23. November 2015

Konfessionelles aus Hemberg I

Das Toggenburg ist kirchengeschichtlich eine interessante Gegend. Vor Jahren, auf meiner Wanderung von Schaffhausen ins Bergell, kam ich im Ort Mogelsberg vorbei und lernte dort den Begriff paritätische Kirche kennen. Hierbei handelt es sich um die gemeinsame Nutzung des Kirchgebäudes, sowohl von Katholiken als auch von Reformierten, jedoch jeweils zeitlich so versetzt, dass sich die Messen und Gottesdienste nicht in die Quere kommen: die infrastrukturelle Oekumene. Eine meiner letzten Wanderungen führte mich nun in das schön gelegene Toggenburger Dorf Hemberg. Bereits von weitem fielen mir die zwei Kirchtürme auf, und ich wusste, was dies zu bedeuten hatte. Gespannt machte ich mich auf die Suche nach den Hintergründen. Ich musste nicht lange suchen, denn vor jedem Gotteshaus stand eine Tafel, die ein wenig über die Historie berichtet.

Die Turmspitze der katholischen Kirche in Hemberg (SG).


Das heutige Gebäude der katholischen Kirche wurde 1871/82 von Ferdinand Beer erbaut. Es ist ein im Kern gotischer Spätbarockbau mit Chorfrontturm. Die Fresken von Jakob Josef Müller kamen zum Teil erst bei der Restauration 1972/73 wieder zum Vorschein. Eine besondere Geschichte hat die Statue der heiligen Anna hinter sich. Einzug in Hemberg hielt sie vermutlich im Jahre 1460, ein Jahr nach dem Brand der ersten Kirche aus dem Jahr 1240. Innerhalb eines Jahres hatten die Hemberger die Kirche wieder aufgebaut und fügten dieser nun die St. Annakapelle hinzu. Als 62 Jahre später die Reformation samt Bildersturm auch das Toggenburg erschütterte, «floh» St. Anna gleichsam ins Exil Ein St. Peterzeller Katholik hielt sie in seinem Hause verborgen. Sie kehrte auch nicht zurück, als im Jahre 1618 wieder ein katholischer Priester sein Amt in Hemberg antrat. Wohl zu ihrer Rettung, denn 1623 wurde die Kirche durch Blitzschlag zerstört. Sie wurde wiederum sofort aufgebaut und zwar von den Evangelischen und den Katholischen gemeinsam, denn das gebäude, ja sogar das Pfarrhaus wurden paritätisch genutzt. erst im Jahre 1649 wurde die heilige Anna in feierlicher Prozession in ihre Kapelle zurückgebracht. 1779 erbauten die dann die evangelisch Gläubigen ihre eigene Kirche. Mehr darüber im Blog von morgen.

Das nicht allzu überladen wirkende Innere der katholischen Kirche von Hemberg.

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