15. Oktober 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 76

Unterdessen frühstückten wir ein wenig von dem mitgenommenen Brot und Käse. Ich untersuchte die umliegende Gebirgsart und fand flach südlich eingesenkten, viel Hornblende enthaltenden Gneis, der zuweilen dem Hornblende- und Grünsteinschiefer nahe kommt. Währenddem wir so eine halbe Stunde lang im Nebel sassen, und auf dessen Verschwinden harrten, hörten wir mehrere Male südöstlich neben uns ein donnerähnliches Getöse, worüber unsere Führer sich stritten, ob es von den nahen Gletschern, oder von wirklichem Donner herrühre. Dieses letztere, als eine Vorbedeutung von schlechter Witterung, beunruhigte uns in der jetzigen Lage nicht wenig, besonders da es wirklich immer mehr Wahrscheinlichkeit gewann. Inzwischen wurde der Nebel durch einen Windstoss aus Süden ein wenig zerrissen, und plötzlich zeigte sich unserem überraschten Blick, in dem dunklen Blau des an einer Stelle entwölkten Himmels, eine kolossale, mit Eis und Schnee behangene Felspyramide in nördlicher Richtung ganz nahe scheinend vor uns. Es war das Matterhorn, Mont Cervin, das selbst von unserem hohen Standpunkt aus, der nach Saussures Messungen 9500 Fuss über das Meer erhaben ist, noch als ein gewaltig hohes Felshorn erschien, und ganz frei aus dem dunkelblauen Hintergrund des Himmels empor sich erhebend, mit seinem hell glänzenden Kleid von Eis und Schnee, den Fuss in Wolken gehüllt und wie auf ihnen schwebend, einem mächtigen, überirdischen, hohe Ehrfurcht gebietenden Wesen glich, dessen Anblick so wundervoll und einzig war, dass man seine Augen kaum wieder davon wegwenden konnte.
Fortsetzung folgt

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