10. Juni 2013

Vom Ludnung zum Lurnig

Topografische Karten sind nicht nur zusammenfaltbare Landschaften, sie bieten auch eine unglaubliche Fülle an Informationen. Als virtuelles Vögelchen über Täler, Berge, Seen, Wälder, Städte, Dörfer, Gletscher, Flüsse, Rangierbahnhöfe, Atomkraftwerke, Flusskraftwerke, Autobahnkreuze, Flugplätze, Mülldeponien, Einfallstrassen und Ausfallstrassen, Skigebieten, Gewerbezonen, Staumauern, Kanälen, Tunnel, Viadukte, Äquadukte, Forschungszentren, Rebhänge, Inseln, Nordwände, Südwände, Fussballplätze, Hochöfen, Sumpfgebiete, Obstbaumkulturen, Sprungschanzen, Aussichtstürme, Starkstromleitungen, Schulhäuser, Kirchen, Friedhöfe, Quellen, Dolinen, Sommerrodelbahnen, Golfplätzen, Häfen, Militärflugplätzen, Schwebebahnen, Schluchten, Bergseen, Bergstürzen, Findlingen, Moränen, Schlösser, Ruinen, Burgen, Exklaven, Enklaven, Umfahrungsstrassen, Wanderwege, Karrwege, Saumwege, Fusswege, Wegspuren, Quartierstrassen, Unterführungen, Überwerfungen, Grenzsteine, Kirchen, Wegkreuze, Bildstöcke, Mühlen, Grabhügel, Höhlen, Rinnen und Runsen zu fliegen, ist für mich ein Genuss sondergleichen. Hierbei bediene ich mich oft und gerne älterer Karten, wie just an jenem Tag, als ich das Blatt 263 «Wildstrubel» aus der Kartenkiste zückte. Es datiert aus dem Jahre 1966 und kostete damals 4 Franken 50. Zum Vergleich: Heute schlägt ein Blatt im Massstab 1:50'000, wie z.B. das Blatt «Wildstrubel» mit 14 Franken zu Buche.

Das Blatt von 1966

Bei genauerer Betrachtung stellte ich fest, dass mir etliche Gipfel- und Flurbezeichnungen so nicht geläufig waren. Entweder war die Schreibweise eine andere oder aber der Name. Also begann ich mit den Blättern von 1980 und 2010 zu vergleichen. Und siehe da: Ortsbezeichnungen auf der Landeskarte der Schweiz wandeln sich mehr als man denkt. Dies mag verschiedene Gründe haben. Mundart versus Hochdeutsch, Fehlerhafte Quellen, oder unterschiedliche, mundartliche Sprechweisen, da bekanntlich jedes Tal eigene Dialektausdrücke kennt. Zur Veranschaulichung der Sachlache, hier ein paar Beispiele:

Ausgabe 1963 Ausgabe 1980 Ausgabe 2010
Bonderspitz Bunderspitz Bunderspitz
Dürrenwaldhorn Flöschhore Flöschhore
Erbethorn Erbithorn Erbithore
Fluhhorn Flueseehöri Flueseehöri
Giferhorn Giferspitz Giferspitz
Iffigental Iffigtal Iffigtal
Keibihorn Cheibehorn Cheibehore
Kleinhörnli Chlys Hüri Chlys Hüri
Krinnen Chrine Chrine
Kühdungel Chüetungel Chüetungel
Langermatten Ritzmad Langermatte
Lauenenhorn Lauenehore Louwenehore
Lauenensee Lauenensee Louwenesee
Ludnung Lurnig Lurnig
Pommerngrat Bummeregrat Bummeregrat
Regenbolshorn Regenboldshorn Rägeboldshore
Reulisenhorn Rüwlishore Rüwlishore
Rüggentäli Rügge-Tälti Rügge Tälti
Schlauchhorn Schluchhorn Schluchhore
Tauben Tube Tube
Türmlihorn Türmlihorn Türmlihore
Vollhorn Follhore Follhore
Walliser Windspillen Walliser Wispile Walliser Wispile
Wannenhörnli Wannehörli Wannehörli
Winterhorn Winterhorn Winterhore
Zayetahorn Tschajetuhorn Tschajetuhorn

In der Zeit von 1963 bis 1980 hat sich eine grundlegende Änderung ergeben. Die deutsche bzw. eingedeutschte Schreibweise wich der Mundart bzw. einer mundartlichen Benennung. Diese wiederum erfuhr bis 2010 in einzelnen Fällen kleinere Anpassungen – weshalb auch immer. Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass die deutsche Schreibart mehr und mehr verschwindet. Dass es sich bei Orts- und Flurnamenbezeichnungen in Landkarten um ein regelrechtes Politikum handelt, verdeutlicht die Website der Hochschule für Technik in Rapperswil (SG). Falls es Leserinnen und Leser dieses Blogs geben sollte, die noch kein Hobby haben, bitte, das wär eines!

PS. Selbst die Kartenmacher sind in all den Jahren nicht vor Namensänderungen verschont geblieben. Nannte man sich 1963 noch Eidgenössische Landestopographie, so wurde später die Bezeichnung Bundesamt für Landestopographie eingeführt. Seit mehreren Jahren nun: Bundesamt für Landestopografie swisstopo.

2 Kommentare:

  1. härzlich guetemorge und es ist eine Freude,Ihre Blogeinträge zu lesen.Und ich bewundere Sie,wie Sie akribisch alles recherchieren.Weiterhin wünsche ich Ihnen viel Ausdauer und grüsse Sie herzlich aus Zimmerwald
    Ursula

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  2. Also die Karten sind ja ganz schön teuer geworden - innert 47 Jahren von 4.50 auf 20 Stutz - wenn man die 6.- Porto bei swisstopo miteinrechnet.

    Nur gut verfüge ich über einen mobiles Internetzugang auf meinem Nexus 7, da kriegt man die Karten über diverse Apps wie Schweizmobil oder gps-tracks auch kostenlos mit rein - da sind die kosten für so ein Gerät dann schnell mal amortisiert!

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