8. Dezember 2013

Ronaldinhos Locke

Nunningen lag im Halbschatten als wir uns gestern an die Überschreitung des Juragebirges schickten. Die Route führte im verkrusteten Schnee den Steilwald hoch an die Sonne und um mehrere Bergkämme herum an den Fuss des Passwangs. Hierbei durchschritten wir eine vollkommen bipolare Welt. Düstere Schattenpartien wechselten sich ab mit gleissend hellen Südhängen. Auf Tiefkühltemperaturen folgten Wohlfühlwerte à la Märzensonne. Es war alles in allem eine premium Winterwanderung durch die tiefste Faltenjuraprovinz und allen Adventhetzern als zwischenzeitliche Erholung zu empfehlen.

Unterwegs zwischen Nunningen (SO) und Mümliswil (SO).


In Mümliswil war Schluss aber noch nicht fertig. Am Dorfausgang Richtung Balsthal setzten wir einen kulturellen Kontrapunkt. Wir besuchten das Museum Haar und Kamm. In den Räumlichkeiten der 1990 stillgelegten Kammfabrik ist nicht nur die spannende Firmengeschichte dokumentiert sondern auch der Herstellungsprozess des Kamms. Unzählige skurril anmutende Objekte bereichern den gezeigten Fundus. Die Fabrik, deren Produkte den Markennamen Kroko trugen, beschäftigte während der Hochblüte 400 Angestellte. Abnehmer der qualitativ hochstehenden Ware fanden sich in weiten Teilen des Globus. Man lieferte unter anderem an den spanischen Hof oder in den Buckingham Palast.

Das Museum befindet sich im hellgelben Trakt der 1792 gegründeten und 1990 geschlossenen Kammfabrik in Mümliswil (SO).
Besonders amüsant fanden wir eine Chronologie über die Entwicklung der Haarmode. Als die Welt noch Zeit und Geld für ausgefeiltes Kunsthandwerk hatte, entstanden Frisuren von umwerfender Pracht. Da gaben die in kleinen Vitrinen präsentierten Locken der Fussballpromis Marco Streller, Benjamin Huggel, Pascal Zuberbühler und Daniel Gygax bedeutend weniger her. Zugegeben, beim Schübel des zweifachen Jahres-Weltfussballers Ronaldinho vollführte ich um ein Haar Freudentänze.

Die Haarlocke des einstigen Fussballgottes Ronaldinho.

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