27. Juni 2020

Wenn sie morgen kommen

Arthur Honegger: Wenn sie morgen kommen,
Ex Libris, Zürich, 1979
Arthur Honegger ist auch mit seinem dritten Buch ein Zeitdokument von grosser Eindrücklichkeit und Glaubwürdigkeit gelungen. Engagiert, aber nie wertend, lässt er in farbigen Szenen das Kriegsjahr 1940 wieder lebendig werden. Mit der Mobilmachung am 10. Mai setzt der Roman ein. Die ungute Stimmung, die an diesem Morgen im Hause des Fabrikbesitzers Hilber herrscht, lastet auf vielen Schweizern: gereizte Spannung, Unschlüssigkeit und das unbehagliche Gefühl, doch irgendwie hilflos zu sein. Wie die einen und die anderen auf diese Bedrohung von aussen reagieren und wie sie mit den Opfern, die ihnen der Aktivdienst abverlangt, fertigwerden , stellt Honegger durch seine differenzierte, wirklichkeitsnahe Schilderung am Beispiel des kleinen Dorfes Gyrwil glaubhaft dar.

Um Helden und Verräter geht es dabei nicht in erster Linie. In der grauen Realität des permanenten Alarms bestimmen vielmehr die Durchschnittsbürger den Alltag. Da gibt es die Zweifler und Kleinmütigen, die Mutigen und die Unbeirrten. Und da gibt es vor allem auch solche, die – wie eben Major Hilber – für alle Fälle vorsorgen und, bevor sie einrücken, die Hakenkreuzfahne in Sicherheit bringen.

Schillernde Figuren sind in allen Lagern zu finden. Schwache und Feige, Gerüchtemacher, Anpasser und Zuträger gibt es auch im Dorf. Wie schwer es ist, sich ohne sichere Informationen gegen die feige Willfährigkeit zu behaupten, zeigt sich am Schicksal der Familie Hilber. Honeggers Porträt eines Dorfes erzählt auf packend ehrliche Weise ein Stück Zeitgeschichte, das nicht vergessen werden darf.
(Klappentext)

SG: Rüti, Tann, Obertoggenburg ZH: Bachtel, Zürcher Oberland

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