22. Juli 2020

Die Bergwanderung

Susy Schmid: Die Bergwanderung, Cosmos,
Muri b. Bern, 1999
Das Grauen schleicht in diesen vierzehn Geschichten nicht um schottische Burgruinen – das Grauen klopft an die Tür einer SAC-Hütte, geht im Supermarkt um oder fällt vom Himmel über dem «tief verschneiten Waldrand ob Minggisrieden, wo die Angestellten der Gemeindeverwaltung gerade Waldweihnacht feierten». Der Schweizer Alltag bekommt Sprünge, bricht auf und verschlingt glücklose Protagonisten, ahnungslose Heidinnen, die eigentlich bloss auf einer Bank am Bahnhof eine Bratwurst essen wollten.

Frauen spielen in diesen Geschichten die Hauptrolle. Sie sind Täterinnen, sie sind Opfer, und oft verwischt sich die Trennlinie dazwischen, etwa wenn ein freundliches Grosi, das ein Leben lang ausgenutzt worden ist, unvermutet zum Vergeltungsschlag ausholt. Raureif hängt in den Wimpern einer toten Frau, Reliquien schwimmen in Spiritus, und rot sind nicht nur die Wandersocken. Susy Schmid legt die Requisiten des Kriminalromans und der Schauergeschichte mit besonderem Vergnügen in die Hände ihrer mal abgebrühten, mal zartbesaiteten Frauen. Die grauenvollsten Geschichten erzählt die Autorin in einem Ton, als wären es Liebesgeschichten.
(Klappentext)

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