24. März 2026

Mys Worbletal

Karl Uetz: Mys Worbletal, Verlag Hans Scheibli,
Herzogenbuchsee, 1962
Vor einiger Zeit ist von Karl Uetz ein Bändchen «Ein Jahr im Melchenbühl» erschienen, worin von der ersten bis zur letzten Zeile in ergreifender Weise zum Ausdruck kommt, wie er, von einem Hirnschlag getroffen, um die Wiedererlangung seines Sprachvermögens gerungen hat. Wenn nun Elisabeth Müller im Vorwort zu diesem neuen Buch von Karl Uetz von einer Tatsache schreibt, «die an ein Wunder grenzt», so ist das nicht im Geringsten zu hoch gegriffen: Der Dichter Karl Uetz hat seine Sprache wiedergefunden!

Karl Uetz ist ja längst als einer der kurzweiligsten Erzähler in unserer Mundart bekannt, trefflich beobachtend, herzlich einfühlend und träf, oft mit viel menschenfreundlichem Witz und Humor berichtend.

Wenn er nun allerlei Erlebtes und Erfahrenes, Erlauschtes und Erfragtes aus dem Tal seiner Jugendzeit zu einem Buch zusammengefügt hat, so wird sich daran männiglich ergötzen und erfreuen, der das Gemütvolle und wahrhaft Herzlich-Herzhafte in kräftiger und unverfälschter Mundart zu schätzen weiss. «Mys Worbletal» erhält auch die Erinnerung an einige jener Sonderlinge etwa den «StettIen-Zwerg» und an allerlei Brauchtum und fröhlichen Dorf-Schabernack, für die in unserer gehetzten Welt und Zeit kaum mehr Platz ist. Ganz besonders erfreulich, weil so selten geworden, ist des Autors echte und unsentimentale Freude an all jenem Unscheinbaren, an dem heute so viele achtlos vorübergehen, obgleich es zur Quelle stiller Glückseligkeiten werden könnte.

Das Buch wird nicht bloss alle jene erfreuen, denen das Worblental Heimat oder als oft durchwandertes Vorstadtgebiet lieb geworden ist, es wird jedem zum erfreulichen Gewinn werden, der in stillen Lese-Augenblicken geruhsame Erholung von der Hast des heutigen Lebens sucht
. (Klappentext)

21. März 2026

Schwarze Erde

Jens Mühling: Schwarze Erde, Rowohlt,
Reinbek bei Hamburg, 2016
Ein Jahrtausend lang lebten die Ukrainer zwischen Grenzen, die sich unter ihren Füssen stetig verschoben; mal zu Polen, mal zu Österreich und Litauen, schliesslich zu Deutschland und dann zur Sowjetunion gehörten. Und die nun wieder in Bewegung geraten sind. Als Staat existiert die Ukraine erst seit 1991; was sie vorher war, ist unter ihren Bewohnern so umstritten wie unter ihren europäischen Nachbarn. Jens Mühling erzählt von Begegnungen mit Nationalisten und Altkommunisten, Krimtataren, Volksdeutschen, Kosaken, Schmugglern, Archäologen und Soldaten, deren Standpunkte kaum unterschiedlicher sein könnten. Sein Buch schildert ihren Blick auf ein Land, über das wir kaum etwas wissen – obwohl es mitten in Europa liegt. Und das nun der Schauplatz eines brutalen Angriffskriegs ist. (Inhaltsangabe zum Buch)

18. März 2026

Die Edition Wanderwerk hebt ab

Jakob Christoph: Heer: Im Ballon, Edition
Wanderwerk, Burgistein, 2026
Soeben aus der Druckerei eingetroffen: «Im Ballon» von Jakob Christoph Heer. Es ist dies der 41. Titel, den ich in meinem Verlag publiziere und befasst sich mit den Fahrten des Ballonflug-Kapitäns Eduard Spelterini. Der aus dem schweizerischen Toggenburg stammende Spelterini (1852–1931) gilt nicht nur als einer der grossen Pioniere der Ballonfahrt, sondern auch der Luftfahrtfotografie. Seine mitunter abenteuerlichen Unternehmungen führten ihn durch halb Europa, aber auch nach Nord- und Südafrika sowie Indien und Russland.

Der Schriftsteller Jakob Christoph Heer (1859–1952) widmete zu Beginn der 1890er-Jahre dem umtriebigen Lebenskünstler, der mit echtem Namen Eduard Schweizer hiess, das neu herausgegebene, sprachlich von mir behutsam überarbeitete Buch. Dieses beschreibt nicht nur etliche von Spelterinis Ballonfahrten, es zeichnet auch die spannende Geschichte der Ballonfahrt mit all ihren Protagonisten nach. Ergänzt wird das Werk mit zahlreichen Anmerkungen des Herausgebers sowie fünf historischen Fotos.

Die lesenswerte Schrift besorge man sich direkt bei der Edition Wanderwerk.

15. März 2026

Schwarzwald-Himmel

Bernd Leix: Schwarzwald-Himmel, Gmeiner,
Messkirch, 2018
Beim Wandern im nördlichen Schwarzwald möchte Oskar Lindt, der oberste Karlsruher Mordermittler, herrliche Natur und kulinarische Köstlichkeiten geniessen, doch selbst im Urlaub stolpert er über Leichen. Ein lebloser Körper im kalten Wasser der Murg. Unfall oder Gewalttat? Ist der Bauer alkoholisiert von der Brücke gestürzt oder hat ihm bereits zuvor jemand den Schädel eingeschlagen? (Klappentext)

D: Baiersbronn, Wanderhütte oberhalb von Schwarzenberg, Oberes Murgtal, Bahnstation Schönmünzach, Heselbach, Heselbacher Hof, Freudenstadt, Kniebis, Stöckerkopf, Sankenbachtal, Murg, Ruhestein, Hinterlangenbach, Euting-Grab über dem Wildsee, Wildsee, Nationalpark Schwarzwald, Forsthaus Auerhahn, Zwickgabel, Schönmünzach, Kienberg bei Freudenstadt, Berghütte Lanterbad, Huzenbachsee, Ellenbachsee, Mitteltal, Reichenbachtal, Weisenbach, Klosterreichenbach, Café Erle in Klosterreichenbach, Röt, Zimmerplatzhütte bei Klosterreichenbach, Heselbacher Hütte

12. März 2026

Königsmatt

Pierre Chiquet: Königsmatt, Bilger,
Zürich, 2003
In der Königsmatt leben zwölf wohlhabende Pensionäre in morbider Vornehmheit vor sich hin: Sie werden bloss ein wenig älter und grauer von Tag zu Tag, ein wenig steifer in den Knochen und ein wenig starrer in ihrem Eigensinn. Als einmal, ein einziges Mal, das Essen zu spät auf den Tisch kommt, fällt die vordergründig festgefügte Ordnung in sich zusammen, explodieren die scheinbar zur Ruhe gekommenen Leben. Die zwölf Männer und Frauen beginnen aufzubegehren und befreien sich nach und nach aus der totalen Versorgung, der sie ausgeliefert sind.

Sie begreifen ihr bisheriges Leben als einen einzigen Alptraum, ein unwirklicher Augenblick, und sie beginnen mit der Inszenierung des Chaos. Mit zeichnerischen Mitteln zunächst. Das ornamentale und organische Wuchern erfasst Zimmer und Flure, die Flügel und Säle der ehemaligen Psychiatrie und ergiesst sich übers Land bis ins Dorf am Fusse des Hügels. Aus biografischen Nachrufen werden Hymnen ans Leben, und das groteske und blendend inszenierte Löschballett der örtlichen Feuerwehr gerät zum atemraubenden Showdown eines hervorragend erzählten Romans.

Die Alten haben den Platz der Wahnsinnigen von einst eingenommen. Sie sind die Parias von heute. Und weil sie nichts mehr zu verlieren haben, doch alles zu gewinnen, können sie ohne zu zögern jede Ordnung und jedes System zu Fall bringen. In Anlehnung an die Kunst Adolf Wölfflis, auch er, wie viele andere, ein ehemaliger Insasse, setzt Chiquet in «Königsmatt» das Zeichnen und Malen als ursprüngliche Form der Artikulation, als Zeichen. Mit liebevollem Humor und psychologisch raffiniert führt der Roman die Leserin, den Leser dorthin, wo sie sich bedingungslos mit der Revolte der Alten solidarisieren. Friedrich Glauser und Friedrich Dürrenmatt: Ihnen würde «Königsmatt» gefallen.
(Inhaltsangabe zum Buch)

9. März 2026

Yukon solo

Karel Dohnal: Yukon solo, Albert Müller
Verlag, Rüschlikon, 1987
3100 Kilometer im Kanu in 66Tagen – quer durch Alaska. Flüsse waren für den Amerikaner und gebürtigen Tschechen Karel Dohnal schon immer ein Teil seines Lebens, wie er sagt. In seinem Tagebuch beschreibt er die abenteuerliche Kanufahrt den Yukon River hinunter, vom Quellgebiet dieses noch ungezähmten Stromes in den Bergen Nordwestkanadas bis zu seinem in der Tundra Alaskas ins Bering-Meer mündenden Delta. In diesem vielschichtigen und packenden Kanu-Epos werden nicht nur der persönliche Einsatz des Autors, sein Kampf gegen die Unbilden der Witterung und seine Erlebnisse in der Wildnis des hohen Nordens, einem der letzten Refugien für Naturliebhaber und Zivilisationsüberdrüssige, lebendig, sondern auch die Geschichte des Yukon Rivers und der Menschen, die sich an ihm niedergelassen haben. So erfährt der Leser überaus Interessantes über die Kultur der Ureinwohner, die sich in Tausenden von Jahren herauskristallisiert hatte und mit der Besiedlung durch den weißen Mann und dessen Ausbeutung der Naturschätze zerstört wird, und wird Zeuge der Verzweiflung, aber auch der Freundlichkeit und Grosszügigkeit der zahlreichen Indianer Eskimos, denen der Autor begegnet.

Yukon solo erzählt ein spannendes, unvergessliches Abenteuer in einem Teil der Welt, von dem der Mensch träumt, wenn er sich fort von der Hektik des Alltags wünscht. Der Grund für die Suche nach Einsamkeit, Naturerleben, Abenteuer, Risiko lässt sich am treffendsten in der knappen Tagebucheintragung – Kampf mit schweren Stürmen – fassen: «Noch nie mit solcher Intensität gelebt.» (Klappentext)

6. März 2026

Seeluft

Friedrich Dönhoff: Seeluft, Diogenes,
Zürich, 2013
Zwischen den Aktivisten von Ökopolis und der Hamburger Reederei Köhn herrscht Streit. Den einen geht es um die Umwelt, den anderen um ihre Konkurrenzfähigkeit. Als am Fischmarkt die Leiche eines Reeders gefunden wird, nimmt Kommissar Sebastian Fink die Ermittlungen auf. Der Fall führt ihn zu einem verbitterten Manager in einem modernen Glaspalast hoch über dem Hafen, zu einer sportbesessenen Witwe auf dem Land und zu einem frischverliebten Studentenpaar in St. Pauli. Sebastian hat alle Hände voll zu tun, als eines Morgens unverhofft seine Großmutter vor der Tür steht – und ihn mit einem gut gehüteten Familiengeheimnis konfrontiert. (Klappentext)

D: Hamburg, Bönningstedt, Brunsbüttel

3. März 2026

Mai in Morcote

Evelyn Peters: Mai in Morcote, Knaur,
München/Zürich, 1979
Urlaub im Tessin – für zwei grundverschiedene Schwestern, Anke und Elsy, ist es weit mehr als eine willkommene Abwechslung vom Alltagseinerlei. Anke – jung und schon verwitwet – ist ausgeglichen, besonnen, überlegen! Elsy dagegen ist ein lebenslustiges, erfolgsverwöhntes Mannequin mit der Angst vor dem Tag, an dem sie nicht mehr gefragt sein wird.

Zum dramatischen Wendepunkt ihres Lebens wird eine nächtliche Gartenparty mit der Schickeria Morcotes. Alles, was Rang und Namen hat, trifft sich hoch über dem Luganersee. Elsy setzt alles auf eine Karte, spielt all ihre verführerischen Reize aus, um den eingebildeten und verheirateten, aber reichen und weltgewandten Gastgeber für sich zu gewinnen.

Anke kann diese Umgebung nicht mehr ertragen und entflieht dem blasierten Geschwätz, dem arroganten Gehabe und der peinlichen Ausgelassenheit der Partygäste. In einer kleinen abgelegenen Trattoria begegnet sie einem Mann, der, durch einen schweren Unfall gezeichnet, sich verbittert in sich selbst zurückgezogen hat.

Während dieser gemeinsamen Ferien in Morcote erleben die beiden Schwestern die Liebe so verschieden, so andersartig, wie sie selbst es sind. Der Autorin ist es gelungen, mit Anke und Elsy zwei beispielhafte Charaktere absolut glaubwürdig und lebendig, differenziert und ergreifend darzustellen Ein bewegender Roman aus unseren Tagen, voller Engagement und Lebensklugheit.
(Klappentext)

TI: Melide, Morcote, Vico Morcote, Bissone, Luganersee, Collina d'Oro, Lugano Gandria, Monte Lema, Malcantone, Pura, Neggio, Magliaso I: Cernobbio, Como, Campione