29. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 60

Der Name des Tales ist Val Lesa oder Val de Lys (Val de Gressoney), und auch der Talstrom heisst die Lys oder Lesa (Lyso). In übereinstimmendem Verhältnis zu den schönen Sennhütten auf den nahen Alpen stehen die einzelnen, auf den grünen Abhängen des Tales zerstreut liegenden, schönen Häuser, wovon einige in ihrer Bauart viel Ähnlichkeit haben mit den schönen Bauernhäusern des Berner Oberlandes. Man kann sich kaum der Frage enthalten, zu welcher benachbarten Stadt diese schönen Landhäuser wohl gehören, da man nicht annehmen kann, dass einfache Hirten in einer Gegend, die durchaus nichts als Gras auf der dünnen Erdrinde hervorbringt, solche Häuser zu bauen vermögen; denn selbst das hierzu benötigte Holz wächst nicht etwa hier, sondern muss mit grossen Kosten aus den unteren Teilen des Tales heraufgeschafft werden. Wenn man aber erfährt, dass die meisten Besitzer dieser Alpenlandhäuser glückliche Spekulanten und Kaufleute im Ausland teils gewesen, teils jetzt noch sind, so kann man sich freilich nun erklären, wie diese Häuser hierher gekommen sind; weniger dagegen, wie aus dem Hirtenvolk dieser wilden, entlegensten Gebirgsgegend so viele wohlhabende Handelsleute hervorgehen konnten; obgleich sich in der Tat auch anderswo viele Beispiele dieser Art in den wildesten Gebirgsgegenden der Schweiz, wie in Bünden und Glarus ausweisen lassen.
Fortsetzung folgt

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