23. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 54

Und was dann fürs Zweite, die Beschaffenheit der Talgründe selbst, betrifft, so kann, wie schon angedeutet, mit Recht gesagt werden, dass auch sie zu einer natürlichen Abscheidung der oberen und unteren Talbewohner vieles beitragen muss. Ja, es kann als wahrscheinlich angenommen werden, dass ursprünglich eine sehr lange Reihe von Jahren hindurch, die über den Alpenkamm in diese Talhintergründe eingedrungenen Deutschen hier gelebt haben mögen, ohne weder selbst die unteren Talbewohner zu kennen, noch auch von ihnen gekannt zu sein. Denn diese obersten, von Deutschen bewohnten Talgründe bilden gleichsam ein für sich bestehendes Ganzes, das von den unteren Wohnstätten der Italiener durch enge, wilde und stundenlange Talschlünde getrennt ist, welche früher, bevor die undurchdringlichen Wälder, die ihre steilen Hänge bekleiden, gelüftet und durch die Felsenpfade gesprengt worden waren, alle Verbindungen gänzlich gehemmt haben mussten. Wir finden diese Erscheinung auch noch in anderen Teilen der Hochalpen, z.B. in Graubünden, wo ebenfalls die obersten, zwischen der Schnee- und Waldregion abgeschlossen gelegenen, weiten, grünen Talgründe der Weideregion, wie ich sie zum Unterschied nennen möchte, von einem Stamm bevölkert sind, der in Sitte und Sprache von den tiefer liegenden Bewohnern des gleichen Tales ganz verschieden ist.
Fortsetzung folgt

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