26. Juli 2013

Drama im Val Cama

Soeben entnehme ich aus verschiedenen Medien, dass sich in der Nacht auf heute auf der Alp del Lago im Misoxer Val Cama ein grosser Felssturz ereignet hat. Hierbei ist eine 38-jährige Alphirtin ums Leben gekommen. Das Unglück ereignete sich um 02.30 Uhr, als sich die vierköpfige Familie – aufgeschreckt vom donnernden Berg – nach draussen begab. Währenddem sich die Frau von den herandonnernden Felsmassen in Sicherheit bringen wollte, wurde sie tödlich getroffen. Ihr Ehemann sowie die zwei- und vierjährigen Kinder überlebten. Das Tragische an der Geschichte: Es wäre niemand zu schaden gekommen, wenn die Familie das Alpgebäude nicht verlassen hätte, denn das vor ein paar Jahren komplett wieder aufgebaute Steinhaus blieb unversehrt. Nur: Dies konnte niemand wissen, da wegen der Dunkelheit die Einschätzung der Situation kaum möglich gewesen war. Glück im Unglück hatten indes 13 Kinder eines WWF-Lagers, welche bloss 50 Meter vom Ende des Felssturzes  in Jurten übernachteten.

Hier geschah das Drama. Bereits früher stürzten sich immer wieder Felsmassen alpwärts.
Das Alpgebäude befindet sich beim Pt. 1279 und ist heute um einiges grösser als hier dargestellt.

Mich hat diese Nachricht erschüttert. Nicht, dass ich die Familie, welche seit mehreren Jahren auf Alp del Lago den Sommer verbrachte, kannte. Mein Bezug zur Gegend rührt von einer zweitägigen Wanderung, die mich im August 2006 auf die wunderbar gelegene Alp am See führte. Die Verstorbene war hier schon damals als Hirtin tätig. Mich beeindruckte, mit welcher Hingabe die Menschen das rauhe Gebirge mit ihren Ziegen beweideten und die Herde jeden Abend über zum Teil halsbrecherische Pfade in den Melkstall trieben.

Abendliche Rückkehr der Ziegenherde zum Melken. Im Hintergrund zwei Jurten und der Stall

Der Zugang zum Lagh de Cama und demzufolge auch zur Alp wurde nach dem Felsssturz gesperrt. Es bleibt zu hoffen, dass die wunderbare Örtlichkeit in Bälde wieder zu Fuss erreicht werden kann. Das Leben dort muss weiter gehen, auch wenn es nicht mehr dasselbe sein wird, wie bis gestern Nacht.

Im Sommer 2006 wurde das alte Alpgebäude komplett erneuert und erweitert.

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