31. Oktober 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 91

Erst nachdem wir über dieses sein sonderbares Benehmen nähere Erläuterung verlangten und ihn fragten, warum er, anstatt in diesen gerade fortlaufenden Fussstapfen fortzuwandern, so grosse Umwege mit uns mache, zeigte er uns folgende, in der geschwinden Anwendung unseren Blicken entgangene Verfahrungsart etwas langsamer und deutlich. Fürs Erste nämlich beobachtete sein geübtes Auge, was wir andern oft, selbst wenn er darauf hindeutete, nicht einmal sahen, gewisse, kaum bemerkbare, meist in einer Linie, die durchschnitten werden musste, vor uns sich ausdehnende, schwache Vertiefungen im Schnee, die bisweilen, näher oder entfernter, rechts oder links, oder auch zu beiden Seiten, in offene Löcher oder Spalten ausliefen. Unter diesen oft unmerklichen, vertieften Linien im Schnee kann man allemal eine verborgene Spalte annehmen. Nähert man sich nun einer solchen Linie, um darüber wegzuschreiten, so muss man vorher sorgfältig mit dem gespitzten Stock den Schneegrund prüfen. Bald wird man finden, dass der Stock an einer oder an mehreren Stellen durchzustossen ist, und an allen diesen Stellen würde man sein Leben aufs Spiel setzen, wenn man ohne weiters seinen Fuss zum wirklichen Tritt darauf niedersetzte. Findet man aber diesseits und jenseits, in einer nicht mehr als etwa einen Fuss breiten Entfernung von der durchstossenen Schneedecke, dieselbe mit dem Stock undurchdringlich, so darf man ohne Gefahr darüber hinschreiten; wenn man dagegen, etwa drei Fuss weit vor sich hin, den Schnee durchstossen kann, so wende man sich sorgfältig, wenn auch noch Fusstritte von dem vor hergehenden Tag darüber wegführen sollten, gleichwohl von dieser Stelle weg und suche, auf oben beschriebene Art, eine sichere Schneebrücke über den drohenden Schlund.

Fortsetzung folgt

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