4. Mai 2016

Ein Kanal von der Broye an die Aare?

Vor über 350 Jahren geisterte eine Idee durch die Köpfe von Wasserbauingenieuren und Schiffsleuten: Ein direkter Wasserweg zwischen Nordsee und Mittelmeer. Der Einfall ist bestechend. Der Neuenburgersee ist via Aare (früher mit dem Abschnitt Meienried bis Nidau über die Zihl) und Rhein direkt mit der Nordsee verbunden. Und vom Genfersee aus erreicht man über die Rhone das Mittelmeer. Mit einer Konzession der Berner Regierung in der Tasche, nahm sich Elie Gouret (1586 –1656), ein hugenottischer Baron aus der Bretagne, der Sache an und wollte zwischen Neuenburger- und Genfersee einen Kanal bauen. Die Arbeiten wurden 1638 aufgenommen – und blieben 1648 stecken. Der Canal d’Entreroches wurde nie fertig gestellt. Dabei fehlten lediglich 13 Kilometer bis zum Genfersee hinunter. Um die 59 Höhenmeter zu überwinden, wären aber 40 Schleusen nötig gewesen. Dies überstieg die finanziellen Möglichkeiten des Barons. Das beendete Kanalstück von Entreroches bis Yverdon diente immerhin bis 1829 dem regionalen Verkehr.

Besagter Kanal war mir schon seit Jahren ein Begriff. Am 11. April 1991 wanderte ich von Eclépens nach Yverdon und folgte hierbei dem ehemaligen Bauprojekt. Dass Mitte des 17. Jahrhunderts durch das Grosse Moos ebenfalls ein Kanal gebaut und tatsächlich auch betrieben wurde, habe ich erst kürzlich entdeckt. Die Rede ist vom sogenannten Aarberger-Kanal. Als die Berner Regierung noch an den Erfolg des Entreroches-Projekts glaubte, gab sie einen weiteren Kanalbau in Auftrag. Der Aarberger-Kanal sollte die Verbindung zwischen der Stadt Bern und der damals bernischen Westschweiz und – dank dem Entreroches- Kanal – zum Mittelmeer verkürzen. Der übliche Weg über Aarberg und Meienried, dann zihlaufwärts Richtung Bielersee und durch die Obere Zihl in den Neuenburgersee, war sehr umständlich; die Strecke zwischen Aarberg und Meienried galt zudem wegen des sich dauernd ändernden Flussbetts als gefährlich. Zwischen 1645 und 1647 wurden in der Folge zwischen Aarberg und der Broye vor deren Einmündung in den Neuenburgersee ein 15 Kilometer langer Kanal gegraben und fünf Schleusen gebaut. Zum Zug kam wiederum Elie Gouret, der Promoter des Canal d’Entreroches. Schon sehr bald entwickelte sich der Kanal aber zum Sorgenkind. Bereits zwei Jahre nach seiner Fertigstellung war er aufgrund des schlechten Baugrunds vom Zerfall bedroht. An den Schleusen mussten teure Unterhaltsarbeiten und Reparaturen vorgenommen werden. 1697 wurde die bis dahin wenig benutzte Anlage endgültig ausser Betrieb gesetzt. Heute sind davon kaum noch Spuren auffindbar.

Der «Aarberg Canal» auf der Dufourkarte von 1860 (vor der 1. Jura-Gewässer-Korrektion). Da war er noch eingezeichnet, obschon seit mehr als 150 Jahren nicht mehr in Betrieb (der besseren Lesbarkeit wegen in Rot).

Der Aarberger-Kanal auf der aktuellen Karte im Massstab 1:100 000, zum Vergleich nachgezeichnet.

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