtlichen Weinachtsmesse in Bethlehem teilnehmen zu können. Ob es ihnen gelingt, sei hier nicht verraten.

Einen äusserst speziellen Aspekt des Projektes bildet der 500 Kilometer lange Abschnitt durch Syrien, für den die Pilger insgesamt einen Monat benötigen.Was 2010 offenbar ohne grössere Probleme möglich war, ist seit dem Bürgerkrieg völlig undenkbar. Von hilfsbereiten Menschen, egal welchen Glaubens, schreibt Aschauer über die Bewohner Syriens. Und von der Millionenstadt Aleppo: «Aleppo erweckt in uns einen recht sicheren Eindruck, ist wie alle arabischen Städte etwas chaotisch und zeigt sich im Gegensatz zum Gebiet ausserhalb der Stadt als überraschend sauber.»

Klickt man sich derzeit bei Google unter dem Suchbegriff Aleppo durch die Bilder, kommen dem Betrachter die Tränen. Ältere Bilder zeigen eine wunderschöne Stadt, aktuelle Fotos eine Metropole in Schutt und Asche vermengt mit Leichen. Leichen. Leichen.

23. Juni 2013

Am Grund des Sees

Unter dem Label Schauplätze präsentiere ich in lockerer Folge Schweizer Belletristik mit Schauplätzen, die sich nach der Romanlektüre bestens zu fussgängerischen Vororterkundungen eignen.

Andrea Fazioli: Am Grund des Sees
btb Verlag, München, 2009
Ein Dorf in den Tessiner Bergen: Nach 20 Jahren soll der Stausee, der damals gegen die Proteste der Bevölkerung entstand, erweitert werden. Doch dann werden plötzlich kurz nacheinander der damalige Bürgermeister und ein Ingenieur ermordet. Die Polizei glaubt an einen Racheakt. Dringend tatverdächtig: der eigenbrötlerische Privatdetektiv Elia Contini. Er war noch ein kleiner Junge, als sein Elternhaus geflutet und dem ehrgeizigen Projekt geopfert wurde. Sein Vater ist seitdem verschwunden. Um den wahren Mörder zu stellen, muss Contini herausfinden, was damals wirklich geschah … (Klappentext)

Tessin: Bellinzona, Biasca, Chiasso, Locarno, Lodrino, Lugano, Malvaglia Dorf,
Malvaglia Stausee, Mendrisio, Monte Ceneri

Grossbritannien: British Virgin Islands

21. Juni 2013

Unité de doctrine


Ausgerechnet dort, wo dieser Grenzstein steht, musste ein Bänkli hin. Die Konsequenz waren zwei Bänkli. Ein aargauisches, links im Bild und ein baselbieterisches, rechts im Bild. Gesehen habe ich dieses Seznario in der Nähe von Buus (BL), anlässlich meiner Umrundung des Kantons Aargau. Beeindruckend, dass beide Kantone dasselbe Modell in gleicher Ausführung gewählt haben. So nahe der Grenze herrscht ausnahmsweise unité de doctrine.

19. Juni 2013

Des Bilderrätsels Lösung

Im Blog vom 16. Juni fragte ich nach der Lösung eines Bilderrätsels. Voilà, hier ist sie, die Lösung:


Das linke Nasenloch dieser stolzen Kuh, fotografiert auf der Alp Untere Euschels (FR) oberhalb des Schwarzsees. Ich danke all jenen, die mitgerätselt haben.

17. Juni 2013

Kretinismus auf dem Abendberg

Därligen–Abendberg–Saxeten–Wilderswil. Diese Route ging ich vergangenen Samstag und empfehle sie hiermit wärmstens. Vom Thunersee über den Ausläufer des Därliggrates ins Saxettal und daselbst dem ominösen Saxetbach entlang hinunter nach Wilderswil. Den Aufstieg zum Abendberg legte ich im Waldschatten zurück. Es wartete ein Bergweg mit Ketten- und Stahlseilsicherungen und atemberaubenden Blicken auf den Thunersee, das Bödeli, das Saxettal und die Ewigschneeberge der Jungfrau-Region. Auf dem Abendberg steht ein ehemals gediegener Hotelkasten. Er ist zwar noch bewohnt, und dem Wanderer werden auf Wunsch Getränke in Pet-Flaschen serviert. Das Anwesen macht freilich einen ziemlich desolaten Eindruck. Darüber mag auch der umfassende Panoramablick nicht hinweg täuschen. Dennoch betätigte ich die Klingel, verlangte nach dem Service und machte es mir bei einem Rivella rot und vier vierbeinigen Katzen unter einer Platane gemütlich.

Fahrzeuglastig: Auf der Nordseite des ehemaligen Kurhotels stehen unzählige Motorfahrzeuge herum. Weshalb?

Romantisch: Die ehemalige Kurhausterrasse auf dem Abendberg lädt zur gemütlichen Rast.

Sympathisch: Nach schweisstreibendem Aufstieg auf den Abendberg, ein kühles Getränk vom Gastgeber und ein Sandwich aus dem eigenen Rucksack.

Der Abendberg ist eng mit dem Schweizer Arzt Johann Jakob Guggenbühl verknüpft. Er widmete sich im 19. Jahrhundert dem Kretinismus, einer angeborenen Schilddrüsen-Fehlfunktion, der sogenannten Hypothyreose. Guggenbühl gründete auf dem Abendberg eine Heilanstalt für an Hypothyreose erkrankte Kinder. Der Arzt ging davon aus, dass die Ursache der Krankheit in regionalen, klimatischen Bedingungen sowie schlechten hygienischen Zuständen zu suchen sei. Mittels Höhenluft, Reinlichkeit, Diät, medizinischer Behandlung sowie richtiger Erziehung, wollte Guggenbühl auf dem Abendberg dem Kretinismus beikommen. Eine Fehleinschätzung, wie spätere Forschungen und Behandlungsmethoden zeigten. Dennoch machte sich damals der Abendberg in der Ärzteszene einen namhaften Ruf.

Bevor Guggenbühl  ab 1841 den Abendberg für seine Zwecke nutzte, bestand eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt. Später entstand ein Kurhaus mit über 30 Zimmern. Die Gäste gelangten auf einem zweistündigen Maultierritt zum Abendberg hoch. Nach der Blütezeit in den 1940er-Jahren verlor der Ort mehr und mehr an Bedeutung. Eigentlich schade, denn die ausserordentlich ruhige Lage wäre prädestiniert für ein Romantikhotel im wahren Sinne des Wortes.

Niedlich: Eine der unzähligen, zutraulichen Katzen auf dem Abendberg.

Prominent: Die Aussicht von der Abendberger Kurhausterrase bietet unter anderem die Schynige Platte, das Schreckhorn sowie die Eigernordwand und den Mönch.

Desolat: Das ehemalige Kurhaus auf dem Abendberg ist in einem miserablen Zustand. Im Vordergrund der ehemalige Speisesaal. Er dient heute als Abstellkammer für allerlei Krempel.

Empfehlenswert: Die Bergwanderung von Därligen nach Wilderswil verläuft meist im Wald, bietet aber trotzdem zahlreiche Ausblicke in alle Richtungen und einen Weg, der mitunter Trittsicherheit und eine kleine Portion Schwindelfreiheit erfordert.


14. Juni 2013

Mordswein

In einer neuen Serie unter dem Label Schauplätze präsentiere ich in lockerer Folge Schweizer Belletristik mit Schauplätzen, die sich nach der Romanlektüre bestens zu fussgängerischen Vororterkundungen eignen. Den Beginn macht heute der in Bern beheimatete Paul Lascaux, alias Paul Ott.

Am Jurasüdfuß in der beschaulichen Winzerregion zwischen Bielersee und Neuchâtel sterben innerhalb von einer Woche zwei Vertreter der Staatserhaltenden BürgerPartei SEBP unter mysteriösen Umständen: Hubert Welsch wird in einer Wolfsfalle gepfählt, Henri Knecht erliegt auf der Terrasse des Centre Dürrenmatt in Neuchâtel einem gezielten Schuss aus einer Pistole. Zunächst wird ein politischer Hintergrund vermutet. Die Ermittler der Berner Detektei Müller & Himmel finden jedoch heraus, dass es um weitaus mehr geht. Und dann taucht in einer Zeitung eine Todesliste auf, die weitere Opfer ankündigt … (Klappentext)

Paul Lascaux: Mordswein, Gmeiner,
Messkirch, 2011

Bern
Bern
Biel
Erlach
Gaicht
Ligerz
St. Petersinsel
Schernelz
Tessenberg
Twann

Neuenburg
Neuenburg, Centre Dürrenmatt
Champ du Moulin

13. Juni 2013

Besiloo und die Kelly Family


Was sehen Sie? Einen Baumstrunk, ein Bänkli, Wiesen, Bauernhäuser, Wälder, Wolken, Dörfer, Voralpen, Alpen. Und was sehen Sie nicht? Genau, die Vorderseite der Rückenlehne der Bank. Denn genau um diese Vorderseite der Rückenlehne der Bank dreht es sich hier. Also, gehen wir ein paar Schritte Richtung Baumstrunk, Bänkli,  Wiesen, Bauernhäuser, Wälder, Wolken, Voralpen, Alpen und drehen uns um 180 Grad. Wir sehen Folgendes:




Die Aufschrift Dorfverein Habstetten sowie, am rechten Rand der Vorderseite der Rückenlehne der Bank, eine kleine, silbergraue Plakette. Was wir nicht sehen ist, was auf dieser kleinen, silbergrauen Plakette eingraviert ist. Als meine verehrten Blogleserinnen und -leser möchte ich Ihnen die Gravur natürlich nicht vorenthalten:



Hübscher Flurname, dieses Besiloo. Aber bitte fragen Sie mich nicht, was er bedeutet. Die Nummer 9 hingegen, deutet auf das Vorhandensein weiterer Bänkli dieses Dorfvereins hin. Und so kommen wir der Sache langsam auf den Grund. Das Dorf Habstetten bei Bern ist ein Ortsteil der Gemeinde Bolligen. Besagter Verein zeichnet als Initiant und Eigentümer von insgesamt 22 Aussichts- und Ruhebänkli rund um die Ansiedlung. Das Bänkliwesen ist wichtiger Bestandteil des Vereinslebens, denn zweimal pro Jahr – im Frühling und im Herbst – werden die netten Grünen gereinigt. Von 2007 bis 2012 erfolgte gar eine Gesamtsanierung. Wir sehen, die Habstetter haben ihre Bänkli sehr lieb. Dies beweist auch die grosse Bänkli-Dia-Show auf der Vereinswebsite. Und wer beim Anschauen die Lautsprecher einschaltet, wird mit sanften Klängen der Kelly Family begleitet. Himmlisch!

10. Juni 2013

Vom Ludnung zum Lurnig

Topografische Karten sind nicht nur zusammenfaltbare Landschaften, sie bieten auch eine unglaubliche Fülle an Informationen. Als virtuelles Vögelchen über Täler, Berge, Seen, Wälder, Städte, Dörfer, Gletscher, Flüsse, Rangierbahnhöfe, Atomkraftwerke, Flusskraftwerke, Autobahnkreuze, Flugplätze, Mülldeponien, Einfallstrassen und Ausfallstrassen, Skigebieten, Gewerbezonen, Staumauern, Kanälen, Tunnel, Viadukte, Äquadukte, Forschungszentren, Rebhänge, Inseln, Nordwände, Südwände, Fussballplätze, Hochöfen, Sumpfgebiete, Obstbaumkulturen, Sprungschanzen, Aussichtstürme, Starkstromleitungen, Schulhäuser, Kirchen, Friedhöfe, Quellen, Dolinen, Sommerrodelbahnen, Golfplätzen, Häfen, Militärflugplätzen, Schwebebahnen, Schluchten, Bergseen, Bergstürzen, Findlingen, Moränen, Schlösser, Ruinen, Burgen, Exklaven, Enklaven, Umfahrungsstrassen, Wanderwege, Karrwege, Saumwege, Fusswege, Wegspuren, Quartierstrassen, Unterführungen, Überwerfungen, Grenzsteine, Kirchen, Wegkreuze, Bildstöcke, Mühlen, Grabhügel, Höhlen, Rinnen und Runsen zu fliegen, ist für mich ein Genuss sondergleichen. Hierbei bediene ich mich oft und gerne älterer Karten, wie just an jenem Tag, als ich das Blatt 263 «Wildstrubel» aus der Kartenkiste zückte. Es datiert aus dem Jahre 1966 und kostete damals 4 Franken 50. Zum Vergleich: Heute schlägt ein Blatt im Massstab 1:50'000, wie z.B. das Blatt «Wildstrubel» mit 14 Franken zu Buche.

Das Blatt von 1966

Bei genauerer Betrachtung stellte ich fest, dass mir etliche Gipfel- und Flurbezeichnungen so nicht geläufig waren. Entweder war die Schreibweise eine andere oder aber der Name. Also begann ich mit den Blättern von 1980 und 2010 zu vergleichen. Und siehe da: Ortsbezeichnungen auf der Landeskarte der Schweiz wandeln sich mehr als man denkt. Dies mag verschiedene Gründe haben. Mundart versus Hochdeutsch, Fehlerhafte Quellen, oder unterschiedliche, mundartliche Sprechweisen, da bekanntlich jedes Tal eigene Dialektausdrücke kennt. Zur Veranschaulichung der Sachlache, hier ein paar Beispiele:

Ausgabe 1963 Ausgabe 1980 Ausgabe 2010
Bonderspitz Bunderspitz Bunderspitz
Dürrenwaldhorn Flöschhore Flöschhore
Erbethorn Erbithorn Erbithore
Fluhhorn Flueseehöri Flueseehöri
Giferhorn Giferspitz Giferspitz
Iffigental Iffigtal Iffigtal
Keibihorn Cheibehorn Cheibehore
Kleinhörnli Chlys Hüri Chlys Hüri
Krinnen Chrine Chrine
Kühdungel Chüetungel Chüetungel
Langermatten Ritzmad Langermatte
Lauenenhorn Lauenehore Louwenehore
Lauenensee Lauenensee Louwenesee
Ludnung Lurnig Lurnig
Pommerngrat Bummeregrat Bummeregrat
Regenbolshorn Regenboldshorn Rägeboldshore
Reulisenhorn Rüwlishore Rüwlishore
Rüggentäli Rügge-Tälti Rügge Tälti
Schlauchhorn Schluchhorn Schluchhore
Tauben Tube Tube
Türmlihorn Türmlihorn Türmlihore
Vollhorn Follhore Follhore
Walliser Windspillen Walliser Wispile Walliser Wispile
Wannenhörnli Wannehörli Wannehörli
Winterhorn Winterhorn Winterhore
Zayetahorn Tschajetuhorn Tschajetuhorn

In der Zeit von 1963 bis 1980 hat sich eine grundlegende Änderung ergeben. Die deutsche bzw. eingedeutschte Schreibweise wich der Mundart bzw. einer mundartlichen Benennung. Diese wiederum erfuhr bis 2010 in einzelnen Fällen kleinere Anpassungen – weshalb auch immer. Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass die deutsche Schreibart mehr und mehr verschwindet. Dass es sich bei Orts- und Flurnamenbezeichnungen in Landkarten um ein regelrechtes Politikum handelt, verdeutlicht die Website der Hochschule für Technik in Rapperswil (SG). Falls es Leserinnen und Leser dieses Blogs geben sollte, die noch kein Hobby haben, bitte, das wär eines!

PS. Selbst die Kartenmacher sind in all den Jahren nicht vor Namensänderungen verschont geblieben. Nannte man sich 1963 noch Eidgenössische Landestopographie, so wurde später die Bezeichnung Bundesamt für Landestopographie eingeführt. Seit mehreren Jahren nun: Bundesamt für Landestopografie swisstopo.

9. Juni 2013

Winter im Schlund

Gestern, fulminante Bergfrühlingswanderung über dem Schwarzsee (FR). Geplant war die grosse Breccaschlundrunde. Doch daraus wurde nichts. Noch liegt auf den oberen Alpen zuviel Schnee: drei Wochen Rückstand auf die ordentliche Sömmerung. Selbst in den soeben eröffneten Bergbeizen der unteren Alpen war noch keine Milch verfügbar, da die Tiere erst am Abend wieder gemolken wurden. Der erste schöne Samstag seit Pfingstmontag lockte indes unzählige Wanderer in die Gegend. Darunter erstaunlich viele junge Wanderinnen, meist paarweise unterwegs. Für einmal glaubte ich an den viel proklamierten Wandertrend. Ob es am Sessellift vom Schwarzsee auf die Riggisalp lag? Für einmal leistete ich mir nämlich den Luxus, mich per Bahn in die Höhe befördern zu lassen. Nebst den Wanderern gab es oben noch die Fun-Leute. Auf sogenannten Monster-Trottinetts – das Angebot nennt sich Monster-Trottikick – kickte sich das Spassvolk über Alpwege talwärts. Ich fand den Anblick vor beschaulicher Bergkullisse und inmitten spriessender Frühlingsblumen lachhaft. Doch urteilen Sie selber!

Monster-Trottikickers auf der Riggisalp (FR). Im Hintergrund der Chörblispitz und die Spitzflue.
Rechts der winterliche Abschluss des Breccaschlund.

7. Juni 2013

Der Schamane von Bollingen

Der Titel dieses Eintrags stammt nicht von mir. Entdeckt habe ich ihn an einer Infotafel in Bollingen (SG). Ausserhalb des kleinen Dorfes am Obersee lebte einst der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung (*1875 †1961). Von 1922 bis 1955 baute er mit zwei einheimischen Helfern, sein zwischen See und Uferweg gelegenes, mittelalterlich anmutendes Turmhaus. Jung bezeichnete sein Refugium als «Ort der Reifung – ein Mutterschoss».

Ohne diesen Hinweis wäre ich wohl achtlos an dem Grundstück vorbei gegangen, ja, ich hätte das versteckt gelegene Schlösschen vermutlich nicht einmal wahr genommen. Der Name Bollingen findet sich übrigens auch im renommierten, von der Yale University in New Haven vergebenen Literaturpreis, «The Bollingen Prize for Poetry», wieder. C.G. Jung sei's gedankt!

Hinter Scheiterbeigen, Bäumen und Sträuchern versteckt. C.G. Jungs Refugium bei Bollingen (SG)




6. Juni 2013

Der Robin Hood aus dem Aargau

Unweit des Wasserschlosses von Hallwil (AG) kam ich kürzlich auf Seengener Gemeindeboden an einem ehemaligen Richtplatz vorbei. Vier Linden bilden hier ein Geviert, mittendrin liegt ein Findling. Nach genauer Betrachtung entdeckte ich drei in Stein gemeisselte Wappen.

Oben links das Berner Wappen, rechts das Wappen der Familie von Hallwyl und unten jenes der Gemeinde Seengen. Richtplätze – auch Richtstätten genannt – dienten bis ins 19. Jahrhundert an gut sichtbarer Stelle und meist mit einem Galgen versehen, zur Vollstreckung von Todesurteilen. In der Regel liess die Obrigkeit die Erhängten noch eine Weile an der Richtschnur baumeln. Zur Abschreckung des Fussvolks und zur Freude der Krähen und Raubvögel. Wurde der Verwesungsgeruch der zu penetrant, verscharrte man die Gepeinigten oft nahe des Richtplatzes in ungeweihter Erde.

An der Wanderroute Lenzburg–Schloss Hallwyl gelegen: Richtplatz von Seengen (AG)

Dem Aargauer Bernhart Matter, blühte nach 40 Einbrüchen mit einer Beute von rund 230'000 Franken eine subsummierte Kettenstrafe von 39 Jahren. Als dieser nach etwas über drei Jahren bereits sechs Ausbrüche auf dem Kerbholz hatte, verhängte die damalige Justiz über Matter die Todesstrafe. Die öffentliche Enthauptung fand am 24. Mai 1854 auf  der Lenzburger Richtstätte Fünflinden statt. Die Härte des Strafmasses blieb indes nicht ohne Wiederhall. Die Schweizer Presse sprach von einem Skandal. Heftige Diskussionen waren die Folge mit dem Resultat, dass 1864 die Todesstrafe abgeschafft und im Schloss Lenzburg ein sichereres Gefängnis eingerichtet wurde . Bernhart Matter war also der letzte zum Tode verurteilte Mensch im Kanton Aargau. Daher auch Matters Übername «Robin Hood des Aargaus».

In seinem Chanson «Bärnhard Matter» besingt der Berner Troubadour Mani Matter seine angebliche Verwandtschaft mit dem Geköpften. Interessant dabei: Bernhart wurde in Muhen (AG) geboren, Manis Heimatorte waren nebst Basel, das aargauische Kölliken. Mani Matter ein Papier-Aargauer! Sachen gibt's.

5. Juni 2013

Die Kantonalbank


Ja ja, es war bloss eine Frage der Zeit, bis sich diese Konvergenz einstellte. Gesehen habe ich das Kantonalbänkli vor ein paar Tagen auf dem Tennisplatz von Les Charbonnières im Vallée de Joux (VD).

4. Juni 2013

Der Kolumnenhund


Das ist Emil. Der elfjährige Jack Russell Terrier findet immer mal wieder Erwähnung in Thomas Widmers Tages-Anzeiger- und Bund-Wanderkolumne, wie auch Hürzi, Emils Herrchen, der mir kürzlich über Emils Schilddrüsenkrebs erzählte. Beeindruckend, wie gut sich der Hund von seiner Erkrankung und der erfolgten Behandlung erholt hat. Emil läuft und läuft und läuft.

3. Juni 2013

Irrenanstalt und Überlandtram

Schade, gibt es für antiquarisch erstandenes Gut wie Bücher und Karten keine History-App, ein Computerprogramm also, dass mir darüber Auskunft gibt, durch welche Hände der Gegenstand bereits gegangen ist, in welchen Regalen, Kisten und Schubladen er jahrelang vor sich hin wartete, bis ihn jemand ins Brockenhaus oder Buchantiquariat gebracht hat. Als häufiger Gast in den oft mit klassischer Musik beschallten Räumen bibliophiler und kartografischer Genüsse, stelle ich mir die Vergangenheitsfrage immer mal wieder. Zuletzt im Thuner Hiob, als ich für zwei Franken eine Touristenkarte für den Kanton Schaffhausen erstand.

Gekonnt umgesetzte 1940er-Jahre-Typografie mit
einer Mischung aus Grotesk- und Frakturschrift und
einem bitteren Dritte-Reich-Beigeschmack.

Allein die typografische Aufmachung des Umschlages gefiel mir derart, dass ich ohne einen Blick in das Blatt zu werfen, den Kaufentschluss fasste. Selbstverständlich faltete ich zu Hause den 74 x 75 cm grossen Lappen auseinander. Statt des erwarteten Modergeruchs schwappte mir eine süssliche Parfümwolke entgegen. Zu meiner Freude war die Karte in tadellosem Zustand, ja, so schien mir, sie wurde wahrscheinlich gar nie gebraucht.

Da schlägt das Nachkriegs-Touristenherz höher:
Eine Karte im Massstab 1:50'000 zeigt empfohlene Wanderrouten.

Sogleich machte ich mich an die Lektüre, denn Karten, egal welchen Alters, sind wahre Geschichtsbücher. So ist zum Beispiel die damals noch rege frequentierte Überlandtramlinie Schaffhausen–Schleitheim–Stühlingen (D) eingezeichnet. Auf dem gezeigten Ausschnitt ist sie mit Querlinien dargestellt. Das ehemalige Kloster Rheinau ist mit Heilanstalt betitelt, die neueren Gebäude mit Irrenanstalt. Heute absolut undenkbare Begriffe. Vom deutschen Singen nach Beuren ist eine Normalspurbahn ersichtlich, von der ich bislang nichts gewusst habe. Und dreimal darf man raten, ob es damals in der Region schon Autobahnen gab.

Interessant auch die Legende zu den in brauner Farbe gedruckten Wanderrouten: Empfehlenswerte Wanderwege (teilweise markiert). Aufgrund des erst kürzlich zu Ende gegangenen Zweiten Weltkrieges war in der unmittelbaren Zeit danach das Wanderwegnetz noch nicht wieder vollständig auf Vorkriegsniveau instand gestellt. Die Wanderinfrastruktur war damals nicht derart durchorganisiert wie dies heute der Fall ist. Viele Überlandstrassen wiesen überdies weder ein grosses Verkehrsaufkommen noch Hartbelag auf, weshalb sich der Gang zu Fuss nicht selten auf diesen Strassen abspielte.

Das im Massstab 1:50'000 gehaltene Blatt basiert übrigens auf der Siegfriedkarte im Massstab 1:25'000 und wurde am 13.12.1946 von der Eidgenössischen Landestopographie zum Druck frei gegeben.

2. Juni 2013

Unwiderstehlich


Gestern stand die 18. von insgesamt 20 Etappen meines Projektes «Aargau Rundum» auf dem Programm. Und ja, den Aargauer Standortmarketingleuten ist mit ihrem Slogan Zugkraft Aargau voll und ganz zuzustimmen. Selbst das obermiese, hundslausige und himmelschreiende Hudelwetter vermochten  Pilgerbruder Bruno und mich nicht vom Gang durch die Dschungelhölle zwischen Rhein und Aare abhalten. Sehen und lesen Sie selber hier!

Dreiplätzer mit Stil

Bloggen schärft den Blick für das Ungewöhnliche. Und ganz offensichtlich bewirkt es bei meinen Blogleserinnen und -lesern dasselbe, wie M.Sch. aus Sch. beweist, die mir letzthin ein Bild aus dem Luzernischen zukommen liess. 10 Punkte für diese originelle Eigenkreation in der Nähe von Schwarzenberg!