13. Januar 2014

Ein bisschen Sonne

Gestern ging ich auf tierweltliche Wander-Reportage: von Neuheim auf den Gottschalkenberg und von da zum Ratenpass. Während drei Stunden sah ich kaum eine Menschenseele. Dies änderte sich schlagartig, als ich die Krete des Höhronen beim Gottschalkenberg erreichte. Biblische Szenen à la Auszug aus Ägypten spielten sich ab. Eine Völkerwanderung ungeahnten Ausmasses. In Halbschuhen, Turnschuhen, Moon-Boots, Lackstiefeletten, in diesen gefütterten, hochgezogenen Frauenpantoffeln und ja, vereinzelt auch in Wanderschuhen. Hunde beinahe aller Rassen wirbelten durcheinander, als gälte es, noch vor Einbruch der Nacht Noahs Arche zu erreichen. Kinder jeglichen Alters, in Kinderwagen, Baby-Tragetüchern, auf Trottinets und mit Vätern, die ihren Söhnen die funkfenrgesteuerten Modellautos nachtrugen. Leute in dicken Daunenjacken, Frauen mit blossem Hemd, alte Männer mit jungen Blondinen – Hand in Hand. Parfüm-, Sonnencreme- und Eau de Toilette-Duftwolken unterschiedlichster Provenienz. Englisch, Amerikanisch, Zugerdeutsch, Zürichdeutsch, Baseldeutsch, Schwyzerdeutsch, Holländisch, Spanisch, Russisch, Italienisch und viel, sehr viel Hochdeutsch. Ein sonntägliches Babylonien im Zentralschweizer Voralpenland.

Der Raten mit vollem Parkplatz. Die Aussicht war indes perfekt.
Gekommen sind die meisten mit dem Privatauto – dementspechend das Chaos auf dem Raten, wo ein halbes Dutzend Ordnungshüter in orangen Westen nicht nur zum rechten schaute, sondern ab und zu auch Bratwürste in eine zum Grillstand umfunktionierte Scheune lieferte, welche dem hoffnungslos überfüllten Restaurant ein wenig Entlastung bot. Doch damit nicht genug. Das Schönwetter passte auch einem Retro-Schumi, der seine Oldtimer-Formel-Was-Weiss-Ich-Rennmaschine unter begeisterter Anteilnahe  gelangweilter Ehemänner am Buswendeplatz zur Schau stellte und gar die Kühlerhaube öffnete. Im Hintergrund röhrte der eine oder andere Töff vorbei, derweil sich Mountain-Biker ihre verschwitzte Odlo-Ware vom Leib schälten und auf trockene Baumwolle umstellten. Etwas verloren wirkte der Zweispänner, der offenbar vergeblich auf Kundschaft wartete. Eine Stelltafel warb für Schlittenfahrten, doch da war zuwenig Schnee. Wer will schon Kufen-Feeling auf Rädern?

Schlaffe Sache und hätte noch gefehlt: Eine Horde johlender Schneeschuhwanderer.



Ich setzte mich auf einen Rugel Holzstämme, liess das obskure Tohuwabohu auf mich wirken und amüsierte mich am Ende über eine in die Jahre gekommene Dame mit brandschwarzem Haar, knallroten Lippen, langen Fingernägeln im Scherbenhaufen-Look und durchgehend schwarzem Outfit, wie sie in ihren kniekehlenhohen Stiletto-Stiefeln die zehn Meter vom Rundholz über eine aufgeweichte Wiese balancierte und hernach theatralisch auf ein Strässchen stampfend, den Dreck von der Schuhsohle befördern wollte. Was eine Nebelsuppe im Mittelland nicht alles bewirkt!

Sieht aus wie in der Pause des FC Oberägeri, ist indes der improvisierte Grill in einer Scheune auf dem Ratenpass. Ob man sich mit Hunden nach neuem Tierschutzgesetz überhaupt in eine derartige Warteschlange einreihen darf, ist mir leider nicht bekannt.

1 Kommentar:

  1. Gut, wenn man genügend Humor hat, sich über das städtische Volk zu amüsieren!! Da war ich am Sonntag doch lieber unter dem Nebel - oder hätte die Route auf dem Raten begonnen....Gruss, Monika

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