20. September 2017

Yverdon – Lausanne

Für die Strecke Yverdon–Lausanne benötigt der IC 23 Minuten. Wir waren etwas länger unterwegs.

Der Kanton Waadt ist nicht nur der viertgrösste Kanton der Schweiz, er weist mit 318 Gemeinden am zweitmeisten Kommunen auf (1. Bern 379, 3. Aargau 215). Am vergangenen Wochenende nahm ich mir den Landstrich zwischen Neuenburger- und Genfersee vor, wo 13 von mir bislang unbegangene Gemeinden liegen. Mit von der Partie: Jörg, der frischgebackene Frauenfeld-London-Pilger. Nach 1077 Wanderkilometern und zwei Wochen Wanderabstinenz verspürte der Ostschweizer erste Entzugserscheinungen, weshalb ihm mein Vorhaben, von Yverdon nach Lausanne zu gehen, gerade recht kam.

Für mich war die über 46 Kilometer lange Strecke eine Art Hauptprobe. Ich habe im Sinn, demnächst mein Nordkap-Projekt Nordetter in Basel fortzusetzen. Hierbei soll mir der kürzlich vorgestellte Wanderwagen die Last von den Schultern nehmen. Um seine Funktionstüchtigkeit zu testen, zog ich ihn also durch die Waadtländer Provinz. Mit im Gepäck die gesamte Ausrüstung; vom Sitzmätteli über die Kochutensilien bis hin zum Zelt und dem ganzen Brimborium, das eine mehrtägige Wanderung im Autark-Modus erfordert. Und ja, das Gefährt und das knallgelbe Duffle haben den Test mit Bravour bestanden! Besonders praktisch ist die Tasche während der Rast. Du sitzt auf dem Bänkli, vor dir der Wagen mit dem sehr gut zugänglichen Duffle, in das es nur reinzulangen gilt. Kein Suchen, kein Fluchen. Alles, was für eine Pause benötigt wird, liegt in der Mitte und zuoberst. Selbst die vier Befestigungsriemen taten ihren Job ausgezeichnet. Das Duffle machte die ganzen zwei Tage keinen Mucks, bewegte sich also keinen Millimeter nach links, rechts, vorne oder hinten. So muss es sein! Einzig mit der Gestängelänge hadere ich noch ein wenig. Meiner langen Beine wegen muss ich im sprichwörtlichen Sinne laufend aufpassen, nicht mit der Ferse am Gepäck anzustossen. Dies bedingt, dass ich kürzere Schritte nehmen muss, was auf die Dauer meinem Gehapparat nicht gut bekommen dürfte. Gut möglich, dass ich das Zuggestänge um 10 cm verlängern lasse.

Besonders beeindruckt waren wir vom wechselhaften Wetter. Am Samstag beobachteten wir genüsslich, wie sich drüben am Jura dunkle Wolken entluden, derweil wir praktisch trocken und meist unter Sonnenschein dahinwandelten. Auch in dieser Region der Romandie sind die ehemaligen Bauerndörfer zu Schlafgemeinden verkommen. Keine Schulen, keine Geschäfte und sehr selten ein Restaurant. Viele der charakteristischen Bauernhöfe sind zu reinen Wohnhäusern umgebaut worden. Die altertümlich wirkenden Kirchen erinnerten uns stark an Frankreich. Nach Echallens fiel uns die hohe Dichte an Pferdemist auf. Je näher wir Lausanne kamen, umso mehr Reithöfe tauchten auf. Diese wurden in der unmittelbaren Agglomeration der Waadtländer Metropole von Villenquartieren abgelöst. Und alle diese Herrschaftshäuser haben etwas gemeinsam: Die Grundstücke sind mit hohen, blickdichten Hecken umsäumt und massive Stahltore verriegeln die Zufahrten. Ab und zu kläffen Hunde ennet dem Lebhag, als ob es gälte, die Welt vor Ausserirdischen zu retten.

Immerhin lugte da und dort der Genfersee hervor, ehe wir von den Strassenschluchten Lausannes verschluckt wurden. Am Bahnhof angelangt, reichten ein paar Handgriffe, um den Wanderwagen reisetauglich zu machen. Schön, wie es kurz nach Anruckeln des Zuges über der Lavaux zu regnen begann. Fotos der ersten Etappe gibt es hier und solche des Abschitts von Malapalud nach Lausanne hier.

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