2. Dezember 2012

Mammutjagd im Heimisbach

Manchmal liebt man ihn, manchmal nicht. Vor einer Woche wünschte ich ihn mir sehnlichst herbei. Für meine Januar-Wanderkolumne der Zeitschrift Tierwelt kann ich unmöglich grünbraune Matten, ziegelrote Dächer oder ockergelbe Mergelwege abliefern. Also musste für die Erkundung der geplanten Emmental-Route Schnee her. Und das Timing passte perfekt! Mein Wunsch paarte sich mit einem kühlen Feuchtlufttief, das netterweise die ins Auge gefasste Zone beflockte und hinterher eisigen Biswind ins Land schickte, der dem Zuckerguss die nötige Festigkeit verlieh. Der weisse Teppich war also ausgerollt, wir hatten ihn bloss noch zu begehen. Das Unterfangen gedieh zu einer veritablen Komfortwinterwanderung zwischen Ramsei und Langnau. Einen bislang noch nie gesehenen Tourismusgag entdeckte ich auf der Geilisguetegg. Am Bänklein warb ein Täfelchen für Emmentaler Mords- und Spukgeschichten.

Die permanente Berieselung mit medialem Gut macht auch vor Wanderungen keinen Halt.
Das Schildchen auf der Geilisguetegg ob Zollbrück (BE)

Bei minus fünf Grad hatte ich indes keine Lust, mein Handy zu zücken und mir – so sehr ich literarische Originalschauplätze liebe – eine dieser Stories anzuhören. Die aufgeführte Webadresse gab mir den Wink, der Sache von daheim aus auf den Grund zu gehen. Sämtliche Geschichten des Emmentaler Mords- und Spukweges können freilich bequem auf Youtube am PC angehört oder gar von der Website als MP3-Datei heruntergeladen werden. Natürlich wollte ich wissen, welche Geschichte der Geilisguetegg zugeordnet ist. «Mammutjagd im Heimisbach» von Frank Gerber, nennt sie sich. Ich fand sie nur mässig spannend. Und die Youtube-Besucherstatistik wies lediglich 23 Aufrufe auf. Ein wenig viel touristischer Aufwand für derart wenig Ertrag.

Blick von der Geilisguetegg über den Unteren Frittenbachgraben

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen