1. November 2020

Schottlandreise

Henry Vollam Morton: Schottlandreise, Societäts-
Verlag, Frankfurt/Main, 1979
Ein Engländer bricht zur Reise nach Schottland auf. Ein paar hundert Kilometer sind es von London nach Edinburgh, aber schon an der Grenze weiss er: Schottland ist Ausland. Ob in der geschichtsschweren Stadt Edinburgh, ob im industrialisierten Glasgow, in den Bergen der Highlands, in den Küstenstädten mit dem silbernen Sand oder auf den nördlichen Inseln, dem Endpunkt unserer Welt, Schottland ist eine Daseinsform. Die Fusion der beiden Schwesternationen, von den Geschichtswissenschaftlern auf das Jahr 1603 festgelegt, hat in Wirklichkeit nie stattgefunden. Schottlands Geister und Gespenster und auch die Menschen des 20. Jahrhunderts haben das nicht zugelassen.

Morton gehört einer Generation an, dessen Reiseschriftsteller die Welt nicht nach «erledigten» Kilometern gemessen haben. Wenn er im Auto sitzt, lässt er sich in Wirklichkeit auf den Flügeln des Pegasus davontragen. Er nimmt sich Zeit, zu sehen, und er lässt die Eindrücke zu einem seltsamen Panorama der Empfindungen werden. Dieser erstaunliche Mann mit einem sehr einmaligen Gedächtnis lebt auf vertrautem Fuss mit der Vergangenheit. Er bittet den Leser zum Diner mit Maria Stuart, holt ihn ins Schattenreich der unglückseligen Stuart-Könige, führt ihn auf den romantischen Pfaden des schottischen Nationaldichters Sir Walter Scott und lässt ihn regungslos verharren, wenn die Gespenster der Vergangenheit die Hand nach ihm ausstrecken. Morton auf seiner Schottland-Reise zu folgen, heisst, untertauchen in eine fremde Welt, die sich in ihrer wilden Art dem Strom der Zeit widersetzt.
(Klappentext)

Dieses Buch kann im Antiquariat der Edition Wanderwerk käuflich erworben werden (Rubrik «Diverse»).

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