29. März 2013

Burgistein-les-Bains



Gesamterneuerung Bahnhof Burgistein: Die Fussgängerunterführung auf der Nordseite nimmt Formen an. Die Badesaison ist zwar noch weit weg, das Wasser indes schon eingelassen.

19. März 2013

Neuland und Pausenraum

Gesamterneuerung Bahnhof Burgistein: Die längeren Perrons bedingen auch längere Ausweichgeleise. Hierfür wird auf der Westseite die Einfahrt in die Kurve verlegt. Die Arbeiten für den Bau des zweiten Trasses haben soeben begonnen. Die Südseite des Parkplatzes der ehemaligen Transportunternehmung Maurer weicht dabei einem Stück Bahnhof. Links der Bildmitte liegt das kürzlich abmontierte Rangiersignal.



Der garstige Winter hat die Bauleute erfinderisch gemacht. Aus ein paar Schaltafeln haben sie Tisch und Bank gezimmert. Die Pausen verbringen die hard working men nun im geheizten Wartsaal des Empfangsgebäudes. Die Kabelrolle dient unter anderem für den Anschluss einer portablen Kaffeemaschine. Links im Bild der ehemalige Billettschalter.

Gestern im Tessin

Die Alpensüdseite ist vom aktuellen Wintereinbruch besonders stark betroffen, wie dieses Bild eines leidgeprüften Bloglesers eindrücklich beweist. Es entstand in Cademario auf 800 Metern über Meer am Rande des Malcantone.

18. März 2013

Auf Umwegen direttissima quer durch

Ein neues Wanderprojekt ist geboren! Auf «Querschnitt Schweiz» folgt «Die Koordinate». Ging ich von 2006 bis 2008 in einem Zwei-Kilometer-Korridor von West nach Ost, so werde ich mich in den folgenden Monaten mit derselben Hartnäckigkeit vom Pruntruter Zipfel südwärts ins Unterwallis durchschlagen. 17 Etappen, 302 Kilometer zu Fuss, 4½ Kilometer mit dem Boot, saloppe 17'000 Meter bergauf und beschwingte 15'735 Meter bergab.

Die Koordinate 574 des schweizerischen Koordinatensystems bildet die Vorgabe für diese
aussergewöhnliche Etappenwanderung im Zwei-Kilometer-Korridor.

Neulich erfolgte in der Ajoie der leibhaftige Start zu diesem Vorhaben. Von Bonfol begab ich mich vorerst an den eigentlichen Ausgangspunkt an der französisch-schweizerischen Grenze und mäanderte sodann zwischen Koordinate 573 und 575 südwärts nach Porrentruy. Und so erlebte ich die erste Etappe:

Ein Aufgalopp vorerst. Ich meine nicht die Anreise in die wirtschaftlich vernachlässigte Region des Pruntruter Zipfels. Das Thema ist der Anmarsch von Bonfol zur schweizerisch-französischen Landesgrenze. Vorbei an heruntergekommenen Häusern und ehemaligen Fabrikgebäuden. Vorbei am Restaurant Grütli, das von aussen aussieht, als wäre es seit längerem geschlossen. Doch die Stätte ist geöffnet, dient dem Handwerker als Pausenlokal, dem Dorfverein als Versammlungsort und mir als trauriger Beweis, dass Bonfols beste Zeiten längst vorüber sind.

Doch der provinziellen Tristesse nicht genug: Im Nordosten des stattlichen Juradorfes, dort, wo bis 1970 eine Bahnlinie ins erlsässische Pfetterhouse und weiter nach Dannemarie an der Linie Mulhouse–Belfort führte, befindet sich eine Sondermülldeponie. Von 1961 bis 1976 verscharrten die Basler Chemische Industrie – unter anderem die Firmen Novartis, Roche, Syngenta, Clariant und BASF –, sowie  der Kanton Bern, das regionale Gewerbe und die Schweizer Armee, 114 000 Tonnen hochgiftigen Chemiemüll und andere Abfälle. Als 1981 Wasser in die Grube eindrang, kam es zu Auswaschungen von Schadstoffen und zur Besetzung des Geländes durch Greenpeace Schweiz. Unter dem Druck der Öffentlichkeit einigten sich im Jahr 2000 der Kanton Jura und Vertreter der Basler Chemischen Industrie endlich über die definitive Sanierung der Deponie. Der Zeitplan sieht vor, die Grube bis 2015 vollständig und dauerhaft zu sanieren. Die Kosten belaufen sich auf über 350 Millionen Franken. Eine Explosion am 7. Juli 2010 verlangte nach zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen, was einen Betriebsunterbruch bis zum 10. April 2011 zur Folge hatte. Der giftige Abfall wird mit Spezialcontainerwagen über die Geleise der ehemals internationalen Bahnlinie via Bonfol–Pruntrut ins deutsche Biebesheim am Rhein gekarrt, wo er gemäss der Betreiberfirma «fachgerecht verbrannt» wird.

Mit gemischten Gefühlen verlasse ich Pumpfel, wie Bonfol einst auf Deutsch hiess und strebe über ein weites Feld Beurnevésin – Brischwiler – zu. Ob La Vendline, das malerische Bächlein, welches in Vendlincourt entspringt, damals auch etwas von der giftigen Schweinerei abbekam, ist mir nicht bekannt. Umso trügerischer kommt mir der weite Himmel über der sanft gewellten Ajoie-Landschaft vor.

Nach genau sechs Kilometern erreiche ich die Koordinate 175 und somit die östliche Begrenzung des Korridors. Eine Viertelstunde zuvor gelangte ich an die Landesgrenze, deren Grenzsteine im Schnitt alle 60 Meter die unübersehbare Waldschneise säumen. Drei Stein-Generationen wechseln sich ab. Die älteste datiert aus dem Jahre 1817. Zwei Jahre zuvor erhielt der Kanton Bern den Nordjura zugesprochen. Der Berner Bär ziert noch immer die Schweizer Seite. Zwischen Grenzstein Nummer 174 und 178 biege ich links ab und schwenke endgültig in südliche Richtung ein. Lichtdurchfluteter Wald mit dünner Neuschneedecke heisst mich willkommen. In Lugnez und Damphreux dasselbe traurige Bild. Verlassene Häuser, abblätternde Fassaden. Die Pizzeria Piccola Italia «La Rauracienne» ist geschlossen. Einzig die heimkehrenden Schulkinder versprühen mit ihrem Geschrei so etwas wie dörfliches Leben.

Die Sonne hat den anfänglich gefrorenen Boden in eine matschige Bahn verwandelt. Zwischen Damphreux und Coeuve klumpt feuchte Erde an den Schuhen. Hosenbeine verdrecken. Asphalt wird zum ersehnten Grund. Coeuve wartet mit stattlicher Kirche und einem isoliert gelegenen Friedhof auf. Als politisch eher unkorrekt interpretiere ich einen herumstreunenden Berner Sennenhund. Doch er scheint sich der heiklen Situation bewusst, lässt sich artig fotografieren und hält die Schnauze.

Die 1901 eröffnete Stichbahn von Porrentruy nach Bonfol kam 1944 zu den Chemins de Fer du Jura. Ein Wunder, dass die einzige Normalspurstrecke der CJ noch in Betrieb ist.

Abfallordnung muss sein! Bahnhof Bonfol (JU).

Hôtel de la Gare in Bonfol (JU).

Ein Modelleisenbahngeschäft in Bonfol als unerwarteter Hingucker.

Die Pfarrkirche Saint-Laurent in Bonfol (JU), erbaut 1783-84.

Von 1999 bis 2006 wurden in Bonfol die Uhren von Victorinox hergestellt. Seit 2007 erfolgt die Produktion in Porrentruy.

Zwischen Bonfol und Beurnevésin (JU). Am Horizont die Grenze zu Frankreich.

Der in Vendlincourt entspringende Bach La Vendline in Beurnevésin.

Geografische Irritation: Das Elsgauer Dorf Lugnez hat nichts mit dem gleichnamigen Tal im Bünder Oberland gemein.

Zwischen Beurnevésin und Lugnez, nahe der französischen Grenze.

Grenzstein Nummer 156. Links Schweiz, rechts Frankreich.

Grenzstein Nummer 158. Er stammt aus den 1950er-Jahren ...

... im Gegensatz zu diesem Exemplar aus dem Jahre 1817. Es trägt auf der Schweizer Seite auch heute noch das Wappen des Kantons Bern, dem am Wiener Kongress von 1815 das Gebiet des heutigen Kantons Jura zugeschlagen wurde.

Der Grenzstein Nummer 174 befindet sich bloss 50 Meter östlich der Koordinate 574.

Im lichtdurchfluteten Wald bei Lugnez (JU), nach den ersten Schritten Richtung Süden.

Stilleben in Lugnez (JU).

Ein Gartenteich in Herzform, Schneewittchen und die sieben Zwerge. Märchenhaftes Lugnez (JU).

Die stattliche Pfarrkirche, Saints-Ferréol-et-Ferjeux, im kleinen Dorf Damphreux (175 Einwohner) stammt aus dem Jahre 1867. Sie gilt als Mutterkirche der Ajoie. Der Vorgängerbau fand im 11. Jahrhundert erstmals Erwähnung.

Wunderbare alte Hohlwege gabeln sich etwas oberhalb von Damphreux (JU).

Kindereisenbahn auf dem Vorplatz eines Zweifamilienhauses in Damphreux (JU).

Vermutlich ein Relikt aus der Zeit, bevor 1978 der Nordjura eigenständiger Kanton wurde. In Damphreux.

Pantoffelheld und im Nordjura ein politischer Spezialfall: Berner Sennenhund in Coeuve
Der Friedhof von Coeuve (JU) am Tag eins nach der Wahl von Papst Franziskus I.

Die Pfarrkirche von Coeuve (JU) trägt den komplizierten Namen Saint-Jean-devant-la-Porte-Latine und wurde 1825 neu erbaut.

Die Fontaine St-Nicolas, einen Kilometer nördlich von Porrentruy, ist vielmehr eine Quelle denn ein Brunnen.

Kurz vor der Ankunft in Porrentruy säumt eine lange Allee den Weg.

Nur noch ein paar Meter bis zur Industriezone von Porrentruy (JU).

Industriezone von Porrentruy (JU).

Betonwand à la H.R. Giger bei einer Bahnunterführung in Porrentruy (JU).

Lokschuppen als Brandruine, davor ein Schilderdepot. Bahnhof Porrentruy.

Fehlt dem Eigentümer das Geld, um den brandgeschädigten Lokschuppen abzureissen?

Am Boden und zum Teil zerstört: Sinnbild für die wirtschaftliche Situation der Ajoie.

Der Vorfrühling



Drei Tage vor dem astronomischen Frühlingsbeginn schneit es in Burgistein (BE) immer noch. Eine Gemischtwarenkomposition aus ehemaligen EBT-RM Steuer- und Triebwagen sowie einem BLS-Zwischenwagen verlässt den Bahnhof Richtung Seftigen.

5. März 2013

So sitzt es sich in Schlieren

Gestern berichtete ich über eine weitere Sitzbank-Episode aus dem Aargau. Blogleserin Monika, aus dem schönen Schlieren bei Zürich, schickte mir darauf eine nette Variation, wie sie in der Kampstrasse, im älteren Stadtteil, zu sehen ist.



Danke, Monika, für diese beeindruckende Stilstudie. Sie beweisst, dass zwischen Bürgersteig und Quartierstrasse durchaus innovativere Lösungen möglich sind als im fernen Mumpf-Wallbach. Das Sich-gegenüber-Sitzen hat, im Gegensatz zur uniformen Fahrtrichtung von Autopassagieren, etwas wohltuend Menschliches. Ich vermute, dass der diensthabende Strassenplaner während seiner Studienzeit regelmässig mit der Bahn zur Hochschule fuhr. Und weil ihm seine langen Beine in den engen Abteilen immer wieder zum Verhängnis wurden, hat er die zwei Bänke in gebührendem Abstand voneinander aufstellen lassen. Bemerkenswert ist zudem das Baumstämmlein im Bildhintergrund. Ja, genau jenes vor dem Audi. Das erspart die Palme und schafft im Herbst Arbeit für die Stadtgärtnerei.

4. März 2013

Bänkli reloaded

Vor einem Monat berichtete ich über die Innovationskraft der Aargauer in Sachen Ruhebänke. Auf der soeben zurückgelegten 15. Etappe meines Aargau-Umrundungsprojektes stiess ich zwischen Mumpf und Wallbach (AG) auf folgende Situation:


Revolutionär ist im betreffenden Fall nicht etwa die Bank, revolutionär ist deren Standort in der Tempo-30-Zone. Gibt es einen beschaulicheren Ort, als auf einer Verkehrsberuhigungshalbinsel sein Gesäss zu platzieren und dem dezenten Rauschen des Quartierverkehrs zu lauschen? Ich meine nein! Was indes fehlt, sind zwei Palmen und ein Häufchen plattgewalzter Sand.