6. Januar 2021

Und es gibt keiner dem andern ein böses Wort

Hanspeter Bundi: Und es gibt keiner dem
andern ein böses Wort, Lenos, Basel, 1999
Auswärtigen Besucherinnen und Besuchern fällt immer wieder die gesittete Unhöflichkeit auf, mit der die Einwohner der Schweiz einander begegnen. Niemand spricht laut, keiner gibt dem andern ein böses Wort, und wenn gedrängelt wird, dann so, dass es aussieht, als werde nicht gedrängelt.

Hanspeter Bundi kennt und beschreibt diese Schweiz. Den mahnenden Zeigefinger des frommen Vaters, wenn der Sohn die richtige Bibelstelle nicht auf Anhieb weiss. Den verheissungsvollen Glanz der Anlagebroschüre auf dem Küchentisch des Kleinbauern. Das junge und konturlose Gesicht des Personalchefs, der einen alten Arbeiter entlässt. Bundi sieht die Oberfläche, und er sieht auch, wo diese Oberfläche brüchig ist oder wo für einen Moment etwas von dem aufblitzt, was darunter brodelt. Er sieht Hass und Trauer, Habgier, Melancholie, Sehnsucht. Das vor allem: die Sehnsucht nach einem andern Leben. (Klappentext)

Moors Fazit: Auch 20 Jahre nach dem Erscheinen sind Bundis Reportagen sehr lesenswert. Nicht nur der Inhalte sondern auch der schon fast poetischen Sprache wegen.

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