22. Mai 2022

Weiter im Wald

Was tun, wenn du das Wochenende wandernd mit Zelt verbringen möchtest, in den Voralpen stellenweise noch zu viel Schnee liegt und dort am Abend Gewitter angesagt sind? – Ab in den mittelländischen Wald! Ab nach Donatyre, dem letzten Etappenort meines Projektes, die Schweiz wenn immer möglich im Wald zu durchqueren.
Weil sich der Wald derzeit in der üppigsten Frühlingspracht zeigt, ist mir der Entscheid leicht gefallen, das postwinterliche Bergland gegen die sanfte Hügelwelt des waadtländisch-freiburgischen Hinterlandes zu tauschen. Von besagtem Donatyre lenke ich also meine Schritte in den nächsten Wald, wo ich unvermittelt in eine Art grüne Hölle eintauche und auf überwachsenem Pfad hinab an einen Bach stakse, den es steglos zu überqueren gilt.

Musste ich vor einer Viertelstunde entgegenrasenden Autos ausweichen, suche ich nun an der mit Brennnesseln übersäten Uferböschung einen Durchgang zum Wasser. Ein Hauch von Dschungelfeeling macht sich breit. Schliesslich finde ich eine flachere Uferpartie mit überspringbarem Bachbett. Auf der gegenüberliegenden Seite ist die Vegetation weniger dicht, so dass ich mir einen etwas besseren Überblick verschaffen kann. Dabei entdecke ich zahlreiche von Bibern gefällte Bäume. Dreihundert Meter flussabwärts staut sich das Wasser an einem Biberdamm. In welch wunderbare Wildnis bin ich hier innert Kürze geraten!

Biberburg auf der Grenze der Kantone Waadt und Freiburg.

In ähnlicher Weise geht die Waldreise nun in nordöstlicher Richtung weiter: Dichtes Grün und mitunter üppig bewachsene Pfade, die nicht immer leicht auszumachen sind. Zu meiner Überraschung stosse ich gegen 18.30 Uhr am Waldrand etwas oberhalb von Münchenwiler auf einen Rastplatz mit munter plätscherndem Brunnen. Spontan deklariere ich diesen Ort mit Blick auf den Murtensee und dem dahinter gelegenen Jura zum Etappenziel. Bevor ich mir im Wald einen geeigneten Biwakplatz suche, koche ich mir ein Süppchen und hole die Flüssigkeitszufuhr nach.

Ungewohnte Wegverhältnisse im Wald südlich von Villarepos (FR).

Die ruhige Nacht verbringe ich mitten auf der Kantonsgrenze BE/FR direkt neben einem historischen Grenzstein, der ein farbiges Berner Wappen und die Jahreszahl 1754 zeigt. Anderntags ziehe ich weiter durch die bernische Exklave Münchenwiler, stolziere durch den öffentlich zugänglichen Schlosspark, ehe ich mich bei wiederum (zu) warmen Temperaturen von Waldstück zu Waldstück hangle, bis ich schliesslich im Staatswald Galm verschwinde, der noch ein wenig kühle Morgenfrische absondert.

Auf der Kantonsgrenze BE/FR mit dem Grenzstein von 1754.

Kurz vor Wallenbuch betrete ich wiederum bernischen Boden, um hernach mit Wallenbuch eine freiburgische Exklave zu durchqueren. Die komplizierten geopolitischen Verhältnisse der bisherigen Etappen dieser Waldroute nehmen am Tagesziel Gümmenen dann endlich eine Wendung zum Einfachen: Die nun anstehenden Abschnitte werden einzig und alleine durch den Kanton Bern führen. Von den geplanten 405,2 Kilometern habe ich inzwischen deren 101,3 zurückgelegt. Eine Punktlandung in Sachen Bruchrechnen!

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