8. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 99

Unterdessen langten die von unten heraufkommenden Personen bei uns an und waren ebenso erfreut über unseren Anblick, wie wir über den ihrigen; denn beide Teile konnten nun, mitten auf dem gefährlichen Pass, mit viel mehr Sicherheit auf eine glückliche Zurücklegung desselben schliessen. Die Hauptperson dieser aus vier Männern bestehenden Gesellschaft, war Herr Paul Vincent aus Gressoney, der in Gressoney selbst ein Goldbergwerk und in Konstanz ein Handelsetablissement besitzt, von wo er beinahe jeden Sommer diesen oder einen ähnlichen Weg nach Hause nimmt. Wir erfuhren von ihm, dass er die nämliche Spitze des Monterosa bestiegen habe, welche der oben erwähnte Herr Pater Bärenfaller aus Obergressoney erstiegen hat. Auch jetzt führte er alle nötigen Apparate zu grossen Gletscherreisen, wie Seile, Fusseisen usw. mit sich und hatte vor wenigen Tagen von Zermatt aus, einige der hohen, nordöstlichen Umgebungen des Rosa besucht, so dass es mir sehr interessant gewesen wäre, von diesem Bewohner und Kenner der nächsten Umgebung eines der unbekanntesten Gebirgsstöcke ausführlichere Erkundigungen darüber einzuziehen. Dazu war aber fatalerweise der Ort unsers Zusammentreffens gar nicht geeignet; denn wir standen beide tief im Schnee, waren davon durchnässt und zitterten vor Frost. Nachdem er mir einige Grüsse und Aufträge an angesehene Bekannte, die er in Zürich hat, mitgegeben hatte, mussten wir uns leider schon wieder trennen. Seine beiden Führer aus Zermatt kehrten mit uns und der unsrige mit ihm nach ihrer Heimat zurück, wodurch nicht nur sie, sondern auch wir viel gewannen, weil nun jede Partei Führer bei sich hatte, die soeben den stündlich sich verändernden Gletscherweg zurückgelegt und genau kennen gelernt hatten.
Fortsetzung folgt

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