30. August 2019

Wanderungen in weniger besuchte Alpengegenden der Schweiz – 30

Am 23. Juli, früh vor Tagesanbruch, wurden wir von unserem Heulager aufgeweckt, durch den Lärm vorüberziehender Herden und Hirten, die von Saas aus nach der obersten, gegen den Montemoro hin gelegenen Alp Distel, sich begaben. Sobald der Tag angebrochen war, machten wir uns auf denselben Weg und erreichten, an der rechten Seite talaufwärts wandernd, in drei Viertelstunden die Stelle, wo von der linken Talwand herunter ein mächtiger Gletscherarm[1] ganz in das Tal herab sich senkt, dasselbe mehrere hundert Fuss tief ausfüllt, und quer hindurch als ein mächtiger Eisdamm versperrt. Diese Eismasse ist besonders seit den letzten paar Jahren und jetzt noch, nämlich von 1819 bis 1822, so stark im Anwachsen, dass sie die Fortsetzung des ziemlich breiten, im Tal verlaufenden Weges tief unter sich vergraben hat. Ein zweiter, in Folge dessen dann höher an dem Gletscherrand herumgeführter Weg hatte das gleiche Schicksal. So sahen wir drei bis vier solche, von den letzten Jahren herrührende Wege, welche sich tief unter die Gletschermasse verlieren, und erst vor nur noch wenigen Tagen hatten die Talbewohner statt des letztjährigen, wieder von dem Eis verschlungenen Weges, einen neuen hergestellt, um nur ihr Vieh wieder auf die Alpen treiben zu können. Von diesem, besonders in den letzten warmen Jahren stattgefundenen, ausserordentlichen Anwachsen gewisser Gletscherausflüsse oder Arme und von den Ursachen dieser Erscheinung wird bei einem anderen Anlass, in der Folge dieser Reise, etwas ausführlicher die Rede sein.

[1] Die Rede ist vom Allalingletscher.
Fortsetzung folgt

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen