7. Mai 2020

Mein lieber Schwan

Es war zu Beginn der 1990er-Jahre, als ich mit einer jungen Frau, in die ich schauderhaft verliebt war, einen Spaziergang in der Umgebung von Mühleberg unternahm. Hierbei legten wir im Schwanen in Allenlüften eine Rast ein. Wir liessen uns auf der kleinen Terrasse nieder. Ich mit einer Stange, sie mit einem Rivella blau. Vor ein paar Wochen hatte ich in der Gegend fussgängerisch zu tun, indem ich vom besagten Mühleberg nach Thörishaus schrittelte. Und weil mich meine Route durch Allenlüften führte, war ich gespannt darauf, ob es diese Beiz noch gab.

Sie existierte noch, allerdings lediglich in Form des Gebäudes, an dessen Fassade ein verbleichtes Wirtshausschild hing. Ich zückte die Kamera und machte, in memoriam von Bier, Rivella und rosaroter Brille, ein paar Bilder. Zu Hause erfuhr ich im Web, dass der Schwanen im Mai 2013 von der siebten Generation übernommen worden war, die jedoch knapp ein Jahr später die Segel streichen musste. Ende, aus, fertig. Weshalb auch immer, der Schwanen zu Allenlüften ist kein Einzelschicksal in der Beizenlandschaft Schweiz. Dennoch fand ich es schade, dass in diesem kleinen Ort ein traditionsreiches Haus – über der Eingangstüre ist immerhin das Jahr 1679 eingekerbt – keine Gäste mehr bewirtet.

Gedankenverloren zog ich weiter südostwärts, geriet hierbei auf die aussichtsreiche Ledifluh und später durch den grossen Forstwald, in dem sich mitunter skurrile Landschaftseskapaden abspielten. So oder so, es war eine bombastische Frühlingswanderung durch grünendes Gehölz, die, wie schon ein paar Wochen zuvor, an der S-Bahn-Haltestelle Thörishaus Dorf endete, wo ein Idiot ins Wartehäuschen gekotzt und andere, nicht weniger statthafte Zeitgenossen, ihren Unrat hinzugegeben hatten, als ob es in diesen Corona-Zeiten nichts Besseres gäbe, sein Unvermögen im öffentlichen Raum zu manifestieren. Bilder dieser Tour, insbesondere vom Schwanen in Allelüften, gibt es hier (garantiert ohne das Gekotze von Thörishaus).

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