7. November 2022

Der bröckelnde Botta

Tour de Moron: Wie konnte so etwas passieren?


Ich staunte nicht schlecht, als ich in der Zeitung las, dass am Wochenende des 21./22. Mai Teile der Wendeltreppe der Tour de Moron auf dem gleichnamigen Berg im Berner Jura abgebrochen seien. Und auf den Tag genau einen Monat später lösten sich weitere Treppenstufen und Wandteile auf der Aussenseite der Treppe. Der 2004 eröffnete Aussichtsturm wurde vom renommierten Tessiner Architekten Mario Botta entworfen und von circa 700 Maurerlehrlingen während vier Jahren erbaut. Für die Region gilt der Turm als wichtiger Magnet für Wanderer und Biker. Beim gut 30 Meter hohen Turm befindet sich nicht nur die SAC-Hütte der Sektion Angenstein, sondern auch ein Naturlehrpfad, eine kleine Buvette sowie die nahe Hütte eines Skiklubs, der an Wochenenden ebenfalls eine kleine Beiz betreibt.

Um mir ein Bild vor Ort zu machen, fahre ich nach Sorvilier in der Vallée de Tavannes, und gehe auf teilweise noch unbegangenen Wanderwegabschnitten via Moronturm und Perrefitte nach Moutier. Allein die durchgehend zusätzlich mit braunen Turmwegweisern ausgeschilderte Route verdeutlicht die touristische Bedeutung des Botta-Werks.

Oben angelangt erwartet mich in der Tat ein Bild des Grauens. In der unteren Hälfte des Turms fehlt ein Grossteil der Wendeltreppe, die tonnenschweren Kalkquader von Treppe und Aussenwand liegen wild durcheinander am Fusse des Bauwerks. Eine hohe Bauabschrankung umgibt die Schadenszone. Dies ist auch dringend notwendig, können doch jederzeit weitere Teile herunterfallen und Menschenleben gefährden. Ich fotografiere die Situation und bin gespannt, was die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft ergeben werden.  Ebenso interessant wird es sein, zu erfahren, was mit dem Bauwerk weiter geschieht.

Der auffrischende Wind lässt mich bald schon den langen Abstieg nach Moutier unter die Füsse nehmen. Unbestrittener Glanzpunkt sind hier die Gorges de Perrefitte, die ich bislang nicht kannte. Der anfänglich flache und wenig schluchtartige Teil geht unvermittelt in ein Felsen- und Wasserfallfurioso über, das mit langen Treppen und an den Fels befestigten Stegen überwunden wird. Hinter jeder Wegbiegung wartet eine neue Überraschung, so dass man sich wünscht, die Schlucht möge noch lange nicht aufhören. Sie tut es aber, und so unspektakulär ihr oberer Teil war, so unspektakulär ist der untere.

Am Ortseingang von Moutier fällt mir ein zweites Ortschild auf, das mit «Môtie» beschriftet ist. Anlässlich der «Fête romande et internationale des patoisants», die am Wochenende des 24./25.9. in Porrentruy stattfand, hatte die Fédération des Patoisants de la République et Canton du Jura den Gemeinden vorgeschlagen, an den Ortseingängen Schilder aufzustellen, die den Namen der Gemeinde in Patois (Mundart) anzeigen. Die Stadtverwaltung von Moutier schloss sich diesem Vorschlag an. An den vier Ortseingängen wurde je ein weisses Schild mit der Aufschrift «Môtie» aufgestellt. Diese Schilder werden bis Ende des Jahres aufgestellt bleiben, um die Einwohnerinnen und Einwohner für den Fortbestand der Sprache unserer Vorfahren zu sensibilisieren. Fotos

PS. Môtie heisst auf Deutsch Münster.

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