21. Januar 2015

WC vor Ort!


Im Aargauer Skigebiet Galizi-Horben am schönen Lindenberg wird nicht einfach in den Wald gepinkelt. Neinnein, da hat schon alles seine Ordnung, fürwahr. Und beim Warten auf den freien Platz, da unterscheidet sich das Freiämter Winter-Resort in Nichts vom Rest der Skigaudi-Schweiz, werden Blase und Darm mit Volksmusikklängen vom Partyzelt bei der nahen Bergstation des Skilifts beschallt. Die Toilette findet übrigens an prominenter Stelle auf der Website des Skilifts Erwähnung. Gutes Marketing!

20. Januar 2015

Öppi der Narr

Arnold Kübler, Öppi der Narr,
Ex Libris, Zürich, 1964, vergriffen
Die Umschlagzeichnung stammt vom
Autor und zeigt das Brandenburger Tor
in Berlin.
Aus dem tiefen Brunnen unserer Mundartmuttersprache ist der Name des Romanhelden Öppi geschöpft. Es ist dort ein Allerweltswort, das man in vielen Abschattungen verwenden mag. Arnold Kübler gibt in einer Vorrede zu diesem Roman einen träfen Hinweis: «Hät öppe öpper öppis dergäge? – Allenfalls? Irgend jemand? Irgend etwas?»

Wer Öppi heisst, muss Schweizer sein, ein Hiesiger. Öppi ist's! Mit unserm Band erscheint sozusagen Öppi Nummer 4, das heisst der vierte Akt des Öppischen Lebensdramas. Vorangegangen sind die Akte «Öppi von Wasenwachs», «Öppi der Student» und «Öppi und Eva»; um es anders zu sagen: Öppi, der Bauernbub, der dann in der Stadt eine höhere Bildung bekommt, Öppi, der in Zürich und Rom studiert, und zwar das Erdewissen, die Geologie, und Öppi, den es plötzlich in die Künste verschlagen hat, zur Bildhauerei, zur Bühne, und der dann angelandet ist am friedlichen Strande seiner Eva wie ein Odysseus bei Nausikaa. Und jetzt also der vierte Akt: Öppi der Narr.

Wir treffen ihn, dem Hiesigen entronnen, in Deutschland, wo er Deutsch lernt, Hochdeutsch. Er kann es freilich längst schreiben, aber er kann es noch nicht korrekt aussprechen, sollte es aber, weil sein Ehrgeiz der Schauspielerei anhängt, weil er Dichterworte laut und öffentlich aussprechen will, im Rampenlicht stehen will, die grossen Sprachgebärden auch mit der Zunge beherrschen sollte. Es will nicht gelingen. Alles strebende Bemühen ist umsonst. Nichts war es mit dem Studium, nichts mit der Bildhauerei, nichts mit der Bühne: Öppi ein Narr? Ja, auch er hat uns «Ansichten eines Clowns» zu vermitteln! Und dennoch ist er kein Gescheiterter. Ein Silberstreif zeigt sich am Horizont, und nach sovielen Umwegen bahnt sich der richtige Weg an, – endlich der Weg ins Leben: «Fast vierzig Jahre alt war er werdend geworden.» Öppi der Werdende! (Klappentext)

Für die Lektüre der 547 klein gedruckten Seiten benötigte ich über ein Jahr. Küblers autobiografische Geschichte ist an Langeweile kaum zu überbieten. Ich biss mich aber dennoch durch, weil ich immer wieder die (vergebliche) Hoffnung hatte, die Schreibe würde doch noch von einer gewissen Spannung beseelt.

D: Görlitz, Dresden, Berlin ZH: Stadt Zürich, Winterthur UR: Gotthardpass TI: Gotthardpass I: Sardinien, Mailand, Venedig F: Paris

19. Januar 2015

Die Edition im neuen Gewand

Hier etwas Werbung in eigener Sache. Grössere Bildschirme ermöglichen ein grosszügigeres Webdesign. Dies ist zwar keine umwerfende Erkenntnis, sie in die Tat umzusetzen, habe ich mir jedoch vor ein paar Tagen zu Herzen genommen und die Gestaltung der Website meines kleinen Verlags komplett überarbeitet. Ich wünsche viel Vergnügen beim Stöbern!

Die Edition Wanderwerk im neuen Gewand. Grössere und neue Aufmacherfotos, eine neue Typografie sowie leichte Anpassungen in der Anordnung von Text und Bild verleihen der Website eine noch klarere Struktur.

17. Januar 2015

Zu Fuss von der Arktis ans Mittelmeer

Christine Doerfel, Thomas Specker, Markus
Stromer: Gotthard–Ponte Tresa, Appenzeller
Verlag, Herisau,  2007
Seit 2007 gibt es im Tessin eine Alternative zu Autobahn A3, Gotthardbahn, Veloplausch und Strada Alta! Dabei hat das Kind weder einen werbeträchtigen Namen, noch sind vor Ort zusätzliche Wegmarkierungen vorhanden. Der im Appenzeller Verlag erschienene Wanderführer «Gotthard–Ponte Tresa» befasst sich unmissverständlich und konsequent mit dem, was das Gebiet beidseits des Ceneris so unwiderstehlich faszinierend macht: dem unglaublichen, kulturlandschaftlichen Reichtum. Um diesem auf die Spur zu kommen, eignet sich indes – wen wundert’s? – eine Reise zu Fuss am Besten. Tut man dies mit dem vorliegenden Führer, dann hat man zudem die Gewähr, auf klug gewählter Route beinahe sämtliche Vegetations- und Klimazonen zu durchwandern, allen denkbaren historischen und neuzeitlichen Transitwegen durchs Tessin zu begegnen sowie mit der schier endlosen Fülle an kulturhistorischem Gut auf Tuchfühlung zu gehen. Die in acht Etappen eingeteilte Strecke führt vom Gotthardpass über Airolo–Dalpe– Giornico–Biasca–Bellinzona zum Monte Ceneri und anschliessend durchs Vedeggiotal nach Ponte Tresa am Lago di Lugano. Die Höhendifferenz zwischen Start- und Endpunkt beträgt satte 2000 Meter mit nicht wenigen Zwischenauf- und Abstiegen.

Die drei Autoren waren seinerzeit allesamt an der Bearbeitung des Inventars der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) beteiligt, konnten also punkto Thematik aus dem Vollen schöpfen. Dem Benutzer des Führers wird daher ein Tessin zu Füssen gelegt, das weit mehr zu bieten hat als Boccalino- und Piazza-Grande-Romantik. Ergänzt werden die jeweiligen Etappen durch äusserst informative Fachbeiträge zu Themen wie Hausbau in der Leventina, Maiensässe und Alpen, Aus- und Einwanderung im Tessin, Agrarwirtschaft und Wanderbewegungen, Kastanienselven, Bauen mit Stein, und und und. Die Route basiert grösstenteils auf dem markierten Wanderwegnetz und wird im Führer mit der Landeskarte im Massstab 1:50 000 dokumentiert. Dabei findet das bewährte System mit im Text angegebenen und in der Karte eingezeichneten Verweisungsziffern Anwendung.

Wenn es etwas zu bemängeln gibt, dann sind dies die fehlenden Telefonnummern bei den angegebenen Übernachtungsorten, wobei im gleichen Atemzug lobend erwähnt werden muss, dass auf ausserhalb von Ortschaften gelegene Herbergen speziell hingewiesen wird. Nietenzähler werden zudem feststellen, dass die Höhendifferenzen pro Etappe fehlen. Statt dessen wird einem ein Streckenprofil geboten, das mit etwas rechnerischem Geschick zahlenmässige Schlüsse auf allfällig bevorstehende Schweisstreibereien zulässt. Speziell ist auch die Fertigung des Buches. Die Macher des Werkes haben sich für die Spiralbindung entschieden, was den Vorteil hat, dass der Führer auch aufgeklappt nicht grösser ist als zugeklappt. Als eventueller Nachteil sei auf die Verwechselbarkeit mit Kochbüchern eines landesweit bekannten Verlages hingewiesen, was beim Packen des Rucksackes besondere Vorsicht erheischen dürfte ...

Fazit: Autoren und Verlag ist die Herausgabe eines erstklassigen Wanderführers gelungen, dem im übrigen der Band «Basel–Gotthard» vorangegangen ist. Sowohl die Texte als auch die zahlreichen Abbildungen lassen jederzeit Vorfreude auf einen Gang durch Leventina, Riviera und Vedeggiotal aufkommen und erfüllen die Hoffnung der Verfasser, « ... Ihren Blick zu schärfen für interessante Details und grosse Zusammenhänge, Beobachtungslust zu wecken und zum sorgfältigen Umgang mit der Kulturlandschaft anzuregen», vollauf.

16. Januar 2015

Einer muss es schliesslich thun

Heute will ich von einem neuen Projekt berichten. Begonnen hat alles bereits im vergangenen Jahr, konkret während des Schlechtwettersommers. Was tun, wenn es pausenlos schifft und für vernünftige Wanderungen kaum Zeit bleibt. Moor geht stadtwandern! Naheliegend hierbei der pittoresk-skurrile Flecken Thun. Um den Gängen durch den Stadtdschungel etwas Struktur zu geben, proklamierte ich Folgendes: Mein Ziel wird es sein, sämtliche Strassen und Wege der Gemeinde Thun zu begehen. Wenn schon, denn schon!

Weil ich dasselbe vor Jahren bereits in der bernischen Gemeinde Bangerten unter dem Motto Bangerten total ausführte, nenne ich das aktuelle Vorhaben Thun total. In der Zwischenzeit bin ich vier Mal ausgerückt und habe hübsche Entdeckungen gemacht.  Dokumentieren werde ich das Ganze mit Fotos aller Schilder der insgesamt 350 Strassen Plätze und Brücken. Und, wenn Sie sich nun fragen, weshalb der Schrittler sowas macht, dann verweise ich gerne auf den Titel dieses Eintrags

Das Gebiet der Gemeinde Thun (BE), dessen Strassen und Wege ich alle begehen will. Die Karte im Massstab 1:1000 000 zeigt natürlich nur einen Bruchteil dessen, was an Wanderstoff vorhanden ist.

14. Januar 2015

Norwegen zu Fuss und auf Ski

Björn Klauer, Norwegen zu Fuss und auf
Ski, Pietsch Verlag, Stuttgart, 1987,
vergriffen
Ein echtes Abenteuer war diese zwölfmonatige Tour durch Norwegen – von Oslo nach Kirkenes: zu Fuss und auf Skiern. Die Zivilisation beschränkte sich lediglich auf den Inhalt des Rucksacks. Und für Übernachtungen stand meist nur ein kleines Zelt zur Verfügung. Ein aufregender Bericht mit begeisternden Fotos; ein Ratgeber für Wanderungen in Norwegen, mit Tips für Ausrüstung und Tourenbeschreibungen. Das ideale Handbuch für jeden, der den unmittelbaren Kontakt zur Natur sucht. (Klappentext)

Björn Klauer ist am Stadtrand Hamburgs aufgewachsen und entdeckte schon früh das Outdoor-Leben. So war es kein Wunder, dass ihn besonders die nordskandinavische Natur nicht mehr losliess. Nach seiner zwölfmonatigen Wanderung, die ihn über 3.500 Kilometer von Oslo bis an die sowjetische Grenze bei Kirkenes führte, hat es ihn endgültig nach Nordnorwegen verschlagen. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er durch Schreiben und Fotografieren, als Wanderführer und eben als Hundeschlittenfahrer. Er lebt mit seiner Frau Regina Elpers und seinen inzwischen 70 Schlittenhunden in Innset, nördlich von Narvik am See Altevatn.

13. Januar 2015

Nachholbedarf II

Wie gestern angekündigt, hier nun der Routenverlauf der 2. Etappe meines Projektes Die Koordinate. Ich beging die Strecke von Porrentruy nach St-Brais am 23. Dezember 2014. Die rot gepunkteten Abschnitte verliefen im weglosen Gelände.




12. Januar 2015

Nachholbedarf I

Im März 2013 startete ich mein Projekt Die Koordinate. In einem Korridor von zwei Kilometern durchquere ich die Schweiz zu Fuss von Nord nach Süd. Richtungsweisend ist hierbei die Koordinate 574 (neu 2574) des schweizerischen Koordinatennetzes. Mittlerweile habe ich auch die zweite Etappe gemeistert, und das Projekt wartet nun im jurassischen St-Brais auf seine Fortsetzung. Nachfolgend der Routenverlauf von Etappe 1. Sie führte mich von Bonfol (ausserhalb des Korridors) nach Porrentruy. Grün die seitliche Begrenzung, rot die Route, welche ausnahmslos über bereits vorhandene Wege, Pfade und Strassen ging. Im Eintrag von morgen dann die Route der 2. Etappe.



11. Januar 2015

Sweet Home

Jean Willi, Sweet Home, Bilgerverlag,
Zürich, 2009
In der Morgendämmerung eines regnerischen Tages im April 1953 werden Alex und sein Vater von Polizisten aus dem Schlaf gerissen. Alex' Stiefmutter hängt am Fensterkreuz des Schlafzimmers. Der Vater kommt in Untersuchungshaft, Alex zu Tante Hedi. «Sweet Home» ist die spannende Geschichte einer Jugend im Schatten eines Justizirrtums. Sie spielt im Basel der Fünfziger- und Sechzigerjahre mit seinen todernsten Fasnachtsritualen und beklemmenden Moralvorstellungen, zwischen Existenzialisten, Kleinbürgern, Bürokraten und Halbstarken. Ein authentischer Roman. Und das nicht nur, weil er auf Tatsachen beruht. (Klappentext von  Martin Suter)

Mit «Sweet Home» reiht sich Jean Willi in die Tradition der Erzähler, die einen brisanten und authentischen Stoff in eine packende und atmosphärische Romanhandlung zu packen wissen. Dieser Roman ist zugleich die längst überfällige – zumindest literarische – Rehabilitation eines in den 50er Jahren zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilten Justizopfers. (Website des Verlags)

Noch Wochen nach der Lektüre von Jean Willis persönlicher Geschichte hallt in mir die Unfassbarkeit der juristischen Willkür nach. Dem Autor ist es gelungen, ein realistisches Bild von zwei Dekaden zu schaffen, deren Jugendkultur bis heute zu spüren ist. Unbedingt lesen!

BE: Adelboden, Stadt Bern, Beatenberg BL: Benken, Langenbruck BS: Stadt Basel (Hauptschauplatz) GR: Burg Ehrenfels bei Sils i.D. JU: Doubs zwischen Soubey + Goumois SG: Rorschach, Bodensee TI: Gandria, Lugano, Monte Brè UR: Andermatt (Kaserne) VD: Morges, Lausanne (Expo 64) F: St-Louis (Flughafen), Paris E: Altea, Benidorm

9. Januar 2015

Über die Berge

Josef Feistle, Über die Berge,
Herausgegeben vom Heimat- und
Museumsverein Weissenhorn, 1999,
Der Grund für meine Wanderung von Oberstdorf über die Alpen nach Venedig waren ein Paar wieder tauglich gemachte, bereits einmal abgelegte Schuhe. Sozusagen ein Akt der Wiederbelebung, der Wiedereingliederung in die Welt des Gebrauchs. Ich hatte sie dem «Götzen Verbrauch» von seiner Schippe genommen.

… und ohne Taschenmesser geht der Abenteurer sowieso nicht aus dem Haus, denn insgeheim denkt er schon ein bisschen an kleinere, Südtiroler Yetis, die er dann schnell mit seinem Schweizer Taschenmesser in die Flucht schlagen kann …

Coca-Cola, Isostar? – Lieber Wasser, bergbachklar. Käs' und Speck, schnell vom Fleck.

Ganz da hinten, jenseits der Ebene von Venetien, liegen die Alpen. Kein Gipfelchen ist davon zu sehen, aber ich weiss, dass sie dort sind, oder vielmehr waren; für mich waren sie jetzt dort hinten, denn ich bin darüber hinweg – über die Berge, zu Fuss nach Venedig.

(Ausschnitte aus dem Buch, gedruckt auf der hinteren Umschlagklappe)

8. Januar 2015

Aus dem Schnee an den See

Wandern geht immer und überall. Deshalb empfehle ich meinen lieben Blogleserinnen und -lesern nachfolgende Winterwanderroute von Heiligenschwendi über den Vesuv hinunter an den Thunersee.

Alleine die Busfahrt vom Thuner Hauptbahnhof hinauf zur Haltestelle Heiligenschwendi Dörfli ist eine Reise wert. In wenigen Minuten lassen wir uns aus dem Stadtzentrum ins ländlich-verhügelte Voralpenambiente katapultieren. Auf breiter Strasse streben wir der etwas deplaziert wirkenden Einfamilienhaussiedlung an der Haltenegg zu. Über den breiten Rücken dieser Egg schreiten wir hernach an Ruhebänken und dem gleichnamigen Kurhaus vorbei durch verschneiten Wald einem Gupf entgegen, der sich seiner Form wegen «Vesuv» nennt. Auf einem Stichpfad beschreiten wir den Nordgrat, um sodann vom Gipfelplateau in die Oberländer Bergherrlichkeit und hinunter auf den funkelnden See zu blicken.

Blick vom Vesuv über den Thunersee zu Niesen (links) und Stockhorn (rechts).

Nach der Durchquerung des Schwändigrabe öffnet sich das Panorama im Westen mit dem Stockhorn.


Als purer Kontrast gibt sich die Fortsetzung eine Viertelstunde später. Der im Winter kaum begangene Schwändigrabe versprüht den Hauch vom Ende der Welt, welches jedoch beim Hof Melbaume selbst ein Ende hat. Hier labt sich das Auge erneut am göttlichen Panorama von Eiger, Niesen undsoweiter. Es folgt der Abstieg im lichtdurchfluteten Wald. Der südwestlichen Exposition wegen, weicht hier der Schnee dem winterlichen Laubbraun. In weiten Kehren steuern wir den Längenschachen an und folgen der Seestrasse zum Oberhofner Strandbad. War vor einer Fussstunde noch eisiger Winter, setzt die Uferpromenade vorfrühlingshafte Akzente.

Hübscher Gegensatz: Die Uferpromenade nahe des Schlosses Oberhofen.


Hier liesse sich der Bus nach Thun besteigen, doch wir wollen mehr Goldküste und begehen den alten Oberländerweg nach Hilterfingen, vorbei an Villen und verwitterten Chalets, durch den Hüneggpark mit Schloss und exotischen Gehölzen nach Hünibach mit Migros, Coop und Denner.

Von Heiligenschwendi Dörfli hinunter an den Thunersee nach Hünibach.

Die durchgehend als Wanderweg ausgeschilderte Route eignet sich zu jeder Jahreszeit. Gutes Schuhwerk ist Pflicht. Hin mit dem STI-Bus bis Heiligenschwendi Dörfli, zurück mit der STI ab Hünibach Chartreuse. 14,1 km. 440 m Aufstieg. 810 m Abstieg. 4 Std. Karte 1:50‘000, Blatt 253T, Gantrisch.

7. Januar 2015

Der letzte Kästräger vom Talberg

Josy Doyon, Der letzte Kästräger vom
Talberg
, Blaukreuz Verlag, Bern, 1986
Josy Doyon, früher selber Bergbäuerin, schildert lebensnah, wie Hans Scheidegger beim gefahrvollen Holzflössen seinen jungen Körper stählt, um dann als Käseträger manchen Sommer lang die schweren Käse täglich vom Berg ins Tal zu tragen. Das spannende Buch erzählt zudem vom schweren Schicksal des stolzen Lehnherrn vom Talberg im Simmental. (Klappentext)

BE: Därstetten, Weissenburg Bad, Flühberg, Buuschental, Talberg, Rüdli, Mittelberg, Chessel, Schiterwang, Leiternpass, Alp Waachli, Rossberg, Oberwil, Schloss Burgistein, Würzen bei Burgistein

6. Januar 2015

Rüdisülens Meldung


Das war, soviel ist unschwer zu erkennen, einmal eine Sitzbank. Sie steht im Mühletobel bei Frauenfeld. Am 15. Mai 2013 war es, als ein Reiter hier Pause machte, vom Pferd stieg und kurz hinter einem Baum verschwand. In der Zwischenzeit versuchte das Tier, es handelte sich hierbei um eine dreijährige Haflingerstute, auf besagter Bank Platz zu nehmen. Mit durchschlagendem Misserfolg. Die Holzlatten brachen allesamt entzwei, die Stute stürzte rücklings in den Bachgraben, blieb jedoch auf wundersame Weise unverletzt. Kasimir Rüdisüli, der zufälligerweise des Weges kam, beobachtete die Szene und eilte dem verdutzten Reiter zu Hilfe. Dieser aber wollte nichts von Rüdisülens Hilfe wissen, züchtigte sein Pferd, stieg auf und galoppierte davon. «He! Halt! Hier geblieben!», rief Rüdisüli Ross und Reiter hinterher. Vergeblich.

Kasimir Rüdisüli meldete den kavaleristischen Vandalenakt umgehend dem städtischen Tiefbauamt. Dieses wiederum erstattete Anzeige gegen unbekannt. Anderntags machten sich zwei Angestellte des Werkhofs mit dem Unimog auf ins Mühletobel, montierten die zerborstenen Bretter ab und verschwanden wieder. Fünf Tage später wurde die Thurgauer Kantonspolizei fündig. Egon Raflaub, ein Neureicher aus dem Züribiet mit eigenen Stallungen etwas ausserhalb von Frauenfeld, hatte die defekte Bank zu verantworten. Nebst den Kosten für die Instandsetzung wurde ihm eine Busse von 800 Franken für Reiterflucht auferlegt. Doch Krösus Raflaub lehnte jegliche Schuldanerkennung ab und schaltete seinen Anwalt ein.

Seither ist ein beispielloser Rechtsstreit zwischen der Stadt Frauenfeld und Egon Raflaub im Gange. Und solange die Causa nicht erledigt ist, wird die Stadt das Bänkli nicht wieder instand setzen, liess ein Regierungssprecher gegenüber den Medien verlauten. Das Tiefbauamt hat, auf Geheiss des zuständigen Amtsvorstehers, in der Zwischenzeit ein Verbotsschild für Pferde aufgestellt. Zu spät, wie ich meine.

5. Januar 2015

Lange Tradition

Wir befinden uns in der Männerabteilung des Gasthaus zum Freihof in Schmidrüti im schönen Tösstal, Kanton Zürich. Gut 200 Meter von hier befand sich während des Kalten Krieges und darüber hinaus eine streng geheime Flugabwehrfestung der Schweizer Armee. Jaja, man glaubt es kaum.

Der Freihof kennt eine lange Geschichte. Die Wirtschaft wird seit 1711 von der Familie Furrer geführt – mittlerweile in der zehnten Generation. In der Küche dient ausschliesslich ein Holzherd von 1885. Grosser Beliebtheit erfreut sich jeweils die traditionelle «Metzgete». Alleine das lange Gebäude mit dem karmesinroten Fachwerk ist eine Augenweide.

4. Januar 2015

Zu Fuss auf einem der Wege nach Rom

Georg Haas, Zu Fuss vom Bodensee nach
Rom, WAP-Verlag, Niederkassel, 2000,
vergriffen
Beinahe 1400 km legte der über sechzigjährige Deutsche Georg Haas in den Jahren 1990–1995 per Pedes zurück. Entstanden ist dabei ein Wanderlesebuch, das Haas‘ Fussreise von Konstanz am Bodensee nach Rom beschreibt und dokumentiert. (Siehe auch das Buch von Karin Baseda-Maass. Dieses berichtet über eine Wanderung auf dem Fernwanderweg E1 von Norddeutschland bis an den Bodensee. Georg Haas‘ Buch stellt nun gewissermassen die Fortsetzung dieser Route dar.) Der Autor legte dabei die Strecke in 10 Teiletappen zurück, die er sprachlich und inhaltlich korrekt, jedoch literarisch nicht gerade innovativ wiedergibt. Beeindruckend, wie Haas sich als Solowanderer durch die italienischen Lande schlägt, immer wieder neue Begegnungen und Bekanntschaften macht und sich so – mit mehr oder weniger Erfolg – die oft ungenügend oder nicht vorhandenen Weginformationen einholt. Interessant auch, wie Haas das Transportproblem im Ligurischen bzw. Toskanischen Apennin löst. So sind es die Erlebnisse mit Einheimischen, die dieser Wanderbericht wertvoll machen und einem einmal mehr die Hilfsbereit- und Gastfreundschaft unserer südlichen Nachbarn vor Augen führen.

Obwohl der Autor am Ende seines Vorhabens eine Generalaudienz beim Papst in Anspruch nimmt, und sich vom Osservatore Romano und Radio Vatikan interviewen lässt, handelt es sich bei Haas nicht um einen Pilgerwanderer im eigentlichen Sinne. Diesen Eindruck erhält man zumindest beim Lesen. Aber wer weiss, was sich jeweils «hinter den Kulissen» von Wanderern abspielt?

2. Januar 2015

Klein-Japan in Aarau

Die nachfolgende Studie ist in den Kellergewölben am Rande der Aarauer Altstadt entstanden. Darüber befindet sich das Japan-Restaurant Imada meines ehrenwerten Bloglesers, gelegentlichen Mitwanderers und Restaurant-Besitzers H.U. Wie der Abort, so die Küche: Mit viel Liebe und Raffinesse gestaltet. Das Auge isst bekanntlich mit, egal ob im EG oder UG. Den Besuch des Imada lege ich hiermit meiner Leserschaft wärmstens ans Herz.