26. November 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 117

Den 28. Juli früh stiegen wir im engen, bewaldeten Talgrund weiter abwärts und kamen in zwei Stunden nach Stalden, dem Vereinigungspunkt des Saaser- und Nikolaitals, von wo diese vereinten Täler den Namen des Visptals annehmen und sich durch dieses zwei Stunden weiter unten, mit dem Haupttal der Rhone vereinigen. Somit war nun der ganze Zirkel um den mächtigen Gebirgsstock des Rosa herum in sechs Tagen geschlossen, und diese nächstmögliche Tour, um die an Umfang grösste Masse des Alpengebirges, erfordert demnach einen Kreis von sechzig Stunden Weges auf den rauesten, mühsamsten, mit Gefahr verbundenen Fels- und Gletscherpfaden, wobei man sechs hohe Gebirgsrücken übersteigen muss, von denen der niedrigste, der Colle Bettaforca über achttausend Fuss und der höchste, der Matterhornpass oder Matterberg (Col du Montcervin)[1] über zehntausend Fuss absolute Höhe hat.

Es wäre freilich beim Zusammentreffen der günstigsten Umstände nicht nötig gewesen, von der Höhe der Cimes Blanches noch in das Tournenchetal nach Breuil hinunterzusteigen; denn wenn es uns von dort aus gelungen wäre, über den Gletscher zu kommen, so hätten wir die ganze Tour um einen Tag früher, freilich nur mit Ersparung von fünf bis sechs Stunden Umweg, vollendet; aber die Ersteigung der Cimes Blanches wäre dessen ungeachtet unvermeidlich gewesen, und da die damalige Beschaffenheit des Gletscherpasses von hier aus, auch bei der günstigsten Witterung, mit den grössten Gefahren verbunden ist, so nehme ich an, es sei einstweilen für jeden, der nicht sein Leben aufs Spiel setzen will, bei dieser Tour notwendig, nach Breuil hinunterzusteigen und von dort aus den Gletscher auf weniger gefährlichem Pfad und mit zuverlässigen Führern zu passieren.

[1] Heute Theodulpass.
Fortsetzung folgt

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