7. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 98

Als wir nach kurzem Verweilen auf dieser frostigen Höhe im Begriff waren, über den nördlichen Abhang gegen das Wallis hinunterzusteigen, sahen wir zu unserer Verwunderung und Freude, über das vor uns liegende, unermessliche Schneefeld hin, von weitem einen Trupp Menschen gegen uns heransteigen. Dem Führer, der schon wiederholt einige Sorge verraten hatte wegen des Hinuntersteigens im aufgeweichten, tiefen Schnee, machte diese Erscheinung besonders grosse Freude; indem er daraus schloss, dass die Arbeit viel besser vonstatten gehe, als er sich eingebildet hatte, und dass er viel früher als er glaubte, den Rückweg nach seiner Heimat wieder antreten könne. Im Augenblick dieser Freude aber vergass und vernachlässigte er ein wenig seine gewöhnliche Sorgfalt, wodurch die Freude bald in grosses Leid sich verwandelt hätte. Denn nach wenigen Schritten zu eiligen Bergablaufens, lag er plötzlich vor unseren Augen bis unter die Arme versunken und hatte grosse Mühe, sich mit aller Anstrengung aus einem Loch herauszuarbeiten, in welchem seine Füsse keinen Grund erreichen konnten. Zum Glück hatte er sich sogleich, als er den Unterleib hineinsinken fühlte, mit dem Oberleib vorwärts, auf den jenseitigen festen Rand einer Gletscherspalte geworfen und sich durch diese schnelle Vorsicht vor dem gänzlichen Versinken verwahrt. Kaum war es ihm gelungen, sich wieder herauszuarbeiten, so warnte er uns, nicht zu nahe zu treten; denn erst jetzt bemerkte er eine schwache, fortlaufende Vertiefung im Schnee als Zeichen einer darunter verborgenen Gletscherspalte. Da diese rechts und links sich weit ausdehnte, blieb uns nichts anderes übrig, als mit den Stöcken an der Stelle, wo der Führer eingesunken war, den Schnee bis auf beide feste Ränder der Spalte wegzustossen, um die Weite der Höhlung zu prüfen, und als diese nicht mehr als drei Fuss betrug, darüber hinwegzuspringen.

Fortsetzung folgt

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