15. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 46

In ziemlich schnellem Lauf war ich in einer kleinen Stunde in die Hütten der Falleralp zurückgekehrt, wo ich meinen gefällig wartenden Reisegefährten und den Träger bereit fand. Wir stiegen miteinander steil hinunter und erreichten in einer Stunde den Talstrom, der wenig oberhalb dieser Stelle seinem Gletscher entquillt. Eine Stunde von da noch weiter abwärts im Tal erreicht man die Kirche von Alagna mit wenigen, ärmlich aussehenden Häusern umgeben, übrigens aber in einem freundlichen, grünen Alpental gelegen. Kaum hat man, von der Falleralp herunter gekommen, jenen oberen Talgrund erreicht, so stösst man noch oberhalb des Baumwuchses auf grosse gemauerte, aber verlassene Hüttengebäude, zu denen schöne Wasserleitungen führen und die in der Nähe der Gletscherregion einen überraschenden Anblick gewähren. Diese, dem König von Sardinien gehörenden Hüttengebäude sind zur Mahlung und Amalgamierung der in früherer Zeit hier reichlich gebrochenen, Gold- und Silbererze errichtet worden; die nahe liegenden Erzgruben aber, wahrscheinlich durch schlechten Betrieb und schlechte Verwaltung alle eingegangen, bis auf eine einzige, in welcher noch zwei Mann arbeiten; so wie auch die schönen Hüttengebäude allmählich in Verfall geraten. Vergebens sahen wir uns in dieser öden Wildnis nach einem Menschen um, der uns über die Gruben, von denen wir in der Nähe die offenen Stollen sahen, und über die Hütten nebst ihrem frühern Betrieb, an Ort und Stelle einige Auskunft hätte geben können. Es war hier alles wie ausgestorben. Erst im Dorf Alagna fanden wir, während des Mittagessens im Wirtshaus, einen Mann Namens Joseph de Paulis, welcher der Unternehmer und Pächter von einigen, zuoberst im Tal, nahe am Gletscher gelegenen, Goldgruben war, auf denen damals gerade fünfzehn Mann während sechs bis höchstens acht Monaten im Jahr arbeiten, da sie die übrige Zeit dem rauen Klima weichen müssen.
Fortsetzung folgt

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