19. August 2020

Zu Besuch bei Guillemette und Claude

Hatte ihn für mich alleine: der ästhetisch anmutende Turm auf dem Chaumont (NE).


Der derzeitige Ansturm auf die Alpen rief mir wieder einmal den Jura als Ort der Ruhe und Beschaulichkeit in Erinnerung. Statt ins Kiental fuhr ich am vergangenen Samstag nach St-Blaise, einem Vorort Neuenburgs. Der Aussichtsturm auf dem Chaumont hatte es mir angetan, fehlte mir dessen Besteigung doch noch in meiner Turmsammlung.

Sympathisch: Der Chaumont-Turm sieht auch
heute noch so aus, wie vor über 100 Jahren. Die
Aufnahme stammt aus der Zeit um 1915.
Vom Städtchen am See gelangte ich in 1½ Stunden auf den Hausberg der Neuenburger, wo sich der Turm direkt neben der Bergstation der Standseilbahn befindet. Nachdem ich den Obolus von einem Franken entrichtet hatte, quetschte ich mich durch das Drehkreuz und ging auf der leicht ansteigenden und zunehmend luftiger werdenden Rampe zum eigentlichen Turm, den ich ganz für mich alleine hatte. Oben angekommen musste ich zur Kenntnis nehmen, dass sich in der Zwischenzeit eine dreiste Wolkenbank vorgeschoben hatte und mir die «Vue panoramique» gründlich vergällte.

Unverrichteten Staunens stieg ich vom 1912 erbauten Turm und hielt im etwas heruntergekommenen Jugendstilgebäude der Standseilbahn eine kurze Rast. Die Fortsetzung der Wanderung galt dem breiten Chaumont-Rücken. An mitunter beeindruckenden Ferienhäusern vorbei zog ich über Juraweiden und durch lange Waldpartien. Wie erhofft hatte ich meine Ruhe. Trotz Stadtnähe waren da kaum Wanderer oder Biker unterwegs. Im Geiste grüsste ich die Horden auf der fernen Griesalp und fühlte mich glücklich.

Der Abstieg erfolgte auf der Nordseite des Chaumont gegen das Val de Ruz. Als ich bei Fenin aus dem Wald trat, gelangte ich zur mystisch anmutenden Kirche, deren Besuch mir die Behörden aus coronalen Gründen verweigerten. Anders in Valangin, meinem Ziel. Hier, wo bedeutend mehr Menschen verkehren, war die spätgotische Kirche geöffnet. Gegründet hatten sie anno 1505 der Graf Claudius von Aarberg-Valangin und seine Gemahlin Guillemette de Vergy. Die Beiden liegen noch heute in einer Chornische. In Stein gemeisselt, mit betenden Händen auf der Brust. Nachdem ich mir das putzige Städtchen angeschaut hatte, nahm mich der Bus ins nahe Neuenburg mit. Die Alpen sind schön, der Jura ist es freilich auch. Die Bildstrecke zu dieser Wanderung gibt es hier.

Claudius von Aarberg-Valangin und Gattin Guillemette de Vergy in der Kirche von Valangin.


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