8. September 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 39

Nachdem wir in Macugnaga, im ziemlich schmutzigen Wirtshaus, eine Suppe zu Mittag gegessen und uns für das Nachtquartier und den Turlopass mit Wein und Brot (mehr war nicht zu bekommen) verproviantiert hatten, setzten wir unseren Weg nach dem eben benannten Bergpass fort. Er führte uns zuerst eine Viertelstunde talabwärts und dann, über eine vorspringende Anhöhe am rechtsseitigen Talhang, in ein kleines, südwestlich ansteigendes Seitentälchen hinein. Dieses einsame, öde, mit wenig Nadelholz bewachsene, sogenannte Quarazza- oder Krazertälchen zieht sich zwei Stunden lang bis an den unmittelbaren Fuss des Turloberges hinan und endigt bei den obersten Alphütten diesseits des Berges, im Grunde[1] genannt. Es war Abends vier Uhr, als wir hier anlangten und beschlossen, unser Nachtlager hier aufzuschlagen; weil unser Führer versicherte, der Turlopass sei viel rauer und mühsamer, als der Montemoro, und es wäre zu anstrengend, beide in einem Tag zu passieren. Die Hütten waren nur mit älteren, ziemlich schmutzig aussehenden Weibern besetzt, welche nicht sehr geneigt schienen, drei Männern Nachtquartier zu geben, und uns den vorstehenden Turlopass viel weniger weit und beschwerlich schilderten, als unser Führer. Da sich überdies der Himmel stark zu bewölken anfing und auf den folgenden Tag schlechtes Wetter vermuten liess, wünschten wir sehr, aus dieser öden und traurigen Umgebung weg und wenn möglich, heute noch auf den jenseitigen Gebirgsabhang, gegen das Tal von Alagna hin zu kommen, um doch morgen, im Falle schlechter Witterung, einem in mineralogischer und bergmännischer Beziehung merkwürdigen Ort näher zu sein. Aus diesen mehrfachen Gründen machten wir uns erst abends gegen sechs Uhr auf den Weg über den Turloberg, von den Landleuten nur das «Türle» genannt.

[1] La Piana (1630 m)
Fortsetzung folgt

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