20. Juli 2020

Nebenaussen

Christian Schmid: Nebenaussen, Cosmos,
Muri b. Bern, 2002
Anfang der fünfziger Jahre lebte das junge Grenzwächterehepaar Schmid, beide aus dem Berner Worblental stammend, mit seinen zwei Knaben zuhinterst in der Ajoie an der Grenze im Weiler Les Bornes, der auf Deutsch «Die Grenzsteine» hiesse.

Die Welt von Les Bornes, die erinnert, erfunden und erzählt wird, eine Welt kurz nach dem Krieg und kurz vor dem grossen Aufschwung, ist voll Grenzen. Sichtbar, wenigstens streckenweise, ist nur die Landesgrenze. Dennoch sind die anderen nicht weniger fühlbar, zum Beispiel jene zwischen Bernern und Jurassiern, zwischen Deutsch und Welsch, zwischen katholisch und protestantisch, zwischen Männern und Frauen, zwischen Erwachsenen und Kindern – zwischen uns und ihnen. Einige lassen sich leicht überschreiten, andere nur mit Mühe oder gar nicht.

Die Welt von Les Bornes ist ein stilles, abseitiges Paradies ohne Ausweg – eine Welt «näbenuss» würde man auf Berndeutsch sagen. Spiele und Arbeit beschäftigen hier die Hände der Kinder und Erwachsenen, aber füllen die Köpfe nicht. In ihnen ist Platz für Geschichten von Schmugglern, vom Krieg, von Bern und dem Jura, Geschichten aus dem Rucksack des Herkommens, den man mit sich trägt, Geschichten vom Hier und Jetzt und von der Zukunft. Muster werden sichtbar im Alltag und in den Geschichten, Muster, an denen man festhält, obwohl nicht mehr alle überzeugen. Mitten in dieser Welt erwacht ein Kind zur Sprache, zum Begreifen und zum Ahnen.
(Klappentext)

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