16. Oktober 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 77

Schon früher hatten unsere Führer erklärt, dass hauptsächlich das Matterhorn ihr Wegweiser auf dem Eismeer sei, und dass, wenn solches nebst seiner Umgebung in Nebel gehüllt sei, man sich ohne die grösste Gefahr nicht auf den Gletscher wagen dürfe und viele Stunden lang, ohne vorwärts zu kommen, darauf herumirren könnte. Wir machten uns beim Erscheinen dieses erhabenen Giganten auf den Weg und hatten nach wenigen hundert Schritten, das am Rand mit Erde und Steinen verunreinigte Gletschereis erreicht. Es war uns höchst auffallend, und auch die Führer erklärten es für eine grosse Seltenheit, dass in dieser Höhe von mehr als neuntausend Fuss, nicht nur auf dem Felsgrund, sondern auch bis weit auf die kalte Fläche des Gletschers hinein, aller Schnee weggeschmolzen war. Diese Tatsache beweist, wie schwankend und unzuverlässig die Bestimmungen der Schneelinie oder der Grenze des immer bleibenden Schnees unserer Alpenkette sei, welche von 7500 bis 8500 Fuss angenommen wird; wobei aber eine Hauptsache zu bemerken ganz ausser Acht gelassen wird, dass nämlich nebenliegende, sehr hohe Gebirge die Schneelinie um 1000 bis 2000 Fuss zu erhöhen im Stande sind. Für jeden Gletscherwanderer ist es ein Glück, wenn das Eis vom Schnee entblösst ist; denn dieser bildet, oft nur wenige Zoll dicke, unter dem ersten Fusstritt zusammenbrechende Hüllen über hundert Fuss tiefe Spalten, die schon manchen, auch Vorsichtigen, verschlungen haben.
Fortsetzung folgt

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