29. Januar 2026

Nordwärts

Silvia Furtwängler: Nordwärts, Rowohlt,
Reinbek b. Hamburg, 2015
Auswandern, im Einklang mit der Natur leben, bei sich selbst ankommen – Silvia Furtwängler hat sich diesen Traum erfüllt. auf den Spuren Roald Amundsens reiste sie 2008 nach Norwegen, in die grösste Hochebene Europas, und blieb – überwältigt von der unglaublichen Schönheit der Natur. Seitdem lebt sie mit ihrer Familie und ihren Schlittenhunden in einem Häuschen am See, ist oft wochenlang durch Schnee und Eis von der Aussenwelt abgeschnitten, aber glücklich. Hier bereitete sie sich auch mit ihren Hunden auf eine aussergewöhnliche Expedition vor, den Volga Quest: 600 Kilometer auf der zugefrorenen Wolga mit dem Schlitten durch Russland. Von sieben Teilnehmern ist sie die einzige Frau – und nur sie gelangt ins Ziel. (Klappentext)

26. Januar 2026

Tödliche Gier

Albert-Louis Chappuis: Tödliche Gier, Mon
Village, Vulliens, 1991
Wir möchten dem Leser zunächst den Hinweis geben, dass dieser Roman von historischem Charakter ist. Er bezieht sich auf ein gelinde gesagt unglaubliches Ereignis, das sich im Waadtland in den Jahren 1867 und 1868 abgespielt hat. Der Autor stützt sich in seiner Erzählung also auf Tatsachen, so wie sie sich zu jener Zeit wirklich ereignet haben. Um realitätsgetreu schreiben zu können, hat A.-L. Chappuis ausserdem alle seine Recherchen im kantonalen Archiv durchgeführt, welches die Unterlagen erst 1968 zugänglich gemacht hat, also 100 Jahre nach dieser geheimnisvollen Geschichte.

Um was für eine Angelegenheit handelt es sich nun eigentlich? In der Hauptsache um ein Strafverfahren, nämlich um das letzte Todesurteil im Kanton Waadt, das am 10. Januar 1868 in Moudon um 10.00 Uhr morgens bei minus 10 Grad vollstreckt wurde. Es war also ein sehr kalter Tag, was ungefähr zwanzigtausend Menschen jedoch nicht daran gehindert hat, nach Moudon zu kommen, um dieser Hinrichtung beizuwohnen. Verurteilt wurde ein junger Bauer aus der Gegend, Héli Freymond, der älteste Sohn einer wohlhabenden Familie. Wohlhabend, soviel ist sicher, und dieser Reichtum wird noch vermehrt durch die Verbindung, die Héli durch die Heirat mit einem jungen Mädchen aus St-Cierges eingeht, das ebenfalls aus begüterter Familie stammt. Mehr als genug Grund für alle Honoratioren der Gegend, an dem Fest teilzunehmen, einschliessIich des Pastors natürlich, der die kirchliche Trauung dieses aussergewöhnlichen Paars übernimmt.

Die Neuvermählten scheinen eine glückliche Ehe zu führen, bis zu dem Tag, an dem die junge Frau plötzlich von einer ebenso unerklärlichen wie unglaublichen Krankheit befallen wird. Sie stirbt unter schrecklichen Schmerzen und schenkt von ihrem Tode noch einem Jungen das Leben, einer Frühgeburt, der seine Mutter nicht überlebt. Grosse Trauer herrscht nicht allein in der Familie Freymond, sondern in der ganzen Gegend, als man sich auf dem Friedhof versammelt, um der jungen Frau und ihrem Kind die letzte Ehre zu erweisen. Und, um dem untröstlichen Witwer am Grab Beistand zu leisten.

Auch der Pastor ist wieder zugegen, um die Grabesrede zu sprechen. Er ist ebenso betroffen wie alle; er hatte absolut nicht erwartet, einige Monate nach der Segnung des jungen Paares und dem glücklichen Ereignis nun eine zutiefst gebrochene Familie betreuen zu müssen.

«Amen!» – Zunächst hatten wir dem Werk diesen Titel geben wollen, um uns später doch für TÖDLICHE GIER zu entscheiden. Der erwähnte Pastor wird nämlich dreimal Gelegenheit haben, dieses Wort für Héli Freymond zu sprechen. Das erste Mal bei Helis Vermählung als Abschluss der kirchlichen Trauung. Das zweite Mal einige Monate später, nach seiner Totenrede, am Grab der unglücklichen jungen Frau und ihres Kindes. Und zum dritten und letzten Mal spricht der Pastor schliesslich am 10. Januar 1868 in Moudon wiederum Amen in Anwesenheit von Héli Freymond, dem jungen Ehemann, dem jungen Witwer, der von der waadtländischen Justiz zum Tode verurteilt wurde, und dies aus Gründen, die Sie selbst entdecken werden. Ein Urteil, das die Gerichtsannalen dieses Kantons tief geprägt hat, ebenso wie die Bevölkerung, denn auch heute noch spricht man in den Familien von dieser düsteren Angelegenheit, die demnächst auch als Kinofilm erscheinen soll.

Ein wahre und fesselnde Geschichte, die Sie in einem Zug verschlingen werden
. (Klappentext)

VD: Corrençon (Hauptschauplatz), St-Cierges (Hauptschauplatz), Moudon (Hauptschauplatz), Thierrens, Denezy, Morges, Lausanne, Echallens, Poliez-le-Grand, Naz, Peyres-Possens, Chapelle-sur-Moudon, Sugnens

23. Januar 2026

Heisses Geld

Gwendoline Butler: Heisses Geld,
Diogenes, Zürich, 1999
Brütende Hitze über London II, dem Stadtteil auf dem Gebiet der alten Docklands. Doch mehr noch als die Hitze bringt der plötzliche Tod zweier Kollegen Polizeichef John Coffin ins Schwitzen. Daneben gibt es schon länger Mutmassungen über gross angelegte Geldwäscherei in seinem Distrikt, und nun soll und will Coffin der üblen Angelegenheit auf den Grund gehen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den toten Polizisten und den illegalen Finanztransaktionen? Es folgen weitere blutige Verbrechen, bis es Coffin auf ungewöhnliche Art gelingt, den Fall zu lösen.

Mit John Coffin betritt ein neuer Reihenheld die Bühne des literarischen Thrillers, ein ebenso fabelhafter Polizist wie Ehemann. Gwendoline Butlers Meisterschaft besteht darin, einen spannungsreichen Plot mit der einfühlsamen Beschreibung ihrer Charaktere und einer atmosphärisch dichten Schilderung des Schauplatzes zu verbinden - ein glänzend komponiertes und rundum fesselndes Buch.
(Klappentext)

GB: London

20. Januar 2026

Wenn die mich nicht hätten

Bänz Friedli: Wenn die mich nicht hätten,
Orell Füssli, Zürich, 2011
Bänz Friedli schenkt den kleinen, unscheinbaren Begebenheiten Bedeutung, er feiert den Alltag als grosses Abenteuer. Wir staunen, wie Fukushima ins Kinderzimmer hineinwirkt, wir lachen mit ihm über Kinderversprecher, über Fehlgriffe im Haushalt und erzieherische Fauxpas. Nichts entgeht dem präzisen Beobachter, nicht das winzige Lego-Teilchen, das im Staubsauger verschwindet, nicht die neuste Sprachmarotte der Jugendlichen: «Ey, diini Muetter…» Selbst über das grösste Ärgernis vermag er mit solcher Leichtigkeit zu schreiben, dass man am Ende darüber schmunzeln kann.

Ein Buch nur für Frauen? Nein! Zusammengefasst ergeben Friedlis «Hausmann»texte, ergänzt um Beiträge aus «NZZ», «NZZ am Sonntag», «Tages-Anzeiger», «Der Bund» und «Weltwoche», ein Journal der laufenden Ereignisse. Und die eine Sorge, seine grösste, teilt Friedli vermutlich eher mit Männern: diejenige, dass sein Lieblingsteam ja doch nie Meister wird.
(Klappentext)

17. Januar 2026

Der Mann, der Glück brachte

Claude Cueni: Der Mann, der das Glück
brachte: Lenos, Basel, 2018
Lukas Rossberg lag seit einem Kopf- und Lungendurchschuss, den er als Unbeteiligter bei einem Casinoüberfall erlitten hatte, sieben Jahre im Wachkoma. Als er nach der Reha ins Leben zurückkehrt, ist nichts mehr so, wie es war: Seine Freundin hat ihn verlassen, die Angestellten seiner IT-Firma sind ins Silicon Valley ausgewandert. Und die Folgen seiner schweren Verletzungen bleiben spürbar, er hat Gedächtnisausfälle und Depressionen. Sein alter Freund Robert Keller gibt ihm aus Mitleid einen Job bei der Lotteriegesellschaft. Fortan berät Lukas frischgebackene Lottomillionäre – er wird der Mann, der Glück bringt, aber selbst kein Glück hatte. Doch das eigenartige Verhalten des Lotteriechefs weckt schon bald sein Misstrauen. Der Verdacht, dass sich in der verhängnisvollen Casinonacht manches anders zugetragen hat, erhärtet sich. Als Lukas schliesslich den Server der Lotteriegesellschaft hackt, kommt er Roberts Komplott auf die Spur. (Inhaltsangabe zum Buch)

BS: Stadt Basel (Hauptschauplatz) F: Elsass I: Sardinien

14. Januar 2026

Geschafft!

Kürzlich kam ich nach über 400 Kilometern Fussmarsch in Kreuzlingen an. Begonnen hatte das Ganze im April 2021 in Lausanne, wo ich mich aufmachte, das Schweizer Mittelland im Wald zu durchqueren. Kein einfaches Unterfangen, da zwischen Lac Léman und Bodensee kein durchgehender Wald besteht. Alles in allem war ich anlässlich der 25 Tagesetappen 260 km im Wald, 56 km am Waldrand und 95 km in offenem Gelände unterwegs. Und nun? Nun mache ich mich an die Dokumentation dieser unglaublich schönen und erfüllenden Fernwanderung. Ein Buch mit etwas Text und vielen Fotos soll es werden. Der Buchtitel steht schon mal fest: «IM WALD».

11. Januar 2026

Und morgen seid ihr tot

Daniela Widmer, David Och: Und morgen
seid ihr tot, Dumont, Köln, 2013
Es sollte eine Reise entlang der Seidenstrasse werden. Sie endete in der Gewalt pakistanischer Taliban. Achteinhalb Monate lang lebten Daniela Widmer und David Och in Todesangst. Ihre eindrucksvolle Geschichte führt ins pakistanische Waziristan, nahe der Grenze zu Afghanistan, ins Stammland der Taliban.

Am 1. Juli 2011 beginnt der Albtraum. Daniela Widmer und David Och werden in Belutschistan von einem bewaffneten Kommando aus ihrem Reisebus gezerrt und fünfhundert Kilometer Richtung Norden verschleppt. Bald wird klar, dass die Taliban-Kämpfer Gotteskrieger freipressen und Lösegeld kassieren wollen.

Im Laufe der Monate wird die Situation immer auswegloser, die Geiseln fragen sich: Warum kommen die Verhandlungen zwischen den Taliban und der Schweizer Regierung nicht voran? Tagtäglich wird das Gebiet systematisch bombardiert, ihre wechselnden Gefängnisse werden immer prekärer. Mit Lauftraining, Gymnastik und Tagebuchschreiben versuchen die Geiseln, eine Alltagsroutine und Disziplin zu wahren, trotz permanenter Magen-Darm-Infekte und Malaria, trotz schwindender Widerstandskraft.

Als sich in den Wintermonaten auch die letzte Hoffnung auf einen Erfolg der Verhandlungen zerschlägt, treffen David Och und Daniela Widmer eine mutige Entscheidung. Am 15. März 2012 gelingt ihnen die Flucht. Sie kehren zurück in die Schweiz. Doch gibt es das noch: ihr altes Leben?
(Klappentext)

8. Januar 2026

Booms Ende

Walter Vogt: Booms Ende, Ex Libris,
Zürich, 1981
15 satirische Erzählungen, phantasievoll und kühn gestaltet, mit makabren Effekten, die einen das Gruseln lehren. Vogt verfolgt mit den meisten dieser Geschichten das eine Thema: Diese Welt ist aus den Fugen; die Menschen haben jedes Mass des Handelns verloren und gehorchen nurmehr teuflischen Gesetzen in ihnen selbst. Der Fortschritt dient nicht mehr den Menschen; im schlimmsten Fall führt er in Katastrophen. Wir wissen das. Das Unbehagen, das wir wegen dieses Wissens empfinden, weckt und schürt Vogt mit seinen Erzählungen. Ein verwunschener Garten wird in eine künstliche Anlage verwandelt, in der jedes Kräutlein seinen Platz hat. Aber plötzlich beginnen die exotischen Pflanzen zu wuchern, bis sie Mauern sprengen und in ihrer «unbarmherzigen Umklammerung» einen Menschen ersticken. In dieser verrückten Welt gebärden sich Touristinnen in Afrika wie wilde Tiere, nachdem sie gierig mit angesehen haben, wie ein Raubtier seine Beute zerfleischt. Und wie zerstörerisch Machtbesessenheit und Willkür in der Wirtschaft sein können, demonstriert Vogt in der Titelerzählung am Aufstieg und Fall des Konzerndirektors Boom, der eine Wirtschaftskatastrophe von «apokalyptischem Ausmass» herbeiführt und schliesslich etwas erreicht, «was mir keineswegs an der Wiege gesungen worden war: ein Einzelzimmer in einem soweit ganz komfortablen Altersheim». (Klappentext)

5. Januar 2026

Der unglückliche Mörder

Håkan Nesser: Der unglückliche Mörder,
btb, München, 2006
Es ist eine neblige, nasskalte Nacht. Es giesst in Strömen, und der Junge, der am Strassenrand geht, ist kaum zu sehen. Als der Mann den Aufprall hört, ist es bereits zu spät: Die Verletzungen des Jungen sind tödlich – und der schwer angetrunkene Fahrer gerät in Panik und macht sich aus dem Staub. Warum sollte er sein ganzes Leben zerstören wegen dieses Unglücksfalls? Sich von seiner Karriere verabschieden? Seine Zukunft aufs Spiel setzen, die auf einmal in leuchtenden Farben vor ihm steht? Er kann nicht wissen, dass seine Feigheit schliesslich drei weiteren Menschen den Tod bringen wird und seine Vertuschungsmanöver ihn letztlich gründlicher ruinieren werden, als seine Todesfahrt es je gekonnt hätte … (Klappentext)

NL: Fiktive Niederlande (Hauptschauplatz) USA: New York

2. Januar 2026

Über Nacht

Beat Portmann: Über Nacht, Edition
Bücherlese, Luzern 2019
Nora Gossenreiter, Journalistin Anfang dreissig, hadert mit ihrer beruflichen Situation. Sie träumt davon, über Dinge zu schreiben, die etwas bedeuten – und vor allem: von ihrem eigenen Roman. Statt zur Premiere eines Volkstheaters fährt sie ihren Nachbarn, einen jungen Jazzpianisten, zum nächsten Konzert. Das Notizbuch in der Tasche stürzt sie sich in die Nacht, zusammen mit ihrem besten Freund Frank Landsteiner, einem ewig jugendlichen Frauenhelden und Chansonnier. Auf ihrer Odyssee durch die Bars und Kneipen einer namenlosen kleinen Stadt am Rand der Berge und durch die Wohnungen schlafloser Zeitgenossen werden sie mit den Geistern der Vergangenheit konfrontiert.

Als es schliesslich dämmert, steht Nora mit ihrem klapprigen Honda Legend wieder am selben Ort wie zu Beginn der Nacht. Hat die magische Reise, die sie mit ihrem Roman zu erfahren hofft, nur in ihrem Kopf stattgefunden, während sie schreibend der Handlung folgte?
(Klappentext)