22. Dezember 2012

Gfeller und die Geographie

An diesem Weihnachts-Shopping-Samstag absolvierte ich die Route Grünenmatt–Burgdorf. Der Wanderstart gestaltete sich stilistisch ganz nach meinem Gusto. In Grünenmatt, so schien mir, ist ein Quentchen mehr Humor zu Hause als anderswo, selbst wenn dies vermutlich kaum jemandem bewusst sein dürfte.

Bahnhof Grünenmatt (BE)

Grünenmatt (BE)

Grünenmatt (BE)

Kurz vor Lützelflüh schritt ich auf einen markanten Baum zu. Der Jauche ausbringende Bauer bemerkte des Fotografen Begeisterung und stoppte seinen John Deere. Ein Ahorn sei das, ein geschützter noch dazu. Und dann lehrte mich der Mann ein neues Wort: «Gschtumpet». Um 1930 wurde der Baum gepflanzt. Seither hat man ihn dreimal «gschtumpet», will sagen, bis auf den Stamm beschnitten. Daher auch die für einen Ahorn ungewöhnliche Form.

Der dreifach «gschtumpet» Ahorn von Lützelflüh (BE)

So dünn war der Stamm, als um 1930 der Ahorn gepflanzt wurde

In Lützelflüh, dem Gotthelf-Dorf, gelangte ich nicht nur am Gotthelf-Denkmal vorbei, ich entdeckte seitlich der Kirche Gotthelfs Grabstein. Und es zog mich schon weiter, als ich, einer Intuition nachgebend, ein paar Schritte vom Dichtergrab entfernt die Lebensdaten eines namhaften Emmentaler Mundartdichters las. Jene von Simon Gfeller. Dass der Schöpfer von «Heimisbach», «Eichbüelersch» oder «Ämmegrund» wenige Meter von Jeremias Gotthelf zu liegen kam, war mir nicht bekannt. Was ich hingegen wusste: 1968, 25 Jahre nach Gfellers Tod und gleichzeitigem 100. Geburtstag, ehrte man den Dichter, indem die Talschaft Dürrgraben offiziell in Heimisbach umbenannt wurde. Sein wohl bekanntester Roman, «Heimisbach», spielt unverkennbar im Dürrgraben bei Burgdorf.

Beim Gotthelf-Denkmal in Lützelflüh (BE)

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